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Full text of "Monatshefte Für Praktische Dermatologie 28 1899 ( 1)"

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MONATSHEFTE 


FÜ11 


PRAKTISCHE 



TOLOG 


P. G. UNNA und P. TAENZER. 


ACHTUNDZWANZIGSTER BAND. 

1899. 

JANUAR BIS JUNI. 

mit vier tafeln. 


HAMBURG und LEIPZIG, 
VERLAG VON LEOPOLD VOSS. 

1899. 


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^XÄLOCU^ 

KC V G 1 1899 
vGF.B^ 


Druck der Verlagsanstalt und Druckerei Actien-Gesellschait 
(vormals J. F. Richter) in Hamburg. 


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Inhalt 


Originalabhandlungen. 

Seit« 

Beitrag zur Kenntnis des Baues der normalen Hornzellen mit besonderer Berück¬ 
sichtigung der Ernstschen „Keratingranula“, von J. M. H. Mac Leod. 1 

Ein Beitrag zur Kenntnis des Pemphigus neonatorum acutus, von Bernstein.. 19 

Sipo cutifncius, von P. G. Unna.. 21 

Historische Streifzüge. (Fortsetzung: Quintus Serenus Samonicus), von Moritz 

Cohn. 24 

KHnische und histologische Untersuchungen über einen Fall von Atrophia idio- 

pathica, von P. Colombini. 65 

Der Sjphilismus, von Tommasoli. 73 

Uber Salbenleime..von M. Pelagatti.. 92 

Serotaxis durch Ätzkalilösungen. Eine neue Methode zur Diagnose und gleich¬ 
seitig zur Therapie von Hautkrankheiten, speziell des Lupus, von Adalbert 

C. Frickenhaus. 121 

Worauf kommt es bei der Heilung eines Unterschenkelgeschwürs an? von G. 

Freud enthal. 127 

Liantral, ein reines Steinkohlenteerextrakt, von Troplowitz. 134 

Das Lepra - Hospital zu Pelantoengan. Bericht über das Jahr 1897 von J. F. 

Müller. 173 

Über die Prostitution, speziell in Dresden, von Wert her. 181 

Herpes als Vorläufer des Schankers, von Ch. Au dry. 197 

Impetigo vulgaris, von P. G. Unna und Frau Schwenter-Trachsler 229. 333. 385 

Gläserne Salben-Fülltuben, von Oscar Ehrmann.250 

Sn einfacher Heifsluftbrenner, von P. G. Unna. 352 

Sn Fall von frühzeitiger tertiärer Syphilis, von A. Grosglik.404 

Ein Fall von Röntgenatrahlendermatitis, von Buri.437 

Studien über Depigmentierungen, von J. Fryding.439 

Über die Verwendung der Pasta Zinci sulfurata mit Zucker in der dermatologi¬ 
schen Praxis und über die Behandlung der Sykosis subnasalis, von Me nahem 

Hodara.449 

Die neuesten Thatsachen betreffend die Frage über den Einflufs der X-Strahlen 

auf die gesunde und kranke Haut, von Valentin Zarubin.489 

Über Largin als Trippermittel, von Stark. 507 

Weifses Kautschuk-Heftpflaster, von P. G. Unna. 511 

Zur Lehre über die Wachstumsrichtung der Haare in der ersten Anlage, von T. 

Okamura.541 

Über chlorotische Dermatosen, von Funk.551 

a* 


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IV 


Seite 


Lanolin resp. Adeps lanae als aufsaugungsbetörderndes Mittel bei Drüsen-Resorp- 

tionstumoren, von Adalbert C. Frickenhaus.555 

Der Besorcinalkohol in der ambulatorischen Behandlung insbesondere des sebor¬ 
rhoischen Ekzems des Gesichts, von Adalbert C. Frickenhaus. 556 

Der nächste internationale Kongreß in Paris, von P. G. Unna. 609 

Syphilidologische Beiträge (I. Sechs Fälle von extragenitaler Syphilis-Infektion. 

— II. Eine kleine, aber merkwürdige syphilitische Endemie. — UL Bemer¬ 
kungen zum Baum&sschen Gesetz), von Neuhaus. 616 

Ein neuer Beitrag zur Frage der Altertumssyphilis, von Iwan Bloch.629 

Unguentum pomadinum aromaticum, von P. G. Unna. 633 


Y ersammlnngen. 


Berliner medizinische Gesellschaft. 28. 97. 139. 

Venerologisch-dermatologische Gesellschaft zu Moskau. 32. 202. 251. 

Jahresversammlung der British Medical Association. Sektion für Dermatologie.. 

Jahresversammlung der amerikanischen dermatologischen Gesellschaft. 

Berliner dermatologische Gesellschaft... 99. 198. 451. 514. 

Französische Gesellschaft für Dermatologie und Syphiligraphie. 100. 

Wiener dermatologische Gesellschaft. 

Jährliche Versammlung der Italienischen Gesellschaft für Dermatologie und 

Syphiligraphie... 

Dermatologische Gesellschaft von Grofsbritannien und Irland. 252. 

Londoner dermatologische Gesellschaft. 253. 

Ungarische dermatologische und urologische Gesellschaft in Budapest. 

Deutscher ärztlicher Verein zu St. Petersburg. 

Wissenschaftliche Arztegesellschaft in Innsbruck . 455. 


455 

453 

33 

34 
637 
137 

140 

141 
557 
518 
410 

454 
518 


Fachzeitschriften. 


Archiv für Dermatologie und Syphilis. 36. 103. 256. 354. 457. 641 

Dermatologische Zeitschrift ... 41. 144. 357 

Centralblatt für die Krankheiten der Harn- und Sexualorgane 106. 204. 205. 459. 559 
Monatsberichte über die Gesamtleistungen auf dem Gebiete der Krankheiten des 

Harn- und Sexual-Apparates..... 149. 361. 460. 559 

Dermatologisches Centralblatt. 43. 205. 361. 460. 560 

Annales de Dermatologie et de Syphiligraphie. 107. 152. 206. 560 

Journal des maladies cutanöes et syphilitiques. 108. 564 

Annales des maladies des Organes glnito-urinaires. 43. 153. 207. 567 

The British Journal of Dermatology. 150. 362. 461. 521 

Archives of Surgery.462 

Giornale italiano delle malattie veneree e della pelle. 153. 259. 414 

Clinica dermosifilopatica della r. Universitä di Roma. 154 


Journal of cutaneous and genito-urinary diseases . 45. 46. 154. 416. 466. 522 

American Journal of Dermatology and Genito-Urinary Diseases 48. 49. 418. 469. 573 


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V 


Beite 

Bücherbesprechungen. 

Zur Lehre von der Syphilis congenita, von Oedmansson. 61 

Bacillus graminearum, von Montano... 62 

Atlas der äufseren Erkrankungen des Auges, von 0. Haab. 62 

Das Becken, von W. Waldeyer... 156 

Jahresbericht über die Fortschritte in der Lehre von den pathogenen Mikroorga¬ 
nismen. XD., von P. von Baumgarten und F. Tangl. 166 

Über Carate in Columbien, von Montoya y Florez. 157 

Die Sensibilitätsstörungen der Haut bei Visceralerkrankungen, von Henry Head. 

Deutsch von Wilhelm Seiffer... 168 

Histologischer Atlas zur Pathologie der Haut, Heft 3, von P. G. Unna.364 

Jahresbericht über die Fortschritte in der Lehre von den pathogenen Mikroorga¬ 
nismen, umfassend Bakterien, Pilze und Protozoen. 13. Jahrgang, 1897, 

1. Hälfte, von P. von Baumgarten und F. Tangl.364 

Leitfaden der Hautkrankheiten, von L. Duncan Bulkley.364 

Casuistique et Diagnostic photographique des maladies de la peau. 8. Lieferung, 

von van Haren-Noman.....366 

Die Behandlung der Dermatosen mit chirurgischen Methoden und mit physikali¬ 
schen Mitteln, von Brocq. 365 

Jahresbericht aus Finsens medizinischem Lichtinstitute, von Niels R. Finsen.. 366 

Agenda therapeutica, von Heinrioh Paschkis.366 

Klinische Formen und Behandlnngsweise der syphilitischen Rückenmarksleiden, 

von Gilles de la Tourette. 367 

Die Lehre von der Pellagra, von Cesare Lombroso. 368 

Therapie der Hamkrankheiten, von C. Posner. 370 

Indikationen und Technik der Harnröhrenblasenspülungen, von Richard 

d'Aulnay.371 

Bibliographie der klinischen Entomologie (Hexapoden, Acarinen), von J. Ch. 

Huber. 473 

Die Erkrankungen des Gehörorgans bei Masern und bei Influenza, von Blau ... 473 

Die Vererbung der Syphilis, von E. Finger.475 

Untersuchungen über den Leprabacillus und über die Histologie der Lepra, von 
Victor Babes. 526 


Systematische Übersicht der Referate. 

I. Allgemeines. 

Anatomie und Physiologie der Haut . 

Zellkerne mit „homogener Substanz“, von Kuznitzky. 258 

Zur Histologie der Haut. Die Fettsubstanz der Hornschicht der Epidermis beim 

Menschen und den Säugetieren, von Ranvier.....372 

Rothe, blonde und braune Haare. 372 

Über die Resorption des Quecksilbers durch die Haut, von Piccardi.414 

Über das Vorkommen weifser Blutkörperchen mit eosinophilen Granulationen bei 
einigen Hautkrankheiten, von Truffi.415 

Mikroskopische Technik . 

Was sind die Ernstschen Keratingranula, von Kromayer. 53 

Nochmals die Keratingranula, von Kromayer. 58 

Zur Färbung der Ganglienzellen, von Friedrich Luithlen und Josef Sergo 54 
Über eine neue Bakterienfärbung und ihre spezielle Verwertung bei Gonokokken, 

von Schäffer. 54 

Das Mikrosporum des Pferdes, von Bodin. 54 

Vergleichende bakteriologische und experimentelle Untersuchungen über die 
Kapselbacillen von Pfeiffer und Frisch, von Mario Oro. 55 


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VI 


8eite 

Bakteriologie . 

Die Pluralität des Ringworm-Pilzes, von C. Fox. 34 

Bacillus graminearum, von Montano. 62 

Kultur des Ducreyschen Bacillus, von Lenglet. 100 

Vergleichende bakteriologische und experimentelle Untersuchungen über die 

.. Kapselbacillen von Pfeiffer und Frisch, von Oro. 143 

Über einige in der Nasenrachenhöhle des Menschen vorkommende und mit den 
.. Mikroorganismen des Bhinoskleroms verglichene Kapselbacillen, von Ducrey 143 
Über die Färbbarkeit des Gonococcus und sein Verhalten zur (Iranischen Methode» 
von M. Wein rieh.....372 


Hygiene . 

Die Polizeiverordnung vom 11. Juli 1898 betreffend die Anzeigenpflicht bei Ge¬ 
schlechtskrankheiten, von Rosenthal.304 

Die hygienischen Mafsregeln gegen die Prostitution, von E. Pontoppidan .... 373 
Zur Verbreitung der venerischen Krankheiten in Kiel, von H. Wullenweber . 373 

Infektion bei der Toilette, von Engmann.470 

Die Hygiene der Haut in gesunden und kranken Tagen, von Woodruff.471 


Allgemeine Pathologie und Therapie . 

Die Anwendungen von Ruhe bei der Behandlung der Hautkrankheiten, von 

Allan Jamieson. 33 

Über die Behandlung der Hautkrankheiten mit hochgespannten Wechselströmen, 

von Arthur Strauss. 42 

Einiges über Pathologie und Therapie der bekanntesten Hautkrankheiten, von 

Wittzach. 55 

Über den Wert der Vegetationen in der Dermatologie, von Tommasoli. 55 

Mangelhafte Sekretion von organisch nicht erkrankten Nieren im Zusammenhang 
mit Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane und mit Hauterkran¬ 
kungen, von L. Duncan Bulkley. 56 

Inwieweit schützt der Brand- und Ätzschorf aseptische Wunden gegen eine In¬ 
fektion mit Diphtheriebacillen und pyogenen Streptokokken? von PaulCohn 56 
Eine neue Strahlenpilzart nebst Bemerkungen über Verfettung und hyaline Degene¬ 
ration, von Ernst Delbanco... 56 

Die Anwendung von Ruhe bei der Behandlung von Hautkrankheiten, von Allan 

Jamieson. . 57 

Über die Wirkung indifferenter Thermalwasser auf die Haut, von Josioneck.. 57 
Über die Anwendung des Salzwedelscheu Spiritusverbandes in der Dermatologi¬ 
schen Praxis, von A. Lanz... 58 

Über Alkoholdunst verbände, von Heus 8. 58 

Das Prinzip der Komplementärfarben angewandt bei der Diagnose von Haut¬ 
krankheiten, von Haan. 110 

Über die Caseinfirnisse, von Darier.... 133 

Hypothese über die Ätiologie der Hautpigmentanomalien, von Plachte.452 

Über Hautausschläge im Zusammenhang mit Gicht, von J. Hutchinson.466 

Einfluis des Klimas auf die Hautkrankheiten, von Ohmann-Dumesnil.472 

Über die Beziehungen zwischen Nase und Hautkrankheiten, von Walter.476 

Resorption des Quecksilbers durch die Leukocyten, von Stassano. 477 

Hautveränderungen bei Rheumatismus, von David Walsh..477 

Über das elastische Gewebe in Narben nach induriertem Schanker. Ein Beitrag 
zur Frage von der Regeneration der elastischen Fasern, von Hjelmman .. 478 
Über das Verhalten der eosinophilen Zellen in Hautblasen, von Bettmann .... 478 

Beiträge zur Radiotherapie, von Eduard Schiff und Leopold Freund.479 

Die Elektrolyse bei der Behandlung von Hautkrankheiten, von G. Th. Jackson 479 

Die Massage bei Hautkrankheiten, von Mary...480 

Über die Anheilung getrockneter und feucht aufbewahrter Hautläppchen, von 

Enderlen... 480 

Ein dermatotherapeutischer Beitrag, von E. Saalfeld.481 


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— vn — 

Seit« 

Pharmakologie. 

"Über Vasogen, von K üs e 1.... 33 

Ein Reagenspapier znm Nachweis des Jods in Speichel and Harn, vonBourget 58 

Difluordiphenyl..... 59 

Über die Resorption des Jod-Vasogen durch die Haat, von Scheele .. 59 

Das Naftalan. 59 

Der Einflnüs des Quecksilbers auf das Nervensystem des Kaninchens, von Brauer 59 
Beitrag zur Wirkung des Argentum nitricum in der Harnröhre und Harnblase, 

von Casper. 99 

Über Naftalan, von £. Saalfeld... 146 

Experimentelle und klinische Untersuchungen über die reduzierenden Wirkungen 

dee Pyrogallols, Eugallols and Lenigallols, von P. Grüneberg. 357 

Über „Orthoform“ beziehungsweise „Orthoform-neu“ als Zusatz zu Quecksilber¬ 
paraffinemulsionen, von F. Epstein ..361 

Ein Beitrag zur therapeutischen Verwendung des Airols, von H. Tausig.481 

Über das Cearin, von Issleib...*.481 

Über eine Indikation des Airols, von I. Bloch.481 

Über Chinolin-Wismut-Rhodanat, von L. Forchheimer.482 

Eudermol und seine Anwendung bei Scabies, von Wolters.482 

Über Gonorol, von Riehl.....482 

Über chirurgische Erfahrungen mit löslichem metallischen Silber bei der Behand¬ 
lung von septischen Wundinfektionen (Blutvergiftungen), von 0. Werl er .. 482 
Über Anwendungsweise und Wirkungen des löslichen metallischen Quecksilbers 

(Hydrargyrum colloidale), von 0. Werler. 482 

Die therapeutische Verwendung der Jodei weifsverbindungen (Eigon), von W. 

Tischer und A: Beddies. 483 

Jodoformogen, ein geruchloses Jodoformpräparat, von Wagner.483 

Erfahrungen über die therapeutische Verwertbarkeit des 6%igen Jodvasogens, 

von Floras.484 

Erfahrungen mit Naftalan, von W. Riehm.484 

Die lokale Behandlung schmerzhafter TJlcerationen mit Orthoform, von E. S. 

Yonge. 484 

Über die Anwendung von Salbenmullen in der Dermatotherapie, von L. Leistikow 484 

Das Tannoform in der Dermatotherapie, von S. Ehrmann.485 

Ein neues Harndesinficiens, von Reynold W. Wilcox.486 

Über die Heilwirkung des Xeroforms, von Thurnwald...486 


II. System der Hautkrankheiten. 

A. Angioneurosen. 

Urticaria pigmentosa, von Stelwagon...... 86 

Die Serumexantheme bei Behandlung der Diphtherie mit Antitoxin. — Ihre Patho¬ 
genese und die Möglichkeit ihrer Verhütung, von Henry W. Berg. 60 

Über Antipyrinexanthem, von Wechselmann. 61 

Das akute circumscripte Ödem, von Schlesinger...... 61 

Elin Fall von Erythema exsudativum multiforme bullosum, von Greig. 62 

Pellagra, von v. Düring. 62 

Kasuutische Mitteilungen zur Urticaria, von F. Buret. 109 

Teleangiektasien, von Blaschko.451 

Urticana papulosa, von Pinkus.451 

Akutes, umschriebenes ödem in Verbindung mit Hämoglobinurie, von G. W. W ende 526 

Eine neue Varietät des polymorphen exsudativen Erythems, von Breda.532 

Ein Fall von prämykotischer Erythrodermie mit Befallensein von Mund und Pha¬ 
rynx, von Hallopeau and Weil. 532 

Sin Fall von spontaner Gangrän aller vier Extremitäten mit sehr akutem Verlauf 
und tödlichem Ende, ohne nachweisbare Ursache, von Jos. McFarland .. 532 

Über Serumbehandlung bei Diphtherie, von Job. Fibiger. 532 

Ausschläge nach Injektionen mit Diphtherie-Heilserum, von der Diphtherie- 
Heilserum-Kommission...532 


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vm 


8eite 

Zwei Fälle von Chloraleruption, von Labadie-Lagrave and Deguy. 634 

Beitrag zur Kenntnis der Antipyrinintoxikation, von Graul.634 

Ein Fall von Antipyrinintoxikation, von R. Immerwahr.684 

Ein Fall von Urticaria nach Antipyrinmedikation, von Bovnitzky.634 

Ein Fall von chronischer Urticaria des Larynx, von W. Freudenthal.636 

Ein Fall von Urticaria factitia oder sogenanntem Dermographismus, von L. E. 

Stevenson. 636 

Über einen Fall von Urticaria haemorrhagica, von 0. Lentz.636 

Hämorrhagische Infektion durch Diplokol&en, von Rinaidi. 637 

Über einen Fall von cerebraler Meningealhämorrhagie bei Purpura, von L. Havas 637 
Über Henochs Krankheit oder nervöse Purpura, von Francis A. Thompson . 637 

Purpura haemorrhagica bei einem Kinde, von F. M. And re wes.638 

Fall von Morbus .maculosus Werlhofii mit Darmblutungen bei einem 17* jährigen 

Kinde, von Axel Madsen.638 

Urticaria und Hitzschlag, von Drouineau. ...666 

. B. Entzündungen. 

L Traumatische. 

Fuf8geschwür hervorgerufen durch Orthoform, von Ledermann. 99 

Zur Pathogenese der lokalisierten Antipyrinexantheme, von Apolant. 100 

Polymorphes Jodkaliumerythem, von Danlos... 102 

Die Antipyrinexantheme, von Hugo Apolant. 104 

Über die durch die Berührung der Primula obconica entstehende Hautentzündung, 

von E. Wermann. 147 

Drüsiges Jodexanthem, von Freund...... 199 

Hydroa aestivale, von C. Fox.254 

Recidivierende, vesikulöse Wintereruption, von C. Fox.254 

Ein Fall von Teerausschlag, von St. Mackenzie. 255 

Zum Kapitel Gewerbekrankheiten, von Stern. 261 

Eine Berufsdermatose der Photographen, von Leopold Freund. 261 

Über feuchte Einpackungen bei Verbrennungen, von Calliano. 261 

Hautvergiftung durch Primula obconica Hance, von Th. Husemann.262 

Über ein künstliches durch Primula - Varietät hervorgerufenes Erythem, von 

Dubois-Havenith.262 

Ein Beitrag zur Kasuistik der Karbolsäuregangrän, von Richard Drens.262 

Ein Fall von Karbolgangrän, von C. Steinmetz.262 

Verbrennung durch die X-Strahlen, deren Ursache und Verhütung, von Charles 

Lesten Leonhard.262 

Durch Röntgenstrahlen hervorgerufene akute Hauterscheinungen, von J. Noir.. 263 

Tuberöses Jodexanthem, von Gebert. 451 

Sommereruption, von L edermann.... 451 

Über Hautausschläge im Zusammenhang mit Gicht, von Hutchinson.466 

Erythema serpens oder Erysipeloid (Rosenbach), von W. Anderson.521 

Wiederholte, durch Phenyl-Hydrazin-Hydrochlorid hervorgerufene Attacken von 

Ekzem, von A. J. Hall. 522 

Zum Kapitel „Gewerbekrankheiten a , von Stern. 638 

Die Behandlung von Brandwunden, von N. D. Chapman. 638 

Ein Fall von vasomotorisch-trophischer Neurose, von Reipen.539 

Salolekzem, von Axmann. 539 

Odolekzem, von Axmann... 539 

Ein Fall von Karbolgangrän, von Havemann. 539 

Über die Pathogenese der trockenen Gangrän der Extremitäten nach Karbol¬ 
lösungen, von Ponzio.540 

II. Neurotische. 

Neurodermitis circumscripta, von Buschke .. 99 

Ein seltener Fall von Herpes zoster, von Truffi...260 

Über trophische Hautstörungen bei einer Hysterischen, von Per rin.263 

Herpes zoster facialis s. oplithalmicus mit Hämaturie, von Zangger.263 

Symptome und Therapie der Gürtelrose, von Alger. 264 


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IX 


Seite 

HL Infektiöse. 

1. Allgemeine Infektionskrankheiten, 
a. Akute Exantheme. 

Scharlachinfektionen durch die nach Haus zurückkehrenden Scharlachreconvales- 

centen, von Millard.264 

Zur Therapie der Scharlachnephritis, von flurwitz.264 

Scarlatina und Morbilli in Budapest seit dem Jahre 1882, von Jurkiny.264 

Bologninis Masernsymptome, von A. Koeppen. 266 

San neues bisher noch unbekanntes diagnostisches Zeichen der Roseola, von 

Koplik. 266 

Über das von Koplik als Frühsymptom der Masern beschriebene Schleimhaut¬ 
exanthem, von Slawik. 266 

Über einen Fall von Wiederauftreten eines Masernexanthems 20 Tage nach der 

ersten Eruption, von Oeconome. 267 

Drei Falle von Masernrecidiv in einer Familie, von K. Fischer.267 

Schulhygienische Reformen bei Masern, von J. Widowitz. 267 

Die Phototherapie bei den Masern, von Chatini£re. 267 

Zur Polymorphie und Differentialdiagnose der Rubeola, von Tobeitz.268 

Zur Behandlung der Variola mit Ichthyol, von Ernst Eoerschlmann.268 

Die Einwirkung der Impfung auf das Blut, von Billings.268 

Die statistischen Beweise des Impfschutzes, von Josef v. Körösi.268 

Impfschutz und Variola vaccine, von L. Voigt.269 

Bemerkungen zur Impfstofffrage, von Landmann. 269 

Notiz zu den Bemerkungen des Herrn Dr. Landmann zur Impfstofffrage, von 

Frosch. 270 

Über den Keimgehalt animaler Lymphe, von M. Kirchner.270 

Zar Impfaseptik, von L. Fürst...270 

Varicella gangraenosa, von St. Mackenzie. 520 

Die Ursache der Bösartigkeit von Scharlach und Masern in vereinzelten Fällen, 

von Alfred Freer... 576 

Scarlatina maligna, von C. K. Millard. 576 

Scarlatina maligna, von Thomas Drapes. 576 

Ösophagusstenose infolge von Scharlachdiphtherie; Heilung, von F. Ehrmann.. 577 

Diphtherie und Scharlach, von Marcus.577 

Ein Fall von Scharlach mit freiem Hämoglobin im Nierenepitbel, von A. Woldert 577 

Hyperpyrexie in einem Falle von Masern, von R. H. A. Hunter.577 

Ausbruch des Masernexanthems am ersten Tage der Krankheitserscheinungen, von 

E. Mackey.578 

Über das Kopliksche Frühsymptom bei Masern, von L. Knöspel.578 

Kopliks Flecken als Hülfsmittel zur Diagnose von Hautkrankheiten, von Jacob 

Sobel... 579 

Behandlung der Masernpneumonie, von Walter Lester Carr. 579 

Über die Kombination von Masern mit Diphtherie, von Kratzsch.580 

Über eine seltene Komplikation bei Masern (und Scharlach). Periostitis orbitae, 

von Strubell. 680 

Masern bei einem Säugling, von C. Douglas... 580 

Zur Kenntnis der sogenannten Röteln, von Krehl.580 

Die Rashs bei den Varicellen mit einigen Bemerkungen über die Rashs im all¬ 
gemeinen, von Audäoud. 581 

Ergebnisse der Schutzpockenimpfung im Königreiche Bayern im Jahre 1897, von 

L. Stumpf. 581 

Zur Frage des Impfzwanges, von B ö i n g . 581 

Vaccination in Chicago, von E. Oarrott. 582 

Naturgeschichte der Vaccinia, von S. M. Copeman. 582 

Feststellung der Wirksamkeit der Glycerinvaccination durch das New Yorker 

Gesundbeitsdepartement bei Erstimpfungen, von Fiel der.582 

Eine Schweüsfrieselepidemie in Bremen und Umgegend, von Stoevesandt und 
Hoche... 582 


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X 


8elte 

b. Chronische Infektionskrankheiten, 
o. Lepra. 

Präcolnmbi8che Lepra.... 48 

Präcolumbische Lepra, von Ashmead. 49 

Klinischer Beitrag zur Behandlung der Lepra mit dem Serum von Carasquilla, 

von Calderone.144 

Sektionsergebnisse aus dem Leprosorium bei Riga, von C. Brutzer. 144 

Über Tran8plantations versuche von Lepra auf das Gehirn einiger Thiere, von S c a n g a 154 
Wirkung des Leprabacillus auf die Spinalganglien der Meerschweinchen und ihre 
Beziehung zur reizenden Wirkung chemischer Stoffe auf diese Ganglien, 

von Riatti. 154 

Zur Lehre von der Lepra Kontagion und Heredität, von E ;> v. Düring.209 

Bemerkungen zu der Originalmitteilung von Czaplewski: Über einen aus einem 
Leprafall gezüchteten, alkohol- und säurefesten Bacillus aus der Tuberkel¬ 
bacillengruppe, von Levy.209 

Randglossen zur chinesischen Lepra, von Dr. F.210 

Ein intermediärer Typus zwischen Lepra, Syringomyelie und Morvanscher Krank¬ 
heit, von Cardamatis.210 

Ein Fall von Lepra anaesthetica mit Sektionsbefund, von Samgin.210 

Lepra in Leber und Milz, von Musehold.210 

Zur Serumtherapie der Lepra, von Dehio... 211 

Über die Behandlung der Lepra auf den Fidschi-Inseln, von Levin.211 

Präcolumbische Lepra, von Ashmead. 419 

Lepra tuberosa, von Rille.455 

Präcolumbische Lepra, von Ashmead.472 

Lepra tuberosa, von Oestreicher... 614 

Fall von Lepra, von Rille. 518 

Präcolumbische Lepra, von Ashmead.574 

Norwegische und internationale Lepragesetzgebung, von Ashmead.583 

Über internationale Lepragesetzgebung, von Armauer Hansen. 583 

Die Leprösen in Finnland, von Fayerlund. 684 

Die Lepra in Argentinien, von Sommer. 584 

Endemisches Vorkommen der Lepra in Louisiana, von Dyer.584 

Fall von Lepra mutilans in Kopenhagen, von Ehlers.581 

Ein Fall von wahrscheinlich bretagnischer Lepra, von Hallopeau.585 

Über Sensibilitätsstörungen bei Lepra, von A. Basch ko.585 

Zur Differentialdiagnose zwischen Lepra nervorum und Syringomyelie, von Leopold 

Glueck...585 

Lepröses Geschwür der Unterlippe, von H. Lewis Wagner.586 

Ein Fall von Lepra behandelt mit Quecksilberinjektionen, von Alex. Haslund. 586 

ß. Tuberkulose • 

Ulcus linguae tuberculosum, von Küsel. 33 

Die Ergebnisse der Behandlung tuberkulöser Hautaffektionen mit Tuberkulin R., 


Über die Resultate der TR. * Behandlung an der Bonner Hautklinik, von Napp 

und Grouven. 105 

Zahlreiche kleine tuberkulöse Geschwüre an Zunge und Mundschleimhaut, von 

Rille . 140 

Experimentelle Untersuchungen über den Lupus erythematosus bezüglich der 

Tuberkulose, von Melle. 141 

Tuberculosis cutis, von Tschlenow...208 

Tuberculosis cutis propria von E. Bloch.205 

Über ein angiomatöses Tuberkulid der Unterextremitäten, von Leredde und 

Milian . 207 

Weitere Beiträge zur Tuberkulose der Lymphgefässe, von Jordan.211 

Die Behandlung des Gesichtslupus vermittels der radikalen Exstirpation und nach¬ 
folgenden Transplantation, von F. Schulze... 212 

Weitere Mittheilungen über TR. Behandlung bei Lupus, von van Hoorn.212 


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XI 


8eite 

Über einen Fall von akuter disseminierter Miliartuberkulose der Haut, von 

Pelagatti.415 

Fall von Lupus, von Tschlenow.454 

über „Mortimers“ Krankheit, von Hutchinson. 465 

Zar allgemeinen Pathologie der Hauttuberkulose, von Pistoj.587 

Ein Fall von Hauttuberkulose, von Short. 587 

Eine papulo-erythematöse Form von Tuberkuliden, von Hallopeau und Laffitte 587 

Fall von Lupus vulgaris disseminatus, von Heuss. 587 

Fall von Lupus, von Dubois-Havenith. .587 

Postlupöee Narbenkontrakturen und ihre Behandlung, von Hallopeau-Weil 

und Le Dentu.587 

Die operative Behandlung des Lupus, von A. Buschke. 588 

Behandlung des Gesichtslupus vermittels der radikalen Exstirpation and Trans¬ 
plantation nach Thiersch, von Schultze.589 

Über Radikalheilung des Lupus, von P. G. Unna.589 

Über eine Methode der ambulanten Lupusbehandlung, von S. Ehrmann.591 

Über Maraglianos antituberkulöses Serum, von Ohr. Ulrich.591 

Impfangen mit dem Tuberkulin T. R. bei Lupus, von Leslie Roberts.591 

Über die Behandlung des Lupus mit Tuberkulin, von G. A. Heron.592 

Kurze Notizen über die Behandlung des Lupus vulgaris mit Tuberkulin T. R., 


Kalomelinjektionen bei Lupus vulgaris, von Bernstein. 592 

Y. Syphilis, 

Einige Fragen bei der Behandlung der Syphilis, von v. Watraszewski. 38 

Die Nierensyphilis, von Karvonen... 42 

Eisen als therapeutisches Hülfsmittel bei Syphilis, von Philipps. 49 

Ein Fall von tertiärem, kleinpapulösen, konfluierenden Syphilid, von Isaac .... 99 

Über Zungensyphilis, Glossitis nodularis und Glossitis diffusa, von Pini.107 

Über die Häufigkeit tertiärer Formen ohne nachweisbare primäre Erkrankungen 
an Syphilis beim weiblichen Material eines Krankenhauses, von Viannay.. 107 

Über die Etymologie des Wortes „Syphilis“, von A. Timmermans. 108 

Sieben Fälle von extragenitalem Schanker, von Roche......109 

Hereditäre Syphilis. Primäres phagedänisches Geschwür des Rachens, von Gastou 138 

Tabes und Syphilis, von Silex... 139 

Zwei syphilitische Primäraffekte an der Unterlippe, von Rille. 140 

Universelles Leucoderma syphiliticum, von Rille. 140 

Ulceriertes Gumma der Conjunctiva, von Rille. 140 

Eigentümliche und schwere Folgen einer subkutanen Sublimatiqjektion, von 

De Amicis. % .142 

Konstitutionelle Syphilis. Aufserordentliehe Persistenz der erblichen Übertragbar¬ 
keit, von De Amicis. 142 

Beitrag zum Studium der vollständigen und plötzlichen Taubheit wegen Otitis 

interna im Verlaufe einer acquirierten Lues, von Melle. 142 

Die syphilitischen Roseolen, von Paolini. 142 

Die Verwendbarkeit des Hyrgol (Hydrargyrum colloidale) in der Syphilistherapie, 

von Hopf. 147 

Primäraffekt an der hinteren Rachenwand, von H. Rosenthal. 148 

Schmerzhafte Varicocele als Symptom von Nierengummata bei einem Hereditär- 

Syphilitischen, von Legrain. 153 

Über die syphilitischen Gummata und ihre Abhängigkeit von Gefäfsveränderungen, 

von L. Philippson. 153 

Syphilitische Endarteriitis, von Lion. 199 

Syphilis gummosa serpiginosa, von Gereon. 199 

Neun weitere Fälle von Pseudoparalysis syphilitica, von Moncorvo.207 

Zwei Fälle von Artbropathia tarda bei der Syphilis congenita, von J. Braquehaye 207 
Ein Fall von Syphilis maligna praecox ohne Drüsenanschwellung, von A.Bennati 207 

Multiple syphilitische Schanker; Roseola urticata, von Dubois-Havenith.212 

Ein Fall von doppeltem Lidschanker, von Helbron.212 

Über extragenitale Syphilis, von E. Schreiber. 213 

Zur Statistik der extragenitalen syphilitischen Infektion, von Rosenquist.213 

Eine Hausepidemie von Syphilis, von Gottheil.213 


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— XII — 


Seite 

Zur Therapie und Diagnostik der Syphilis, von Fischer.213 

Luetische und blennorrhoische Infektion am Schwangerschaftsende, von Buecheler 214 

Über Syphilis sine exanthemata, von S. Ehrmann. 214 

Gefahr des Irrtums in der Diagnose zwischen chronisch syphilitischem Fieber und 

Tuberkulose, von Janewey.214 

Über das Fortdauern der antitoxischen Wirkung der Lymphdrüse bei einem 
Syphilitiker, der 16 Monate nach der Infektion von Scabies befallen wurde, von 

Haan. 215 

Über Syphilis gravis bei Ärzten, von Brandis.215 

Über die Kontagiosität der tertiären Syphilis, von Tarassevitch.215 

Das syphilitische Hauthorn, von Haan.215 

Die syphilitische Phlebitis, von Henzard. .216 

Über Venen-Syphilis, von J. K. Proksch.216 

Syphilis des Magens, von Dieulafoy. 216 

Über Echinokokken und syphilitische Geschwülste, von K. Lennhoff.217 

Ein Fall von doppelseitigem exulcerierendem Gumma der Augenlider, von Leon 

Grud er. 217 

Einige interessante syphilitische Erkrankungen des Auges und seiner Anhänge, 

von Jul er. 218 

Syphilis des Nervensystems, von Charles W. Hitchcock. 218 

Die Hauptunterscheidungspunkte zwischen cerebraler Syphilis und allgemeiner 

Paralyse der Irren, von Patrick.218 

Frühzeitiges Auftreten einer Dementia paralytica nach Syphilis, von Planchu. 219 

Zur Kasuistik der luetischen Rückenmarkserkrankungen, von Wittern.219 

Ein Fall von frühzeitiger spinaler Lues mit Brown*Säquards-Paralyse, von Jacobs 219 

Über congenitale Syphilis, von R. Hecker..220 

Über die parasyphihtischen Erscheinungen der congenitalen Lues im ersten Kindes¬ 
alter, von Katzen stein.221 

Über centrale Erweichung des Rückenmarkes bei Meningitis syphilitica, von 

Wullenweber.221 

Über die hereditäre Syphilis, von J. Henry Fruitnight.222 

Die Diagnose und Therapie der Syphilis hereditaria in Findelhäusern, von 

M. Szal&rdi.222 

Ein Beitrag zur Behandlung der Syphilis mit dem sogenannten Naturheil¬ 
verfahren, von F. Mraöek...223 

Unguentum hydrargyri cinereum innerlich gegen Syphilis, von Silberstein.... 223 
Über den Wert des Haemol um hydrargyrojodatum als antisyphilitisches Mittel, 

von A. Jordan.224 

Die neue Behandlung der Syphilis, von Lalande uud Pilippe. 224 

Über die Injektionen von Sublimat in hohen Dosen bei der Behandlung der 

Syphilis, von Pelagatti. 224 

An welcher Stelle müssen die Injektionen unlöslicher Quecksilberpräparate ge¬ 
macht werden? von Möller.224 

Hereditäre und konzeptionelle Syphilis, von N. La Mensa.414 

Die Behandlung der Syphilis, von Folien Cabot.418 

Verhütung syphilitischer Folgezustände, von Martin.419 

Ein ungewöhnlicher Fall von Syphilis, von Fr ick.. 419 

Periostitis byperplastica specifica der rechten Ulna, von Buschke.452 

Fall eines syphilitischen Primäraffekts der Fufssohle, von Lesser. 455 

Kongenitale Syphilis: Eine neue Theorie, von C. Williams.460 

Neue Erklärungsversuche der Pathogenese der hereditären Lues, von S. J.Karvonen 460 
Kongenitale Immunität gegen Syphilis und sogenannte „Profetasche Gesetz“, von 

George Ogilvie.461 

Ein Exanthem nach Heilung der Syphilis, von J. Hutchinson.463 

Ausgewählte Fälle von hereditärer Syphilis, von J. Hutchinson.464 

Zur Kasuistik der Syphilis, von J. Hutchinson.466 

Über sehr spätes Auftreten der tertiären Syphilis, von Hutchinson.465 

Röntgenbild von einer Periostitis ossificans syphilitica tibiae, von Paul Richter 515 
Kongenitale Immunität und das sogenannte Profetasche Gesetz, von G. Ogilvie 521 
Neue Erklärungsversuche der Pathogenese der hereditären Lues, von J. J. 

Karvonen .560 

Der Herpes als Vorbote des Schankers, von Ch. Audry. 563 


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xni — 


Seite 

Die Bedeutung des bleuen Glases für die Hautsyphilis, von Jullien, Andr6, 

Brooa und Haan. 664 

Die syphilitische Gefahr. Notwendigkeit einer Neuordnung der Prostitution, von 

J. P. Guiard.664 

Syphilis hereditaria; ulceriertes Gumma des Unterschenkels, Spontanfraktur der 

Tibia, von Baynaud. 566 

Ulcus durum des linken Ringfingers bei einem Arzt, von Derville.566 

Grofses Gumma der linken Mandel mit Zerstörung des halben Gaumensegels, von 

Gaudier. 566 

Über einen Fall von subsoapularem Reiben auf syphilitischer Grundlage, von Per 6 567 

Incontinentia urinae bei einem Syphilitiker, von Höresco und Druelle.569 

Maligne Syphilis praecox, von Christian.573 

Die Behandlung des syphilitischen Individuums ist nicht weniger wichtig als die 

Behandlung der Krankheit, von Philips. 575 

Behandlung der Schleimhautsyphilis, von Baerens. 575 

Sin Fall von initialer und postinitialer Sklerose an den Augenlidern, von Leon 

Gruder. 593 

Initialsklerose des Thränensackes, von S. Snell. 593 

Beitrag zur Kasuistik der extragenitalen Syphiiome, Fall von primärem Syphilom 

der Plica semilunaris des linken Auges, von Fumagalli.593 

Untersuchungsergebnisse der Syphilisätiologie an Petersburger Instituten, von 

van NiesBen.593 

Syphilis vom klinischen Standpunkte aus, von W. A. Jamieson.593 

Ein seltener Fall von syphilitischer Reinfektion, von Casalmi.594 

Zur Statistik der erworbenen Syphilis bei Kindern und jugendlichen Personen, 

▼on L. Glück. 594 

Die Beziehung von Syphilis zum Schleimhautkrebs, von Willis P. King.595 

Über die Beziehungen der Syphilis zur Lungenschwindsucht, von Weissenberg- 

Nervi. 595 

Ül>er Lues hereditaria tarda, von R. Hahn... 596 

Ein Fall von Struma congenita bei elterlicher Syphilis, von M. Fürst.597 

Über einen Fall von Lues hereditaria tarda, von Karcher. 597 

Die Xunderscheinungen der Syphilis, von L. Duncan Bulkley ..597 

Plaques muqueuses der hinteren Rachenwand, von Bergeat. 598 

Magensyphilis mit Bericht über einen Fall von perforiertem syphilitischen Ge¬ 
schwür des Magens, von Flexner.598 

Bin Fall von Darmgangrän als eine Folge von Thrombophlebitis mesaraica, von 

Sigurd Lund.598 

Syphilis des Bauchfells, von L. Pick. 599 

Syphilis der Pleura, der Lungen und der Bronchien, von Dieulafoy.599 

Beobachtungen über Herzsyphilis, von J. Adler...600 

Syphilitische Phlebitis, von R. Henzard.601 

Syphilitische Gelenkdeformitäten, von Grawitz. 601 

Über Gummigeschwülste in der Hohlhand, von 0. v. Ley....601 

Circumacriptes Gumma der Trachea, von Friedrich Hanszel. 603 

Zur Tabessyphilisfrage, von S. H. Scheiber.602 

Einige Gesichtspunkte betreffend das Verhältnis zwischen Syphilis und Tabes; 

Behandlung der Tabes, von E. A. Hom6n ..603 

Die Unterscheidungsmerkmale zwischen Gehirnsyphilis und allgemeiner progressiver 

Paralyse, von Hugh T. Patrick.603 

Syphilitische Encephalopathie, von W. R. Dawson.605 

Geheilter Fall von auf luetischer Basis beruhendem einseitigen Exophthalmus ... 605 
Die Behandlung der Syphilis in der Armee mit intramuskulären Quecksilber¬ 
injektionen, von F. J. Lambkin. 605 

Über die Präventivbehandlung der hereditären Syphilis während der Gravidität 

(bei Infektion durch den Vater) von Fournier. 606 

Die Aachener Behandlung der Syphilis, von Mouillot.606 

Behandlung der Syphilis mit intramuskulären Injektionen von künstlichem Sublimat- 

serum in hohen Dosen und langen Zwischenräumen, von Chäron.606 

über Jodpräparate und deren Dosierung bei Syphilisbehandlung, von Radestock 606 
Über die Wirkung des Jodrubidiums auf das Blut der Syphilitiker, von Colom- 
bini und Pasquini...607 


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XIV 


Seite 


Über die Brauchbarkeit des Hyrgols (kolloidales Quecksilber) zur Syphilisbehand¬ 
lung, von Falk. 607 

Die Behandlung der tertiären Syphilis der Nase und des Hachens, von St. Clair 

Thomson... 607 

Leukoderma syphiliticum, von Besser.638 

Syphilis und Milchtumor, von Bruhns. 638 

Sklerose am Ringfinger, von Palm ..638 

Mercurio), ein neues Quecksilberpräparat aus metallischem, nach einer neuen 

Methode fein verteilten Quecksilber, von Arvid Bio mq ui st.641 

Über die Behandlung von Syphilis mit Mercuriol, von G. Ahm an.641 

Über Befunde im Sklerosen-Sekret, von M. Kuznitzky. 642 

Beitrag zur Histologie der gummösen Lymphome, von Georg Löwenbach .... 643 
Bemerkungen zu der die Einreibekur ersetzenden Quecksilbersäckchenbehandlung 
Welanders, von L. Schuster...644 

b . Malleut. 

Chronische Rotzinfektion bei einer Bauemfamilie, von Josef Ratko.608 


2. Lokale Infektionskrankheiten, 
a. der Oberhaut. 


Keratosis follicularis, von Sabolotsky... 32“ 

Die Natur des Ekzems, von M. Morris.34. 48 

Über Impetigo, von Unna. 34 

Über einen recidivierenden, bullösen auf gewisse Bezirke beschränkten Ausschlag, 

wahrscheinlich Dermatitis herpetiformis, von J. C. White. 34 

Papulöse, persistierende Dermatose, von J. C. Johns ton.. 36 

Tinea imbricata, von A. W. Nieuwenhuis... 86 

Über einen Fall von Impetigo herpetiformis, von Tommasoli . 38 

Ein Fall von Porokeratosis, von G. W. Wende .. 46 

Behandlung der Acne indurata, von Engman. 48 

Nässendes Ekzem der Glans penis, von Gottheil... 49 

Akne, von Martin. 50 

Porokeratosis, von Heller. 99 

Neue Untersuchungen über eine pustulöse und bullöse Form der fälschlich 

Pemphigus vegetans genannten Affektion von Neumann, von Hallopeau... 101 
Über einen Fall von Pemphigus foliaceus mit Osteomalacie, von Hallopeau... 102 

Zur Histologie der Psoriasis, von Sabouraud. 102 

Über das Verhältnis der Darierschen Krankheit zur Ichtbyosis, von Ernst Doctor 103 

Das Erythema induratum Bazin, von Leredde. 108 

Über Pemphigus der Conjunctivae, von Bellencontre. 108 

Ein Fall von Dermatitis herpetiformis Duhring, von V. Durand. 109 

Ein Fall von Pemphigus hystericus mit Oedema lividum, von V. Durand. 109 

Über zwei Fälle ven bandförmigen Dermatosen der unteren Extremitäten, von 

Hallopeau und Constensoux. 138 

Drei Fälle von universeller Psoriasis vulgaris, von Rille. 14G 

Über die ausschliefsliche Lokalisation der sogenannten Porokeratose auf die 

Schleimhaut der Mundhöhle, von Ducrey und Respighi. 143 

Das Rückenmark in einem Falle von Pemphigus simplex, von Brocchieri. 148 

Über den Primäraffekt der Akne, von G. Sticker. 145 

Zur Histologie der Klauenseuche (Dermatosis zoonotica), von Th. Mayer. 148 

Allgemeine exfoliative Dermatitis (Pityriasis rubra) von Walter G. Smith.150 

Über die Dermatitis polymorpha dolorosa, von L. Brocq. 152 

Zur Histopathologie der Psoriasis, von W. J. Munro. 152 

Herpes gestationis, von Lesser. 198 

Dermatitis universalis, von Oestreicher. 198 

Onycbomykosis tonsurans, von Gerson. 199 

Allgemeine Ichthyosis, von Glawscho. .204 

Ist das Ekzem eine parasitäre Krankheit? von Louis TörÖk. 206 

Einseitige Sykosis barbae, von Metscherski. 252 

Ein Fall von grofssporigem Ringworm, von R. Crocker. 252 


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XV 


Seite 

Hundekrätze, von Walters. 253 

Ein Fall von Tinea circinata, von Crocker und Pernet.254 

Hydroa aestivale, von Colcott Fox.254 

Recidivierende, vesikulöse Wintereruption, von C. P. Fox.254 

Erythema multiforme, von Turner. 255 

Ein Fall von Porokeratosis mit Lokalisation im Munde und an der Glans, von 

V. Mibelli. 25fr 

Die Seborrhoea corporis (Duhring) und ihr Verhältnis zur Psoriasis vulgaris und 

und zum Ekzem, von L. Török... 258- 

Psoriasis und Arthropathien, von A. Straus». 308 

Über den Zusammenhang von Augenerkrankungen mit Haut leiden (Pityriasis rubra 

pilaris am Auge), von Michael Mohr. BIG 

Über nervöses Ekzem, von L. D. Bulkley. 31Q 

Über Ekzem bei Arthritischen, von v. Watraszewski. 311 

Znr Behandlung des Ekzems, von J. Hirsohkorn... 312* 

Zur Ekzemtherapie, von L. Hutschnecker. 312 

Durch Böntgenstrahlen geheiltes chronisches Ekzem. Kasuistischer Beitrag für die 

weitere Verwendung der Böntgenstrahlen in der Dermatotherapie, von B. Hahn 312 
Eine leichte wirksame Behandlungsmethode der Tinea tonsurans, von H. B. 

Sheffield. 312 

Ein Fall von Eccema marginatum, von Hauck. 313 

Pemphigus, von Kaposi.313 

Pemphigus neonatorum, von Soltmann. 315 

Ein Beitrag zur Ätiologie des Pemphigus simplex neonatorum, von S. Beck.... 410 
Ein Fall von Erythema exsudativum multiforme et nodosum kompliziert mit 

Episcleritis, von Schein.411 

Ein Fall von Ichthyosis localis palmaris et plantaris, von A. Alpär.412 

Keratoma hereditarium, von Neu mann...413 

Ein Fall von Ichthyosis mit Hautinfiltration, cruralen Lymphdrüsenschwellungen 

und chronischer Nephritis, von Ivänyi. 413 

Kolloides Pseudo-Milium, von C. Pellizzari. 415 

Der Ringworm, wie er in Boston auftritt, von Charles J. White.413 

Radikale Heilung des chronischen Ekzems, von Macomber. 418 

Parasitäre Sykosis, von M artin... 420 

Erythema exsudativum multiforme, von Siegheim...452 

Keratosis striata erythematosa (Hebra), von Metscherski. 453 

Dermatitis exfoliativa Ritter, von Friedrich Luithlen. 457 

Dermatitis papillaris Kaposi, von Krassnoff ... 453 

Ein Fall von Favus am Penis, von L. Glück..457 

Über einen neuen Fall von Acanthosis nigricans, von Joh. Burmeister.457 

Ein Beitrag zum Studium des Ekzems, von Leslie Roberts. 461 

Über Pemphigus und seine Unterarten, von J. Hutchinson.464 

Über Mund* und Zungen-Herpes, von J. Hutchinson. 464 

Eine papulöse, persistierende Dermatose, die bisher noch nicht beschrieben 

worden ist, von J. C. Joh ns ton.466 

Ein ungewöhnlicher bullöser Ausschlag, von W. Th. Corlett. 468 

Seborrhoe des Kopfes und ihre Behandlung, von Martin. 470 

Einige interessante seltene Hautaffektionen, von Melvin.471 

Histologische Untersuchungen bei einem eigenartigen Fall von Dermatitis her- 

petiformis mit Horncystenbildung, von V. Allgeyer.458 

Ein Fall von Dermatitis herpetiforrais, von Mohr. 515 

Erythema induratum-Bazin, von Cavafy. 518 

Erytromelalgie, von Crocker. 519 

Erythema elevatum diutinum, von Galloway. 519 

Pityriasis rubra, von Whitfield.619 

Fall von Acne scrophulosorum, von Crocker. 619 

Fall von Acanthosis nigricans, von Crocker. 520 

Eine eigentümliche Hautaffektion bei einer 24jährigen Näherin, von Rille.518 

Dysidrosis oder Cbeiropompholyx. 520 

Erythema serpens oder Erysipeloid, von Anderson... 521 

Fall von recidivierenden, akneiformen Tuberkuliden, von Pringle. 521 

Wiederholte, durch Phenyl-Hydrazin-Hydrochlorid hervorgerufene Attacken von 
Ekzem, von A. J. Hall. 522 


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XVI 


Seite 


Elf Fälle von Porokeratosis (Mibeili) in einer Familie, von Gilchrist. 524 

Ein Fall von Herpes nach grofsen Dosen von Arsenik, von Ch. O’Donovan.... 524 

Frau mit diffusem Erythema des Gesichts, von Alfred Eddowes.557 

Seborrhoisches Ekzem, von Savill. 557 

Fall von Tinea circinata, von Crocker... 558 

Tinea tonsurans der Kopfhaut, von Abraham. 558 

Ein Fall von Pityriasis rubra pilaris bei einem 2 l /i jährigen Knaben, von C. Rasch 560 
Heue Untersuchungen über die intertriginösen Entzündungen bei der Frau, von 

L. Brocq und L6on Bernard .560 

Der parasitäre Ursprung des Ekzems, von Leredde. 562 

Der parasitäre Ursprung des Ekzems, von Török.562 

Über das sogenannte Eccema seborrhoicum, von Ch. Au dry.562 

Über den Craw-Craw, von L. Brault.563 

Bemerkungen zur Lehre vom parasitären Ursprung der Psoriasis, von C off in... 565 

Über einen papulösen Ausschlag zweifelhafter Natur, von Ch. Audry.566 

Ekzembehandlung, von Martin. 574 

-Chronische Dermatitis mit Pigment, von Gebert. 637 

Dermatomykosis tonsurans, von Wechselmann.637 

Zur Behandlung der Ekzeme, von Hirschkron.645 

Über seltene Lokalisationen der Psoriasis von Heller. 645 

Klinischer Beitrag zum Studium der atypischen Psoriasis, von Philippson .... 645 

Betrachtungen über die Psoriasis linguae, von G. Petit.645 

Fall von sohwarzer Haarzunge, von Vollmer.645 

Die Pityriasis-Erythrodermien in Form von disseminierten Flecken, von Brocq . 646 

Dermatitis exfoliativa acuta, von Singer. 646 

Behandlung der Impetigo mit der Aqua Alibour. 647 

Über Cilien- und Lidranderkrankung (Blepharitis acarica), hervorgerufen durch 

Haarbalgmilben der Augenwimpern, von Baehlmann. 647 

Die Bartfinne, Folliculitis barbae, und ihre Behandlung, namentlich mittelst der 

galvanokaustischen Glühnadel, von F. Bloebaum.647 

Blut von einem Falle von Pemphigus, von C. K. Drysdale.648 

Hereditäre Keratosis oder Tylosis palmarum, von V. Pendred.648 


b. der Cutis. 

Hydroa vacciniforme, von J. C. White.34. 47 


44 Fälle vom sogenannten prämykotischen Stadium der Mykosis fungoides, von 

von Hyde und Montgomery.. 35 

Ein eigentümlicher Fall von Granuloma des Gesichts und der Extremitäten, von 

F. J. Shepherd. 35 

Allgemeine Fettsucht und Elephantiasis der unteren Körperhälfte, von L. Ray¬ 
naud und Legrain. 110 

Zwei Fälle von Licnen ruber planus, von Bille. 141 

Impetigo herpetiformis, von Bille. 141 

Elephantiasis des linken Beines bei einem nooh jugendlichen Individuum, von 

Melle. 142 

Einige Betrachtungen über das Bhinoskleron, von Mazza. 143 

Chemische und experimentelle Untersuchungen über einen Fall von Pemphigus 

vegetans, von Pini. 143 

Über einige in der Nasenrachenhöhle des Menschen vorkommende und mit den 

Mikroorganismen des Bhinoskleroms verglichene Kapselbacillen, von Ducrey 143 
Klinischer und anatomisch-pathologischer Beitrag zum Studium der Psorosper- 

mosi8 cutanea vegetans, von Melle... 143 

Elephantiasis mollis, von Küsel.... 203 

-Günstige Beeinflussung der Elephantiasis Arabum durch Kalomelinjektionen, von 

Pospelow. . .204 

Ein Fall von Rhinophym, von Sakrepa. 252 

Mykosis fungoides, von A. Carless. 253 

Über Pharyngomykosis leptothricia, von Max Toeplitz. 318 

Vorläufiger Bericht über einen Fall von blastomykotischer Dermatitis, von 

Gideon Wells. 318 

Botryomykosis der Hand, von Bafin. 318 


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XVH 


Seite 


Framboesie der Stirngegend, ähnelnd dem Pian der Tropen und der Botryomykose, 

von Sabrazes und Laubie.318 

Zwei Fälle von Sklerom (Rhinoeklerom) in Deutschland, von Heermann.319 

Zur Histopathologie der Verruca peruviensis, von Letulle.319 

Die Condylomatosis pemphigoides maligna (Pemphigus vegetans Neumann), von 

Tommasoli. 319 

Zwei Falle von Erythema nodosum im Verlaufe von Influenza, von Pelon.320 

Über den Einflala venöser Stauung auf die Zerstörung von Milzbrand virus im 

Unterhautbindegewebe, von H. J. Hamburger. 320 

län Fall von Anthrax, von Miller.320 

Über Behandlung des Karbunkels, von Sol. N. Bosenbaum.320 

Abortifbehandlung des Milzbrands, von Cipriani.321 

Uber die Heilwirkung des Marmorekschen Streptokokkenserums, von Georg 

Bonne. 321 

Zur Behandlung des Erysipels, von Schultze.321 

Über die Behandlung des Erysipels, von Elmar Fischer. .321 

Natrium benzoicum gegen Erysipel, von Haberkorn. 321 

Behandlung des weichen Schankers, von Fournier.321 

Zur Ahortivbehandlung der Bubonen, von Karl Grundfest.322 

Die Kupfernase (Acne rosacea) und ihre Behandlung namentlich mittels der gal* 

vanokaustischen Glühnadel, von F. Bloebaum. 322 

Uber Lichen Wilsoni, von Hallopeau. 322 

Ein Fall von Lichen ruber planus, von Havas.411 

Aasgebreitete perianale papillomatöse Wucherungen bei einem Manne.413 

Ein eigentümlicher Fall von Granuloma des Gesichts und der Extremitäten, von 

F.J. Shepherd.417 

Gesichtsrose, von Brodnax. 420 

Lichen ruber planus, von Fischei. 451 

Fall von Lichen ruber verrucosus, von IsaacII. 452 

Sderema cutis simplex, von Kracht.453 

Elephantiasis Arabum, von Pospelow .453 

Lichen ruber planus, von Petersen. 454 

Ein Fall von Granuloma fungoides, von J. Hutchinson. 464 

Zwei Fälle von „Yaws“ bei Engländern, von J. Hutchinson. 464 

Ein Fall von universellem Lichen planus mit plötzlichem Exitus letalis, von 

J. A Fordyce.467 

Fall von generalisiertem Lichen ruber planus, von St. Mackenzie. 519 

Fall von rapid sich entwickelnden hornigen, papillomatösen Gewächsen der Haut, 

von M. Morris. . 520 

Eigentümliche Form von nekrotisierender Folliculitis des ganzen Gesichts, von 

C. Perry. 520 

Lichen scrophnlosorum, von Savill.658 

Lichen spinulosus, von Stowers. 558 

Fall von Folliculitis necrotica, von Eddowes.558 

Fall von Folliculitis Köbner (Sykosis non parasitaria) von Paul Dietz. 564 

Über Lichen scrophulosorum, von J. Möneau. 564 

Ein Fall von Papillomatosis pruriginosa generalisata, von Guy. 567 

Mykqsis fungoides, vov Melvin. 573 

Zur Ätiologie der Impetigo contagiosa auf Grund eigener in Gemeinschaft mit 

Dr. B. Kaufmann unternommener Versuche, von Blaschko.639 

Ein Fall von Lichen Wilson mit vorherrschenden akuminaten Formationen und 

starker Färbung, von Hallopeau und Poulain. 648 

Uber die Lokalisation des Lichen ruber planus auf den Schleimhäuten, von 

Stobwasser. 649 

Lichen ruber planus, von Heuss. 649 

Ein Fall von excentrischer, circinärer, pustulöser Dermatitis, von Morelle.649 

Zwei Fälle von Hautdiphtherie, von G. Sharp.649 

Ein Fall von Actinomykosis hominis, von Th. Herlofsen. 650 

Mykotis fungoides, von Hallopeau, Bureau und Weil. 650 

Ein Fall von Mykosis fungoides d’emblee mit seltenen Erscheinungsformen, von 

Besnier und Hallopeau. 650 

Gangränöse Hautentzündung beim Typhus, von Stahl. 650 

Untersuchungen über die gasbildende Gangrän, von Muscatello und Gangitano 650 
Monatshefte. XXVIII. b 


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XVIII 


8eite 

Beiträge zur Kenntnis der Dermatomyositis und nahe verwandter Krankheit*- 

bilder, von H. Köster. 651 

Wandererysipel, von Bendix.. 651 

Über Erysipelbehandlung mit Metakresolanytol, von W. Koelzer. 651 

Über das Erysipeloid, von E. Delbanco. 652 

Ein Fall von Noma, von Klautsch.653 

Fall von Noma, von Fehde. 653 

Ein Fall von Rhinosklerom, von Schoetz. 653 

Ein kasuistischer Beitrag zur Pathologie und Therapie des Milzbrandes beim 

Menschen, von Strubell. 653 

Herstellung der Pasteurschen Vaccine gegen Milzbrand, von Julio Mendez... 654 
Eine klinische Studie über Favus und speziell dessen Behandlung, von A. D. 

Mayer. 654 

Eine einfache Behänd lungs weise des weichen Schankers, von Mal herbe.655 

Progressive Ernährungsstörungen. 

Keratomartige Neubildung im Anschlufs an Naevus teleangiectodes, von Gl aws ch e 32 
Über einen inoperablen Fall von Sarcoma der Kopfhaut, von M.Dockrell.... 34 

Zwei Fälle von primärem Melanocarcinoma der Haut, von Gilchrist. 35 

Zwei Fälle von Lympbangioraa circumscriptum, von W. T. Corlett. 35 

Über üautsarkomatose, von Max Joseph. 37 

Beitrag zur Kenntnis des „Rhinophyroa u , von Krieger. 41 

Ein Fall von Haut-Myom, von M. Herzog... 48 

Multiple benigne, cystische Epitheliome, von Dy er. 49 

Histologische Untersuchungen über einen Fall von Eecklinghausenscher Krank¬ 
heit, von Jeanselme .. 101 

Durch die Methode von Czerny geheiltes Epitheliom der Nase, von Gastou und 

Haury... 102 

Über ein Hautfibrom mit Riesenzellen, von Audry und Constantin. 109 

Behandlung des Keloids mit Injektionen von Kreosotöl, von Balzer. 137 

Ein Fall von multiplen harten subcutanen Fibromen, von Stanziale. 142 

Über die idiopathische Hautsarkomatose. Experimentelle Untersuchungen, von 

Gravagna. 143 

Bakteriologische Untersuchungen über die Verruca vulgaris, von De Amicis... 144 
Histologische Betrachtungen über einen atypischen Fall von circumscriptem Epi¬ 
theliom der Glabella, von M ob ca .. 144 

Keloide, von Joseph. 199 

Molluscum fibrosum cutis, von Kracht... 202 

Xanthoma multiplex, von C. F o x... 255 

Fall von Molluscum contagiosum, von J. J. Pringle. 256 

Über die Behandlung des Hautepithelioras mit der Arsenikmischung von Czerny 

und Trunececk, von Mi belli.260 

Ein Fall von Sarkomatose der Haut, verbunden mit visceraler Carcinomatose, 

von Philippson. 323 

Die Behandlung inoperabler Sarkome mit den Toxinen des Erysipels und des 

Bacillus prodigiosus, von William B. Coley. 323 

Sarkom auf narbig-lupösem Boden, von Tauffer. . 323 

Behandlung und Heilung eines Falles von Epitheliom der Unterlippe nach der 

Methode von Czerny-Trunececk. 324 

Über die Verruca vulgaris, von M. de Amicis. 324 

Multiples, spontanes Keloid der Zehen, von S. B. Rannest. 324 

Ein Fall von Molluscum fibrosum, von Mowat. .324 

Über die unvollständigen Formen der Neurofibromatose; Recklinghausensche 

Krankheit, von Feindel und Oppenheim. 324 

Über ein Chondrom der Haut, von Tailhefer. 325 

Melanosarkoro, von Joseph...... 515 

Epitheliom, von Adamson. 519 

Fall von Keloiden, von St. Mackenzie. 520 

Ein Zungenpapillom in der Umwandlung zu einem Epitheliom begriffen, von 

Alfred Blanc. 563 

Über die Epithelfaserung während der Entwickelung weicher Naevi und alveolärer 

Carcinorae, von Menahem Hodara. 567 


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XIX 


Seite 

Arsenikbehandlung des Hautkrebses, von W. S. Gott heil.575 

Carcinomatosis cutis, von Heues. ....655 

Plastische Operation eines Ulcus rodens, von Battle.655 

Sarkom der Zunge, von H. Li ttlewood.656 

Ein Fall von multiplem Melanosarkom, von Norgren.656 

Ein Fall von „Psorospermose folliculaire vägetante (Darier)“, von Jacobi.655 

Neurofibroma molluscum (v. Recklinghausen), von Severin Thomson. 656 

Keloid (Alibert) und chronisch entzündete Hautstellen behandelt mit Skarifikation, 

von Herman Lawrence. 656 

Ein Fall von Myoma der Haut, von M. Herzog. 667 

Angioma serpiginosum, von M. Dock re 11.*.657 

Lipoma nasi, von Edgar Willett.667 

Über Melanoplakie der Mundschleimhaut und die Diagnose auf Morbus Addisonii, 

von F. Schnitze.657 

Klinische und histologisehe Untersuchungen über einen Fall von Morbus Addisonii, 

von Silvestrini und Daddi.658 

Die Beeinflussung des Stoffwechsels bei Morbus Addisonii durch Nebennieren¬ 
substanz, von Max Pickardt.*. 658 

Ein Fall von rapid verlaufender Addisonscher Krankheit, von W. Alexander . 658 

Pigment an omalien. 

Disseminierte Pigmentflecken an den seitlichen Halsgegenden und am Stamm bei 

einem 21jährigen Mädchen, von Rille. 141 

Demodex folliculorum und Hyperchromie der Haut, von De Amicis. 141 

Hypothese über die Ätiologie der Hautpigmentanomalien, von Plachte. 199 

Gelbe Pigmentflecken hämorrhagischen Ursprungs, von St. Mackenzie.255 

Nipities faciei, von Pospelow.305 

Klinische und histologische Untersuchungen über einen Fall von Morbus Addi¬ 
sonii, von Silvestrini und Daddi ... 325 

Drei Fälle von Addisonscher Krankheit, von Tinozzi.325 

Uber den augenblicklichen Stand unserer Kenntnisse von den Nebennieren und 

ihren Funktionen, von M.Radziejewski.326 

Hypothese über die Ätiologie der Hautpigmentanomalien, von Plachte.452 

Naevus pilosus, von Lesser.,.465 

Uber das Xanthom als ein Symptom, von J. Hutchinson. 465 

Naevus pigmentosus oder Melanom, von Pionski. 515 

Sind bösartige Tumoren, welche aus Pigmentmälern entstehen, carcinomatöser 

oder Barkomatöser Natur? von T. Caspar Gilchrist. 523 

Ein Fall von kongenitalem, multiplen Naevus pigmentosus, von B. Foster.528 

Naevus pigmentosus et pilosus, von IsaacII. 637 

Regressive Ernährungsstörungen . 

Ätiologie und Pathologie des Lupus erythematosus, von Boeck. 33 

Die Behandlung des Lupus erythematosus, von Unna.34. 45 

Lupus erythematosus, von A. R. Robinson und J. C. White . 35 

Ein Fall von Leukonychia, verbunden mit Koilonychia, von L. Forchheimer . 43 

Lupus erythematosus, von J. C. Whi te... .... 45 

FnXsgeschwür, von Ledermann. 99 

Über Leukoplakia oris bei Psoriasis und anderen Dermatosen, von J. Schütz .. 106 
Behandlung der Alopecia areata durch einfache aseptische Reizung der Haut, von 

Jacquet.137 

Phagedäniaches Geschwür der Zunge, von Fournier. 138 

Atrophia cutis idiopathica, von Rille... 141 

Experimentelle Untersuchungen über den Lupus erythematosus bezüglich der Tu¬ 
berkulose, von G. Melle. 141 

Leukoplakia der Vulva, von Carruccio . 144 

Zur Histopathologie einiger Nagelerkrankungen, von J. Heller. 144 

Ein Fall von diffuser Sklerodermie mit erythemato-phlegmonösen Symptomen, von 

Marty.207 

Leukodermie, von Eddowes. 252 

Zwei Fälle von Alopeoia areata, von Eddowes.253 

b* 


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Seite 

Ulcus rodens auf dem Hinterkopfe, von St. Mackenzie. 254 

Multiple circum8cripte Sklerodermie oder Morphoea, von C. Fox. 255 

Sklerodermie en plaques, von Ledermnnn.....301 

Haarausfall nach Röntgenstrahlen, von Pospelow . 305 

Experimentell hervorgerufene Alopecia areata, von Moskalenko und Ter- 

Gregojartz. 306 

Zur Behandlung des Ulcus cruris vermittelst Xeroform-Zinkleim-Verband, von 

0. Beuttner. 326 

Die Hämorrhoiden und deren Behandlung, von John F. Erdmann.326 

Nagelkrankheiten, von E. Schwimmer. 327 

Über Spontangangrän, von Jac. Munk. 330 

Infektiöse multiple Hautgangrän, von Hartzell. 330 

Über Sklerodermia diffusa, von Mosler. 330 

Über Lupus erythematosus, von Hallopeau. 331 

Halbseitiger partieller Albinismus, von Gebert.451 

Fall von Atrophia cutis maculosa (Anetodermia erythematosa Jadassohni), von 

Pospelow. 453 

Fall von Morbus maculosus Werlhofii nebst Sektionsbefund, von Frankenhäuser 454 

Lupus erythematosus, von Rille. 455 

Über Haut-Atrophie und atrophische Narben, von J. Hutchinson. 452 

Ein Fall von Ainhum, von Bernard Wolff. 469 

Diffuse Sklerodermie, von Mohr. 515 

Fall von Raynaudscher Krankheit, von Crocker. 520 

Leukonychia totalis-Unna, von P. Weber und Krieg... 521 

Lupus erythematosus bei einem tuberkulösen Individuum. Sektionsbericht, von 

J. A. Fordyce . 523 

Sklerodermie, von Crocker. 557 

Fall von Atrophodermia, von Abraham. 557 

Zur Behandlung der Alopecie mit chemischen Strahlen, von 0. Jerslid. 561 

Ein Fall von Naevus Alopeciae der Kopfhaut, von Per 6. 563 

Zur Therapie des Ulcus cruris, von J. Marcuse. 658 

Übersicht über die verschiedenen Operationsraethoden der Hämorrhoiden, von 

J. Coplin Stinson. 659 

Beitrag zur Lehre von den Gangränformen mit symmetrischer Lokalisation, von 

Josef Hausner. 659 

Über Myxödem und Zwei Fälle von Myxödem, behandelt mit Thyreoidintabletten, 

von Pfannenstiel. 660 

Symmetrische, partielle Loslösung der Fingernägel von ihrer Matrix, von J. S. K. 
Smith. 660 

Idioneurosen. 

BäderPruritus, von Stelwagon. 36 

Über Pruritus als ein Symptom der Paralysis progressiva, von A. Sarbö. 270 

Saprophyten und Fremdkörper . 

Pediculosis, von Geber. 271 

Über Tätowierung, deren Geschichte, Art der Einführung und Entfernung, von 
Ross Hall Skillern... 273 

Mtfsbildungen. 

Ein seltener Fall von regionärer Atheromcystenbildung (Molluscum atheroma- 

tosum Kaposi), von M. Osztermayer. 273 

Cerebrale Diplegie und Naevus hypertrophicus, von Bermoud. 274 

Über den Bart der Mannweiber (Viragines), von Brandt. 274 

Über die sogenannten Hundemenschen, bezw. über Hypertrichosis universalis, 

von Brandt. 274 


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XXI 


Seite 


III. Pathologie und Therapie des Urogenitalapparates, 

a. Penis, Urethra, Blase. 


Beitrag zur Wirkung des Argentum nitricum in der Harnröhre und Harnblase, 

von Mankiewicz. 99 

Über das Vorkommen von Bacterium coli commune in der Harnröhre des Mannes, 

von Faltin. 107 

Die Sterilisation der Urethraiinstrumente, von E. Martin. 110 

Aufserer Rifs eines Corpus cavernosum, von N. 0. Wilson. 111 

Die eitrige Cowperitis und Pericowperitis, von Crosti.111 

Über den Befund reichlicher kolloidhaltiger Cystchen in der Urethra eines 77jäh- 

rigen Mannes, von Falta. 111 

Über die diagnostische Bedeutung der Urethralmembranen, von Rubinstein... 111 
Dilatation des Harnapparates durch kongenitale klappenartige Verengerung der 

Urethra, von Commandeur. 112 

Praktische Winke zur Behandlung der Harnröhrenstriktur, von J. W. Cousins 112 
Allmähliche Erweiterung bei Harnröhren Verengerungen im Vergleich mit den 

schneidenden Methoden, von Howland. 112 

Einige Bemerkungen über die Behandlung von impermeabler Striktur der Harn¬ 
röhre, von D.S. Wight jr. 112 

Die Urethrotomie mit einigen neuen Urethrotomen, von Crosti. 113 

Über die Anwendung eines neuen Instruments für die externe Urethrotomie bei 
Perinealabscefs nach chronischer Urethritis und veralteter Striktur, von 

Ingianni. 113 

Plastischer Ersatz der Harnröhre im perinealen Abschnitte, von Emil Mrha .. 113 

Über Harnröhren- und Blasenirrigation, von Charles H. Chetwood. 113 

Hydrostatische Harnröhren- und Blasenspüluugen, von Robbins. 113 

Zur Technik der Harnröhreninjektionen, von Stockmann. 114 

Beitrag zu den Störungen der Harnentleerung bei Kindern und ihrer Behand¬ 
lung, von R. Kutner. 114 

Die aseptische Behandlung der Harnverhaltung, von Hamilton. 114 

Ein Fall von extraperitonealer Ruptur der Blase. Sectio alta. Heilung, von 

T Bond und A. H. Tulby. 114 

Über Steine in der Blase und ihre operative Beseitigung, von J. A.Cunningham 115 

Blasenstein nach Laparatomie wegen Beckenabscefs, von W. C. Wood. 115 

Blasenstein nach Kaiserschnitt, von A. W. Russell. 115 

Cystischer Tumor der Blase mit zwei Blasen steinen, von P. J. Freyer. 115 

Die beste Operationsmethode bei grofsen Blasensteinen, von P. J. Freyer. 116 

Cystotomia suprapubica wegen recidivierenden Blasensteins, von Frank C. Ham- 
mond in Philadelphia. — Über Litholapaxie (Entfernung der Blasensteine 

in einer Sitzung), von W. S. Forbes. 116 

Exstrophia vesicae mit anderen angeboren Defekten, von Roswell. 116 

Über einen mit Hülfe des Cystoskops diagnostizierten Fall von Varicen der Ham- 

blase, von C. Bruni. 116 

Über den baktericiden Einflufs der Acidität des Harns auf die Cystitiserreger, von 

Rostoski... 117 

Diagnose und Behandlung des Blasenkatarrhs, von Guit4ras. 117 

Radikaloperation der Hydrocele unter Lokalanästhesie, von Lammers. 118 

Physiologie und Ausübung der Chirurgie der Harnwege, vou Guyon. 153 

Ätiologie und Pathologie der Tuberkulose dor Blase, von Coplin. 154 

Symptome und Behandlung der Blasen tuberkulöse, von 0. Horwitz.155 

Echinokokken in den Harnwegen, von Manasse. 204 

Eine neue Art von Circumcision, von Suarez de Mendoza. 208 

Ein Fall von Septico-Pyämie durch Infektion mit dem Staphylococcus pyogenes 

aureus nach einer periurethralen Phlegmone, von Dessy. 259 

Ein Fall von Blasenpapillom, durch die Epicystotomie entfernt, von F. Tilden 

Brown. 418 

Papillom des Penis, von Irwin.419 

Angeborener vollständiger Verschlufs der Präputialöffnung, von Hodejdon.... 419 

Hermaphroditismus und verwandte Disposition, von Phillips .420 

Ein Fall von Pseudohermaphroditismus masculinus completus, von Siebourg.. 420 


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XXII 


Seite 

Beitrag zur Anatomie der Lymphgefäfse der männlichen Geschlechtsorgane, nebst 
Bemerkungen über ihr Verhältnis zum Syphilisprozefs, von M. Horowitz 

und M. von Zeissl. 420 

Die medizinische Gymnastik in der Behandlung der Urogenitalkrankheiten des 

Mannes, von R. Huldschiner...422 

Penis, von Englisch. 422 

Über Symposthion, von Deutsch. 426 

Ein Fall von Penisluxation bei einer rituellen Circumcision, von M. Schrank.. 42T 
Eine neue Methode zur Behandlung von ausgedehnten Harnröhrendefekten durch 
suprasymphysäre Implantation der Harnröhre und des Penis in die Blase, 

von Hans Wagner. 427 

Ein Fall von seltener Verletzung (Incwceratioii) der Harnröhre beim Manne, von 

Th. Floras. 427 

Beitrag zum Studium der traumatischen Rupturen der Urethra, von Crosti . +. 458 
Eine neue Sonde zu Blasen-Harnröhreninstallationen bei erschwertem Zutritt in 

die hinteren Partien der Harnröhre, von Phelip. 428 

Über den Abgang von Knochenfragmenten durch die Harnwege, von Schmidt 428 

Beitrag zur Kasuistik der Harnröhrensteine, von Fritz Pendl. 428 

Die gegenwärtigen Anschauungen über den Blasenverschlufs mit besonderer Be¬ 
rücksichtigung der beiden Arbeiten von Eugen Rehfisch und von L. v. Frankl- 

Hochwart und 0. Zuckerkand 1, von M. v. Zeissl. 429 

Der Langsche Beleuchtungstrichter, von Deutech.429 

Endoskopische Bilder, von Deutsch. 429 

Anatomische Untersuchungen über die Blasenanatomie der Greise, sowie über die 
sogenannte Prostatahypertrophie und einige Formen von Atrophie dieses Or¬ 
gans, von Ciechanowski. 480 

Ein seit 22 Jahren bestehender Fall von Enuresis nocturna geheilt mit der 

elektrischen Sonde, von B. Schwarz. 430 

Soor der Harnblase, von A. v. Frisch. 431 

Pyoktanin bei der Behandlung der Cystitis, von R. E. Graham. 431 

Symptomatische postoperative Paraplegie wegen Blasenstein, von Wal ton. 431 

Ein weiterer Fall von Steinbildung zu einem erworbenen Divertikel der Harn 

röhre des Mannes, von Victor Lieble in. 432 

Die Häufigkeit der Varicocele und die Grenzen in der operativen Behandlung der¬ 
selben, von N. Senn.432 

Eine neue Operation für die Heilung der Varicocele, von Greig. 432 

Aus der Blase entfernter Gummischlauch, von Posner. 456 

Entfernung eines Bleistiftes aus der Blase, von Buschke. 456 

Über die Resorptionsfähigkeit der gesunden Harnblase, von Albert. 459 

Über ein leichtes und einfaches Verfahren bei Ausführung der Sectio hypogastrica, 

von A. Suarez de Mendoza. 460 

Über einige anatomische Eigentümlichkeiten der Urethra des Mannes mit Be¬ 
ziehung auf infektiöse oder traumatische Erkrankungen, von Th. H. Manley 468 

Plastische Verhärtung der Corpora cavernosa penis, von Ahern. 470 

Die Cystotomia suprapubica bei Blasenblutung, von Eliot.472 

Unterbindung der Vena dorsalis penis zur Heilung der funktionellen Impotenz, 

von J. A. Murray. 473 

Ein Mann mit acquirierter Urachusfistel, von v. Hacker.518 

Plastische Resektion der Urethra wegen einer traumatischen Harnröhrenstriktur, 
die einen silbernen Verweilkatheter durch 24 Jahre hindurch erforderlich ge¬ 
macht hatte, von F. Tilden Brown.525 

Reizbare Blase und Blasendivertikel, von Huldschiner. 559 

Extraktion einer Bougie filiforme conductrice aus der Harnblase eines Strikturierten, 

von Goldberg. 559 

Über einen seltenen Fall von Tuberkulose der Harnblase, von Blanck. 559 

Steine der Regio prostatica, von Guyon...567 

Über die inguino-scrotale Cystocele, von Roche... 568 

Incarcerierter Stein — Lithotripsie — Sectio — Heilung, von Routier.569 

Ein neuer Belag für Katheter, von Kraus . 569 

Schmerzhafte Blasenkatarrhe, von Albarran. 570 

Späterfolge einer Resektion der Urethra, von Noguös .. 571 

Pseudoentzündungen der Harnw T ege, von Bazy. 572 

Harn- und Geschlechtsorgane, von Ball.67fr 


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xxm 


Beite 

b. Hoden und Samenbläschen. 

Ein Fall von Cystentumor des Samenstrangs, von Johnson. 49 

Schmerzlose Behandlung der Hydrocele mit Injektionen von Karbolsäure, von 

G. A. Rae.118 

Orchitis oder Epididymitia als Komplikation oder Folge von Typhus, von Augus tu s 

A. Eshner. 118 

Chinugische Behandlung des Vas deferens bei Harnleiden, von Harrison.119 

Über Vesiculitis, von Winfield Ayres. 119 

Durchgängigkeit der Canales deferentes bei Individuen nach doppelter Orchitis, 

von Morel-Lavallee.... . 138 

Die perineale Hodenverlagerung, von Weinberger. 205 

Über die Orchidotomie, Probeincision des Te9tikels mit partieller Abtragung bei 

Tuberkulose des Hodens, von Delore ..205 

Resektion des Nebenhodens bei tuberkulöser Epididymitis, von Wan ach.432 

Die Beziehungen der nächtlichen Epilepsie zu Retroejakulationen des Samens, 

von Hamilton.433 

Die perineale Hoden Verlagerung, von Maximilian Weinberger.469 

Hämosperroie, von de Keersmaecker.459 

Bedeutung der Samenverluste, von de Armand. 574 

c. Prostata. 

Über die Behandlung der Prostatahypertrophie, von H. Lohnstein. 149 

Totale Exstirpation der Prostata und Resektion der Blase wegen bösartiger Er 

krankung derselben, von E. Feiler. 155 

Ein neues Instrument zur Massage der Vorsteherdrüse, von Sonneuberg.205 

Die innerliche Behandlung der Prostatorrhoe ex Prostatitide chronica mit Pro¬ 
statasubstanz, von H. Oppenheimer. 206 

Ein Fall zur Beleuchtung der engen Beziehungen zwischen Prostata und Testikeln 

u. s. w., von D. R. Gib son... 

Chronische Kontraktion der Prostatafasern, die den Blasenhals umgeben, und ihre 

Behandlung, von Füller. 224 

Über die neueren Behandlungsmethoden der Prostatahypertrophie (Kastration, 

Ligatur des Samenstranges, Organotherapie), von Josef Englisch.225 

Katheterleben und einige Bemerkungen über die Ätiologie der Prostatahypertrophie, 

von Bolton Bangs . 226 

Die neuesten Erfahrungen über die Behandlung der Prostataaffektionen, ins¬ 
besondere der Prostatahypertrophie, von H. Lohnstein .226 

Die operative Behandlung der Prostatahypertrophie, von D. M. Ewan.226 

Versuch einer Therapie der Prostatahypertrophie mit Prostata- und Samenblasen¬ 
extrakt, von Oraison. 227 

Erfahrungen mit Bottinis galvanokaustischer Radikalbebandlung der Prostata¬ 
hypertrophie, von Freudenberg. 227 

Über Prostatektomie, von Pr 6 dal. 227 

Die Länge der Harnröhre als diagnostischer Faktor bei Prostatahypertrophie, von 

Edward L. Keyes.433 

Bericht über einen Fall von Prostatahypertrophie bei einem sehr alten Herrn: 

Operation nach Bottini, von L. Weber. 433 

Chronische, katarrhalische Prostatitis, von H. M. Christian. 416 

Einige Beobachtungen über die Prostata, von R. H. Greene und J. W.Blanchard 417 
Persönliche Erfahrungen in der Behandlung der vergröfserten Prostata, von 

Alexis Thomson.434 

Das Epitheliom der Prostata, von Albarran.434 

Akute und chronische Prostatitis, von Martin.472 

Akute komplete Urinretention bei einem Prostatiker, von Heresco und Chastenet 

de G6ry.571 

Heilung schwerer Erscheinungen bei zwei Prostatikern durch Katheterisierung, 
von Janet. 571 

d. Nieren, Ureteren, Harn. 

Therapeutische Erfahrungen über den Ureterenkatheterismus, von Casper. 28 

Urininfiltration und Periurethritiden, von Escat. 44 


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XXIV 


Seit» 

Über den Gebrauch von Urotropin bei Pyurie, von G. E. Brewer. 47 

Akute Bright8che Nierenentzündung bei einem 3jährigen Kinde, von Greenley 50 

Hämoglobinurie, von Frank. 97 

Therapeutische Erfahrungen über den Ureterenkatheterismus, von Israel. 97 

Diabetes insipidus, von Ledermann. 99 

Über den Zuckernachweis im Harn mit Hülfe der Trommerschen Probe, von 

H Malfatti. 108 

Über unilaterale Hämaturien zweifelhaften Ursprungs und ihre Heilung dnrch 

Nephrotomie, von Rovsing. 204 

Uroiogische Apparate. 205 

Einige Bemerkungen über die Bakteriurie, von Krogius. 207 

Ein Ventil-Harnfanger für Säuglinge beiderlei Geschlechts, von Rudolf Hecker 228 
Erfahrungen auf dem Gebiete der Harnuntersuchungen und Bericht über die 

Fortschritte der Harnanalyse im Jahre 1897, von Büchner. 228 

Neue Harnproben, von H. Lohustein. 228 

Bemerkungen über die Technik der Analyse kleiner Urinmengen, wie man eie 

durch den Ureterenkatheterismus erhält, von Sondern. 275 

Beitrag zur Bestimmung des spezifischen Gewichtes im Harne und über ein neues 

Urometer für geringe Harnraengen, von A. Jolles. 275 

Über alte und neue Urometer, von Th. Lohnstein. 275 

Erwiderung auf vorstehenden Artikel, von A. Jolles. 276 

Über Harnverhaltung, von Alfons Blanc .. 276 

Albumen im Urin, von Solomon. 276 

Eiweifs und Cylinder im Urin, von Porter. 276 

Vorlesung über einen Fall von Chylurie, von Byrom Bram well.276 

Bemerkung über Laktosurie, von Pavy. 277 

Ü^er gewisse Beziehungen zwischen bakterieller Thätigkeit im Darm und dem 

Indikan des Urins, von C. A. Herter. 277 

Beitrag zur Lehre von der paroxysmalen Hämoglobinurie, von Ernst Lichten¬ 
stein . 277 

Einige Fälle von Hämaturie, von F. W. Robb ins. 278 

Renale Hämaturie ohne anatomische Veränderungen, von Harris. 278 

Der Chiningebrauch bei Malaria-Hämoglobinurie, von Woldert.278 

Über Hämatoporphyrinurie, von Schulte. 279 

Ureterenverletzungen, von Morris. 279 

Ein Fall von erfolgreicher extraperitonealer Uretero-Lithotomie, von H. B. Ro¬ 
binson .. 279 

Die operative Behandlung von Steinen, welche lange Zeit im untern Drittel des 

Ureters gesteckt haben, von Fenwick.279 

Die dermatologischen Komplikationen des Diabetes und ihre Therapie, von 0. 

Lassar. 369 

Ein operativ geheilter Fall von operativer Harninkontinenz (nach Dilatation der 

Harnröhre beim Weibe), von F. Stockmann. 361 

Ein Beitrag zur Diagnose der Urinretention, von A. Gordon .433 

Zur Untersuchung der Harnsedimente, von Graziani...434 

Über einen Fall von vollständiger Anurie bei einem Hysterischen, von B. Guisy 434 

Über Ureteritis pseudomembranacea, von Stern.434 

Über das Auftreten von Albuminurie und Harncylindern mit Obstipation einher¬ 
gehenden Darmaffektionen, von G. Kobler. 484 

Über ein einfaches, für den praktischen Arzt geeignetes Verfahren zur quantita¬ 
tiven Bestimmung des Eiweifses im Harne, von F. Mitte Ibach.435 

Über Hämaturie, von Harvey.435 

Über die Amannsche Indicanprobe, von Carl Rü2i£ka.435 

Über den Nachweis von Traubenzucker im Harn mit Methylenblau, von Edmund 

Hoke. 436 

Ein Fall von Hemmungsbildung der weiblichen Geschlechtsorgane, von Hirsch¬ 
berg . 436 

1231 Fälle von Diabetes mellitus, von Teschemacher.459 

Ein ungewöhnlicher Fall von Nephrolithiasis, von Carl Beck.469 

Bemerkung über eiren Fall von Bakteriurie, von Imbert und Gaujon.572 

Cyste der Niere, von McGannon.573 

Bericht über einige Fälle von Geschlechts- und Harnkrankheiten, von Woodruff 573 


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XXV 


Seite 

e. Labien, Vagina etc. 

Bakteriologische und histologische Untersuchungen über die Bartholinitis, von 

P. Colombini. 143 

Leukoplakia der Vnlva, von Carrnccio. 144 

Transversale Atresie des unteren Drittels des Genitaltractus, von Hart.280 

Ulcus serpiginosum vulvae, von Barbour und Walker.280 

Epitheliom der Vulva, von Morelle.280 

Abscefs der Vulvovaginaldrüse, von Dugon. 280 

Ein Fall von Vulvitis gangraenosa (Noma genitalium) mit Diphtheriebacillenbefund. 

Behandlung mit Heilserum, Heilung, von Freymuth und Petruschky... 436 

Der Geschlechtshunger — ein Faktor bei Frauenkrankheiten, von Perry.469 

Perverser Geschlechtstrieb in seiner Beziehung zum häuslichen Unglück, von 

Armand.471 

Die Wirkung von Bildungsfehlem und Störungen der weiblichen Geschlechts¬ 
organe auf den Geschlechtstrieb, von Bacon.574 

Bakteriologische und histologische Untersuchungen über die Bartholinitis, von 
P. Colombini. ...642 

f. Blennorrhoe und Komplikationen. 

Über die Brauchbarkeit der neuen Kollmannschen Dilatations-Spülapparate in der 

Behandlung der chronischen Blennorrhoe, von Hodara. 43 

Urethritis der Pars posterior, von Handly. 48 

Blennorrhoische Lymphangitis, von Phillips. 49 

Beitrag sur Blennorrhoe-Therapie, von Bridgford. 60 

Zur Frage von der Behandlung der Augenblennorrhoe, von E. Welander .... 106 
Vergleichende Untersuchungen über den Wert des Ptotargols und des Kalium 

permanganicum in der Behandlung der Blennorrhoe, von Mass6.109 

Urethritis chronica und Phimosis, von Bondona... 142 

Bakteriologische und histologische Untersuchungen über die Bartholinitis, von 

Colombini. 143 

Was antwortet der Arzt dem heiratswilligen Blennorrhoiker, von Kromayer.. 158 

Die Züchtung des Gonococcus, von Busch. 169 

Über den forensischen Wert der Gonokokken-Differenzierung durch mikroskopische 
Untersuchung, besonders bei Vulvovaginitis kleiner Mädchen, von Stein¬ 
sohneider. . 169 

Über das Vorhandensein des Neisserschen Diplococcus in den vereiterten Leisten¬ 
drüsen bei Blennorrhoe, von Colombini...160 

Bemerkungen zur Blennorrhoea muliebris, von Fürst.160 

Zur Behandlung der weiblichen Blennorrhoe, von Fürst.160 

Zur Frage der Prostituierten-Blennorrhoe, von Bruck. 160 

Sollen die Prostituierten auf Blennorrhoe untersucht und behandelt werden? von 

Blaschko... 161 

Über die Behandlung der blennorrhoischen Ophthalmie der Erwachsenen, von 

Feilchenfeld. 162 

Ein Fall von Iritis blennorrhoica, von K. Scholtz. 162 

Die blennorrhoischen Bindehauterkrankungen und deren Behandlung, von M. 

Knies. 162 

Protargol, ein Specificum gegen Conjunctivitis blennorrhoica, von A. Darier... 163 
Zur Behandlung schwerer blennorrhoischer Strikteren der Harnröhre, von Gold¬ 
berg . 164 

Über die Behandlung der blennorrhoischen Epididymitis durch Guajakolapplikation, 

von Jaroslav Lenz. 164 

Ein Fall von Endocarditis blennorrhoica, von A. Ahrains...165 

Erkrankung des Sternoclaviculargelenks im Verlauf einer Blennorrhoe, von 

Edington. 165 

Über praktisch wichtige Verbesserungen der Injektienstechnik bei der Heilung 
des akuten H amröhren trippers mit Losungen von Silbercitrat (Itrol), von 

0. Werler.165 

Zur Diagnostik und Therapie der Blennorrhoe beim Manne, von Friedrich 

Dommer. 165 

Vierter Protest fegen moderne Trippertherapie, von Iwan Bloch.166 

Betrachtungen über die Behandlung der Blennorrhoe, von F. Bruck. 166 


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XXVI 


Seite 


Versuche mit einigen neueren Ersatzmitteln des Argentum nitricum in der Tripper- 

behandlung, von Niessen... 167 

Über das Largin, ein neues Antiblennorrhoicum, von C. Pezzoli. 167 

Über die desinfizierende Kraft des Largins (einer neuen Silbereiweiisverbindung) 

gegenüber dem Gonococcus, von C. Pezzoli. 168 

Die Behandlung der Urethritis blennorrhoica nach dem Janetschen Verfahren, 

von C. T. v. Otto........ 168 

Vorläufige Mitteilung Aber die Wirkung des Protargols bei Blennorrhoe, von 

Gustav Behrend... 168 

Uber das Protargol als Antiblennorrhoicum, von E. Finger. 169 

Zur Protargolbehandlmig der Harnwege, von Schwerin. 169 

Über die Wirkung des Protargols, sowie Bemerkungen über die Beurteilung der 

Wirkungsweise neuer Präparate bei Blennorrhoe, von H. Lohnstein.169 

Myositis blennorrhoica, von Braquehaye und Lervel.208 

Bemerkungen über dreifsig mit Protargol behandelte Fälle von Blennorrhoe, von 

Begnauld. 209 

Zur Largintherapie der Blennorrhoea muliebris, von L. Fürst.359 

Über den Wert des Oleum Salosantali (Salosantal) für die interne Behandlung der 

Harnkrankheiten, von Leopold Hahn.359 

Wann kann man den Blennorrhoiker als geheilt betrachten? von Delefosse ... 875 
Die mikrobischen Associationen bei der Urethritis blennorrhoica und ihre Be¬ 
ziehungen zur Intensität der lokalen Beaktion, von Val er io.875 

Ein Fall von Stomatitis blennorrhoica, von Josionek.375 

Über Blennorrhoea recti, von Alfred Huber. 376 

Zwei Fälle von Proctitis blennorrhoica und Gewinnung von Beinkulturen von 

Gonokokken aus dem Eiter eines periurethralen Abscessee, von Mantegazza 376 

Noch einmal der Bheumaticus blennorrhoicus, von Gläser.376 

Ein Fall von Ischias blennorrhoica, von Lesser. .376 

Über Endocarditis blennorrhoica, von Siegheim. 577 

Über die Abhängigkeit des Tripperverlaufes von dem Sitz der Gonokokken, von 

B. Drobni.377 

Über die Bedeutung der Gonokokken für Diagnose und Therapie der Blennorriioe 

beim Weibe, von A. Neisser...377 

Beiträge zur Kenntnis der Biologie des Gonococcus, von T. Laitinen.378 

Zur Färbung des Trippersekrets mit Anilinfarbengemischen, von A. Lanz.378 

Behandlung des akuten Trippers beim Manne, von Pedersen.378 

Erfahrungen über die Verhütung der Blennorrhoea neonatorum, von A. Neisser 379 

Über Blennorrhoe der Kinder, von M. Dobrovics.379 

Behandlung der Blennorrhoe der Kinder, von Janet.379 

Über 50 Fälle von Harnröhrenblennorrhoe bei Mädchen, von B. Panichi.380 

Zur Diagnose der Blennorrhoe beim Weibe, von P. Broese und H. Schiller . 380 
Die Gonokokken in den eiterigen Sekreten der Genitalien bei Prostituierten, von 

„ Kopytowski. 380 

Über die Blenuorrhoebehandlung Prostituierter, von A. Neisser. 381 

Sollen die Prostituierten auf Blennorrhoe untersucht und behandelt werden? von 

Curt Freudenberg. 381 

Beitrag zur Wertlosigkeit der sittenpolizeilichen Untersuchung der Prostituierten, 

von Paul Bichter. 381 

Kurze Übersicht über einige neue bei der Behandlung dor Blennorrhoe angewen¬ 
dete pharmazeutische Produkte, von Gravagna.382 

Über die Behandlung des Trippers nach Janet, von A. Lanz. 382 

Das Protargol und die Behandlung der Blennorrhagie, von V. Casoli.882 

Prophylaxe gegen den Tripper des Mannes, von George J. Monroe.420 

Intraurethrotomie bei weiten Strikturen, von Kollmann.. 460 

Tripperrheumatismus, von Proegler. 469 

Exantheme bei Blennorrhoe, von Buschke. 515 

Studien zur Behandlung der Blennorrhoe, von G. K. Swinburne. 522 

Ein Fall von Fungus benignus testiculi im Verlauf einer Blennorrhoe bei einem 

Tabiker, von Thevenin und Per4. 563 

Ein Fall von Blennorrhoe, nach der Methode von Janet behandelt, von Paul 

Dietz. 564 

Übertragung der Conjunctivitis blennorrhoica, von A. Bourgeois. 566 


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xxvn 


Seit« 

Verschiedenes. 

Beitrag zur Frage der Kurpfuscherei, von Kutner. 28 

Demonstration einer Togonegerin mit Filaria medinensis, von Senator jun. 64 

Beitrag zur Asepsis und Kosmetik der Hautnaht, von Colmann. 64 

Die venerischen Affektionen und ihre Beziehungen zu den Jahreszeiten, von 

Qravagna. 170 

Sollen Patienten darüber aufgeklärt werden, dafs sie Carcinom oder Syphilis 

haben? von C. C. Mapes...170 

Die Gefahr des Spezialistentums in der Medizin, von L. Dune an Bulkley .... 171 
Experimentelle Untersuchungen über Desinfektion im Gewebe tierischer Organe, 

von M. Blumberg. 172 

Bachitis mit Knochenhautblutungen und Nierenblutung, von Johannes Seitz.. 172 

Einige Mitteilungen aus der dermatologischen Praxis, von Bloch.332 

Neues Instrument zur Prüfung verschiedener Empfindungsqualitäten der Haut, 

von Aly. 332 

Die neueren Fortschritte in der Wissenschaft und ihr Einflufs auf Medizin und 

Chirurgie, von Virchow.882 

Emmi tim die Alten die Kontagiosität venerischer Krankheiten? von Bloch.383 

Poliklinik für Hautkrankheiten und Syphilis, von Dr. P. G. Unna. Bericht von 1898 384 

Ein Mikrokauter zu dermatolorisohen Zwecken, von Gottheil.468 

Der Geschlechtshunger — ein Faktor bei Frauenkrankheiten, von Perry.469 

Infektion bei der Toilette, von Engmann...470 

Perverser Geschlechtstrieb in seiner Beziehung zu häuslichem Unglück, von 

Armand. 471 

Ursache und Behandlung der Bubonen, von G. T. Howland...486 

Chromographische Projektion, von 0. Lassar. 487 

Jahrhunderte alte Menschenhaare, von Ziemke. 487 

Fragliche Gültigkeit der Ehe wegen Impotenz des Mannes, von v. Wagner.... 488 

Fall von Bilharzia-Krankheit, von Cure ton und Webb.. 488 

Pharyngomykosis leptothricia, von St Clair Thomson.488 

Wiener dermatologische Skizze, von M. C.488 

Die Hutohinsonschen Zähne, von Dentz. 540 

Schutzkörper zur Prophylaxis der Geschlechtskrankheiten, insbesondere des Trippers, 

von P. Thimm........... 608 


IV. Notizen. 

Personalia.883 


V. Sachverzeichnis.661 

TL Namenverzeichnis.682 


VII. Verzeichnis der Abbildungen. 

Zn 8. 

Beitrag zur Kenntnis des Baues der normalen Hornzellen mit besonderer Berück¬ 
sichtigung der Ernstschen „Keratingranula“, von J. M. H. M ac Leod (Tafel I.) 1 

Impetigo vul^ris. von P. G. Unna und Frau Schwenter-Trachsler (Tafel EL) 333 

Ein Fall von Böntgenstrahlendermatitis, von Buri (Tafel m.). 437 

Zur Lehre über die Waohstumsrichtung der Haare in der ersten Anlage, von 
T. Okamura (Tafel IV.)...641 


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lRi«it(|rftr fit JlnMifijit Ptmatolisit. 


Band XXVHI. 


Ans Dr. Unnas de 

Beitrag rar Kenntnis des Baues Iler normalen Hornzellen 
mit besonderer Berftcksichtigung der Ernstschen „Keratingranula 11 . 

Von 

J. M. H. Mac Lbod, M. A., M. D., Dundee. 

(Mit Tafel I.) 

Es ist nicht meine Absicht, in dieser kurzen Abhandlung den Prozeß 
der Verhornung im allgemeinen zu erörtern. 

Es ist über diesen Gegenstand bereits so viel geschrieben worden y 
was sich bestätigt hat, aber auch so viel, was, naoh neueren Methoden 
geprüft, als nicht zuverlässig sich erwies, daß unser gegenwärtiges Wissen 
betreffs dieses Gegenstandes einigermaßen verworren erscheint und ich 
spreche zweifellos die Meinung vieler aus, wenn ich sage, dafs der Ver- 
homungsprozeß noch nicht voll und ganz verstanden wird. 

In diesem kurzen Beitrag zur Kenntnis unseres Gegenstandes möchte 
ieh einfach zwei Fragen einer näheren Betrachtung unterwerfen, nämlich: 

1. Enthält die Hornzelle Granula, wie sie von Ernst aß „Keratin¬ 
granula“ beschrieben sind? 

2. Ist die Oberfläche einer Hornzelle glatt oder zeigt sie die An¬ 
wesenheit von Stacheln, die sich auf einer mehr oder weniger ausgeprägten 
Stufe der Degeneration befinden? 

Es scheint mir, daß zuerst die Annahme einer in den Hornzellen 
vorhandenen Körnung entschieden werden muß, bevor wir die Struktur 
dieser Zellen ganz verstehen können, und daß eine korrekte Erledigung 
dieser beiden Fragen erforderlich ist, bevor wir der Lösung des Problems 
der Verhornung näher zu treten im stände sind. 

Bevor ich die Resultate im einzelnen anführe, welche ich in Ver¬ 
bindung mit diesem Thema aus meinen Schnitten und Versuchen ge¬ 
wonnen habe, scheint es mir rätlioh, einen kurzen Rückblick auf die 
wichtigsten Litteraturangaben über diesen Gegenstand zu werfen. 

Monatshefte. XXVIU. 1 



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2 


Unna 1 * * beobachtete 1876, dafs, wenn eine Stachelzelle verhornt, die 
Stacheln nicht ganz verschwinden, sondern als feine Granular-Rudimente 
zwischen den Zellen zu persistieren scheinen. Diese Erscheinung von 
Körnung schrieb er damals dem Umstand zu, dafs die Stacheln schrumpfen. 
Durch die Schrumpfung und Verkleinerung der Stacheln, nimmt er an, 
kämen die verhornten Zellen in nähere Aneinanderlagerung zu einander 
als die eigentlichen Stachelzellen. 

Langerhans hat ebenfalls beobachtet, dafs, obwohl die verhornten 
Zellen gewöhnlich dicht zusammenschlossen, in einigen Fällen zwischen 
ihnen eine feine gekörnte Linie vorhanden war. 

1882 schrieb Unna wieder über diesen Gegenstand.* Er erwies in 
einigen Fällen die Anwesenheit von Fetttröpfchen zwischen den Zellen und 
zeigte, dafs die Zellen nicht eng zusammengeschlossen lagen, sondern dals 
auf ihrer Oberfläche geschrumpfte Stacheln sichtbar waren, mit anderen 
Worten, dals die Hornzellen nicht durch eine homogene Kittsubstanz, 
sondern durch das Vorhandensein umgewandelter Stacheln verbunden 
waren. 

In dieser Abhandlung und in einer späteren kritischen Übersicht 
1888 beschrieb Unna 8 eine Reihe von Versuchen, in denen er Teile der 
Hornschicht in einer Lösung von Pepsin und Salzsäure der Verdauung 
aussetzte. Mit dieser Methode fand er, dafs die Zellwand und die Inter- 
cellular-Brücken allein der Verdauung widerstanden, während der Inhalt 
der Zelle ganz verschwand. Er schlofs daraus, dals der Verhomungs- 
prozefs nur den Zellmantel und die Intercellular-Brücken betrifft, und 
stellte die Vermutung auf, dals dies einem Eintrocknungsprozeis zuzu¬ 
schreiben sei, möglicherweise auf Grund einer chemischen Umwandlung. 

Severin fand auch ein schwarzes Netzwerk zwischen den Zellen und 
bezog dies auf das Intercellular-Fett. 

Zander 4 behauptete auf der anderen Seite, dafs die Oberfläche der 
verhornten Zellen glatt ist, und er beschrieb die Horazellen der Vola 
manus und Planta pedis (Zanders Typus A) als abweichend von dem 
gewöhnlichen Typus B und als Zellen mit einem homogenen Rand, einem 
hellen Raum im Centrum und einem feinen Netzwerk, welches sich 
zwischen Zellraum und Zellwand erstreckte. 

Indessen fand Behn , 5 * der die Verdauungsmethode an wandte, dals die 
Zeilen von Zanders Typus A am ganzen Körper vorhanden waren. 


1 Beiträge zur Histologie und Entwicklungsgeschichte der menschlichen Ober¬ 

haut und ihrer Anhangsgebilde. 1876. 

* Entwicklungsgeschichte und Anatomie der Haut. v. Ziermwcns Handbuch . 1882. 

Hornschicht und Verhornung. Monatsh. /. prakt. Herrn. 1888. S. 960. 

5 i rch : f- AncU - «• VhytioL 1888, S. 61. 

Studien über die Verhornung der menschlichen Oberhaut Kiel 1891. 


X 



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3 


Ernst 6 wies in einer Arbeit über normale Verhornung, mit Hülfe 
der GRAMschen Methode, nach, dafs bei der GRAMschen Färbung nur die 
unvollständig verhornten Zellen gefhrbt waren und dafs im Äquator der 
Zellen eine ungefärbte Zone läge, die er als verhornt betrachtete. Zwischen 
den Zellen lagen dort blau gefärbte Fasern, identisch mit den Horn- 
Fibrillen, welche nach Waldeybrs Methode zur Darstellung kommen. 

In einer erschöpfenden Arbeit über normale und pathologische Ver¬ 
hornung, nach der Verdauungsmethode, bestätigte Unna 7 nochmals, dafs 
die normale Hornsubstanz nur als Mantel ganz an der Auisenseite der 
Zelle sich befinde. In derselben Arbeit beschrieb er Keratin als Proto¬ 
plasma mit umgewandelter Struktur und Anordnung und als eine Substanz, 
die keineswegs mit Keratohyalin und Eleidin zusammenzuwerfen sei. 

Rausch 8 veröffentlichte in demselben Jahr eine Arbeit, in der er 
verschiedenartige Bilder beschrieb, die durch Färbung macerierter Zellen 
in Unnas polychromer Methylenblau-Lösung zur Darstellung gebracht 
waren. Er macerierte die Zellen mittelst Säuren und Alkalien wie 
Salicylsäure, Essigsäure, Wasserstoffsuperoxyd, Liq. Kali. Er bestätigte 
in erster Linie, dals ganz verschiedene Arten von verhornten Zellen vor¬ 
handen waren, welche tinktorielle Verschiedenheiten darboten. Behn 
beobachtete dies bereits an mit Osmium behandelten Präparaten, an denen 
er fand, dafs einzelne Zellen von grünlicher Farbe waren, während andere 
eine bräunliche Färbung zeigten. Rausch beschrieb rote Zellen, blaue 
Zellen und solche, welche die zwischenliegenden Schattierungen zwischen 
blau und rot darboten. Er bemerkte, dafs das in den Zellen vorhandene 
Fett wohl die Färbung beeinflußt, aber nicht den wesentlichen Unterschied 
der verschiedenen Färbungen ausmacht. An zweiter Steile beobachtete 
er, dafs die Hornzellen nicht alle homogen waren, sondern dafs viele 
derselben kleine, feine Punkte aufwiesen. Diese Punkte hielt er für 
identisch mit dem, was Unna vorher treffend als das „Relief“ der Horn¬ 
zellen beschrieben hatte; er geht dann weiter und sagt, dafs die blauen 
Zellen dickere Punkte haben als die violetten Zellen, dafs die Farbe des 
Reliefs im allgemeinen blau ist, und wenn das Relief auf einer roten Zelle 
liegt, eine violette Färbung zustande kommt, während die rein-roten 
Zellen kein Relief zeigten. Kurz, er beschreibt auf diese Art drei Typen 
von Hornzellen: 

1. rote Zellen ohne Punkte, 

2. blaue Zellen mit groben blauen Punkten, 


• Arch. f. mikr. Amt. m. EntuncJclungsgesch. 1896. 

1 Über das Wesen der normalen und pathologischen Verhornung. Monatsh. f. 
prakL Darm. 1897, S. 1. 

8 Tinktorielle Verschiedenheiten und Relief der Hornzellen. Monaish. f, prakL 
Dam. 1897, 8. 66. 

!• 


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4 


3. rote Zellen mit blauen Punkten, welche der Zelle eine violette 
Schattierung gaben. 

Er nahm an, dafs das Belief zustande komme durch die Färbung 
persistierender reduzierter Stacheln und zeigte, dals es auch bei gewissen 
pathologischen Zuständen vorhanden wäre, wie Psoriasis, Ichthyosis und 
Parakeratosis. 

Eine andere Arbeit über pathologische Verhornung, mit Hülfe der 
GnAMschen Methode, wurde 1897 von Ebnst 9 veröffentlicht. Er fand, 
dals die dunkel-violetten verhornten Zellen bei Zuständen wie Parakeratose 
ebenso wie bei Psoriasis zahlreiche gefärbte Granula, ähnlich feinen 
Punkten, enthielten und untermischt mit den gefärbten Granula fand er 
zahlreiche hell glänzende ungefärbte Granula. Er glaubt, dals diese 
Granula die Träger des Keratin sein könnten und obwohl er zur Zeit 
keinen Beweis für ihren chemisohen Zusammenhang mit Keratin hatte, 
nannte er sie provisorisch „ Keratingranula. “ Diese Granula schienen 
sich in den Zellen vom Stratum lucidum bis zu den oberflächlichen Zell¬ 
lagen der Hornschicht zu erstrecken. Er fand einige Schwierigkeit, sie 
von den feineren Keratohyalin-Granula zu unterscheiden, doch sie waren 
regelmäfsiger, feiner und weit zahlreicher als die grolsen Körner des 
Keratohyalin. Er hielt es für möglich, dafs sie bei der Auflösung der 
Protoplasma-Zellfasern entständen, und betrachtete sie auf alle Fälle als 
einen integrierenden Teil der Homzellen und als in naher Beziehung zum 
Verhornungsprozefs stehend. 

Kbomayeb 10 bemerkte 1898 in einer Arbeit „Was sind die EBNSTschen 
Keratingrann la ? u , dals, als er Ernst 1896 seine Granula in Frankfurt 
habe beschreiben hören, er sie gleich für ein Färbungsprodukt gehalten 
habe, wie er ähnliche Granula in Präparaten sowohl nach Wbiqebts als 
nach Grams Methode erhalten hätte. Er trat später in eine Nachprüfung 
dieser Frage ein und wiederholte seine Meinung; gleichzeitig versicherte 
er, dafs die Granula, welche er mit diesen Methoden fand, in jeder Be¬ 
ziehung den von Ebnst beschriebenen ähnlich wären. Er fand in Schnitten 
von beginnendem Carcinom-Gewebe, wo die Verhornung nicht vollständig 
war und die Kerne tingibel blieben, dafs eine schwache Lösung von 
Methylen-Violett in Wasser das protoplasmatische Netzwerk der verhornten 
Zellen tiefer färbte als das übrige Protoplasma und dals, wenn er solchen 
Schnitt mit Grams Methode behandelte, an Stelle der fortlaufenden Fasern 
Streifen von Ernsts sogenannten Keratingranula erschienen. Er sagte, 
dafs es für jeden mit diesen Färbungsmethoden Vertrauten leicht wäre, 
solche Granula darzustellen, nicht nur in Hornzellen, sondern auch in 

* „Studien über pathologische Verhornung mit Hilfe der GaAHBchen Methode.“ 
Beitr. z. path. Anat. u. z. aügem. Path. 1897, S. 438. 

10 CentraXbl . f. allyem. Path. u. path. Anat. 1898, S. 439. 


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& 


dem Protoplasma der Bindegewebszellen, dem Kollagen, den elastischen 
Fasern und sogar dem Muskelgewebe. Er behauptete auoh, daß, wenn 
man einen mit Jod gefärbten Schnitt mit Alkohol-Xylol (1—4) entfärbt, 
man findet, dafs der entzogene Farbstoff sich in Krümeln oder Klumpen 
sammelt, die sternförmige Krystalle bilden und sich entweder durch den 
ganzen Schnitt verüsteln oder ausschließlich im Epithel oder im Binde¬ 
gewebe. 

ln einer späteren Arbeit zeigte Ernst u , dafs seine gefärbten Granula 
eine nahe Beziehung zu den ungefärbten glänzenden Granula hätten, mit 
der Begründung durch die Thatsache, dafs beim Auf- und Abstellen der 
Mikrometerschraube die gefärbten Granula glänzend nnd lichtbrechend er¬ 
schienen und dafs sie so mit einander vermischt waren, dafs man an¬ 
nehmen mußte, sie gehörten zu einander. Er bemerkte ferner, daß es 
ungewiß sei, welche Beziehung seine Keratingranula zu den Granula 
hätten, welche von Bausch beschrieben sind. 

Bevor ich weiter gehe, möchte ich meinen herzlichsten Dank meinem 
hochgeschätzten Lehrer Herrn Dr. P. G. Unna aussprechen, dessen reiche 
histologische Erfahrung und sinnreiche Eingebungen in Bezug auf Probleme 
und Methoden mich bei der Bearbeitung dieses Themas sehr unter¬ 
stützt haben. 

Es wird die Übersicht über die Resultate, zu denen ich in dieser 
Arbeit gelangt bin, erleichtern, wenn ich letztere unter die folgenden 
Gesichtspunkte bringe. 

I. Sind die sogenannten „Keratingranula“ von Ernst innerhalb 
der Horazellen? 

II. Welche Beziehung haben die von Rausch beschriebenen Granula 
zu den ERNSTsohen „Keratingranula?“ 

HI. Sind diese Granula durch Färbungsmethoden erzeugte Kunst¬ 
produkte? 

IV. Was sind die Granula? 


I. 

Sind die sogenannten „Keratingranula“ von Ernst innerhalb 

der Hornzellen? 

Meine erste Aufgabe war, die Körnung in den Hornzellen, wie sie 
Erhst beschrieben hat, zur Darstellung zu bringen. Zu diesem Zwecke 
wählte ich zweierlei Horagewebe, normales und pathologisches, nämlich 
Planta pedis und Clavus; das letztere aus dem Grunde, weil es im Quer¬ 
schnitt ausnehmend gut die Übergangsstufen im Verhoraungsprozefs dar¬ 
bietet. 


11 „Die Keratingranula. M CentraWl f. Path . u . path. Amt 1898, 8. 688. 


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6 


Ich färbte diese Gewebe zuerst nach der GKAMschen Methode, mit 
Hilfe einer Gentiana-Violett Lösung und verwandte dazu die folgende 
EHRLiOHsche Formel: 

Gentiana* V iolett (Grübler). 1 Teile 

Alkohol. . 15 

Anilinöl. 3 

Wasser. 80 

2. Abspülung im Wasser. 

Jod... 1 

3. Jodkalium. 2 

Wasser.300 

4. Abspülung in Wasser. 

5. Alkohol, Bergamottöl, Balsam. 

In den so gefärbten Schnitten der Planta pedis und des Clavus fand 

ich viele sternförmige Krümel und reichlichen unregelmäfsigen, mehr oder 
weniger feinen Niederschlag. Aber hiervon unabhängig schienen die Zellen 
des Stratum corneum mit zahlreichen feinen regelmäßigen Körnern un¬ 
gefähr von der Gröfse sehr feiner Keratohyalin-Körner besät zu sein. 

Bei Zusatz von 2—3 Tropfen Eisessig zur Jod-Lösung, und wenn 
ich an Stelle von Wasser gleiche Teile von Wasserstoffsuperoxyd und 
Wasser setzte, verminderte sich der Jod-Niederschlag sehr, aber die 
Granula waren so deutlich wie vorher. 

Figur 1 stellt einen Teil eines Schrägsohnittes des Clavus, nach obiger 
Methode gefärbt, dar, und zeigt die Granula in ihrer Beziehung zu den 
Hornzellen. Diese Granula schienen die Konturen der Zellen, aus denen 
die verhornten Lamellen bestanden, wiederzugeben; sie schienen nicht in 
allen Zellen vorhanden zu sein, sondern waren hauptsächlich an diejenigen 
geknüpft, die dunkler gefärbt waren. Wenn eine dunkel gefärbte Zelle 
an eine heller gefärbte anstieß, so schienen die Granula zu der dunkleren 
Zelle zu gehören, doch erstreckten sie sich in vielen Fällen noch über 
einen Teil der benachbarten helleren Zelle. In zahlreichen Fällen er¬ 
streckten sich die Granula über die Zellen hinaus, doch sie waren dann 
so angeordnet, daß sie klar ihre Zugehörigkeit zu einzelnen bestimmten 
Zellen zeigten. Sie schienen nicht alle in einer Fläche zu liegen, was 
beim Auf- und Abstellen der Mikrometerschraube sich deutlich zeigte, 
denn in einem Augenblick waren nur wenige Granula im Scheitel der 
Zelle zu sehen, während einen Augenblick später die im Äquator ge¬ 
legenen allein zur Einstellung gelangten. In verschiedenen Schnitten, in 
denen die Zellen horizontal geschnitten waren, wurde eine feine 
Granulär-Punktierung zwischen den angrenzenden Zellen sichtbar und diese 
Punkte zeigten eine auffallende Ähnlichkeit mit geschrumpften Stacheln. 
Die Granula waren offenbar nicht alle von derselben Form. Die im 


bß der Schnitt fast 
schwarz ist. 


10—20 Minuten. 


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7 


Scheitel erschienen runder, während die im Äquator gelegenen die Form 
feiner punktierter Körperchen zeigten. Ich konnte nicht zwischen ge¬ 
färbten und farblosen Granula unterscheiden, wie es Ernst gethan hat, 
doch ich bin sicher, daß sie stets stark lichtbreohend waren. Gegen das 
Stratum lucidum zu, wo die Kerne noch als kleine geschrampfte Massen 
persistierten, die in Hohlräumen lagen, in welchen durch Osmiumsäure 
Fetttropfen entdeckt werden konnten, war es möglich, sobald der Kern 
zur Einstellung gebracht wurde, ein intracelluläres Netzwerk zu beobachten, 
welches sich von der Kernhöhle zum Äquator der Zelle erstreckte. 
Wo die Fibrillen dieses Netzwerkes einander kreuzten, waren gelegentlich 
feine Knötchen oder Granula sichtbar, während im Äquator zahlreiche 
feine Punkte und Granula vorhanden waren, welche sich über die Zelle 
hinaus erstreckten. Sobald indes die Oberfläche dieser Zelle eingestellt 
wurde, verschwand das intracelluläre Netzwerk und es zeigten sich feine, 
runde, dunkel gefärbte Granula. Auf ein Schreiben an Professor Ernst 
übersandte mir derselbe freundlichst zwei Schnitte, welche seine Granula 
enthielten; ein Schnitt betraf Psoriasis, und es waren im Stratum corneum 
zahlreiche Granula vorhanden, welche in jeder Beziehung den von mir 
oben beschriebenen sich ähnlich zeigten. 

Ich färbte jetzt eine Zahl von Schnitten mit den verschiedenen für 
Keratohyalin angegebenen Färbungsmethoden, um zu entscheiden, ob die 
Granula mit diesen Methoden zur Darstellung gebracht werden könnten. 
Bei der Färbung mit HämateXn konnte ioh die Granula nicht entdecken, 
während das Keratohyalin in den Zellen der Körnerschicht gut gefärbt 
war. Als ich Hämatoxylin verwandte, die Schnitte 12 Stunden in der 
Parbflüssigkeit beliefs und dann mit Eisessig entfärbte, konnte ioh sehr 
zahlreiche Keratohyalin-Körner im Stratum granulosum entdecken, aber 
keine ERNSTschen Granula in den Homzellen. Die Keratohyalin-Körner 
sind, wie Ernst bereits beobachtet hat, weit unregelmäfsiger in Form und 
Größe als die Granula in den Homzellen. 

Wenn ich den Schnitt nach der GRAMschen Methode färbte und ihn 
dann 10—15 Minuten in Hämatoxylin legte, wurde der Unterschied 
zwischen den beiden Arten von Granula sehr evident. Mittelst dieser 
Färbung zeigten sich die Zellen des Stratum granulosum bräunlich gelb 
und wiesen dunkelbraune unregelmäfsige Granula und Massen von 
Keratohyalin auf, während die verhornten Zellen violett gefärbt und besät 
mit feinen regelmäßigen dunkelvioletten Granula waren. — Ich verwandte 
nun zunächst Unnas polychrome Methylenblaulösung, um die Schnitte zu 
färben, und bediente mich einer der von Rausch zur Färbung macerierter 
Homzellen verwandten ziemlich ähnlichen Methode, nämlich: 

1. Polychrome Methylenblau-Lösung. 2 Minuten. 

2. Abspülung in leicht angesäuertem Wasser. 


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3. Rotes Blutlaugensalz 1%. 1 Minute. 

4. Abspülung in Wasser. 

5. Alkohol, Bergamottöl, Balsam. 

Bei dieser Methode bemerkte ich, dafe die Zellen, welche die Hom- 
lamellen bildeten, nicht alle von einer Farbe waren, indem einige eine 
rötlich-purpurne Tinte zeigten, während andere blau waren. Figur 2 
zeigt einen Teil eines so gefärbten Schrägsohnittes. Die rötlich-purpur¬ 
farbenen Zellen waren alle mit feinen, dunkelpurpurnen Granula besät, 
die blauen Zellen mehr oder weniger frei von Körnung. Bei dieser 
Methode war wenig oder kein Niederschlag zu beobachten, und was hier¬ 
von zu sehen war, war so unregelmäfsig grob, dafs es keine Ähnlichkeit 
mit den Granula darbot. Diese Granula hatten dasselbe Aussehen und 
dieselbe Verteilung wie die in einem gleichen nach ÖRAMscher Methode 
gefärbten Schnitt. 

Wenn ich die Färbung mit Hämatoxylin, wie folgt, kombinierte — 
ich färbte die Schnitte zuerst nach der obigen Methode und legte sie dann 
für 2—3 Minuten in Hämatoxylin —, war ich im stände, die durch 
Kombination der GKAMschen und der Hämatoxylin-Methode erlangten 
Resultate zu bestätigen. Die Zellen des Stratum granulosum zeigten eine 
bräunliche Farbe und enthielten dunkelbraune Keratohyalin - Granula, 
während die Horazellen entweder purpurn oder blau waren; die ersteren 
waren dicht besät mit den feinen Granula. 

Aus dieser ersten Reihe von Versuchen schließe ich: 

a) Dafs die Granula, wie sie Ernst beschrieben hat, 
zweifellos in Beziehung zu den Hornzellen stehende 
Elemente sind. 

b) Dafs diese Granula nicht in Verbindung mit jeder Horn¬ 
zelle auftreten, denn gewisse Hornzellen, sowohl nach 
GRAMscher als auch nach der polychromen Methylen¬ 
blau-Methode gefärbt, zeigen keine Granula. 

c) Dafs diese Granula aufserhalb der Zellen liegen und 
zwar aus folgenden Gründen: 

1. sie erstrecken sich in den meisten Fällen über die Zelle hinaus, 

2. sie sind in den Intercellularräumen zwischen den Zellen zu sehen, 

3. sie scheinen unabhängig vom Netzwerk in der Zelle und der 
feinen Körnung zu sein, welche in gewissen Zellen, erzeugt 
durch die einander kreuzenden Netzwerkfibrillen, sichtbar ist, 

4. und endlich aus der Thatsache, dafs beim Auf- und Abstellen 
der Mikrometerschraube die Oberfläche der Zelle in Form dieser 
feinen Granula genau verfolgt werden kann. 


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II. 

Welche Beziehung haben die von Rausch beschriebenen 
Punkte zu den EBNSTschen „Granula?“ 

Die nächste Reihe von Versuchen wurde mit Hilfe eines Macerations- 
prozesses angestellt, um die Einzelzellen für sich zu studieren. 

Gleich Rausch fand ich, daß Zellen, welche in Säuren maceriert 
worden waren, ihre feine Struktur besser bewahrten, als wenn Alkalien 
zu diesem Zweck verwandt wurden. loh gebrauchte Essigsäure, Salicyl- 
sfiure oder Wasserstoffsuperoxyd und macerierte Stücke der Planta pedis 
und Clavi 12—24 Stunden lang bei einer Temperatur von 40° Celsius in 
einer oder anderen dieser Säuren, wozu ich 1% Thymol hinzufügte, um 
so weit als möglich die Anwesenheit von Bakterien zu verhüten, da ich 
gefunden hatte, dals die Präparate ohne Zusatz antiseptischer Mittel über 
und über mit Kokken und Bacillen bedeckt waren. Nach 12stündiger 
Einlage in Säuren war es leicht, eine feine, weiche Zellmasse von der 
Oberfläche der Homschicht abzukratzen. Dies geschah mittels des 
scharfen Randes eines Stückes Glas, um den Gebrauch von Metall bei so 
starken Säuren zu vermeiden. 

Nachdem ich die Masse auf einem Objektträger ausgebreitet hatte, 
fixierte ich über der Flamme, ließ das Präparat 5—6 Minuten trocknen 
und zog es dann noch ungefähr zehnmal durch die Flamme. Bei der 
Maceration mit Salicylsäure war es bisweilen schwer, die Zellmasse auf 
dem Objektträger zu fixieren, doch wenn ein Tropfen Essigsäure vor dem 
Durchziehen des Objektträgers durch die Flamme zugesetzt wird, klebt 
die Zellmasse genügend, um Färbung und Abspülung zu gestatten. Zuerst 
färbte ich die Zellen nach Rauschs Methode mit polychromem Methylen¬ 
blau und rotem Blutlaugensalz. Wenn ich die so gefärbten Zellen unter¬ 
suchte, fand ich ein dem von Rausch beschriebenen sehr ähnliches Bild. 
Ich fand Zellen, welche alle Farbenschattierungen von Rosa durch Purpur 
bis zum Blau darboten und die größere Zahl dieser Zellen war mit mehr 
oder weniger feiner Körnung bedeckt. Eine geringe Zahl blauer Zellen 
allein schien ganz frei von Granula zu sein und diese enthielten ein feines 
intracelluläres Netzwerk in derselben Farbe. Andere blaue Zellen waren 
indes vorhanden, die in größerer oder geringerer Ausdehnung mit purpur¬ 
farbener Körnung bedeckt waren. 

Meine Präparate zeigten, daß die hellrosa Zellen nicht glatt waren, 
wie Rausch sie beschrieben hat, sondern daß sie mit sehr feiner Körnung 
von wenig dunklerer Farbe aß die Zellen bedeckt waren. Rausch be¬ 
hauptete auch gefunden zu haben, daß die Granula gewöhnlich von blauer 
Färbung waren und daß, wenn sie eine rote Zelle bedeckten, ein purpur¬ 
farbenes Bild daraus resultierte; doch meine Präparate schienen zu zeigen, 


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dafs die Granula entweder rosa oder purpurrot waren und dafs, wenn sie 
auf einer blauen Zelle lagen, sie die Erscheinung einer ganz dunkel¬ 
purpurroten Körnung hervorbrachten. Auf den verschieden gefärbten 
Zellen schienen die Granula ganz bedeutend an Gröfse zu variieren; auf 
den rosa und leicht purpurfarbenen Zellen z. B. waren die Granula ge¬ 
wöhnlich fein und zahlreich, während sie auf den blauen und den dunkler 
purpurnen Zellen seltener und gröber sich zeigten. Auch eine Anzahl 
ungefärbter Zellen war zu finden, die durch die Anwesenheit zahlreicher 
ziemlich grober Granula sichtbar gemacht wurden, welche den Eindruck 
machten, als lägen sie auf einem farblosen Zellmantel. 

Figur 3 zeigt eine nach dieser Methode gefärbte Zellgruppe, in 
welcher die verschiedenen Typen gut ausgeprägt sind. Sie zeigt die 
folgenden Zellen: 

a) Blaue Zellen, glatt, im Innern ein Netzwerk, 

b) Rosa Zellen, bedeckt mit feiner purpurfarbener Körnung, 

c) Blaue Zellen, teilweise mit gröberer purpurfarbener Körnung, 

d) Blaue Zellen, deren Scheitel mit feiner purpurfarbener Körnung 
bedeckt ist, 

e) Ungefärbte Zellen, deren Äquator durch grobe purpurfarbene Kör¬ 
nung kenntlich wird. 

Jedes der Präparate zeigte, die ganze Reihe hindurch, eine endlose 
Zahl verschiedener Gruppen mit Yariierung in der Zellfärbung und wegen 
dieses Chaos verschieden gefärbter Zellen schien es mir zuerst eine fast 
hoffnungslose Aufgabe, eine Klassifikation derselben zu versuchen, aber 
nach Prüfung vieler Präparate, von denen einige überfärbt, andere über¬ 
entfärbt waren, während eine kleine Anzahl die glückliche Mitte einhielt, 
fand ich, dafs die verschiedenen Zellen in einige Arten eingeteilt 
werden könnten, nach derselben Weise, die ich in Figur 3 beschrieben 
habe. 

Eine merkwürdige Thatsache bezüglich der Zellen war die, dafs die 
Facetten vieler derselben durch verschiedene Schattierungen purpurfarbener 
Punkte gekennzeichnet wurden, und ich bemerkte auch, dafs dort, wo eine 
purpurfarbene Zelle über einer blauen Zelle lag, eine sehr dunkle Purpur¬ 
farbe dadurch zu stände kam. 

Ich färbte jetzt in gleicher Weise macerierte Homzellen nach der 
GRAMschen Methode und fand, dafs ich die besten Resultate erzielte, 
wenn ich mit Gentiana-Violett drei Minuten und mit Jodlösung zwei 
Minuten färbte. Die Zellen boten alle eine violette Farbe. In Figur 4 
ist eine Gruppe derselben dargestellt und man kann hier beobachten, dafs 
die gröfsere Zahl derselben eckige Facetten zeigt, welche durch eine 
dunkler violette Farbe gekennzeichnet sind und an ihrer Oberfläche mit 
feiner dunkelvioletter Körnung bedeckt sind, die sich über die Zelle 


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hinaus erstreckt, wo sie das Aussehen feiner geschrumpfter Stacheln an- 
nimnit. Dies war besonders deutlich, wo zwei oder mehr Zellen anein¬ 
ander lagen und nicht durch die Maceration getrennt worden waren. Es 
lagen dort auch einige Zellen, welche fast farblos und mit etwas gröberer 
Körnung bedeckt waren, während eine kleine Anzahl derselben glatt zu 
sein schien; in diesen Zellen war das Netzwerk besonders deutlich. Dieses 
Netzwerk schien mir in allen Zellen gegenwärtig zu sein, aber es war 
schwer dort zu sehen, wo die Zellen dicht mit Granula bedeckt waren. 

Nach dieser Methode haben wir also glatte Zellen und solche, die 
mit mehr oder weniger feiner Körnung bedeckt sind. 

Diese Zellen scheinen in jeder Einzelheit, mit Ausnahme der Färbung, 
den Zellen und ihrer Körnung zu entsprechen, wie sie nach Rauschs 
Methode zur Darstellung kamen. 

Die folgende vergleichende Tabelle wird dies mit einem Blick zeigen. 


Polychromes Methylenblau. 

1. Glatte blaue Zellen mit feinem intra¬ 
cellulärem Netzwerk. 

2. Purpurrote Zellen, bedeckt mit feinen 
purpurnen Granula. 

3. Blaue Zellen mit mehr oder weniger 
groben Granula. 

4. Ungefärbte Zellen mit purpurnen Gra¬ 
nula. 


Grams Färbung. 

1. Glatte violette Zellen mit feinem intra¬ 
cellulärem Netzwerk. 

2. Violette Zellen, bedeckt mit feinen 
violetten Granula. 

3. Violette Zellen mit mehr oder weniger 
groben Granula. 

4. Ungefärbte Zellen mit violetten Granula. 


Ich habe also die nach meiner Ansicht durchaus gleiche Körnung 
nach vier Methoden gefunden, indem ich die GRAMsche Methode nicht 
nur in Schnitten, wie Ernst es beschrieben hat, sondern auch an mace- 
rierten Zellen und Rauschs Methode sowohl an macerierten Zellen wie 
an Schnitten verwandte. 

Auf Grund dieser Untersuchungen halte ich mich für überzeugt, dafe 
die sogenannten Keratingranula von Ernst identisch mit Rauschs 
„Punkten“ sind und aus den bereits angeführten Gründen halte ich sie für 
außerhalb der Zelle liegend. 


III. 

Sind diese Granula durch Färbungsmethoden erzeugte 
Kuns t prod ukte? 

Aus folgenden Gründen bin ich sicher, dals die Granula keine Kunst¬ 
produkte sind: 

1. Die Methoden, welche ich mit beiden Farbflüssigkeiten eingeschlagen 
habe, waren verhältnismäßig frei von Niederschlägen und nur bevor ich 
Eisessig oder Wasserstoffsuperoxyd hinzugefügt hatte, erhielt ich stern¬ 
förmige Krümel von gleichem Niederschlag, wie sie Kromayer als Pro- 


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12 


dukte der GRAMschen Methode beschrieben hat. In den verschiedenen 
Schnitten erhielt ioh t falls ich nicht Sorge getragen hatte, die Reagentien 
zu filtrieren, und nicht zu der Macerationslösung Thymol hinzufügt hatte, 
ein ähnliches Resultat, wie es in Figur & wiedergegeben ist, wo das 
Präparat mit einem groben Niederschlag bedeckt und die Zellen mehr 
oder weniger von Mikroorganismen umgeben sind. Dieses Präparat ist 
instruktiv, weil die Körnung in vieler Hinsicht eine groise Ähnlichkeit 
mit Kokken und Bacillen hat, aber hier ist der Unterschied sehr deutlich. 

2. Wo ein Niederschlag im Präparat besteht, wird er über die ganze 
Ebene des Präparates verteilt gefunden und nicht so gruppiert, wie wenn 
er Einzelzellen zugehörte. 

3. Es ist unwahrscheinlich, dafs Jod resp. Blutlaugensalz ganz gleich 
geformte und gruppierte Niederschläge erzeugt haben sollten, wenn auch 
(wie es im Fall gröberer Körnung möglich ist) der Niederschlag sich um 
runde, regelmäfsig verteilte Punkte angehäuft hat. 

4. Obwohl angrenzende Zellen jede einzeln feine Körnung darbieten 
können, sind die Granula einer Zelle sehr oft von verschiedener Gröfse 
gegenüber den Granula einer benachbarten. 

6. Wenn ich Gewebe nach der GRAMschen Methode färbte, wie 
ßindegewebszellen, Kollagen und elastisches Gewebe, konnte ich nur mit 
Mühe irgend welchen Niederschlag mit der Jod-Eisessiglösung erzeugen 
und in keinem Falle batte der vorhandene Niederschlag die geringste 
Ähnlichkeit mit der Körnung in den Zellen, obwohl Kromater zu ent¬ 
gegengesetzten Resultaten gelangt ist. 

Aus diesen Gründen bin ich sicher, dafs die ERNSisohen „Keratin¬ 
granula“ und die RAUSCHschen „Punkte“ keine Kunstprodukte sind, 
sondern einen zweifellosen Zusammenhang mit der Oberfläche der Horn¬ 
zellen besitzen. 


IV. 

Was sind die Granula? 

Die letzte und vielleicht wichtigste Frage ist natürlich: Was sind 
die Granula? 

Wenn sie weder einfache Färbungsprodukte sind, noch „Keratin¬ 
granula“ innerhalb der Zellen, was sind sie denn? 

Bei genauer Untersuchung der Hornzellen nach der Färbung finden 
wir, dafs die Granula in der Form variieren, je nachdem sie im Scheitel 
der Zelle oder im Äquator derselben gelegen sind. Wenn man auf die 
Zelle herabsieht, erscheinen die Granula in der Mitte der Oberfläche rund 
an Form, gegen den Äquator zu zeigen sie ein etwas dreieckiges Aus¬ 
sehen, während sie im Äquator selbst feinen, kurzen, punktierten Fort- 


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Sätzen gleichen. Eine der besten Methoden, diese Erscheinung zur Dar¬ 
stellung zu bringen, ist die, die macerierten Zellen auf dem Objektträger mit 
8afranin zu färben und mit einer 1% Lösung von rotem Blutlaugensalz 
zu fixieren. Auf diese Weise sind die zarten Fortsätze am Äquator der 
Zelle orange gefärbt, während an der Oberfläche der Zelle die Granula 
wie feine, runde, orangefarbene Flecke erscheinen. Wenn wir Schnitte 
▼on Carcinom und spitzen Kondylomen mit polychromer Methylenblau- 
Lösung färben, erhalten wir Präparate, an denen Stachelzellen schön 
studiert und in demselben Schnitt mit Hornzellen verglichen werden 
können. Wir finden, dafs an der Oberfläche der Stachelzellen zahlreiche 
feine, purpurfarbene Flecke vorhanden sind, die, obwohl etwas feiner, den 
Flecken auf der Oberfläche der Homzellen sehr ähnlich sind. Die Flecke 
auf den Stachelzellen sind Stacheln in Belief. Im Äquator und zwisohen 
den Zellen erscheinen die Stacheln als feine purpurfarbene Fortsätze, 
länger und zarter als die Fortsätze, welche ich im Äquator der Hom¬ 
zellen beschrieben habe. 

Wenn gleiche Schnitte mit Gentiana-Alaun und Jod-Lösung gefärbt 
werden,, zeigen die violetten Stacheln dieselbe Übereinstimmung mit den 
Flecken und feinen Fortsätzen, die wir an macerierten, nach GRAMscher 
Methode gefärbten Horazellen sahen. Ich macerierte alsdann Stachelzellen, 
um sie leichter mit den macerierten Hornzellen vergleichen zu können. 
Ich fand, dafs dies eine etwas schwierige Aufgabe war, da selbst sehr 
schwache Säuren und Alkalien die Zellen lädierten und die Stacheln zum 
Verschwinden brachten. Indessen, nachdem ich ein Stück eines spitzen 
Kondyloms in Alkohol gehärtet und dann in einer 50% Alkohol-Lösung 
maceriert hatte, war ich im stände, von der Scbnittseite des Gewebes eine 
Anzahl mehr oder weniger getrennter Stachelzellen abzukratzen. Diese 
gaben nach der Färbung mit polychromer Methylenblau-Lösung ein den 
ebenso gefärbten Hornzellen durchaus ähnliches Bild, ausgenommen, dafs 
in ersteren der Kern gewöhnlich deutlich sichtbar und die Zellen von 
regelmäßiger Form waren. 

Figur 6 zeigt Teile dünner Querschnitte von der Planta pedis, die 
der Verdauungsmethode unterworfen wurden und mit polychromer Me¬ 
thylenblau-Lösung gefärbt sind. Diese Schnitte wurden mit einem Gefrier- 
Mikrotom geschnitten und 12 Stunden bei einer Temperatur von ca. 40° 
Celsius in folgender Pepsin-Lösung der Verdauung ausgesetzt: Pepsin 5, 
Salzsäure 1, Wasser 100. 

Bei schwacher Vergrößerung zeigten solche Schnitte ein feines purpur¬ 
farbenes Masohenwerk, welches ziemlich gut mit einer Honigscheibe zu 
vergleichen war und hier und dort ein paar purpurfarbene und blaue 
Zellen aufwies. Dieses Maschenwerk schien aus den äußeren Teilen der 
Zellen zu bestehen, welche bei der Verdauung nicht verschwunden 


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/■ 



14 


waren, während das übrige der Zelle nicht weiter sichtbar war. In 
einigen Fällen waren indessen die Zellen nicht verdaut und zeigten eine 
purpurne oder blaue Färbung. Bei der Untersuchung dieses purpur¬ 
farbenen Maschenwerks bei starker Vergröfserung zeigte sich deutlich, 
dafs es aus kurzen geschrumpften Fortsätzen und feinen Punkten bestand 
und in einigen Fällen Stellen aufwies, die der Überrest einer Zellwand 
zu sein schienen. Auf der Oberfläche der verdauten Zellen erschienen 
hier feine purpurfarbene Flecke gleich denen in den macerierten Zellen; 
diese waren gleichfalls über die purpurfarbenen Zellen ausgebreitet, während 
sie an den blau gefärbten Zellen entweder in geringer Zahl vorhanden 
waren oder ganz fehlten, ausgenommen an und nahe dem Äquator. Auf 
einigen der verdauten Zellen lagen gröbere gekörnt aussehende Körperchen 
mit wenigen feinen purpurfarbenen Flecken dazwischen. In Schnitten, 
welche 10—14 Tage lang in der Pepsinlösung der Verdauung unter¬ 
worfen waren, verschwanden die gefärbten Zellen sämtlich und das 
Maschenwerk zeigte deutlicher als vorher, dais es aus feinen purpur¬ 
farbenen Flecken und Fortsätzen bestand. Diese Flecken zeigten sich 
auch über den hellen Räumen, welche die zurückbleibenden Zellwände 
aufwiesen. 

Diese Versuche bestätigten genau die Resultate, zu welchen Unna 
bei seinen Arbeiten über die Verdauung der Hornzellen gelangt ist, wo 
er zeigte, dafs nur der Aufsenteil der Hornzelle der Verdauung wider¬ 
stand und verhornt war. 

Auf Grund des Vergleichs der obigen Schnitt- und Präparations¬ 
verfahren an Hornzellen mit denen an Stachelzellen hin ich überzeugt, 
dafe die Flecke und Fortsätze, die an der Oberfläche der Homzellen zu 
sehen waren, die persistierenden Stacheln in etwas geschrumpftem Zu¬ 
stande sind. 

Ich werde jetzt ein Verzeichnis der hauptsächlichen Färbungsmethoden, 
welche die Stacheln in den Hornzellen zur Darstellung bringen, beifügen. 

Dies sind die Methoden, mit denen ich den besten Erfolg erzielte, 
und ein Blick auf das Verzeichnis wird die Färbung angeben, welche in 
jedem Fall die Zellen und Stacheln darboten. 

Ich habe noch ein zweites Verzeichnis hinzugefügt, nämlich der¬ 
jenigen Methoden, mittelst welcher die Stacheln entweder ungefärbt blieben 
oder sonst nicht gut zur Darstellung gelangten. Die letzteren Methoden 
führe ich nur als Beispiele der verschiedenen von mir angewandten 
Kombinationsfärbungen an, die alle in Bezug auf die Stacheln ein negatives 
Resultat ergaben. 


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Verzeichnis der verwandten Farbflttssigkeiten, mittels deren die Stacheln entweder nicht sichtbar waren 

oder sonst nicht gut snr Darstellung gelangten. 


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17 


In dieser vorläufigen Arbeit will ich nicht die Fragen der Bedeutung 
der gröberen Körnung erörtern, wie sie auf gewissen Hornzellen zu sehen 
war, auch nicht die Bedeutung der glatten Zellen, in welchen keine 
Stacheln sichtbar waren, noch die der Unterschiede in der Färbung, 
welche die mit polychromer Methylenblaulösung und auch nach bestimmten 
anderen Methoden gefärbten Horazellen darboten. Ich glaube eine Er¬ 
klärung für diese Probleme zu besitzen, aber da ich mich mit dem Gegen¬ 
stand noch weiter beschäftigen werde, möchte ich dieselbe für einü nach¬ 
folgende Arbeit reservieren. 

Zum Schlafe glaube ich die zwei Fragen beantworten zu können, die 
ich in dieser Arbeit zu lösen versuchte, und zwar die erste: „Sind die 
ÜRNSTschen Granula innerhalb der Hornzellen ?“ im negativen, die zweite 
Frage: „Persistieren die Stacheln in den Horazellen?“ im positiven Sinne 
und ich glaube endlich auch behaupten zu können, dafe anstatt der An¬ 
wesenheit von „Keratingranula“ innerhalb der Zellen Keratinstacheln auf 
der Oberfläche der Horazellen vorhanden sind. 

(Übersetzt von Dr. A. Hatz-Hamburg.) 


Tafelerklärung. 

Fig. 1 . Schrägschnitt vom Clavns. Nach GaAMscher Methode gefärbt. 

Lutz III. Ölimmersion fa. 

a) Violett gefärbte Hornzellen, welche feine Stachelpunkte im Relief zeigen. 

b) Violett gefärbte Hornzellen, in welchen die Stachelpunkte nicht zu sehen sind. 

Fig. 2. Schrägschnitt vom Glavus. Nach polychromer Methylenblau- 

Methode gefärbt. Lbitz IV. Öl-Immersion f q . 

a) Rötlich purpurn gefärbte Hornzellen, mit dunkler gefärbten Stachelpunkten 
bedeckt. 

b) Rosa gefärbte Hornzellen mit rötlioh purpurfarbenen Staohelpunkten. 

c) Blau gefärbte Hornzellen, teilweise mit purpurnen Stachelpunkten übersät. 

d) Hornzellen, teils von blauer, teils purpurroter Farbe; der purpurfarbene 
Teil ist mit purpurnen Staohelpunkten bedeckt. 

Fig. 3 . Hornzellen von der Planta pedis, 12 Stunden in Wasser¬ 
stoffsuperoxyd und 1% Thymol maoeriert. Nach polyohromer Methylenblau- 
Methode gefärbt. Leitz IV. Öl-Immersion 

a) Blau gefärbte Zelle, welche feines intracelluläres Netzwerk und keine 
Stacheln zeigt. 

b) Rötlich purpurn gefärbte Zelle, welche mit feinen purpurfarbenen Stachel¬ 
punkten auf der Oberfläche und mit purpurfarbenen, vom Äquator aus sich 
erstreckenden Stacheln bedeckt ist. 

c) Blau gefärbte Zellen, teilweise mit grober dunkler Körnung und mit feinen 
puipurfarbenen Stachelpunkten am entgegengesetzten Ende bedeckt. 

d) Blau gefärbte Zelle am unteren Ende mit rötlich purpurfarbenen Staohel¬ 
punkten und auf der Oberfläche mit feiner Körnung rings um die Stachel¬ 
punkte bedeckt. 

e) Ungefärbte Zelle, durch grobe purpurfarbene Körnung gekennzeichnet. 

f) Blau gefärbte Zelle mit grober purpurfarbener Körnung bedeokt. 

xxvra. 2 




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Fig. 4 . Hornzellen von der Planta pedis, 12 Stunden in Wasser¬ 
stoffsuperoxyd und 1°A> Thymol maceriert. Nach GaAMscher Methode gefärbt. 
Lextz IV. Öl-Immersion 

a) Violett gefärbte Hornzellen, deren Facetten durch dunkleres Violett kennt¬ 
lich sind, auf der Oberfläche mit violetten Stachelpunkten bedeckt. 

b) Zwei derartige, nicht durch Maceration getrennte Zellen zeigen die redu¬ 
zierten Stacheln zwischen sich. 

o) Geschrumpfte Stacheln rings um die Hornzelle. 

d) Zelle zeigt feine Stachelpunkte und gröbere Körnung. 

e) Zelle ohne sichtbare Staoheln auf der Oberfläche, aber mit feinem inter- 
cellulärem Netzwerk. 

Fig. 5. Hornzellen von der Planta pedis, drei Tage in Wasserstoff¬ 
superoxyd ohne Thymol maceriert. Nach der polychromen Methylenblau- 
Methode ohne Filtrierung der Blutlaugensalzlösung gefärbt. Lutz IV. Öl-Immersion ^ s . 

a) Rötlich purpurn gefärbte Horazelle mit purpurfarbenen Stachelpunkten * 
bedeckt. 

b) Ungefärbte Zelle mit rötlich purpurnen Stachelpunkten bedeckt. 

o) Glatte blaue Zelle. 

d) Grober Niederschlag, welcher Aber das ganze Präparat unregelmäfsig aus¬ 
gebreitet und sowohl zwischen den Zellen, als über ihnen sichtbar ist. 

e) Mikroorganismen an der Aufsenseite der Zellen. 

Fig. 6. Querschnitt der Planta pedis, 12 Stunden in Pepsinlösung 
der Verdauung ausgesetzt. Nach der polychromen Methylenblau-Methode ge¬ 
färbt. Lbitz IV. Öl-Immersion 

a) „Honigscheibe“ aus den äufseren Teilen der Zellen und den Stacheln be¬ 
stehend. 

b) Ungefärbte Zelle, teilweise mit Stachelpunkten bedeokt. 

c) Ungefärbte Zelle, welche mit grober Körnung bedeckt ist, aber nahe dem 
Äquator feine Stacheln trägt. 

d) Purpura gefärbte Zelle, deren Oberfläche mit Stacheln bedeckt ist. 

e) Zellen mit Stacheln an der Oberfläche am einen Ende und mit blau ge¬ 
färbtem Protoplasma am andern Ende. 

NB. Die obigen Präparate stammten meist von der Planta pedis eines Er¬ 
wachsenen. 


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Ein Beitrag nr Kenntnis des Pemphigus neonatorum acutus. 

Von 

Dr. BERNSTEIN-Cassel. 

Im folgenden will ich eine seltene Reihe von Fällen veröffentlichen, 
die ioh bereits vor einem Jahre beobachtet habe. Die Hoffnung, eine 
ähnliche Beobachtung innerhalb Jahresfrist zu machen, hatte mich bisher 
von der Veröffentlichung zurückgehalten Meine Hoffnung hat sich indes 
nicht bestätigt. 

Fall 1. Am 26. Juli 1897 wurde mir ein drei Wochen altes Kind in die 
Sprechstunde gebracht, das bereits seit 14 Tagen mit Blasen anf der Haut be¬ 
haftet war. 

Status praesens: Es war ein gut genährter männlicher Säugling mit einem dem 
Alter entsprechenden Panniculns adiposus. Die ganze Körperoberfläche war von roter 
Färbe. Auf dem geröteten, aber nicht infiltrierten Grunde fanden sich vereinzelte, 
über den ganzen Körper zerstreute, kreisrunde, linsen- bis markstückgrofse, prall ge¬ 
lullte Blasen. Neben dieser verhältnismäfsig kleinen Zahl von Blasen sah man sehr 
sahireiche, dicht beieinander sitzende kreisrunde, pfennig- bis markstückgrofse, bräun¬ 
lich aussehende, mit dünnen, von der Unterlage abgehobenen, zum teil geplatzten 
Epidermishäutchen bedeckte Stellen, die offenbar eingetrocknete Blasen darstellten. 
Rachhand und Fufssohle waren frei. Fieber nicht vorhanden. Appetit und Allgemein¬ 
befinden nicht gestört. 

Bis zum 4. August war unter indifferenter Therapie (Kleienbäder und Einpudern) 
der Ausschlag abgeheilt und die Haut wieder abgebla&t. 

Bei ihrem ersten Erscheinen am 26. Juli hatte mir die Mutter erklärt, sie habe 
dem Ausschlage bisher keine Bedeutung beigelegt. Nach 14 tägigem Bestehen sei sie 
aber ängstlich geworden, weil ihr dreijähriger Junge und seit vorgestern auch ihr 
7 Jahre altes Töchterchen „etwas an sich bekommen habe“. Daraufhin nahm ich 
die ganze Familie unter Beobachtung und sah noch ein 4 Jahre altes Mädchen und 
die Mutter selbst erkranken. Die Art dieser Erkrankungen sollen die folgenden 
Krankengeschichten demonstrieren. 

Fall II. Der dre^ährige Junge Anton St. zeigt am 1. August 20—30 kreisrunde, 
pfennig- bis zweimarkstückgrofse, mit bräunlich schwarzen Krusten belegte, über den 
ganzen Körper verstreute Stellen. Bläsohen oder Blasen sind nicht sichtbar. 

Am 8. August habe ioh von solchen Krusten auf Brust und Bauch 16, auf 
Rücken und Nacken 20, auf dem Gesäfs 8 gefunden. Die Krusten waren meist von 
einem schmalen roten Hof umgeben. Zwischen den auf Bücken und Nacken ver¬ 
teilten Krusten waren diesmal, wenn auch in geringer Anzahl, kleine mit gelblioher 
Flüssigkeit angefüllte, auf nioht infiltrierter und nicht geröteter Grundlage aufsitzende 
Blasen sichtbar. Eine bezüglich der Gröfse, Halbkugelform und Prallheit besonders 
•ehön ausgebildete Blase fand sich unterhalb der rechten Patella, mit ihren Konturen 
unmittelbar ins Gesunde übergehend. Eine allgemeine Körperröte bestand nicht. 

2 * 


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20 


Fall Ul. Das 7 Jahre alte Mädchen Gertrad St. zeigt am 27. Juli eine einzige, 
an der radialen Seite des linken Vorderarmes sitzende, zweimarkstückgrofse, kreis¬ 
runde, mit rotem Hof umgebene, schwarzbräunliche Kruste. 

Am 4. August besteht dieselbe noch. Es sind aber weitere gleichgeartete Krusten 
und zwar am linken Ellenbogen 2, auf dem Bücken, in der rechten Achselhöhle und 
am linken Mundwinkel je eine sichtbar. Auf den Bauchdecken und am linken Unter¬ 
schenkel sind aufserdem stecknadelkopf-, zum teil auch linsen- bis pfenniggrofse, 
wasserhelle, runde, ins Gesunde direkt übergehende Blasen, im ganzen etwa 8 vor¬ 
handen. 

Fall IV. Die 4 Jahre alte Martha St. zeigte am 12. August je eine Kruste 
unter dem Knie und am Mons veneris, zwei grofse unter dem Gesäfs. Die Krusten 
waren nach Form, Gröfse und Umgebung den bisher geschilderten analog. 

Fall V. Die Mutter Louise St. zeigt am 12. August je eine Kruste am linken 
Mundwinkel und am vierten Finger der linken Hand. Letztere ist in ihrem Entstehen 
als Blase von der Trägerin genau beobachtet worden. Mehr Efflorescenzen traten 
bei ihr weiterhin nicht auf. 

Die Therapie bei Fall II, III und IV bestand in Kalium permanganicum-Bädern. 
Die vollkommene Abheilung zog sich bei ihnen mehrere Monate hin. 

Im Anschluß an diese Beobachtungen habe ich von dem Inhalt der 
bei Fall Q unterhalb der Patella bestehenden Blase am 12. August auf 
der Beugeseite meines rechten Unterarmes an zwei Stellen abgeimpft. Das 
Resultat der Impfung war vollkommen negativ. 

Gehen wir nunmehr zur Besprechung der Diagnose der beschriebenen 
Hautaffektionen über. Der Säugling mit seiner allgemeinen Hautröte, 
mit den auf nicht infiltrierter Basis aufsitzenden, prall gefüllten, halb¬ 
kugeligen bis zweimarkstückgrofsen, ohne erkennbare Prädilektion der Ört¬ 
lichkeit auftretenden Blasen bietet das Bild des Pemphigus acutus neona¬ 
torum. Das Freibleiben von Fußsohle und Flachhand, das Abheilen 
unter indifferenter Therapie, das Fehlen sonstiger Zeichen hereditärer 
Syphilis schließt die syphilitische Natur des Ausschlages aus. In Betracht 
käme noch: Impetigo contagiosa, Urticaria bullosa und Varicellen. Bei allen 
drei Affektionen stehen die Blasen auf infiltriertem Grund, sind nicht so prall 
gefüllt und erreichen nicht die Größe der in unseren Fällen beschriebenen 
Blasen. Wir haben nicht einmal die den Varicellen eigentümliche 
Primärefflorescenz der linsengroßen Papel mit stecknadelkopfgroßen Bläs¬ 
chen in der Mitte, nicht einmal eine bloße Quaddel wie bei Urticaria 
bullosa und nie die der Impetigo eigentümliche Lokalisation angetroffen. 

Womit haben wir es bei den Blaseneruptionen der übrigen Patienten 
zu thun? 

Impetigo contagiosa, Varicellen und Urticaria bullosa müssen aus den¬ 
selben Gründen zurückgewiesen werden wie bei Fall I. Dagegen haben 
wir überall, wo wir frische Efflorescenzen zu beobachten Gelegenheit hatten 
— und sie war zum Glück reichlich vorhanden —, alle Eigenschaften der 
Pemphigusblase vorgefunden. Und es bleibt uns bei der gleichzeitigen 


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21 


Erkrankung des Säuglings und der Erwachsenen nichts anderes übrig, als 
auch für die letzteren Fälle von Pemphigus das Contagium des Säuglings- 
Pemphigus in ätiologischer Beziehung verantwortlich zu machen. Die 
vorliegenden Fälle müssen als ein nicht häufig yorkommendes Beispiel 
von Übertragung des Säuglingspemphigus auf Erwachsene betrachtet 
werden, wenn sich auch das Krankheitsbild der letzteren nicht vollständig 
mit dem des Pemphigus acutus neonatorum deckt. Die Verschiedenheiten 
bestehen erstens in dem Mangel der allgemeinen Körperröte, in der ge¬ 
ringeren Anzahl der Efflorescenzen, in der dickeren Krustenbildung und 
schliefslich noch in der längeren Ablaufsdauer der ganzen Affektion. 

Die Schilderung der Krankengeschichten und die Erörterung der 
Diagnose ist deswegen so weitläufig geworden, weil damit die Einwände 
deijenigen, die die in obigen Fällen liegende Beweiskraft für die Kon- 
tagiosität des Pemphigus acutus neonatorum und die Übertragungs¬ 
möglichkeit auf Erwachsene durch Anfechtung der Diagnose leugnen, 
abgethan werden sollen. Der negative Erfolg der stattgehabten Impfung 
spricht nicht gegen die Kontagiosität des Blaseninhaltes, sondern beweist 
nur, dafs uns die Bedingungen für die Haftung des Contagiums noch 
nicht genügend bekannt sind. 


Ans Der P rar iß. 

Sapo cutifricius. 

Von 

P. G. Unna. 

Die Einführung der Schleifmittel in der Dermatologie ist stufen¬ 
weise durch die Bemühungen verschiedener Ärzte erfolgt. Volkmann 
erfand den scharfen Löffel zunächst nur für die Enukleation der Lupus¬ 
herde, eine wahre „Excoriation“. Auspitz empfahl sodann dieses bewährte 
Instrument zur Abschabung von Horaschichtprodukten und zu dicker 
Hornschicht, insbesondere auch bei Akne. Ellingbr entwand dann diese 
neue Methode der mechanischen „Exfoliation“ der Hand des Arztes, indem 
er als Schleifmittel einen feinen, scharfeckigen Gebirgssand empfahl, der 
schon in manchen Gegenden Deutschlands vom Volke benutzt wurde und 
vom Patienten selbst angewandt werden konnte. Dies hatte den Vorteil, 
den die häufige Anwendung eines milden Mittels so oft vor der seltenen 
eines scharfen voraus hat. Ich machte aus dem Volksmittel wieder ein 


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feiner regulierbares und dosierbares Arzneimittel für den Arzt und Apo¬ 
theker durch Einführung des ersten „Pulvis cutifricius“. 1 Derselbe bestand 
aus feingestolsenem Marmor, der in zwei Sorten von verschiedenem Korn 
vorrätig gehalten wurde und in Seifenschaum suspendiert zur An¬ 
wendung kam. 

Eine Verbesserung dieser bei Akne und Narben sehr wirksamen 
Methode von anderer Seite ist mir in den verflossenen 17 Jahren nicht 
bekannt geworden. Es lohnt sich daher wohl, die Modifikationen und 
Erfahrungen kurz zusammenzufassen, die ich seither selbst zu machen 
Gelegenheit hatte. 

Die Seife als Hülfsmittel habe ich stets beibehalten. Sie wirkt bei 
Anwendung des Schleifpulvers in derselben Weise Druck und Kraft aus¬ 
gleichend, verteilend und daher mildernd wie das Öl beim Schleifstein 
und der Seifenschaum beim Rasiermesser. Aber in der Form nahm ich 
mannigfache Veränderungen vor. Nach meiner ursprünglichen Vorschrift 
wurde ein feiner Schwamm mit Seife eingeschäumt, in das Schleifpulver 
getaucht und auf der nassen Haut verrieben. Es lag nahe, das Pulver 
mit der Seife zu einem fertigen Medikament zu vereinigen und so brauohte 
ich längere Zeit hindurch ein Schleifpulver, welches aus gleichen Teilen 
Marmor- oder Bimsteinstaub und pulverisierter Natronseife zusammengesetzt 
war. Aber diese Form erwies sich als nicht sehr praktisch, da die Ent¬ 
wickelung des Seifenschaumes keine genügend starke war. Ich ging dann 
zur sogenannten Rasierseife über, worunter man technisch ziemlioh stark 
schäumende Seifen versteht, deren Schaum besonders lange Zeit sich als 
solcher erhält. Diese Seifen werden mit einer aus Kali (20%) und 
Natron (80%) gemischten Lauge und gewöhnlich au9 einer Fettmasse 
hergestellt, die aus 90% Talg und 10% Kokosöl besteht; die Zusätze 
von Kali und Kokosöl bewirken das raschere Schäumen und die längere 
Persistenz des Schaumes. Während ich für die eigentlichen medizinischen 
Seifen das Kokosöl durchaus vermeide, da es die Haut reizt und empfind¬ 
lich macht, erschien es mir als Zusatz zu einem Schleifmittel zulässig. 
Weitere Versuche in der Richtung, den Schaum solcher Seifen noch halt¬ 
barer zu machen, die sich besonders auf Zucker, Gelatine- und Gummi¬ 
arten bezogen, zeigten, dafs bereits ein Zusatz von 10% Mucilago Gummi 
arabici zur Persistenz des Schaumes erheblich beizutragen vermag, dafs 
aber ein ebenso starker Zusatz von Gelanth allen anderen schaum¬ 
erhaltenden Beigaben überlegen ist. 

In solcher Weise hergestellte und mit 40—50% Schleifpulver ver¬ 
sehene Seifen entsprachen in der Praxis allen Anforderungen, nur hielten 


1 Unna, Über Behandlung von Narben. Müt. d. Vereins sMeswig-holst. Ärete. 

1881. 


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eie sich nicht gut, indem sie vermöge des großen pulverigen Zusatzes 
allzurasoh eintrockneten und sich dann auf der Haut nicht mehr mit der 
erforderlichen Leichtigkeit verteilen ließen. 

Ich ging nach diesen Erfahrungen schließlich zu den reinen Kali¬ 
seifen über, welche wenigstens diesen letzteren Nachteil nicht zeigen und 
selbst bis zu gleichen Teilen mit dem Schleifpulver vermischt weich 
bleiben. Den allzustarken Einfluß dieser Schmierseifen auf die Oberhaut 
kann man, wie ich schon vor langer Zeit gezeigt habe, durch einen Zusatz 
von unverseiftem Fett mildem und die geringe dadurch erzeugte Herab¬ 
setzung des Schaumvermögens läßt sich durch einen Zusatz von Gelanth 
wieder aufheben. 

Unter den in dieser Richtung versuchten überfetteten Kaliseifen erwies 
sieh nun schließlich die 1886 von mir* unter dem Namen Sapo kalinus 
unguinosus oder kurz Sapo unguinosus eingeführte überfettete 
Kali-Schmalz-Seife als die beste und so bin ich denn schließlich bei 
der sehr einfachen Formel: 


9 Sapon. unguinost 

40 

Cremorte gelanthi 

10 

Pulverte pumicte 

50 

Mf. Sapo cutifricius 



stehen geblieben. Man verordnet dieselbe zweckmäßig in Tuben und 
etwas parfümiert (mit Ol. resedae, Ol. verben.). Sie bleibt weich, läßt 
sich leicht auf der Haut verteilen und giebt einen dichten, lange stehenden 
Schaum. 

Natürlich stellt die überfettete Kaliseife mit 10% Gelanth für sich 
eine vorzügliche kokosölfreie Rasierseife dar. 

Schließlich noch ein Wort über den Namen: Schleifmittel. In 
der angeführten kleinen Arbeit aus dem Jahre 1881 schlug ich für diese 
Mittel den Ausdruck: Poliermittel vor, der sich auch lange Zeit hindurch 
in meiner Praxis für dieselben eingebürgert hatte. Später erst habe ich 
eingesehen, daß diese Bezeichnung nicht ganz richtig war. Wir „schleifen“ 
Gegenstände, z. B. Messer, um ihnen eine gleichmäßige, geometrisch ein¬ 
fachere Form zu geben; dabei werden die vorhandenen Unebenheiten 
durch Reiben mit einem härteren Körper beseitigt. Auch das Polieren 
geschieht, um den Gegenständen Glätte und sodann Glanz zu verleihen, 
und auch dabei müssen vorhandene Unebenheiten beseitigt werden. Aber 
ein jeder weiß, daß hierzu nicht ein härterer Schleifkörper, sondern ein 
weicher Lappen und eine Harzlösung nötig ist. Daher kann der Prozeß 
in beiden Fällen auch nicht derselbe sein und demgemäß hat die neuere 
Forschung denn auch herausgebracht, daß beim Polieren kein Fortreißen 

1 Uxxa, Monatsh. f. prakt . Derm. 1886. Bd. V, No. 8. 


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der Unebenheiten stattfindet, sondern eine Niederlegung derselben, indem 
die ganze Oberfläche des Gegenstandes durch eine Art von Schweißung 
in eine härtere und homogene Binde verwandelt wird. In größtem Mals¬ 
stabe findet dieser Prozeis bei vielgebrauchten Eisenbahnschienen statt, 
wo nur der Druck und die Geschwindigkeit des darüber hingleitenden 
Zuges zur Wirkung gelangt und von einem „Schleifen 1 * ja nur während 
des Bremsaktes die Bede sein könnte. 

Wir sehen hieraus, daß ein „Polieren** der Oberhaut streng genommen 
nur ungemein selten Vorkommen kann und bei der Akne und Narben das 
erwünschte. Ziel überhaupt nicht herbeiführen könnte. Ein Polieren im 
eigentlichen Wortsinn existiert bei der Haut wohl nur an Stelle der gut¬ 
artigen Schwielen, die bei Abhärtung der Fußsohlen und Handflächen 
bei Fußgängern und gewissen Handarbeitern entstehen und ebenfalls mit 
Bildung einer geschweißten, härteren, oberflächlichen Binde einhergehen. 
Für unsere oben betrachteten Mittel aber müssen wir das gute, deutsche 
Wort: Schleifmittel an wenden, wenn es auch bisher nicht viel in Gebrauch 
war und daher zunächst etwas fremdartig klingt. 


JtuUltiou. 

Historische Streifzüge. 

(Fortsetzung.) 

Quintus Serenus Samonicus. 

Von 

Dr. Moritz Cohn. 

Bei der Durchforschung des Hippokrates und Celsus hatte ich 
mehrfach Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß das Naturheilverfahren 
und andere schöne Dinge der modernen Medizin bereits im Altertum an 
der Tagesordnung waren. Ferner hielt es Hippokrates oft genug für 
nötig, auf das Verhalten der Ärzte zu einander hinzuweisen; doch scheint 
es zu seiner Zeit noch keine Kurpfuscher gegeben zu haben. Daß diese 
Mißgeburt unserer Disziplin jedoch keine Tochter der modernen Medizin 
allein ist, zeigt uns der nunmehr zu besprechende und in früheren Jahr¬ 
hunderten leider viel zu sehr gewürdigte Quintus Serenus Samonicus. 
Er ist der richtige kurpfuschende Laie, dem es nur auf den Namen der 
Medikamente ankommt, damit er sie einnehmen oder auf irgend eine 


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kranke Stelle als Salbe auflegen kann. Wie man die Krankheit erkennt, 
welche Prognose sie giebt, was möglichenfalls aufser „Apotheke“ noch in 
Frage kommt, das kümmert ihn nicht. 

Wenn wir wissen wollen, wann er gelebt hat, sind wir auf einige 
Angaben, die sich hier und da zerstreut in der Geschichtslitteratur des 
Altertums finden, angewiesen. Zunächst mag hier kurz nachgeholt werden, 
was ich wohl als bekannt voraussetzen durfte, dais Hippokrates wahr¬ 
scheinlich 460 geboren und (377 vor Christus gestorben ist, während 
Celsus sein Werk ln der Ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach 
gewöhnlicher Zeitrechnung schrieb. Während Serenus die Werke dieser 
Männer vielleicht gar nicht gekannt hat, finden sich bei ihm fast nur 
Anklänge und Auszüge aus Dioskurides, Plinius und Galenus. 
Dioskurides ist ein Zeitgenosse des Celsus, doch scheint zwischen 
beiden keine weitere Berührung stattgefunden zu haben, als dais sie die 
älteren griechischen Schriften benutzten. Nach der Ansicht von Acker¬ 
mann entlehnte Serenus seine Medizin aus dem jüngeren Plinius, 
wogegen sich allerdings ein wenden liels, dafs der ältere Plinius, ein 
Oheim des eben Genannten, der geistig und naturwissenschaftlich be¬ 
deutendere war. Dieser lebte von 23 bis 79, in welchem Jahre er beim 
Ausbruch des Vesuvs ums Leben kam, während sein damals 18 jähriger 
Neffe etwa 114 starb. Am meisten schöpfte Serenus wohl aus dem 
durch die ungeheure Masse der von ihm verfafsten Werke bekannten 
Galenus, welcher von 131 bis 200 lebte. Dazu kam, dais er ein 
Zeitgenosse des letzteren war. Wahrscheinlich stand er beim Tode des 
Galenus in der Blüte seines Lebens. Immerhin ist dieses nicht sicher, 
da von den Zeitgenossen zwei „Serenus“, Vater und Sohn, erwähnt werden. 
Einer von ihnen wurde auf Befehl des Kaisers Caracalla ermordet, weil 
er zu der Partei des Geta hielt. Der letztere, ein leiblicher Bruder des 
Monarchen, wurde von diesem in den Armen der Mutter ermordet. Jeden¬ 
falls kommen wir der Wirklichkeit am nächsten, wenn wir das Entstehen 
des Serenusscheu Gedichtes in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts 
nach Christus annehmen, da die Ermordung des Geta in das Jahr 212 
fallt, einerlei ob dasselbe vom Vater oder Sohn herrührt. 

Sehen wir uns nun die Bezeptsammlung des Serenus etwas genauer 
an, so fällt uns besonders auf, dafs er nur möglichst einfache Mittel an- 
giebt, wobei jede chirurgische Behandlung, überhaupt jede Verordnung, 
welche nicht aus der Apotheke geholt werden kann, vermieden wird. 
Während Hippokrates und Celsus ziemlich weit in der Operations¬ 
lehre vorgeschritten sind, müüste man, wenn man das zweite und dritte 
Jahrhundert nur nach den Leistungen eines Serenus beurteilen wollte, 
einen starken Bückschritt annehmen. Glücklicherweise liegt die Sache 
nicht so und zeigt uns das Studium des Galen, dafs auch die Börner 


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Chirurgie getrieben haben. Ferner suohte unser Autor seine Klientel 
einzig und allein unter der ärmeren Bevölkerung, wofür als Beweis 
folgende Stellen angeführt werden mögen: Nachdem er zur Behandlung 
der Obstipation das Kraut des Merkurs (Rhabarber?) mit Honig und 
Pflaumen empfohlen, fährt er Vers 523—525 fort: 

„Multos praeterea medici oomponere suoos 
Adsuerunt: pretiosa tarnen cum veneris emtum, 

Fallern, frustraque immensa nomismata fundes.“ 

Ferner sagt er in dem 22. Kapitel über Leberkrankheitenmittel 
Vers 396—398: 

„Wozu soll ich reden über die Kompositionen eines Philo? 

Wozu soll ich sprechen über die Gegenmittel, welche aus verschiedenen 
Medikamenten zusammengebraut werden. Der Reiche mag sie kaufen, 
Wir aber wollen lieber Vorschriften bringen, nützlich für arme Leute.“ 
(Quid referam multis composta Philonia rebus? 

Quid loquar antidotum variis? dis ista requirat, 

At nos pauperibus praecepta feramus amica.) 

Dafs aus einem solchen Schriftsteller nicht allzu viel Weisheit fftr 
unsere Dermatologie zu schöpfen ist, ergiebt sich nun wohl ganz von 
selbst, besonders wenn man sich daran erinnert, dafs er seine Mittel nur 
aus Dioskurides, Plinius und Galen entlehnt hat. Damit der Leser 
sich von der Art und Weise, wie die Vorschriften entlehnt sind und 
wie das ganze Gedicht geschrieben ist, eine Vorstellung machen kann, 
lasse ich zwei aufeinander folgende Kapitel in der Übersetzung folgen: 
Kapitel X (Heilung der Elephantiasis), Vers 133—146: 

Die Elephantiasis ist eine Krankheit, schrecklich wie ihr Name, 

Sie entstellt nicht nur das Gesicht durch hälsliche Papeln, 

Sondern führt auch durch ihr tödliches Gift frühzeitig zum Ende. 
Hiergegen hilft der Saft aus der Rinde der Cedern, 

Und die Asche des Wiesels, gemischt mit seinem Blut. 

Einige behaupten, Molkentrinken nütze. 

Es hilft auch das Trinken und Auflegen von Pfefferminze. 

Nicht vergeblich mischt man Zwiebel, Schwefel und Essig, 

Wenn man das schauderhafte Gesicht wiederherstellen will. 

Aufserdem mufs man an Honig gebundene Soda mit 
Kuhmilch mischen als Einreibung für die mit Tumoren bedeckte Stirn. 
Bleiweiis und Papyrusstaude aus Ägypten 
Stoüse zusammen und mische sie mit Rosenöl: 

Damit bestreiche das Gesicht. So wirst Du Heilung erzielen. 

Dann fährt er im nächsten Kapitel fort über die Beseitigung der 
Schönheitsfehler der Haut und des Gesichts zu sprechen, Vers 147—165: 
Wenn hälsliche Linsenflecke das schöne Gesicht entstellen, 




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(Und die natürliche Heilkraft zur Beseitigung nicht ausreioht) 1 
So streiche Kohl und Essig zugleich auf das Übel. 

Es nützt auch die Zwiebel in Honig verrührt, 

Oder unreife Rüben mit Honig und Essig gemischt. 

Sie werden auch vertilgt durch das Blut vom Maule des Hasen. 

Es heilt Weidenlaub verrieben mit ihrer Blüte die Krankheit. 

Die Asche der Schale des Tintenfisches hilft gegen alles. 

Mischst Du erst Schwanenfett mit gutem Wein, 

So wirst Du schnell das Übel ganz aus dem fleckigen Gesicht vertreiben. 
Wenn ein bläulicher Naevus oder eine dunkle Narbe dasselbe verunziert, 
So reinige die Wangen mit flüssiger Seife und 
Glätte die Furchen und Runzeln mit der Frucht des Mastixbaums. 
Wenn es sich dagegen um Impetigo handelt, 

Kannst Du es heilen mit dem morgendlichen Speichel, 

Oder wenn Du morgens Platanenblätter kaust und verschluckst. 

Aber auch der flüssige Kot der Kamele kann zur Asche 
Verbrannt werden, mit Essig und kräftigem Weihrauch 
Gemischt, wird er eine göttliche Wirkung entfalten. 

Ich glaube, dafs diese Proben aus dem Serenusschen Gedichte ge¬ 
nügen werden, um eine Vorstellung von dem Ganzen zu geben. Es ist 
wohl kaum zu erwarten, dais hiernach noch jemand das Bedürfnis em¬ 
pfinden wird, die gesamten 1115 Verse durchzulesen, jedenfalls wird er 
dasselbe besser und mit mehr Verständnis für die Heilkunde bei anderen 
medizinischen Schriftstellern des Altertums finden. Höchstens hätte der¬ 
selbe ein weitergehendes Interesse für denjenigen, welcher sich rasch über 
recht viele Stoffe unterrichten will, die in den ersten Jahrhunderten nach 
Christus als Heilmittel Verwendung fanden. Wenn ich trotzdem den 
Serenus nicht ganz ohne Befriedigung durchgelesen habe, so besteht 
dieselbe darin, dafs ich dabei gesehen habe, wie viel weiter der um über 
600 Jahre ältere Hippokrates im Erkennen der Krankheiten, ihrer 
Ursachen und der Wirkung der Arzneien und der diesen gleichgestellten 
Faktoren vorgeschritten war. Mag dieses der Neuzeit eine Warnung sein, 
in dem Hasten und Suchen nach Arzneistoffen und spezifischem Serum 
das eigentliche Wesen der Krankheiten nicht zu vergessen, auf dafs nicht 
die Krankheit über den Kranken gestellt werde. 

(Fortsetzung folgt.) 

1 Dieser Vers fehlt in einigen Handschriften. Er bleibt für den Sinn besser fort. 


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i)er faramlnugen. 

Berliner medizinische Gesellschaft. 

Sitzung vom 9. November 1898. 

Original-Bericht von Dr. John HiRSCH-Berlin. 

Vor de Tagesordnung liefert Kutner einen Beitrag zur Frage der Kur¬ 
pfuscherei. Er stellt einen an frischer Syphilis erkrankten Mann vor. Das Ulcus 
durum liefs derselbe von einem hiesigen Kurpfuscher behandeln. Er ätzte den Primär¬ 
affekt mit koncentrierter Karbolsäurelösung, welche er auch zu häuslichem Gebrauch 
dem Patienten übergab. 

Casprr sprach über therapeutische Erfahrungen ttber den Ureterenkathe- 
terismus. Nach mannigfachen Anfechtungen hat sich der Ureterenkatheterismus zu 
einem Verfahren durchgerungen, dessen diagnostischer Wert nicht geleugnet wird. 
C. führt heute drei Fälle vor, in welchen der Harnleiterkatheterismus erfolgreiche 
therapeutische Verwendung gefunden hat 

Fall I. Im März d. J. wurde G. zu einem 88jährigen Herrn gerufen, der seit 
30 Stunden keinen Harn mehr gelassen hatte. Der Patient hatte weder Tripper noch 
Schanker gehabt und stammt aus gesunder Familie. Sein Vater hat an Blasensteinen 
gelitten und ist mehrmals wegen solcher operiert worden. Der Patient hatte niemals 
etwas von Steinen wahrgenommen, nur setzte sein Harn oft Gries ab. Von dem 
Momente ab, wo er plötzlich einen heftigen Schmerz, der vom Bücken rechts ausging 
und in die rechte Weiche zog, spürte, konnte er keinen Ham mehr lassen, obwohl 
hin und wieder etwas Drang dazu aufbrat. Der Katheter entleerte keinen Ham; die 
Blase war leer. Nur hin und wieder machte sich ein leichtes Stechen in der Glans 
penis bemerkbar. Kein Erbrechen, dagegen leichte Übelkeit und völlige Appetitlosig¬ 
keit. Die Niere war wegen des starken Fettpolsters nicht palpabel, die Nierengegend 
auf Druck nicht empfindlich. Auch im Verlauf des Ureters liefe sich eine besonders 
druckempfindliche Stelle nicht nachweisen. Bei dem verhältnismäfsig guten Befinden 
wartete C. noch 4 Stunden ab, während welcher Zeit sehr heiÜse Bäder gemacht und 
treibende Getränke reichlich verabreicht wurden. Da aber nach Ablauf dieser Zeit 
noch immer keine Harnentleerung eingetreten war und die Blase des Kranken noch 
immer leer gefunden wurde, nahm C. den Katheterismus des r. Ureters als den der 
verdächtigen Seite vor. Derselbe gelang. In einer Entfernung von 5 cm vom Orificium 
uretericum an gerechnet stiefs der Katheter, aus welchem sich kein Ham entleerte, 
auf ein festes, unüberwindbares Hindernis. Man konnte deutlich erkennen, dafs der 
Ureter an dieser Stelle eine Vorbuchtung in die Blase machte, gleichsam als ob er 
von einem Körper ausgefüllt war. Der Widerstand, der sich dem Katheter darbot, 
war nicht der gleiche, wie man ihn bei Strikturen oder Verengerungen und Ab¬ 
knickungen des Ureters wahmimmt In diesen Fällen weicht die Blasenwand aus und 
buchtet sich beim Versuch, den Katheter gegen das Hindernis anzudrücken, in Gestalt 
des dieselbe durchsetzenden Ureters in das BlaBencavum vor. Hier aber fühlte man 
beim Anpressen des Katheters einen festen Körper als Widerstand. Es durfte nun¬ 
mehr als sicher angesehen werden, dafs die Anurie durch die Einklemmung eines 
Steines im rechten Ureter nahe der Blaseneinmündung veranlafst war. Die Versuche, 
den Stein durch den Katheter zu lockern, führten zu keinem Erfolg. C. spritzte des¬ 
halb nach dem Vorgang von Kolischer 50 g heifses, abgekochtes öl unter Leitung 
des Auges mit Anwendung von starkem Druck in den Ureter. C. hatte beim Durch- 


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29 


sehen durch das Cystoskop den Eindruck, als ob weniger Öl aus dem Ureter zurück- 
flofs, als er einspritzte. Eine halbe Stunde darauf entleerte der Kranke 200 g Flüssig¬ 
keit, welches die hehufs Ausführung der Cystoskopie eingeführte Borsäurelösung war. 
Eine Viertelstunde darauf entleerte der Patient 200 g Harn und von da an kam die 
Harnentleerung tüchtig in Gang. Der Abgang eines Steines war nicht beobachtet 
worden, obwohl die Aufmerksamkeit des Patienten darauf gerichtet war. Acht Tage 
darauf teilte derselbe mit, dafs er das Gefühl habe, als ob sich beim Harnen in der 
Blase zuweilen etwas vorlege; er fühle ein Prickeln in der Spitze des Gliedes. C. 
vermochte aber weder mit der Steinsonde einen Stein zu fühlen, noch mit dem 
Lithotriptor einen solchen zu fassen. Nachdem sich der Kranke erholt hatte, kon¬ 
statierte C. einige Tage später durch das Cystoskop einen kleinen höckrigen, etwa 
bohnengrofsen Stein; es gelang leicht, denselben, obwohl er recht hart war, mit dem 
Lithotriptor zu zerquetschen und die Trümmer auszupumpen. Der Stein ist ein 
Gemisch aus Oxalaten und Uräten. Seit jener Zeit ist der Kranke wohl, hat über 
keine Zufälle mehr zu klagen gehabt und geht seinem Berufe nach. Der Harn ist frei 
von Albumen und auch sonst normal. 

Fall II. Im Anfang dieses Jahres behandelte C. eine Dame von 28 J., die seit 
4 Jahren verheiratet ist und ein gesundes Kind hat. Nach der Entbindung habe sie 
an einer Blasenkrankheit, angeblich einem Blasenkatarrh, gelitten. Es seien mehrere 
Steine mit dem Harn abgegangen, und sie habe in der r. Nierengegend Schmerzen, 
die sie als kolikartig beschreibt, gehabt. Sie habe bemerkt, dafs der Harn unrein 
•ei, einen Bodensatz ohne Blutbeimengung habe. Wegen Schmerzen in der r. Seite 
könne eie nicht auf dieser liegen. Sie will auch beobachtet haben, dafs diese Seite 
zeitweise stärker wurde, so dafs die Kleider nicht mehr pafsten. Besonders nach Be¬ 
wegung oder körperlichen Anstrengungen steigern sich die Schmerzen in der rechten 
Flanke; immer bleibt ein Gefühl der Schwere in dieser Gegend bestehen. Der mit 
dem Katheter entleerte Harn ergiebt sehr trüben sauren. Harn von normalem spe¬ 
zifischen Gewicht. Die Trübung ist durch die beträchtliche Menge von Pus bedingt, 
Tuberkelbacillen und rote Blutzellen werden nicht gefunden. Die Albumenmenge 
entspricht ungefähr dem Eitergehalt. Die Inspektion läfst auf den ersten Blick eine 
beträchtliche Hervorwölbung der rechten Seite erkennen. Die Palpation ergiebt mit 
aller Deutlichkeit einen glatten kindskopfgrofsen Tumor, der bei tiefer Inspiration 
herabsteigt, etwa vier Finger breit unter dem Rippenbogen und nach links zu von 
der Medianlinie begrenzt ist. Der Tumor ballotiert deutlich zwischen den beiden 
Händen des Untersuchers. Die Cystoskopie zeigt eine fast völlig gesunde Blase, man 
kann aber nicht mit Sicherheit erkennen, ob der aus den Ureteren ausspritzende Harn 
klar oder trübe ist. Der Katheterismus des r. Ureters fördert trüben sauren Harn zu 
Tage; derselbe enthält Pus, relativ gröfsere Mengen Albumen als der Blasenharn, 
keine roten Zellen, keine Tuberkelbacillen. Es entleeren sich sehr grofse Mengen 
Harns durch den Katheter, wie sie nur bei einem vorhandenen Sack in der 
Niere Vorkommen. Die Blase wird von der Injektionsflüssigkeit befreit und nun 
durch den in die Blase eingeführten Katheter der aus der linken Niere stammende 
Harn aufgefangen; derselbe ist ganz klar und nach dem Filtrieren albumenfrei, so 
dafs das 1. Nierenbecken als nicht affiziert angesehen werden darf. Nachdem bei 
wiederholten Untersuchungen rote Blutzellen im Harn nicht aufzufinden waren, nahm 
C. an, dafs diese beträchtliche Pyonephrose mit Calculose nicht kompliziert sei. Der 
Fall wurde mit Nierenbeckenausspülung durch den Ureterkatheter behandelt. Es 
wurden mehrere Male 150 g einer Arg. nitr.-Lösung von 1 :1000 in das Nierenbecken 
eingespritzt. Nach wenigen Wochen ist der Harn der Blase und der r. Niere völlig 
klar, eiter- und eiweilsfrei. Die Patientin ist frei von jeder Beschwerde. 


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Fall III. Patient, verheiratet, war niemals geschlechtskrank. Er beobachtete 
im Mai d. J., dafs seine r. Seite von Tag za Tag stärker wurde. Die Schmerzen sind 
zeitweise so heftig, dafs er auf dieser Seite nicht liegen konnte. Er hatte mehrfache 
Schüttelfröste, litt an Kopfschmerzen, kam sichtlich herunter. Der Tumor wuchs, 
war von Kürbisgröfse und überragte den Rippenbogen handbreit nach unten und die 
Medianlinie nach links hin. Ein innerer Kliniker hielt den Tumor für einen Leber¬ 
echinococcus und punktierte denselben, jedoch ohne Erfolg. Die Oberfläche des 
Tumors ist glatt und auf Druck mäfsig schmerzhaft. Der Harn des Kranken ist 
sauer, trübe, stark eitrig, enthält Albumen der Pusmenge entsprechend, leichter Harn¬ 
drang, aber keine Schmerzhaftigkeit beim Harnen. Die Cystoskopie läfst nicht mit 
Sicherheit entscheiden, ob die aus den Ureteren spritzende Flüssigkeit klar oder trüb 
ist. C. katheterisierte deshalb den rechten Ureter: es entleert sich saurer, trüber, 
eitriger Harn, dessen Eiter- und Eiweifsmengen gröfser sind als die des Blasenharnes. 
Bei Druck auf den Tumor entleert sich die Flüssigkeit aus dem Ureterkatheter in¬ 
tensiver. Dieses Phänomen bewies, dafs es sich um einen pyonephrotischen Sack 
handelte. Es wurde auch der linke Ureter katheterisiert und völlig normaler, klarer 
Ham gefunden. Bei den nachfolgenden Sitzungen wurde der Sack mit l%iger Arg. 
nitr.-LÖsung wieder gefüllt; er fafste 800 ccm; durch Massage wurde die Flüssigkeit 
wieder entleert. Da sich der Zustand nach den Nierenbeckenspülungen nicht wesent¬ 
lich besserte, so legte C. einen Verweilkatheter ins rechte Nierenbecken und liefs ihn 
daselbst 8 mal 24 Stunden, während welcher Zeit durch Massage die völlige Entleerung 
des Sackes befördert wurde. Wenige Tage darauf war der Blasenharn zwar noch 
stark eitrig, aber der Tumor war nicht mehr nachweisbar. Patient hatte Abend¬ 
temperaturen von 88 und 88,5°. Nach mehreren Nierenbeckenspülungen war der 
Blasenhara auffallend eitrig und schleimig, ja so eitrig wie nie zuvor. C. glaubte des¬ 
halb, es müfste sich demnach um Tuberkulose handeln, obwohl bei zahlreichen sorg¬ 
fältigen Untersuchungen keine Bacillen gefunden wurden; gleichwohl besserte sich 
nach 5 weiteren Nierenbeckenspülungen sowohl der Blasen- als der Nierenharn. Er 
war völlig klar und normal. Kein Albumen. Vereinzelte Leukocyten. Die Geschwulst 
ist nicht mehr nachweisbar. 

Casper fügt dann noch sehr interessante Bemerkungen hinzu. Was den ersten 
Fall, die Anuria calculosa betrifft, so liefert er leider keinen Beitrag dazu, ob die 
von Israel angenommene reflektorische Suppressio urinae der anderen Seite zu Recht 
besteht. Viele lassen sie nicht gelten und meinen, dafs nur eine Verlegung des 
Ureters auf beiden Seiten oder Verlegung des einen bei Fehlen oder Vernichtung der 
anderen Niere Anurie herbeiführen könne. Obwohl C. den linken Ureter nicht hat 
funktionieren sehen, ist es ihm doch wahrscheinlich, dafs eine zweite funktionierende 
Niere vorhanden ist und dafs sie während der Einklemmung auf der anderen Seite 
reflektorisch an der Seceraierung gehemmt war. In therapeutischer Hinsicht hat der 
Fall bewiesen, dafs es möglich ist, Steineinklemmung im Ureter durch das Verfahren 
der Öleinspritzung zu heben. Sitzt der Stein in dem Blasenanteil des Ureters, so kann 
man dem Stein durch die Sectio alta beikommen. Sitzt die Einklemmung nahe der 
Niere, so ist die Nephrotomie indiziert; sitzt sie in dem intermediären Teil, so dürfte 
die Ureterolithotomie die Methode der Zukunft sein, wobei man von dem vortreff¬ 
lichen IsRARLschen Schnitt Gebrauch macht, welcher den Ureter so schön frei legt 
— Der Versuch, die Einklemmung durch den Harnleiterkatheterismus zu heben, ist 
nach Ca8Pers Ansicht geboten; es handelt sich zunächst nicht darum, die Steinkrank¬ 
heit, sondern die Einklemmung zu beseitigen. Das ist die lebensrettende Operation 
und sich auf diese zu beschränken, ist um so mehr angezeigt, als man unter den 
denkbar ungünstigsten Umständen operiert. Die Kranken sind der Urämie oft nahe, 


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Kollaps und Shock treten nm so leichter ein, als die andere Niere auch Steine ent¬ 
hält oder gar ganz oder teilweise degeneriert ist. 

Was nun die beiden Fälle von Pyonephrose betrifft, so reihen sie sich den 
schon froher publizierten Fällen von Pyelitis an, die durch Nierenbeckenausspülungen 
geheilt wurden. Caspbr hält es für wahrscheinlich, dafs man nur denjenigen Fällen 
auf die geschilderte Art beikommen kann, in denen die Eiterhöhle oder die Höhlen 
frei mit dem Becken kommunizieren, so dafs die desinfizierende Argentum-Lösung 
auch in dieselben hineinkommt. — Der zweite Fall von Pyonephrose, in welchem der 
Verweilkatheter angewendet wurde, giebt einen Fingerzeig dafür. Die Besserung des 
Harnes, der einzige Malsstab, den wir für die Beurteilung haben, trat trotz der 
Spülungen anfänglich nicht ein. Erst nach deijenigen Spülung, welche von einem 
starken Eiterergufs gefolgt war, klärte sich der Harn allmählich. Caspbr nimmt an, 
dafs durch diese Spülung eine bisher geschlossene Eiterhöhle geöffnet und desinfiziert 
wurde. — Hinsichtlich der Ätiologie der Pyonephrose sind beide Fälle bemerkens¬ 
wert Im zweiten ist das beim Eatheterisieren gefühlte Hindernis im Ureter, 6 cm 
vor dem Nierenbecken, als Ursache der Stauung anzusehen, zu welcher sich dann 
leicht eine Infektion hinzugesellt Solche Hindernisse können durch Drehung, Ver¬ 
zerrung, Knickung, Verschiebung des Ureters entstehen. — Der erste Fall von Pyo¬ 
nephrose ist als ein ascendierender Prozefs aufzufassen, welcher sich der Schwanger- 
schaftscystitis anschlofs, die ja als ein häufiges Vorkommnis bekannt ist. Diese Art 
der Entstehung der Pyonephrose ist die häufigste und zwar ist es meist die blennor- 
rhoische Cystitis, die den Prozefs einleitet Wenn ein direkter Zusammenhang zwischen 
der Sackniere und der viele Jahre zurückliegenden Blennorrhoe nicht leicht zu kon¬ 
statieren ist, so kommt das daher, dafs viele Pyelitiden überhaupt nicht diagnostiziert 
werden, weil sie keine Symptome machen. Nur eines ist immer vorhanden: ein leicht 
trüber, eiterhaltiger Ham. Nur wenn man den Eather in den Ureter einführt und 
aus demselben Ham gewinnt, der Eiterzellen enthält, dies sichert die Diagnose Pyelitis. 

C. erörtert dann die Frage, welche Mittel wir besitzen, um die Leistungsfähig¬ 
keit einer Niere festzustellen. Israel sprach die Ansicht aus, dafs man eine 
Nephrektomie nur vornehmen dürfe, wenn die 24stündige Harnstoffmenge mindestens 
die Hälfte der normalen erreiche. Die 24 ständige Harastoffraenge sagt uns aber gar 
nichts, da wir niemals wissen können, wie viel davon noch von der kranken Niere 
geliefert worden ist Hat doch Tuffier mit Nachdruck hervorgehoben, dafs zur Auf¬ 
rechterhaltung der Lebensfunktion nicht einmal eine ganze (gesunde) Niere nötig sei. 
Abgesehen davon, dafs eine Niere mit wenig übriggebliebenem Parenchym eine noch 
recht beträchtliche, sogar für die Erhaltung des Lebens ausreichende Arbeitsleistung 
aufweisen kann, bedingen eine Reihe unberechenbarer Momente, wie z. B. Fieber eine 
Erhöhung, Verdauungsstörungen hingegen eine Erniedrigung der Harnstoffausscheidung) 
Differenzen also, die unabhängig von der funktionellen Kraft und Beschaffenheit der 
Niere sind. — Nur wenn man den Ham jeder Niere besonders auffängt, wenn man 
tu wiederholten Malen feststellen kann, wie der aus der als gesund angenommenen 
Niere stammende Ham beschaffen ist, ob er frei von Eiter, Albumen, von Cylindem 
ist, oder umgekehrt, wieviel er von jedem dieser Stoffe enthält, wieviel Harnstoff, 
wieviel Chloride eine bestimmte Menge entnommenen Harnes hat, und diese Zahlen 
mit denen aus der anderen Niere unter gleichen Verhältnissen und Bedingungen ge¬ 
wonnenen vergleicht, nur dann wird man für die zu entscheidende Frage der Sufficienz 
der zweiten Niere denjenigen Grad von Sicherheit des Urteils gewinnen, der im 
Interesse des Kranken wünschenswert ist. Das zu leisten vermag einzig und allein 
der Ureterenkatheterismus. — Gelingt es nicht, die gesunde Uretermündung zu sehen, 
•o schlägt C. vor, man soll den Ureterkatheter in das kranke Nierenbecken einführen. 


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aus diesem den gesamten Harn ableiten, dann müfste sich ergeben, ob ans der anderen 
Niere Flüssigkeit abgesohieden werde oder nicht. Es fliefst neben dem Ureterkatheter 
Ham in die Blase vorbei, nur wenn der Katheter im Ureter steckt; liegt aber sein 
Auge im Nierenbecken, so wird das letztere gerade so drainiert, wie die Harnblase 
durch einen in ihr befindlichen Katheter. Man kann sich leicht überzeugen, wenn 
man mit dem Cystoskop kontrolliert, dafs dann durch den Ureterkatheter der gesamte 
Eiterhara abfliefst. 

J. Israel nimmt zu einer kurzen Bemerkung das Wort Er führt aus, dafs von 
5 an Pyonephrose von ihm Operierten 3 gestorben sind, eine Mortalitätsziffer, die 
deswegen so hoch sei, weil die Fälle für die Operation ungemein ungünstig lagen. 
Die von ihm beschriebene reflektorische Anurie sei keine Hypothese mehr, sondern 
eine Thatsache. Er habe dieselbe an einem und demselben Patienten mehrfach beob¬ 
achten können. 


Venerologisch-dermatologisclie Gesellschaft za Moskau. 

Sitzung vom 13./25. November 1898. 

Originalbericht von Arthur JoROAN-Moskau. 

1. A. Sabolotskt stellte einen Fall von Keratosis follicularis vor. Der be¬ 
treffende 28jährige, verheiratete Patient ist Landarbeiter und will seit etwa vier 
Monaten die bestehenden Veränderungen der Haut wahrgenommen haben. Es handelt 
sich um stecknadelkopf- bis gerstenkorngrofse, symmetrisch angeordnete, den Follikeln 
entsprechende und im Centrum ein schwarzes Pünktchen tragende Knötchen, welche 
am stärksten vorhanden sind auf dem Abdomen, aber auch im übrigen mit Ausnahme 
des Gesichts, der Handteller und Fufssohlen, den Körper nicht verschont haben. Nach 
Entfernung dieser Knötchen sieht man eine trichterförmige Einsenkung, während sich 
mikroskopisch die Follikel erweitert und mit Hornmassen erfüllt zeigen. Die Haar¬ 
bälge sind dabei nach oben gerichtet. In Bezug auf das Nervensystem zeigt Patient 
gar keine Veränderungen, sodafs die Ätiologie der Affektion unbekannt ist. 

Diskussion. Orlow macht auf die Ähnlichkeit dieser Hautveränderungen mit 
denen bei Lichen pilaris aufmerksam. — Fokin findet, dafs die Lokalisation der 
Knötchen bei diesen beiden Krankheiten eine verschiedene ist, worauf Fiweisei aber 
kein Gewicht legt. — Pospelow stimmt letzterem bei, ist auch der Ansicht, dafs 
beide Affektionen sehr ähnlich sind, aber sich doch voneinander klinisch wie mikro¬ 
skopisch unterscheiden. Streicht man mit einem Papierstückohen über die Knötchen 
hinüber, so erhält man bei Keratosis follicularis einen eigentümlichen Metall¬ 
klang, welcher bei Lichenpilaris fehlt; mikroskopisch greift ersterer Prozeis weiter 
in die Tiefe als letzterer. In Bezug auf die Ätiologie dieser Affektion spricht sich 
Orlow für einen tetanischen Zustand der M. arrectores pilorum infolge nervöser Ein¬ 
flüsse aus. Pospelow entgegnet aber, dafs diese Erklärung, so verführerisch sie ist, 
nicht stimmen kann, weil man auch Follikel auftreten sieht, wo keine M. arrectores 
pilorum vorhanden sind, wie auf den Handtellern. 

2. Glaw8che stellt ein lOjähriges Mädchen mit einer keratomartigeu Neu¬ 
bildung auf dem linken Fufse im Anschlufs an einen daBelbst vorhandenen Naevus 
teleangiectodes vor. Auf dem linken Fufsrücken sieht man eine weiche höckerige 
Geschwulst und am Fuftrande, wie auf der Fufssohle die dem Naevus teleangiectodes 
entsprechenden blauroten Flecke. Mikroskopisch zeichnet sich die Geschwulst durch 
eine Verdickung der Hornschicht und Erweiterung der Kapillaren mit kleinzelliger 
Infiltration in deren Umgebung aus. Infolge dieses Befundes und infolge des Fehlens 
von Bundzellen spricht sich G. für die genannte Diagnose und nicht für Sarkom aus. 


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— Fokin halt trotzdem nicht fdr ausgeschlossen, dafs es sich um ein Sarkom der 
Haut handelt 

3. Küsel stellt einen Patienten mit einem Ulcus linguae tuberculosum vor. 
An der Zungenspitze findet sich ein bohnengrofses Geschwür, dessen Ränder etwas 
erhaben, gerötet nnd derb sind. Der Geschwürsgrand ist rein and sondert nichts ab. 
Mikroskopisch sieht man Riesenzellen. Der betreffende Patient hat eine Spitzen¬ 
affektion mit Tnberkelbacillen im Sputnm. Das Zangengeschwür ist vor einigen 
Monaten im Anschlafs an eine Verletzung der Zunge beim Kauen entstanden, also 
dnrch Antoinokulation. 

Diskassion. Pospblow fragt, wie K. den Patienten zu behandeln gedenke? 
Küsel will das Geschwür auskratzen und mit Ac. lacticnm nachher pinseln. Sabo- 
lotskt hat vor einigen Jahren einen ähnlichen Fall beobachtet, wo das Ulcus selbst 
ohne Behandlung für eine zeitlang schwand. Später ist der betreffende Patient an 
Phthisis gestorben. 

4. Küsel spricht über die Vasogene. 


Jahresversammlung der British Medical Association, 

abgehalten zu Edinburgh vom 26.-29. Juli 1898. 

{The British Journal of Dermatology. September und Oktober 1898.) 

Sektion für Dermatologie. 

Der Vorsitzende Allan Jamieson spricht in seiner einleitenden Ansprache über 
die Anwendung von Buhe bei der Behandlung der Hautkrankheiten. Der 
Vortragende läfst eine Reihe von krankhaften Zuständen der Haut Revue passieren, 
bei denen an erster Stelle Ruhe geboten scheint. Unter „Ruhe“ wird nicht absolute 
Unthatigkeit der erkrankten Körperpartie verstanden, wie sie der Chirurg verlangt, 
sondern vor allem Fernhalten und Beseitigung aller Irritantien von der affizierten 
Hautpartie, Abachiufa gegen Luftzutritt durch Verbände; Salbenmulle, Pasten und 
Applikation von solchen Mitteln, die sedativ auf die Haut wirken. Es eignen sich für 
die Beobachtung der Ruhe besonders die entzündlichen Zustände. Vortragender er¬ 
örtert im einzelnen die Behandlung einiger Hautafiektionen. 

Im Anschiufs an diesen Vortrag erfolgt die Vorstellung von Krankheitsfällen, 
unter anderen von Skleroderma, Xeroderma pigmentosum, Parakeratosis 
variegata, Lupus erythematosus, Cheilitis glandularis, Angioma serpi¬ 
ginosum, Folliculitis decalvans und Monilethriz. 

Norman Walker demonstriert 1. Einen Fall von Adenoma sebaceum, 
2. Ulerythema sykosiforme, 3.-6. Favus, Dermatitis herpetiformis, 
totale Alopecia areata und Lupus vulgaris. 

Prof. BoEüK-Christiania eröffnet die Diskussion über die Ätiologie und 
Pathologie des Lupus erythematosus. Der Vortragende bemüht sich, den Zu¬ 
sammenhang der Affektion mit Tuberkulose zu beweisen. In einer Reihe von Fällen 
zeigten 55% scrophulöse Drüsen oder aus denselben resultierende Narben, 19% hatten 
eine interstitielle Keratitis gleichen Ursprunges. Eine Anzahl von Fällen zeigten die 
Übergangsform von Lupus erythematosus zum Lichen scrophulosorum. Ferner findet 
man in Verbindung mit dem Lupus erythematosus Affektionen, die als „Tuberculides“ 
bezeichnet werden, so das Granuloma innominatum (Hallopeau), die Scrophulide, 
Granulomata necrotica (Allen und Johnston), das Eccema scrophulosorum und be¬ 
sonders das Erysipelas perstans, welches letztere durch einen eigentümlichen Prozefs 
hervorgerufen, keine Komplikation, sondern wahrscheinlich ein integrierender Teil der 

Monatshefte. XXVIII. 3 


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Tuberkulose ist. Eine bemerkenswerte Bestätigung der Theorie von dem Zusammen¬ 
hänge des Lupus erythematosus mit der Tuberkulose kann man in der Thatsache 
finden, dafs tuberkulöse Drüsen behandelt mit Calciumsulphid eine Reaktion zeigen, 
wie sie Tuberkulin hervorzurufen pflegt, und dafs ein Ausbruch von Lupus im Gesicht 
oder von Erysipelas perstans an den Armen besteht, so lange das Medikament in 
Gebrauch ist. Vortragender hat auf diese Weise bei einem Patienten zweimal 
künstlich Lupus erythematosus hervorgerufen. Die Bezeichnung hält er für nicht sehr 
glücklich. 

J. C. Johnston-Now York hält die Affektion für einen lokal infektiösen Prozefo 
für ein Granuloma, das durch Mikroorganismen von den erkrankten Punkten ver¬ 
ursacht wird. 

P. G. Unna spricht über die Behandlung des Lupus erythematosus. Er teilt 
nicht die Ansicht derjenigen, welche die tuberkulöse Natur der Affektion behaupten. 
(Vgl. lieferet S. 45 dieses Heftes.) 

H. R. Cbocker giebt zwar zu, dafs die Patienten oft tuberkulös sind. Der 
Beweis des tuberkulösen Ursprunges mit Hülfe des Tuberkulins sei ein negativer. 
Die wahre Natur des Lupus erythematosus sei noch unbekannt. 

C. Fox-London spricht über die Pluralität des Ringworm-Pilzes. 

THOMAs-Liverpool berichtet über 4 Fälle von extragenitaler syphilitischer 
Infektion infolge Tättowierens. 

M. Morris eröffnet die Diskussion über die Natur des Ekzems (wird an 
anderer Stelle referiert werden). 

Unna macht einige Bemerkungen über Impetigo und stellt einen ausführlicheren 
Artikel hierüber in Aussicht. (Derselbe erscheint demnächst in dieser Zeitschrift.) 

M. Dockrell berichtet über einen inoperablen Fall von S&rcoma der Kopf¬ 
haut, der mit Colevs Flüssigkeit behandelt worden ist. Der Fall nahm trotz der 
Injektionen einen letalen Verlauf. C. Berliner-Aachen. 


22. Jahresversammlung der amerikanischen dermatologischen Gesellschaft, 

abgehalten zu Princeton am 31. Mai und 1. Juni und zu New York am 2. Juni 1898. 

{Journal of cutaneous and genito-urinary diseases. September 1898.) 

Der Vorsitzende J. N. HYDE-Chicago spricht in seiner Einleitungsrede über die 
neueren Forschungen und Entdeckungen auf dem Gebiete der Infektionskrankheiten, 
über den Einflufs gewisser toxischer Substanzen auf die Entstehung von Hautkrank¬ 
heiten, über Auto-Intoxikation, Immunisierung, Serumtherapie, über die Bestrebungen 
der internationalen Lepra-Konferenz, über die Frequenz gewisser Hautkrankheiten in 
verschiedenen Distrikten der Vereinigten Staaten etc. 

J. C. White spricht über Hydroa vacciniforme (s. Referat in dies. Nummer, pag. 47.) 

Diskussion: J. C. Johnston glaubt, dafs die Eosinophilie bei bullösen Affok* 
tionen nur wenig oder gar kein Licht in die dunkle Pathogenese derselben gebracht 
habe. — W. T. Corlett erinnert angesichts der vorgelegten Photographien an ihre 
auffallende Ähnlichkeit mit Fällen von Xeroderma pigmentosum. (N. B. Die Ähnlich¬ 
keit ist vielleicht keine ganz zufällige, wenn man mit verschiedenen Autoren annimmt, 
dafs gewisse Strahlen des Sonnenspektrums, so insbesondere die ultravioletten, bei der 
Entstehung beider Affektionen eine ätiologische Rolle spielen. Ref.) 

Derselbe spricht ttber einen recidivierenden, bullösen, auf gewisse Bezirke 
beschränkten Ausschlag, wahrscheinlich Dermatitis herpetiformis. Die Haupt¬ 
merkmale der Affektion waren: 1. Der multiforme Charakter der Efflorescenzen, unter 


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denen jedoch vorwiegend kleine Blasen waren. 2. Das intensive Jacken. 3. Die eng- 
begrenzte Lokalisation. 4. Die Recidive. 5. Vollständig freie, Monate lang andauernde 
Intervalle. 

Duhbdto glaubt nicht, dafs es sich um eine Dermatitis herpetiformis bandle, bei 
der Schuppenbildung, wie sie im vorliegenden Falle beobachtet worden sei, nicht 
vorkomme. — Einige der anwesenden Mitglieder sprechen sich für, andere gegen 
die Diagnose Dermatitis herpetiformis aus. 

T. T. C. Gilchrist -Baltimore berichtet über zwei Fälle von primärem Me* 
lanocardnoma der Hant. Der eine Fall betraf einen Neger, der zahlreiche Knoten 
am ganzen Körper, auch in der Leber zeigte. Trotz der ausgedehnten Verbreitung 
waren die Lymphdrüsen nicht vergröfsert. Im Anschluss an die Mitteilung der 
Krankengeschichten erörtert der Vortragende die pathologische Anatomie der Pigment- 
miler und Pigmentgeschwülste. Er stimmt mit Unna darin überein, dafs das Pigment¬ 
mal epithelialen Ursprunges sei und dafs die auf der Basis von Pigmentmälern ent¬ 
stehenden bösartigen Geschwülste zweifellos Carcinome und nicht Sarkome seien. — 
Es entspinnt sich eine sehr lebhafte Diskussion über die Pathologie, Pathogenese 
und Metastasenbildung der Pigmentgeschwülste. 

Die Doktoren Htde und Montoomert berichten über 44 Fälle vom sogenannten 
prlmykotischen Stadium der Mykosis fungoides. 

F. J. Shepherd: Ein eigentümlicher Fall von Granuloma des Gesichts 
und der Extremitäten. 

W. T. Corlbtt : Zwei Fälle von Lymphangioma circumscriptum. Der eine 
Patient zeigte einen warzenartigen Ausschlag an der linken Wade. — Nicht alle 
Mitglieder, unter ihnen Robinson, stimmen hinsichtlich der Diagnose mit dem Vor¬ 
tragenden überein. 

Allgemeine Diskussion über: Lupus erythematosus. Referenten sind: 
A. R. Robinson und J. C. White. Ersterer behandelt die Ätiologie und Pathologie, 
letzterer die Therapie der Affektion. — J. A. Fordyce spricht über Lupus erythema¬ 
tosus bei einem tuberkulösen Patienten und teilt kurz die Krankengeschichte von 
fünf weiteren Fällen mit. Vortragender neigt auf Grund seiner Beobachtungen zu 
der Ansicht, dafs der Lupus erythematosus auf eine lokale Thrombose der vorher 
durch Kälte, Rosacea oder Seborrhoe erkrankten Kapillargefässe zurückzuführen sei. 
Die periphere Ausbreitung findet eine Erklärung in dem Weiterschreiten des Pro¬ 
zesses in den Kapillaren. 

Die sehr lebhafte und weit ausgedehnte Diskussion dreht sich hauptsächlich 
um die Frage des Zusammenhanges des Lupus erythematosus mit der Tuberkulose 
und die im ganzen trostlose Behandlung der Krankheit. — Gilchrist hat gute Erfolge 
gesehen von Applikationen reiner Karbolsäure oder starker Salicyl- Lanolinsalbe. — 
M. B. Hutchxns heilte einen Fall mit 20 Poigern Pyrogallolpflaster. — Elliot verfährt 
sehr konservativ. Alle Methoden hat er durchprobiert, ohne eine auch nur für 
mehrere Fälle ganz zuverlässige anzutreffen. In einem Falle, der allerdings nur eine 
ganz kleine affizierte Stelle aufwies, wurde Heilung durch Kauterisation erzielt. — 
Allen hat ziemlich guten Erfolg von der Anwendung der elektrolytischen Nadel und 
Pyrozon gehabt. — Mehrere Mitglieder der Versammlung, wie Pollitzer, Montoomert, 
G. T. Jackson u. a. haben Schütz’ Methode der Bepinselung der affizierten Stellen 
mit verdünnter Solutio Fowleri angewandt, jedoch keinen nachhaltigen Erfolg erzielt. 
— Bronson empfiehlt als wirksam die Anwendung des Resorcins besser in der Form 
eines Firnisses, bestehend aus Tragacanth und Gelatine, als der Schälpaste. — Winfikld 
glaubt mit White, dafs die Krankheit in Wirklichkeit unheilbar sei. Eine Heilung 
habe er mit reiner Karbolsäure erzielt Im allgemeinen halte er die milden Mittel 

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für zweckmäfsiger als die starken. — Hyde empfiehlt Bepinselung der afficierten 
Partie mit Pyoctaninblau nach vorangegangener Desinfizierang mit einer Formalin- 
lösnng. Diese Applikation soll mehrere Tage hintereinander vorgenommen werden. 

H. W. Stelwagon berichtet über drei Fälle von Urticaria pigmentosa. — 
Gilchrist bestätigt Unnas Angabe, dafs die Efflorescenzen der Urticaria pigmentosa 
hauptsächlich aus Mastzellen bestehen. 

J. C. Johns ton berichtet über eine bisher noch nicht beschriebene Hautkrankheit, 
eine papulöse, persistierende Dermatose. Die 52jährige Patientin erfreute sich 
einer ausgezeichneten Gesundheit, bis sie die Affektion zuerst im Gesicht, dann an 
Armen und Beinen bekam. Das ganze Corium ist iu Mitleidenschaft gezogen unter 
deutlicher Verdickung der Hornschicht. Klinisch sei es ein pruriginöser, papulovesi¬ 
kulöser Ausschlag mit einzelnstehenden, harten Efflorescenzen. Die Affektion sollte 
den neurotischen Entzündungen zwischen Neuroma und Neurofibroma zugezählt werden. 

Stelwagon spricht über „Bäder - Pruritus“. Darunter versteht er das Jacken 
oder Brennen, welches einzelne Personen unmittelbar nach dem Bade befallt. Es 
dauert 10 Minuten bis Vs Stunde. Am stärksten ist das Jucken gewöhnlich in den 
Beinen. Es tritt häufiger auf nach kalten als nach warmen Bädern. Personen mit 
trockener, reizbarer Haut sind am meisten für diesen Pruritus disponiert. 

Den letzten Tag der Versammlung füllen Demonstrationen von Photographien, 
mikroskopischen Präparaten und interessanten Hautkranken aus. 

C. Berliner-Aachen. 


Archiv für Dermatologie und Syphilis. 

Band 46. Heft 2. 1898. 

I. Tinea imbricata (Manson), von A. W. NiEuwBNHuis-Java. Unter den para¬ 
sitären Hautkrankheiten spielt die Tinea imbricata bei der einheimischen Bevölkerung 
des indischen Archipels eine hervorragende Bolle. Europäer werden von ihr nur selten 
befallen. Die Krankheit ist charakterisiert durch eine oberflächliche Entzündung der 
Haut, die sich besonders durch eine starke, anfangs in Kreisen oder Ellipsen angeordnete 
Schilferung dokumentiert. Sie beginnt als kleines, stecknadelkopfgrofses Infiltrat, worauf 
sich zuweilen ein Bläschen bildet. Meistens bekommt man jedoch als erste Anzeichen 
schon das weitere Stadium, die Epidermislamellen zu sehen. Vom primären Infiltrate 
aus wuchert der Prozefs in den oberflächlichen Hautschichten nach allen Seiten hin 
ort, sodafs nach einander weitere und weitere Kreise von festhaftenden Schuppen 
gebildet werden. Die ganze Körperhaut mit Ausnahme der Handfläche und Fuissohlen 
können von der Tinea imbricata befallen werden. Die Haare selbst bleiben, während 
die Kopfhaut ergriffen wird, intakt. Auffallend aber nicht regelmäfsig ist das sym¬ 
metrische Auftreten der Hautkrankheit. Als Ursache der Tinea imbricata hat 
Manson einen Schimmelpilz gefunden, der als ein dichtes Gewebe von Myoeiiumfäden 
in den Hautschuppen sichtbar wird, sobald man die letzeren mit verdünnter Kalilösung 
behandelt. Verfasser gelang es, diesen Pilz unter Anwendung der KRlLschen Methode 
künstlich zu züchten. Das Verfahren, dessen sich Verfasser bediente, wird ausführlich 
beschrieben. Der Pilz der Tinea imbricata hat mit den Pilzarten der europäischen 


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Trichophyties einmal das langsame Wachstum, dann die Gestalt des Myceliums gemein 
Für die Entwickelung des Pilzes ist eine leicht alkalische Reaktion des Nährbodens 
günstiger als eine schwach saure. Inokulationsversuche, auf der Haut eines Euro¬ 
päers ausgeführt, hatten ein positives Resultat. — Die Krankheit verschwindet unter 
der Behandlung mit den meisten parasiticiden Mitteln. Bei der dünnen Epidermis 
der Europäer und der inländischen kleinen Kinder reicht eine tägliche Einreibung 
mit einer Salbe von 1 Teil Chrysarobin auf 10 Teile Lanolin hin, um in 4—5 Tagen 
den Ausschlag zum Schwinden zu bringen. Für die dicke Epidermis der Inländer 
wirkte Jodtinktur am besten. Von sehr guter Wirkung ist auch die ein- oder zwei¬ 
mal tägliche Bepinselung der kranken Haut mit Petroleum. Alle von Tinea imbricata 
genesene Personen zeigen eine Hautverfärbung an den früher erkrankt gewesenen 
Stellen, welche erst nach Monaten wieder verschwindet. 

II. Über Hautsarkomatose, von Max JosEPH-Berlin. Der Fall, den Verfasser 
Gelegenheit hatte in seiner Poliklinik zu beobachten, betrifft einen 32 jährigen, schwäch¬ 
lich gebauten, anämisch und angegriffen aussehenden Mann, dessen Vater vor mehreren 
Jahren an einem Herzleiden gestorben ist, dessen Mutter und Geschwister aber gesund 
sind. Das Hautleiden begann im August 1897 mit einer kleinen, auf Druck nicht 
schmerzhaften Hautgeschwulst ; in der Regio epigastrica. In den nächsten Wochen 
entwickelten sich weitere Geschwülste auf der Haut des Unterleibs, des Gesichts und 
des Nackens. Als Patient am 3. Oktober 1897 zum ersten Male in der Poliklinik sich 
vorstellte, zeigte er etwa 100 verschieden grofse, mit der Haut verschiebliche Knoten 
am ganzen Körper. Die älteste, zuerst bemerkte Geschwulst war die gröfste. Bei 
den kleineren Geschwülsten liefis sich die darüber befindliche Haut in Falten aufheben, 
während sie bei den grölseren völlig mit den Tumoren verwachsen war und eine 
intensive, scharf gegen die gesunde Umgebung abgegrenzte Röte zeigte. Die Tumoren 
waren nicht schmerzhaft und fühlten sich von den frühesten bis zu den spätesten 
Stadien aufserordentlich derb, hart, ja fast steinhart an. Die Tumoren nahmen in 
der nächsten Zeit sowohl an Zahl wie auch an Gröfse zu. Unter Ascites und zunehmendem 
Marasmus starb der Patient. — Die histologische Untersuchung eines haselnufsgrofsen 
Tumors ergab zunächst nicht, wie man hätte erwarten sollen, eine abgegrenzte An¬ 
häufung fremder Zellen an Stelle des autochthonen Gewebes, sondern nur eine In¬ 
filtration der Cutisspalten mit diesen Zellen. In den gröfseren und älteren Tumoren 
lagen die Zellen stellenweise so dicht, dafs sie sich gegenseitig abgeplattet hatten, 
und man vielfach lange, perlschnurähnliche Ansammlungen sah. Der Zellleib war 
vergrößert und zeigte ein lockeres, schwammiges Gefüge, während der Kern eher kleiner 
als im normalen Zustande war. Ganz auffallend ist eine metachromatische Färbung 
des Protoplasmas. Dasselbe ist bei Färbung sowohl mit Thionin als mit polychromem 
Methylenblau rotviolett gefärbt. Verfasser denkt sich den Prozefs in der Weise, dafs 
der anfangs schmale Protoplasmasaum etwas stärker wird und ein mehr körniges Aus¬ 
sehen bekommt, dann beginnt die schwammige Auflockerung des Zellkörpers bis zu 
jener Degeneration, die, nach der metachromatischen Färbung zu urteilen, als eine 
schleimige aufzufassen ist. — Das histologische Bild in dem vorliegenden Falle zeigt 
mit dem gewöhnlichen der Hautsarkomatose gar keine oder nur sehr geringe Ähnlich¬ 
keit Verfasser erörtert eingehend die Frage, welcher Klasse von Geschwülsten der 
vorliegende Krankheitsfall zuzurechnen sei. Neben der mucinösen Degeneration der 
Infiltrationszellen war eine hyaline Entartung der Bindegewebsfasern eingetreten. 
Möglicher Weise ist diese Degeneration schuld daran, daß es histologisch nicht zur 
Bildung eines echten Tumors, sondern mehr zu einer diffusen Infiltration in die Ge¬ 
webe kam. Von echten Sarkomen unterscheidet sich der Fall auch durch das Ver¬ 
halten der elastischen Fasern. Dieselben sind überall inmitten der infiltrierten Partien 


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vollkommen erhalten. Aach Mastzellen fanden sich innerhalb des Infiltrationsgebietes, 
während sie nach Unna sonst in der Umgebung der fusocellulären Sarkome fast gänz¬ 
lich and innerhalb derselben vollkommen fehlen. Eine grofse Ähnlichkeit zeigt der 
Fall mit der Leukaemia cutis. — Die sarkoiden Tumoren der Haut, wie sie der vom 
Verfasser beschriebene Fall darbietet, bilden ein Krankheitsbild für sich und können 
von den übrigen Symptomenbildern abgegrenzt werden. 

III. Über einen Fall von Impetigo herpetiformis, von ToMMAsoLi-Palermo. Als 
Ergänzung zu seiner in der Festschrift für Prof. Pick publizierten Arbeit über die 
„Condylomatosis pemphigoides maligna" beschreibt Verfasser einen Fall von 
Impetigo herpetiformis, die jener sehr verwandt ist. — Der 32 jährige, frühzeitig ge¬ 
alterte, leidend aussehende Patient, starker Potator, zeigt in der Regio pubica, an der 
Innenfläche der Oberschenkel und in den Achselhöhlen kranke, unregelmäfsig begrenzte 
Flächen, die oberflächlichen Ulcerationen ähnlich sind. Die centralsten Partien sind 
trocken, von dunkelroter oder blauroter Farbe, hier und da von kleinen grauen oder 
dunklen Schuppen und Krusten oder auch von einigen schmutzigen und fettigen 
Schuppen bedeckt. Oegen die Peripherie hin wird die Röte viel lebhafter, die 
Trockenheit hört auf und an ihre Stelle tritt eine zähe und graue Flüssigkeit, während 
die grauen Krusten häufiger und dicker werden; in geringer Entfernung von der 
Peripherie sieht man Bläschen-Pustelchen und einige unregelmäfsige Kreissegmente von 
Phlyctänen, die bei genauer Besichtigung sich als durch Verschmelzung von vielen, 
kleinen, miliaren, weifsgelblichen, schlaffen Pustelchen entstanden erweisen. Die 
Hautaffektion begann vor circa 3 Wochen, nachdem der Patient schon seit Jahren an 
Jacken am Scrotum gelitten hatte. Aus dem Ergebnisse der Harnuntersuchung liefs 
sich der Schlufs ziehen, dafs der Stoffwechsel des Kranken viel langsamer als normal 
vor sich ging. — Die Behandlung war an erster Stelle auf Hebung des enormen 
Kräfteverfalles durch Tonica, schlafbringende und appetitanregende Mittel gerichtet. 
Äufserlich Zinkamylumstreupulver und LASSABsche Paste angewendet. Da die Haut¬ 
affektion sich wenig bessert, stellenweise sich verschlimmert, wird ein Versuch mit der 
BBOWN-S£QUARDSchen Kur gemacht. Äufserlich leisteten Pflaster No. 28 und 29 (nament¬ 
lich letzteres) von Beiersdorf Gutes, sodafs nach mancherlei Besserungen und Exa¬ 
cerbationen Bchliefslich vollständige Heilung eintrat. — Die wiederholt während der 
Behandlung Angestellten Harnanalysen hatten ergeben, dafs die Harnmenge in 24 Stunden 
auf die Hälfte verringert, dafs auch die einzelnen Harnbestandteile, wie Chlorüre, 
Phosphate, Harnstoff auf die Hälfte reduziert, kurz der ganze Stoffwechsel um die 
Hälfte vermindert waren, ein Factum, das nach der Ansicht des Verfassers, für das 
Verständnis der Pathogenese und die Therapie der Dermatose von nicht zu unter¬ 
schätzender Wichtigkeit sei. 

IV. Einige Fragen bei der Behandlung der Syphilis, von v. Watraszbwbki 

a. Wann soll die Behandlung der Syphilis mit Quecksilber be¬ 
ginnen? Dem Verfasser scheint es rationell zu sein, die Behandlung der Syphilis 
erst nach dem Erscheinen allgemeiner Symptome zu beginnen, und zwar aus fol¬ 
genden Gründen: 1. Der Charakter der allgemeinen Erscheinungen, die Zeit ihres 
spontanen Auftretens, die allgemeinen Störungen, die sie begleiten etc., sind alles 
Momente, die uns über die Natur und die Intensität der Krankheit, ihre Benignität 
oder Malignität in jedem einzelnen Falle aufklären und belehren und uns erlauben, 
eine dem Falle angemessene Kur einzuleiten. Im Gegenteil, indem wir von vorn¬ 
herein zu merkurialisieren anfangen, sind wir vollständig der Möglichkeit beraubt, uns 
von jedem einzelnen Falle Rechenschaft zu geben und sind darauf angewiesen, das 
Quecksilber auf ganz empirische und beliebige Weise an zuwenden. Ebenso geben 
die Serien der durch freie Intervalle separierten Nachschübe, die das Bild der Syphilis 


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bilden und charakteriseiren, resp. das Auftreten neuer spezifischer Symptome allgemeinen 
Charakters die beste Indikation für die Einleitung weiterer Euren. — 2. Eine mer- 
kurielle Kur im Augenblicke des Auftretens allgemeiner Erscheinungen eingeleitet 
und methodisch durchgefiihrt, bringt dieselben in der überwiegenden Mehrzahl der 
Fälle zu raschem Schwinden und bewahrt für eine gewisse Zeit den Kranken vor 
neuen Symptomen. — 8. Es giebt Fälle, die allerdings nicht häufig sind, wo trotz 
der Existenz der Hauptsymptome, die uns berechtigen, die Diagnose eines syphilitischen 
Primäraffektes zu stellen, der Schanker unter dem Einflüsse örtlicher Mittel vernarbt, 
die Induration und die Drüsenschwellung zurückgehen, und der Prozefs schliefslich 
als exquisit lokales Übel sein Ende erreicht. Eine präventive Kur in dergleichen 
Fällen eingeleitet und mit vollem Erfolge gekrönt, ohne nachfolgende Becidive bringt 
uns auf den falschen Schlufs zu Gunsten einer solchen Behandlungsmethode. 

b. Wie lange soll die Behandlung der Syphilis dauern? Verfasser 
beantwortet die Frage dahin: So oft wir manifeste Symptome der Krankheit, die 
ihren Lauf Monate resp. Jahre lang verfolgt, vor uns liegen sehen, so viele Mal ist 
eine Quecksilberbehandlung indiziert. — Demnach dürfen wir uns auch mit einer 
einzigen Kur begnügen, nach deren Beendigung die Patienten keine neuen Erschei¬ 
nungen mehr für Monate und Jahre aufzuweisen haben. — Verfasser stützt sich bei 
seinen Bemerkungen auf Beobachtungen, die er im Laufe von 15 Jahren gesammelt 
und notiert hat, und von denen die neuesten aus dem Jahre 1894 datieren, d. h. bei 
welchen die Infektion vor 4 Jahren stattgefunden hatte. In allen diesen Beobach¬ 
tungen, die 23 der Privatpraxis angehörige Patienten betreffen, konnte Verfasser nach 
einer einzigen merkuriellen Kur ein vollständiges Fehlen jedes nachträglichen syphi¬ 
litischen Symptoms recenter oder tardiver Natur konstatieren. 15 der Kranken 
heirateten oder waren schon zur Zeit der Infektion verheiratet. Ihre Frauen blieben 
gesund, 9 von ihnen wurden schwanger, abortierten nicht und gebaren gesunde Kinder, 
die auch nachträglich gesund blieben. 

c. Enthält die sogenannte präventive Behandlungsmethode, lang¬ 
dauernd and wiederholt nach den bekannten Prinzipien, Gefahren 
für den Organismus und worin bestehen diese letzteren? Die Antwort 
lautet bejahend aus folgenden Gründen: 1. „Analog den chronischen Vergiftungen 
mit schweren Metallen spiegelt sich eine periodisch wiederholte und unbestimmt 
lange Zeit prolongierte Saturation des Organismus mit Quecksilber, mit anderen 
Worten, eine chronische, merkurielle systematisch unterhaltene Intoxikation, in erster 
Linie auf der nervösen Sphäre der betreffenden Subjekte ab. Deswegen verliert all¬ 
mählich das Nervensystem unter diesem Einflüsse seine vitale Kapazität und Besistenz- 
fähigkeit und wird auf diese Art ein „Locus minoris resistentiae“. Dieser krankhafte 
Zustand des Nervensystems erklärt uns genügend die zahlreichen Fälle von Neur¬ 
asthenie, nervöser Überreizung oder Depression etc., die sich unter diesen Umständen 
oft genug entwickeln. — 2. Da wir die Natur der Syphilis und ihre Neigung gerade 
diese „Loci minoris resistentiae" des Organismus zu befallen, kennen, so ist es 
natflrlich, dafs unter dem Einflüsse von Faktoren, die unter gewissen Umständen die 
schlummernde Diathese zu wecken und neue Manifestationen hervorzurufen imstande 
sind, die nervöse Sphäre früher als ein anderes Gebiet den Ausgangs- und Entwick¬ 
lungspunkt für anatomo-pathologische Veränderungen spezifischen Charakters bieten 
wird. Es wären daher Manifestationen von cerebraler und spinaler Syphilis, die wir 
in erster Linie unter diesen Umständen bei derart behandelten Kranken zu erwarten 
hätten. Vielleicht würde nun die wirklich beunruhigend steigende Frequenz der 
nervösen Affektionen spezifischen Charakters, die von verschiedenen Seiten signalisiert 
wird, auf diese Weise zu erklären sein und die Meinungen deijenigen unterstützen, 


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die ein System von chronisch merknrieller Intoxikation, das nach Belieben wiederholt 
ins Unendliche prolongiert und unterhalten wird, für gefährlich halten. 11 

Y. Die Ergebnisse der Behandlung tuberkulöser H&ut&ffektionen mit 
Tuberkulin R., von JaroslavJ BüKovsxY-Prag. Das Material, welches den Betrach¬ 
tungen des Verfassers za Gründe liegt, stammt aas Profi Jaxovskts dermatologischer 
Univenitätsklinik and umfafrt 20 Fälle, von denen 15 Lopos der Haut and Drosen 
(7 darunter mit Affektionen der Lungenspitzen oder mit Scrophulose kombiniert), 
2 scrophulose Erkrankungen der Haut, 2 Tuberculosis verrucosa cutis hatten. In 
einem Falle wurde die Injektion zur Feststellung der Differentialdiagnose benützt, um 
eine tuberkulöse Erkrankung der Haut ausschliefsen zu können. Alle Fälle wurden 
vor Beginn der Injektionen einer gründlichen Untersuchung unterzogen, das Körper¬ 
gewicht und die vollständige Apyrexie festgestellt. Zu den Injektionen wurde die 
Gegend zwischen den Schulterblättern gewählt und eine gut kalibrierte Spritze mit 
Asbestkolben verwendet. Die Temperatur wurde stündlich gemessen, die Lösung 
täglich frisch mittelst physiologischer Kochsalzlösung bereitet. Zur ersten Injektion 
wurde regelmäfsig 0,002 mg fester Substanz benützt. Die folgenden Injektionsdosen 
waren gewöhnlich eine Verdoppelung der vorhergehenden, bei stärkeren Gaben wurde 
vorsichtiger gestiegen. Durchschnittlich wurde jeden zweiten Tag eine Injektion 
gemacht, bei stärkeren Dosen in längeren Intervallen. — Das Endurteil über das 
Tuberkulin-R läfst sich in folgenden Sätzen zusammen fassen: 1. Das Tuberkulin-R 
ist ein sehr labiles Präparat. Die zu verschiedenen Zeiten dergestellten Präparate 
besitzen verschiedene Intensität. Wegen leichter Verunreinigung muls man für jeden 
Tag frische Lösungen bereiten. Für jeden Kranken soll man so viel als möglich 
das Präparat vom gleichen Datum benutzen. 2. Als erste Dosis kann man in der 
Mehrzahl der Fälle 0,002 mg fester Substanz verwenden, es empfiehlt sich jedoch bei 
einigermafsen ausgebreiteten Formen eine noch kleinere Gabe. Bei folgenden Injek¬ 
tionen verdoppele man die Dosis und mache sie jeden zweiten Tag; bei höheren 
Gaben behutsamer und in längeren Pausen. — 3. Bedient man sich immer frischer 
Lösungen, so tritt an der Einstichstelle niemals Beizung oder Entzündung ein, es tritt 
leichte Resorption ein und vereinzelt spürt der Patient Schmerzen, jedoch ohne ana¬ 
tomischen Befund. — 4. Eine Gesamtreaktion stellte sich in allen Fällen ein, ihre 
Intensität jedoch steht in keinem Verhältnisse zur Stärke der Injektion. Die Abend¬ 
temperatur blieb andauernd erhöht. Neben dem Fieber wurden beobachtet Beschleuni¬ 
gung des Pulses und der Atmung, bedeutende Affektion des Nervensystems und des 
Verdauungstraktes, besonders war Appetitlosigkeit typisch. — 5. Bezüglich der Er¬ 
nährung war bei 6 Kranken Gewichtszunahme (1 nicht tuberkulös), bei 14 Gewichts¬ 
abnahme zuweilen bis l h des Körpergewichts beobachtet. — 6. Im Blute wurde Ver¬ 
mehrung der weifsen Blutkörperchen ohne morphologische Veränderung konstatiert 
(Leukocytose). — 7. Die Lokalreaktion war heftig, ähnlich der Reaktion des alten 
Tuberkulin. Mit der Gesamtreaktion steht die Lokalreaktion in keinem Verhältnisse. 
Die Formen der Lokalreaktion auf der Haut waren: a) einfache Hyperämie; b) Hyper¬ 
ämie, Entzündung, Zerfall der Geschwüre und Infiltrate; c) Entzündung mit pustu- 
losem Charakter. Auf der Schleimhaut wurden die Formen a) und b) beobachtet, 
in den Gelenken und Drüsen: Schwellung, Schmerzhaftigkeit, vermehrter und 
käsiger Auswarf aus den Lungen, vermehrtes Rasselgeräusch und Schnurren. 

8. Therapeutische Wirkung: a) Über die Wirkung der Immunisierung sowohl 
gegen Toxine als auch gegen Bakterien kann man sich bis jetzt nicht strikte äulsero, 
darüber kann nur der Mangel an Rezidiven belehren. In einem Falle trat noch im 
Verlaufe der Injektionstherapie Recidiv ein. Die Kontrollprüfung mit dem alten 
Tuberkulin fiel in 4 Fällen negativ aus, immer stellte sich sowohl allgemeine wie 


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örtliche Reaktion ein; b) von irgend einer Heilung kann man bloß in 2 Fällen 
sprechen, in den übrigen trat bis zu einem gewissen Maße Besserung ein; dasselbe 
Resultat läßt sich in unverhältnismäßig kürzerer Zeit mit anderen Methoden erzielen. 
— 9. Das Tuberkulin R ist ein gutes, diagnostisches Mittel zur Unterscheidung tuber¬ 
kulöser Prozesse. Im Falle 20 (nicht tuberkulös) trat, obwohl rasch gestiegen und in 
7 Injektionen 20 mg erreicht wurde, nicht ein einziges Mal weder gesamte noch 
örtliche Reaktion ein. — Im folgenden teilt Verfasser das Resultat der histologischen 
Untersuchung mit, welche an einem einer Kranken mit typischer Tuberculosis verru¬ 
cosa cutis excidierten Hautstücke angestellt wurde. In allen Präparaten fehlen die 
Erscheinungen akuter Entzündung, Abscefsbildung, gleichzeitig zeigen die Präparate 
aber auch keine Abnahme des tuberkulösen Infiltrates und nicht einmal Abflachung 
der Papillen und Schwinden jenes verrukösen Charakters. 

VI. Einige Worte über die Form der Anwendung des Quecksilbers, von 
E. Wb landsb- Stockholm. (Schluß.) Verfasser erörtert die Frage, welche Form der 
Einverleibung des Quecksilbers im allgemeinen die empfehlenswerteste sei. Die in¬ 
terne Behandlung mit Quecksilberpillen hält er für unzuverlässig und so unsicher, 
dafs er sich ihrer seit mehreren Jahren nur ganz ausnahmsweise bedient. Wenn 
hauptsächlich auf die Absorption und die Remanenz des Quecksilbers im Organismus 
gesehen wird, so ist keine Behandlungsmethode zweckmäfsiger als die Injektionen 
unlöslicher Quecksilbersalze. Diesen zwar nicht ganz gleichwertig aber doch sehr 
nahestehend ist die endermatische Methode aß Einreibung, Überstreichnng oder Aus¬ 
breitung der Merkurialsalbe in einem Säckchen. Man wird sich einer dieser Methoden 
bedienen, wenn daB Quecksilber cito et tuto wirken soll, immer jedoch unter Beob¬ 
achtung des Hauptgrundsatzes, dafs der Organismus auf der anderen Seite durch 
abermäßigen Gebrauch des Quecksilbers keine Schädigung erfahrt. Die Injektionen 
haben leider den Nachteil, daß nicht selten schmerzhafte Infiltrationen entstehen, 
welche zu bleibenden Veränderungen an den Injektionsstellen, besonders im Gesäß 
fuhren und die Patienten vielfach in ihren Berufspflichten stören. Ebenso wenig wie 
die Injektions- ist die Inunktionsmethode eine für den Patienten angenehme. Die 
Behandlung mit Merkuriaßalbe in einem Säckchen ist nach den Erfahrungen des 
Verfassers die relativ angenehmste Methode, die auch cito et tuto wirkt, weshalb er 
sie sowohl im Krankenhause, wie in seiner Privatpraxis fast ausschließlich an wendet. 
Mit dieser Methode wurden im Krankenhause 217, in der Privatpraxis 202 Patienten 
behandelt Das therapeutische Resultat war vollkommen ebenso günstig, als Verfasser 
es von irgend einer anderen Behandlung hätte erwarten können. Die Vorteile der 
Methode erscheinen dem Verfasser so groß und die Ungelegenheiten verhältnismäßig 
so gering, dafs er nicht anders glauben kann, als daß diese Merkurialbehandlung, 
bei welcher das fein zerteilte metallßche Quecksilber unter geeigneten Temperatur- 
Verhältnissen und sonstigen geeigneten Bedingungen über eine große Fläche aus¬ 
gebreitet, durch starke Verdunstung desselben wirkt, die Zukunft für sich hat 

C. Berliner-Aachen, 


Dermatologische Zeitschrift. 

Band V, Heft 5. 1898. 

I. Beitrag zur Kenntnis des „Rhinophyma“, von KaiEOBB-Charlottenburg. 
Nach einigen Bemerkungen über das Wesen des Rhinophyms beschreibt Verfasser 
einen Fall, um zu zeigen, daß derartige Geschwülste der Nase nicht immer benigner 
Natur sind, daß sie vielmehr einen malignen Charakter haben können. Es handelt 
sich um einen 57 Jahre alten Mann mit Carcinoma oesophagi und ausgedehnten 


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Metastasen in der Leber. An der Nasenspitze des Patienten sitzt ein Tumor, dessen 
Oberfläche sehr uneben ist, leichte, knollige Hervorwölbungen und stellenweise auch 
Einbuchtungen zeigt. Seine Konsistenz ist derb, die Farbe infolge reichlicher Gefafs- 
entwickelung dunkel blaurot Der Tumor ist gegen die Umgebung scharf begrenzt, 
nicht verschieblich, auf Druck nicht empfindlich. Nach den Angaben des Patienten 
besteht die Geschwulst seit ca. 6 Wochen und soll etwa 14 Tage später entstanden 
sein, als die ersten Anzeichen des Magenleidens sich gezeigt haben. Früher soll die 
Nase ganz normal gewesen sein. Die Frage, ob es sich im vorliegenden Falle um ein 
Bhinophym, Angiosarkom oder eine Metastase vom Osophaguscarcinom aus handelte, 
konnte erst, da eine Excision des Tumors bei Lebzeiten des Patienten nicht angängig 
war, nach eingetretenem Exitus letalis entschieden werden. Die mikroskopische 
Untersuchung stellte fest, dafs auch der Nasentumor zweifellos ein CHrcinom sei, nicht 
yon der Epidermis ausgehend, weil die Krebsnester erstens au keiner Stelle in das 
Stratum übergehen, zweitens die Zellen nicht den ausgesprochenen Charakter eines 
Cancroids darbieten. Dieses Carcinom erscheint vielmehr als eine subepidermoidal 
gelegene Metastase jenes Ösophaguskrebses, mit dem es sowohl morphologisch wie 
biologisch hinsichtlich seines Zellcharakters übereinstimmt. — Verfasser erörtert so¬ 
dann die Frage, wie die Metastase an jene periphere Stelle gelangt sei. Am plau¬ 
sibelsten und wahrscheinlichsten scheint ihm die Annahme, dafs eine direkte Über¬ 
tragung von der gleichzeitig bestehenden Lungenmetastase aus stattgefunden habe. 

II. Die Nierensyphilis, von J. J. KABvoNEN-Helsingfors. Die sehr umfang¬ 
reiche Arbeit, der ein aus dem pathologisch-anatomischen Institute des Prof. Hohen 
zu Helsingfors, aus Dr. Bendas Sektionsabteilung des städtischen Krankenhauses Urban 
zu Berlin, aus den Sammlungen des Senckenbe Röschen pathologisch-anatomischen 
Institutes zu Frankfurt a. M. und aus der Centralanstalt für Geisteskranke zu Helsing- 
fors stammendes Material zu Grunde gelegt ist, bringt zunächst einen historischen 
Überblick über die einschlägige Litteratur. Der Verfasser erörtert sodann die 
Diagnose der syphilitischen Nierenerkrankungen, beziehungsweise die 
Kriterien, welche eine Diagnose der Nierensyphilis möglich machen. Nach Mauriac 
sind wichtigste Vorbedingungen folgende: 1. Albuminurie und Anasarca; 2. Voran¬ 
gegangene Syphilis als prädominierende Ursache der Nephritis unter möglichstem 
Ausschlüsse anderer Ursachen; 3. Konkomitierende alte und frische syphilitische 
Manifestationen und besonders gleichzeitig bestehende syphilitische Erkrankung der 
Leber und der Milz; 4. Kurative Wirkung der spezifischen Behandlung, besonders 
mit Jodkalium. — Verfasser unterzieht diese Postulate Mauriacs einer kritischen 
Betrachtung, schliefst daran die Krankengeschichten zweier Fälle. Eherauf wird sehr 
eingehend unter Berücksichtigung der einschlägigen Litteratur die luetische Albu¬ 
minurie besprochen, und im Anschlufs daran werden einige Krankengeschichten aus 
der Privatpraxis des Verfassers mitgeteilt. — Anhangsweise erfahren die paroxys¬ 
male Hämoglobinurie und der Diabetes mellitus und insipidus im Gefolge der 
Syphilis eine kurze Erörterung. — Im folgenden stellt der Verfasser allgemeine Be 
Pachtungen über die Frequenz der luetischen Nierenerkrankungen an. 
Fortsetzung folgt.) 

UI. Über die Behandlung der Hautkrankheiten mit hochgespannten 
Wechselströmen, von Arthur STRAuss-Barmen. (Vortrag auf der 70. Vers, dtsch. 
Naturf. u. Ärzte zu Düsseldorf.) Die physiologischen Ergebnisse, welche d’Arsonval 
mit hochgespannten Wechselströmen, und die überaus günstigen Resultate, die Oudik 
bei der Behandlung von Hautkrankheiten mit dieser Methode erzielte, veranlafsten 
den Verfasser zu einer Nachprüfung derselben. Das hierzu nötige Instrumentarium 
wurde ihm von der Firma Reiniger, Gebbert & Schall in Erlangen bereitwilligst zur 


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Verfügung gestellt. Die Behandlung mit hochgespannten Wechselströmen erstreckte 
sich anf alle Fälle von Ekzem in den verschiedensten Stadien und Formen, Psoriasis 
von den leichtesten bis zu den schwersten Graden, Erythrasma, Pityriasis versicolor, 
Akne, Hyperidrosis, Ulcus cruris und Lupus. In den meisten dieser Krankheitsfälle 
konnte Verfasser, trotzdem die fast täglich vorgenommenen Sitzungen 5—10 Minuten 
dauerten, überhaupt keine günstige Einwirkung, im einzelnen sogar eine Ver¬ 
schlimmerung konstatieren, ein Besultat, das zu weiteren Versuchen nicht sehr auf 
muntert C. Berliner-Aachen. 


Dermatologisches Oentralblatt. 

Band II, No. 2. (November 1898.) 

Ein Fall von Leukonychia verbunden mit Koilonychia, von Lbo Forch- 
hedler. Den fünf in der Litteratur bekannten Fällen von Leukonychia reiht Ver¬ 
fasser einen weiteren an. Die 17jährige Patientin leidet seit ihrem 6. Lebensjahre 
an Nagel Veränderungen, die die beiden Zeigefinger, den 4. und 5. Finger und Daumen 
rechterseits betreffen. Diese Nägel sind fast in ganzer Ausdehnung matter, bläulich 
weifser, Milchglas ähnlicher Farbe; aufserdem erscheinen sie infolge einer Verdickung 
und eines Aufgeworfenseins der Bänder von vorne nach hinten und von einer 
Seite zur andern konkav. Von sonstigen Abnormitäten ist nur eine teilweise grau- 
weifse Verfärbung der Zähne zu finden. Die Farbe des Nagels besserte sich nach 
regelmäßigem Polieren desselben mit Stanni oxydat. 90,0, Carmin. 0,1 und Umlegen 
von Quecksilberpflastermull, nicht aber die Formveränderung. Die mikroskopische 
Untersuchung eigab einen enorm hohen Luftgehalt des Nagels, deren Ursache dunkel 
ist. Das Auftreten des Leidens in jungen Jahren legt die Vermutung nahe, daüs es 
sich um eine angeborene Anomalie, eine angeborene Schwäche des allgemeinen Körper- 
integnments handelt. Jessner-Königsberg i. Pr. 


Annales des m&l&dies des Organes gönito-nrinaires. 

1898. Heft 10. 

1. Über die Brauchbarkeit der neuen KOLLMANNschen Dilatations-Spül¬ 
apparate in der Behandlung der chronischen Blennorrhoe, von Hodara. Der 
Verfasser beschreibt an der Hand von Abbildungen die neuen KOLLMANNschen Appa¬ 
rate, die gleichzeitig Dilatation und Spülung der Urethra ermöglichen. Das für die 
Pars anterior bestimmte Instrument ist gerade; ein zweites Instrument hat die Krüm¬ 
mung einer DiTTELschen Sonde und erweitert sich in seinem geraden und in seinem 
gekrümmten Teile, so dafs die Pars anterior und die Pars posterior gleichzeitig dila- 
tiert und gespült werden. Diese Instrumente stellen nach Ansicht des Verfassers einen 
wesentlichen Fortschritt in der Behandlung der chronischen Blennorrhoe und der 
chronischen follikulären Prostatitis dar. Sie sind besonders vorteilhaft, wenn adhärente 
schleimig-eitrige Massen die Drüsenmündungen verstopfen; diese Massen werden durch 
die Dilatation gelockert und durch die gleichzeitige Spülung beseitigt, so daüs die nun¬ 
mehr klaffenden Drüsenkanäle medikamentöser Einwirkung zugänglich sind. Das 
Instrument darf nur eingeführt werden, wenn keinerlei akute Erscheinungen vor¬ 
handen sind, die Einführung geschieht je nach dem Grade der durch dieselbe bewirkten 
Reizung in Zwischenräumen von 5—10 Tagen. Zur Spülung wird sehr warme Bor¬ 
säure- oder Argentum nitricum-Lösung ( l /s—1:1000) verwendet; durch die Wärme 
der Lösung werden die Schmerzen, die manchmal infolge der Dilatation auftreten, fast 
ganz beseitigt. 


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2. Urininfiltration und Periurethritiden, von Escat. (Heft 9 und 10.) Der 
Verfasser weist darauf hin, dafs die althergebrachte mechanische Theorie der Urin¬ 
infiltration die mannigfaltigen periurethralen Krankheitserscheinungen nicht erklären 
kann. Man mufs diese Erscheinungen vielmehr als die verschiedenen Stufen einer 
von der Urethra ausgehenden Infektion betrachten; dann erscheinen die verschiedenen 
Formen der Periurethritis als einheitliches, nur in ihren einzelnen Symptomen ver¬ 
schiedenes Krankheitsbild. Die Urininfiltration spielt nur eine sekundäre Rolle. — 
Die periurethralen Infektionen sind circumscript oder diffus, akut, subakut oder 
chronisch, sie treten ganz plötzlich und stürmisch oder langsam und abgeschwächt 
auf; sie lassen sich in drei Gruppen einteilen: die sklerotische, die phlegmonöse und 
die gangränöse. — Die gangränöse Form kann ohne jede Eiterung zu stände kommen. 
Sie wird nicht durch einen spezifischen Mikroorganismus bewirkt, sondern durch ver¬ 
schiedenartige Bakterien, die sich in der Schleimhaut des Urogenitalapparates oder 
im infizierten Urin finden. Sie kann primär auftreten oder zu einer bestehenden 
chronischen Krankheit hinzutreten. Sie zeigt sich manchmal nur in der Schleimhaut 
der Urethra, manchmal auch in den Genitalien (Penis, Scrotum), ohne dafs die Ein¬ 
gangspforte oder der gemachte Weg festgestellt werden kann. Waren vorher schon 
pathologische Veränderungen in der Urethra vorhanden, so kann die Gangrän aus¬ 
gedehnte Perforationen bewirken; die Folge davon ist dann Urininfiltration. Die 
Ansicht, dafs eine erweiterte Urethra unter dem Einflufs der Blasenkontraktionen 
hinter der vorhandenen Striktur zerreifst, ist falsch; die wirkliche Ursache der Per¬ 
foration ist stets die Gangrän. — Die unter dem Namen Urininfiltration beschriebenen 
Erscheinungen sind unabhängig von jeder Perforation wie von jeder vorhergehenden 
Veränderung der Urethra, sowie von den Kontraktionen der Blase. Diese Erschei¬ 
nungen sind in der That nichts anderes, als eine Periurethritis, die ausschliefslich 
durch Infektion hervorgerufen wird. Die Infektion kann ohne ersichtliche Ursache 
eintreten, oder sie kann einer Sondierung, einem chirurgischen Eingriff, besonders 
der Elektrolyse, einer Ruptur der Urethra folgen. Der durch die Infektion bewirkte 
periurethrale Entzündungsprozefs verursacht seinerseits oft Urinretention, Ausdehnung 
der Blase und Verlust der Blasenkontraktilität, so dafs häufig trotz tiefer perinealen 
Incision eine Dauersonde eingeführt werden mufs. Die wirkliche Urininfiltration 
kommt erst in zweiter Linie; sie tritt nur als Folgeerscheinung einer akuten oder 
chronischen Periurethritis auf; sie kann zu einer diffusen periurethralen Phlegmone 
hinzu treten, die am Anfang eine Pseudoinfiltration darstellt. Am häufigsten tritt eine 
wirkliche Urininfiltration bei der Gangrän der verengten Urethra auf. — Die unter 
der Bezeichnung Urininfiltration der oberen perinealen Schicht beschriebene Form ist 
nichts anderes als eine diffuse gangränöse Phlegmone, eine Form von Zellengewebs- 
entzündung des Beckens. — Geht eine Infektion von dem hinter der Pars membranacea 
gelegenen Teile der Urethra aus, so bewirkt die folgende Periurethritis eine förmliche 
Lospräparierung der Urethra und befällt auch die oberflächliche perineale Schicht. 
Periurethrale Herde hinter der Pars membranacea und in der oberflächlichen peri¬ 
nealen Schicht brechen am häufigsten in das Rectum durch. — Die Therapie der 
Periurethritis ist natürlich eine rein chirurgische und zwar mufs möglichst frühzeitig 
incidiert werden. Die Operation mit dem Messer zieht der Verfasser der Anwendung 
des Thermokauters vor. Die Incision mufs sehr groß gemacht werden, sie mufs über 
die ganze infiltrierte Gegend gehen. Dann mufs der primäre Herd gesucht und 
eventuell vorhandene Bindegewebsstränge beseitigt werden. Auch seitliche Incisionen 
sind oft nötig. Entleert sich die Blase nach der Incision nicht von selbst, so ist die 
Anlegung einer Dauersonde nötig; eventuell ist sogar die Urethrotomie und im äußer¬ 
sten Falle die Cystotomie indiziert. Götz-München . 


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Journal of cntaneons and genito-urinary diseases. 

Oktober 1898. 

I. Lupus erythematosus, von James C. White. (Vergl. den Originalartikel in 
dieser Zeitschrift. Bd. XXVII. pag. 333.) 

n. Die Behandlung des Lupus erythematosus, von P. G. Unna - Hamburg. 
Eine allgemein anerkannte, notwendig aus der Natur der Krankheit selbst hervor¬ 
gehende Behandlungsmethode kann es nicht geben, solange wir über die Pathogenese 
der Affektion noch ganz und gar im unklaren sind. Vielleicht gelingt es jedoch auf 
der Basis der Histopathologie des Lupus erythematosus, die neuerdings so gründlich 
studiert worden ist und eine so klare Definition der Krankheit ermöglicht hat, eine 
erfolgreichere Therapie aufzubauen, als es die bisherige, zumeist rein empirische 
gewesen ist. — Das histologische Bild des Lupus erythematosus zeigt als Haupt¬ 
merkmale auf der einen Seite außerordentlich trockene, hyperkeratotische Epidermis 
mit hornigen, in die Tiefe eindringenden, lange Zeit irrtümlich für Komedonen an¬ 
gesehenen Fortsätzen, auf der anderen Seite zeigt die Cutis Dilatationen der Lymph- 
raume und Lymphkanäle, entzündliche Hyperämie und ödem des Papillarkörpers. 
Die Therapie wird diese beiden scheinbar kontrastierenden Zustände wohl berück¬ 
sichtigen und solche Mittel wählen, welche eine entzündete, ödematöse Stelle in einen 
blassen, trockenen, nicht entzündlichen Hautzustand überführen und zweitens als 
Hauptgrundsatz, der häufig genug vernachlässigt wird, sorgfältig jede Mafsnahme, 
welche eine entzündliche Hyperämie und Ödem hervorrufen könnte, vermeiden. — 
Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet der Vortragende zunächst die interne 
Behandlung des Lupus erythematosus. Man kann die internen Mittel in zwei Gruppen 
einteilen: 1. Die erste umfafst jene Mittel, welche einen günstigen Einfluß auf die 
schädigende Gefäfsparese des Gesichts ausüben, wie die Alkalien, Ichthyol, Natrium 
salicylicuro, Ergotin etc. 2. Der zweiten gehören jene Medikamente an, welchen 
eine nicht leicht definierbare spezifische Wirkung zugeschrieben worden ist, wie der 
Phosphor (Bulklbt), das Salicylin (Crogkbb), Tuberkulin, Jodkalium, Arsenik u. a. 
Mit Jodpräparaten und Arsenik hat der Vortragende nur negative Besultate erzielt, 
wahrend er von Tuberkulin zwar gute Effekte, aber keine vollständige Heilung gesehen 
hat. Mit Phosphor und Salicylin hat er keine therapeutischen Versuche gemacht. 
Ichthyol, Natrium salicylicum, Ammoniumcarbonat wirkten gut. Doch kann von 
keinem der erwähnten Mittel gesagt werden, dafs es ohne Unterstützung durch eine 
externe Therapie irgend eine Heilung erzielt habe. Dagegen sind viele Fälle sicher 
durch die äußeren Applikationen geheilt worden. — Der Verfasser teilt die äußeren 
Mittel in folgende Gruppen: I. Austrocknende: a) Puder, b) Pasten, c) Waschungan. 
H. Komprimierende: a) Collodium, b) Gelanthum, c) Zinkleim. III. Antihyper- 
ämische: a) Pflastermulle oder Pasten, b) feuchte Verbände, c) kalte Umschläge, 
d)schwach anätzende. IV. Nekrotisierende: A. Schälmittel: a) Salicylseifenpflaster- 
muH, Salicyl-CannabispflastermuU, b) Salicyl Collodium, c) Besorcinschälpaste; B. Ul- 
cerative Mittel. V. Entzündungserregende Mittel. VI. Spezifische? — Die den ver¬ 
schiedenen Gruppen zugehörigen Mittel werden ausführlich besprochen. Die erste 
Frage für den behandelnden Arzt ist nach Feststellung der Diagnose, ob man es mit 
einem irritablen oder indolenten Falle von Lupus erythematosus zu thun habe. Irri¬ 
table Fälle sind im allgemeinen diejenigen, bei welchen die Wangen, Nase, Augen¬ 
lider und Handrücken befallen, nur schwach hyperkeratotisch, geschwollen und von 
dunkelroter Farbe sind. Bei den indolenten Fällen sind Kopfhaut, seitliche Teile des 
Gesichts und des Halses und die übrigen Körperteile befallen. Neben dem Sitz der 
Krankheit spielt die individuelle Toleranz der Patienten gegen die verschiedenen 
Mittel eine sehr wichtige Bolle bei der Behandlung. Auf alle Fälle thut man gut, 


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im Beginn milde Mittel anzuwenden und nicht eher za stärkeren überzugehen, als bis 
die ersteren sich als za schwach erwiesen haben. Deshalb handelt der Arzt nie un¬ 
recht, wenn er mit Bleiwasseramschlägen anfängt. 

III. Was sollen wir unter Ekzem verstehen? von Malcolm Mobeis London. 
Ist das Ekzem eine Krankheit oder nur ein Name? Handelt es sich um einen beson¬ 
deren Prozefs, der in seiner Entwickelung bestimmten Gesetzen folgt und sich durch 
charakteristische Merkmale äußert, oder um einen pathologischen Ausdruck, mit dem 
man die Resultate einiger verschiedener Formen von krankhafter Aktion andeuten will? 

— Um eine einigermaßen befriedigende Lösung des Problems zu finden, hält es Ver¬ 
fasser für notwendig, zunächst eine Definition von dem Worte „Ekzem 11 zu geben. 
„Es ist eine katarrhalische Entzündung der Haut, welche ohne sichtbaren, äufseren 
Reiz entsteht und in gewissen Stadien ihrer Entwickelung durch eine seröse Exsuda¬ 
tion charakterisiert ist. tt Über das Wesen und die Ursache der Krankheit gehen 
die Ansichten der Autoren auseinander. Ältere, wie Batbman, sprechen von inneren 
und äußeren Reizen, andere, namentlich französische, unter ihnen an der Spitze 
Bazin, halten das Ekzem als den Ausdruck verschiedener konstitutioneller Zustände, 
der Scrophulose, des Arthritßmus, Herpetismus etc. Auf dem entgegengesetzten Stand¬ 
punkt stehen die Dermatologen, welche mit Hebra das Ekzem lediglich aß Effekt 
eines äußeren, lokalen Reizes ansehen. Gegenwärtig halten viele Dermatologen, an 
ihrer Spitze Unna, das Ekzem für eine parasitäre Krankheit. Unna fand Parasiten, 
die er spezifisch für die Entstehung sowohl des vesikulösen wie des seborrhoischen 
Ekzems ansieht, und die er „Morokokken“, „Flaschenbacillen“ genannt hat. — Ver¬ 
fasser hält es für erwiesen, daß Parasiten im stände sind, Ekzem hervorzurufen, und 
für sehr wahrscheinlich, daß das Ekzem eine parasitäre Krankheit sei. Aber ob der 
Morococcus oder irgend ein anderer Parasit oder vielleicht eine Kombination von 
Parasiten die thatsächliche Ursache des Leidens sei, könne er nicht für abgemacht 
ansehen. In jedem Falle muß der Parasit einen geeigneten Boden für seine Entr 
Wickelung haben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß prädisponierende Zustände der 
Haut dem Entstehen des Ekzems Vorschub leisten. Ebenso steht es fest, daß in einer 
nicht geringen Anzahl von Fällen das „Ekzem“ sich auf einer scheinbar völlig ge. 
sunden Haut unter dem Einflüsse nervöser Faktoren entwickelt. — Die 
Frage, ob das Ekzem hereditär sei, findet ihre Erledigung in der Annahme, daß 
nicht die Krankheit direkt, sondern nur die Prädisposition für dieselbe ererbt werde. 

— Eine Beziehung des Allgemeinbefindens zum Ekzem besteht nach der 
Ansicht des Verfassers nur insoweit, als konstitutionelle Erkrankungen, wie Gicht, 
Diabetes, einen schon exßtierenden ekzematösen Zustand verschlimmern oder der 
Therapie schwerer zugänglich machen können. Umgekehrt stört das Ekzem das 
Allgemeinbefinden nur indirekt, indem das Jucken Schlaflosigkeit, psychische Depression 
hervorrufen kann. — Was soll man also unter Ekzem verstehen? Eine 
Krankheit, deren hauptsächlichstes klinisches Merkmal in der unbestimmten Varietät 
der Efflorescenzen besteht, die sich unter der Einwirkung von Parasiten auf einer 
wenig widerstandsfähigen, hierzu prädisponierten Haut entwickelt, bisweilen durch 
gleichzeitig bestehende Gicht oder andere konstitutionelle Krankheiten sich ver¬ 
schlimmert, dagegen keine direkte Beziehung zum Allgemeinbefinden hat. 

November 1898. 

I. Ein Fall von Porokeratosis, von G. W. Wbnqe - Buffalo. Nach einem 
kurzen Überblick über die einschlägige Litteratur giebt Verfasser an der Hand der 
selben eine Beschreibung der Affektion und teilt im Anschluß daran die Kranken¬ 
geschichte eines Falles mit, der eine 45jährige, starke, sonst gesunde, brünette, erb- 


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lieh nicht belastete Frau betraf. Die Affektion begann vor fünf Jahren mit einer 
kleinen, rauhen, schuppigen Plaque auf der Dorsalseite der linken Hand und zwar 
in der Interdigitalfalte zwischen Zeigefinger und Daumen. Unter peripherischem 
Wachsen gewann die Stelle das Aussehen einer erbsengrofsen Warze, die lange Zeit 
hinsichtlich ihrer Dimensionen keine Veränderung zeigte, dagegen auf die leisesten 
Beize exeoriierte und Schmerzen verursachte. Nach einem Jahre nahm das Gewächs 
plötzlich einen ganz anderen Charakter an, indem es durch einen schuppigen, deut¬ 
lich begrenzten Ring ersetzt wurde, der gröfse Neigung zu peripherischer Ausbreitung 
zeigte. In den letzten zwei Jahren hatten sich am Vorderarme neue ähnliche Plaques 
entwickelt. Die die affizierten Partien umgebende Haut war zeitweilig blafs und 
ödematös geschwollen, eine Erscheinung, die ebenso plötzlich auftrat, wie sie ver¬ 
schwand. Eigentümlich war ferner das intensive Jucken, so oft die Hand mit Wasser 
besonders warmem, in Kontakt kam. Die inneren Organe waren gesund. — Der 
gegenwärtige Status der zuerst befallenen Stelle an der Dorsalfläche der linken Hand 
entpricht ganz dem Bilde der Porokeratosis, wie es Mibelli und Respighi beschrieben 
haben. Die Stelle mifst im längstem Durchmesser 6 cm, im kürzesten 3,5 cm; sie 
bat die Gestalt eines Rhomboids, normale Hautfarbe und ist von einem zickzack- 
förmigen Rande begrenzt, der die charakteristischen Merkmale der Affektion darbietet. 
Er ist erhaben, rissig, hornig und unnachgiebig. Die befallene Partie zeigt unver¬ 
änderliche Anidrosis und Asteatosis der Oberfläche. — In fünf Hautstüokchen, welche 
zom Zwecke der mikroskopischen Untersuchung von dem Rande der porokeratotischen 
Stelle entfernt worden waren, konnten die charakteristischen, histopathologischen 
Merkmale deutlich nachgewiesen, Mikroorganismen werden, die als Krankheitserreger an¬ 
gesehen werden könnten, wurden nicht gefunden. 

II. Hydroa vacciniforme? von James C. White. Der Verfasser beschreibt 
vier Kille, welche in ihren klinischen Erscheinungen der Beschreibung der Hydroa 
vacciniforme Bazü? oder der von Hutchinson (1888) und von Berliner (1890) 
beschriebenen Sommereruption sive Eruptio aestivalis bullosa entsprechen, welche 
sich jedoch durch einzelne wesentliche Merkmale von den bisher in der Litteratur 
publizierten Fällen (vergl. Mibellis Litteraturangabe) unterscheiden. In dem einen 
Falle des Verfassers kam der Krankheitsprozefs in 10 aufeinanderfolgenden Jahren 
während der Sommermonate zum Stillstand, in dem anderen dauerte er das ganze 
Jahr hindurch an und war weder durch die Sonnenstrahlen noch durch das Wetter 
vorwiegend beeinflufst. Diese beiden Fälle zeichneten sich ferner aus durch die 
gröfse Ausdehnung der Haut Veränderungen, durch die Gröfse und lange Dauer der 
einzelnen Efflorescenzen, durch die Gröfse der nachfolgenden Narben und die aufser- 
ordentliche Entstellung des Gesichts. — Verfasser hält es mit Rücksicht auf diese 
exceptionellen Erscheinungen nicht für leicht, die Fälle zwanglos irgend einer Gruppe 
von Dermatosen einzureihen. — In drei Fällen war eine mikroskopische Untersuchung 
des Blutes und des Blaseninhaltes vorgenommen worden. Immer zeigten sich die 
eosinophilen Zellen stark vermehrt. 

HL Über den Gebrauch von Urotropin bei Pynrie, von G. E. Brewer- 
New York. L. Casper, Nioolaier, Citron u. a. haben auf den antiseptischen Wert 
des Urotropins bei Krankheiten der Harnwege hingewiesen. Der Verfasser hat die 
Wirkung in drei Fällen erprobt. Fall 1 betraf einen 58jährigen Mann mit chronischer 
follikulärer Prostatitis und gelegentlichen Exacerbationen einer Urethritis posterior 
und Pyelitis. Die Behandlung mit täglichen Irrigationen der Urethra und Blase, mit 
Massage der Prostata und tiefen Injektionen von Höllensteinlösung hatte nur wenig 
Erfolg, während Urotropin in Dosen von 1 g dreimal täglich innerhalb weniger Tage 
vollständige Klärung des Urins herbeiführte und das Eiweifs in demselben zum 


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Schwinden brachte. — In dem zweiten Falle wurde unter derselben Urotropinbehand¬ 
lung nach 48 Stunden der trübe Urin klar und begann sich wieder zu trüben, als 
der Gebrauch des Urotropins suspendiert wurde. 

IV. Ein Fall Ton Haut-Myom, von M. Hsazoo-Chicago. Kaum ein Dutzend 
Fälle von Haut-Myom sind in der Litt erat ur publiziert Verfasser ist in der Lage, zu 
der spärlichen Zahl einen weiteren Fall hinzuzufügen. Das in Bede stehende Myom 
wurde einem etwa 50 Jahre alten Manne von der Wange entfernt Der Tumor hatte 
ungefähr 1 cm Durchmesser, war nur langsam gewachsen, die Haut über demselben 
war nicht verschiebbar. Auf Druck zeigte sich die Geschwulst empfindlich. — Die 
histologische Untersuchung ergab, dafs der kleine Tumor hauptsächlich aus unwill¬ 
kürlichen glatten Muskelfasern bestand, die zu Bündeln vereinigt waren und nach 
verschiedenen Richtungen verliefen, ln einer Anzahl von Schnitten liefs sich nach- 
weisen, dafs die Zellen des Neoplasmas ihren Ursprung von den Arrectores pilorum 
nahmen. Das Myom enthielt auch reichlich elastische Fasern im Gegensatz zu anderen 
Myomen, bei denen dieselben fehlten oder in geringer Zahl vorhanden waren. 

C. Berliner-Aachen. 


American Journal of Dermatology and Genito-Urin&ry Diseases. 

Band II, Heft 2 (Juni 1898). 

I. Präcolumbische Lepra. (Aus den Debatten der Berl. Anthropol. Gesellsch. 
16. Okt., 20. Nov. u. 18. Dez. 1897.) Die Spanier fanden bei der Entdeckung 
Amerikas unter den Eingeborenen Lepra nicht vor, obwohl sie gut mit dem Krank¬ 
heitsbild vertraut waren. Jedoch starb der Eroberer Columbias Ximenes de Quesads 
an der von den dortigen Einheimischen erworbenen Lepra. Nach anderen Quellen holte 
er sich diese Krankheit jedoch zusammen mit einer Lues auf einem in Spanien ver¬ 
brachten Urlaub von mehreren Jahren. Aufserdem fand sich Lepra niemals unter der 
reinen, wild lebenden einheimischen Bevölkerung, die mit Europäern nie im Verkehr 
gestanden hatte. Auf den ViRCHOwschen Thongefafsen fehlt wohl Oberlippe und 
Nase, ja beide Füfse, nie aber auch nur ein Finger. Wären diese Erscheinungen auf 
Lepra zu deuten, so müfsten wohl bei so starker Mutilation die Hände auch ergriffen 
sein. Nach Carrasquilla sind diese Verstümmelungen Strafen für Verbrecher ge¬ 
wesen, was bei der berüchtigt grausamen Rechtspflege der alten Peruaner wohl 
denkbar ist. Alles das spricht gegen das Vorhandensein präcolumbischen Aussatzes 
in Amerika. (Polakowski.) — Andererseits wird das Bestehen solcher Strafen im 
alten Peru auf Grund zahlreicher Quellenstudien geleugnet, (v. d. Steinen). — 
Ximenes de la EsPADA-Madrid, der beste Kenner des alten Peru, erklärt die Er¬ 
scheinungen für Symptome der „Llaga“ oder „Hutta", eines lupusähnlichen Leidens. 

n. Urethritis der Pars posterior, von HANDLY-Nashville. Die hintere Harn¬ 
röhre wird nach Verfasser bei 50—-90% aller Blennorrhoen ergriffen. Besprechung 
von Symptomatologie und Therapie eröffnet keinerlei neue Gesichtspunkte. 

III. Behandlung der Acne indurata, von ENGMAN-St. Louis. Die Indikationen 
für eine Behandlung der Akne sind: 1. Diät, Ausarbeitung, Ruhe, Hygiene. 2. Al* 
kalien und Stimulantien für die Leber und die Drüsen. 3. Sorge für geregelte Ver¬ 
dauung. 4. Darmdesinfektion. 5. Lokalbehandlung. Von den Alkalien sind Natrium, 
phosphat und -bicarbonat zu nennen. Als Stimulantien für die Leber sind Podophyllin 
und Kalomel, für die Darmdrüsen Alkalien, Ipecacuanha und Nux vomica von Wert. 
Die Verdauung regelt man durch Massage, Arbeit, Elektrizität, reichlichen Wasser- 
genufs und salinische Laxantien, auf die Aloe, Belladonna und Strychnin folgen sollen. 
Zur Desinfektion der Därme empfiehlt Verfasser das Guqacolcarbonat, Kalomel und 


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Leberthran. — Lokalbehandlung: Drei- bis viermal täglioh kalte Waschungen des 
Gesichts, dabei abreiben. Danach eine Salbe von 2—8°/o Schwefel und 10—25% 
Tannin, oder Eesorcin in 2— 3%igen Salben oder Lösungen, auch bei kleineren 
Flachen schwache Merkurpräparate. Helftes Wasser soll man nie zum Waschen 
nehmen, die Knoten und Pusteln nur incidieren, wenn sie aufzugehen drohen; sonst 
bilden sich leicht Narben. 

IV. Eisen als therapeutisches Httlfsmittel bei Syphilis, von Philipps- 
St Louis. Verfasser empfiehlt, ohne etwas Neues zu bringen, Eisenpräparate, besonders 
Oudcs Eisenmanganpepton gegen die bei Lues so häufig nebenbei bestehende Anämie. 

V. Multiple benigne cystische Epitheliome, von Dteb-Now Orleans. Bei 
einem 56 jährigen Manne beobachtete Verfasser dies seltener vorkommende Krankheits¬ 
bild. Besonders bemerkenswert ist die Ausbreitung. Brust, Bücken, Hals und 
Gesicht, letzteres hauptsächlich sind befallen. Der Patient leidet schon seit 18 Jahren 
tn der Krankheit Die ersten Zeichen waren stets schuppende Flecke. Das Allgemein¬ 
befinden blieb dabei stets vortrefflich. Die subjektiven Symptome sind geringer. 
Ent die Zunahme an Umfang und Zahl machen den Patienten aufmerksam und ver¬ 
anlassen ihn sich behandeln zu lassen. Verfassers Patient war schon mehrfaoh mit 
dem Thermokauter behandelt worden; manche der cystischen Tumoren hatten sich 
auch allein ivolviert. Immer waren atrophische Narben die Folge. Augenblicklich 
bestehen über fünfzig solcher Tumoren, die sich teils um die Talg- und Schweifs- 
drusen, teils rein epidermoidal entwickeln. Die histologische Untersuchung ergab die 
Diagnose cystische Epitheliome, für deren Gutartigkeit der klinische Verlauf sprach. 
Dis Behandlung bestand nur in Anwendung einer 3% igen Ichthyolsalbe, um septische 
Infektionen zu verhindern. 

VU. Sexuelles Unglück (wird referiert werden, wenn vollständig erschienen). 

Band II, Heft 3 (Juli 1898). 

I. Nässendes Ekzem der Glans penis, von Gottheil-Ncw York. So häufig 
wie Balanitis ist, so selten ist reines Ekzem der Eichel. Einen dieser seltenen Fälle 
bsschreibt der Verfasser bei einem 36jährigen Arbeitsmann, der im übrigen ganz 
gesund, seit zwei Jahren an dieser Affektion leidet, obwohl er eine ganze Anzahl 
Dermatologen um Bat gefragt hat. Der Beginn wurde durch ein kleines Bläschen 
gemacht, das platzte, abheilte und einen immer gröfser werdenden roten Hof hinter- 
liefs, der scbliefslich die ganze Eichel ergriff. Die Absonderung, klar, serös, ist so 
enorm, dafs Hemd und Beinkleider oft durchnälst werden. Die Affektion schneidet 
mit dem Sulcus scharf ab. Verfasser fand keinen Zucker im Urin, auch sonst, wenn 
man von Nervosität absieht, keine direkte Ursache, die die lange Dauer der Krank¬ 
heit erklärt hätte. Vorübergehende Besserung durch Atropin und Belladonna sub- 
cutan, sonst keinerlei therapeutischer Erfolg zu erzielen. 

II. Blennorrhoische Lymph&ngltis, von Phillips -St. Louis. Der Artikel er¬ 
zählt nur von längst Bekanntem und bringt nichts Neues. 

HL Präcolumbizclie Lepra, von Ashmexd. Mit wenigen Worten kommt Ver¬ 
fasser nochmals auf die genugsam besprochenen altperuanischen Thongefafse zurfick, 
die auf der Berliner Leprakonferenz schon eine Rolle spielten, und kommt zu dem 
Schlafs, dafs sie, mögen auoh die Verletzungen auf den Vasen Läsionen infolge Lues, 
Lupus oder peruanische Strafen andeuten, ihrer Morphologie nach keinesfalls lepröser 
Natur sein können. 

IV. Ein Fall von Oystentnmor des Samenstrangs, von Johnson -Wittieb. 
Der Fall betrifft einen 30jährigen Mann, der seit 14 Jahren an einem Bruch litt, der 
stets reponibel war und durch eine Bandage zurückgehalten wurde. Bei der Arbeit 
Monatsaefte. XXVIII. 4 


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trat eines Tages die Hernie unter dem Bruchband heraus und Patient, der bis dahin 
im Liegen den Bruch stets reponieren konnte, vermochte dies nicht mehr. Erst nach 
etwa 48 Stunden erfolgte die Operation durch den Verfasser, der einen cystischen 
Tumor des Samenstrangs vorfand, den er wegen starker Verwachsungen mit dem 
einen Hoden zusammen entfernen muüste. Heilung in 12 Tagen. 

V. Akute BKiOHTsche Nierenentzündung bei einem 3jährlgen Kinde, von 
GBEBNLEY-Meadow Lawn. Der vorliegende Fall zeigt eine akute BniGHTSche Nieren¬ 
entzündung mit Hämaturie und CHEYNE-STOKSsschem Atmen bei einem 3jährigen 
Kinde, ohne dafs irgendwelche Infektionskrankheit, wie Scharlach, vorausgegangen 
war. Obwohl die allgemeinen Ödeme und der Blutgehalt des Urins in weniger denn 
48 Stunden verschwanden, auch die Hautdrüsen gut zu funktionieren begannen, starb 
das Kind doch an Herzschwäche. 

VI. Behandlung der Anämie bei Lues und ihrer Folgen, von George Howard 
Thompson. Der Verfasser überschätzt die Häufigkeit und Wichtigkeit der Anämie 
bei Lues entschieden, wenn er glaubt, dafs sie allein die Ursache schwerer Allgemein- 
erkrankungen darstellt. Einer neben der Merkurbehandlung einhergehenden Therapie 
der Anämie der Syphilitischen wird jedermann das Wort reden. Thompson, der, 
wenn ihn Referent recht versteht, überhaupt durch frühzeitige Allgemeinbehandluog 
das Ausbrechen der sekundären und tertiären Erscheinungen verhindern will, schlägt 
zur Behandlung der Anämie bei Syphilitikern ein Präparat „Hernaboloids tf vor, das 
aus Nucleoalbumin, Fleischpepton und^noobeainackteztrakt besteht. Drei (!) Kranken¬ 
geschichten werden als Beweis füg äßQÜtzM J££)feNinarat8 angeführt. 

VII. Beitrag zur Blenno^pe-TlWÄßier vonQ^oGFORD-Mexico. Bbidgford 

bat eine eigene Methode zur Behandlung der einfachen^Blpnnorrhoe. Zuerst läftt er 
sechs Tage lang nur heifses Wasse^Q^fi&eil$00nten iajizieren. Die Heifswasser- 
injektionen sollen nicht nur gattreinigen, die akute Entimdung her absetzen und die 
Schmerzen lindern, sondern überhaupt in UlNffi 3lad4|nd^r Erkrankung von günstigem 
Einflufs sein. Vom 7. Tage an »gb edtalls heifse Kaliumpermanganat 

ausspülungen, dann läfst er zum heifsen Wasser zurückkehren, dem er auf dem Fufse 
eine Injektion von Zinksulfatlösung in Rosenwasser xhit Hydrastiszusatz folgen läfst. 
Gegen die schmerzhaften Miktionen empfiehlt Verfasser, vorher einige Tropfen einer 
4%igen Kokainlösung in die Urethra zu bringen. Jeden zweiten Tag eine Flasche 
Magnesiacitratlösung prophylaktisch für die Blase. 

VIII. Akne, von Martin. Nach einem Überblick über die verschiedenen Akne, 

arten, die in ihrer Gesamtheit ein Siebentel aller Hautkrankheiten ausmachen, aus 
deren Reihe man aber, wie der diesjährige Dermatologenkongrefs gezeigt hat, eine 
Anzahl von Dermatosen ausschliefsen mufs, die den Namen Akne mit Unrecht tragen* 
wendet sich Verfasser zur Ätiologie, über die auoh noch nicht endgültige Überein¬ 
stimmung herrscht. Wer Unnas Mikroorganismentheorie huldigt, wird die Akne mit 
antiseptischen und baktericiden Mitteln angreifen; wer sie für eine Folge allgemeiner 
Entwickelungsverhältnisse hält, wird auf diätetische Mittel mehr Wert legen. Martin 
steht auf letzterem Standpunkt und fordert eine lokale und konstitutionelle Behand¬ 
lung. Innerlich Arsen, Eisen, Strychnin, Aloe-Ergotinpillen, eventuell Beseitigung 
gleichzeitig bestehender Leiden. Antiseptische Seifenwaschungen mit heifsem Wasser, 
Ausdrücken der Komedonen, eventuell Incisionen der Pusteln. Ferner Schwefel' 
und Sublimatsalben. E. Hopf-Dresden . 


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fiü^erbe|>re^mtgett. 

Zur Lehre von der Syphilis congenita, von Prof. Oedmansson. (Ergänzungs¬ 
heft za Nord. mecL Ärkiv 1897. Stockholm 1898.) Als Grundlage dieser haupt¬ 
sächlich statistischen Arbeit dient das vom Verfasser seit 1870 (incl.) gesammelte 
Hospitalsmaterial, vervollständigt durch Obduktionen von Kinderleichen (auch von 
Aborten und Placentae), welche ihm von der Entbindungsanstalt in Stockholm über¬ 
lassen sind. Nach Auslese hierher gehöriger Fälle umfafst das Material 343 Fälle 
mit 345 Kindern (2 Zwillingspaare), welche in 4 Abteilungen geordnet und behandelt 
sind, je nachdem I) die Mutter vor der Konception an Syphilis litt, II) gleichzeitig 
mit der Konception, oder III) während der Schwangerschaft angesteckt wurde. In 
einigen Fällen hatte IV) das Kind Syphilis congenita, wogegen die Mutter Syphilis 
leugnete, die auch nicht mit Sicherheit konstatiert werden konnte. — Hierauf folgt 
eine kürzere Zusammenfassung der wichtigeren Untersuchungsresultate und endlich 
eine Beilage, alle Fälle in gedrängter Form zusammenfassend. Dadurch, dafs Ver¬ 
fasser als Regel die Untersuchungen und Obduktionen selbst vorgenommen hat, hat 
er ein so homogenes Material wie möglich geschaffen. 

Die Gröfse und der Detailreichtum der Abhandlung gestattet nur einige der 
wesentlichsten Resultate hervorzuziehen. Zur Abteilung I gehören 110 Mütter und 
Kinder, zur Abteilung II 44, zur Abteilung III 174 Mütter und 176 Kinder und zur 
Abteilung IV 15 Mütter und Kinder. Von den Kindern waren in den resp. Abtei¬ 
lungen: 20, 18, 38, (0) totgeboren (Aborte); 13, 6, 25 und 4 nicht ausgetragen, schwach 
oder boten bei der Geburt syphilitische Symptome dar; 54, 7, 70 und 11 bekamen 
Syphilis während der Beobachtungszeit; 23, 13, 43, (0) hielten sich symptomenfrei 
während dieser Zeit, die, soweit möglich, niemals weniger als drei Monate betrug. 
Bei der Entlassung waren in den resp. Abteilungen 48, 13, 64 und 6 symptomenfrei'; 
10, 2, 6 und 2 gebessert und 32, 11, 68 und 7 gestorben. Die Kindersterblichkeit 
war dann 56,7%, aber 63%, wenn die nach der Entlassung gestorbenen mitgerechnet 
werden, worüber man doch nur für eine Minderzahl Erläuterungen findet; die Sterb¬ 
lichkeit der manifest syphilitischen Kinder betrug 57%. Wenn die Infektion der 
Mutter mehr als drei Jahre vor der Konception zurück lag, oder wenn sie in den 
letztem vier Graviditätsmonaten eintraf, trat die Syphilis beim Embryo in der Regel 
in leichteren Formen auf und blieb oft aus. Im Gegensatz zu Foubnieb findet Ver¬ 
fasser, dafs postkonceptionelle Syphilis beim Kinde mindestens eben so schwer und 
tödlich verläuft, wie Foubxiers hereditäre Syphilis sensu strictiore, wo die Mutter 
vor der Konception an Syphilis gelitten hat; in beiden Fällen beruht, im allge¬ 
meinen betrachtet, der Ausgang vorzugsweise auf dem Zeitverlauf zwischen der Kon¬ 
ception und Infektion der Mutter, keineswegs allein darauf, ob diese Infektion vor 
oder nach der Konception eintrifft. 

Der Zeitpunkt des Eintretens des Aborts und die Verhältnisse bei demselben 
werden näher erwähnt, ebenso wie die Ursachen desselben, unter welchen Verfasser 
detailliert behandelt die Vorgefundenen pathologischen Prozesse in der Placenta und 
den möglichen Einflufs der Behandlung in einzelnen Fällen durch Vergiftung des 
Embryo (durch Injektion unlöslicher Hg-Verbin düngen). — Von den 44 nicht aus¬ 
getragenen, schwachen oder mit Syphilis geborenen Kindern (Abteilung I, II und III) 
waren 5 nicht ausgetragen, aber doch lebensfähig; nur 1 von diesen bekam keine 

4* 


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Symptome von Syphilis wahrend der Beobachtnngszeit (mehr als drei Monate); 30 
waren nicht ausgetragen und nicht lebenslähig; 22 von diesen starben im Laufe 
der ersten drei Wochen, die übrigen später (ein einzelnes erst im zehnten Monate); 
endlioh litten 9 an Syphilis schon bei der Geburt; 8 von diesen starben binnen zwei 
Monaten, nur eines wurde symptomenfrei entlassen. 

Mit Bücksicht auf den Zeitpunkt des Auftretens der Syphilis bei den ausge- 
tragenen Kindern, welche erst nach der Geburt Symptome der Krankheit zeigten, nnd der 
näheren Verhältnisse hierbei — 11 von 15, bei welchen die Symptome nach dem Schlosse 
des dritten Monates aufgetreten sein sollen, waren wahrscheinlich nach der Geburt an¬ 
gesteckt (vom sogenannten PaoFETAschen Gesetze giebt es sicherlich viele Ausnahmen I) — 
xnufs auf die Abhandlung verwiesen werden, ebenso wie mit Bücksicht auf die Vorge¬ 
fundenen syphilitischen Symptome und Obduktionsbefunde (speziell auch Milzaffektionen, 
Verhalten der Thymusdrüse, Blutungen, Gehirnaffektionen, besonders auch Ependymitia 
mit partieller Obliteration der Ventrikel und konsekutiver Hydrocephalie). 

Ludw . Nielsen-Kopenhagen . 

Bacillus graminearum, von Montano (Melfi, 1898). Verfasser beschreibt eine 
die Haut und die Schleimhäute befallende infektiöse Krankheit, welche mit der 
von Canarsa (Über eine seltene, wahrscheinlich parasitäre Dermatose. Monatsh . 
f. pr . Derm., Bd. XXVI. Nr. 5) beschriebenen so zu sagen genau übereinstimmt. Die 
Affektion entsteht nach Berührung einer gewissen Bohrart (Arundodonax) und ist 
ohne Zweifel durch einen Parasiten (Bacillus), dem die Sporen des Dendrochium 
microsomen als Träger dienen, veranlagt. C. MüUer-Genf. 

Atlas der äuliseren Erkrankungen des Auges, nebst Grundriß! ihrer 
Pathologie und Therapie, von Prof. 0. Haab in Zürich. (München, 1899. J. F. 
Lehmann.) Auf seinen sehr gelungenen ophthalmoskopischen Atlas, den Verfasser in 
der Lehmannschen Sammlung medizinischer Handatlanten hat erscheinen lassen, läfst 
er jetzt einen solchen der äufseren Augenerkrankungen folgen, der auch reichen 
Beifall verdient. 26 farbige und 6 schwarze Abbildungen sind in dem Atlas vor¬ 
handen. Dermatologisch interessant sind die Bilder von Krankheiten der Augenlider: 
Blepharitis eccematosa, Hordeolum, Molluscum contagiosum, Chalazion, Bindehautekzem 
mit Gesichtsekzem, Herpes zoster ophthalmicus mit neuroparalytischer Keratitis, Kera¬ 
titis parencbymatosa, Iritis syphilitica etc. Vermifst wird ein Bild des Xanthoms der 
Augenlider. Bemerkenswert sind mehrere Bilder Blepharochalasis (Ptosis adiposa). Dabei 
handelt es sich um abnorm schlaffe, beutelartig herabhängende obere Augenlider als 
Folge einer mangelhaften Anheftung der Lidbaut am oberen Bande des Tarsus und 
an der Sehne des Levator palpebrae superioris. Dabei ist die Haut stark verdünnt 
und etwas gerötet. Durch Excision und Festnähen am oberen Tarsusrand wird das 
angeborene Leiden beseitigt. Der beigegebene Grundrifs der Pathologie der auiseren 
Augenerkrankungen erstreckt sich auf die Leiden der Iris, der Linse, des Glaskörpers, 
der Orbita und auf das Glaukom. Er ist in der nötigen Kürze abgefafst, ohne dals er 
deshalb zu wenig des Belehrenden brächte. Lobenswert ist die Trennung des Lid¬ 
ekzems von der Seborrhoe der Lidränder. Kurz, auch dieser Atlas bringt, zumal bei 
dem bescheidenen Preise, des Guten gar viel. Jessner-Königsberg ». Pr. 


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Aufteilungen ans ber litteratnr. 

Anatomie und Physiologie der Haut. 

Die Querschnittform des Kopfhaares der Kaukasier, von Pohl. (Zeitschr. 
f, Ethnologie.) Nach den Untersuchungen des Verfassers ist die Bildung des Kopf¬ 
haares knn vor Beginn des mittleren Drittels des in der Haut befindlichen Stuckes 
vollendet. Das 'ganze mittlere Drittel dieses Haarteils erscheint physikalisch nnd 
chemisch ziemlich einheitlich und ist auf dem Querschnitt annähernd kreisförmig. An 
der Grenze des mittleren und oberflächlichen Drittels erfährt der Querschnitt eine 
bedeutende Abplattung; diese Form behält das Haar bei. Die Abplattung des 
annähernd cy lindrisch yorgebildeten Haares kommt auf die Rechnung der Talgdrüsen, 
die als Walzen auf das Haar ein wirken. Götz-München . 

Über borstenartige Gebilde bei einem Hai und eine mutmafsliche Homologie 

der Haare und Zähne, von Brandt. (. Biolog . Centredbl., Bd. XVIII, No. 7.) Auf 
Grund seiner eingehenden Untersuchungen glaubt der Verfasser, dafs Zähne und 
Haare anatomisch und entwicklungsgeschichtlich homologe Gebilde sind. Die Haare 
■ind nach seiner Ansicht als entkalkte Zähne aufzufassen. Der Verfasser fand einmal 
die Schnauze eines Hais mit zahlreichen borstenartigen Gebilden besät, die infolge 
Hinlagerung massenhafter, aus kohlensaurem Kalk bestehender Konkremente außer¬ 
ordentlich hart waren. Nach seiner Ansicht stellen diese borstenartigen Gebilde, über 
die weitere Beobachtungen und Untersuchungen nicht vorliegen, Vorstufen zur Um¬ 
wandlung von Zähnen zu Haaren dar. Götz-München. 


Mikroskopische Technik. 

W&fl sind die EBNBTschen Keratingranula, von KROMAYBR-Halle. ( Centrcflbl, 
f. aüg . PathoL u. patholAnat., Bd. IX. No. 11/12.) Der Verfasser weist in seiner kurzen 
Abhandlung nach, dafs die Keratingranula, die nach Ernst beim Verhornungsprozeß 
eine Rolle spielen sollen, Farbstoffniederschläge sind. Als Beweis dafür dient folgendes 
Verfahren: dem unter dem Deckglas befindlichen jodierten Schnitt wird von einer 
Seite Alkohol zugesetzt; wenn dieser allmählich unter dem Deckglas vordringt, kann 
man beobachten, wie sich mit dem Fortschreiten desselben feine Granula bilden. Die 
vorher homogenen und fibrillären Hornzellen bekommen ein feinkörniges Aussehen. 
Mit anderen Worten: es wird der vorher homogene, auf die Protoplasmafasem 
verteilte Farbstoff durch den Alkohol extrahiert und in kleine Körnchen umgewandelt 
Dasselbe Bild tritt außer in der Hornschicht auch stellenweise im Bindegewebe auf, 
wenn statt Alkohol Alkoholxylol angewendet wird. Hopf-Dresden. 

Nochmals die Keratingranula, von Ernst Kromayer. (Centralbl. f. aüg. PathoL 
eie., 1898, No. 18/19.) Die Behauptung von Kromatbr, daß die Keratingranula von 
Erbst Kunstprodukte, Farbstoffniederschläge seien, ist von Ernst in einer Erwiderung 
bekämpft Kromatbr verlangt aber von Ernst in dieser Zuschrift eine Widerlegung 
•einer an verhornenden Carcinomen, die Ernst selbst als sehr geeignetes Objekt 
empfohlen, gewonnenen Resultate. Jessner-Königsberg i. Pr, 


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Zur Färbung der Ganglienzellen, von Friedrich Luithlen und Josef Sorgo. 
(. Neurolog . Centralbl. 1898, No. 14.) Zur Darstellung der NissLscben Ganglienzellen¬ 
granulationen bewährte sich Verfasser folgende Methode, die unabhängig ist von der 
Art des angewendeten Härtungsverfahrens; Nach Härtung in Alkohol, MüLLsascher 
Flüssigkeit, Formol oder Müller -Formol; Einbettung in Celloidin oder Paraffin; 
Anlegung möglichst dünner Schnitte; 24 Stunden in polychromem Methylenblau oder 
Erwärmung über dem Wasserbade bis zur Dampfentwicklung; Abspülen in destilliertem 
Wasser durch 24 Stunden; Differenzierung durch Glycerinäthermischung durch 8—24 
Sekunden auf dem Objekträger, bis man graue und weifse Substanz makroskopisch 
unterscheiden kann; Abtrocknen mit glattem Tuch; nochmaliges Übergiefsen mit 
absolutem Alkohol; Abtrocknen; sorgsames Aufstellen in ungebrauchtem Origonumöl; 
Kanadabalsam. — Die Präparate geben ein schönes Bild und halten sich gut. 

Jessner-Königsberg i. Pr. 


Bakteriologie. 

Über eine neue Bakterienfärbung und ihre spezielle Verwertung bei 
Gonokokken, von Schiffer. (Verhandl. d. 5. dtech. Dermatologenkongr.) Es 
handelt sich um eine neae Doppelfärbung, die in folgender Weise ausgefährt wird: 
Das auf dem Objektträger möglichst dünn ausgestrichene und gut fixierte Präparat 
wird 5 —10 Sekunden lang mit einer filtrierten verdünnten Karbolfuchsinlösung 
(Fuchsin 0,1, Alkohol 20,0, 5 °/* Karbolwasser 200,0) gefärbt, abgespült und mit einer 
hellblauen Äthylendiamin-Methylenblaulösung (2—3 Tropfen einer 10 °/o koncentrierten 
wässerigen Methylenblaulösung auf etwa 10 ccm l°/o Äthylendiamin) so lange nach- 
gefärbt, bis neben dem rötlichen Farbenton sich eben eine deutliche blaue Farben¬ 
nuance bemerkbar macht, was ungefähr 40 Sekunden dauert; dann wird das Präparat 
mit Wasser abgespült und nach dem Trocknen ohne Deckgläschen untersucht. Es 
empfiehlt sich, in der Karbolfuchsinlösung das Fuchsin zuerst in der entsprechenden 
Menge heilsen Wassers zu lösen, dann die Karbolsäure und zuletzt den Alkohol 
hinzuzufügen. Bei richtiger Färbung ist das Protoplasma der Leukocyten zart hellrot, 
die Kerne schwach hellblau und die Gonokokken schwarzblau, so dafs diese sich scharf 
von den übrigen Zellelementen abheben, optisch niemals gedeckt werden können 
und sich ungemein leicht auffinden lassen. Die Spermatozoon färben sich gleichzeitig 
sehr deutlich und zwar der Kopf blau, das Schwanzstück rot. — Nach den Erfahrungen 
des Verfassers färben sich ältere und bereits schlechter färbbare Mikroorganismen, 
ferner Degenerationsformen in älteren Gonokokkenreinkulturen bei Anwendung dieser 
Methode viel intensiver als durch andere Arten der Färbung. Nur empfiehlt es sich, 
in solchen Fällen die beiden Farbstoffe etwas länger einwirken zu lassen. Die Methode 
ist daher empfehlenswert zur Untersuchung von Trippereiter, der der Wirkung von 
Desinfektionsmitteln ausgesetzt war, bezw. zur Prüfung der Wirkung der anti- 
blennorrhoischen Mittel; ferner zur Färbung von blennorrhoischem Eiter, der längere 
Zeit angetrocknet war, endlich in allen Fällen, in denen nur spärliche Gonokokken 
vorhanden sind. — Eine Differentialfärbung für die Gonokokken ist die neue Methode 
nicht; die übrigen Mikroorganismen färben sich ebenso intensiv. Das neue Verfahren 
erleichtert daher auch das Aufsuchen anderer sehr kleiner oder schwer färbbarer 
Mikroorganismen, z. B. der Streptobacillen des Ulcus molle, des Tetragenus, der 
Pneumoniekokken, deren Schleimhülle sich als ungefärbter Saum von der rötlichen 
Grundfarbe des Präparates sehr scharf abhebt. Qötz-München. 

Das Mikrosporon des Pferdes, von Bodin. (.Archwes de Parasitologie , Juli 
1898.) Verfasser hat vergleichende Untersuchungen zwischen den durch Sprofspilze 


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hervorgerufenen Hauterkrankungen bei Mensch und Tier angestellt und hat vor allem 
seine Aufmerksamkeit gerichtet auf eine bei jungen Pferden häufig vorkommende 
Erkrankung, die als „Herpös coniagieux“ beschrieben wird und die sich wohl von 
anderen Dermatomykosen des Pferdes unterscheidet; hervorgerufen wird sie durch 
das Mikroeporon des Pferdes, welches sich vom Tier auf den Menschen übertragen 
läftt und hier schnell abheilende Läsionen setzt. Das Mikrosporon ist pleomorph, 
wir kennen zwei Formen der Gonidienbildung, eine nach dem Typus Oospora, die 
andere nach dem Typus Acladium; wegen dieser letzteren Fruktifikation ähnelt das 
Mikrosporon dem Mikrosporon Audouini (bei Bindern) und dem Mikrosporon des 
Höndes. Der Übergang von der Form Oospora zur Form Acladium vollzieht sich in 
den Kulturen leicht, zum umgekehrten Weg braucht man die Passage durch ein 
lebendes Tier. F. Hahn-Bremen. 

Vergleichende bakteriologische und experimentelle Untersuchungen über 
die Kapselbacillen von Pfbiffbe und Fbisoh, von Mario Oro. (Atti d. R. Accad. 
med.-chirur^. di Napoli 1898.) — Verfasser stellt die Resultate seiner Untersuchungen 
in einer Tabelle einander gegenüber und kommt zum Schlüsse, dafs der PpsiFFERSohe 
Bacillus mit dem von Frisch nicht identifiziert werden könne. C. MüMr-Qenf. 


Allgemeine Pathologie und Therapie. 

Einiges über Pathologie und Therapie der bekanntesten Hautkrankheiten, 

von Wittzack. {Die ärztl. Praxis 1898, No. 8—13.) Der Verfasser bespricht als 
Praktiker für die Praxis einige der am häufigsten vorkommenden Hautkrankheiten, 
nämlich Ekzem, Psoriasis vulgaris, Dermatomykosen (Favus, Herpes tonsurans, 
Pityriasis versicolor, Erythrasma), Impetigo, Scabies, Lupus erythematosus und Lupus 
vulgaris. Der Verfasser will, wie er selbst sagt, nichts Neues bringen, sondern nur 
objektiv über den heutigen Standpunkt in der Dermatologie referieren. Die Ab* 
handlung wird ihrem Zweck, den Leser in Kürze über die gegenwärtigen Anschauungen 
besonders bezüglich der Therapie der erwähnten Dermatosen zu informieren, vollkommen 
gerecht. Götz-München. 

Über den Wert der Vegetationen in der Dermatologie, von Tommasoli. 
(Med.-chir. Akad. d. Universität Palermo; Rif. med. 1898. No. 166.) Die Vegetation 
kann entweder das Haupt- oder einzige Symptom einer Dermatose bilden, wie beim 
Condyloma acuminatum, dem Pemphigus vegetans, oder aber nur eine rein sekundäre, 
episodische Erscheinung im Verlaufe einer Hautaffektion, wie z. B. beim Pemphigus, 
der Dermatitis herpetiformis Dühring, der Impetigo herpetiformis, den bullösen polymor¬ 
phen Erythemen etc. Damit eine Vegetation zu stände komme, ist vor allem notwendig, 
dafs eine seröse Exsudation stattfinde, welche die Maschen des epidermalen Binde 
gewebes ausfällt und die Papillen aufschwellen macht, ferner gehört dazu eine 
Proliferation der zeitigen Elemente dieses Gewebes. Von diesen beiden Bedingungen 
kann die eine vorherrschen, von welchem Umstande dann der Verlauf, die Konsistenz, 
der Feuchtigkeitsgrad etc. der Vegetation abhängen wird. Zum Zustandekommen dieser 
Bedingungen ist aber ein Beiz notwendig, welcher Beiz wahrscheinlich nur in schwacher, 
torpider Weise und verhältnismäfsig längere Zeit einwirken, jedenfalls blofs ganz ober 
fiächlich, und keine pyogene Eigenschaften besitzen darf; seine Wirkung darf nicht über 
die Getäfse und die zelligen Elemente der Papillarsohicht hinausreichen. Ein eigentlicher 
spezifischer Beiz ist hierzu nicht nötig, nur gehört eine besondere individuelle Disposition 
dazu (Vegetationen auf den Schleimhäuten bei chronisch entzündlichen Prozessen). 


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Unter solchen Umständen können an sich nicht vegetierende Dermatosen zu einer 
gegebenen Zeit and in Gegenden, welche lokalen Reizen aasgesetzt sind, Vegetationen 
aufweisen. C. Müller-Genf. 

Mangelhafte Sekretion von organisch nicht erkrankten Nieren im Zu¬ 
sammenhang mit Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane und mit 
Hauterkrankungen, von L. Duncan Bulkley-Now York. (Joum of the Amer. Med. 
Ä880C ., 8 . Januar 1898). Ethebidge- Chicago hatte schon früher Untersuchungen über 
das Verhältnis zwischen festen Harnbestandteilen und Körpergewicht gemacht und 
dabei festgestellt, dafs beim weiblichen Geschlechts dieselben um 7io geringer als 
beim männlichen sind. Ferner war er aus zahlreichen Fällen seiner Praxis zu dem 
Schlüsse gekommen, dafs mangelhafte Absonderung der Nieren ohne thatsächliche 
organische Erkrankung derselben in bestimmtem Zusammenhänge zu verschiedenen 
gynäkologischen Erkrankungen, besonders Amenorrhoe und Dysmenorrhoe, stebe und 
durch Einwirkung auf die Diurese allein diese zur Heilung kommen können« 
Bulklky nimmt nun diesen Gedankengang freudigst auf und fuhrt u. a. einen sehr 
charakteristischen Fall an, wo bei einem 23jährigen Mädchen Jahre lang die ver¬ 
schiedenste# gynäkologischen Prozeduren wegen einer ihm nicht bekannten Unterleibs¬ 
erkrankung vorgenommen worden waren, bis sie zu ihm wegen einer sehr hartnäckigen 
Akne in aufserordentlich desolatem Zustand kam. Nach Verabreichung von alkalisch 
diuretiscben Mitteln und Einhaltung der geeigneten Diät war sehr rasch sowohl Akne 
wie Unterleibsaffektion geheilt und das Allgemeinbefinden auffallend gebessert. Bulklky 
schliefst, dafs auch manche hartnäckige Hauterkrankung auf mangelhafter Funktion 
der Nieren beruht und allein durch Hebung dieser Störung geheilt werden kann. 

Stern-München. 

Inwieweit schützt der Brand- und Ätzschorf aseptische Wunden gegen 
eine Infektion mit Diphtheriebacillen und pyogenen Streptokokken? von 

Paul Cohn. (. Berl. Idin. Wochenschr. 1898. No. 29.) Verfasser wies nach, dafs der 
Brandschorf sowie der Alaunschorf Wunden gegen eine Infektion mit virulenten 
Bakterien nicht sicher zu schützen vermögen, während dagegen der schwefelsaure 
Kupferschorf und der Kupferalaunschorf sich als ziemlich sichere, der Höllensteinschorf 
als ganz ausgezeichnetes Schutzmittel erwiesen. J. Bloch-Berlin 

Eine neue Strahlenpilzart nebst Bemerkungen über Verfettung und 
hyaline Degeneration, von Ernst Dblbanco. (Münch, med. Wochenschr. 1898 No. 2 
und 3.) Adami und Kickpatrik in Montreal, Hydb und Senn in Chicago haben über 
eine neue Strahlenpilzart bei Mycetoma pedis berichtet. Verfasser hat Gelegenheit 
gehabt, den Fall von Hyde und Senn ebenfalls zu untersuchen und ihre Befunde zu 
bestätigen und zu ergänzen. — Das vereiternde Granulom zeigte sich durchsetzt von 
FungusmasBen, welche ein ganz anderes Bild darboten als der menschliche Aktinomyces 
und die Strahlenpilzart des indischen Madurafufses. Die unregelmäßig gestalteten 
Fungusroassen setzen sich durch eine transparente Kapsel mit feiner, vertikal gestellter 
Streifung gegen da* vereiternde Granulom ab. Nach innen von der Kapsel findet 
Bioh ein feines Hyphenwerk, von dem in ganz unregelmäfsiger Anordnung immer nur 
einzelne Teile der Hyphen stärker färbbar sind. Alles Übrige im Fungus ist homogen; 
ja manche Fungusmassen sind nur von homogener Beschaffenheit. — Verfasser konnte 
von dem in Alkohol fixierten und konservierten Material durch Einlegen der Schnitte 
in Flbmmings Lösung eine Schwärzung des Fungus erzielen und damit den Fett¬ 
gehalt desselben konstatieren, während ihm dies bei Aktinomyces und Streptothrix- 
kulturen nicht gelungen war. Die Zoppsche Bearbeitung der Pilze in Schbnks 


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Handbuch der Botanik bringt Angaben über niedere Pilze, welche zeitweilig und 
unter besonderen Bedingungen fetthaltig werden. Hier findet sich mancher Fingerzeig 
für eine künftige Deutung der spezifischen Eigentümlichkeiten des Strahlenpilz- 
Oranalationsgewebes. Verfasser hält es für eine lohnende Aufgabe, die Ursachen 
dieser Verfettung an in Flemmings Lösung fixiertem Material nachzuweisen, da die 
Frage des Fettgehaltes der niederen Pilze durch die Arbeiten von Unna und Koch 
über den Fettgehalt der Tuberkelbacillen und der Abhängigkeit der spezifischen 
Färbbarkeit von demselben ein erhöhtes Interesse gewonnen hat. — Dieser Fettgehalt 
erklärt die Chronicität des Leidens und den hartnäckigen Wiederstand des Fungus 
gegenüber therapeutischen Maßnahmen, wie Unna das auch in Beziehung auf den 
Fettgehalt der Lepra* und Tuberkelbacillen ausführlich entwickelt hat. Unter den 
Merkmalen für die neue Strahlenpilzerkrankung ist besonders das regelmäfsige Auf¬ 
treten von Riesenzellen um den Fungus hervorzuheben, für welches vielleicht die dem 
menschlichen Aktinomyces und dem indischen Pilz fehlende Kapsel von ursächlicher 
Bedeutung ist. Die Riesenzellen sind der Ausdruck einer lebhafteren Reaktion des 
umliegenden Gewebes, wie sie dem von anderen Strahlenpilzen befallenen Gewebe 
nicht möglich ist und hierdurch die den toxischen Einflufs des Fungus mildernde 
Kapsel ermöglicht wird. — Von einer Aufklärung über die Ursachen der Riesenzell¬ 
bildung sind wir nach Verf. noch weit entfernt. Es ist nicht ausgeschlossen, dafs als 
solche inneren Ursachen der Fremdkörperriesenzellbildung sich einmal chemische Vor¬ 
gänge erweisen werden, wie auch Verf. im vorliegenden Falle eine spezifische, chemische 
Thätigkeit als Ursache der Kernteilung und Anlockung der Eiterzellen annimmt. — 
Weiter liefe sich eine starke Wucherung und Verhornung der Epithelien mit vorher¬ 
gehender hyaliner Degeneration konstatieren. — Die mit polychromem Methylenblau 
vorgefärbten und mit Säurefuchsin-Tannin nachbehandelten Präparate von Mycetoma 
pedis zeigen das freie Hyalin in leuchtend roter Farbe, die Lymphspalten über¬ 
schwemmend, während das innerhalb der Zellen noch lagernde Hyalin zum Theil blau 
gefärbt ist, also ein anderes chemisches Verhalten aufweist. Die von Baumgarten, 
Birch-Hirschfeld, Boström beobachtete, aber von Unna nicht bestätigte aus¬ 
gedehnte Verfettung des Strahlenpilzgewebes mufs in Zukunft durch sichere Methoden 
(Flexmikg) neben dem Hyalin nachgewiesen werden. — Gelegentlich fand Verf. am¬ 
photer reagierende elastische Fasern, häufiger basophiles Kollegen. Er betont die grofse 
Bedeutung der von Unna in ihren Grundzügen festgestellten Färbung des Zwischen¬ 
gewebes für die pathologische Histologie und verweist auf die wichtige Arbeit von 
Ramon t Cajal über das Verhalten der Bindegewebssubstanz, in welcher acidophile, 
basophile (degenerierte) und neutrophile Kollagenfasern neben den elastischen Fasern 
unterschieden werden. — Während es dem Verfasser noch nicht gelungen ist, quali¬ 
tative Änderung des elastischen Gewebes bei verschiedenen Krankheiten (Arteriosklerose, 
Lungenkrankheiten) nachzuweisen, hat Dimitrueff eine Veränderung der chemischen 
Eigenschaften des elastischen Gewebes bei Arteriosklerose gefunden. 

J. Bloch-Bürlin, 

Die Anwendung von Ruhe bei der Behandlung von Hautkrankheiten, 

von Allan Jamieson. ( Edinb . Med. Joum. Aug. 1898). Verf. legt in dem Vortrag, 
den er als Einleitung bei der jährlichen Versammlung der British Medical Association 
in der Sektion für Dermatologie hielt, dar, wie die Ruhe auch bei Hautkrankheiten 
von grofsem Vorteil ist und wie besonders die Entfernung der schädigenden Ursache 
zur Heilung erheblich beiträgt. F. Hahn-Bremen . 

Über die Wirkung Indifferenter Thermalwasser auf die Haut, von Josionbk, 
( Dtsch.Medmnalztg. 1898 No. 42). Als sichtbare Zeichen der Wirkung indifferenter 


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Thermen ist ein Rubeolen, Masern oder Urticaria ähnliches Exanthem anzusehen, das 
nicht vor dem dritten Bade auftritt und nach &—6 Bädern zu verschwinden pflegt. 
Jedes Alter kann von dem Exanthem, welches schon im vorigen Jahrhundert bekannt 
war, heimgesucht werden. Eine besondere Disposition zu Hautveränderungen braucht 
nicht vorhanden zu sein. — Zuweilen sieht man eine vorübergehende Verschlimmerung 
einer vorhandenen Akne oder vorhandenen scrophulösen Ekzems. Bei Gewerbeekzem 
beobachtete der Verfasser schnelleren Heil verlauf beim Gebrauch der Thermen. — Als 
Ursache der Hauterscheinungen glaubt Verfasser chemische Einwirkungen annehmen zu 
müssen; vielleicht wird das Hautfett durch das Natron löslicher, die Endosmose und 
Imbibition dadurch leichter gemacht. Es scheint auch, als ob die Badeexantheme in 
den an Natron reichsten Thermen am häufigsten sind. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Über die Anwendung des 8 alz fVBDELschen Spiritnsverbandes in der der¬ 
matologischen Praxis, von A. Lanz. (Med. Obosrenje. Januar 1898. Russisch). 
L. erzielte mit dem SALZWEDBLschen Verbände sehr gute Erfolge bei Furunkeln, 
Sykosis staphylogenes und in einem Fall von verruköser Hauttuberkulose, wo L. als 
erster diese Behandlung anwandte. Jordan-Moskau, 

Über Alkoholdunstverbände, von Heuss-Zürich. (Therap. Wochcnschr. 1898. 
No. 48). Verf. empfiehlt die von Salzwedel, Schmitt etc. angegebenen, aber im all¬ 
gemeinen noch wenig bekannten Alkoholdunstverbände bei verschiedenen Haut- 
und chirurgischen Affektionen, so bei Sykosis, Furunkulosis, atonischen, 
mit kallösen Rändern versehenen Unterschenkelgeschwüren, bei Epidi- 
dymitis etc.; in den Anfangsstadien von Panaritien und anderen phlegmonösen 
Entzündungen wirke er geradezu coupierend. — Der Verband wird in folgender Weise 
appliziert: Eine 6—8 fach zusammengelegte Mullkompresse wird in 95 % igen Alkohol 
getaucht und mälsig ausgedrückt, so dafs sie nicht mehr tropft, sodann auf die ent 
zündete Hautpartie oder eiternde Wundfläche aufgelegt, sodafs sie dieselben um circa 
l l /t cm überragt. Darüber kommt eine dicke Schicht entfetteter Watte, ein weiches 
Impermeable und schliefslich zur Fixation eine weiche Mullbinde. Es ist empfehlens¬ 
wert, eventuelle Drüsenschwellungen in den Bereich des Dunstverbandes mit einzu¬ 
beziehen, sofern natürlich dies thunlich. Bei geschwürigen Stellen thut man besser, 
einen direkten Kontakt des Alkohols mit der Wundfläche zu vermeiden und eine 
dünne Lage trockener Gaze zwischen Alkoholkompresse und Geschwür einzuschieben. — 
Die Wirkung des Alkoholdunstverbandes wäre eine doppelte: als feuchter Verband 
wirkt er schmerzstillend, erweichend und damit indirekt entzündungswidrig. Dazu 
gesellt sich sodann noch die eigentliche Alkoholwirkung, wobei man konstatieren kann, 
dafs dieselbe rascher und sicherer ist als der feuchte Sublimatverband. 

C. Müller-Genf. 


Pharmakologie. 

Ein Reagenspapier zum Nachweis des Jods in Speichel und Harn, von 

Bouroet. (Korrespondenzbl. f. Schweiz. Ärzte . 1898. No. 17.) Verfasser verwendet hierzu 
gewöhnliches Filtrierpapier, das er in eine gekochte 5%>ige Stärkelösung eintaucht 
und trocknen läfst. Das Blatt wird sodann mit einem Bleistift in gleichmäßige 
Quadrate eingeteilt. Handelt es sich nun darum, die Resorptionsfähigkeit der Darm¬ 
schleimhaut nachzuweisen, so erhält der Patient Jodkalium in Glutoidkapseln, die in 
drei Härten erhältlich sind. Im Verlaufe der nächsten 24 Stunden spuckt nun der 
Patient in Zeiträumen von 1 oder 2 Stunden nacheinander auf die verschiedenen 
Quadrate des Stärkepapiers, wobei jedesmal die Zeit auf das entsprechende Quadrat 


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eingeschrieben wird. Zum Nachweis des Jodes braucht man dann nur noch nach der 
gewünschten Zeit etwas Ammonium hypersulfuricum aufzutropfen, welches viel empfind¬ 
licher ist als das Kalium* und Natriumsalz. Wo Jod vorhanden ist, färbt sich die 
Stelle blau. C. Müller-Genf. 

Das von der chemischen Fabrik von Valentin er k Schwarz hergestellte 
Difluordiphenyl hat sich dem Unterzeichneten als ein excellentes Mittel gegen alle 
geschwürigen Prozesse, sowie als Jodoformersatz bei frischen Wunden er¬ 
wiesen. Alte Fuf8geschwüre, die absolut keine Neigung zur Heilung verrieten, 
Ulcera mollia, Initialsklerosen, gummöse Prozesse gelangten überraschend 
schnell zur Heilung. Meist wurde das Mittel mit Borsäure fein gepulvert als Streu¬ 
pulver verwandt, da es pure zu teuer ist. Das Difluordiphenyl besitzt eine enorme 
Aufsaugungsfähigkeit, bildet schnell Granulationen und infolge dessen rasche Über* 
hiutung. Es kann daher den Kollegen bei obengenannten Affektionen nicht warm 
genug empfohlen werden. P. Taeneer-Bremen. 

Über die Resorption des Jod-Vasogen durch die Haut, von Scheele. 
(Danzig 1898.) Die zahlreichen Empfehlungen des Jod-Vasogen gipfeln in der Be* 
hauptung, dafs das Jod aus demselben durch die unverletzte Haut leicht resorbiert 
wird, trotzdem nur wenige sich die Mühe gegeben haben, diese Resorptionsfähigkeit 
experimentell zu prüfen. Verfasser hat dieses gethan, und zwar mit vollkommen nega¬ 
tivem Erfolge. Es liefs sich mittelst der HARNACxschen Probe, die sehr exakte Re¬ 
sultate liefert, nach Einreibung von größeren Mengen Jod-Vasogen bei unverletzter 
Haut kein Jod im Harne nach weisen. Nur ein Versuch unter zehn fiel positiv aus, 
aber in diesem Falle hatte sich die Haut bald entzündet. Bei dieser Gelegenheit hat 
Verfasser dann auch die Resorpstionsfähigkeit des Jods aus der Jodtinktur nach 
Applikation auf die Haut und das Verhalten des Harnes bei Gebrauch von Jodkalium 
per os, per anum und subcutan geprüft. Für die äufsere Anwendung der Jodtinktur 
ergab sich dabei, daß für eine Resorption das Eintreten einer Hautentzündung resp. 
Blasenbildung Vorbedingung ist. Auch aus dem Jod-Vasogen tritt unter diesen Um¬ 
ständen eine Resorption ein, wie oben erwähnt, und man kann diese anregen, wenn 
man durch Bedeckung der Haut mit impermeablen Stoffen die Hautreizung begünstigt. 
Keineswegs aber tritt die Resorption aus dem Jod-Vasogen leichter ein als aus der 
Jodtinktur. — Bei interner Jodkalium-Darreichung ist schon nach 0,1 Jod im Harn nach¬ 
weisbar, dnrch äufsere Jod-Vasogen-Applikation, die erst nach 10—20 g unter beson¬ 
ders günstigen Umständen, d. h. nach eingetretener Hautentzündung, Jod in den 
Körper überführt, ist dieselbe deshalb nicht zu ersetzen. Ebenso ergeben Versuche 
mit rektaler Applikation, daß Jod-Vasogen keinerlei Vorzüge vor dem Jodkalium hat. 
Aus all* diesen sorgsamen Experimenten kommt Verfasser zu dem Schluß, daß das 
Jod-Vasogen weder für den äußeren, noch für den inneren Gebrauch den bekannten 
Jodpräparaten überlegen ßt und, da es auch kostspielig, überhaupt als Bereicherung 
des Arzneischatzes nicht anzusehen ßt. Jessner- Königsberg i. Pr. 

Das Naftalan hat sich in kurzer Zeit bei den Ärzten wegen seiner vortrefflichen 
therapeutßchen Eigenschaften so einzubürgern vermocht, daß die Naftalangeselßchaft 
sich gezwungen gesehen hat, die ferneren Naftalanerfolge in einem zweiten Heft her 
auszugeben. Den sich dafür Interessierenden wird dasselbe von der Naftaßngesell- 
schaft auf Wunsch direkt zugesandt. P. Taenzer-Bremen . 

Der Einfluß des Quecksilbers auf das Nervensystem des Kaninchens, 
von Bbausb. ( Dtsch. Zeitschr. f. Nervenheük. 1898.) Der Verfasser kommt auf Grund 
teiner Tierversuche zu folgenden Schlüssen: Eine unzweideutige Schädigung des 


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Nervensystems zeigt sich nur dann, wenn innerhalb kurzer Zeit eine relativ grofse 
Hg-Menge zur Allgemeinwirkung gebracht werden kann. Akute Hg-Vergiftung scheint 
innerhalb kurzer Zeit den Tod vom Centralnervensystem aus herbeiföhren zu können, 
wobei der endgültigen Lähmung ein starker Beizungszustand vorausgeht Eine sub- 
akute, durch einige Wochen sich hinziehende Vergiftung mit grofsen Hg-Dosen bewirkt 
gesetzmäfsig und konstant sich entwickelnde krankhafte Symptome am Nervensystem, 
bestehend in Steigerung der Sehnenreflexe, zunehmender schlaffer Lähmung und zu¬ 
nehmender Ataxie der Körpermuskulatur. Dieses Krankheitsbild ist höchst wahrschein¬ 
lich eine direkte Allgemeinwirkung des Giftes und deutet auf eine Störung im Central¬ 
nervensystem in dessen höher gelegenen Centren und nicht auf Störungen im peri¬ 
pherischen Nervensystem hin. — Kleinere, langsamer zur Allgemeinwirkung gelangende 
Hg-Mengen bewirken keine deutlichen nervösen Symptome. Dagegen finden sich bald 
nach der Applikation relativ geringer Hg-Mengen die allerstärksten Nieren- und 
Darmerscheinungen. — Anatomisch dokumentiert sich die Schädigung des Nerven¬ 
systems im ersten motorischen Neuron in primären degenerativen Veränderungen an 
den Zellen, nicht an den Fasern. Diese Veränderungen sind wahrscheinlich eine 
direkte Giftwirkung, keinesfalls sind sie die Folge einer bestehenden Kachexie oder 
urämischen Intoxikation. Sie finden sich in spärlicher Zahl und leichter Form schon 
bei Tieren, bei denen die Allgemeinerkrankung ihren Höhepunkt noch nicht erreicht 
hat, sowie bei Tieren, die ohne nervöse Erscheinungen der Nieren- und Darmkrank¬ 
heit erlagen. — Die Fasersysteme des Rückenmarks, sowie die Rückenmarkswurzeln 
zeigen keine Veränderungen. — Wenn und soweit Tierversuche Schlüsse auf die 
menschliche Pathologie gestatten, ergiebt sich für diese die Folgerung, dafs nervöse 
Erscheinungen bei Gebrauch von Hg nur dann als Giftwirkung aufgefafst werden 
dürfen, wenn sie mit schweren Nieren- und Darmerscheinungen einhergehen* Dafs 
auch geringe Hg-Mengen, die nur zu ganz leichten Vergiftungserscheinungen fuhren, 
im Verlaufe einiger Wochen das Nervensystem schädigen können, ist nach den Er¬ 
gebnissen der Tierversuche höchst unwahrscheinlich. Ob gewisse Krankheitserschei¬ 
nungen beim Menschen auf die kombinierte Wirkung von Hg und anderen Noxen 
oder auf Idiosynkrasie gegen Hg zurückzuführen sind, darüber geben die Versuche 
keinen Aufschlufs, ebensowenig darüber, innerhalb welcher Grenzen Hg dem bereits 
kranken Nervensystem gefährlich werden kann. Den Angriffspunkt des Hg für das 
peripherische Neuron hat man in der Ganglienzelle zu suchen, nicht aber in einer 
der Komponenten des peripheren Nerven. Die Versuchsergebnisse widersprechen der 
Annahme einer Polyneuritis mercurialis. Götz-München. 


Angioneurosen. 

Die 8erumex&ntheme bei Behandlung der Diphtherie mit Antitoxin. — 
Ihre Pathogenese und die Möglichkeit ihrer Verhütung, von Henbt W. Berg. 
( Allg . med. CentrcUztg . 1898. No. 75.) ln der New York Academy of Medicine behandelt 
Verfasser die Serumexantheme nach spezifischer Diphtheriebehandlung. Dieselben 
treten nach Hartung in 11,4%, nach dem dentschen Reichsgesundheitsamt in 8,1%, 
nach Verfassers im Hospital an 337 Kranken gemachten Beobachtungen in 24% der 
Fälle auf. Die Exantheme zerfallen in 4 Klassen: 1. einfache Erytheme, 2. scharlach¬ 
artige, 8. masernartige, 4. dem Erythema multiforme (resp. Urticaria) entsprechende. 
Die ad 2 und 3 angeführten sind am seltensten. Die Ausbreitung kann eine diffuse 
oder häufiger umschriebene sein. Die Formen können bei demselben Individuum ein¬ 
ander ablösen. Meistens besteht vor der Eruption Fieber, dessen weiteres Verhalten 
verschieden sein kann. Nephritis, Bronchopneumonie, Otitis media, Polyarthritis 


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können sich anschliefsen. Das masernartige Exanthem ist für die Prognose am be¬ 
denklichsten; es bricht erst nach 9—14 tägiger Inkubation aus. Die Dauer der Exan¬ 
theme beträgt Stunden bis Tage; Recidive kommen vor; Desquamation kann folgen. 
Eingehend giebt Verfasser die Differentialdiagnose gegenüber Masern und Scharlach. 
—* Die Ursache der Eruptionen sucht Verfasser in dem Tierblutserum als solchem; 
das Antitoxin ist unbeteiligt. Die Sera bestimmter Pferde erzeugen die Exantheme 
häufiger als diejenigen anderer; je gröfser die injizierte Menge, desto mehr Exan¬ 
theme; Filtration des Serums durch ein feines Porzellanfilter vermindert dieselben bis 
auf ein Drittel. Deshalb ist prophylaktisch die Anwendung eines möglichst hoch 
titrierten Serums in filtrierter Form wichtig. — Die Entstehung des Exanthems erklärt 
Verfasser durch den Reiz, den toxische Serumbestandteile auf Blutgefäfse und Schweifs- 
drüsen ausüben. — In der Diskussion betont Piffard, dafs, solange das Antitoxin 
noch nicht isoliert ist, dessen Unschuld an der Entstehung der Exantheme nicht be¬ 
wiesen werden kann. — Park bemerkt, dafs nicht nur verschiedene Pferde, sondern 
dasselbe Pferd zu verschiedenen Zeiten bald mehr, bald weniger Exantheme bewirken¬ 
des Serum giebt. — Zuweilen sind auch Schleimhäute ergriffen; dann besteht eine 
Neigung zu Bronchitis und Pneumonie. Die Entstehung infolge von Elimination 
durch die Haut wird von mehreren Rednern bezweifelt. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Über Antipyrinexantbem, von Wbchselmann. (Dtsche. med.Wochenschr. 1898. 
No. 21.) Verfasser schildert fünf von Köbner beobachtete Fälle von Antipyrinexanthem; 
sämtlich zeigten sie sich als vereinzelte rote erhabene Flecke oder Blasen lediglich an 
Lippen, Gaumen, Mundschleimhaut, Genitalien oder After, so dafs auch hier die Ähn¬ 
lichkeit mit syphilitischen Exanthemen hervortrat. Häufig blieben nach Abheilung des 
Exanthems langandauernde Pigmentierungen zurück. F. Hahn-Bremen. 

Das akute circumskripte ödem, Sammelreferat von Schlesinger. ( Centralbl. 
/. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir. 1898. Bd. I.) Die Zusammenstellung der einschlägigen 
Beobachtungen ergiebt folgendes Krankheitsbild: Die Affektion entsteht höchst wahr¬ 
scheinlich auf nervöser Basis, eine Gelegenheitsursache bringt die Krankheit zum Aus¬ 
bruche. Als veranlassende Momente werden angegeben: physische Erregung, Neur¬ 
asthenie, Hysterie, BASEDowsche Krankheit, Eintritt der Menses, sowie des Klimakteriums, 
gasiro intestinale Störungen, wie Obstipation, harnsaure Diathese, Rheumatismus, or¬ 
ganische Nervenläsionen, Trauma, Temperatureiuwirkungen, Lues, Alkoholgenufs. — 
Die Krankheit scheint sich in manchen Familien zu vererben und zwar vorzüglich auf 
die männlichen Familienglieder, während die nicht hereditären Formen bei beiden 
Geschlechtern gleich häufig sind. Die Affektion kommt in jedem Lebensalter vor. — 
Die Krankheit ist charakterisiert durch das Auftreten von akuten, schmerzlosen, ver¬ 
schieden grofsen Schwellungen der Haut und der tiefer gelegenen Gebilde, mitunter 
auch der Schleimhäute einzelner Körperregionen. Der Urin bleibt stets frei von 
Albumen. Die affizierten Hautstellen sind zumeist weifslich, manchmal blafsrosa. Die 
Schwellungen sind scharf begrenzt oder diffus und bewirken starkes Jucken. Bisweilen 
kommt es an den erkrankten Stellen zu Blaseneruptionen. Dem ödem geht manchmal 
eine Urticariaeruption oder eine eigenartige Hautzeichnung voraus. — Schwellungen 
der Schleimhäute und der inneren Organe stellen schwere, zum Teile lebensgefähr¬ 
liche Komplikationen dar; es können Schluckbeschwerden, schwere Dyspnoe, Glottis¬ 
ödem auftreten. Beteiligung des Intestinaltraktus kann heftige Schmerzen in der 
Magengegend, Brechneigung, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Koliken mit Meteorismus 
und Durchfallen oder Obstipation verursachen. Gastro-intestinale Störungen spielen 
bei der familiären Form eine grofse Rolle; sie treten mitunter vollkommen periodisch 
rin. Manchmal scheinen die Nieren beteiligt zu sein, es kann Hämaglobinurie oder 


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Verminderung der Urinausscheidung auftreten. Erscheinungen von seiten des Herzens, 
Dilatation, sind selten. Häufig dagegen sind cerebrale Symptome (Kopfschmerzen, 
Schwindel, Benommenheit, Schlafsucht). Schwere Allgemeinerscheinungen fehlen zu¬ 
meist. — Das Wesen der Affektion scheint in der Wiederkehr der Anfalle zu liegen. 
Die Krankheit ist demnach chronisch. — Die Therapie hat zunächst die Ursachen zu 
beseitigen. Zur Verkleinerung des vorhandenen Ödems werden entsprechende Be¬ 
wegungen der Qliedmafsen und Massage der erkrankten Partien, zur Verringerung 
von Schleimhautschwellungen künstliche Hervorrufiing von Hauteruptionen durch Beiz¬ 
mittel empfohlen. Götz-München. 

Ein Fall von Erythema exsudativum multiforme bullosum, von Greig. 
(Scott. Med. a. Surg. Journ. Juli 1898.) Der Patient erkrankte mit starker Hitze und 
Jucken an den Beinen, es zeigten sich erhabene rote Flecke, auf denen rasch Blasen 
aufschossen; später breitete sich die Erkrankung auf die Arme und den Rücken aus, 
hier in Form des Herpes Iris. Die Erkrankung bestand einige Wochen und besserte 
sich rasch, sobald man anfing, Chinin mit Eisen zu geben. F. Hahn-Bremen. 

Pellagra, von v. Düring. (Eulenburgs Real-Encyklop. Bd. 18.) In der Fach- 
litteratur des verflossenen Jahrhunderts finden wir das Symptomenbild der Pellagra 
noch nicht vor. Deren Erscheinungen wurden bald als Lepra graecorum oder arabum, 
bald als Scharbock oder Erysipel angesprochen. Allmählich erst rang sich die Über¬ 
zeugung durch, dafs man es hier mit einer selbständigen Krankheit zu thun habe. 
Eines der hervorstechendsten Krankheitszeichen, die Rauhigkeit und Röte der Haut, 
gaben der Krankheit den Namen (Pelle und agra). Doch auch heute noch sind die 
Meinungen der Autoren über diese Krankheit geteilt; während die meisten Forscher 
die Pellagra für eine Krankheit sui generis erklären, sehen andere in dem Symptomen* 
komplexe nur ein Zusammentreffen verschiedener durch soziale Schädlichkeiten ver¬ 
ursachten Erkrankungen. Nach den Erfahrungen der besten Krankheitskenner jedoch 
ist die Pellagra eine Intoxikationskrankheit, mit welcher der gewöhnheitsmäfsige 
Genufs verdorbenen Maises in ursächlichem Zusammenhänge steht. Ein endemisches 
Auftreten beobachten wir in Landstrichen, deren Bevölkerung ausschließlich von 
Mais lebt, wie in Norditalien, Teilen Österreichs, Rufslands und Kleinasiens. Die 
Pellagra ist ein chronisches Leiden, dessen Exacerbationen meist in das Frühjahr 
fallen. Der Beginn erfolgt unter nervösen und Verdauungsstörungen mit oder ohne 
Exanthem. Spätere Nachschübe tragen mehr d§n Charakter allgemeiner Kachexie 
mit überwiegenden nervösen Affektionen. Prodromalerscheinungen gehen meist voraus. 
Im Winter vor Ausbruch der Krankheit oder mehrere Winter vorher treten bei 
Pellagrösen physische und psychische Unbehaglichkeiten aller Art auf. Unter Re¬ 
missionen im Frühling und Sommer können so Jahre vergehen, bis die Krankheit 
akut auftritt. Die Verdauungsbeschwerden steigern sich, Schwindel und Ohnmächten 
treten auf, und die Frühlingssonne ruft auf der Haut gewisse Erscheinungen hervor. 
Es zeigen sich rote Flecke auf der Haut, welche von höherer Temperatur sind und 
bei Berührung schmerzen. Handrücken, Gesicht, Hals, Nacken, Füfse werden der 
Reihe nach befallen, überhaupt alle unbedeckten Körperregionen. Meist betreffen 
diese das Hautniveau kaum überragenden lebhaft roten Stellen, die dem Erysipel 
ähneln, gröfsere Flächen, seltener sind es isolierte Inseln. Fieber besteht meist nicht. 
Dafs im Sommer der Zustand sich bessert, beruht nach Tuozek darauf, dafs zu dieser 
Jahreszeit auch Obst und Gemüse genossen werden. Den Eindruck eines Gesunden 
macht der Pellagröse jetzt gleichwohl auch nicht. Die befallenen Stellen zeigen jetzt 
an Steile des Erythems eine trockene Schuppung. Mit den Jahren greift der Prozeß 
immer mehr um sich, und die Pellagra tritt in ihr zweites Stadium, indem die In- 


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testinalerscheinungen in den Vordergrund treten. — Ekel vor der Nahrung und fort¬ 
währender Brechreiz, hartnäckige Durchfälle oder Verstopfung quälen die Patienten. 
Bei den herunterkommenden Kranken wird die Haut infolge des Fettverlustes welk 
und fehl, die Wangen fallen ein, Stomatitiden treten auf mit Foetor ex ore, die be¬ 
legte Zunge zeigt tiefe, nach Neüsseb pathognomonische Einkerbungen; Schling¬ 
beschwerden und Durst, Schlaflosigkeit und Sehstörungen peinigen den Pellagrösen. 
Die Epidermis zeigt Bisse und Schrunden, löst sich teilweise in Fetzen ab und ist 
mit Krusten und Borken bedeckt. Auch in diesem Stadium ist eine vorübergehende 
sommerliche Besserung möglich. Jedoch nimmt das Leiden mit dem Winter immer 
wieder mehr zu, besonders gesellen sich jetzt allerlei spinale und cerebrale Erschei¬ 
nungen, wie Melancholie, Manie, Hallucinationen und Delirien, Parästhesien, Kon¬ 
trakturen, Muskelschwäche, Krämpfe und Lähmungen hinzu. Tuczek führt ferner 
als eine bekannte Erscheinung dieses Stadiums die krankhafte Neigung, sich ins 
Wasser zu stürzen, an. Die Kachexie führt allmählich zum Tode. Nicht selten endigt 
die Krankheit unter dem Bilde des Typhus pellagrosus mit einer intensiven Steigerung 
aller Erscheinungen (Delirium, Fieber). Die Dauer des Leidens kann 10—15 Jahre 
betragen, wobei nicht immer der terminale Grad erreicht wird. Wenn das pellagröse 
Exanthem fehlt, müssen Krankengeschichte und Krankheitsverlauf zur Feststellung der 
Diagnose herangezogen werden. Die pathologisch-anatomischen Veränderungen sind 
folgende: Erstens: chronischer Katarrh des Magens mit submukösen Blutungen und 
oberflächlichen Geschwüren. Atrophie der Darmwand. Die unteren Abschnitte des 
Darmes zeigen von den PEYEBschen Drüsen ausgehende Hyperämie und Geschwürs¬ 
bildung. Zweitens: Pigmentablagerung in den Ganglien- und Leberzellen, im Herz¬ 
muskel und in der Milz. Drittens: die allgemeinen Zeichen der Kachexie; Atrophie 
und Verfettung der inneren, besonders der vom Vagus versorgten Organe, teilweise 
atheromatöse Prozesse an der Aorta sowie Endocarditis. Viertens: Veränderungen in 
den peripheren Nerven, Ganglien und Gehirn, die nichts Typisches an sich haben; 
ferner Degenerationen der Hinterstrang- und Pyramidenstrangbahnen. Belmondo 
definiert die Pellagra als eine Krankheit, bei welcher immer systematische, kombinierte 
und primitive Degenerationen im Bückenmark auftreten, begleitet von Entartung der 
Ganglienzellen und chronischer Leptomeningitis und Arachnitis spinalis. — Die Patho¬ 
genese weist darauf hin, dafs die Pellagra eine Intoxikationskrankheit ist. Majocchi 
und andere Autoren erklären sie für eine Darmmykose infolge der Aufnahme des 
Bacillus maidis. Dieser Pilz kommt jedoch nicht konstant in den Faeces, geschweige 
gar in dem Blute Pellagröser vor. Die Theorie Lombbosos hat mehr Wahrscheinlich¬ 
keit für sich. Nach ihr ist die Krankheit eine Vergiftung durch Produkte einer 
chemischen Umwandlung des Maises, die unter Mitwirkung an und für sich unschäd¬ 
licher Mikroorganismen entsteht. Aus verdorbenem Mais hergestelltes Extrakt (Pella- 
grosein) und öl vermögen pellagraähnliche Erscheinungen hervorzubringen. Lussana 
und andere Autoren haben Lombbosos Theorien lebhaft bekämpft und die Krankheit 
für eine Folge chronisch andauernder inkompletter Inanition erklärt. Nach Wintebnitz 
und Besnleb giebt es keine Krankheitsentität, die den Namen Pellagra verdient. Es 
bieten mehrere, ihrer Natur nach verschiedene Kachexien gleiche Zustände dar, die 
ihre Ursache im physiologischen Elend haben, und weisen Symptome auf, die man 
speziell der Pellagra hat zuschreiben wollen. Gaucheb und Baixi erklären das Exan¬ 
them der Pellagrösen für ein einfaches Erythem, das sich bei Kachektischen entwickelt, 
besonders auch bei Alkoholikern häufig aufzutreten neigt. Für solche Fälle hat man 
andererseits wieder die Bezeichnung Pseudopellagra gewählt. Die Therapie vermag 
nur im Beginne des Leidens durch Hebung der Kost und Besserung der hygienischen 
Verhältnisse und seelische Einwirkung Heilung zu bringen. Die prophylaktische Be- 


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kämpfuog der Krankheit ist Aufgabe der ärztlichen Wissenschaft und ihrer Diener. 
Die zur Ernährung verwendeten Maissorten müssen kontrolliert werden, vor allem 
mufs der Mais immer reif sein. Fleischkost, gutes Trinkwasser und Hebung der 
sozialen und hygienischen Verhältnisse sind von hauptsächlicher Bedeutung. 

Hopf-Dresden. 


Derfdjtelienes. 

Beitrag zur Asepsis und Kosmetik der Hautnaht, von Colmann. {Münch, 
med. Wochenschr. 1898. No. 21.) Der Verfasser beschreibt eine percut&ne Naht, 
welche die oberste Schicht der Haut mit ihren bakterienhaltigen Drüsenmündungea 
vollständig vermeidet: an dem einen Wundwinkel wird die mäisig stark gekrümmte 
Nadel in die Cutis eingestochen, durch die Cutis unterhalb der Epidermis ein 
Stück weit durchgeführt und ausgestochen, dann in derselben Weise durch den 
gegenüberliegenden Wundrand durchgefübrt; die Einstichstelle mufs behufs besserer 
Adaptierung immer ein wenig näher zu dem Wundwinkel, wo begonnen wurde, an¬ 
gelegt werden als die Stelle des zuletzt geschaffenen Ausstichs. Ist man bis zam 
anderen Wundwinkel gelangt, so lassen sich die Wundränder durch Zug an beiden 
Enden des Fadens glatt aneinander legen, die Enden werden mit mälsiger Spannung 
auf je ein Gazeröllchen geknüpft. Zur Entfernung des Fadens wird durch Anheben 
einer Gazerolle ein Stück aus der Wunde herausgezogen und möglichst dicht an der 
Haut durchschnitten, dann läfst sich der ganze Faden leicht am andern Ende her¬ 
ausziehen. Der Wundverlauf nach einer derartigen Naht war bisher stets ein idealer. 
Auch in kosmetischer Beziehung ergiebt die Naht die denkbar besten Resultate. 

Götz-München. 

Demonstration einer Togonegerin mit Filaria medinensis von Senator jun. 
(Verein f. inn. Med. in Berlin, Sitz. v. 20. Juni 1898). Verfasser giebt zunächst die be¬ 
kannte Beschreibung der Filaria medinensis. Meist siedelt sich der Wurm an peripheren 
Stellen an (Arm, Oberschenkel, Scrotum, am häufigsten an der als typisch geltenden 
Stelle, in der Gegend der Malleolen). Hier war die Gegend des rechten Malleolus 
externus befallen. — Die Filaria findet sich gewöhnlich nicht sehr tief unter der Haut 
in den oberflächlichen Muskelinstertitien, wo sie eine entzündliche, phlegmonöse, später 
in Eiterung übergehende Schwellung hervorruft. Die Natur des Abscesses wird erst 
klar, wenn der Wurm aus der Wunde harvortritt. — Da dieser die Neigung zeigt, 
spontan die Wunde zu verlassen, da andrerseits eine Verletzung des Wurmkörpers 
den Uterus eröffnet, und die zahlreich austretenden Embryonen die Wunde infizieren, 
wodurch schwere, weit um sich greifende Phlegmonen veranlafst werden, so ist jede 
aktive Therapie zu vermeiden, höchstens täglich ein gelinder Zug am Wurmkörper 
auszuüben und nach dem Gebrauch der Neger zur Verhinderung des Rücktretens der 
Wurmkörper einfach anzuschlingen, wie es auch in diesem Falle geschah. — Sind die 
Wurmteile eine Zeit lang aufserhalb der Wunde gewesen, so schrumpfen sie zu einem 
ganz dünnen, feinen Draht zusammen. — Bei einem anderen Mitgliede der Togogruppe 
wurde ebenfalls eine Schwellung auf dem Fufsrücken in der Nähe der grofsen Sehnen¬ 
scheiden beobachtet, die wahrscheinlich auch durch Filaria medinensis verursacht wurde, 
was die weitere Beobachtung ergeben soll. J. Bloch-Berlin . 

Nachdruck ist ohne Genehmigung des Verlegers nicht erlaubt. 


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Monatshefte f. prakl.Dermatologie XXVIII Band. 


Tafel 1 



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Pmots|(fte fit flcaktifd^e Petmatoligie. 


Band XXVIII. N2:2. 15. Januar 1899. 


Klinische und histologische Untersuchungen über einen Fall von 
Atrophia idiopathica. 

Von 

Dr. P. Colombini, 

Privatdocent för Dermatologie und Syphilis an der k. Universität zu Siena. 

In Anbetracht der wirklich grofsen Seltenheit dieser Hautaffektion, 
des Mangels an vollständigen histologischen Untersuchungen über dieselbe, 
der Wichtigkeit, ja der Eigentümlichkeit dieses FaUes von Hautatrophie 
fühlte ich mich bewogen, denselben zu publizieren. 

Die anderen bereits bekannten Fälle, welche dem unsrigen am nächsten 
kommen, sind diejenigen von Buohwald , 1 Behrend,* Touton , 8 Pospelow , 4 
Kaposi . 5 

Der unsere wäre somit der sechste, zeigt aber, verglichen mit den 
anderen, ganz besondere Eigentümlichkeiten.* 

Krankengeschichte. 

Theresa N., 65 Jahre alt, verheiratet. Giebt an, dafs ihre Eltern und Verwandten 
stets gesund waren und niemals an einer Hautaffektion irgend welcher Art gelitten 
haben. Mit 15 Jahren menstruiert; Perioden stets regelmäfsig; verheiratete sich im 
Alter von 26 Jahren; 4 normale Geburten, wovon die letzte im Alter von 35 Jahren; 
alle Kinder gesund und kräftig. 

Die Patientin hat aufser leichten Fieberanfällen weiter an keinen Krankheiten 
gelitten. Andererseits giebt sie an, dais sie sich nach allen ihren Geburten und be* 


1 Buchwald, Ein Fall von diffuser idiopathischer Hautatrophie. Vicrteljahrsschr. 
f. Derm. u. Syph. 1883, pag. 554. 

* Bbhrknd, Ein Fall von idiopathischer angeborener Hautatrophie. Berl. khn. 
Wocheneehr. 1885, pag. 88. 

* Touton, Ein Fall von erworbener idiopathischer Atrophie der Haut. Bisch, 
med. Wochenschr . 1886, pag. 118. 

4 Po8Pklow, Cas d'une atrophie idiopathique de la peau. Ann. de Derm. et 
Syph. 1886, No. 9. 

b Kaposi, Lehrbuch. 1893, pag. 711. — Verhandlungen der Wiener dermatol. 
Gesellsch. Sitzung v. 24. März 1897. Arch. f. Derm. u. Syph. 1897. Bd. II, pag. 413. 

e Die vorliegende Arbeit war bereits dem Drucke übergeben, als ein weiterer 
Fall veröffentlicht wurde: Nbumann, Über eine seltene Form von Atrophie der Haut. 
dreh. f. Derm. u. Syph. 1898. 

Monatahtft«. XXVm. 5 


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sonders nach der Laktation weniger kräftig fühlte als zuvor, hat aber stets ihre zeit¬ 
weise sehr strenge Arbeit verrichtet, ohne üble Folgen zu verspüren. Der Beginn 
ihrer jetzigen Affektion läTst sich auf Februar 1896 zurückfuhren. 

Die Patientin war von einem intensiven Feuer in der Küche hinweg in strö¬ 
mendem Regen stark durchnäfst worden und gleich danach an ihre begonnene Arbeit 
zurückgekehrt. Am Abend verspürte sie etwas Müdigkeit und am folgenden Morgen 
bemerkte sie an den Beinen rote Flecken von verschiedener Gröfse, welche die um¬ 
gebende Haut nicht überragten und schmerzlos waren. Im weiteren Verlaufe nahmen 
diese Flecken an Umfang und Zahl noch zu, breiteten sich über die Oberschenkel, 
Arme, Vorderarme und den Rumpf aus, an letzterer Stelle jedoch nur spärlich. 
Endlich wurden auch die Hände und Füfse befallen. 

Fieber will die Patientin keines bemerkt haben. 

Während sich die Flecken immer weiter ausdehnten, nahmen allmählich die 
zuerst aufgetretenen ein anderes Aussehen an und mit ihnen auch die ganze Haut 
überhaupt. Die letztere wurde dünner, trocken, runzelig. Die Lymphdrüsen am 
Nacken, in den Achselhöhlen, in den Leisten vergröfiserten sich. Gleichzeitig machten 
sich subjektive Erscheinungen bemerkbar: die Patientin, welche zuvor den Temperatur¬ 
unterschieden gegenüber empfindlich gewesen war, klagte über ein beständiges Kälte¬ 
gefühl und besonders lästig erwies sich ihr die Berührung mit der Leibwäsche; ferner 
stellte sich ein zwar nicht intensives aber konstantes Jucken und ein rasch zunehmender 
Kräfteverfall ein. 

Status praesens. 12. September 1896. RegelmäfsigerKnochenbau, Muskulatur 
mäfsig entwickelt. 

Auf der Haut des ganzen Körpers, besonders aber in der Gegend der Schulter¬ 
blätter, der Arme, der Vorderarme, der Hände, an den seitlichen Rumpfpartien, den 
Oberschenkeln, den Knien, den Beinen und Füfsen konstatiert man hochgradige Ver¬ 
änderungen: sie hat ihre normale Elasticität verloren und hängt in grofsen welken 
Falten über die darunter liegenden Partien herunter. Die Epidermis ist überall 
glänzend, leicht schuppend und fühlt sich rauh, runzelig oder feingefältelt an, wie ein 
zerknittertes Stück Papier. Die Haut hat ferner ihre normale Färbung verloren, sie 
ist dunkelrot, fast bläulich und die Ausführungsgänge der Haarfollikel sind unkennt¬ 
lich geworden. An anderen Stellen bemerkt man ein Dünnerwerden der Haare, die 
aufserdem ihre Farbe verlieren und kürzer erscheinen. Bei der Berührung zeigt die 
Haut nicht ihre normale Temperatur, sondern fühlt sich kälter, aufserdem trocken, 
lederartig an. Hebt man eine Hautfalte auf und läfst sie zwischen den Fingern 
gleiten, so konstatiert man, dafs sie bedeutend verdünnt ist, so zwar, dafs sie stellen¬ 
weise auf Papierdünne reduziert ist. Das Unterhautzellgewebe ist beinahe vollständig 
verschwunden. An der Ferse z. B. kann man die Haut eine ziemliche Strecke weit 
von den unterliegenden Partien abheben, und die so entstandene Hautfalte gleicht 
sich nur sehr langsam wieder aus. 

Durch diese so verdünnte Haut sieht man nun nicht nur die gröfseren Venen, 
sondern auch die kleineren Gefäfse durchscheinen, besonders wenn man sie in grofsen 
Falten abhebt und diese gegen ein Licht hält. An vielen Stellen, besonders aber an 
den Händen, sieht man auch die an ihrer gelblich-weifsen Farbe kenntlichen Ex¬ 
tensorensehnen durchscheinen. An den seitlichen Partien der Handteller konstatiert 
man dieselben Erscheinungen, weiter gegen die Handteller zu verläuft sich die 
dunkelrote Färbung allmählich und wird heller. Auch hier so wie auf der Palmar- 
fläche der Finger ist die Haut aufserordentlich verdünnt, weich, zart und lälst sich 
in Falten abheben. Furchen und Linien sind hier überall verschwunden. 


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An den Ellenbogen und Knien bildet die Haut zahlreiche und feine Falten, die 
koncentrisch angeordnet sind und das Aussehen einer durchschnittenen Zwiebel haben. 

Dieselben Erscheinungen konstatiert man an den Fufsrücken, wo das blaue 
Venennetz wieder außerordentlich deutlich sichtbar ist An den Handtellern und 
Fußsohlen ist die Haut ebenfalls sehr dünn, beweglich und zart; sie ist hier von rosa¬ 
roter Farbe. 

Die Fingernagel sind bedeutend verdünnt, zeigen aber sonst, wie auch an den 
Fußen, keine anderen Veränderungen. 

Die Beweglichkeit der Glieder ist in keiner Weise gehindert oder verändert 

Läßt man auf die Haut künstliche Kälte einwirken (mittelst Chloroform, 
Menthol etc.), so gelingt es einem nirgends, das Phänomen der Gänsehaut zu erzeugen. 
Die mittelst Pilok&rpinixyektionen künstlich erzeugte Schweißsekretion war erhalten 
geblieben, nur etwas vermindert Bedeutend beeinträchtigt schien aber die Talg- 
drüsensekretion zu sein, von welcher Erscheinung jedenfalls die grofse Trockenheit 
der Haut abhängt 

Tastgefühl. Die Patientin fühlt deutlich jede, auch die leichteste Berührung und 
lokalisiert scharf die Berührungsstelle und den Grad des ausgeübten Druckes; sie 
unterscheidet ferner ganz gut alle Gröfsen- und Formunterschiede. Genauere Messungen 
mit dem WsBEBschen Zirkel ergaben folgende Zahlen: Hals 50 mm; Arme 85; Vorder¬ 
arme 55—45; Handrücken 40; Fingerbeeren 8 etc. 

Wärme- und Schmerzgefühl. Dasselbe wurde mit den Instrumenten von Eulvn- 
bubg gemessen und ergab nichts Besonderes. 

Nichts Abnormes von seiten der Haut- und Schleimhautreflexe, des Geschmackes, 
der Muskelkraft. 

Die Lymphdrüsen des Nackens, der Achselhöhlen, der Leisten sind vergrößert, 
von derbelastischer Konsistenz, beweglich, indolent; in der Leistengegend erreichen 
einige Drüsen den Umfang einer Baumnufs. 

Die Schleimhäute sehen vollständig normal aus. 

Die inneren Organe fanden wir alle in normalem Zustande; der Puls war viel¬ 
leicht etwas verlangsamt, die Körpertemperatur nicht erhöht. Die Untersuchung des 
Urins ergab ein vollständig negatives Resultat; enthält keine abnormen Bestandteile 
(Urotoxischer Koeffizient 0,882). 

Die Behandlung bestand in der Applikation von Salicyßalben, Einreibung mit 
Kaliseife und innerer Darreichung von Arsenik, hatte aber einen äufserst geringen Erfolg. 

Histologische Untersuchung. 

Noch bevor mit der Behandlung begonnen wurde, excidierten wir aus 
dem rechten Vorderarm und dem rechten Handteller, aus dem linken 
Ober- und Unterschenkel kleine Hautstücke, welche in der üblichen Weise 
behandelt wurden: Fixation in MüLLERscher, EHRLlCHscher, Klbinem- 
BSROERscher und FLEMMiNGscher Lösung, in Sublimat, Einschlielsen in 
Paraffin und Celloidin, Färben in Boraxkarmin, Alaun- und Pikrokarmin, 
Methylenblau, Safranin, Hämatoxylin. Zum Nachweise der Hautnerven- 
endigungen verfuhr ich nach der Methode von Stöhr (Goldchlorid), 
gelangte aber nicht zu sehr glänzenden Resultaten. Weit besseren Erfolg 
erzielte ich mit der Methode von Unna . 7 


T Uitha, Die Nervenendigungen in der menschlichen Haut. 
Dermatologie . 1885. 


Monatshefte f. prakt. 

5* 


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In der Epidermis haben wir die Hornschicht bedeutend verdünnt 
gefunden; in den oberflächlichsten Lagen der Epidermiszellen sind die 
Lamellen weniger kompakt, gekörnt, dünner. Das Stratum lucidum ist 
gleichmäßig und ebenfalls stark verdünnt. Auf einzelnen Schnitten läfst 
es sich noch deutlich als ein äußerst dünner Streifen nachweisen, der die 
Körner- von der Hornschicht trennt; auf anderen Schnitten dagegen gelingt 
dieser Nachweis auch da nicht mehr, wo das Stratum lucidum unter nor¬ 
malen Verhältnissen leicht sichtbar gemacht werden kann, wie z. B. an 
den Handtellern. 

Das Stratum granulosum ist ebenfalls stark verändert und reduziert; 
an einzelnen Stellen bildet es nur noch eine einzige Reihe von spindel¬ 
förmigen Zellen oder fehlt sogar vollständig. Der Übergang der abgeplat¬ 
teten Zellen der Hornschicht in die polygonalen ist ein ziemlich plötz¬ 
licher, ja an einigen Stellen gehen diese beiden Schichten ohne Zwischen¬ 
stadium unmittelbar in einander über. Die Keratohyalinkömer sind in 
den Pikrokarminpräparaten äußerst spärlich. 

Ebenfalls bedeutend verändert ist die Stachelzellenschicht. Sie ist 
atrophiert, ihre Zellen verkleinert und sehen wie ausgetrocknet aus; ihre 
Ränder sind undeutlich geworden, und stellenweise ist der Kern deformiert 
und hat eine halbmondförmige Gestalt angenommen, mit der Konvexität 
nach der Peripherie der Zelle hingerichtet. Ebenso erscheinen die Cylinder- 
zellen viel kleiner aß gewöhnlich, haben aber ihre normale Gestalt bei¬ 
behalten. Gleichzeitig konstatiert man eine vermehrte Anhäufung eines 
bräunlichen, gekörnten Pigmentes. 

Die Cutis ist sowohl in ihren oberflächlichen wie in ihren tieferen 
Schichten ebenfalß stark modifiziert. Die hauptsächlichsten Veränderungen 
scheinen in einer gewissen Dilatation der Kapillaren zu bestehen, welche 
stellenweise Ausbuchtungen und Einschnürungen aufweßen; außerdem sind 
die Papillen so stark verkürzt und abgeplattet, daß sie kaum noch sichtbar 
sind, und die Linie, welche die Epidermis von der Cutis trennt, kaum 
noch geschlängelt erscheint. Infolge dessen sieht die Cutis bedeutend 
verdünnt und reduziert aus. In der Nähe einzelner Kapillaren konstatiert 
man kleinere, aus Blutbestandteilen und Pigmentmassen bestehende An¬ 
sammlungen. In der Umgebung einiger Gefäße bemerkt man kleinzellige 
Infiltration. An anderen Stellen sind die Gefäße dilatiert. Auf Längs¬ 
schnitten erscheinen einige Gefäße dilatiert und ihre Wandungen wie aus¬ 
gedehnt und mit einem aus zusammengepreßten und verlängerten Zellen 
ausgestatteten Endothel versehen. Ihr Lumen ßt dicht mit Blutkörperchen 
angefüllt. Andere Gefäße sind nicht dilatiert und sehen normal aus. Die 
Lymphspalten und -gefhße haben ebenfalß ein normales Aussehen, ihr 
Endothel nimmt die Farbstoffe gut auf und ßt nicht verändert; nur an 


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einigen wenigen Stellen der zahlreichen Präparate sind die Lymphspalten 
stellenweise etwas dilatiert. 

Bei genauerer Untersuchung haben wir in den horizontalen Muskeln 
des Derma eigentümliche Veränderungen konstatieren können: dieselben 
waren an einzelnen Stellen aufgetrieben, an anderen atrophisch und der 
Sitz einer zwar nur leichten, aber immerhin deutlichen, kleinzelligen In¬ 
filtration, die aus kleinen, jugendlichen, rundlichen, ein- oder mehrkernigen 
Elementen besteht; die jüngeren unter ihnen nehmen die Farbstoffe gut 
anf, die älteren dagegen haben ein gekörntes Aussehen und sind blafs. 
Andere haben eine ovale oder auch spindelförmige Gestalt. Die Musculi 
obliqui sind vollständig, die Erectores pilorum beinahe gänzlich ver¬ 
schwunden, und findet man in der Umgebung der Haarfollikel nur noch 
dünne, atrophische Bündelchen. 

Diese Veränderungen an den Hautmuskeln, verbunden mit noch 
anderen, wovon weiter unten die Bede sein wird, erklären uns das Fehlen 
der Gänsehaut und das welke, trockene Aussehen der Haut, sowie die 
Bildung der zahlreichen Falten. 

Die Haarfollikel sind atrophisch und in der Umgebung einiger der¬ 
selben konstatiert man kleinzellige Infiltration, nicht allein in den seitlichen 
Partien, sondern auch viel tiefer, in der Umgebung der Papillen. Die 
Haare selbst sind vollständig farblos und dünn. Einige von ihnen zeigten 
in ihrem Wur^elabBchnitte verschiedene Einschnürungen, die auf atrophische 
Zustände zurückgeführt werden müssen. 

Die Talgdrüsen sind etwas spärlich und in ihrem Volumen reduziert; 
sie erscheinen verkürzt und ihr Durchmesser auf Querschnitten breiter als 
unter normalen Verhältnissen. 

Die Glomeruli und Ausführungsgänge der Knäueldrüsen nähern sich 
in ihrer Form den fötalen Drüsen; erstere sind flacher und an den Aus- 
führungsgftngen sind keine Spiralen und Windungen zu sehen, wie man 
dies gewöhnlich findet; sie verlaufen vielmehr in vollständig senkrechter 
Richtung und verlaufen in gerader Linie der Ausgangsöffnung zu. Betrachtet 
man die Glomerulusschläuche auf Querschnitten, so findet man weder im 
Kanäle selbst noch in ihren Epithelien irgendwelche Veränderungen; nur 
die Wandung erscheint etwas verdünnt und in ihrer Umgebung konstatiert 
man in diesem Falle etwas kleinzellige Infiltration. 

Das Unterhautzellgewebe ist so zu sagen vollständig verschwunden. 

Zum Nachweis der elastischen Fasern bin ich nach den Methoden 
von Maetinotti (Safranin), von Mibblli, besonders aber von Taenzer- 
Unna mit den Modifikationen von Mibblli verfahren: Färbung der 
Schnitte in Alaunkarmin, darauf 24 Stunden in eine Lösung von Orcein 0,20, 
Alkohol & 90° 60, Aqua dest. 16, HCl 0,1; Entfärbung in gewöhnlichem 


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und sodann in absolutem Alkohol; Balsam. Zuletzt habe ich auch die 
Methode von Schütz angewendet: Fixation in FLEMMiNOscher Lösung, 
Einlegen (5 Minuten) in eine Mischung, bestehend aus 2 Teilen einer 
wässerigen Pikrinsäurelösung und 1 Teil Karbolfuchsin. Die elastischen 
Fasern waren in der Cutis nur spärlich vertreten, dünn, zart, blafs, leicht 
geschlängelt und parallel zur Oberfläche verlaufend; selten nur sieht man 
welche in senkrechter Richtung abgehen. In den Papillen findet man 
nirgends die gewöhnliche, normale, netzförmige Anordnung der elastischen 
Fasern, welche vielmehr ziemlich spärlich und unregelmäfsig angeordnet 
sind. Sie geben die gewöhnliche Elastinreaktion mit saurem Oroein, haben 
aber ein von dem normalen verschiedenes Aussehen, zeigen nur spärliche 
Anastomosen und sind meist bis auf kurze isolierte Fragmente reduziert, 
die einen schwach gekrümmten Verlauf haben und sich in verschiedener 
Richtung durchqueren. Man darf annehmen, daß die elastischen Fasern 
größtenteils verschwunden sind und zwar infolge eines krankhaften Pro¬ 
zesses, welcher schwere Ernährungsstörungen bis zur Atrophie des Gewebes 
herbeigeführt hat. In den oberflächlichsten Schichten haben wir ebenfalls 
elastische Fasern naohgewiesen, jedoch nur in spärlicher Anzahl, sehr dünn 
und wenig verzweigt. Etwas reichlicher vorhanden waren sie im Bereiche 
der Knäueldrüsen, besonders um die Glomeruli herum und über denselben; 
doch waren sie auch hier sehr dünn, kurz, wenig geschlängelt, an Form 
und Zahl stark reduziert. In den Wandungen der Drüsen selbst sind sie 
außerordentlich selten, während diese doch unter normalen Verhältnissen 
reichlich damit versehen sind, wo sie zwei Scheiden bilden, eine innere, 
cirkuläre, und eine äußere, longitudinale. In unserem Falle ist aber nichts 
derartiges zu finden; man konstatiert hier nämlich bloß spärliche und un¬ 
regelmäßig angeordnete Fasern. Auch in den Talgdrüsen fehlt jene ela¬ 
stische Scheide, welche eine ziemlich beträchtliche Dicke aufweist, mit 
cirkulären Fasern, welche jeden Lobulus umgeben; in unseren Präparaten 
dagegen sind diese cirkulären Fasern nur ganz dünn und spärlich, obwohl 
man noch stellenweise eine Andeutung eines interlobulären Netzes nach- 
weßen kann. Um die Haare herum, wo unter normalen Verhältnissen das 
elastische Netz reichlich entwickelt ist, konnte ich nur ganz wenige Fasern 
finden. Mit den Musculi erectores piloram ist auch das diese sonst in 
Form einer Scheide umgebende dicke, elastische Fasernetz beinahe gänzlich 
verschwunden. 

Im allgemeinen können wir somit sagen, daß das elastische Gewebe 
von einem besonderen regressiven Prozesse befallen wurde, der, wenn auch 
nicht gerade zur vollständigen Zerstörung derselben geführt, die Fasern 
doch in Zahl, Dicke und Form bedeutend reduziert hat, so daß sie in 
steife, mumifizierte Stränge umgewandelt worden sind. 

Die Nervenendigungen zeigen keine Veränderungen. In einigen Prä- 


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paraten gelang es mir, dünne Nervenfasern nachzuweisen, die aber voll, 
ständig normal anssahen. 

Parasitäre Formen irgend welcher Art waren mir nicht möglich zu 
finden. Ebenso fielen die Untersuchungen des Blutes und die Kultur¬ 
versuche negativ aus. 

Bei den bisher beobachteten und beschriebenen Fällen von pro¬ 
gressiver, idiopathischer Hautatrophie wird gewöhnlich angegeben, dafs die 
Affektion eher in einem vorgerückteren Alter beginnt, meist auf einer 
oder beiden unteren Extremitäten, selten aber auf den oberen lokalisiert 
sei. Mein Fall ist vielleicht der einzige, wo sich die Dermatose in so 
kurzer Zeit über alle Gliedmafsen und sogar über den Kumpf ausgebreitet 
hat Der Verlauf war nämlich hier ein rascher, indem in einem Zeitraum 
von 7 Monaten der krankhafte Prozeis sich über die ganze Haut aus¬ 
gebreitet hatte. Derartiges findet sich in der Litteratur nirgends an¬ 
gegeben, ausgenommen vielleicht in dem Falle von Kaposi, über den er 
in der Wiener Gesellschaft für Dermatologie (März 1897) berichtet hat 
and wo der Verlauf ebenfalls ein sehr rascher war; die Lymphdrüsen 
waren beträchtlich angeschwollen, es bestand Jucken, Schlaflosigkeit und 
das Körpergewicht hatte um 17 kg abgenommen. Kaposi hatte für seine 
Dermatose die Bezeichnung „Atrophia idiopathica“ vorgeschlagen und 
da sich mein Fall mit dem seinigen so ziemlich deckt, sehe ich nicht ein, 
warum ich diese Benennung nicht beibehalten sollte. Sie scheint mir 
speziell für meinen Fall passender zu sein als die von anderen Autoren 
vorgeschlagene Benennung von progressiver idiopathischer Hautatrophie. 
Dergleichen Fälle haben zwar mit dem meinigen viel Ähnlichkeit, unter¬ 
scheiden sich aber von ihm duroh ihren Verlauf und die Art der Aus¬ 
breitung der Dermatose. 

Die Gründe, warum wir die Diagnose einer Dermatitis atrophioans 
aufgestellt haben, erhellen klar aus der Krankengeschichte. Sowohl aus 
dem klinisohen Bilde als aus der histologisohen Untersuchung geht nämlich 
deutlich hervor, dafs es sich um eine Dermatitis mit Ausgang in Atrophie 
gehandelt hat, und zwar war diese Atrophie bereits sehr weit vorgeschritten 
und in allen Geweben stark ausgeprägt. Der beinahe vollständige Schwund 
des Unterhautzellgewebes hatte eine Auflockerung der Haut und die Bil¬ 
dung zahlreicher Falten, sowie die aufserordentliche Beweglichkeit der 
Haut zur Folge gehabt. Auf die beinahe vollständige Atrophie des ela¬ 
stischen Gewebes ist der Umstand zurückzuführen, dafs diese Hautfalten 
sich nur langsam und unvollständig wieder ausglichen. Von der Atrophie 
der Hautelemente hängt ferner das abnorme Durchsoheinen der Venen 
durch die Epidermis hindurch ab. Ebenso verdankt die Haut ihre dunkel¬ 
rote Färbung dem Durohsoheinen des Kapillametzes. Infolge des beinahe 


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vollständigen Verschwindens des Stratum granulosum, welches der Haut 
ihre weiße Farbe verleiht, indem es die auffallenden Lichtstrahlen reflek¬ 
tiert, wurden die tieferen Schichten und speziell das dichte Kapillarnetz 
des Derma deutlicher sichtbar. Die feine Desquamation war ihrerseits 
die Folge einer Ernährungsstörung im Rete Malpighii. 

Unmöglich kann man die bei unserer Patientin beobachtete Affektion 
mit anderen Dermatosen vergleichen, welche zu atrophischen Zuständen 
führen. So hat sie nichts gemein mit der General Atrophy von Wilson 
oder Xeroderma pigmentosum von Kaposi, mit dem Angioma pigmentatum 
et atrophicum von Taylor, der Liodermia essentialis von Auspitz, der 
Liodermia essentialis cum melanosi et telangiektasia von Neisser, der 
KAPOßischen Dermatose von Vidal, der Melanosis progressiva von Pick, 
dem Atrophoderma pigmentosum von Crocker, der Maladie pigmentaire 
oder Lentigo epitheliomatosa von Quinqüaud und Barr£, der Epithelio- 
matosis pigmentaria oder Pigmentosis epithelialis von Besnier. Ebenso¬ 
wenig scheint sie mir an die Seite der Sklerodermie in ihrem atrophischen 
Stadium gestellt werden zu können. 

Bei diesen Affektionen bestehen nämlich Symptome, welche wir in 
unserem Falle gar nicht gefunden haben, so z. B. die starke Spannung, 
ein besonderer Glanz der Haut, eine eigentümliche Weiise derselben, welche 
Erscheinungen entweder während des ganzen Verlaufs der Dermatose be¬ 
stehen oder aber nur das Endstadium derselben darstellen. Ebenso kann 
nicht die Rede sein von einer senilen Hautatrophie. 

Bei der Melanosis lenticularis progressiva konstatiert man außer einer 
Verdünnung mit Glänzendwerden der Haut, einer vermehrten Spannung 
derselben und der darunter liegenden Gewebe, ein marmorartiges Aussehen 
der Haut, das von bräunlich-gelben Flecken herrührt; die letzteren sind 
von verschiedener Größe und zwischen ihnen sieht man oberflächliche 
glänzendweifse Eindrücke, welche Blatternnarben ähnlich sehen; aufserdem 
sind die punktförmigen oder auch grösseren und lineären Gefäßdilatationen 
zu erwähnen. Die Affektion führt ferner außerordentlich oft zur Bildung 
von Sarkomen und Carcinomen und zwar schon nach verhältnismäßig 
kurzer Zeit. In der großen Mehrzahl der Fälle beginnt die Krankheit 
in der Kindheit. 

In seinem Lehrbuche hat Kaposi ferner noch eine andere Form von 
Hautatrophie beschrieben, welche sich aber wieder von unserem Falle 
dadurch unterscheidet, daß sie nicht fortschreitet, sondern stationär bleibt; 
die Haut bleibt dabei vollständig weiß, blaß, gespannt, legt sich nicht in 
Falten und läßt sich nur schwer von der Unterlage abheben. Sie beginnt 
in der Kindheit und bleibt das ganze Leben lang unverändert bestehen. 

Mit der Sklerodermie kann unsere Affektion ebenfalls nicht verwechselt 
werden, indem das atrophische Sklerem nichts anderes darstellt aß das 


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Endstadium der Sklerodermie der Erwachsenen, die stets mit einer In¬ 
duration der Haut und einer Sklerose der Gewebe beginnt und der Haut 
das Aussehen einer gefrorenen Leiche gewährt. Auf diese Weise hat aber 
unsere Krankheit nicht angefangen, sie hat vielmehr ihre normale Weich¬ 
heit beibehalten; die erste Erscheinung bestand im Auftreten von rötlichen 
Flecken, dem ein Dünnerwerden, eine Auflockerung und eine Atrophie 
der Haut folgte. 

Unser Fall muüs also jenen wenigen zugezählt werden, welche als 
essentielle Hautatrophien beschrieben worden sind, und am meisten stimmt 
er mit dem von Kaposi im vergangenen Jahre erwähnten überein. 

Die Ätiologie dieser schweren Dermatose ist völlig dunkel: es ist 
keine andere Affektion vorausgegangen, es fehlt die Heredität, jede Läsion 
des Nervensystems, jede Art von Parasiten. Zu erwähnen wäre allenfalls 
nur, dais sich die Patientin eine Erkältung zugezogen hatte, der sogleich 
eine Erhitzung der Haut gefolgt war. Dies scheint das einzige ursächliche 
Moment zu sein, das hier eventuell in Frage kommen könnte. 

(Übersetzt von C. MÜLLXB-Genf.) 


(Aus der dermosyphilopathischen Klinik der k. Universität in Palermo, 
geleitet von Prof. Tommasoli.) 

Der Syphilismus. 

V ortrag, 

gehalten in Recanati am 17. Sept. 1898 auf dem VII. Kongreis der Ärzte ans den Marken 

von 

Prof. Tommasoli. 

Meine HerrenI 

Unter den Anwesenden, die mich mit ihrer Gegenwart beehren, sehe 
ich viele, die nicht mehr jung sind, aber ich weils nicht, ob hier ein 
ehrenwerter Repräsentant der Generationen gegenwärtig ist, welche ihre 
wissenschaftlich-medizinische Erziehung geleitet haben zu einer Zeit, als 
auf dem Gebiete der Pathologie die Diathesen herrschten. 

Wenn er hier wäre, so würde es mir sehr angenehm sein, denn ich 
könnte ihm die frohe Nachricht mitteilen, dafs jene Begriffe, ja sogar 
jene Ansichten, welche ihm in seinen schönsten Jahren vertraut waren, 
jene Begriffe und jene Ansichten, für welche er vielleicht Verfolgungen 
und Verspottungen ausgesetzt war, wenn er mit den Jüngern der neuen 


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Schule zusammentraf, die nicht immer höflich und achtsam sind gegen 
diejenigen, welche es nicht verstehen, Meinungen und Theorien, die för 
die alten, aber ausgezeichneten Lehrer vorzüglich waren, zwanglos und 
leichten Herzens über Bord zu werfen, jene Begriffe und Ansichten haben 
jetzt das Feld zu neuen Triumphen offen. 

Wenn er hier wäre, so würde es mir angenehm sein, denn ich möchte 
ihm, als erster, ankündigen, dafs ganz besonders sogar die Syphilis, 
welche nicht die letzte unter den hundert und mehr Diathesen von einst¬ 
mals war und welche dann, als zweifellose Infektionskrankheit, besser als 
jede andere dazu geeignet war, die Thatsachen dafür zu liefern, die große 
Burg der Diathese siegreich anzugreifen, dafs sogar die Syphilis uns heute 
Gelegenheit dazu bietet, von neuem in der alten Spraohe zu reden. 

Nur darf er nicht glauben, daüs die Ansichten und Begriffe heute in 
derselben Form wieder zurückkehren, wie er sie mit Trauer begraben sah. 
Er darf nicht glauben, besonders in Betreff der Syphilis, dals ich her¬ 
gekommen bin, um ohne weiteres die Syphilis für eine Diathese zu 
erklären, schlankweg, gerade so, wie es ihm früher gesagt wurde. Jede 
Wissenschaft — und die unserige in dieser Beziehung mehr als alle 
anderen — ist wie eine Spirale, welohe auf ihrem vorgeschriebenen Wege 
sioh erhebt und sich in Trichterform erweitert. Genau auf den Punkt, 
duroh welchen die Spirale einmal durchging, kann sie nie wieder zurück¬ 
kommen; sie kommt zwar, und das notwendigerweise, wieder zurück, um 
nahe vorbeizugehen, aber stets ein wenig höher und weiter. 

Es ist daher unmöglich, dafs sich hier das schöne Beispiel von 
Lazarus in einer vollkommenen Auferstehung der alten Theorien wieder¬ 
holen sollte. Es ist aber wohl möglich, dafs man erkennt, dals auch die¬ 
jenigen, welche die unseren Alten teuren Theorien rücksichtslos begruben, 
nicht vollständig Hecht hatten. Es ist aber wohl möglich, dals sich er- 
giebt, dafs nicht alles von den alten Theorien das Grab verdiente. Es 
ist möglich, dals eine Revision des Prozesses stattfindet, wenn auch 
hier die Schwierigkeiten und die Hindernisse unendlich sind, und dafs 
die Verurteilung, welche schon in so vielen Büchern geschrieben steht, 
gröfstenteils wieder aufgehoben werden mufs. Gerade in dem Nachweise 
dieser Möglichkeiten — welche dem ehrenwerten Repräsentanten der bald 
verschwindenden Generationen zu einem unaussprechlichen Trost gereichen 
müssen, wenn er wirklich je als Jüngling einen Gedanken und einen 
Glauben gehabt hat — in dem Nachweis dieser Möglichkeiten sehe ich 
gerade, am heutigen Tage, die Aufgabe meiner Konferenz. 

Wer in den Vorlesungen, in den Monographien und auch in den 
neuesten Lehrbüchern unserer Lehrer nachfragt, was Syphilis ist, welches 
die Krankheitsursache ist, welches der Komplex der Krankheitserschei¬ 
nungen ist, die heute unter dem Wort Syphilis verstanden werden 


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sollen; wie sie sich von Individuum zu Individuum, von Generation zu 
Gieneration fortpflanzt; welches die Beziehung ist, in welcher ihre Ursache 
zu ihren verschiedenen Manifestationen steht, oder welches die Pathogenese 
ist, welohes der Mechanismus von allen diesen verschiedenen Manifestationen 
ist — der wird sich von allen mit phonographischer Genauigkeit und 
Monotonie antworten hören: 

Syphilis ist eine chronische, der Tuberkulose sehr nahestehende 
Allgemeininfektion, welche als besonderen Charakter diese und jene Be¬ 
sonderheiten besitzt, die hier anzuführen nicht nötig ist, da sie allen be¬ 
kannt sind, und welche ihr das Recht geben, sich spezifische Krank¬ 
heit zu nennen. 

Die Krankheitsursache, von der sie abhängt, ist noch vollständig 
unbekannt, denn, trotz des grofsen Aufsehens, welches der Bacillus von 
Lustgarten hervorrief, den einige noch immer anführen, als ob sie unter 
einer andauernden Suggestion ständen, und trotz des Beteuems von Dr. 
van Niesöen, dafs er das Syphiliskontagium wirklich entdeckt hat, und 
zwar in letzter Zeit, sind alle darüber einig, dafs keiner ihn isoliert 
hat, weder mikroskopisch, noch mit der chemischen Analyse, noch mit 
den viel sichereren Mitteln der Bakterienkulturen bestimmt hat. 

Jedoch sind auch alle darüber einig, dafs sie von einem lebenden 
Keime dargestellt wird, und das geht schon daraus hervor, dafs es heut¬ 
zutage Gewohnheit geworden ist, sie nicht mehr mit der alten nötigen 
Vorsicht syphilitisches Virus zu nennen, sondern fast alle sprechen schon 
mit der gröfsten Gemütsruhe von dem Mikrobion, ja sogar schon von dem 
Bacillus der Syphilis. 

Der Komplex der Krankheitserscheinungen, welche unter dem Worte 
Syphilis verstanden werden, ist so grofs, und ihre Varietäten sind so 
reichhaltig, dafs es in einer Konferenz nicht statthaft ist, sie auch nur 
aufzuzählen. Ich sage blofs, dafs alle noch darunter die sog. primären, 
sekundären und tertiären Formen verstehen und alle wissen, mehr 
oder weniger, was diese drei schon alten Namen, angefangen von dem 
vielgestaltigen Initialsyphilom bis zu den spätesten Gummen, bezeichnen. 
Und es ist Fournibr zu verdanken — wie ich meinerseits hinzufügen 
kann — wenn man unter dem Worte Syphilis nicht auch noch alle die 
anderen Formen versteht, welche wir unter dem Namen quaternäre 
8yphilis kennen lernten; es ist Fournier zu verdanken, dafs nicht auch 
die Lotteriegewinne der Syphilitischen mit zur Syphilis gerechnet werden, 
und höchstens, allerhöchstens, heute zu einer Nebenfamilie vereinigt werden, 
welche wir parasyphilitische Affektionen nennen. 

In jeder ihrer drei Perioden ist die Syphilis übertragbar und sie hat 
vier Arten der Entstehung und der Übertragung, keine mehr, keine 
weniger: die eine, im extrauterinen Leben, von Individuum zu Indivi- 


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duam auf dem Wege des Kontagiums, entweder unmittelbar oder mittel¬ 
bar; die anderen im intrauterinen Leben, sei es von den Eltern auf den 
Embryo, vermittelst dieses oder jenes oder beider Geschlechtsprodukte, 
sei es von der Mutter auf den schon gebildeten Fötus, auf dem Placentar- 
wege, sei es von dem Fötus auf die Mutter auf demselben Plaoentarwege, 
aber, sozusagen, auf umgekehrtem Wege. 

Was nun die Beziehung betrifft, welche zwischen der Infektion auf 
der einen und ihren Manifestationen auf der anderen Seite besteht, die 
unter sich so verschieden sind und möglicherweise auch so weit voneinander 
getrennt sind, so sind die meisten darüber einig und der festen Überzeugung, 
dafs es keine Manifestation, in keiner Periode und in keiner Form, giebt, 
ohne unmittelbares und direktes Eingreifen des Virus; andere haben schon 
mit Finger angenommen, dals, um gewisse Manifestationen hervorzurufen 
die Gegenwart des Virus unumgänglich nötig ist, während für andere die 
vom Virus präparierten Toxine genügen können; und noch andere stehen 
nicht an mit Ward anzunehmen, dafs alle syphilitischen Manifestationen 
das direkte und ausschliefsliche Produkt der von dem Mikrobion der Syphilis 
erzeugten Toxine sind: aber alle, und Ward mehr als alle, nehmen an, 
dals bei der Pathogenese jeder Krankheitserscheinung, primärer oder 
tertiärer, das Virus stets gegenwärtig oder wenigstens nicht weit entfernt ist. 

Dies sind die Antworten, welche die modernste und anerkannteste 
Syphilographie auf jene Fragen in den Vorlesungen, in den Monographien 
und in den Lehrbüchern erteilt, sodafs es für jedermann leicht ist, daraus 
zu schliefcen, dals für die moderne Syphilographie die ganze Syphilis eine 
Infektionskrankheit und nichts anderes als eine Infektionskrankheit ist. Und 
ich selbst, der ich Ihnen hier die ersten schreienden Töne eines Kriegs¬ 
gesanges bringe und die ersten Vorschläge zu einem Schisma, auch ich 
habe bis vor wenigen Jahren alles dies für bonum et laudabile gehalten. 
Ja ich war sogar gerade wie Paulus auf dem Wege nach Damaskus — 
denn im Jahre 1890, nicht weiter zurüok, habe ich mich in einem 
Artikel: Sulla sifilide in genere e sulla terziaria in specie, 
öffentlich geweigert, meinem Freunde Finger in der Ansicht zu folgen, 
dals die tertiäre nicht in direkter pathogenetischer Beziehung zu dem 
Virus stehe — als eine Stimme mich auf dem Wege zurückhielt und 
mich zwang, die Dinge besser zu überlegen. 

Diese Stimme, in Wirklichkeit, kam nicht von oben, denn erstens 
ging sie von Brüssel aus, sie ging also von Niederlanden aus; und 
zweitens ging sie von dem Munde des Doktors Boulangier aus, der so 
brav wie der fast homonyme General sein konnte, der aber für mich, 
der ich doch täglich einige Zeilen lese, vollkommen unbekannt war. Aber 
es war eine Stimme, welche das Echo von in jeder Hinsicht bedeutsamen 
Thatsachen verkündete, und die derartig war, dals sie mich zu einer voll- 


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ständigen Bekehrung führte, und je mehr ich nachdachte, um so mehr 
trieb sie mich an, gerade so wie es nach Prof. Sghiattab&lla Paulus 
erging, sie trieb mich nämlich dazu diese zwei revolutionären Ansichten 
anzunehmen, d ; e, wenn auch nicht neu, so doch gewiüs verkannt und von 
jedem guten Syphilographen, der sich respektiert, verfolgt werden: 
1. nicht alles das, was wir Syphilis nennen, ist Infektions¬ 
krankheit und 2. von dem, was wir hereditäre Syphilis nennen, 
ist der gröfste Teil nicht wahre Syphilis, d. h. wahre In¬ 
fektion skr ank eit. 

Lassen wir heute die zweite Ansicht beiseite, denn ich habe sie 
schon viel früher ab die erste in einer anderen Konferenz über denselben 
Gegenstand kurz berührt (Sifilide e Sifilismo. Riforma Medica. April 1896), 
und beschäftigen wir uns nur mit der ersten Ansicht. 

Weshalb, wie, wo ist die Syphilis keine Infektionskrankheit? Das 
ist mein heutiges Problem: und die Antwort darauf werden Sie sehen ist 
nicht sehr schwer. 

Die Syphilis besteht aus einer eminent chronischen 
Infektion. Die Syphilis wird von eminent verschiedenen 
Manifestationen vorgestellt. Es genügt, diese beiden indiskutiblen 
Prämissen vorauszuschicken, um ohne weiteres vor sich die Wege ofien 
zu sehen, die uns dazu hinführen das Weshalb, das Wie und das Wo 
aufzufinden. 

Wenn eine Infektion eminent chronisch ist, ist es absolut un¬ 
möglich, mit den Begriffen, die wir heute besitzen, zu denken, dafs der 
Organismus, der diese Infektion erträgt, seinerseits indifferent von Anfang 
bis zu Ende bleiben kann. Denn eine chronische Infektion stellt unaus¬ 
bleiblich eine chronische Intoxikation vor und die Intoxikationen, beson¬ 
ders wenn sie chronisch verlaufen, können nicht verlaufen, ohne in dem 
mehr oder weniger gastlichen Organismus, sei es von seiten der Säfte, sei 
es von seiten der festen Elemente, Reaktionen, Neuerungen, Modifikationen 
hervorzurufen. Und das ist der erste Punkt. 

Zweiter Punkt: wenn die aufeinanderfolgenden Manifestationen einer 
bestimmten Krankheit unter sich eminent verschieden sind und so ver¬ 
schieden, dafs sie substantiell verschieden zu sein scheinen, so ist es keine 
Sophisterei zu schrieben, dab sie notwendigerwebe von verschieden gearteten 
Ursachen herrühren müssen. 

Aber welchen Ursachen? 

Bestimmen wir zuerst, welches die Unterschiede sind, denn der 
Angelpunkt der komplizierten Frage liegt gerade hier — später, wenn 
wir klargestellt haben, dab gewisse Manifestationen der Syphilb wirklich 
substantiell verschiedener Natur sind, werden wir bei der Nachforschung 
über die Ursachen die Hand freier haben. 


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Wenn wir bei der Haut stehen bleiben, wo die pathologischen Pro¬ 
zesse nicht verschieden von denjenigen der Eingeweide sein können und 
wo die Prüfung dieser Prozesse leichter ist, so finden wir, dab wir für 
jede der drei Perioden, in welche von Rigord bis heute die Syphilis 
unterschieden wird, einen verschiedenen Typus der Krankheitsmanifestation 
haben: das Initialsyphilom für die primäre, die Papel für die zweite, das 
Gumma für die dritte. Auberdem, was auch immer die mumifizierten 
Bearbeiter der Materie, die, wie unsere Frauen, Neuheiten nur annehmen, 
wenn sie von gewissen Nationen und von gewissen Firmen herrühren, 
sagen mögen, wir haben noch eine andere Form syphilitischer Läsion, 
den Tuber, der zwischen Papel und Gumma die Mitte hält, aber gewils 
nicht das eine, noch das andere ist. 

Jeder dieser Typen bietet sehr grobe Differenzen gegenüber den 
anderen dar und das wissen alle. Aber diese Differenzen treten noch mehr 
hervor und auch dies wissen alle, denn auch dies ist in alle Lehrbücher 
aufgenommen, vorausgesetzt, dab der Verfasser bei der Abfassung nicht 
durch die These der Identität der Natur voreingenommen war, weil 
dann die Differenzen sich abstumpfen — aber diese Differenzen, wie ich 
sage, vergröbern sich noch mehr, wenn man die vier Typen in zwei Serien 
teilt und man die Serie der zwei primären und sekundären Formen der 
Serie der zwei tertiären oder Spätformen gegenüberstellt. 

Sehen Sie sich in der That die Manifestationen der primären und 
diejenigen der sekundären Syphilis an. 

Es bt unzweifelhaft wahr, dab sie weit von einander durch die Er¬ 
scheinungszeit, durch den Entwickelungssitz, durch die Zahl, durch die 
Verteilung und auch durch den Verlauf abstehen. Es ist unzweifelhaft 
wahr, dab ihre Objektivität gewöhnlich gänzlich verschieden bt, besonders 
mit Rücksicht auf jene oharakterbtbche Härte des Syphiloms, welche 
Fournier in brillanter Webe die Hauptnote, den Geist dieses inter¬ 
stitiellen Neoplasmas genannt hat, mit dem die Syphilb auf die Bühne 
tritt. Aber es bt auch unzweifelhaft wahr, dab diese morphologischen 
Differenzen nicht konstant sind, und wir haben mitunter, wenn das syphi¬ 
litische Virus stets nur allein wirkt, zwerg- oder abortive oder papelartige 
Syphilome, welche nicht wesentlich von einer Papel abweichen. Es ist 
auch unzweifelhaft wahr, dab sie — immer vorausgesetzt, dab Krankheits¬ 
elemente anderen Ursprungs sich nicht hinzugesellen — zugleich mit den 
Differenzen auch viele Eigenschaften gemein haben, in erster Linie 
den konstanten Ausgang in volbtändige Resolution. Es bt auch un¬ 
zweifelhaft wahr, dafs echte und wahre Charaktereigenschaften auf hbto- 
pathologisohem Gebiete nicht exbtieren oder wenigstens bb heute noch 
nicht entdeckt wurden, und die Differenzen, welche das Mikroskop uns 
anzeigt, verstehen sich alle sehr gut, ab Differenzen im Grade, angefangen 


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von jener üppigen Proliferation der fixen Zellelemente des Bindegewebes, 
ans welcher die klinisohe Hauptnote — nach dem Stile Fourniers — 
und der Geist des Syphiloms hervorgeht. Es ist auch unzweifelhaft 
wahr — auch das will ich noch hinzufügen —, dafs für alle die Differenzen, 
welche zwischen primären und sekundären Krankheitserscheinungen be¬ 
stehen können, die doppelte Beobachtung eine vollständige und unwider¬ 
legliche Erklärung giebt: 1. diejenige des Organismus auf der einen 
Seite, welcher verschieden reagiert, je nachdem die Infektion allmählich 
von einem umschriebenen Punkte aus die Totalität befällt; 2. diejenige 
der Infektion auf der anderen Seite, die natürlich nicht mit derselben 
Intensität und in derselben Weise wirken kann, während sie allmählich 
sich entwickelt, um zur Reife zu gelangen. Und mit allen diesen un¬ 
zweifelhaften Wahrheiten, denn ich nehme sie aus dem Munde derjenigen, 
welohe das revolutionäre Theorem, zu dem ich Sie heute hinführen will, 
nicht annehmen und vielleicht niemals annehmen werden, mit allen diesen 
unzweifelhaften Wahrheiten ist es, wenn es Gott gefallt, auch nicht für 
mich schwer, diesem Punkte beizustimmen, dafs, wenn es Differenzen 
zwischen den sekundären und primären Erscheinungen giebt, diese ihre 
Begründung nicht in einer verschiedenen Natur der Ursache 
haben. 

Aber eine ganz andere Beschaffenheit und eine ganz andere Trag¬ 
weite haben die Differenzen, welche zwischen allen diesen primären und 
sekundären Manifestationen auf der einen Seite bestehen und den tertiären 
auf der anderen. 

Jene sind immer sowohl ganz oberflächlich, als auch gutartig, sie 
sind immer ganz resolutiv und vollständig resolutiv, wenn sie rein sind; 
diese hingegen sind tief und schwer, sie sind niemals resolutiv, sondern 
stets desorganisierend und destruktiv, mit einem unfehlbaren Gefolge von 
Narben, auch wenn sie vollständig rein sind und auch wenn sie nicht in 
üloer&tion ausarten. Jene auf bestimmte Zeitgrenzen beschränkt und am 
häufigsten, durch ihr Erscheinen, an die verschiedenen Perioden der In¬ 
fektion gebunden und durch ihre Beschaffenheit von den verschiedenen 
Phasen der Infektion selbst geordnet und in Zucht gehalten. Die tertiären 
dagegen frei von jedem Gesetze und jedem Zwange und jeder Disziplin 
abhold — anarchisch mit einem Worte, wie Fournier sagte — derartig, 
dafe Sie sie sowohl drei Monate nach der Infektion, wie 50 Jahre später 
beobachten können, als ob sie der willkürlichsten Laune des Zufalls ge¬ 
horchten, ohne jegliche Präzision und ohne jede mögliche Voraussicht. 
Jene vom ersten Moment an, dafe die Infektion allgemein geworden ist, 
gewöhnlioh reichlich und disseminiert, ja sogar generalisiert, während 
diese hingegen relativ stets diskret und umschrieben oder regionär sind; 
jene häufig polymorph, während diese dagegen stets und unveränderlich 


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monomorph sind. Aber dies ist nicht alles, denn das Beste bleibt noch. 
Jene primären and sekundären sind eminent infektiös, denn es genügt 
ein wenig Saft zu nehmen, um mit absoluter Sicherheit behaupten zu 
können, dafs man das Kontagium in der Hand hat; die tertiären dagegen, 
99 auf 100, sind es nioht. 

Nun wohl, derartige Differenzen, wer wird mich hindern wollen, sie 
substantielle Differenzen zu nennen? Und so, wie sie sind, wie erklären 
sie sich? Vielleicht indem man daraus nur eine Frage des Grades in 
der Entwickelung der Läsionen macht? 

Aber wie wollen Sie yon Grad reden, wenn ich Ihnen ein Initial- 
syphilom zeigen kann, das zehnmal entwickelter und grölser als ein 
Gumma ist, oder eine Papel oder eine Schleimhautplaque zwanzigmal 
entwickelter und grölser als ein Tuber, ohne dafs das Gesetz der voll¬ 
ständigen oder integralen Resolution für das Syphilom oder für die Papeln 
— vorausgesetzt daft sie rein bleiben — und der unausbleiblichen Ver¬ 
letzung des betroffenen Gewebes für den Tuber oder für das Gumma 
auch nur um einzige Linie eingeschränkt wird? 

Oder indem man auch hieraus eine Frage der Zeit macht? Aber, 
um Gotteswillen, auf welche Zeit wollen Sie Rücksicht nehmen, wenn 
ich vorher mit den eigenen Worten von Fournibr daran erinnert habe, 
dafs die tertiären Krankheitserscheinungen keine Norm in der Zeit kennen 
und sogar früher als die sekundären erscheinen können? Und wie können 
Sie überhaupt mit einer Frage der Zeit die sehr interessante und nicht 
seltene Thatsache vereinigen, dafs wir auf demselben Individuum und zn 
ganz derselben Zeit in einem Teil des Körpers einige sekundäre Mani¬ 
festationen und in einem anderen Teile irgend eine gummöse oder tertiäre 
Läsion sehen? 

Die wichtige Frage, welche sich seit so vielen Jahren um das Wesen, 
um die Natur der tertiären Syphilis dreht, steht, wie ich sohon andeutete, 
in Wirklichkeit heute so: Auf der einen Seite sind sehr viele, für welche 
die tertiäre Syphilis nicht mehr und nicht weniger als eine reine und 
einfache Syphilis ist, nicht verschiedener von der sekundären als diese 
von der primären; und unter diesen hören Sie Prof. Fournier, welchem 
die Syphilidologen der ganzen Welt die höchste Autorität eines Zaren 
zuerkennen, die Gummen für syphilitische Erscheinungen par exoel- 
lence erklären; und Sie hören Pellizzari, der zu den scharfsinnigsten 
und erfahrensten italienischen Syphilidologen gehört, sie wahre und 
eigentliche spezifische Erscheinungen nennen. Auf der anderen 
Seite stehen andere, nicht gerade viele, welohe in der tertiären zwar 
Syphilis sehen, aber eine ein wenig von derjenigen der ersten beiden 
Perioden verschiedene Syphilis; und an ihrer Spitze steht Finger, 
welcher erklärt, dafs die Gummen spezifische Produkte bakteri- 


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scher Toxine sind, aber ohne Bakterien. Und in einer entfernten 
and dunklen Ecke ans der la favella giunge appena sind die sehr wenigen, 
die in der tertiären das Produkt einer postsyphilitischen Dyskrasie sehen, 
die vollständig der Attribute einer virulenten Krankheit entkleidet ist. 

Gut; die sehr vielen, welche, aus Güte, absolut wollen, dafs diese 
beiden Syphilisformen, die gutartige und die schwere, die resolutive und 
die nicht resolutive, die kontagiöse und die nicht kontagiöse, ein und 
dasselbe Ding seien, haben, da sie das ganze Gewicht und die Tragweite 
dieser substantiellen eben citierten — und ich citierte nicht einmal alle — 
Differenzen nicht verbergen konnten, anstatt sie zu erklären, vor allem 
daran gedacht sie entweder abzuschwächen oder sogar zu leugnen: und 
die Buhe der Wissenschaft, die keine menschlichen Rücksichten kennt, 
will, dafs man bekennt, dais für dieselben jedes Argument gut erschien, 
am die sehr dornige These zu stützen 1 

Nbisskr z. B., als er vor 15 Jahren das Kapitel „Syphilis“ für das 
grolse Handbuch Ziemssens schrieb, bekämpfte die Nichtkontagiosität 
der tertiären Syphilis, und um es zu thun, citierte er in erster Linie 
Haenfell, welcher „mittelst Experimenten an Tieren, und zwar posi¬ 
tiven und wie mir scheint (Worte Neissers) unbestreitbaren, die Möglich¬ 
keit bewiesen hat, dais gummöse Massen infektiös sind, gerade so, wie die 
Sekretionen der initialen Perioden“ und welcher dann anführte, dais die 
von Birch-Hirschfeld beschriebenen Mikroorganismen der Syphilis sich 
gerade in den Gummen vorfinden! 

Und als dann allen klar wurde, dais derartige Argumente keinen 
Schatten von Gehalt hatten, glauben Sie, dafs die Überzeugung von 
Neissbr und von den anderen sich geändert habe? Nicht im Traumei 
Ja, man mufs sogar behaupten, dafs die Serie ihrer Argumentationen 
fortfuhr immer mehr zu hinken, bis auf heute 1 

Wollen Sie einen Beweis dafür? Da ist Jullien, der noch vor 
zwei Monaten 70 und noch mehr Experimenten, die beim Menschen mit 
Inokulation vom Gumma, vom Tuber, vom Blut Tertiärer u. s. w. gemacht 
worden, und zwar alle — alle sage ich — mit negativem Resultate, 
keinen Wert beimessen will, und wissen Sie weshalb? „Weil, wie Balzer 
richtig bemerkte, Diday und Finger nicht experimentiert haben, als die 
tertiären Neoplasien in der Bildungsperiode waren, sondern im Gegenteil 
in der Degeneration und in der Erweichung.“ 

Wollen Sie einen anderen Beweis? Da ist Fournier — und mir 
scheint, dafs ich nicht Namen citiere, die so unbekannt sind, wie der 
meinige — Neisser, Jüllien, Fournier, drei Namen, die allein schon 
im stände sind, eine ganze historische Periode der Neuheit und des 
Ruhmes für die Syphilographie darzustellen — da ist Fournier, 
der vor fünf Monaten nicht ansteht, die 70 und noch mehr wohl gezählten 

Monatshefte. XXYIH. 6 


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Experimente — and die alle, wie ich sagte, unerbittlich negativ waren — 
für „noch zu wenig zahlreich“ erklärt. Und der eine, wie der andere 
dieser beiden sehr bedeutenden Spezialisten zieht wohlgefällig den Hnt 
vor irgend einem positiven klinischen Fall ab — vor irgend 
einem Falle, in dem gewöhnlich eine Frau mit frischer Syphilis, als 
einzigen Verantwortlichen für die eigene Infektion, entweder den Ehemann, 
wie man leicht versteht, oder sogar den Geliebten, der eine tertiäre Ulce- 
ration trug, anklagte! 

Nun, mein sehr liebwerter Freund Jullien, waren nicht vielleicht 
auch die tertiären Läsionen dieser Eheleute oder dieser Verliebten, die 
angeklagt wurden, im Moment ihrer Degeneration oder ihrer 
Erweichung, als sie sich als kontagiös erwiesen? 

Nun, mein bedeutender und verehrter Meister Fournier, seit wann 
haben denn so viele Zehner von Experimenten, die ihrerseits durch noch 
viel mehr klinische Thatsachen, auch diese alle negativ, bestätigt wurden, 
jeden Wert gegenüber den Erklärungen verloren, die, wenn auch nicht 
von verdächtigen, von acht oder zehn Damen — sagen wir, als wohl 
erzogene Personen, die wir sind, Damen — oder von acht oder zehn Per¬ 
sonen beiderlei Geschlechts gemacht wurden, ohne dafs man im ent¬ 
ferntesten daran denkt zu fragen, ob ein so schreiender Widerspruch nicht 
auszugleichen sei? 

Ich weiis nicht, auch möchte ich nicht in Grobheit sündigen, aber 
dies scheint mir der Gipfel von jener galanten Ritterlichkeit zu sein, in 
der mehr als die Franzosen stets die Spanier die allerersten Meister waren! 

Wie dem auch sein mag, das, was mich drängt festzuhalten, ist das 
folgende: dafs man vor allem danach gestrebt hat, die eben besprochenen 
Differenzen zu leugnen oder abzuschwächen und dafs man, um dies zn 
thun, nicht nach Argumenten gesucht hat: dies ist schon an und für sich 
genügend symptomatisch — wie wir Mediziner sagen. 

Dann, als man vielleicht sah und fühlte, dafs der Versuch nicht 
allzuviel versprach, hat man sich die Mühe gegeben dieselben zu erklären. 
Und damit sind wir bei einer Reihe von Meinungen angelangt, die für 
die schwierige Aufgabe herangezogen wurden; Meinungen, welche schon 
durch ihre groise Zahl ebenfalls ein Symptom abgeben und die in ihrer 
Varietät und in ihrer Bewegung, man kann sagen, alle die bunten Ge¬ 
berden und alle die ergötzlichen Anziehungspunkte der heute wieder Mode 
gewordenen Menuetts darbieten. 

A propos der Menuetts, haben wir, um meine Phrase zu rechtfertigen, 
auf der einen Seite eine kleine Gruppe von Schwesterideen: die von 
v. Bärensprung, die von Langlebert, die von Bäumler. Alle drei 
nehmen an, dais, um tertiäre Syphilis hervorzurufen, immer dasselbe 
Virus in Aktion bleibt, das die primäre und sekundäre hervorgerufen hat: 


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alle drei erkennen an, dafs, wenn die Produkte verschieden sind, es nur 
von der von dem Organismus erlittenen Modifikation abhängt: nur haben 
sie an den Arm ihrer Ideen ein Band von verschiedener Farbe angebunden, 
damit sie sich beim Menuett unterscheiden, denn, um diese Modifikation 
des Organismus zu erklären, schreibt der erste sie einem Excefs von 
Mercurium zu, der zweite der Therapie, der Hygiene und der Konsti¬ 
tution des Individuums und der letzte schreibt sie hingegen der Infektion 
selbst zu. 

Und auf der anderen Seite haben wir eine andere kleine Gruppe von 
Schwesterideen: die von Celso Pellizzari, die von Ward und die von 
Klotz. 

Pellizzari schreibt die tertiären Formen einem Wiedererwachen des 
schon abgeschwächten und latenten Virus zu, das will so viel sagen, wie 
des eingeschlafenen Virus, Ward dem Übergange der Mikrobien der 
Syphilis aus dem Stadium des Bacillus in das der Sporen, Klotz einer 
Modifikation der gewöhnlichen Bakterien der Syphilis in Bakterien mit 
einer viel schwächeren Virulenz. Diese Modifikation würde nach Klotz 
permanent sein und würde uns daher gleichsam eine neue und stabile Bakte- 
rienart geben, die fähig ist als solche auch auf andere Individuen überzugehen 
und nicht eine gewöhnliche Syphilis, sondern ohne weiteres eine tertiäre 
Syphilis hervorzurufen: eine neue und stabile Art, die er selbst tertiäre 
Bakterien nennt und die wir daher, sowohl in Hinsicht auf den Namen, wie 
auf ihre Eigenschaften, bequem vergleichen könnten mit jenen sog. Tertiären 
des Heil. Franziskus, eingesetzt von Pius IX., die halb und halb Franzis¬ 
kaner sind, Mönche und auch nicht Mönche, niemals in Reinkulturen bei¬ 
sammen lebend, sondern zerstreut und unbekannt zwischen den Maschen 
des sozialen Organismus und weit entfernt sind, die Virulenz der Jesuiten 
oder auch nur der Kapuziner zu besitzen, von der sie eine Abzweigung 
darstellen würden. 

Und auf einer dritten Seite finden wir eine andere Gruppe von 
Ideen; die von Neissbr und diejenige von Jadassohn und den anderen 
Anhängern der Schule von Breslau. 

Neisser — welcher wohlbedacht diese Schule von Breslau gegründet 
hat und sie brillant fährt — erklärte in seinem schon erwähnten Kapitel über 
Syphilis, nachdem er, wie wir sahen, die schwierigste der Differenzen 
umgangen hatte, nämlioh die der Nichtkontagiosität, indem er sie 
zu leugnen strebte, die anderen Differenzen folgendermaßen: als Haupt- 
nisache nahm er eine spezifische Modifikation der Gewebe an: die 
Bakterien immer gegenwärtig, aber in ihrer Virulenz modifiziert 
und an Zahl verringert — dies ca. im Jahre 1883. Im Jahre 1895, 
auf dem Kongresse zu Graz, existiert die Idee von damals nicht mehr, 
an die verringerte Quantität des virulenten Materials denkt er nioht mehr. 

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Jedoch gleich nach ihm auf dem Kongreis trat Jadassohn — einer seiner 
Schüler, der omai per 8 b si ciba — auf, um zu reden und rief Neisser 
seine alte Idee in die Erinnerung zurück, die er für viel besser hielt; 
und mit einem schönen Vergleich mit dem, was sich hei der Tuberkulose 
der Haut bewahrheitet, wies er nach, dafs man ohne die Hypothese der 
verringerten Quantität der Bakterien ganz und gar nicht Aus¬ 
kommen kann, während die Hypothese der Modifikation in ihrer Virulenz 
gänzlich überflüssig sei. Neisser überzeugte sich damals und — wie die 
Figuren des Menuetts — verneigte er sich und zog sich zurück. Vor 
einigen Monaten nun bei Gelegenheit der Serumtherapie der Syphilis hat 
er von neuem über diesen Gegenstand gesprochen, ist aber nicht mehr 
auf Seiten Jadassohns und auch nicht mehr sich selbst treu, sondern 
kehrt beinahe wieder zu seiner alten Idee zurück, denn, obgleich er trotz 
Reserven und Parenthesen deutlich verstehen läfst, dafs er auf die Idee 
der Abschwächung des Virus nicht verzichten kann noch will, so kommt 
er — merkwürdig zu sagen nach so vielen negativen Vorbereitungen — 
gedrängt durch die Stimme der Thatsachen sohlieislich dazu, anzunebmen, 
dafs es Gummen giebt ohne direktes Eingreifen und ohne Gegenwart von 
Bakterien. 

Dieses sind die Hauptgruppen der charakteristischsten und erwähnens¬ 
wertesten Ideen, die herangezogen wurden, um jene Differenzen 
zu erklären, ohne auf die Meinung von der Identität in der Natur der 
tertiären Syphilis zu verzichten. Aber, während alle diese verschiedenen 
Ideen, die mit dieser einzigen Absicht zu einer Figur gruppiert sind, sich 
in der Verschlingung des studierten und abgequälten Tanzes zur Schau 
stellen und hervortreten und sich begegnen und sich zurückziehen, wer 
sieht nicht, wie alle mehr oder weniger nichts weiter als Strohpuppen 
sind, ohne Fleisch und Knochen? Wer erkennt nicht, dafs jede bei 
jedem Hauche der nicht schwierigen Einwürfe stets sogleich hinsinkt? 

Haben Sie Mitleid, meine Hörer, mit ihnen I hier ist eine Kritik mir 
nicht erlaubt. Aber Sie selbst können, ohne Mühe, dieselbe unternehmen, 
wenn Sie besonders das Hauptfaktum, das ich schon citierte, in Betracht 
ziehen, dafs jedesmal, wo eine Impfung mit tertiärem Material jeglicher 
Art versucht wurde, die Impfung stets negativ ausfiel und es auf klini¬ 
schem Gebiete zahllose Fakten giebt, welche diese Resultate so vieler 
Versuche bestätigen, dais hingegen, wenigstens bis heute, die Thatsachen 
spärlich sind, die damit in Widerspruch stehen. Anstatt Ihnen die nicht 
notwendigen Elemente für die Zerstörung des Alten zu liefern, gehe ich 
statt dessen dazu über, Ihnen nachzuweisen, wie und wo das Neue mit 
einer richtigeren Erklärung jener Differenzen konstruiert werden kann: 
und mit wenigen Worten werde ich trachten zu Ende zu kommen. 

Ich habe eine gute Frau, zu der ich Vertrauen habe, und mit Rück- 


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sieht auf sie mache ioh mir eine sehr strenge Pflicht daraus, ritterlich zu 
sein, wie meine französischen Kollegen und systematisch zu allen Frauen 
Vertrauen zu haben. 

Ich weise daher, bei der Aufstellung meiner Theorie, die klinischen 
Beobachtungen von Laudonzy und von Fournieb und yon anderen nicht 
zurück, aus denen hervorgeht, dafs einige tertiäre, ulceröse Formen in¬ 
fektiös waren. Ich weise sie nicht zurück, noch umgehe ich sie, sondern 
erkläre sie: ich erkläre sie — wie sogleich gesagt wird — in einer 
Weise, die Sie, wie ich mir schmeichle, sogleich als gut und vollständig 
anerkennen werden: und indem ich sie so erkläre, halte ioh an der Über- 
seugung von dem Hauptcharakter der tertiären Syphilis — der Nicht- 
kontagioeität — fest, was die Grundlage meiner Theorie ist. 

In gleicher Weise weise ich nicht zurück und verkenne ich nicht 
jene Differenzen zwischen den primären und sekundären Formen, welche 
für die meisten der kräftigste Beweisgrund sind, um aus allen syphiliti¬ 
schen Manifestationen insgesamt eine einzige Sache zu machen. Ich ver¬ 
kenne sie nicht und ioh weise sie nicht zurück: sondern verlange von 
allen, dats man mir nicht kommt und sagt, aus polemischen Rücksichten, 
dafs diese Differenzen von derselben Art und von derselben Tragweite 
sind wie diejenigen, welche zwischen den primären und sekundären 
Formen einerseits und den tertiären anderseits bestehen, denn der 
Beweisgrund steht mit der Klarheit der Thatsachen in Widerspruch für 
den, der ohne Vorurteil sieht. 

Und, nachdem auf diese Weise die beiden am meisten wiederholten, 
wenn nicht ernstesten Einwürfe bei Seite geschafft sind, die, zur Genüge 
erklärt, sich vollkommen mit meiner Idee vereinigen lassen, fühle ich 
mich im Hechte mit gröfster Gemütsruhe zu behaupten, dafs derjenige, 
welcher sich auf richtige Weise von den substantiellen Differenzen, die 
zwischen primärer und sekundärer Syphilis einerseits und der tertiären 
andererseits bestehen, eine Erklärung verschaffen will, sich notwendiger¬ 
weise zu den Wenigen sohlagen mufs und niohts anderes an¬ 
nehmen als eine Verschiedenheit in der Natur. 

Was bedeutet nun eigentlich Verschiedenheit in der Natur 
deutlicher ausgedrückt? Um das zu wissen, kehren wir zu einigen sohon 
gebrauchten Ausdrüoken zurück, denn Verschiedenheit in der Natur kann 
nichts anderes bedeuten als Verschiedenheit der Ursachen, und nehmen 
wir so wieder die Untersuchung dieser Ursachen auf — die wir ja vorhin 
gerade unterbrochen haben — um zu sehen, ob und wo sich verschie¬ 
dene Ursachen auffinden lassen. 

Wo die Krankheit Syphilis einmal auftritt, beginnen zwei Ele¬ 
mente ihr Spiel: das syphilitische Gift und der infizierte Organismus. 
Das Virus, um die Krankheit hervorzurufen, setzt seine Toxine in Be- 


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wegung. Der Organismus — der, wie wir sagten, in keiner Weise bei 
der chronischen und spezifischen Intoxikation indifferent bleiben kann — 
löst alle die physischen, chemischen, dynamischen Störungen ans, welche 
die Infektion in den vitalen Funktionen von ich weifs nicht welchen und 
wievielen der konstitutiven Elemente des Organismus selbst hervorruft, 
löst alle die Substanzen von verschiedener Art und von verschiedener 
Kraft aus, die aus jenen Störungen daher notwendigerweise herrühren 
müssen, sei es in Association, sei es in Substitution der gewöhnlichen 
physiologischen Substanzen, deren Präparation infolge der Infektion ver¬ 
ringert oder unterdrückt wird. 

So haben wir von dem Momente an, wo eine Syphilis sich in einem 
gegebenen Körper entwickelt hat, in ihm eine Reihe von primären 
Agentien — wie Prof. Centanni in einem vor kurzem erschienenen 
Artikel sagte —, die vom Virus herrühren, und eine Reihe von sekun¬ 
dären Agentien, dargestellt von den Produkten des unter dem Einfluls 
des primären Agentium selbst veränderten Gewebes, d. h. wir haben eine 
bakteri8che Intoxikation und, in zweiter Reihe, eine Folge von Auto¬ 
intoxikationen. 

Und da, wie wir alle wissen, die Intoxikation chronisch ist und da, 
wie wir alle wissen, sich aniserdein in den von dieser chronischen und 
noch dazu spezifischen Intoxikation befallenen Organismen spezifische, 
dauernde oder unleugbar permanente Modifikationen entwickeln, wie z. B. 
die Immunität gegen jede andere syphilitische Infektion, deshalb sind wir 
vollständig autorisiert anzunehmen, dals die Veränderungen und die Modi¬ 
fikationen in den Geweben durch die primären Agentien der Infektion, 
Virus und seine Toxine, hervorgerufen, dauernd und auch permanent sein 
können und dals sich aus solchen Veränderungen und Modifikationen 
daher auch, seien es unmittelbare oder nach kurzer Frist einsetzende, 
seien es langsame, andauernde, aufeinanderfolgende Autointoxikationen 
herleiten können, deren Wirkungen weder Norm des Ortes noch der Zeit 
keimen werden und, um sich kenntlich zu machen, warten werden, bis 
sie auf irgend eine Weise hervorgerufen werden. Bakterische Intoxi¬ 
kationen daher und multiple Autointoxikationen. 

Damit versteht man leicht, dals wir, um die verschiedenen Krankheits¬ 
manifestationen, die man bisher unter dem Namen Syphilis vereinigte, 
zu erklären, eine so grolse Zahl von verschiedenen Ursachen oder von 
verschiedenen Bündeln von Ursachen in der Hand haben, dals sie für 
jegliches Bedürfnis genügen. Und obgleich uns von diesen Ursachen noch 
keine wirklich bekannt ist, so befinden wir uns, um trotzdem schon jetzt 
die verschiedenen Manifestationen der sog. Syphilis, besonders diejenigen, 
welche wir für unter sich substantiell verschieden erklärten, zu deuten in 
keiner anderen Verlegenheit, als in derjenigen, auf dem Wege der In- 


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tuition, diesem oder jenem Krankheitsprozefs diese oder jene Ursache, 
dieses oder jenes Bündel von Ursachen zuweisen. 

In Betreff der tertiären Syphilis scheint mir eine Sache leicht ver¬ 
ständlich zu sein, eine Sache, ich möchte schon heute sicher sagen, 
nämlich dafs, wenn die primäre und sekundäre Syphilis notwendigerweise, 
wie alle zugeben und wie ich vollkommen beipflichte, von den primären 
Agentien der Infektion abhängen müssen oder von der bakterisohen 
Intoxikation, die tertiäre, als von jener primären und sekundären 
Syphilis substantiell verschieden, notwendigerweise dagegen anderen 
verschiedenen Ursachen zur Last gelegt werden mufs und zwar den 
sekundären Autointoxikationen. 

Diesen Autointoxikationen müssen notwendigerweise, wie es die Logik 
der Thatsachen verlangt, mehrere Dinge zugeschrieben werden: drei von 
ihnen unleugbar — zwei wohlthätige und wünschenswerte und eines häufiger 
verhängnisvoll — und zwar 1. ein grolser Teil in der Verteidigung des 
Oiganismus, Verteidigung, die von der periodischen Repression der ver¬ 
schiedenen Blütezeiten der Infektion bis zum Erlöschen der Infektion 
selbst geht; 2. die allmähliche Immunisation des Organismus; 3. alle jene 
Krankheitsmanifestationen und alle jene Affektionen, die man modern 
parasyphilitische nennt. 

Nun verlangt die Logik, dafs die tertiären Formen ihren Posten 
haben müssen an der Seite dieser parasyphilitischen Manifestationen, aber 
gewils nicht an der Seite der primären und sekundären Manifestationen, 
Und dies, weil sie wie jene nicht infektiös sind; wie jene und besser als 
jene mehr als vom Quecksilber von Jod günstig beeinflufst werden; wie 
jene und mehr als jene keine Norm in der Zeit haben und sogar viele 
Jahre, nachdem man von Infektion nicht mehr reden kann, erscheinen 
können u. s. w. Aber hiermit beabsichtige ich jedoch nicht zu sagen, 
dafs sie als dieselbe Sache, wie jene angesehen und deshalb mit ihnen 
znsammengeworfen werden müssen. 

Auch die Intoxikationen, von denen alle diese verschiedenen Dinge 
rieh ableiten, müssen notwendigerweise von verschiedener Art sein. Ver¬ 
schieden je naohdem die toxischen Substanzen, welche ihr Agentium sind, 
unter der direkten und unmittelbaren Wirkung des Virus und seiner 
Toxine oder statt dessen von den vorübergehenden oder den permanenten 
Modifikationen erzeugt worden sind, welche der Durchgang jenes Virus 
in dem Organismus gesetzt hat; verschieden je nach der Zeit, dem Organ 
und dem Gewebe dieses oder jenes Organs oder Systems, in dem jene 
Substanzen präpariert werden; verschieden je nach der Qualität und den 
zeitlichen und zufälligen Bedingungen und den permanenten und essen¬ 
tiellen des Organismus oder des Organs oder des Gewebes, von dem sie 
geliefert werden. Und wenn sie der Qualität nach verschieden sind, so 


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müssen sie natürlich auch der Wirksamkeit nach verschieden sein, daher 
dann verschiedene Wirkungen. Und es ist auch nicht unwahrscheinlich, 
dais manche von ihnen speziell oder spezifisch — wenn man so sagen 
will — für jenes gegebene Virus sind, wahrend andere sozusagen banale 
Autointoxikationen sein würden. 

Man braucht daher in der tertiären Syphilis ganz und gar nicht das¬ 
selbe zu sehen wie in der Tabes, in der allgemeinen Paralyse, in der 
amyloiden Degeneration u. 8. w. Ja sogar alles spricht dafür sie für 
gänzlich verschiedene Dinge zu halten; alles spricht dafür, in ihnen sogar 
die Wirkungen von dieser oder jener banalen Autointoxikation zu sehen, 
im stände auch aus sehr verschiedenen Quellen herzukommen, in den 
tertiären Affektionen hingegen die Wirkungen einer Autointoxikation, 
wenn nicht spezifisch wenigstens spezial und eigen nur 
chronischen Infektionen, wie der Tuberkulose und der Sy¬ 
philis. Und das ist es gerade, was ich denke; das ist gerade die An¬ 
sicht, die ich mir über die tertiäre Syphilis nach Überlegungen gebildet 
habe, zu denen mich der Artikel von Boulangier geführt hat über das, 
was hereditär in der Syphilis sein kann, und das, was es nicht sein kann. 

Mit dieser Auffassung erkläre ich ausgezeichnet alle die substantiellen 
Differenzen, weiche zwischen der tertiären und der andern Syphilis be¬ 
stehen, erkläre ich ausgezeichnet, wieso die tertiäre gewöhnlich tardiv ist, 
aber auch bald frühzeitig, bald sehr tardiv sein kann, erkläre ich aus¬ 
gezeichnet, warum sie nicht infektiös ist. Und die wenigen Fälle, in 
denen sie es zu sein schien, wenn sie es wirklich war, erkläre ich eben¬ 
falls ausgezeichnet, denn unter diesem Gesichtspunkte treten die tertiären 
Läsionen — Gummen, Tuber etc. — heran, um teil zu nehmen an den 
nicht syphilitischen Krankheitsprozessen, wie Akne, Furunkel, weichem 
Schanker, Vaccine etc., die sich in einem mit im Blute befindlicher 
syphilitischer Infektion behafteten Individuum entwickeln können und die 
in ihren pathologischen Sekreten die Gegenwart und den Aufenthalt des 
syphilitischen Virus naohempfinden können und die daher Quellen | 
syphilitischer Infektion sein können, ohne Syphilis zu sein. | 

Es ist nicht gesagt, dais die syphilitische Infektion nur eine gegebene | 

Zahl von Monaten oder von Jahren und nicht mehr dauern kann. Ge¬ 
wöhnlich dauert sie nicht mehr als drei Jahre, sie kann aber nur ein 
Jahr allein dauern, wie sie auch zwanzig dauern kann, und alle wissen es 
nach den Statistiken von Fon roter und nach dem Vortrag des verstor¬ 
benen Feulard auf dem Kongresse in London. 

Jetzt nehmen Sie an, dais sie mehr als gewöhnlich dauert; nehmen 
Sie an, dais sie inzwischen im Organismus die dauernden Veränderungen , 
und Modifikationen hervorgerufen hat, aus denen die toxischen Substanzen, 
Welche diese oder jene sog. tertiäre Manifestation verursachen, sich her» 


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leiten; nehmen Sie an, da£s günstige Gelegenheiten vorhanden gewesen 
sind, um die Explosion einer oder mehrerer dieser tertiären Manifestationen 
zu erzeugen, so haben Sie im Organismus, mit der nooh immer kräftigen 
Infektion, Manifestationen fähig auf andere jene Infektion zu übertragen, 
jenen wie Fournieb in seinem Buche über die Impfsyphilis bewiesen 
hat, daüs es für die Lymphe stattfinden kann. Und wie Fournieb im 
Falle der Impfinfektionen keine Pflicht gefühlt hat die Impfläsion unter 
die syphilitischen zu rechnen, so haben wir in unseren Fällen keine 
Pflicht, die tertiären Läsionen unter die syphilitischen eingeschrieben zu 
halten. 

Dies ist also — um zu unserer ersten Frage zurückzukehren — das 
Wie und Wo die Syphilis für uns nicht mehr Infektionskrankheit ist. 

Und da wegen der Beziehungen und der Bedingungen, in denen 
diese tertiäre Syphilis sich vorbereitet, wegen der Gründe, welche sie 
dazu bringen, sich zu manifestieren, wegen der Art, in der sie sich ent¬ 
wickelt und sich verhält, ich in ihr alle die Elemente finde, von einer 
besonders unter den sog. Diathesen, die heute von den meisten an¬ 
genommen sind, und zwar von der scrophulösen Diathese, so haben 
Sie, wie und wo meiner Meinung nach man auch bei der Syphilis von 
neuem wieder von Diathese sprechen kann, ja sogar mufs. 

Diathese sagte ich, meine Herren, und ich glaube nicht, mich ver¬ 
bessern zu müssen. Denn wenn nach der blendenden Schule in Paris, 
von der Bouohard der göttliche Meister ist, Diathese ist „eine Störung 
dar nutritiven Mutation, welche nach symptomatischen Formen, nach ana¬ 
tomischem Sitze und nach dem pathologischen Prozeis unter sich ver¬ 
schiedene Krankheiten präpariert, provoziert und unterhält u , wenn Diathese 
kurz ein krankhaftes Temperament ist, so haben sie 100 Daten in 
der Hand, geeignet, um diesen Namen allen jenen Manifestationen der 
Syphilis anzupassen, die nicht in direkter pathogenetischer Beziehung 
zum Virus und zu seinen Toxinen stehen und von denen die sog. tertiäre 
Syphilis einen so grofsen Teil ausmacht. Und wenn Diathese — wie 
die 3chule von Montpellier will, von der Prof. Grossst der letzte Apostel 
sein würde — ein krankhafter Zustand ist und daher „eine all¬ 
gemeine, spontane, von ihrer provokatorischen Ursache emanzipierte, 
chronische Krankheit mit vielfältigen und verschiedenen Manifestationen u 
so kann man sehr gut — mit wenigen und leichten Varianten — Dia¬ 
these auch jenen ganzen Teil der Syphilis nennen, von dem wir ange¬ 
nommen haben, dals er von den verschiedenen postsyphilitischen Auto¬ 
intoxikationen, angefangen von den tertiären Affektionen, abhängt. 

Auf diese Weise sehen wir jetzt den beiden Ausgangspunkten, welche 
wir vorhanden fanden, wenn die Krankheit Syphilis auftritt — dem 
Virus und dem Organismus — genau, sagen wir zwei Ankunftspunkte 


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entsprechen — die Infektion und die Diathese. Die Infektion vorgestellt, 
in der Krankheit, von den immer infektiösen und immer resolntiven 
Formen, den sekundären und primären, und die Diathese — kurz gesagt, 
dargestellt von dem Best: die Infektion notwendig und konstant in jedem 
Falle und die Diathese möglich und auch häufig zwar, aber nicht unum¬ 
gänglich nötig; die Infektion nicht übertragbar wahrscheinlich durch wahre 
und eigentliche Heredität und die Diathese dagegen sehr übertragbar, ja 
sogar so leicht übertragbar und so häufig übertragen, dafs sie zweifellos 
neun Zehntel von alledem, was wir heute hereditäre Syphilis nennen, 
ausmacht. 

Damit habe ich Ihnen, meine Herren, wenn auch in konciser und 
daher notwendig dunkler Weise gesagt meine Auffassung der Sache. 
Jetzt, zum Schlüsse, kommen wir zu den betreffenden Worten. 

Diesem Komplex von Thatsachen, die sich nach mir unter dem Namen 
syphilitische Diathese zusammenfassen lassen, habe ich einst vor- 
geschlagen den Namen Syphilismus zu geben, indem ich das Wort 
Syphilis aufsparte, um den Teil der Krankheit zu bezeichnen, der 
direkt und vielleicht auch einzig von der Infektion abhängt. Heute 
jedoch, indem mein Urteil sich von Überlegung zu Überlegung gereift 
hat, möchte ich die Dinge lieber mit einer neuen Unterscheidung in den 
Ausdrücken bezeichnen. 

Unter den vielen Erscheinungen, welche, wie ich sagte, ich in der 
Diathese vereinige und die ich hier nicht einmal habe aufzählen können, 
die ich aber genauer möglichst bald in einer vollständigen Arbeit über 
diesen sehr ausgedehnten und verwickelten Gegenstand studieren werde, 
habe ich heute einzig die tertiäre Syphilis auf der einen Seite und alles 
das, was man einst quaternäre Syphilis nannte, und alles das, was 
man gegenwärtig parasyphilitisch nennt, auf der anderen Seite hervor¬ 
gehoben. Diese verschiedenen Dinge jedoch, wie ich schon erklärt habe, 
beabsichtige ich deshalb nicht miteinander zu verschmelzen, noch zu ver¬ 
wechseln ; ich beabsichtige nur, sie einander nahe zu stellen. Und damit 
man sie nioht miteinander verschmilzt, noch verwechselt, schlage ich vor 
die tertiäre Syphilis spezifischen oder spezialen Syphilismus za 
nennen, der, wie ich hervorhob, von einer Autointoxikation durch der 
Syphilis eigene oder höchstens nur den chronischen Infektionen von der 
Art der Syphilis eigene Modifikationen des Organismus herrühren mufs; 
ich schlage vor, dafs man banalen Syphilismus die anderen Dinge 
nennt, die von Autointoxikationen herrühren, die hervorzurufen nicht nnr 
chronische bakterische Intoxikationen, sondern auch viele andere Intoxi¬ 
kationen genügen können, wie es gerade bei den amyloiden Degenerationen 
der Eingeweide, bei der Tabes dorsalis u. a. m. geschieht. Oder, um 
noch bündiger und vorsichtiger zu sein und um mich auch ein wenig an 


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die schon za gewöhnlichem Brauch gewordene Sprache anzupassen, schlage 
ich vor Syphilismus — ohne weiteres — den sog. Tertiarismus zu 
nennen und Parasyphilismus das übrige. Und damit hätten wir schon 
drei ganz klare und ganz unterschiedliche Worte, mit einem ganz neuen 
Inhalt in der Krankheit Syphilis gewonnen und zwar das Wort 
Syphilis, das Wort Syphilismus und das Wort Parasyphilismus. 

Ich weife nicht, ob der Tag kommen wird, an dem von mir oder 
von anderen mit Erfolg diese subtile Arbeit der Analyse und der Aus¬ 
wahl für die Tuberkulose wiederholt wird, von der ich Ihnen heute für 
die Syphilis eine Probe gegeben habe. Ich weifs nicht, ob der Tag 
kommen wird, an dem, besonders auf dermatologischem Gebiete, es 
mir oder einem anderen glückt zu beweisen, dafe Lupus — wie mir 
schon seit langer Zeit hin und wieder durch den Kopf geht, während ich 
vergebens flehe, dals il ciel disperda il mal pensiero, der mich in 
Widerspruch mit alle dem setzen würde, was heute Ansehen genieist — 
von den wahren und eigentlichen Tuberkulosen der Haut herausgenommen 
und statt dessen zusammen mit den scrophulösen Gummen und anderen 
Manifestationen der Scrophulose zu einer Familie krankhafter Erscheinungen 
vereinigt werden mufe, die nicht direkt von den primären Agentien der 
tuberkulösen bakterischen Intoxikation abhängen, sondern von den auf 
jene bakterische Intoxikation folgende Autointoxikation. Wenn er kommen 
wird, so werden wir dann zwei sehr nahe bei einander stehende Diathesen 
haben — den Syphilismus und den Tuberkulismus. 

Sie werden gewifs nicht eine und dieselbe Sache sein; ja sogar sie 
werden immer sehr ausgesprochene Differenzen darbieten, sei es, weil das 
Virus der Syphilis, einmal aufgenommen, Immunität verleiht, während das 
andere hingegen in den menschlichen Organismen eine immer gröfsere 
Prädisposition für die Tuberkulosen jeder Art zu schaffen scheint, sei es, 
weil die Syphilis eine Infektion mit fixem Contagium ist, während die 
andere ein flüchtiges Contagium ist, derart dafs ihre Bacillen stets und 
überall anzutreffen sind und stets und überall und auf jeglicher Läsion 
des prädisponierten Organismus sekundäre Infektionen oder sekundäre 
Anwesenheit von Bacillen stattfinden kann. Aber sie werden unleugbar 
sehr nahe stehen; so nahe, dafs sie uns eine eindrucksvolle, wie lehrreiche 
Parallele erlauben; so nahe, dafs sie ihre hervorstechendsten und charakte¬ 
ristischsten Manifestationen — wie Lupus tubercularis und Syphilis 
tuberosa, auch Lupus syphiliticus genannt, wie Gumma syphiliticum 
und Gumma scrophulosum — in vollkommener Übereinstimmung besitzen; 
so nahe, dals sie sich uns häufig, nach der Meinung aller, untereinander 
identisch vorstellen und gewife häufiger ganz und gar nicht voneinander 
zu differenzieren sind. Und diese beiden Diathesen, verstanden, wie man 
leicht versteht, in einer von der bisher gültigen Weise vollständig ver- 


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schiedenen, werden den Zutritt zu einer Vermehrung der Zahl und zu 
einer Unterscheidung in Kategorien der Diathesen öffnen, denen die mo¬ 
derne Medizin, meiner Meinung naeh, und mit Recht die Thore öffnet; 
und in dieser neuen Unterscheidung werden sie den Typus der Diathese 
durch der chronischen bakterischen Intoxikation sekundäre 
Autointoxikationen vorstellen, während der Uricismus, oder wie 
man heute sagt, der Arthritismus immer den Typus der Diathese 
durch chronische primitive Autointoxikationen darstellt und 
der Alkoholismus und der Saturnismus werden vielleicht den Typus 
der Diathesen durch Autointoxikationen chronischer Ver¬ 
giftungen oder chronischer exogener Intoxikationen darstellen. 


3Us Der gratis. 

Über Salbenleime« 

Von 

Dr. M. Pelagatti, 

Assistent an der dermosyphilopathischen Klinik za Parma. 

Bei der Behandlung der Hautkrankheiten ist die Wahl des Vehikels 
der verschiedenen medikamentösen Präparate von höchster Bedeutung, 
indem sie eine nicht geringfügige therapeutische Rolle spielen, da sie 
nämlich berufen sind, die Resorption jener medikamentösen Stoffe zu 
begünstigen. In dieser Beziehung waren bisher die Fette allen anderen 
vorzuziehen. Andererseits eignet sich aber die Salbenbehandlung haupt¬ 
sächlich in Spitälern, wo man die Patienten bequem im Bette behalten 
kann, während sich in der Privatpraxis die Sache etwas anders gestaltet* 
indem die Beschwerden, welche die Dermatosen begleiten, selten so 
beträchtlich sind, dafe die Patienten das Bett zu hüten genötigt sind. Nun 
aber begreift man leicht, welche Unannehmlichkeiten es hat, mit einem 
über und über mit Salbe bestrichenen Leibe herumzugehen. Es hat siok 
denn auch längst schon das Bedürfnis nach einem Vehikel fühlbar 
gemacht, das sich in dünner Schicht auf der Körperoberfläche ausbreiten 
läfet, rasch eintrooknet und ein feines Häutchen bildet, das fest anhaftet 
und das Anziehen der Kleider erlaubt. Eine solche Substanz bietet 
auüserdem noch den groisen Vorteil, dafe die Wirkung der Medikamente 
auf die affizierte Hautpartie lokalisiert werden kann, was von besonderer 
Wichtigkeit in denjenigen Fällen ist, wo man starke, reizende Dosen an- 


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wendet. Zu diesem Zwecke wurden eine ganze Reihe von Stoffen ver¬ 
sucht, die man gemeinhin als Firnisse bezeichnet. Denselben kommen 
nun zwar einzelne der erforderlichen Eigenschaften zu» sie haben aber 
bisher nicht sämtlichen Postulaten entsprochen. Diese Firnisse, denen 
♦man eine beliebige Menge medikamentöser Stoffe beifügen kann, gestatten 
andererseits den Zusatz von Fetten nicht, was ein grofser Nachteil ist, 
indem die Fette die Eigenschaft besitzen, das Eindringen der wirksamen 
Substanzen in die Haut zu begünstigen, während die Firnisse dieses Ein¬ 
dringen eher hindern. Unna war nun bemüht, ein Vehikel zu finden, 
welches die Eigenschaften der Firnisse und der Fette in sich vereinigt 
und hat in diesem Sinne das Unguentum caseini vorgeschlagen. Neben 
groisen Vorzügen besitzt aber dieses Präparat auch bedeutende Nachteile. 
Abgesehen von dem hohen Preise desselben bietet das Umgehen mit ihm 
nicht unbedeutende Schwierigkeiten, indem es beim Kontakte mit der 
Luft rasch hart wird und koaguliert; außerdem läfst es sich nicht mit 
Substanzen mischen, welche das Casein koagulieren, und die meisten 
übrigen lassen sich ihm nur in schwachen Dosen einverleiben. 

Neben den Firnissen und Fetten haben wir noch andere Substanzen, 
welche verschiedene Eigenschaften der Firnisse besitzen, nämlich die von 
Pick 1 in die Hauttherapie eingeführten Leime, deren Zusammensetzung 
Unna durch Hinzufügen von Glycerin und Zinkoxyd modifiziert hat. 

Dieser Zinkleim ist in anbetracht seiner anämisierenden Eigenschaften 
bei entzündlichen Hautaffektionen sowie in den Fällen sehr nützlich, wo 
es sich darum handelt, die Haut vor äufseren Reizen zu schützen oder 
einen Druck auszuüben, wie z. B. bei Ödemen in Folge von Varicen, 
operierten Lupusstellen etc. 

Die Zinkgelatine hat aber als Vehikel an sich gar keinen Wert, denn 
statt das Eindringen der Medikamente durch die Haut zu begünstigen, 
hindert sie dasselbe im Gegenteil und aufserdem lassen sich mit der 
Gelatine solche Stoffe nicht vermischen, welche dieselbe unlöslich machen. 

Es ist sehr zu bedauern, dafs der Zinkleim als Salbengrundlage nur 
negative Eigenschaften besitzt, da er in Bezug auf die Bequemlichkeit der 
Anwendung allen Firnissen weit überlegen ist und außerdem gar nicht reizt. 

Aufgemuntert durch Prof. Mibelli habe ich die bereits anderweitig 
gemachten Versuche wieder aufgenommen, fette Substanzen den löslichen 
Firnissen beizumisohen, da ihnen sonst nur ganz geringe therapeutische 
Bedeutung zukommt. In diesem Sinne habe ich zunächst versucht dem 
Unn Aschen Zinkleime die ViDALSche Pflastermasse beizumengen, welche 
bekanntlich besteht aus: Emplastr. plumbi simpl. 26,0; Cinabaris 1,5; 


1 Pick, Die therapeutische Verwendung arzneihaltiger Gelatine bei Hautkrank¬ 
heiten. Monatsh. f. pr. Dennat. Bd. II, 1883. 


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Minium 2,5. Das Resultat dieses meines ersten Versuches übertraf meine 
Erwartungen nicht nur in Bezug auf die physikalischen Eigenschaften des 
Produktes, sondern auch in Anbetracht seines therapeutischen Effektes in 
einem Falle von schwerer Prurigo. 2 

Mit Hülfe des Oberapothekers des „Ospedale Maggiore“ zu Parma,* 
Herrn Galvani, habe ich sodann diese Versuche auch auf andere fette 
Körper ausgedehnt und der Masse neben Zinnober und Minium noch 
andere medikamentöse Substanzen zugefügt. Nach zahlreichen Versuchen 
kam ioh endlich zum Schlüsse, daß sich mit der Gelatine verschiedene 
Fette in nicht unbeträchtlichen Mengen vermischen lassen und dais sich 
unter diesen Fetten das Lanolin am besten bewährt hat. Das Lanolin 
läßt sich erstens unter allen Fetten in den verhältnismäßig größten 
Quantitäten mit Zinkleim vermengen, ferner nimmt das Lanolin am 
meisten Wasser unter allen Fetten auf, ohne dabei seine Konsistenz zu 
verlieren, dann wird es nicht ranzig, verseift nicht und besitzt die außer¬ 
ordentlich wertvolle Eigenschaft, von der Haut resorbiert werden zu können. 

In dieser von mir als Typus ausgewählten Lanolingelatine, die ich 
Salbenleim nennen will, sind die Bestandteile in folgenden Verhältnissen 
enthalten: 


Weißer Zinkleim 

30,0 

Glycerin 

20,0 

Wasser 

60,0 

Reinstes Lanolin 

48,0 

Zinkoxyd 

20,0 


Das Lanolin wird mit der im Wasserbade aufgelösten Gelatine ver¬ 
mischt, indem man das Gemisch eine Zeit lang in der Wärme umrührt 
und schließlich in Formen gießt. Nach dem Erkalten läßt sich der 
Salbenleim sehr leicht aus den Formen nehmen und kann nun in 
Schachteln oder Paraffinpapier eingewickelt werden, wo er aufbewahrt 
werden kann, ohne daß man zu hefürchten hätte, daß er hart wird, wie 
es mit der Zinkgelatine ohne Lanolinzusatz der Fall ist. 

Diesem Salbenleime lassen sich nun eine Menge medikamentöser 
Substanzen einverleiben, so unter anderem auch metallisches Quecksilber 
bis zu 40°/ 0 ‘ Selbstverständlich wird das Quecksilber nicht direkt dem 
Salbenleime beigefügt, sondern zuerst wird eine Hg-Lanolinsalbe bereitet, 
worin auf 8,0 Lanolin 16,0 Hg enthalten sind, und dann fügt man erst 
den Zinkleim hinzu. Dasselbe geschieht mit anderen Medikamenten, wie 
z. B. dem Resorcin, der Salicyßäure, dem Minium, Zinnober etc., welche 


1 Auch Unna hatte schon der PiCKschen Gelatine noch vor Hinzufägung von 
Zinkoxyd Fette beigemischt; es scheint aber, dais die Versuche nicht günstig aus¬ 
gefallen sind. — Leimglycerin als Constituens in der Dermatotherapie — Gelatinae 
glycerinatae medicatae. Monatsh. f. pr. Derm . 1883, Bd. II, S. 37. 


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zuerst mit dem Lanolin vermischt werden müssen, bevor man den Zink¬ 
leim hinzufügt; bei anderen Medikamenten hingegen kommt es hierauf 
nicht an. 

Die Anwendung dieses Salbenleims wird dadurch eine sehr leichte 
und jedermann zugängliche. Man hat nur die Masse im Wasserbade auf¬ 
zulösen und sie mit einem Pinsel in dünner Schicht aufzustreichen. 
Darüber streut man Lycopodium in grofsen Mengen. Fünf Minuten nach 
dem Aufträgen ist der Salbenleim vollständig trocken und haftet der Haut 
fest an, sodafs der Patient seine Kleider anziehen und seiner gewohnten 
Beschäftigung nachgehen kann. Nach ungefähr drei Tagen löst sich die 
Schicht in einem Stücke ab. 

Der Schmelz- und Härtungspunkt des Salbenleims sowie seine 
Kontraktilität hängt von den Substanzen, die verwendet wurden, und 
natürlich auch von deren Mengen ab. Es ist wohl nicht nötig Zahlen 
anzugeben. Bei der Berechnung derselben bin ich nach der Methode von 
Hodara 8 für den Zinkleim vorgegangen und habe ich dabei gefunden, 
d&Js der Schmelzpunkt zwischen 32° und 40°, der Härtungspunkt zwischen 
29° und 38° Celsius liegt. 

Man sieht somit, dafs der Schmelzpunkt des Salbenleims nicht so 
hoch liegt, dals man diesen nur bei gewissen Dermatosen anwenden 
könnte, da nämlich auch in Fällen, wo die Hautempfindlichkeit bedeutend 
erhöht ist, die Temperatur des Leims gut vertragen wird. Auch ist 
andererseits der Härtungspunkt noch hoch genug, dafs das Präparat in 
allen Jahreszeiten Beine Anwendung findet. Beim Salbenleime kommt 
ferner noch in Betracht die sehr wertvolle Eigenschaft der Kontraktilität 
der Masse, welche in gewissen Fällen so vortreffliche Dienste leistet, wie 
dies Zebenini hervorgehoben. 4 

In therapeutischer Beziehung hat der Salbenleim ebenfalls meinen 
Erwartungen vollständig entsprochen. Neben den Vorteilen der Firnisse 
und Leime besitzt der Salbenleim noch die Eigenschaften eines vorzüg¬ 
lichen Excipienten. Bekanntlich wird das Durchdringen der Medikamente 
durch die Epidermis durch zwei Thatsachen erwiesen: durch die thera¬ 
peutischen Resultate und den Nachweis der Medikamente im Urin. 

Um recht gewissenhaft vorzugehen, hätte ich sorgfältige Harnunter¬ 
suchungen machen sollen; ich muls aber gestehen, dafs ich mich mit den 
therapeutischen Effekten begnügt habe, die mir die Einführung der 
Salbenleime in die Therapie hinreichend zu rechtfertigen schienen. Ich 
halte sie sogar für wertvoller als das Lanolin selbst, indem sich zu den 


* Hodara, fitude sur les meilleures formales de gölatines de zinc. Joum. des 
mal cutan . et syphü. 1894, pag. 257. 

4 Trattamento di aloane affezioni croniohe della pelle con compressione elastica. 
Biforma medica . 1893, Bd. IV, pag. 21. 


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Eigenschaften dieses letzteren noch die zusammenziehende Wirkung des 
Leimes gesellt. Um sich aber so reoht von den Vorzügen der Salben¬ 
leime zu vergewissern, muß man sie selbst erprobt haben; man könnte 
sonst leicht irrtümlicherweise glauben, daß der Leim das Lanolin in 
seiner Masse zurückhält und in der Entfaltung seiner Wirkung hindert 
Nach dem Aufträgen des Leimes bildet sich aber zwischen diesem und 
der Haut infolge der warmen Körpertemperatur eine halbflüssige Schicht, 
welche beinahe ausschließlich aus Wasser und Lanolin besteht, die ihrer¬ 
seits die medikamentösen Substanzen enthalten. Diese halbflüssige Schicht 
wird nun gegen die oberflächliche, kontraktile Lage der Haut angedrüokt 
Mit dem zunehmenden Verluste an Lanolin und Wasser, welche der 
Salbenleim erleidet, nimmt die Kontraktion dieses letzteren stets zu. Ist 
dann der Zeitpunkt eingetreten, wo er der Haut weder Wasser noch 
Lanolin abzutreten vermag, löst er sich in großen Fetzen ab, was, wie 
gesagt, um den dritten oder vierten Tag zu geschehen pflegt. Eine 
weitere, sehr wertvolle Eigenschaft der Salbenleime besteht darin, daüs 
sie ihre therapeutische Wirkung in sehr gleichmäßiger, konstanter Weise 
auf die Haut ausüben, was bei den Fetten nicht geschieht; auf diese 
Weise lassen sich ganz beträchtliche Dosen der wirksamen Substanz an¬ 
wenden, ohne daß es zu einer Beizung der Haut oder zu Intoxikations- 
erscheinungen kommt. 

Die schönen Resultate, die wir an der hiesigen dermatologischen 
Klinik mit den Salbenleimen erzielt haben, schreibe ich hauptsächlich 
ihrer konstanten und regelmäßigen Wirkung zu. Den besten Erfolg 
hatten wir bei Psoriasis, bei Individuen mit hartnäckiger, zuweilen mit 
Lichenifikation der Haut komplizierter Prurigo und bei Ekzemen in¬ 
folge von Varicen zu verzeichnen. Ferner hat sich der Quecksilber¬ 
salbenleim bewährt bei Syphilomen, obwohl nur eine geringe Zahl der¬ 
artiger Fälle zur Behandlung kam. Was außerdem noch die Ver¬ 
wendung der Salbenleime empfiehlt, das ist der bescheidene Preß der¬ 
selben, im Vergleich zu den anderen Vehikeln. Hier in Parma kommt 
nämlich das Kilo auf 5 Francs zu stehen; dazu kommen dann noch die 
Kosten für die beigemßchten medikamentösen Substanzen. Nun aber 
genügen 250,0 volßtändig zur Bedeckung der ganzen Körperoberfläohe 
eines Mannes mittlerer Größe und andererseits bleibt ein Anstrich etwa 
drei Tage liegen. 

In Anbetracht der angeführten Vorzüge der Salbenleime glaube ich 
dieselben aufs wärmste empfehlen zu können. 

(Übersetzt von C. MÜLLKR-Genf.) 


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tterfannnlttngett. 

Berliner medizinische Gesellschaft. 

Sitzang vom 23. November 1898. 

Origin&lbericht von Dr. John HmscH-Berlin. 

Frank stellt eine 26 jährige anämische Frau vor, die an Hämoglobinurie leidet. 
Die Entleerung des braunroten Urins findet ohne Beschwerden statt. Man kann 
cystoskopisch den blutig gefärbten Urin aus beiden Ureterenmündungen in die voll¬ 
kommen intakte Blase spritzen sehen. Das Sediment enthält nur wenig rote Blut¬ 
körperchen, wenig Leukocyten, eine geringe Anzahl von Cylindem. Die Diagnose 
wurde durch das Spektroskop sicher gestellt Milz, Leber und die übrigen Organe 
sind normal. Was die Ätiologie angeht, so sind Malaria, Lues und toxische 
Momente in diesem Falle ausgeschlossen. Die Patientin selbst giebt als Ursache 
für ihre Erkrankung starke Erkältung an; sie habe während des Winters in einer 
Gastwirtschaft in einem Keller gearbeitet. Wenn man die Patientin l h Stunde lang 
in blolsen Strümpfen umhergehen läfst, so kann man direkt einen Anfall auslösen. 

In der Diskussion berichtet Steiner über eine ähnliche Beobachtung bei einer 
33jährigen Patientin. Der Hämoglobingehalt des Blutes war auf 30% gesunken. 
Der Anfall trat immer nur nachts ein, wobei bemerkenswert, dafs nur der Nachturin 
einen reichlichen Eiweifsgehalt zeigte. Da die Patientin die Erkrankung mit dem 
Schlaf in Zusammenhang brachte, wurde dieselbe künstlich wach gehalten. Der An¬ 
fall blieb trotzdem nicht aus. Wegen der südrussischen Heimat der Patientin lag 
der Verdacht auf eine parasitäre Erkrankung nahe, doch fiel die Untersuchung des 
Blutes stets negativ war. — Senator führt aus, dafs die periodische Hämoglobinurie 
keine seltene Erkrankung ist. Interessant sei der von Frank vorgestellte Fall aus 
dem Grunde, weil in diesem zum ersten Male die Entleerung des hämoglobinhaltigen 
Urins aus beiden Nieren cystoskopisch festgestellt ist. Es wird vor jedem Anfalle 
und bei dem Abklingen desselben Albumen im Urin beobachtet. Sektionsbefunde 
liegen bei dieser Erkrankung bisher nicht vor. In Bezug auf die Therapie sind bis¬ 
her alle Versuche, die Hämoglobinurie zu heilen, erfolglos geblieben. Wo Syphilis 
Vorgelegen, wird man eine antisyphilitische Kur einleiten. Von dem Chinin, das 
bekanntlich eine Wirkung auf das Blut entfaltet, habe er keinen Erfolg gesehen, 
v. Leyden schlug vor, die Patienten gegen Kälte abzuhärten; doch auch damit habe 
er keinen Erfolg erzielt. — Mankiewicz hat bei einem Schulkinde eine paroxysmale 
Hämoglobinurie beobachtet. Sobald das Kind in der kalten Jahreszeit die Pausen 
im Freien zubrachte, trat der Anfall ein. Durch die prophylaktisch wirkende An¬ 
ordnung, dafs das Kind in den Pausen im Klassenzimmer verbleiben durfte, habe er 
Heilung erzielt. — Ewald weist auf die Nutzlosigkeit des bei Hämoglobinurie em¬ 
pfohlenen Amylnitrit hin. 

Sitzung vom 30. November 1898. 

In der Diskussion über den Vortrag Caspers „Therapeutische Erfahrungen 
über den Ureterenkatheterismus“ ergreift Israel das Wort. Er führt aus, dafs 
sehr günstige Momente Zusammentreffen müssen, wenn das Verfahren Erfolg habe, 
das Becken bei Pyonephrose durch Ausspülungen zu heilen. Es gebe viele Fälle, wo 
die Nierenbeckenausspülungen direkt unmöglich sind, und ferner viele, wo das Ver- 

Monatshefte. XXVIII. 7 


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fahren direkt kontraindiciert ist. Seine Einwände seien nieht theoretisch konstruiert; 
es seien auch keine Raritäten) in denen es unmöglich ist, den Ureterenkatheterismos 
auszuführen. Wenn bei Pyonephrose ein System von kleinen Höhlen bestehe, keine 
vollständig freie Kommunikation zwischen den Kelchhöhlen und dem Becken vor¬ 
handen ist, da ist die Wirksamkeit des CASPssschen Verfahrens unmöglich. Weiter 
komme es auf die Beschaffenheit der Sekrete an. Ist dasselbe klebrig, eingedickt, 
so kann man mit dem dünnen Ureterkatheter die Krankheitsprodukte nicht ableiten. 
Ebensowenig werde die Methode bei abgeschlossenen miliaren Eiterherden etwas posi¬ 
tives leisten. Ferner bei tuberkulöser Pyonephrose seien die Beckenspülungen un¬ 
brauchbar. Da könne ein Ureterenkatheterismus unter Umständen schaden. Das 
Verfahren stehe machtlos den Verzerrungen des Ureters, der abnormen Verlauft- 
richtung desselben gegenüber. Wenn septische Prozesse, Fieber bei Pyonephrose vor¬ 
handen sind, da wäre es ein Fehler, das langsam wirkende Verfahren anzuwenden; da 
gilt es, die Quelle des Fiebers schleunig zu beseitigen. Wenn man bedenkt, wie 
schwer eine chronische Cystitis oft heilbar ist, obwohl die ^Einführung des Katheters 
hier viel einfacher ist, und die Sekrete durch ein weiteres Rohr abflielsen, wird man 
es verstehen, wie aussichtslos meist die Nierenbeckenausspülungen mit dem kapillaren 
Katheter sind. Eine grundlegende Änderung in dem bisherigen Verfahren der Be¬ 
handlung der Pyonephrose könne er nicht zugeben. Von 81 Fällen, die er behandelt 
habe, kämen nur 3 Fälle in Betracht, wo die Möglichkeit gewesen wäre, auf dem Caspke- 
schen Wege einen Erfolg zu erzielen. So viel stehe für ihn fest, dafs der Ureteren¬ 
katheterismus zuweilen grofses Unheil anrichte. Er kenne einen Arzt, der an einer 
chronischen Cystitis leide. Da er über Beschwerden in der rechten Nierengegend 
klagte, so war der Verdacht auf rechte Pyonephrose aufgetauoht. Der Katheterismus 
des Ureters förderte klaren Urin. Unmittelbar nach dieser Untersuchung erkrankte 
der Arzt fieberhaft unter Schüttelfrost und Erbrechen. Kurzdauernde Anfälle wieder¬ 
holen sich seit jener Zeit in gewissen Abständen. Man dürfe daher nicht zweifeln, daft 
der Ureterenkatheterismus in diesem Falle direkt geschadet habe; habe der Patient 
noch keine Pyelitis gehabt, so habe er sie durch die Untersuchung acquiriert; ist 
aber eine Pyelitis vorher vorhanden gewesen, so sei sie mindestens durch die Ein¬ 
führung des Instrumens verschlimmert worden. Noch einen zweiten Fall führt I. an, 
wo der Ureterenkatheterismus seiner Meinung nach geschadet habe. Es handele sich 
um einen malignen Nierentumor. Bei der Nephrektomie zeigten sich frische miliare 
Abscesse in der Niere. Da der Patient 12 Tage vor der Operation der Untersuchung 
mit dem Ureterenkatheter unterworfen wurde, so liege der Sehlufs nicht fern, dafs 
ein Zusammenhang zwischen der instrumenteilen Einführung und den Abscessen be¬ 
stehe, zumal IsRAJUi zum ersten Male unter 44 Fällen eine Vergesellschaftung eines 
Tumors mit Eiter sehe. Das Alter des Eiters entspreche sehr wohl der Zeit zwischen 
der Einführung des Instruments und der Nephrektomie. — Auch den diagnostischen 
Wert des Ureterenkatheterismus könne er nicht in vollem Umfange zugeben. Die 
Harnstoffproduktion schwanke in weiten Grenzen; 20 ccm Harn, welchen man bei 
einem Katheterismus des Ureters gewinnt, seien nicht für die Leistungsfähigkeit einer 
Niere maisgebend. Nur die 24ständige Harnmenge lasse einen diagnostischen Rück- 
schlufs auf die Funktionsfähigkeit einer Niere machen. 


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Berliner Dermatologische Gesellschaft. 

Sitzung vom 6. Dezember 1898. 

Originalbericht von Dr. John HiRSCH-Berlin. 

Bubchke stellt eine 65jährige Frau vor, deren Hautleiden seit einem Jahre 
besteht. Es handelt sich um Neurodermitis circumscripta an der rechten unteren 
Extremität im Verlauf der VoiGTschen Grenzlinien. Es handelt sich um kleine 
Effloresoenzen, die zum Teil vereinzelt, zum Teil zu Leisten zusammengeflossen da¬ 
stehen. Die Erkrankung begann mit Jucken, zeigte stets ein strichförmiges Wachs¬ 
tum, wanderte vom mittleren zum oberen Drittel des Oberschenkels und ging auf die 
Glutaealgegend über. Touton habe eine ähnliche Erkrankung mit linearer Anordnung 
in den VoiGTschen Grenzlinien beschrieben. Jadassohn sah einen linearen Naevus 
daselbst. B. selbst sah eine Psoriasis in diesen Linien sich lokalisieren. — Ledermann 
habe ebenfalls einen solchen Fall gesehen und vorgestellt. Die Übergänge zwischen 
Lieben ruber planus und dem Lichen chronicus Vidal sind so grofs, dafs sie schwer 
voneinander zu scheiden sind. Wir wissen nicht, ob es sich in diesen Fällen um 
nervöse oder infektiöse Affektionen handele. 

Blaschko sah Psoriasis halbseitig in den VoiGTschen Linien verlaufen. Es kommt 
vor, dafs der linear auftretende Lichen Vidal sich allmählich verbreitere und somit 
in den Lichen ruber planus übergehe. — Lesser hat einen strichförmig auftretenden 
Lichen ruber planus in Bern gesehen. Die Heilung trat unter Arsenik prompt ein. 

Darauf stellt Isaac einen Fall von tertiärem, kleinpapulösem, konfiuierendem 
Syphilid vor. Es handelt sich um einen Droschkenkutscher, dessen Infektion vor 
10 Jahren mit Sublimatinjektionen behandelt worden war. 

Hierauf demonstriert Heller einen Patienten mit Porokeratosis am rechten und 
linken Handrücken. Die Hauterkrankung nimmt den Bezirk eines Rechtecks ein, 
dessen Seitenlangen 3,5 und 4,5 cm sind. Es zeigen sich serpiginös geschlängelte 
Linien von weiiser, teils weifsrötlicher Farbe. Die Erkrankung besteht schon 8 Jahre 
und macht dem Patienten keine Beschwerden. Für Lues hereditaria resp. Tuber¬ 
culosis cutis ist kein Anhaltspunkt vorhanden. Die Affektion habe grofse Ähnlichkeit 
mit dem von Mibelli zuerst beschriebenen Falle von Porokeratosis. 

Alsdann demonstriert Ledermann ein Kind mit Diabetes insipidus bei Lues 
secundaria. Es handelt sich um ein sehr bleich aussehendes Mädchen. Es hat Plaques 
am harten Gaumen und klagt über Kopfschmerz. Dasselbe scheidet 6 Liter zucker¬ 
freien Harn aus. Lbdermann nimmt an, dafs die Polyurie centralen Ursprungs sei und 
durch eine Endarteriitis specifica in der Gegend des vierten Ventrikels ihre Erklärung 
findet. — Mankdswicz hingegen glaubt, dafs der Diabetes insipidus in diesem Falle 
nicht syphilitischen Ursprungs sei, sondern durch die schwere Anämie hervorgerufen 
werde. Eine gute Nahrung und Eisen werden die Polyurie beseitigen. Wenn es sich 
in diesem Falle um eine Polyurie centraler Natur mit syphilitischer Basis handele, 
so müfste sie auch mit der Schmierkur ihre Heilung gefunden haben. — Ledermann 
entgegnete, dafs das Kind seit Oktober an dem Diabetes insipidus leide, seit 8 Tagen 
aber erst die Schmierkur eingeleitet sei. 

Ledermann stellte noch eine Frau mit einem Pofsgeschwiir vor, welohes sich 
in grofser Ausdehnung in eine nekrotische Fläche umgewandelt hat Dieses ist durch 
das Orthoform hervorgerufen. — Blaschko meint, dafs die Idiosynkrasie gegen Ortho* 
form eine nicht seltene Erscheinung sei Auch Saalfeld hat mit Orthoform schon 
unangenehme Erfahrungen gemacht. 

In der darauffolgenden Diskussion über den von Caspbr in der vorigen 
Sitzung gehaltenen Vortrag: Beitrag zur Wirkung des Argentum nitricum in 
der Harnröhre und Harnblase nimmt Mankiewicz zuerst das Wort Er führt aus, 

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dafs die Behauptung, Argentum nitricum-Instillationen führen zu keiner Striktur, nicht 
genügend erwiesen ist. Die Verhältnisse liegen bei der blennorrhoischen Urethritis, 
wo die Schleimhaut des Epithels beraubt ist, ganz anders als beim Experiment am 
Tier mit normaler Urethra. Es ist doch möglich, dafs das Argentum nitricum eine 
Steigerung der vorhandenen Eiterung hervorrufe, dafs eine Bundzellenorganisation 
eintrete und dafs das Endresultat eine Striktur sei. Wenn ein Mittel zu Strikteren 
Veranlassung geben kann, so ist es das Argentum nitricum. 

Blaschko macht darauf aufmerksam, dafs man heutzutage weit weniger Strik- 
turen als früher zu behandeln habe, ein Beweis, dafs das allgemein gebrauchte Ar¬ 
gentum nitricum keine Striktur herbeiführe. Eine andere Frage ist es, in welcher 
Form sich das Silber auf das submuköse Gewebe niederschlägt. Es ist nicht unwahr¬ 
scheinlich, dafs es sich nicht in Form des Argentum nitricum als metallisches Silber 
im Gewebe vorfindet. Dies macht eine weniger intensive Reizung. Da das Argentum 
eher zu tief als zu wenig wirke, so ist ein Suchen nach Ersatzmitteln mit größerer 
Tiefenwirkung völlig überflüssig. 

Rosenthal ist der Meinung, dafs in dem Protargol ein vorzügliches Mittel ge¬ 
funden ist, welches bei mangelndem Reiz eine vortreffliche Tiefenwirkung entfaltet 

Casper führt im Schlufswort aus, dafs der Einwurf von Mankiewicz, er habe 
an gesunden tierischen Schleimhäuten und nicht an blennorrhoischen seine Experi¬ 
mente gemacht, nicht ganz stichhaltig sei. Die Verhältnisse lagen sehr ähnlich wie 
bei der Blennorrhoe; man habe nicht mit der neuen Injektion von Argentum gewartet, 
bis das Gewebe sich regeneriert habe, sondern in möglichst kurzen Zwischenräumen 
die Schleimhaut immer neuen Atzungen mit Argentum unterworfen. Sobald die 
Rundzellen an die Oberfläche gelangen, so erscheint dies als eine Eiterung. Letztere 
führt nur dann zur Narbe, wenn die Rundzellen sich in Spindelzellen um wandeln. 
Jede Rundzelleninfiltration kann ohne Rücklassung einer Narbe resorbiert werden. 

Zum Schlufs hielt Apolant einen Vortrag: Zur Pathogenese der lokalisierten 
Antipyrinexantheme. Seit 10—12 Jahren bemerke er an sich selbst eine Idiosyn¬ 
krasie gegen Antipyrin. Nach Einnahme dieses Mittels stellt sich ein Erythem an 
der rechten Schläfenseite und eine Schwellung der Scrotalhaut ein. Er hat nun 3 g 
Antipyrin an verschiedenen Stellen des Körpers auf grofse Flächen verrieben und 
sah stets den Fleck an der Schläfe nach Verlauf von 15 Stunden eintreten. Des 
weiteren hat er an sich die interessante Beobachtung gemacht, dafs 0,05 g Antipyrin 
genügen, um das betreffende Erythem an der Schläfe hervorzurufen, wenn er jene 
kleine Dosis an der Stelle verreibt, wo die typische Reaktion erscheint. Dieses 
Exanthem diente ihm als ein schärferes Reagens als alle chemischen und spektro¬ 
skopischen Methoden (s. pag. 104). 


Französische Gesellschaft für Dermatologie und Syphiligraphie. 

Sitzung vom 10. November 1898. 

Originalbericht von E. de LAVARENNE-Paris. 

Kultur des DUORETschen Bacillus. Lenglbt zeigt einige Reagensgläschen 
mit Reinkulturen des von vier Fällen von weichem Schanker herrührenden Ducket* 
sehen Bacillus. Diese Reinkulturen sind in allen vier Fällen identisch; Inokulations- 
Versuche auf den Menschen fielen überall positiv aus und ergaben wieder Reinkulturen 
desselben Bacillus. Als Nährboden wählte L. eine Substanz, die er aus Proteinkörpem 
der menschlichen Haut durch Einwirkung energischer, löslioher Fermente darstellte. 
Das Nähere gedenkt er anderweitig ausführlich mitzuteilen. Tierexperimente fielen 
stets negativ aus. Unter dem Mikroskop erscheinen die Kolonien des Bacillus als 


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unregelmäßig rundliche, leicht graulichweifee, im Centrum etwas dickere Massen mit 
abgeplatteter Spitze. Die Kolonien haben meist einen Durchmesser von 1 mm, zu¬ 
weilen von 2 mm; ihre Bänder sind unregelmäfsig, ausgezackt. Ihre Lebensdauer 
ist eine kurze und nach dem dritten Tage lassen sie sich nicht mehr übertragen und 
mikroskopisch lassen sich keine Pilze mehr nachweiBen. Morphologisch bestehen die 
Kolonien aus einem dichten Knäuel von Pilzfäden, welche die Bänder nach allen 
Bichtungen überragen« Die Bacillen sind an ihren Enden abgerundet und ketten¬ 
förmig angeordnet, 0,5—2,0 fi lang und 0,5 breit; im Centrum läfst sich eine helle 
Stelle erkennen. Die Glieder der Bacillenkette sind durch eine verhältnismäßig 
ziemlich resistente, lichtbrechende, nach der Methode von Zlehl nur ganz schwach 
färbbare Substanz unter sich verbunden. Der in den Kulturen vorkommende Bacillus 
gleicht dem in der Tiefe der Gewebe nachgewiesenen, wo er nur in geringer Anzahl 
angetroffen wird. 

Nene Untersuchungen über eine pustulöse und bullöse Form der fälsch¬ 
lich Pemphigus vegetans genannten Affektion von Netjmanh. Hallopeau: Die 
Dermatose die wir „chronische pustulöse Dermatitis mit excentrisch fortschreitenden 
Herden tf — Dermatite pustuleuse chronique en foyers ä progression excentrique — 
genannt haben, erscheint unter drei Formen: einer pustulösen, einer bullösen und einer 
gemischten. Wir schlagen vor, sie als NsuKANNsche Krankheit zu bezeichnen, bis das 
infektiöse Agens aufgefunden ist. Die Prognose ist verhältnismäfsig günstig, da die 
Erscheinungen unter Anwendung von lokalen antiseptischen Mitteln abnehmen. Von 
der Dermatitis herpetiformis unterscheidet sie sich durch ihre Autoinokulationen, das 
vegetierende Aussehen ihrer Elemente, das öftere Fehlen subjektiver Beschwerden, 
das hartnäckige Bestehen von eiternden Wucherungen in der Umgebung der natür¬ 
lichen Körperöffnungen, welche Wucherungen unter dem Einflüsse lokaler Reize sich 
stets wieder erneuern. Von der Impetigo herpetiformis unterscheidet sie sich durch 
die Tiefe der Eiterung, das Fehlen von Epidermiserhebungen und von Fieber. 

Bbocq: Die Patientin wurde früher schon von Vidal und mir vorgestellt und 
zeigte damals nur an den Füfsen Wucherungen; auf dem ganzen übrigen Körper 
bestand eine allgemeine, vesikulöse, bullöse, erythematöse, pruriginöse Eruption wie 
sie für die DumuKOsche Dermatitis herpetiformis charakteristisch ist. Erst zwei Jahre 
später erschien die Affektion unter ihrem eigentlichen Bilde. — Lebedde : Die Affektion 
ist in histologischem Sinne vesikulös, nicht pustulös; die Pustel ist hier nur sekun¬ 
däre Erscheinung. Eosinophile Zellen sind vorhanden, weshalb wir auch eine der 
Dermatitis herpetiformis verwandte Affektion vor uns zu haben glauben. 

Hi8tologi8che Untersuchung über einen Fall von BECKLiNOHAüSENsclier 
Krankheit. Jeanselme: Die 40jährige Patientin zeigt alle Erscheinungen der Neuro¬ 
fibromatose : knotenartige Tumoren, hyperchromatische Flecken und Plaques, pigmen¬ 
tierte, pilöse und vaskuläre Naevi. Zwei dieser Tumoren, von denen einer die Haut¬ 
oberfläche überragte, der andere tief in der Dicke der Cutis stak, wurden mikroskopisch 
untersucht und bestanden je aus einem wohl umschriebenen erbsengrofsen Fibrom; 
zahlreiche Mastzellen mit hellblauem Kerne im sklerösen Gewebe. Die in diesen 
Fibromen enthaltenen Organe: Nervenfasern, Gefäfse, Haarfollikel, glatte Muskel¬ 
fasern sehen vollständig normal aus. 

Darieb hat viele Fälle von sowohl vollständiger (Haut- und Nerventumoren, 
Pigmentation) als unvollständiger Neurofibromatose gesehen. Histologisch sind die 
Nerventumoren von der lamellösen Scheide umschlossene Fibrome; die Tumoren der 
Cutis sind weiche, zellenreiche, aufser dem Bereiche der Nerven sich entwickelnde 
Fibrome, indem die Nerven, welche die Neubildung durchziehen, von ihrer vollständigen 
Scheide umgeben sind; dem würde aber nicht so Bein, wenn die Ansicht ▼. Reckung- 


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hausbns, welcher die Tumoren als terminale Neurofibrome betrachtet, richtig wäre. 
Die Affektion ist eine kongenitale, zuweilen familiale Dystrophie, welche den Bildungs¬ 
anomalien und den Naevis verwandt ist. 

Polymorphes Jodkaliumerythem. Dahlos : Die Dermatose sieht auffallend der 
DüHRiNGschen Krankheit ähnlich und ist mit heftigem Jucken verbunden. Es ist 
schwer zu entscheiden ob es sich wirklich um diese Affektion handelt oder bloß um 
ein polymorphes Erythem, das ihr auffallend gleicht. Der Patient wurde mit Arsenik 
behandelt und ist nun beinahe vollständig geheilt. 

Lrredde hat den Fall in hämatologischer Beziehung genau untersucht und hat 
sehr zahlreiche eosinophile Zellen in den Blasen konstatiert, sowie eine 10—14°/oige 
Eosinophilie des Blutes, welche nach und nach auf 3°/o herunterfiel, während gleich¬ 
zeitig auch die Hauterscheinungen zurückgingen. Die Dermatose muß somit nach der 
Ansicht von L. als eine DuHRiNGsche Dermatitis betrachtet werden. Im Blute wurden 
ferner reichliche anormale Zellen vorgefunden, welche aus dem Rückenmark stammen. 
Er betrachtet die DuHRiNGsche Krankheit, den Pemphigus vegetans, die Hallopbaü- 
sche Dermatose und den Pemphigus foliaceus, wo er die nämlichen Blutläsionen wie 
bei der DüHRiNGschen Krankheit gefunden hat, als Affektionen, welche mit Verände¬ 
rungen des Knochenmarks einhergehen. Als Beweis hiervon möge der von Hallopbaü 
und Constensoux vorgestellte Patient dienen. 

Über einen Fall von Pemphigus foliaceus mit Osteomalacie. Halloprau 
und Constensoux : Es ist dies der erste mit Osteomalacie komplizierte Fall von Pem¬ 
phigus. Wahrscheinlich ist hier die Osteomalacie ein Folgezustand der Hautaffektion, 
welche eine übermäfsige Elimination der Kalksalze durch die Haut veranlaßt«. Ea 
könnte auch die Frage aufgeworfen werden ob nioht die Hautoberfläche der Sitz 
saurer Substanzen sei, die nach ihrer Resorption eine Entkalkung der Knochen ver- 
anlafBt; aber die Hautoberfläche ist hier alkalisch. 

Zur Histologie der Psoriasis. Sabouraud liest eine sehr sorgfältig aus- 
geführte Arbeit von MüNBO-Sidney vor, worin Verfasser zum Schlüsse kommt, daß 
die primäre Läsion der Psoriasis aus kleinen miliaren Abscessen der HornBchicht der 
Epidermis besteht; um diese präformierten Abscesse herum führt die epidermale 
Reaktion zur Hyperkeratose. In den Leukocytenansammlungen, welche die primäre 
Erscheinung bei der Psoriasis darstellen, konnten keine Mikroorganismen nach¬ 
gewiesen werden. 

Über den Mechanismus der durch Thalliumacetat erzeugten Alopecie. 

Jeaxselme: Eine Patientin hatte wegen Nachtschweifsen in drei Tagen 0,27 Thallium¬ 
acetat eingenommen und bald darauf erfolgte ein so mächtiger Haarausfall, daß die 
ganze Kopfhaut vollständig kahl wurde. Unter dem Mikroskope konstatierte man, 
dafs zwischen dem freien Ende des Haares und dessen Wurzel eine Einschnürung 
vorhanden war. Das Thallium selbst konnte nach der sonst außerordentlich empfind¬ 
lichen spektroskopischen Methode in der sehr großen Menge von Haaren nicht 
nachgewiesen werden. Gegenwärtig, d. h. drei Monate nach der Einnahme des Salzes, 
haben sich nur ganz wenige junge Haare gezeigt und ist zu befürchten, daß die 
übrigen Follikel für immer zerstört sind. 

Durch die Methode von Czerny geheiltes Epitheliom der Nase. Gastou 
und Haury. Histologisch zeichnet sich die Neubildung aus durch das reichliche Vor¬ 
kommen von Lymphzellen, welche die spezifischen Zellen umgeben und zum Teil 
voneinander trennen. Es scheint aus den bisherigen Erfolgen in fünf Fällen, welche 
nach dieser Methode behandelt wurden, hervorzugehen, daß die Behandlung um so 
mehr Aussicht auf Erfolg hat, als die Lymphzelleninfiltration reichlicher ist. 

(Übersetzt von C. MÜLLEB-Genf.) 


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Archiv für Dermatologie und Syphilis. 

Band 46, Heft 8. 1898. 

I. Über das Verhältnis der DABlEBschen Krankheit zur Ichthyosis, von 

Ernst Docroa-Frankfurt a. M. Nach einem kurzen Überblick über die einschlägige 
Litteratur beschreibt der Verfasser zwei Fälle, welche in der Praxis des Herrn 
Dr. Herxheimer zur Beobachtung gelangt sind. Fall 1 betrifft eine 33jährige Frau, 
die seit ihrer Jugend an der jetzigen Hautkrankheit leidet und bisher erfolglos be¬ 
handelt worden ist. Es handelt sich bei der Affektion um eine hauptsächlich an den 
Gelenkbeugen, den Nasolabialfurchen, der Badialseite der rechten Handwurzel, Nabel, 
Unterbauchgegend und Rima ani lokalisierte, mit Jucken verbundene Eeratose, deren 
Primärefflorescenz kleinerbsengrofse, schmutziggraue oder rötliche Knötchen dar¬ 
stellen, die mit einer mehr oder weniger leicht abhebbaren Hornschuppe bedeckt 
sind. Diese Knötchen sind zum Teil konfluiert und an den Gelenkbeugen in längs 
verlaufenden Linien angeordnet. — Nach der histologischen Untersuchung des Ver¬ 
fassers bat man es mit einer von den Haartaschen resp. den Sohweifsdrüsenaus- 
fuhrungsgängen ausgehenden Hyperkeratose zu thun, verbunden mit einer starken 
Wucherung der Epidermis in der Umgebung derselben. Die Kerne in dem verdickten 
Stratum corneum sind erhalten, das Stratum granulosum fehlt, die obersten Stachel¬ 
zellenreihen sind aufgelockert, die Zellen in eigentümlicher Weise verändert. Die 
Veränderung besteht in einer allmählichen Degeneration der Kerne und dem Auftreten 
einer homogenen, nicht oder schwer färbbaren Substanz im Protoplasma, die, wie es 
scheint, den Kern schliefslich an die Seite der Zelle drängt. Verfasser glaubt nicht, 
dato diese homogene Substanz Keratin ist; es spricht dagegen, dafs sie sich bei der 
van GiE 80 Nfarbung nicht wie das Keratin der Hornschicht tingierte, nach Gram un¬ 
gefärbt blieb; auch fehlte der der Hornsubstanz eigentümliche Glanz. Bei der künst¬ 
lichen Verdauung mit Pepsinsalzsäure im Brutofen wurden die fraglichen Zellen mit 
verdaut. Mit den „Corps ronds“ Dariers sind die degenerierten Zellen 
sicher nicht identisch. — Verfasser beschreibt noch einen zweiten Fall der 
DARiERschen Krankheit bei einem 17jährigen Mädchen. Auch hier fehlten nach der 
histologischen Untersuchung die den DARiERschen Corps ronds und grains entsprechenden 
Gebilde. — Bei der Erörterung der Frage nach dem Verhältnis der DARiERschen 
Krankheit zur Ichthyosis mufs Verfasser zugeben, dafs beide Affektionen wohl Unter¬ 
schiede aufweisen, dafs diese aber nicht hinreichen, um die Aufstellung eines beson¬ 
deren Krankheitstypus zu rechtfertigen. 

Verfasser gelangt demnach zu folgenden Schlufssätzen: 1. Die DARiERsche 

Krankheit stellt eine an die Haarfollikel oder Schweifsdrüsenausführungsgänge ge¬ 
bundene, aber auch unabhängig von diesen auftretende Hyperkeratose dar. 2. Die¬ 
selbe ist meistens, aber nicht immer, mit Parakeratose verbunden. Die sogenannten 
DARiERschen Körperchen sind eine Teilerscheinung der Parakeratose, gehören aber 
nicht unbedingt zum Krankheitsbild, es können vielmehr auch Zelldegenerationen 
anderer Art dabei auftreten. 3. Die DARiERsche Krankheit ist eine Abart der Ich¬ 
thyosis vulgaris, die sich von derselben klinisch im wesentlichen durch die Lokali¬ 
sation und die DARiERschen Knötchen, histologisch durch die Wucherung der Papillen 
und dee Rete Malpighii unterscheidet. 


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II. Die Antipyrinexantheme, von Hugo ApoLAirT-Berlin. Der Verfasser will 
mit der vorliegenden Arbeit den Versuch machen, durch eine übersichtliche Zu¬ 
sammenstellung und eingehende Analyse des umfangreichen, in der Litteratur auf¬ 
gespeicherten kasuistischen Materials sowie durch experimentelle Beobachtung am 
eigenen Körper die als Nebenwirkungen des Antipyrins auftretenden Ex- und 
Enantheme dem Verständnis näher zu bringen. — Man kann die Antipyrin¬ 
exantheme zweckmäfsigerweise in zwei grofse Gruppen, in die lokalisierten 
und in die universell disseminierten einteilen. 

Der einfachste Typus des lokalisierten Exanthems ist die „Eruption erythä* 
mato-pigmentöe“ von Brooq. Das Erythem kommt nach einer einmaligen Dosis 
in verhältnismäßig kurzer Zeit, zuweilen schon nach einigen Minuten, spätestens nach 
einem Tage zum Vorschein. Fast ausnahmslos geht seinem Auftreten ein eigentüm¬ 
liches Brennen resp. Jucken voraus. Das lokalisierte Erythem kann als eines der 
dauerhaftesten Antipyrinexantheme angesehen werden, da es mindestens mehrere Tage, 
häufig selbst Wochen hindurch besteht. Die stets folgende Pigmentation kann bei 
häufig wiederkehrenden Recidiven eine dauernde werden. — Der Verfasser bespricht 
die verschiedenen Varietäten des lokalisierten Erythems und teilt für dieselben präg¬ 
nante Beispiele aus der Litteratur mit. — Die Frage nach der Pathogenese der 
Antipyrinexantheme führt den Verfasser auf eine Erörterung der Idiosynkrasie. 
Dieselbe zeigt beim lokalisierten Erythem eine grofse Mannigfaltigkeit, bei der man 
jedoch vier Hauptfälle unterscheiden kann: 1. Die Idiosynkrasie bleibt stets die gleiche. 
2. Sie nimmt im Laufe der Zeit zu. 3. Sie nimmt im Laufe der Zeit ab. 4. Sie 
schwankt. — Das Zustandekommen des lokalisierten Erythems erklärt Verfasser nach 
eingehender Besprechung der verschiedenen Theorien und auf Grund von an sich 
selbst angestellten Experimenten in der Weise, dafs das den Körpersäften zugeführte 
Antipyrin direkt lähmend auf die Nervenendigungen der kleinsten Gefäfse wirkt und 
zwar an denjenigen Stellen, die aus unbekannten Ursachen oder infolge voraus¬ 
gegangener analoger Affektionen eine erhöhte Beizempfindlichkeit darbieten. 

Inder Gruppe der universell disseminierten Exantheme unterscheidet 
Verfasser drei Hauptformen: 1. Das morbillöse Exanthem; 2. die Urticaria; 8. das 
kongestive Ödem. — 1. Das morbillöse Exanthem zeigt folgende Unterarten: 
a) das scarlatinöse, b) das bullöse, c) das hämorrhagische Exanthem, d) das Erythema 
nodosum. — Den disseminierten Exanthemen kommt fast stets eine ausgesprochen 
symmetrische Anordnung zu, welche den lokalisierten meist fehlt. — In sehr ein¬ 
gehender Weise unter steter Berücksichtigung der umfangreichen einschlägigen Litte* 
ratur bespricht der Verfasser die verschiedenen Gruppen und Unterarten der disse- 
minierten Antipyrinexantheme. — Was das kongestive Ödem betrifft, so zeigt 
dasselbe folgende charakteristische Merkmale: 1. Es entwickelt sich ausnahmslos in 
kurzer Zeit, meist wenige Minuten nach Einnahme des Antipyrins und hat, wofern keine 
weiteren Komplikationen hinzutreten, einen sehr flüchtigen Bestand. 2. Vorzugsweise 
werden diejenigen Hautstellen befallen, die sich, wie die Augenlider, Lippen, Gesichts¬ 
haut durch einen besonders zarten Bau auszeichnen, und auch bei sonstigen Haut¬ 
affektionen relativ oft und intensiv mit ödematöser Schwellung reagieren. 3. Das 
kongestive ödem tritt fast ausnahmslos symmetrisch auf. 

Bei der grofsen Polymorphie der Antipyrinexantheme ist es nicht zu verwundern, 
dafs immer noch Fälle übrig bleiben, welche sich in keine der besprochenen Gruppen 
einreihen lassen. Verfasser teilt die Krankengeschichten einiger solcher exceptionellen 
Fälle mit und beschliefst die umfangreiche, sehr instruktive Arbeit mit einem aus¬ 
führlichen Verzeichnis der einschlägigen Litteratur (s. pag. 100). 


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in. Ober die Resultate der TR-Behandlung an der Bonner Hautklinik, 

von H. Napp and C. GßOüVBN-Bonn. Es wurden insgesamt 39 Patienten, und zwar 
90 Männer and 19 Frauen der TR-Behandlang unterzogen. 37 litten an Lupus, 
einer an multipler Hauttuberkulose, einer an Zungentuberkulose; von diesen zeigten 
zwei Komplikationen mit Gelenk-, bezw. Knochentuberkulose, drei hatten deutlich 
nachweisbare tuberkulöse Lungenaffektion, einer war mit Tuberkulose des Urogenital- 
traktus behaftet Eine objektiv nachweisbare Einwirkung des TR auf die Tuberkulose 
innerer Organe haben die Verfasser bei den zwei Patienten, die hier in Betracht 
kommen, nicht beobachtet, weder eine Wendung zum Besseren, noch zum Schlechteren. 
Das Allgemeinbefinden der mit TR Behandelten war ein aufserordentlich 
Wechsel volles. Von grofsem Einflüsse war hierbei weniger die Körperkonstitution der 
Patienten, als das Verhalten der Temperatur. Fast regelmäßig waren Temperatur¬ 
steigerangen von Störungen des Allgemeinbefindens gefolgt. Nur in zwei Fällen traten 
schwere, bedrohliche Erscheinungen auf. — Von Interesse war bei den Patienten die 
Schwankung des Körpergewichts. Von den 39 alle 6 Tage regelmäfsig gewogenen 
Patienten zeigten 8 konstantes Gewicht, 15 eine Abnahme, 16 eine Zunahme des 
Körpergewichtes. Die stärksten Gewichtsabnahmen gelangten bei den weniger kräftigen, 
die stärksten Zunahmen bei den schon von vornherein in gutem Ernährungszustände 
befindlichen Patienten zur Beobachtung. In fünf Fällen wurde Auftreten von Albumen 
im Urin, allerdings in nur sehr geringen Mengen, beobachtet. Im folgenden teilen 
die Verfasser ausführlich ihre Beobachtungen über die Einwirkung des TR auf lu- 
poses Gewebe mit. Aus denselben geht hervor, dafs das TR, wenn es auch keine 
dauernde Heilung bringen kann, jedenfalls einen entschieden günstigen Einfluß auf 
Vernichtung des tuberkulösen Prozesses aussuüben im stände ist und bei vorsichtiger 
Anwendung keine wesentlichen Schädigungen des Gesamtorganismus im Gefolge hat. 
Wie weit es Immunisierung gewähren kann, läßt sich bei der Kürze der Beobachtungs¬ 
dauer noch nicht bestimmt sagen. — Nach den bisherigen Resultaten darf das TR 
bei gleichzeitig nebenhergehender, rationeller lokaler Behandlung als unterstützendes 
Moment in Anwendung kommen und einen hervorragenden Platz unter den Mitteln 
zur Bekämpfung der Hauttuberkulose einnehmen, wenn es auch eine radikale und 
definitive Heilung allein nicht bringen kann. 

IV. Zur Frage von der Behandlung der Augenblennorrhoe, von E. Wz- 
LAXDBR-Stockbolm. Verfasser hat Gelegenheit gehabt, im Krankenhause St. Göran 
das neue, von Pezzoli empfohlene Silberpräparat Largin in einigen Fällen von 
Augenblennorrhoe mit dem größten Erfolge anzuwenden. Die Krankengeschichte 
eines dieser Fälle wird im folgenden mitgeteilt Der 44jährige Patient zeigte beim 
Eintritt ins Eirankenhaus die Lider beider Augen ziemlich geschwollen, die oberen 
Augenlider infolge der Verdickung der stark geröteten Coqjunctiva etwas ektropiert 
Aus beiden Conjunctivalsäcken floß reichlicher, stark gonokokkenhaltiger Eiter. 
Nicht der geringste Ausfluß aus der Urethra war zu konstatieren. Die Behandlung 
bestand in fleißigem Spülen der Augen und fünfmal täglichen Pinselungen der Con- 
junctiva mit 2°/*iger Larginlösung. Der Patient wurde nach vierwöchentlichem 
Aufenthalte im Krankenhause als geheilt entlassen. Der Fall war von besonderem 
Interesse, einmal weil er die gonokokkeotötende Wirkung des Largins so deutlich 
zeigte und zweitens weil eine wiederholte neue Infizierung des Auges von wahr¬ 
scheinlich im Thränenkanal verborgen gebliebenen Gonokokken ausging. — Das Largin 
muß, um wirksam zu sein, ziemlich lange mit der Schleimhaut in Berührung sein. 
Aus diesem Grunde hat Verfasser kleine Gelatinetabletten, welche einprocentiges 
Largin enthalten, anfertigen lassen. Ein Stück ungefähr von der Größe eines Augen- 


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lidei wird unter das Augenlid geschoben, wo es in ca. 15 Minuten schmilzt, welche 
Zeit also das Largin mit der Schleimhaut in Berührung bleibt. 

V. Über Leukoplakia orig bei Psoriasis und anderen Dermatosen, von 
Jobbp Schütz - Frankfurt a. M. Verfasser behandelte im Jahre 1885 einen kräftigen, 
zehnjährigen Knaben an ausgedehnter Psoriasis vulgaris, welche seit dem zweiten 
Lebensjahre des Patienten bestanden hatte und mehrfach mit Teer und Schmierseife 
behandelt worden war, ohne jedoch völlig zu verschwinden. Unter rein äufseriicher 
Behandlung mit Chrysarobin, Pyrogallol verschwand der Ausschlag in acht Wochen. 
Nach sieben Monaten stellte sich ein Recidiv ein. Die erneute, ausschließlich externe 
Behandlung mit Chrysarobin traumaticin und Pyrogallolspiritus hatte etwa sechs 
Woohen gedauert, als Verfasser eines Tages bei dem Patienten eine milchweifse Ver¬ 
färbung beider Mundwinkel wahrnahm. Die Inspektion der Mundhöhle ergab eine 
ausgedehnte, perlmutterweifse Verfärbung der rechten Wangeninnenfläche, des 
Gaumengewölbes bis zum Ansatz der Gaumenbögen, sowie einen blauweiMichen, hori¬ 
zontalen, etwa 1 cm breiten, 3 cm langen Streifen auf der linken Wangenschleimhaut. 
Reizerscheinungen und subjektive Beschwerden fehlten. Nirgends waren abnorme 
Röte, Rhagaden, Ulcerationen oder Epitheldefekte zu sehen. Die Zunge war nicht 
belegt, die Zähne waren tadellos, das Allgemeinbefinden vorzüglich. Aussätzen des 
Chrysarobins und Pyrogallols in der Psoriasisbehandlung, tägliche warme Bäder, 
Gurgelungen mit Folia Salviae brachten innerhalb von 14 Tagen keinerlei Besserung. 
Nunmehr wurde täglich 6%iger Salicylspiritus aufgepinselt und die Psoriasisbehandlung 
in vollem Umfange wieder aufgenommen. Allmählich trat eine Loslösung des Epithels 
ein. In sechs Wochen war wenig mehr von einem bläulich weißen Ton der erkrankt 
gewesenen Schleimhaut zu sehen. Die Psoriasis am Körper war schon vorher ver¬ 
schwunden. — Verfasser sah nach Jahren zwei weitere Fälle bei erwachsenen Mädchen. 
Er bespricht sehr eingehend die Differentialdiagnose. In Betracht kommen an erster 
Stelle „echte Psoriasis der Schleimhaut“, deren Vorkommen jedoch bisher in den 
meisten Lehrbüchern bestritten wird, ferner mit Psoriasis komplizierte SoHwiMMEBsche 
Leukoplakie, für welche die Vorbedingungen fehlen. Ebenso fehlen Anhaltspunkte 
für die Annahme von Syphilis, Pemphigus, Stomatitis, Glossitis superficialis, Lingua 
geographica etc. etc. Verfasser neigt zu der Ansicht, dals es sich nicht um eine 
echte Psoriasis der Schleimhaut in den drei von ihm beobachteten Fällen gehandelt 
hat, dafs aber trotzdem indirekte Beziehungen zwischen „Leukokeratose“, mit welchem 
Namen er die Affektion bezeichnet, und Psoriasis vorliegen. Dieselbe Leukokeratose 
hat Verfasser noch bei zwei anderen Hautleiden und zum Teil in Abhängigkeit von 
denselben gesehen, nämlich zweimal bei hartnäckigen Tylomen der Hohlhand und 
fünfmal bei ganz eigenartigen, chronischen, schuppigen Ekzemen der Ellenbogen¬ 
gegend. C. Berliner-Aachen. 


Oentralbl&tt für die Krankheiten der Ham- und Sexaal-Organe. 

Band IX, Heft 10. 

Über den Zuckeraachweis im Harn mit Hülfe der TBOMMBRschen Probe, 

von H. Malfatti. Verfasser weist auf die vielfachen unsicheren Resultate hin, die 
man bei Untersuchung des Harns auf Zucker mit Hülfe der TaoMMERschen Probe er¬ 
hält; er hat daher die Probe in der Weise modifiziert, dals er zunächst durch einige 
Tropfen Kalilauge und Kupfersulfat in der Kälte die sonstigen reduzierenden Sub¬ 
stanzen ausfällt und dann erst die Reduktion nach Trommeb in üblicher Weise vor¬ 
nimmt. Zur quantitativen Bestimmung des Zuckers giebt er eine Modifikation der 
FEHLiNOschen Probe; der Urin wird nach Zusatz von Kupfersulfat, Kalilauge und 


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Ammoniak mit Paraffluum liquidum überschichtet und dann ans dem Zeitpunkt des 
Eintretens der Entfärbung beim Erhitzen annähernd der Procentgehalt an Zucker 
bestimmt 

Über das Vorkommen von Bacterium coli commune in der Harnröhre 

des Mannes, von Faltin. Da das Bacterium coli, ein häufiger Bewohner des Darms, 
häufig auch bei Erkrankungen der Harnwege betroffen wird, ist es von Interesse zu 
erfahren, ob es auf dem gewöhnlichen Wege durch die Urethra oder durch eine Art 
von Autoinfektion dahin gelangt. Die daraufhin an 51 Männern angestellten Unter¬ 
suchungen ergaben zweimal Bacterium coli; im einen Falle liefs es sich bei Nachprüfung 
nicht wieder nach weisen, im anderen fand man es auch bei wiederholter Untersuchung, 
doch hatte er ein langes Präputium und hatte sich vielfach Injektionen gemacht. 
Jedenfalls kommt also das Bacterium coli selten in der Harnröhre vor; kann man 
nun an gröfserem klinischen Materiale nach weisen, dafs gerade die Fälle von Blasen- 
und Nierenerkrankungen, welche durch Bacterium coli bedingt sind, weder eine Harn¬ 
rohrenaffektion aufweisen, noch durch Katheterinfektion hervorgerufen sein können, 
so ist dies eine grofse Stütze für die Annahme, dafs für Baoterium coli der gewöhn¬ 
liche Infektionsweg ein anderer ist als die Urethra; ob der gewöhnliche Weg durch 
die Nieren geht, oder ob durch direkte Durchwanderung vom Kectum aus die In¬ 
fektion erfolgt, ist damit noch nicht entschieden. F. Hahn-Bremen. 


Annales de Dermatologie et de Syphiligraphie. 

1898. Heft 10. 

I. Über Zungensyphiliß, Glossitis nodularis und Glossitis diffusa, von 

J. Pini. Pini hat auf der Klinik für Hautkrankheiten und Syphilis zu Bologna zwei 
Fälle von Zungensyphilis behandelt und sorgfältig mikroskopisch untersucht. Bei der 
Glossitis nodularis entwickelt sich der syphilitische Tuberkel im submukösen Binde¬ 
gewebe und wächst gegen die Oberfläche, wobei die Zungenpapillen gezerrt und zur 
Atrophie gebracht werden. Das elastische und das Muskelgewebe werden dabei 
gründlich zerstört. Die Neubildung unterscheidet sich in ihrem Bau und in ihrer 
Entwicklung gar nicht von dem Hauttuberkel, bildet keine Kiesenzellen und die Ver¬ 
änderungen an seinen Gefäfsen sind nicht endarteriitischer Natur. — Die Glossitis 
diffusa dagegen nimmt ihren Ursprung im Muskelgewebe, beschränkt sich nicht auf 
umschriebene Punkte, sondern überzieht mit Vorliebe das ganze Organ, bildet Kiesen- 
zellen und giebt Anlafs zur Neubildung von Bindegewebe, wodurch die ganze Zunge 
sich derber anfühlt, und führt schliefslich zu Mifsbildungen (Läppchen und Rhagaden) 
der Zungenoberfläche. 

II. Über die Häufigkeit tertiärer Formen ohne nachweisbare primäre 
Erkrankungen an Syphilis beim weiblichen Material eines Krankenhauses, 

von Charles Viannay. Verfasser verfügt über 100 Fälle zweifelloser Tertiärsyphilis 
bei Frauen. Darunter befinden sich 76 Fälle von Hautgummata, 19 Fälle von 
Schleimhauterkrankung, 12 Fälle von Knochenaffektionen. Dies Material wird vom 
Verfasser ausschliefslich statistisch verarbeitet. In 52% seiner Fälle liefs sich anam* 
nestisch eine frühere Erkrankung an Syphilis — Schanker oder sekundäre Symptome 
— nicht ermitteln. Unter den übrigbleibenden 48 Fällen liefs sich die vorauf¬ 
gegangene Syphilis sicher nur in 12 Fällen nachweisen; 16 mal lagen Aborte, Früh¬ 
geburten, Tod kleiner Kinder, aber keine eigentlichen luetischen Symptome vor. 
Diese Statistik stimmt mit den von anderen Autoren aufgestellten Berechnungen 
Überein. Verfasser folgert daraus, dafs das Fehlen von früheren Symptomen nicht 
gegen die syphilitische Natur einer gegenwärtigen Krankheit spricht; dafs ferner jede 


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bei dem weiblichen Material eines Krankenhauses zur Beobachtung kommende Krank¬ 
heit, bei deren Anamnese in 48°/o der Fälle Syphilis vorkommt, selber syphilitischer 
Natur sei. Da dies Zahlenverhältnis für Tabes, Dementia paralytica und Aneurysma 
zutrifft, so nimmt Verfasser keinen Anstand, die Syphilis zu ihnen in ein ursächliches 
Verhältnis zu bringen. In der Anamnese dieser Krankheiten ist die Syphilis sogar 
in einem gröfsern Procentsatz vertreten, als wie ihn V. für die Tertiärformen er¬ 
mittelt hat. Er erklärt sich dies Verhalten daraus, dafs Tabes, Paralyse und Aneu¬ 
rysma nur im Gefolge einer schweren syphilitischen Infektion auftreten, solche aber 
seltener als die leichten Formen übersehen wird. Seine Statistik ermutigt ihn endlich 
auch, in allen Fällen zweifelhafter Natur Jod und Quecksilber zu geben. 

HI. Das Erythema indnratom Bazih, von Lerbddb. Es wird ein Fall von 
Erythema nodosum der Beine bei einer 36jährigen Frau beschrieben, die nach An¬ 
nahme des Verfassers tuberkulös ist. Denn er rechnet mit Boeck und anderen diese 
Form zu den Tuberkuliden, d. h. zu denjenigen Hautleiden, „die die engsten Be¬ 
ziehungen zur Tuberkulose aufweisen, ohne dafs man im stände wäre, sie unmittelbar 
auf die Einwirkung des KocHschen Bacillus zurückcuführen, denn dieser lälst sich 
bei ihnen weder mikroskopisch noch durch Impfung nach weisen.“ Verfasser knüpft 
bei seiner Mitteilung an eine frühere Veröffentlichung von Audry über denselben 
Gegenstand an. Der Vergleich ist insofern interessant, als Audry ein Knötchen unter¬ 
sucht hatte, das in seiner Entwickelung schon viel weiter fortgeschritten war. Bei 
letzterem waren die Veränderungen an den oberen und mittleren Lagen der Cutis 
nur geringfügig, während diese gerade in dem Fall von Lrredde, zumal an den Ge- 
fäfsen, sehr ausgesprochen waren. Die größten Zerstörungen trafen beide Autoren 
unterhalb der Hautdrüsen, doch war die Degeneration in dem AuDRYschen Fall noch 
vollkommener. Türhheim-Hamburg. 


Journal des mal&dies cut&ndes et lyphilitiques. 

1898. Heft 7-10. 

Über Pemphigus der Conjunctivae, von E. Bellencontre. B. behandelte 
eine 78jährige Frau an Pemphigus der Augenbindehaut, gleichzeitig bestand Pemphigus 
der Mund-Eachenschleimhaut. Obschon Verfasser Blasen nie beobachtete, stellte er 
doch aus dem übrigen Befund die Diagnose, die später auch durch Auftreten von 
Blasen an der Körperhaut bestätigt wurde. Der Fall, in dem sich ätiologisch gar 
nichts ermitteln liefs, hatte den gewöhnlichen Ausgang in Symblepharon. Alle an¬ 
gewandten Mittel, auch Elektrolyse, erwiesen sich als machtlos. In dem Sekret fanden 
sich nur Staphylo- und Streptokokken. Im Blut konnten eosinophile Zellen nicht 
nachgewiesen werden. Verfasser bemängelt die Ansicht, welche die narbige 
Schrumpfung der Bindeschleimhaut und das Symblepharon einzig aus der Bildung 
von Pemphigusblasen auf der Conjunctiva erklärt und tritt für die andere, mit guten 
Gründen kämpfende Theorie ein, wonach die Krankheit sich auf einer noch unbe¬ 
kannten neuropathischen Grundlage entwickelt. 

Über die Etymologie des Wortes „Syphilis“, von Adresn Timmermans. 
Der philologisch und sprachwissenschaftlich geschulte Verfasser dieser Abhandlung 
fuhrt nach einer kurzen Einleitung drei Ableitungen des Wortes Syphilis an, die er 
alle drei aus philologischen Gründen für unzutreffend erklärt. Man hat das Wort 
von dem Griechischen Symphilia = Beischlaf, von dem Griechischen Sus und Philos 
= Freund der Bestialität und von dem gleichfalls griechischen Wort Siphlos = Leer 
herzuleiten versucht. T. giebt eine vierte Entstehungsweise an, die allerdings viel 
annehmbarer als die drei vorgenannten klingt. Nach ihm ist das Wort aus dem 


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Griechischen Sus (<rvg) = Schwein und Philis = Flöte = Röhre = Gang = Fistel 
zusammengesetzt und bedeutet soviel wie Fistula scrofae oder Fistula scrofulosa = 
die mit Fistelbildung wie beim Schwein einhergehende Krankheit. Das Wort findet 
sich zuerst bei Fracastor, einem italienischen Schriftsteller des XVI. Jahrhunderts. 
Ob dieser es auch gebildet hat, wie Timmermans annimmt, oder ob er sich nicht als 
erster des Vorgefundenen Wortes auch in der Schriftsprache bediente? Darüber wird 
uns die philologische Forschung wohl bald endgültig aufklären. 

Kasuistische Mitteilungen zur Urticaria, von F. Büret. B. berichtet von 
einem Patienten, der unbeschadet seiner Haut alles geniefsen kann, der aber sofort 
auf den Fufsrücken Urticaria bekommt, wenn er am Meeresstrand mit nassen Füfsen 
ins Wasser geht. Beim Baden im Flufswasser bekommt er Urticaria an der Glans 
penis, die für gewöhnlich von der Vorhaut nicht bedeckt ist. Zieht er diese aber 
vorher über, so bleibt die Urticaria aus. Nach einem zufälligen Wanzenstich bekam 
derselbe Patient grofse Urticariaquaddeln, desgleichen nach dem Genufs einer aus 
Japan in Frankreich eingeführten Wurzelfrucht, die zuerst in dem Dorfe Crosnes ge¬ 
züchtet wurde und daher den Namen Crosnes du Japon führt. Büret hat darauf von 
dieser Wurzel gegessen und bekam das erste Mal auch einen Nesselfrieselausschlag. 
Bei wiederholtem Genufs der Frucht wurde die Urticaria aber immer schwächer und 
blieb schliefslich ganz aus. 

Ein Fall von Dermatitis herpetiformis Duheino, von Victor Durand. Es 
handelt sich um ein 16jähriges Mädchen, das seit ihrem dritten Lebensjahre zweimal 
jährlich, gewöhnlich im Frühjahr und im Herbst, von der Dermatitis herpetiformis 
befallen wird. Vorboten derselben sind Brennen und Jucken in den ergriffenen Teilen. 
Zur Zeit der Beobachtung in der Klinik zu Toulouse safs der Ausschlag in der Beuge¬ 
seite des Hand-, des Ellenbogen- und des Kniegelenkes. 

Ein Fall von Pemphigus hystericus mit Oedema lividum, von Victor 
Dürand. Die jetzt 86jährige Patientin leidet seit ihrem 18. Lebensjahre an Hysterie. 
Vor etwa 8 Jahren der erste hysterische Anfall, der sich in der Folge, namentlich im 
Anschlufs an Gemütserregungen, häufig wiederholte. Zu den Anfällen gesellt sich 
eine ödematöse Anschwellung der Hände und Vorderarme und ein Pemphigusausschlag 
auf den Armen, auf der Brust und dem Leib. 

Über ein Hantfibrom mit Riesenzellen, von Ch. Audry und Constantin. 
Ein 12jähriges Mädchen hatte in der Kniekehle eine wallnufsgrofse Geschwulst 
Dieselbe wurde entfernt und erwies sich als ein Fibrom der Cutis, das in seinem 
Kern aus reinem fibrösen Gewebe bestand, während der Mantel Riesenzellen enthielt 
und auch die Anwesenheit zahlreicherer, breiter Bindegewebsfasern auf eine gewisse 
Aktivität hindeutete. 

Vergleichende Untersuchungen über den Wert des Protargols und des 
Kalium permanganicum in der Behandlung der Blennorrhoe, von Masse. 
Es wurden in der bekannten Anordnung Ausspülungen der blennorrboischen Harn¬ 
röhre mit Kalium permanganicum und mit Protargol vorgenommen, letzteres in 
einer Verdünnung von 1:1000. Das Kalium permanganicum erwies sich dabei als 
wesentlich überlegen. 

Sieben Fälle von extragenitalem Schanker, von Felix Rochr. Die Fälle 
stammen aus der Charitö zu Marseille und betrefien sämtlich Mädchen und Frauen. 
Der Schanker safs einmal auf der Brustdrüse und war hier durch Bifs entstanden, 
einmal auf der rechten Wange; die betreffende Patientin, eine Puella publica, wollte 
sich einen Schönheitsfleck beibringen und benutzte dazu einen Höllensteinstift, mit 
dem kurz zuvor Schleimplaques touchiert waren. Von den fünf anderen Schankem 


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s&fsen drei aaf der Oberlippe and zwei auf der Unterlippe. Die Heilung erfolgte in 
fast allen Fällen nach Kalomeleinspritzungen. 

Allgemeine Fettsucht und Elephantiasis der unteren Körperhälfte, von 

L. Raynaud und E. Legrain. Der 43 jährige in Algier geborene Patient französischer 
Abstammung begann mit 14 Jahren an Fettsucht zu leiden, die bei seinem starken 
Alkoholmilsbrauch sich beständig steigerte, sodafs er mit 30 Jahren 180 kg wog. 
1891 wurde er wegen einer Phimosis operiert. Im Anschlufs daran entwickelte sich 
an seinem Glied, später auch an den Unterextremitäten unter wiederholten Erysipelas- 
anfällen ein elephantiasisartiger Zustand. Einem solchen Anfall von Erysipel ist er 
schließlich erlegen. 

Das Prinzip der Komplementärfarben angewandt bei der Diagnose von 
Hautkrankheiten, von Haan-Lo Havre. H. beschreibt einen sinnreich erdachten 
Apparat, den er „Makuloskop u nennt und der bestimmt ist, in der Entwickelung 
begriffene Hautkrankheiten nachzuweisen. Er besteht aus einer Hornhülse, wie sie 
die Uhrmacher zur Befestigung ihrer Linse gebrauchen, nur dafs diese letztere durch 
ein blaues Fenster aus Kobalt ersetzt ist. Das blaue Glas läßt nur blaue Licht¬ 
strahlen durch, sodafs alles blau gefärbt erscheint. Nur diejenigen Hautstellen, in 
deren Tiefe rote, kongestive Herde in der Bildung begriffen sind, wie bei Masern, 
Roseola syphilitica, Typhus u. s. w. werden ungefärbt erscheinen. Auf diese Weise 
kann man schon Tage vorher über die Natur und den Umfang des kommenden Aus¬ 
schlags sich Klarheit verschaffen. Neuerdings verwendet H. anstatt des blauen Glases 
einen kleinen Hohlcylinder, der mit Aqua coelestis (ammoniakalische Lösung von 
Kupferoxyd) gefüllt ist. Türkheim-Hamburg . 


ittitteünitgeit ans ber Citteratur. 

Pathologie und Therapie des Urogenitalapparates. 

In der New-Yorker Akademie der Medizin, Sektion der Ärzte für Harn* und 
Geschlechtskrankheiten hielt E. Martin einen sehr eingehenden und instruktiven 
Vortrag über die Sterilisation der Uretbralinstrumente. Diejenigen, welche sich 
selbst katheterisieren, erhalten vom Vortragenden folgende, beherzigenswerte Rat¬ 
schläge: 1. Die Patienten sollen einen weichen Katheter mit soliden Köpfchen von 
der Größe und Gestalt gebrauchen, wie sie der behandelnde Arzt vorschreibt, damit 
sie leicht, ohne Anwendung von Gewalt und ohne die geringsten Schmerzen zu be¬ 
reiten, in die Blase eingeführt werden können. Diesen Anforderungen entspricht am 
meisten ein Condä-Katheter von mittlerem Kaliber. Die Vorzüge, welche den weichen 
Kathetern anhaften, sind Dauerhaftigkeit, Widerstandsfähigkeit gegenüber den Sterili¬ 
sierungsmethoden und Billigkeit. 2. Der Patient halte sich gewöhnlich zweimal so 
viel Katheter, als er innerhalb 24 Stunden braucht. Er kann sie dann durch Kochen 
oder durch den Paraform-Apparat sterilisieren. Wo eine genügende Menge Katheter 
zur Verfügung steht, sterilisiert man sie am gründlichsten, indem man sie für 5—10 
Minuten kocht und für 24—48 Stunden dem Formaldehyd aussetzt. Katheter, die 
unmittelbar nach dem Gebrauche mit Seife und Wasser gründlich gereinigt worden 
sind, werden schon nach kürzerer Zeit steril. Eine der Einführung des Katheters in 
die Blase vorangehende Irrigation der Urethra wird die Gefahr einer Blaseninfektion 


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wesentlich vermindern. Nicht wenig trägt hierzu auch die Geschicklichkeit in der 
Einführung der Katheter bei. 

An der sehr lebhaften Diskussion beteiligen sich die Doktoren S. Alexander, 
W. Meter, B. W. Taylor, L. Bolton-Bangs, Skbnb, Stubgis, Füller, Keyes, Guiteras 
and F. C. Valentine. — Dr. S. Alexander giebt folgende Ratschläge: 1. Halte den 
Katheter so rein wie möglich; 2. gebrauche ihn so sanft wie möglich; 3. nimm einen 
guten, glatten, nicht zu steifen Katheter. — Die Mehzahl der anwesenden Mitglieder 
hält die Sterilisierung der Katheter durch 10—20 Minuten langes Kochen für eine 
hinreichende. {Joum. of cut. and gen. ur. dis. Jan. 1898.) C. Berliner-Aachen. 

Äu&erer Rifs eines Corpus cavemosum, von N. 0. Wilson. (. Briu med Joum. 
30. Okt. 1897.) Ein löjähriger, gesunder Knabe fühlte plötzlich, während er einen 
Hagel hinaufradelte, einen scharfen, schneidenden Schmerz im Penis. Der Sattel hatte 
sich etwas gelöst und war nach hinten gerückt, so dafs der Penis zwischen der Sattel- 
spitze und einem Oberschenkel eine Quetschung erlitt. Der Schmerz liefs bald nach. 
Der Patient konnte nach V/t Stunden gut Wasser lassen, bemerkte aber dabei, dafs 
an einer Stelle der Penis stark angeschwollen war. Der Urin war klar. Die Blase 
war noch nicht völlig entleert, als der Patient Blut aus der Schwellung hervorquellen 
tth, worauf diese ein wenig kleiner wurde. Die Untersuchung durch den Verfasser 
stellte im rechten Corpus cavemosum penis eine Öffnung fest, durch welche Blut 
herausspritzte. In Chloroformnarkose wurde nach Anlegung einer temporären Ligatur 
an der Peniswurzel die Rifswunde vernäht. Die Heilung erfolgte ohne Zwischenfall. 

C. Berliner-Aachen. 

Die eitrige Oowperitis und Pericowperitis, von Crosti. (Atti delXAssociaz. 
Med. Lombardei, 1897. No. 2.) Es wird ein Fall von blennorrhoischer Cowperitis mit¬ 
geteilt, welche zu Harnretention geführt hatte; Exstirpation der Drüse, Heilung. Ver¬ 
fasser bespricht die Ätiologie, Symptomatologie und Therapie der Affektion. 

C. Müller-Genf. 

Über den Befand reichlicher colloidh&ltiger Oystchen in der Urethra 
einee 77 jährigen Mannes, von Falta. {Prag. med. Wochenschr. 1898. No. 17,19,21.) 
Der Verfasser beobachtete an der Leiche eines 77jährigen Mannes in der Schleimhaut 
der oberen Hälfte der Pars cavernosa urethrae zahlreiche weißlich graue bis schwarz¬ 
braune, punktförmige, glänzende Knötchen, von denen die gröfsten etwa mohnkorn¬ 
groß waren; viel spärlicher fanden sich solche Knötchen in der Pars membranacea. 
Es handelte sich um subepithebal gelegene Cystchen, die teils schleimigen, teils homo¬ 
genen oder scholligen colloiden Inhalt hatten, teilweise auch kugelige Konkretionen 
enthielten. Die ganze Schleimhaut war reich an drüsigen Gebilden, und zwar fanden 
sich neben vollkommen ausgebildeten Drüsen sämtliche Entwickelungsstadien der Drüsen 
ror. Es handelte sich also um wirkliche Drüsenneubildung. Die Drüsen hatten 
größtenteils prostatoiden Charakter, ihr Inhalt war der gleiche wie der der Cystchen. 
Die Konkretionen waren aus der colloiden Masse entstanden und zwar mit Zellresten 
als Kern. Die Cystchen selbst waren Retentionscysten. — Nach Ansicht des Verfassers 
handelte es sich um prostatische Gebilde, d. h. um Neubildung prostatoider Drüsen 
bei abnorm weit vorgeschobenen Teilen des mittleren Prostatalappens. 

Götz-München. 

Über die diagnostische Bedeutung der Urethralmembranen, von Rubin¬ 
stein. {Die ärztl. Praxis . 1898. No. 7.) Der Verfasser beobachtete in einem Falle von 
Blennorrhoe, die wahrscheinlich seit 7 Jahren bestand, die Ausscheidung von platten, 
1—2 mm dicken Membranen von kometenartiger Gestalt. In denselben waren meist 
genau in der Mitte kreisrunde oder elliptische Löcher. Es handelte sich nach Ansicht 


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des Verfassers zweifellos um eine Erosion der Harnröhrenschleimhaut in der Umgebung 
der Mündung einer resp. einiger Littröschen Schleimdrüsen, die Löcher in den Mem¬ 
branen entsprachen dem Lumen dieser Drüsen. Während die Behandlung mit 
Argentum nitricum, Itrol, Zincum sulfuricum und Protargol ohne nennenswerten 
Erfolg blieb, nahmen die Membranen schon nach einer jANETschen Spülung Epithel¬ 
charakter an, nach 3 Spülungen trat vollständige Heilung ein. Der Verfasser betont, 
dafs die Spülungen in manchen Fällen von chronischer Blennorrhoe den Injektionen 
überlegen sind und zwar infolge des mechanischen Reizes, den der Flüssigkeitsstrahl 
auf die Wundfläche außübt. Götz-München. 

Dilatation des Hamapparates durch kongenitale klappenartige Ver¬ 
engerung der Urethra, von Commahdeur. ( Lyon mid. 1898. No. 11.) Bei der Autopsie 
eines kurze Zeit nach der Geburt gestorbenen Kindes konstatierte Verfasser eine 
enorme Dilatation der Blase, der Ureteren und der Nieren. In der Urethra (in der 
Gegend des Vera montanum) bestand eine halbmondförmige Klappe mit gegen die 
Blase zugekehrter Tasche; keine anderen fötalen Diflormitäten. C. Mütter-Genf. 

Praktische Winke zur Behandlung der Hamröhrenstriktur, von J.W. Cousins. 
(Brit. med. Joum. 8. Jan. 1898.) Der Verfasser ist in den letzten Jahren bei der Be¬ 
handlung der Strikturen von der gewaltsamen Zerreifsung, bezw. der Urethrotomii 
interna abgekommen. Denn ehe die letztere Operation ausgefuhrt werden kann, mufa 
die strikturierte Stelle dilatiert werden, um den Urethrotom durchzulassen, and eine 
Sonde No. 2 oder 8 mufs glatt den Kanal passieren können. Wenn aber ein Instru¬ 
ment von dieser Gröfse die Striktur passiert hatte, so ist dieselbe nicht derart, dafs 
sie nicht weiter durch einfache Dilatation geheilt werden könne. Nach der Erfahrung 
des Verfassers kann auch die dickste und engste Striktur in jedem Teile der Urethra 
durch intermittierende Dilatation event. unter Anästhesie zur Heilung gebracht werden. 
Zum Erweitern der Striktur sind metallische, Bpitz zulaufende Sonden zu empfehlen. 
Es ist gut, die Dilatation aufzuschieben, bis der Patient durch Ruhe, geregelte, nicht 
reizende Kost und allgemeine Mittel sich auf die Operation vorbereitet hat Alles, 
was geeignet ist, die Harnröhre zu reizen, sei es direkt oder indirekt durch scharfen 
Urin, soll vermieden werden. Je geringer die Reizbarkeit der Harnröhre ist, desto 
leichter gelingt die Dilatation. Verfasser bespricht sodann einen nach seinen Inten¬ 
tionen konstruierten Apparat zur Sterilisierung der Dilatationsinstrumente. 

C. Berliner-Aachen. 

Allmähliche Erweiterung bei Hamröhrenverengerungen im Vergleich mit 
den schneidenden Methoden, von Ho wland -Washington. {Med. News. 9. April 1898.) 
Der Verfasser redet in seiner Abhandlung der allmählichen Dilatation der Hamröhren- 
strikturen mit Sonden das Wort gegenüber dem Messer. Unzeitige Incisionen und 
Überdehnungen sind oft die Ursache der gar nicht enden wollenden Beschwerden der 
Patienten. — Die Länge der Behandlung hängt von dem Alter der Harnröhren- 
Verengerungen und der Zahl der Sitzungen ab, sie schwankt zwischen 3 und 12 (! d. Bef.) 
Monaten. Sonde 32 (französisch) sollte nicht überschritten werden. Es genügt, die 
Urethra auf einer Durchlafsfähigkeit für 28 oder 26 zu erhalten. Treten Blutungen 
auf, so ist zu pausieren, und die Harnröhre mit adstringierender Lösung zu installieren 
oder zu irrigieren. Cystitis und andere Zufälle treten bei Gebrauch reiner Instrumente 
und deren vorsichtiger Handhabung nicht auf. Dem Patienten selbst darf die Sonde 
nie in die Hand gegeben werden. Hopf-Dresden. 

Einige Bemerkungen über die Behandlung von impermeabler Striktur 
der Harnröhre, von J. S. Wight jr. {New York Med. Joum. 25. Juli 1896.) Enthält 


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die Krankengeschichten nebst Operationsbericht von 4 verschleppten Fällen von 
blennorrhoischer Strikter. Urethrotomia externa. Drei Heilungen, 1 Exitus letalis. 

PhiUppi-Itzchoc. 

Die Urethrotomie mit einigen nenen Urethrotomen, von Crosti. (Atti delT 
Aaocku. Med . Lombardei. 1897. No. 2.) Verfasser bespricht die Technik der Urethro¬ 
tomie, teilt einige Krankengeschichten mit, beschreibt verschiedene Urethrotome und 
empfiehlt als solche diejenigen von Albarran und von Bülhobs (Rio de Janeiro) als 
die gefahrlosesten. C. Müller-Genf. 

Über die Anwendung eines neuen Instruments für die externe Urethro- 
tomie bei Perinealabscefs nach chronischer Urethritis und veralteter Striktur, 

von Ingianxl (Centraibl. f. CMr. 1898. No. 15.) Das Instrument, das die Auffindung 
der Harnröhrenöffnung nach der äufseren Urethrotomie erleichtern soll, besteht aus 
einseinen Stucken, von denen das eine von der Dammwunde aus in die Blase ein« 
geführt wird, während ein zweites Stück von der äufseren Mündung der Urethra aus 
durch diese hindurch bis zur Dammwunde geführt und mit dem ersten verbunden 
wird. Über das Ganze wird ein biegsamer, an beiden Enden offener Katheter in die 
Blase vorgeschoben. Bezüglich der Einzelheiten sei auf die mit Zeichnungen ver¬ 
sehene Originalmitteilung hingewiesen. Goto-München. 

Plastischer Ersatz der Harnröhre im perinealen Abschnitte, von Emil 
Krha. (Wien. med. Wochenschr. 1898. No. 17.) Zwei Fälle werden berichtet. Im ersten 
wird wegen Strikturen und Harnröhrenfisteln nach Urethrotomia externa die Perineal¬ 
haut zum plastischen Ersatz der Urethra benutzt. Im zweiten wird nach Spaltung 
des strikturierten Harnröhrenabschnittes die fehlende Urethralschleimhaut durch Epi¬ 
dennislappen ersetzt, die nach Thixrsch gewonnen sind. Diese heilen gut; nach 
37* Monaten ergiebt die Urethroekopie, daß die Epidermisläppchen wohl erhalten 
waren. Jesmer-Königsberg i. Pr. 

Über Harnröhren- und Blasenirrigation, von Charles H. Chetwood-Now York. 
(New York med. Joum. 28. Mai 1898.) Chrtwood hebt mit Recht hervor, daß der An¬ 
wendung der jANETschen Spülmethode in der Praxis verschiedene Unbequemlichkeiten 
bei der Handhabung entgegenstehen. Ohne sie als Universalmittel der Blennorrhoe 
zu preisen, hält er sie immerhin für eine wertvolle Bereicherung der Therapie und 
für ein Mittel, welches zur raschen Zerstörung des Gonococcus beitragen, also in vielen 
Fallen, die nach verschiedenen Gesichtspunkten auszuwählen sind, in Anwendung 
kommen kann. Chetwood giebt nun einen einfachen Apparat zur Ausspülung der 
vorderen und hinteren Harnröhre, sowie der Blase an; derselbe besteht im wesent¬ 
lichen ans einer mit kurzer Einfluß- und Ausflußrohre versehenen Glasolive, welche 
in das Orificium penis einzufügen ist, und einer entsprechenden, den Zu- und Abfluß 
regelnden Sperrvorrichtung, die an dem die Olive mit dem Irrigator verbindenden 
und dem Abfluß-Gummßchlauch anzubringen ist, besteht. Die der Arbeit beigegebenen 
3 Zeichnungen ermöglichen das genaue Verständnis des sehr zweckmäßig scheinenden 
Apparates. Stern-München . 

Hydrostatische Harnröhren- und Blasenspttlungen, von Robbins- Detroit. 
{Phyeician a. Surg. Januar 1898.) Im Beginn seiner Abhandlung, in der Verfasser die 
von Jahet empfohlene Irrigationsbehandlung der Harnröhre und Blase warm empfiehlt, 
bemerkt er, daß er allerdings nicht Fred C. Valentine Recht geben könne, der mit 
dieser Methode, die Valentine hauptsächlich in Amerika eingeführt hat, jeden muko- 
serösen Harnröhrenausflufs in 36 Stunden und jeden eitrigen in 10 Tagen zur Heilung 

MomatshefU. XXVIII. 8 


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bringen könne. Robbins wendet die Irrigationen an in allen Fallen von einfacher 
Urethritis anterior und unkomplizierter Urethritis posterior, sowie in allen instramenteü 
behandelten Fällen von Urethritis und in den meisten Fällen von Cystitis nicht¬ 
tuberkulöser noch maligner Natur. — Zu den Spülungen verwendete Verfasser Losungen 
von Kaliumpermanganat (1:8000 — 1000) wie Sublimatlösungen (1:20000), und Silber¬ 
nitratlösungen wurden aufserdem zuweilen lokal durchs Endoskop angewandt Um 
Mischinfektionen zu verhüten, peinliche Sauberkeit und Desinfektion für Penis, Hände 
und Instrumente. Hopf-Dresden. 

Zur Technik der Hararöhreninjektionen, von Stockmann. (Zeiischr. /. 
Krankenpflege. 1898. No. 6.) Verfasser empfiehlt eine kleine Drahtklemme zur Zu- 
klemmung der vorderen Hamröhrenmündung, um so die prolongierten Injektionen zu 
erleichtern. F. Hahn-Bremen. 

Beitrag za den Störungen der Harnentleerung bei Kindern und ihrer 
Behandlung, von R. Kütneb. (Berl. klin. Wochenschr. 1898. No. 19.) Verfasser schildert 
zwei Fälle von chronischem, reflektorischem Spasmus des Sphincter vesicae externus, 
der im ersten Falle, bei einem achtjährigen Knaben, zu gelegentlichen Harnverhal¬ 
tungen geführt hatte und ihn nötigte, unter heftigen Schmerzen und starkem Pressen 
8 ehr häufig zu urinieren, wobei der Urin nie anders als tropfenweise abging. Heilung 
erfolgte durch methodische Sondenbehandlung. Im zweiten Falle handelte es sich um 
ein siebenjähriges Mädchen, dem seit der Geburt der Urin unfreiwillig abging. Hier 
hatte der Sphinkterkrampf zu einer starken Dehnung der Blase geführt; wurde diese 
Dehnung allzustark, so überwand die Blasenwandmuskulatur den Krampf des Schlieft 
muskels und prefste einen Teil des Urins unfreiwillig heraus. F. Hahn-Bremen. 

Die aseptische Behandlung der Harnverhaltung, von Hamilton -Columbus. 
(Med. News. 23. April 1898.) Verfasser empfiehlt strengste Asepsis bei instrumenteller 
Behandlung von Harnröhre und Blase: 1. Sterilisation von Harnröhre und Penis des 
Patienten; 2. Sterilisation der operierenden Hände und Instrumente; 3. Beibehaltung 
dieses Zustandes bis zur Vollendung des Eingriffs. Bei der Sterilisation legt Hamiltox 
wohl mit Recht mehr Gewicht auf Reinlichkeit als auf Desinfektion. Die Sterilisierung 
der Katheter erfolgt durch Kochen 5 Minuten lang in schwacher Sodalösung nach 
vorhergehender mechanischer Reinigung. Dann Abspülen in schwacher Karbol* oder 
Sublimatlösung. Dann peinliche Desinfektion der Hände des Arztes. Über Abdomen 
und Schenkel wird nach sorgfältiger Abwaschung des Penis mit desinfizierender 
Lösung ein in Sublimatlösung getauchtes Handtuch gebreitet. Bei bestehender 
Sekretion Ausspülung der vorderen Harnröhre. Boroglycerin oder sterile Vaseline 
zum Befetten der Instrumente, so wenig wie möglich. Dieselben Vorsichtsmafsregelo 
bei weiblichen Patienten nicht ausfer Acht lassen, etwa aus falschem Schamgefühl 
(Desinfektion der Vulva.) Hopf-Dresden. 

Bin Fall von extraperitonealer Buptur der Blase. Sectio alta. Heilung, 

von T. Bond und A. H. Tulby. ( Lancet. 12. Dez. 1896.) Ein 63 jähriger Mann, der seit 
8 Jahren sich selber katheterisiert hatte, bekam, während ihm von einem Arzte ein 
Metallkateter eingeführt wurde, eine heftige Blutung. Bei der alsbald erfolgten Auf¬ 
nahme im Krankenhause wurde eine kolossale Spannung der Blase konstatiert, und 
bei der sofort ausgeführten Sectio alta wurde nach Entfernung von mehr als 500 g 
geronnenen Blutes ein Rifs in der Blasenwand gefunden, welcher die Einführung von 
zwei Fingern leicht gestattete. Zur Stillung der noch andauernden Blutung wurde 
tamponiert, genäht und drainiert. Am siebenten Tage Einführung eines weichen 
Katheters per urethrain; Heilung. PhiUppi-lUehoe. 


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Über Steine in der Blase und ihre operative Beseitigung, von J. A. Cuk- 
hwoham. ( BrU . med. Journ. 7. Aug. 1897.) Eine Statistik von in Indien vorgenommenen 
Steinoperationen umfaist 17421 Fälle mit folgender Analyse: 


Art der Operation 

Zahl der Operierten 

Heilungen 

Sterbefälle 

Procentsatz der Mortalität 

Litholspaxie. 

10073 

9665 

399 

3.96 

Laterale Lithotomie 

7 201 

6407 

794 

11.02 

Suprapubikale 
Lithotomie. 

147 

86 

61 

42.17 


Der Verfasser erörtert eingehend die Indikationen für die einzelnen Methoden der 
Steinoperationen und beschreibt den Gang derselben. C. Berliner-Aachen. 


Blaseiistein nach Laparotomie wegen Beckenabsceffe, von W. C. Wood. 
(New York med. Journ. Okt. 1896.) Eine 25jährige Frau wurde am 8. März 1895 wegen 
Abscefs in beiden Seiten des Beckens laparotomiert. Die linke Tube nebst Ovarium 
zeigten eiterige Entzündung und wurden entfernt. Heilung erfolgte im Laufe von 
6 Monaten, aber bald darauf traten Blasenbeschwerden ein. Verfasser dilatierte die 
Urethra und entfernte nach vorheriger Zertrümmerung einen Blasenstein, dessen Kern 
von einem zur Unterbindung der Arteria ovarii verwendeten Seiden faden gebildet 
war. — Heilung. , Phüippi-Itzehoe. 

Blasenstein nach Kaiserschnitt, von A. W. Russell. (Glasg. med. Journ. Aug. 
1897.) Eine 27jährige Frau war im März 1892 durch Sectio caeBarea von einem nam¬ 
haften Gynäkologen erfolgreich entbunden worden. Ende 1896 kam sie wegen Blasen* 
beschwerden (häufiger Urindrang, blutiger Urin, Sediment) in Bussells Behandlung, 
nachdem sie bereits einige Zeit an Schmerzen im Unterleib und Methrorrhagien 
gelitten hatte. Schliefslich kam ein Calculus an der Urethra zum Vorschein, und bei 
weiterer Untersuchung wurden von der hinteren Blasenwand aufser Phospaten einige 
härtere Konkremente entfernt, deren Kern von Teilen der verwendeten Seidenfaden 
gebildet wurde. Die Heilung war bei der Entlassung aus dem Krankenhause bis auf 
eine kleine defekte Stelle der Schleimhaut komplett. Philippi-Itzehoe. 

Oystischer Tumor der Blase mit zwei Bl&sensteinen, von P. J. Freyer. (Briu 
med, Journ. 13. Nov. 1897.) Ein 36 jähriger Offizier aus Britisch-Indien litt seit 10 Jahren 
an Harnbeschwerden, welche er auf eine Verletzung in der Unterbaucbgegend gelegent¬ 
lich eines Sturzes zurückfuhrte. Unmittelbar nach dem Unfälle stellten sich damals 
Schmerzen in der reohten Nierengegend, intermittierende Hämaturie, Fieber und 
Cystitia ein. In den letzten Jahren war das hervorstechendste Symptom, dafs der 
Patient niemals die Blase auf natürlichem Wege, sondern entweder in liegender 
Position oder durch Einführen eines Katheters entleeren konnte. Zeitweilig stellte 
«ich hohes Fieber mit Eiter im Urin ein. Unter den andauernden Beschwerden 
magerte der Patient beträchtlich ab. Wiederholte Sondenuntersuchungen durch ver¬ 
schiedene Arzte vermochten keinen Stein zu entdecken. Auch der Verfasser, den der 
Patient zuletzt konsultierte, konnte bei der ersten Untersuchung mit der Sonde keinen 
Stein feststellen, bis er in Erinnerung eines vor 7 Jahren behandelten Falles auf den 
Gedanken kam, dafs ein Tumor in der Blase vorhanden sein könnte, der sich gegen 
den Blasenhals hinneigte und dem Harnstrahl hier den Weg verlegte. Das Cystoskop 
bestätigte diesen Verdacht. Es wurde ein glatter, wallnufsgrofser Tumor mit dickem 
Stiele entdeckt, der von der rechten Seite des Blasengrundes hervorwuchs. Nunmehr 
wurde der suprapubikale Blasenschnitt ausgefuhrt und nach Unterbindung des Stieles 
der Tumor, der sich in der Nähe der rechten Ureterenöfinung befand, losgeschnitten 
und aus der Blase entfernt. Der Tumor erwies sich als cystisch und enthielt 2 ver- 

8 * 


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schieden grofse Harnsäuresteine. Der Patient genas vollkommen and hat seitdem tn 
keinen Beschwerden mehr gelitten. Der Verfasser erörtert die Frage nach der Be¬ 
schaffenheit and dem Ursprung des Tumors. Mikroskopisch bestand die einwandige 
Cyste aus fibrösem Gewebe und war in- and aaswendig mit Übergangsepithel, wie man 
es in der Blase und den Ureteren vorfindet, bedeckt. Verfasser hebt den Wert der 
CystoBkopie in derartig dunklen Fällen zum Zwecke der Diagnose hervor. 

C. Berliner-Aachen. 

Die beste Operationsmethode bei grofsen Blasensteinen, von P. J. Freto. 
( Lancet . 12. Des. 1896.) Die Hauptsumme seiner Erfahrungen fabt F. dahin zusammen, 
dafs in allen Fällen, welche die Anwendung der BioiLowschen Operation zulassen, 
diese unbedingt den Vorzug verdient. Konkremente bis zu ca. 60,0 bei Erwachsenen 
(bei Kindern entsprechend kleiner) werden in der Begel sich auf diese Weise entfernen 
lassen. Gröbere Steine, bis etwa 90,0, erfordern die perineale Lithotomie, und noch 
gröfsere die Sectio alta. Mit diesen Thesen werden wohl die meisten Chirurgen ein¬ 
verstanden sein. Aus seinem Material von 300 in Indien operierten Blasensteinen 
wählt Verfasser 49 von mindestens 56,0 Gewicht aus und teilt einige recht bemerkens¬ 
werte und belehrende Beobachtungen darüber mit Kleinere Steine werden selbst¬ 
verständlich durch Litholapaxie entfernt, und diese werden keiner weiteren Beachtung 
gewürdigt; aber bei den gröfseren hatte Verfasser bei letzterer Operation eine Mor¬ 
talität von nur 9*/»% gegen 287*% bei der Sectio perinealis und 50% bei der Sectio 
alta. Dafs man mit der BiGELowschen Methode ganz enorme Steine entfernen kann, 
ist von verschiedenen Operateuren in Indien bewiesen worden. Verfasser selbst hat 
einen solchen von ca. 180 g entfernt, ohne damit den Bekord zu schlagen. 

PhiUppi-ltzchöe. 

Cystotomia snprapnbica wegen recidivierenden Blasensteins, von Fsabx 
C. Hammond in Philadelphia. — Über Litholapaxie (Entfernung der Blasensteins 
in einer Sitzung), von W. S. Fobbes in Philadelphia. {Philadelphia med. Joum. 28. Mai 
1898.) Auf Grund eines selbst operierten und genau beschriebenen Falles und unter 
Herbeiziehung der einschlägigen Litteratur kommt H. zu dem Schlüsse, dafs der hohe 
Blasenschnitt allen anderen Operationsmethoden vorzuziehen ist. Fobbbs hingegen 
verwirft denselben völlig und ist eifriger Anhänger der Litholapaxie, welohe besonder* 
englischen und amerikanischen Ärzten nach den angeführten Statistiken treffliehe 
Resultate gegeben habe. Die Mortalität betrug hier im Durchschnitt 1% bis höchsten* 
3%, während sie nach dem hohen Blasenschnitt nicht unter 17% sinke; Bauch¬ 
hernien seien zudem eine häufige Folge dieser Operation. Genaue Individualisierung 
dürfte wohl bei der Wahl zwischen Cystotomie und Litholapaxie in erster Linie za 
berücksichtigen sein, wie der Fall von Hammond beweist, wo es sich um einen 
77jährigen Mann mit gleichzeitiger hochgradiger Prostatahypertrophie handelte und 
die intravesikuläre Steinentfernung deshalb auf grofse Schwierigkeiten gestoben wäre. 

Stern-München. 

Exstrophia vesicae mit anderen angeborenen Defekten, von Roswell Pabc. 
{Med. News. 29. Mai 1897.) Der vierjährige kräftige Knabe batte rudimentären Penis, 
Spaltbildung im Arcus pubis und vollständige Exstrophia vesicae. Verfasser nahm die 
MAYDLsche Operation, Einpflanzung der Ureteren in das Rectum vor. Zwei Tage nach 
der Operation starb der Knabe, die Sektion ergab keine Peritonitis, aber Fehlen des 
Colon descendens und der Flexur. F. Hahn-Bremen. 

Über einen mit Hülfe des Oystoskops diagnostizierten Fall von Varioea 
der Harnblase, von C. Bruni. {Giom. intern, d. sc. med. 1897. No. 23.) Gelegentlich 
eines Falles von Blasenvaricen, wo die Diagnose auf Grund der klinisohen Erscheinungen 


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nicht festgestellt werden konnte, erklärt Verfasser, dafs, da der Affektion kein patho- 
gnomisohes Symptom zukomme, das Cystoskop allein eine sichere Diagnose erlaube. 

C. Müller-Genf. 

Über den baktericiden Einflnfs der Acidität des Ham auf die Oystitta- 

trreger, von Hostoski. ( Dtech . tned. Wochenschr. 1898. No. 15.) Verfasser benutzte 
sn seinen Versuchen die Bakterien von sechs Fällen von Cystitis (5 mal Baoterium coli, 
1 mal ein Microooocus), ferner Bacillus anthracis und Vibrio cholerae. Während 
letstere beide durch sauren Urin sehr bald getötet wurden, blieben die Cystitiserreger 
lebensfähig und vermehrten sich energisch. Steigerte man nun die Acidität des Harns 
energisch durch Darreiohung von Kampfersäure oder Borsäure, so gingen auch sie in 
drei Tagen zu Grunde. Therapeutisch dürften sich diese Beobachtungen verwenden 
lassen in solchen Fällen, welche der Behandlung Schwierigkeiten machen. 

F. Hahn-Bremen . 

Diagnose und Behandlung des Blasenkatarrhs, von Guitäras. (New York 
med. Joum . 19. März 1898.) Man kann die Cystitis einteilen in akute, subakute und 
chronische gemäfs ihrem Verlauf, in katarrhalische, eitrige, hämorrhagische nach ihren 
Symptomen, in superficielle, interstitielle und produktive nach ihren pathologischen 
Befunden, sowie ätiologisch in blennorrhoische, tuberkulöse und kalkulöse. Zum Begriff 
des Blasenkatarrhs gehören Schmerz, Eiter im Harn, Harndrang. — Akute Cystitis 
privaliert bei jugendlichen Individuen, meist nach Blennorrhoe, chronische bei älteren 
Leuten infolge Prostatahypertropbie, Steinen und Neoplasmen. Das männliche Geschlecht 
privaliert stark, wohl weil beim Weibe die Hamorgane mehr von den Geschlechts¬ 
organen getrennt sind und die Blase näher der Hautoberfläche gelegen ist. Auch ist 
die Urethra weiter. Aus diesen Gründen tritt Blasentuberkulose, die doch meist von 
den Genitalien ausgeht, hier seltener auf, Steine gehen leichter ab, Strikteren und 
Prostatavergrofserungen fallen ganz weg als ätiologischer Faktor für Cystitis. — 
Akuter Blasenkatarrh: Meist nach Blennorrhoe infolge Injektionen oder instru- 
menteller Behandlung. Vielfach nur akute Urethritis posterior. Die akute Cystitis 
beginnt oft mit febrilen Erscheinungen. Der Schmerz ist vor und nach der Miktion 
am heftigsten. Hämaturie häufig am Ende der Urinentleerung. Cystoskopgebrauch 
ist bei akuten Fallen schädlich. Die Blasenwand zeigt in diesem Stadium das Bild 
von starker Hyperämie und Schwellung mit Erosion beziehentlich Ulcerationen. Der 
Urin erst sauer, wird bald alkalisch. Mikroskopisch finden wir viel Eiterkörperchen, 
Blasenepithelien, oft Blutkörperchen, Bakterien und wenig Krystalle. — Chronischer 
Blasenkatarrh: Die Ursache ist der Eintritt von pathogenen Keimen in die Blase, 
die prädisponiert ist infoge Urinbeschaffonheit, innerlicher Medikation, Ezcessen in 
Baocho oder Venere, durch Steine oder Tumoren. Obstruktive Ursachen sind Strik¬ 
teren und Prostatahypertrophie. Die Heftigkeit der Symptome bei chronischem 
Katarrh der Blase ist sehr wechselnd, meist sind es die abgeschwächten Wieder¬ 
holungen aus dem akuten Stadium. Der Urin, spezifisch leiohter, zeigt oft den 
charakteristischen ammoniakalischen Geruch; auch liegt dem Gefäfs, das ihn enthielt, 
oft ein eiweiXahaltiger Schleim an. Bei Steinen enthält der Harn viel Krystalle, bei 
akmativen und tuberkulösen Formen viel Epithelien, bei Neubildungen eventuell 
Teilchen derselben. Staphylococcus aureus und Streptococcus, Bacillus coli oommunis 
und Urobacillus liquefaciens sind immer vorhanden. — Als diagnostisches Hülfsmittel 
steht das Cystoskop obenan. Die anderen physikalischen und instrumenteilen Unter- 
suohungsmethoden müssen vorhergehen. Die Blasenwand scheint bell, gallertartig, 
verdickt, Eiterklumpen hängen ihr an. Einzelne Stellen sind oft dunkelrot. Tuber¬ 
kulose Geschwüre lassen sioh bei der entsprechenden Cystitis erkennen, ebenso Steine 
und Neoplasmen in anderen Fällen. Therapie: Alkalien, Urindesinficientien, Anti- 


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spasmodica and heifse Sitzbäder bei akuten Fällen. Später Irrigationen mit Argentum 
nitricum von 1:16000 steigend, eventuell Instillationen. Auch übermangansaures 
Kalium und Borsäure thun gute Dienste. Bei chronischen Fällen innerlich Benzoe¬ 
säure, Borsäure, Eukalyptol, Urotropin, Wintergrünöl. Viel trinken. Strenge Diät 
Ausspülungen der Blase mit den bekannten Mitteln. Strikturen müssen zuvor durch 
Dilatation oder operativ entfernt werden. Bei Cystitis infolge Altershypertrophie der 
Vorsteherdrüse sind in letzter Zeit mehrere Operationen vorgeschlagen worden: 
1. Resektion eines Teils des Vas deferens, 2. Kastration, 8. Enukleation der Prostata, 
4. Bottinis Incisionen derselben, 5. Anlegen einer Fistel. Die Kastration ist die ein¬ 
greifendste Methode, die Resektion eines Vas deferens-Stückes die mildeste. Bei alten 
Leuten ist die BoTTiNische Operation am empfehlenswertesten. — Ober die Indikation 
bei Cystitis infolge Steinen und Neoplasmen ist nichts neues zu sagen. 

Hopf-Dresden. 

Radikaloperation der Hydrocele unter Lokalanästhesie, von Lammbrs. 

(CentraJbl. f. Chir. 1898. No. 20.) Die Operation der Hydrooele mit Ausschälung der 
Tunica vaginalis ist mit ScHLSiOHscher Infiltrationsanästhesie leicht schmerzlos aus- 
zuführen, erfordert aber viel Zeit. Es geht schneller, wenn man die Innenfläche des 
Sackes mit einer starken Kokainlösung abspült. Nach Infiltration der Scrotalbaut 
nach Schleich, Spaltung der Tunica etwa auf 3 cm Länge, Eingiefren von 10 ccm 
einer 2°/o —4%igen Kokainlösung in den leeren Sack, Zuhalten und Hin- und Her¬ 
bewegen desselben während 2 Minuten, Entleerung der Flüssigkeit, gänzliche Spaltung 
der Tunica und Ausschälung derselben. Die letztere geht ganz schmerzlos von statten. 

Jessner-Königsberg i. Pr. 

Schmerzlose Behandlung der Hydrocele mit Injektionen von Karbolsäure, 

von G. A. Rae. (Brit. med. Joum. 2. Okt. 1897.) Der Verfasser behandelt seit Jahren 
die Hydrocele in der Weise, dafs er dieselbe punktiert, die Flüssigkeit abzapft und 
dann 20 Tropfen einer koncentrierten Karbolglycerinlösung injiziert. Nur in sehr 
wenigen Fällen war es nötig, nach Wochen, weil sich der Sack wieder gefüllt hatte, 
nach Entleerung des Inhalts noch eine Injektion von Karbolglycerin zu machen. Das 
Verfahren ist ein schmerzloses und zuverlässiges und deshalb den anderen Methoden, 
besonders der Behandlung mit Jodtinktur, die schmerzhaft ist, vorzuziehen. 

C. Berliner-Aachen. 

Orchitis oder Epididymitis als Komplikation oder Folge von Typhus, von 

Auoüstus A. EsHNER-Philadelphia. (Philadelphia med. Joum. 21. Mai 1898.) Ein selbst 
beobachteter Fall, wo ein 39jähriger Mann einen Monat nach überstandenem Typhus 
an Hodenentzflndung erkrankte, ohne dafs die Anamnese eine andere Ursache (Blen¬ 
norrhoe u. s. w.) ergab, veranlafste E., die bezügliche Litteratur einer aufserordentlich 
fleifsigen Durchsicht, wofür die 69 angegebenen Arbeiten zeugen, zu unterziehen. E. 
kommt zu dem Schlüsse, dafs Orchitis und Epididymitis ziemlich seltene Kompli¬ 
kationen des Typhus; sind so fanden sie sich unter 2000 Fällen von Hölscheb kein 
einziges, unter 871 von Sorbl 3 mal. Sie treten am Ende der Krankheit oder noch 
häufiger erst während der Rekonvalescenz auf; irgendwelche Beziehungen zwischen 
der Intensität des Typhus und der Komplikation war nicht zu eruieren. Der Beginn 
ist ein plötzlioher, während der Patient das Bett noch hütet oder schon verlassen 
hat, mit Schmerz, welcher auf Hoden, Nebenhoden und selbst Samenstrang sich 
erstreckt, und leichter Temperatursteigerang. Gewöhnlich wird der Hoden zuerst und 
in der Mehrzahl der Fälle allein, später der Nebenhoden und dieser nur selten allein 
oder zuerst befallen. Schwellung und Rötung, aber weniger ausgeprägt wie bei der 
blennorrhoischen Form, sind die äußeren Zeichen der Erkrankung, welche in akuten 
Fällen 8—10 Tage dauert, manchmal durch Eiterung hinausgezogen und durch blei- 


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bende Schwellung und Induration auch lange bestehen kann. In keinem der 44 Fälle, 
welche tabellarisch geordnet und mit den wichtigsten Notizen versehen, anhangsweise 
angefugt sind, war Urethritis oder eine frühere Blennorrhoe zu konstatieren. Was die 
Ätiologie betrifft, so halt es £. für wahrscheinlich, dafs durch Metastase die Typhus* 
badllen in den Hoden gelangen, wie auch Typhusbacillen nicht nur in dem lokalen 
Entzundungsprozesse, sondern auch in den Testikeln von an Typhus verstorbenen 
Personen, ohne dafs klinische Zeichen der Orchitis vorhergegangen wären, gefunden 
worden sind. Von der blennorrhoischeD Epididymitis unterscheidet sich die typhöse 
durch geringere Schmerzhaftigkeit, raschere Entwickelung und dadurch, dals nach¬ 
einander Hoden, Nebenhoden und zuweilen Samenstränge befallen werden und frühere 
oder gegenwärtige Erkrankungen der Harnwege nicht nachzuweisen sind. Viel Ähn¬ 
lichkeit hat die typhöse Orohitis mit der bei Parotitis (Mumps) vorkommenden Form. 
Die Behandlung entspricht der gewöhnlichen, antiphlogistischen, ohne dafs die Art 
des Grundleidens darauf von besonderem Einflufs wäre. Stern-München . 

Chirurgische Behandlung des Vas deferens bei Harnleiden, von Harrison- 
Eng. ( Lancet . 8 . Jan. 1898.) Wenn mit vorgeschrittenem Alter die Umwandlung der 
Prostata aus einem Drüsengewebe zu muskelfaserhaltigem Bindegewebe weiter fort¬ 
geschritten ist, dann ist Kastration und Vasektomie als therapeutisches Mittel nioht 
mehr angebracht, sondern Prostatotomie oder Prostatektomie anzuempfehlen. Bei 
doppelseitiger Kastration und Excision der Vasa deferentia schlägt Verfasser vor, die 
Entfernung des Hodens beziehentlich des Samenstrangs der einen Seite nicht gleich¬ 
zeitig mit der Entfernung auf der anderen Seite, sondern in zeitlich kurz getrennten 
Sitzungen vorzunehmen. Im enteren Falle wurde cerebrale Verworrenheit und Geistes¬ 
schwäche beobachtet. Die Entfernung der Hoden ist die bei weitem eingreifendere 
Operation. Die Durchschneidung der Samenstränge genügt meist auch. Kleinere 
Steine passieren die Harnröhre oft schon nach Durchtrennung eines Vas deferens, 
was also schon eine Volumensabnahme der Vorsteherdrüse bewirkt. Vasektomie be¬ 
seitigt auch intrarenalen Druck und den Druck, der durch Stauung des Urins in der 
Blase bei Prostatahypertrophie auf die Nieren ausgeübt wird. Verfasser berichtet auch 
einen Fall, wo bei einem Patienten, der hereditär belastet war, ein nach einer akuten 
Blennorrhoe aufgetretener tuberkulöser Herd im linken Hoden nach Durchtrennung 
des linken Vas deferens zugleich mit der Atrophisierung des linken Testis verschwand. 
Gerade bei solchen Prozessen im Hoden ist Wert auf die Thatsache zu legen, dafs die 
Vssa deferentia sowohl aufwärts wie abwärts Mikroorganismen weiter zu befördern 
im stände sind (z. B. Epididymitis durch chronischen Katheterismus). Auch in solchen 
Fällen ist deren Dissektion oft angebracht. Hopf-Dresden, 

Über Vesiculitis, von Winfikld Aybes. (New York med. Joum. 14. Mai 1898.) 
Atres fand unter 1014 Fällen, welche vom 1. März bis 1. November 1897 wegen Er¬ 
krankung des Urogenitalapparates in seine Behandlung kamen, 80 mit Entzündung 
der Samenbläschen und 35 mit Epididymitis, so dafs er schliefst, erstere komme bei¬ 
nahe ebenso häufig als Komplikation der Blennorrhoe vor, wie die viel öfters genannte 
Nebenhodenentzündung, jedoch mit dem Unterschiede, dafs die akute Vesiculitis viel 
seltener, die chronische häufiger als die Epididymitis sei. Aufser der Blennorrhoe 
kommen als Ursache für die chronische Entzündung der Samenbläschen noch Tuber* 
kulose und Syphilis in Betracht, wenn auch nur in ganz seltenen Fällen. Die Diagnose 
kann durch die rektale Untersuchung gestellt werden, welche stets die normalen 
Samenbläschen palpieren läfst und deren Leichtigkeit nach den Angaben Atres’ im 
Gegensatz zu den anatomischen Verhältnissen steht. Er fand häufiger die rechte wie 
die linke Seite erkrankt und unterscheidet eine akute, subakute und chronische Form, 


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letztere beide sehr ähnlich in Ursache und Symptomen. Bei der akuten Form sind 
die Symptome wohl ausgeprägt, sie bestehen in allgemeiner Sohwäche, Appetitlosig¬ 
keit, Fieber bis 40° C., Obstipation, Schmerzen im Rücken and in der Scham- und 
Leistengegend, zuweilen ähnlich wie bei Ischias, brennendem Gefühl an der Eichel 
beim Urinieren und häufigem Harndrang. Der Urin enthält eine grofse Menge Eiter 
oder auoh Blutklumpen; die rektale Untersuchung zeigt eine oder beide Samenbläschen 
vergröfsert, weich und oft pulsierend. Bei der subakuten und chronischen Form sind 
die Symptome weniger ausgeprägt, meist ist aber Harndrang vorhanden und der Urin 
enthält Eiter, welcher ihm in beiden Proben ein mehr flockiges Aussehen giebt als 
bei Cystitis und Urethritis. Bei der Diagnose mufs man sich vor Verwechslung 
mit Spermatorrhoe hüten, die Katheterprobe giebt die Unterscheidung von Cystitis 
(klarer Urin), ferner ist die Vesiculitis mit Pyelitis, Urethritis posterior, Granulär* 
atrophie schon verwechselt worden, die rektale Untersuchung läist dies vermeiden. 
Die Behandlung besteht bei der akuten Form in Ruhe, warmen Umschlägen in der 
Perinealgegend und innerlich Diureticis und schmerzstillenden Mitteln; bei der sub¬ 
akuten und chronischen Form, mit Ausnahme der tuberkulösen und syphilitischen, in 
Streichen und Massieren der Samenbläschen vom Rectum aus; die genauere Beschreibung 
der Methode, von welcher A. treffliche Resultate sah, ist im Originale nachzusehen. 
Viele Fälle von sogenanntem unheilbaren Tripper sind nach seiner Ansicht Ent¬ 
zündungen der Samenbläschen, von welchen er 4 typische Beispiele genau beschreibt, 
und die durch die erwähnte Behandlungsart wohl heilbar sind. Stern-München. 


tierfffeiebtnes. 

Der dermatologisch-syphilidologische Unterricht an Deutschlands Hoch¬ 
schulen, von Frixdridh Eugen Hoff. (Reichs-Med.-Am. 1898. No. 19.) In klarer 
Weise führt Verfasser die ungenügende Ausbildung der Arzte auf dem Gebiete der 
Dermato-Syphilidologie auf die ungenügende Fürsorge der Universitäten für dieses 
so wichtige Fach zurück. An sechs Universitäten (Göttingen, Kiel, Giefsen, Tübingen, 
Jena, Rostock) bestehen weder Kliniken noch Polikliniken, fehlt es an jeder geeigneten 
Lehrkraft. Nur Berlin, Bonn, Breslau, Königsberg sorgen in ausreichendem MaJse 
für den Unterricht (die Darstellung betreffs Königsberg ist nicht genau und viel zu 
optimistisch! Ref.); Halle, Greifswald, Marburg, Heidelberg, Erlangen besitzen we¬ 
nigstens Docenten. Freiburg hat eine Poliklinik, München eine Klinik und Poliklinik, 
Würzburg eine Poliklinik für Hautkrankheiten und eine Abteilung für Geschlechts¬ 
krankheiten in der inneren Klinik. — Besser wird alles erst werden, wenn die Dermato- 
Syphilidologie zum Prüfungsfach gemacht wird. (Nicht beigestimmt kann dem Ver¬ 
fasser werden, wenn er als das Ideal eine Trennung der Dermatologie von der 
Syphilidologie, wie sie jetzt schon z. B. in Berlin besteht, hinstellt. Die Syphilis hat 
soviel Beziehungen zur Haut, dafs eine Trennung etwas Unnatürliches wäre. Wer 
kann wohl Dermatologie lehren ohne die Syphilidologie zu beherrschen und zu lehren? 
Aber abgesehen davon dürften wir wohl in der Zersplitterung der Medizin jetzt wohl 
schon soweit sein, dafs jeder Schritt weiter eine direkte Gefahr für die Wissenschaft 
mit sich bringen, alle dem Spezialistentume anhaftenden Mängel in das grellste Licht 
stellen würde. Ref.) Jessncr-Königsberg t. Pr 

Nachdruck ist ohne Genehmigung des Verlegers nicht erlaubt. 


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PoRatsIcftf fttt ilrrmatflogir. 


Band XXVIII. N2:3. 1. Februar 1899. 


Serotaxis durch Ätxk&lilösungen. 

Ein« neue Methode zur Diagnose und gleichzeitig zur Therapie 
von Hautkrankheiten (speziell des Lupus). 

Von 

Dr. Adalbert Frickbnhaus, 

zur Zeit Hausarzt an Dr. Unnas Klinik für Hautkrankheiten in Hamburg. 

Die Anwendung des Kali causticum in der Behandlung des Lupus 
ist alt, sie rührt, so viel idh übersehen kann, yon der Wiener Schule her. 

Hebra und Kaposi wenden Lösungen an von 1 Teil Ätzkali und 
2 Teilen Wasser, I. Neumann solche von 1 Teil Ätzkali und 8 Teilen 
Wasser. 

Dieselben benutzen, wie ich sehe, das Kali zur Zerstörung der Epi¬ 
dermis, sie waschen dann das überschüssige Kali ab und bohren einen 
zugespitzten Höllensteinstift in das Knötchen. 

In der Poliklinik von Max Joseph in Berlin sind einmalige Ätzungen 
mit &%igen Kalilösungen in Gebrauch bei alten Handekzemen. 

Neu ist die Nutzbarmachung der serotaktischen Eigenschaften ver¬ 
dünnter Kalilösung zur Diagnose infektiöser Hauterkrankungen, neu ferner 
die systematische, gleichzeitig mögliche auf den Prinzipien der Serotaxis 
aufgebaute Therapie. Die diagnostische Mafsnahme wirkt also gleichzeitig 
kurativ. 

Die Thatsaohe, dafe Kalilauge in seiner Art als Ätzmittel insofern 
einzig dasteht, als es die Gewebe einschmilzt, verflüssigt, als das durch 
aufgetupfte Kalilauge angelockte Serum fast wasserhell ist und so augen¬ 
scheinlich ein reger Diffosionsstrom nach der Haut eingeleitet wird, brachte 
mich auf den Gedanken, diese Eigenschaften des Kali zu diagnostischen 
Zwecken zu benutzen, indem ich mir dachte, dafs durch den so ein¬ 
geleiteten Flüssigkeitsstrom auch Mikroorganismen an die Oberfläche be¬ 
fördert werden, welche in der Tiefe der Hautschichten ihren Sitz haben. 
Ich machte nun Versuche zunächst an Lupus und in der That gelang 
mir die Färbung von Tuberkelbacillen aus dem lebenden Gewebe, das 
heilst aus dem durch verdünnte Kalilauge angelockten Serum. Ich habe 

HoMtabofte. XXVIII. 9 


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122 


etliche Fälle von Lupns zu untersuchen Gelegenheit gehabt und in deo 
meisten Präparaten säurefeste Bacillen in mehr oder weniger greiser 
Anzahl im jeweiligen Präparat (von wenigen bis zu dntzenden) nach 
weisen können, welche nach Form und Färbungsverhalten (Entfärbung 
namentlich mit Essigsäure) als Tuberkelbacillen zu charakterisieren waren. 

Um mich gegen den Vorwurf zu schützen, dais die gefundenen säure¬ 
festen Bacillen wohl in die Gattung der Smegmabacillen gehören, habe 
ich die .gefundenen von diesen erstens durch das Färbeverfahren, zweitens 
durch Agar- und Gelatinekultur von Smegma mit Erfolg abzugrenzen 
versucht. 

Cornil und Babes charakterisieren das Färbeverhalten der Smegma¬ 
bacillen 1 folgendermafsen: „Hs peuvent aussi se colorer par la liquenr 
d f Ehrlich et rösister & la decoloration par l’acide azotique, comme les 
baoille8 de la tubercnlose. Senlement leur couleur rösiste moins ä l’action 
de l’alcool. Us se colorent plus facilement avec les couleurs simples. 
Hs se döcolorent plus facilement que ceux de la tubercnlose sous rinfluence 
de l’acide acetique cristallisö. 8 

Soweit ich übersehen kann, haben die neueren Arbeiten zur Diffe¬ 
renzierung dieser Bacillen auch nichts wesentlich Neues zu Tage gefördert 

Ich habe, wie angedeutet, Smegma untersucht und ich mnJs gestehen, 
dais ich in demselben weit weniger Tuberkelbacillen ähnliche Organismen 
finden konnte, als in meinem aus Lupusknötchen mit Kali gewonnenen 
Serum. Wohl aber befanden sich Kokken in überaus grofser Menge in 
den Präparaten. 

Durch die Kultur von Smegma konnte ich sowohl auf Agar als auf 
Gelatine blofs zwei Organismen isolieren, die als Kokken zu bezeichnen 
waren und sich auch so färbten; besonders schön auf Gelatine, auf 
welcher ihr Wachstum ein etwas langsameres war. Der eine Coccns 
machte eine rasenartige, ausgedehnte Kolonie von mattem Fettglanz, der 
andere pflanzte sioh in kleinen punktförmigen Kolonien fort, welche zuerst 
mit kleinen Tröpfchen einer aufgespritzten schmutzig mattweiß glänzenden 
Ölfarbe, die später etwas citronengelber in der Farbe wurden, zu ver¬ 
gleichen waren. 

Die gefundenen Bacillen von anderen säurefesten Bacillen abzugrenzen, 
z. B. dem Timotheegrasbacillus, 8 dem Mistbacillus, dem PETRischen, dem 
RABiNowiTSCHschen hielt und halte ich für durchaus überflüssig, da sie 
anderwärts Vorkommen. 


1 Alvabez and Tavbl, gleichzeitig auch Mattbrbtocx. Cf. Baumqabtkri My¬ 
kologie. 1890, pag. 682. 

* Cobnil-Babbs, Les Bactgries etc. Paris, Felix Alcan, Editeur. 1886, pag. 166. 
9 Cf. liozLLBB, Über dem Taberkelbacülns verwandte Organismen. Therap . 
Manatsh. Heft 11, November 1888. 


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123 


Deshalb nämlich, wenn wir in einem klinisch als Lupus zu bezeich¬ 
nenden Falle mit wohlausgebildeten, diaskopisoh festgestellten Lupus¬ 
knötchen durch die Kaliserotaxis säurefeste Bacillen gewinnen, in einem 
Falle von Ulerythem (Lupus erythematodes), von dem wir annehmen, dafs 
es den Mykosen, z. B. der Trichophytie näher steht als dem Lupus 
tnberoulo8us, wieder andere Organismen, aber keine Tuberkelbacillen 
ähnliche Gebilde, wenn wir ferner solche beim Ekzem durch unsere Me¬ 
thode nicht finden n. s. w., so werden wir doch gerechterweise schließen 
dürfen, es handelt sich in unseren Lupuspräparaten in der That nicht um 
zufällige Befunde, sondern um die mutmaßlichen Krankheitserreger, also 
um Tuberkelbacillen. 

Ich empfehle daher das Verfahren, welches weiter zu verfolgen ich 
die nächste Zeit keine Gelegenheit haben werde, zur Nachprüfung und 
gebe zu dem Behuf folgende Technik. 


Technik zu diagnostischen Zwecken. 

Festzuhalten ist für die Technik zu diagnostischen wie auch zu 
therapeutischen Zwecken, dafs wir keinen Schorf erzeugen wollen, 
sondern möglichst viel wasserhelles Serum zu Tage befördern. Versuche 
haben gezeigt, daß man mit folgender Kalilösung für beide Zwecke nahezu 
auskommt: 

Liq. Kali caustici 11 
Jtfimt 3 | partes 

einer also 3,7%igen Kalilösung, bei erhaltener Hornschicht. Bei zer¬ 
störter, auf Granulationsgewebe genügt eine l%ige Kalilösung. Hat man 
es dagegen mit isolierten Lupusknötchen in hartem Narbengewebe zu thun, 
so bedient man sich einer Lösung von 


Liq. Kal . caustici 
Aq. font. 



also einer 7Vt°/oigen, nötigenfalls auch der offizineilen Kalilauge; diese 
ist 15°/oig. 

Zuerst wird die zu untersuchende Stelle mit Seife und Äther ge¬ 
reinigt Dann tupft man mittelst eines vorher sterilisierten zugespitzten 
Hölzchens, welches mit Watte montiert ist, die 3,7 % ige Kalilösung auf. 
Nach ca. 2—3 Minuten ist an dieser Stelle genügend wasserhelles, etwas 
gallertartiges Serum zu Tage getreten, um dieses mit steriler Platinöse 
oder dem Hölzchen selber auf eine Anzahl Objektträger mit Wasser ver¬ 
mischt zu verreiben. 

Dann Untersuchung in Karbolfuchsin etc. Zu bemerken ist, daß 
vollständig gesundes Gewebe auf diese Lösung nur durch Rötung reagiert. 
Auf Granulationsgewebe erhält man jedoch, wie bemerkt, schon durch 
sehr diluierte Lösungen, z. B. durch l%ige, ein reichliches Serum. 

9* 


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Wir werden demnach lediglich zur Zerstörung der Homschioht das Kali 
koncentrierter anwenden, eventuell, wenn die Zerstörung nicht prompt 
genug erfolgt, auch durch mechanisches Ein- und Abreiben naohhelfen. 


Es läfst sich kaum sagen, bei welchen Erkrankungen man die Methode 
zu diagnostischen Zwecken anwenden kann. Es sei mir gestattet etliche 
Affektionen anzuführen, bei welchen die Methode diagnostisch wenig oder 
nichts, ferner des weiteren solche, wo sie dagegen therapeutisch viel leistet 
und leisten wird. 

Keinen Vorteil bietet die Methode zur Diagnose der Lepra, 
was in dem anatomischen Bau der derben Leprafibrome begründet ist. 
Man kann bei Lepra, wenn man diagnostisch an die Möglichkeit deckt, 
durch eine Blutuntersuchung, sei es durch einen Nadelstich in die Finger¬ 
beere, sei es durch Skarifikation über einem verdächtigen Leprom Bacillen 
in Menge nachweisen, mehr als man serotaktisoh durch Kalilösungen 
gewinnt, man muJs ja hier nicht blofs die Homschicht, sondern das ganze 
Epithel zerstören, bis man auf die in der Cutis gelagerten Bacillen gelangt. 
Mit Vorteil wird man die Methode also da an wenden, wo eine Affektion 
zwar in der Tiefe der Cutis ihren Sitz hat, aber mit schlechtem pars- 
keratotischem Epithel bekleidet ist. 

Wenig, wie überhaupt bei der Diagnose der Hautepiphyten, leistet 
die Methode diagnostisch bei der Trichophytie der Haut, therapeutisch 
dagegen viel. Man erhält zwar ein überaus reichliches Serum gerade bei 
Trichophytien der Haut, was wohl darin seine Erklärung findet, dafs die 
Hyphen8ohläuche die Rolle der Kapillarattraktion übernehmen. Anderer¬ 
seits ist es aber auch begreiflich, dals die verhältnismäßig langen Gebilde, 
die die oberen Hautschichten allseitig durchfilzen, schwerer einer flüssigen 
Reizung nach aufsen folgen. 

Abnahme und Verreibung von Schüppchen nach bekannten Methoden 
leistet hier mehr. 

Keine Gelegenheit habe ich bis jetzt gehabt, die serotaktische Methode 
in jenen langwierigen Fällen von Handekzemen anzuwenden, welche die 
französischen Dermatologen geneigt sind direkt als tuberkulöse aufzufassen; 
dafs hier die Methode geeignet ist, eine exakte Diagnose zu ermöglichen, 
glaube ich sicher, ebenso wie es möglich sein wird, Fälle von Lupus 
tuberculosus von Lupus erythematosus und von Syphilis abzugrenzen. 

Anläßlich einer früheren Arbeit 4 über Karbolätzungen habe ich die 
bekannte Beobachtung histologisch bestätigt gesehen, dafs Ätzmittel in 

4 A. Frickenhaus, Histologische Untersuchungen über die Einwirkung des Aci¬ 
dum carbolicum liquefactum auf die gesunde Haut. Monatsh. f. prakt. Derm . 1896. 
Bd. 22, pag. 272, 338. 


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starker Koncentration eben durch die stürmische Fällung des Gewehs- 
eiweißes sich selbst gewissermaßen eine Grenze für allzugroße Tiefen¬ 
wirkung setzen. Ich habe am Schlüsse dieser Arbeit die Vermutung aus¬ 
gesprochen, daß Ätzmitteln, in geringeren Koncentrationsgraden angewandt, 
möglicherweise eine größere Tiefenwirkung zukomme, da man von solchen 
die Vorstellung haben kann, daß sie das Ge websei weiß weniger prompt 
und weniger intensiv binden. 

Ob und wie weit dies überhaupt möglich ist bei Ätzmitteln, welche 
Eiweiß feilen, bleibe dahingestellt. Im Gegensatz zu diesen kommt 
Kalilösungen (cf. Husbmann, Arzneimittellehre) die Eigenschaft zu, gefälltes 
Eiweiß zu lösen und in Lösung zu erhalten, ferner Wasser und Kohlen¬ 
säure aus der Luft (jedenfalß auch aus dem Gewebe) begierig anzuziehen. 
Es ist somit ein serotaktisches Ätzmittel xaz t%o%riv. 

Möglicherweise ist ferner aber die Alkalescenz des Mittels, gegenüber 
dem selbst alkalischen Gewebe, wobei es im Gegensatz zu Mineraßäuren 
nicht zu einer Neutralisation kommt, schuld an der mehr flüssigen Ver¬ 
ätzung. Die anderen alkalischen Ätzmittel, Natronlauge und Ammoniak, 
verhalten sich ja ähnlich. 

Kali causticum in Substanz setzt bekanntlich einen gallertartigen 
Schorf, in verdünnter Lösung nur ein wenige Leukocyten enthaltendes 
Serum. Wir haben demnach die Dosierung des Mittels ganz in der Hand. 

Wir wollen keinen Schorf erzeugen, unter welchem beispielsweise, 
wie ich mich überzeugt habe, Organismen fröhlich weiter gedeihen (z. B. 
der Streptobacillus unter Karboßchorf). Wir wollen die Organismen an 
die Oberfläche schaffen und den Krankheitsherd durch Wasserentziehung 
austrocknen und im Vereine mit der erzeugten reaktiven Hyperämie ver¬ 
öden. Das gelingt in der That. 

Die nähere Art der Wirkung bleibt noch besonderen experimentellen 
histologischen Versuchen zu überlassen. 

Technik zu therapeutischen Zwecken. 

Wenn ich mir erlaube für kurative Zwecke eine Technik anzugeben, 
so kann es den Schein erwecken, als ob ich etwas ganz Altes und Über- 
flössiges bringe. Es geschieht aber deshalb, weil ich der Anwendung des 
Kali, aber nur in verdünnten Lösungen gerade im Gesichte bei der 
Behandlung des Lupus, des Lupus erythematosus, von Makrosporien, 
Trichophytien, der Sykosis, des Ekzems u. 8. w. das Wort reden möchte. 
Die Wiener Schule verwirft nämlich mit Recht die Applikation dieses Ätz¬ 
mittels in koncentrierter Form beim Lupus des Gesichts wegen der strang- 
förmigen Narbenbildung. Diese unangenehme Eigenschaft kommt aber, wie 
ich mich überzeugt habe, den stark verdünnten Lösungen in keiner Weise 
zu. Im Gegenteil, es erfolgt eine sehr prompte und kosmetisch durch- 


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aus befriedigende Verheilung. leb benutze starke Kalilösungen, ebenso 
wie es die Wiener Schule thut, nur zum Entfernen der Hornschicht, also 
namentlich im Lupusnarbengewebe z. B. reine offizineile Kalilauge 
(15%ige) oder auch hälftig mit Wasser verdünnt. Diese verreibe ich 
vorsichtig mit einem mit Watte montierten Hölzchen, um einen möglichst 
kleinen Homschichtdefekt zu setzen. Dann aber ätze ich mit einer ver¬ 
dünnten Lösung nach und zwar, je nachdem ich genügend oder ungenügend 
Serum erhalte, mit einer 1—3,7%igen. 

Wir halten uns also vorrätig eine offizineile Kalilauge, eine 3,7 %ig* 
sowie eine 1 % ige Lösung, ferner ein Meisglas, mehrere reine Gläschen 
und Wasser zur Herstellung jeder wünschenswert erscheinenden Ver¬ 
dünnung. 

Das Verfahren ist schmerzhaft, aber nur momentan, der Schmerz ist 
in wenigen Minuten vollständig verschwunden. 

Ich ätze zwei, wenn es gestattet wird auch drei Tage hintereinander 
und je nach der Empfindlichkeit die Affektion in ihrer ganzen Ausdehnung 
oder nur Teile derselben. Hinternach zuerst feuchter Verband unter 
Maske, dann im Wechsel mit Salben oder Pasten Leim- und Kollodium¬ 
verband. Nach acht oder mehr Tagen Wiederholung des Verfahrens, 
bei welchem wir mit der zunehmenden Verheilung jedesmal weniger rea¬ 
gierende Stellen erhalten. 

Ich habe mich überzeugt, dafs insbesondere in Gruppen stehende 
Lupusknötchen durch diese Behandlung in überraschend kurzer Zeit zu 
schöner und vollständiger Abheilung gelangten. Dals man dabei des 
scharfen Löffels für ausgedehntere tuberkulöse Granulationen (Lupusplas- 
mom und Scrophuloderma) vollständig entraten kann, will ich damit 
nicht sagen. Im Gegenteil werden diese noch immer die Domäne des 
chirurgischen Eingriffes bleiben. 

Für indiziert halte ich ferner das Verfahren auf Grund meiner Beob¬ 
achtungen namentlich beim Ulerythem. Dasselbe reagiert ebenso wie die 
Trichophytien der Haut ganz enorm auf diluierte Kalipinselungen. 

Nebenbei gesagt gelang es mir aus TTlerythemserum einen eigentüm¬ 
lichen Organismus zu gewinnen, welchen ich für einen spezifischen halten 
möchte, wenn ich Gelegenheit fonde denselben in einer Reihe von Fällen 
konstant nachzuweisen, und ich möchte Kollegen, welchen reichliches 
Ulerythemmaterial zu Gebote steht, auf diese Gelegenheit einen neuen 
Pilz zu entdecken, aufmerksam machen. Ich habe es bis dato versäumt 
denVersuch zu machen, aus Kaliserum Kulturen zu erzielen, und möchte 
für solche Versuche die Anwendung von Lösungen vorschlagen, welche 
eben noch serotaktisch auf Granulationsgewebe wirken, einprocentige 
Lösungen und darunter. 

Keine Gelegenheit habe ich gehabt, das Mittel bei Favus und Trioho- 


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phytien der behaarten Kopfhaut anzuwenden, möchte aber zu einem 
Versuch auffordern. 

Bei einem seit 16 Jahren bestehenden Ekzem des Gesichtes, bei 
welchem ich mit anderen Mitteln zu langsam vorwärts kam, erzielte ich 
eine gänzliche Abheilung im Verlauf weniger Wochen. Die Nach¬ 
behandlung bestand in diesem Falle lediglich in der Applikation von 
Kollodium an circumscripten Stellen sowie von Zinkichthyolsalbenmull. 

Auf Grund dieser Darlegungen glaube ich das Verfahren, wiewohl 
die Untersuchungen noch nicht ganz abgeschlossen sind, doch zur Nach¬ 
prüfung dringend empfehlen zu dürfen. 


Worauf kommt es bei der Heilung eines Unterschenkel¬ 
geschwürs an? 

Von 

Dr. med. G. Freudenthal in Peine. 

Seit langem gilt das Ulcus cruris als Crux medicorum et patientium. 
Daher ist es zu erklären, daJs von den Patienten, ehe sie sich dem Arzte 
überantworten, alle möglichen Haus- und Volksmittel: wie Zuckerpuder, 
Absud von Heu- und Haferstroh, Zwiebelschalen, Hundefett etc. etc. zur 
Anwendung, wenn auch resultatlos, gelangen. Von den „Helfern in der 
Not 11 wird andererseits, nachdem sie vergeblich die altüberlieferten Heil¬ 
mittel: wie Hg, Zn0 2 , Bor, Alumen etc. durchprobiert haben, von vorn¬ 
herein ein um so größeres Vertrauen den en masse neu auftauchenden, 
sogenannten Specifiois entgegengebracht. 

Und in der That legt man selten eine medico-therapeutische Litteratur 
aus der Hand, daß nicht irgend ein Novum, als experimentell gegen 
Ulcus cruris bewährt, angelegentlichst angepriesen wird. So werden 
Dermatol, Europhen, Airol, Loretin, Glutol, Orthoform etc. etc. gerühmt, 
dals sie wahre Wunderdinge zwecks Beschleunigung der Heilung leisten 
sollen. 

Dennoch haben sowohl die traditionellen wie recenten Medikamente 
ohne Unterschied, jedes für sich und an sich, erst in allerletzter Beihe 
mitzusprechen; es kommt für den prompten therapeutischen Erfolg vorerst 
auf eine ganze Anzahl ebenso mafsgeblicher Faktoren an. 

Das Alter der Patienten wird ganz allgemein nur insofern von Be¬ 
deutung sein, dals bei jüngeren Leuten die örtliche Heilungstendenz als 
sine energischere vorausgesetzt werden darf. 


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Dann macht sich ein kurativer Unterschied bei dem Geschleckte 
geltend. 

Die Weiher sind nämlich vielerlei, lokal nicht gleichgültigen Schädi¬ 
gungen mehr ausgesetzt: schon durch das unvermeidliche asanitäre Schnüren 
mit Korsett und Strumpfbändern. 

Die Schwangerschaft ist von nachteiligster Wirkung für das Bein- 
leiden. Denn willkürlich wie unabsichtlich hemmen sie insgesamt den 
freien Rückfluß des Blutes aus den unteren Partien des Körpers. 

Sozial-wirtschaftlich werden die schwer arbeitende, erholungsbare 
Arbeiter- und Handwerkerbevölkerung, und unter ihnen die stehend Be¬ 
schäftigten, wie Tischler, Schlosser etc., das heilungswidrigste Kontingent 
stellen. Unter den Tagelöhnern sind obendrein durch ihre vorzugsweise 
Arbeit einige Klassen direkt hautschädigenden Einflüssen ausgesetzt, wie 
z. B. Gerber, Erz- und Bergwerker etc. 

Außer der personellen, äufseren Lage spielt der beim Ulcerösen kon¬ 
statierbare Status praesens totalis eine bedeutsame Rolle. 

Allgemein vermag ein gut genährter, krankheitsbarer Körper weit 
schneller seine Defekte auszugleichen, als ein unter ungenügender Nahrungs¬ 
zufuhr gehaltener, dekrepider; bei diesem wird es zum Aufbau von neuen 
Formenelementen des überschüssigen Eiweifes ermangeln. 

Die an konstitutionellen, hämo- und lymphogenen, sowie an Cirku- 
lationsstörungen Leidenden werden ganz gewiß bei der eiligen Geschwürs¬ 
reparatur zurückstehen. 

Haben wir bis jetzt die allgemeinen Verhältnisse des Patienten einer 
kritischen Musterung unterzogen, so wollen wir nun die betroffene Körper¬ 
region selbst einer eingehenderen Betrachtung würdigen. Fassen wir zuerst 
die nähere Umgebung des Geschwüres ins Auge. 

Hinderlich für eine gleichmäfsig fortschreitende Epithelbedeckung des 
Defektes sind in erster Linie von der Norm abweichende Zustände 
in den Hautgefkßen. Solche finden sich bei den verschiedenartigsten 
Hautausschlägen, welche die Extremität betreffen, und vor allem bei 
gröfseren Narben, wie sie z. B. durch Verbrennung, komplizierte Frakturen 
u. s. w. entstanden sind. In solchen Fällen tritt dann noch als weiteres 
nachteiliges Moment die straffe, unnachgiebige Beschaffenheit des neu- 
gebildeten Bindegewebes hinzu, welche namentlich ungünstige Aussichten 
für die Heilung bietet, wenn die Narbe unglücklicherweise die Bedeckung 
eines Knochens (Schienbeinkante!) bildet. Am mißlichsten erweist sich 
vollends das Vorhandensein stärkerer, variköser Anschwellungen; und 
doch hat man gerade mit diesem Faktor nahezu in jedem Falle zu rechnen. 

Ferner fragt es sich: ist die vordere Tibiagegend befallen oder mehr 
die muskulöse Wadengegend in den Defekt einbezogen? Auf dem scharf¬ 
kantigen Knochen nämlich zeigt die geschwürig angefressene Haut nur 


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schwache Heilungs-Fähigkeit and -Dauer (auch ohne Narben) wegen ihrer 
Exponiertheit ohne Muskelunterlage. Eben deshalb wird sogar eine hier 
neugebildete Bedeckung der Öffnung leicht wieder zu Grunde gehen. 
Erstreckt sich gar das Geschwür cirkulär um den Schenkel» und fehlt es 
an intermediären Epithelinseln» so dürfte der endgültige Erfolg lange auf 
sich warten lassen. Jedenfalls ist die längsförmige» aber seltenere Gestalt 
seinem Schlüsse förderlicher. 

Ganz wesentlich fällt die mehr oder minder lange Zeit, welche ein 
Geschwür schon bestanden hat, ins Gewicht. 

Falls es sich um ein mehrmals geheiltes und wieder aufgebrochenes 
Bein handelt, wird der Arzt oft einen schweren Stand haben; denn es 
fehlt an normaler Haut in der nächsten Umgebung. Gar bei einem viele 
Jahre hindurch verschleppten Ulcus, wo abgestorbene und versuchte 
Gewebsfetzen den kraterförmigen Grund bedecken, die Ränder unterminiert 
und weithin indurativ entzündet sind, die spärlichen Granulationen 
schwammig und torpide sich erweisen, ein fötider, grünschmutziger Eiter 
das ganze Feld überdeckt, da wird ein mühsamer therapeutischer Kampf 
zu überwinden sein. 

Wie hat dagegen die Behandlung zu verfahren? 

Zunächst ist selbstredend gegen die mehr äußerlichen Fatalitäten 
allgemeinerer Natur zu Felde zu ziehen. 

Beim Weibe wird man den willkürlichen Schädigungen entgegen zu 
treten haben: das starre Schnürkorsett und die unterbindenden Strumpf¬ 
bänder wären durch Reformleibchen und Strippen zu ersetzen. Dafs man 
rationellerweise die Patientinnen besser nicht als gravidae oder doch nicht 
gegen Ende der Schwangerschaft in Behandlung nimmt, braucht wohl 
keiner besonderen Erwähnung. Den durch ihre eigenartige Arbeit 
speziell bedrohten Kranken wäre, wenn auch keine Benrfsänderung, doch 
wenigstens zu Anfang und Ende der Kur eine ca. 8—14 tägige Ruhe¬ 
pause abzuverlangen. Gegen die einschlägigen Körpererkrankungen 
(Anämie, Cirkulationsstörungen etc.) sind die üblichen Heilkräfte ins 
Vordertreffen zu führen. Mitweilen nämlich, wenn das Allgemein- und 
meist auch Grundleiden für die Persistenz des Ulcus behoben ist, wird 
sich bei oder mit der Restitutio universalis auch das lokale Übel zur 
Besserung wenden. Gegen die hochliegenden Varicen soll oberhalb 
des ulcerösen Herdes eine gefäfsklemmende Federpelotte angelegt werden, 
oder bei überdickem Hauptstrange muß eine kurze Strecke reseziert 
werden. 

Bevor man zur Behandlung des Geschwüres selbst schreitet, hat selbst¬ 
verständlich eine gründliche Reinigung (Rasieren) der nächsten Umgebung 
einzutreten. 

Heiße Teilbäder mit Salz- oder Seifeningredienzen, mit Lösungen 


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von übermangansaurem Kalium, mehrmalige Waschungen mit Schmier¬ 
seife empfehlen sich für diesen Zweck. Energisches Nach- und Abreiben, 
auch der Geschwürsfläche, mit in Formol-, H 2 0 2 -, HgCl 2 -Lösungen ge¬ 
tränkten Wattebäuschen leiten schon die eigentliche Therapie ein. Durch 
sie werden der Foetor und die Eiterung beseitigt und hintangehalten, die 
Abstoisung von nekrotischen Fetzen angeregt, und die damit einsetzende, 
frische Granulationswucherung und Neuepithelisierung vom Rande her 
befördert. Ist die angrenzende Region des Geschwüres phlegmonös in¬ 
filtriert, so eignen sich dagegen recht häufige und eiskalte Umschläge mit 
essigsaurer Thonerde (30,0 ad 750,0) bei hochgelagertem Beine zur schleu¬ 
nigen Verdrängung dieses und der weiteren Übelstände. Die unter¬ 
minierten, indurativen Ränder werden schon durch eben genannte Vor¬ 
nahmen zum Schwinden gebracht werden; kräftig unterstützen kann man 
letzteres durch cirkuläre Massage des Geschwürwalles und durch erstmalige, 
bewährte Schwammverbände. 

Will man Nekrose und Eiterung, Induration und Minierung, kurz 
die gesamte Torpidität des Ulcus mit einem Schlage radikal aus der Welt 
und vom Beine wegschaffen, so ist eine energische Handhabung des 
scharfen Löffels oder allein des verschorfenden Paquelin von nöten. Der 
Anwendung des ersteren hat jedoch eine kräftige Desinfizierung voraus¬ 
zugehen, um die Resorption jauchiger Säfte in die bei der Operation 
eröffneten kleinen Gefäfse zu verhüten. Hingegen dürfte eine oberfläch¬ 
liche Ätzung mit dem milden Argentum nitricum, besser mit Zincum chlora¬ 
tum, sogar mit dem nascierenden Sublimat (HgCl und NaCl) wegen der 
immerhin doch nur geringen Tiefenwirkung den gleichen Erfolg kaum nach 
sich ziehen. Will man die operative Heilung sc. die Transplantation au 
das Auskratzen direkt anschliefsen, so ist bekannte Vorbedingung zum 
guten Gelingen (abgesehen von der Asepsis), dafs die eingetretene Blutung 
vollständig gestillt sei. Doch darf kein konsekutiver Blutschorf sich als 
später hinderndes Medium über die Wunde weder ganz noch teilweise 
ausbreiten. Kann man beides nicht sogleich erreichen, so vermag man 
nach anderweitigem Vorschläge die excidierten Hautstückchen ohne Be¬ 
denken für ihre Integrität 12—20 Stunden hindurch in einem Gläschen 
(Reagens- oder Pillen-) aufzubewahren. Doch mufs dieses, wie ich habe 
nachprüfen können, zuvor mit physiologischer Kochsalzlösung und einigen 
Tropfen schwacher Sublimatlösung gefüllt und dann während genannter 
Zeit erwärmt gehalten werden. Um nachher die sich sofort wieder her¬ 
stellende Einrollung der Hautplättchen beim Aufpflanzen zu verhüten, 
lagert man sie flach auf ein eben angefeuchtetes Rasiermesser oder besser 
auf einen Salbenspatel; von hier aus zieht man sie langsam und unmittel¬ 
bar an Ort und Stelle der Wunde. Der bekannte, darüber geschichtete 
Salbenverband wird noch durch eine fest angezogene, elastische Binde 


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gesichert. Damit muTs der Patient während 8 Tagen wenigstens strikt 
das Lager hüten. Denn einmal wird durch die Ruhigstellung des Beines 
die Unverschieblichkeit des Verbandes eher gewährleistet, vor allem wird 
die Inaktivität und gleichmäfsige Bettwärme, zumal im Winter, der 
schnellen Heilung zu gute kommen. 

Zu dieser geringfügigen Operation werden sich dennoch nur die 
wenigsten bereit finden lassen. Ihre Weigerung entspringt nicht so sehr 
der Scheu vor den begleitenden Schmerzen, weil sie ja dabei narkotisiert 
werden können, sondern hauptsächlich findet sie ihre Erklärung in der 
unfreiwilligen, durch jene Operation bedingten Mufsezeit. Darum ist man 
meistenteils auf die medikamentöse Therapie angewiesen. 

Dafs für die Verbände die früheren, zu Gangrän disponierenden 
Karbolumscbläge gänzlich ausgeschlossen sind, bedarf wohl heute keiner 
besonderen Betonung. In ähnlicher Vorsicht würde ich vor der häufigen 
Anwendung differenter Sublimat-Spülungen oder gar Ein Wickelungen warnen; 
denn sie ätzen die jungen Granulationen immer wieder an. Diese Schädi¬ 
gung wird durch die sofort danach eintretende, weifsliche Verfärbung 
illustriert. Auch Jodoform kann nur unter besonderer, stetiger Aufmerk¬ 
samkeit wiederholt aufgestreut werden. Selbst wenn es nämlich die ersten 
Haie anstandslos vertragen wird, kann plötzlich selbst nach seiner inter¬ 
mediären Sistierung die Idiosynkrasie dagegen zum unerwarteten Ausbruch 
kommen. Von einer kumulativ entstandenen Vergiftung kann jedoch 
nicht die Rede sein. Denn einmal tritt die fatale Erscheinung, wie schon 
eben gesagt wurde, selbst nach längeren Unterbrechungen im Gebrauche 
auf, doch besonders ohne weitere, allgemeine Symptome. Durch das nur 
lokal entstandene kleinblasige Ekzem und die mächtige Phlegmone ist 
der bis dahin erreichte Heilerfolg in Frage gestellt oder gar zu nichte 
gemacht. 

Im übrigen nnd im Gegensätze zu den meisten Ärzten, 
sogar zu den „Ulcus-Spezialisten“, lege ich weder wählerisch, 
noch positiv Gewicht auf dieses, jene alte, neue Medikament. 
Hingegen halte ich prinzipiell darauf, dafs bei jeder Nach¬ 
schau, die spätestens innerhalb drei Tagen vorzunehmen ist, 
das Mittel beliebig gewechselt wird. 

Bei länger liegenden Verbänden machen sich nämlich, zumal im 
8ommer, unangenehme Zersetzungsgerüche bemerkbar. Ad II scheint sich 
faktisch das regenerierende Geschwür an ein und dieselbe länger an¬ 
gewandte Substanz zu gewöhnen und gegen ihre Wirksamkeit abzustumpfen. 
Ja! ich habe es ebendeshalb sehr förderlich gefunden, selbst die, sozusagen, 
innere Qualität des Verbandes einer fortwährenden Änderung zu unter¬ 
ziehen: bald Salben, bald Puder, bald feucht medikamentöse Umschläge, 
bald Pflaster, bald Leim (die beiden letzteren nach Beiersdobf-Unna). 


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Anisen wird man zur Resorption des Wnndsekretes (Eiter?) nach 
Wunsch Schwamm, Moos, Watte verwenden. Gleichzeitig bieten diese 
Materialien anfänglich ein elastisches Polster, da jedes Schnüren ängstlich 
vermieden werden mufs. Wohl ist ein gleichmäfsig federnder Druck für 
die schnellere Epithelisierung vorteilhaft, und diese Forderung wird noch 
in erhöhtem Mafse durch Benutzung einer Trikotschlauchbinde erfüllt. 
Dagegen dürfte vor dem An- und Umlegen einer Gummibinde dringend 
zu warnen sein, da sie wegen ihrer Undurchlässigkeit aus später d&rzu- 
legenden Gründen die neugebildete Epidermis gefährden. Auf den Schutz 
dieser letzteren mufs man auch bei der selbst nassen Ablösung etwa eines 
anklebenden Pulververbandes sorgfältig bedacht sein, da das junge 
Häutchen sonst leicht mit der Borke zugleich abreifst. Dm ganz sicher 
zu gehen, kann man den Patienten dazu anhalten, dafs er vor jeder 
Konsultation das umwickelte Bein, nachdem die Trikotbinde zuvor entfernt 
ist, in warmer Sool- und Seifenlösung badet. Diese Mafsnahme sorgt 
nämlich nicht allein dafür, dafs der fest anhaftende Verband er- und ab¬ 
geweicht wird, sondern es wird auch vermöge seiner Durchtränkung ein 
wunderfrischender, granulationsfördernder Effekt bei dem Ulcus erzielt 
Zumal gegen Schlufs des Defektes ist diese stimulierende Hydrotherapie 
nicht warm genug zu befürworten, da die Heilung dann in der Regel zur 
Trägheit neigt. — Bei diesem Lokalstadium wird man jedenfalls am besten 
fahren, wenn man auf die noch bestehende kleine Öffnung einen „über- 
über“ deckenden Epidermisfleck transplantiert. Überdies mufs, zumal im 
Winter, auch ohne operativen Eingriff kurz vor dem Ziele die dienliche 
Bettruhe und -Wärme aufgesucht und länger bewahrt werden. 

Ist endgültige Überhäutung eingetreten, so mufs dennoch, 
gleichwie von einem Rekonvalescenten, von dem Betreffenden 
für sein freilich nur lokales Wohl und Gedeihen beharrlich 
Sorge getragen werden. Zur schnelleren und ergiebigeren Verdickung 
der frischen, leicht verletzlichen Haut verordne ich gerne weiterhin eine 
2—4%ige Resorcin- oder Tumenolpaste. Aufserdem lasse ich dauernd, 
nur nachts im Bette nicht, eine ziemlich fest angezogene Trikotschlauch¬ 
binde tragen; sie mufs morgens vor dem Aufstehen von der Fußwurzel 
bis zum Knie regelmäßig umgewickelt werden. (Bei dieser einfachen 
Prozedur ist nur Obacht nötig, dafs die 12 cm breite Binde unter dem 
Fuße keine am Gehen hindernden Falten schlägt.) Sie soll einmal, wie 
schon früher angedeutet wurde, durch ihren stetigen Druck die oberfläch¬ 
liche Verhornung der jungen Haut herbeiführen, doch hauptsächlich soll 
sie den gewöhnlich klappeninsuffizienten Unterschenkelyenen (Krampfadern) 
die Last des Druckes der centralwärts gelegenen Blutsäule abnehmen. 
Auch der Anschwellung, welche anderenfalls entstehen würde, beugt man 
so vor. Nebenbei schützt der Trikot aß dickes, elastisches Poßter die 


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eben verheilte, widerstandslose Stelle gegen fatale äufeere Insulte. Sollen 
jedoch die angenommenen günstigen Wirkungen der Binde von Dauer 
sein, so mnfs alle vier Wochen spätestens eine wenig kostspielige Er¬ 
neuerung eintreten, da dann durch Waschen und Gebrauch ihre Elastizität 
geschwunden ist. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch einmal gegen 
die Anwendung von Flanell- und Gummibinden oder gar Gummistrümpfen 
meine mahnende Stimme erheben, da jene vor oder nach Regeneration 
des Ulcus den nachteiligsten Effekt zur Folge haben. Der dicht gewebte 
Flanell, der zudem wenig Elastizität in sich birgt, hält besonders im 
Sommer aufserordentlich warm. Das haarige Wollgewebe kitzelt die Haut 
und erregt Jackreiz. Bei Anwesenheit von Feuchtigkeit (Schweife) oder 
nach mehrmaligem Waschen verfilzt es überdies: d. h. es verliert seine 
Resorptions- und Perspirationsfähigkeit. So werden durch Flanell sowohl, 
wie noch schlimmer durch das nicht poröse Gummi die flüssigen und gas¬ 
förmigen Ausscheidungen der Haut in der weiteren Passage minder oder 
mehr behindert und wirken durch ihre Zersetzung als irritierende und 
macerierende Agentien. Es tritt infolgedessen ein juckendes Ekzem auf, 
das beim leichtesten Scheuern von neuem Defekte absetzt. Unter dem 
gleichen Gesichtspunkte würde man sich gegen das nahezu abschliefeende 
Bedecken der Beine mit hohen Leder Schaftstiefeln auszusprechen haben. 

Endlich ist den Betreffenden bei der ärztlichen Entlassung dringlichst 
emzuschärfen, dafe sie bei einem — einerlei wodurch verschuldeten — 
Wiederaufbrechen der alten Stelle sich sofort wieder melden. Der als¬ 
baldige Schlafe des noch kleinen, frischen Defektes würde dann leicht zu 
erreichen sein. Hingegen dürfte das länger vernachlässigte und erst eigen 
behandelte Geschwür doppelte Mühe und nicht zum wenigsten Kosten 
verursachen. 

Obwohl ich von der Thatsache überzeugt bin, dafe mit meinen obigen, 
etwas ausführlichen Darlegungen der einschlägigen Therapie des Ulcus 
cruris keine neuen Bahnen eröffnet sind, so schien mir gegenüber den 
täglich frisch auftauchenden und angepriesenen Spezialmitteln (und „Spe¬ 
zialisten“) der markante Hinweis der weiteren Bekanntgabe wert: 

„Nicht auf das Medikament an sich, sondern nur auf den 
öfteren Wechsel des inneren und äufseren Verbandes kommt 
cs vorwiegend für die Heilung des Unterschenkelgeschwüres 
an.“ 


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Ans der prans. 

Liantral, ein reines Steinkohlenteerextrakt. 

Von 

Dr. Troplowitz. 

Die Verwendung des Steinkohlenteers in der Dermatotherapie ist 
bisher im allgemeinen nur eine beschränkte gewesen, trotzdem gerade 
dieses Mittel eine Reihe von Eigenschaften besitzt, die es der eingehend¬ 
sten Berücksichtigung wert erscheinen lassen. Es sind zwar in den letzten 
Jahren eine Anzahl Vorschriften zu erfolgreich gebrauchten Steinkohlen¬ 
teerlösungen von Leistikow, Fischel, Sack und anderen veröffentlicht 
worden, es ist aber dennoch keine derselben in allgemeine Aufnahme ge¬ 
kommen; auch das älteste Steinkohlenteerpräparat, der Liquor oarbonis 
detergens Wright und die diesem ähnlichen Präparate werden in Deutsch¬ 
land nur wenig angewendet. Der Grund für die beschränkte Verwendung 
all’ dieser Lösungen oder Auszüge ist zum gröfsten Teil darin zu suchen, 
dafs in jeder von ihnen nur ein Teil der im Steinkohlenteer enthaltenen 
wirksamen Stoffe gelöst, und dafs die Form der flüssigen Lösung an sich 
in vielen Fällen zu therapeutischer Verwendung nicht geeignet ist. Dafe 
sich der Steinkohlenteer als solcher aber trotz seiner alle Holzteere über¬ 
treffenden Wirksamkeit nicht in den Arzneischatz eingebürgert hat, ist 
wohl nur auf seine äufseren Eigenschaften zurückzuführen, die ihn in 
jeder Beziehung als Rohprodukt charakterisieren. 

Der Steinkohlenteer ist bekanntlich ein Gemisch von einigen siebzig 
Verbindungen, deren Mengenverhältnisse von dem Ursprung und der Art 
der Verkokung der verwendeten Steinkohlen abhängen. Ein integrierender 
Bestandteil, ca. 30% des Teers, sind überaus fein verteilte Kohle und in 
den bekannten Lösungsmitteln unlösliche Brandharze. Diese beiden aber 
sind für die therapeutische Verwendung nicht nur unnötiger Ballast, 
sondern sie sind es auch, welche seine unangenehmen äufseren Eigen¬ 
schaften bedingen. Reibt man z. B. eine mit einem solchen Teer her¬ 
gestellte Salbe in die Haut ein, so setzt sich die unlösliche Kohle in die 
Poren der Haut, verstopft dieselben zum Teil, erschwert dadurch die 
Resorption der löslichen Bestandteile und ist schliefslich mit den im 
Haushalt zu Gebote stehenden Reinigungsmitteln gar nicht abzuwaschen; 
dies gelingt sogar kaum mit dem natürlichen Lösungsmittel des Teers, 
dem Benzol. Das vorliegende Bedürfnis nach einem Steinkohlenteer ohne 


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135 


die soeben erwähnten nachteiligen Eigenschaften war daher Veranlassung, 
der Darstellung eines solchen näher zu treten. Die leitende Idee mufste 
sein, den Teer einerseits von seinen unlöslichen Bestandteilen zu befreien, 
ihm andererseits aber sämtliche löslichen und flüchtigen Bestandteile zu 
erhalten. Nachdem einmal durch eine Reihe von Vorversuchen festgestellt 
war, daüs Benzol das geeignetste Lösungsmittel für Steinkohlenteer ist, 
hatte man seine Löslichkeit durch Verwendung von Rührwerken aufs 
Höchste zu steigern, die unlöslichen Stoffe durch möglichst vollkommene 
Filter zu entfernen (was der überaus feinverteilten Kohle wegen bedeutende 
technische Schwierigkeiten bietet) und sohlielslich das erhaltene Filtrat hei 
so niedriger Temperatur einzuengen, d. h. von dem zur Lösung benutzten 
Benzol zu befreien, dals höchstens die unter 80° C. siedenden Bestand¬ 
teile des Teers dabei verloren gehen. 

Einen Beweis dafür, wieweit es auf diese Weise gelingt, die gestellten 
Aufgaben zu lösen, bieten die Resultate der quantitativen Bestimmung der 
Phenole in dem Rohteer und in dem so gereinigten Produkt. Während 
in ersterem 1,54% Phenole gefunden wurden, waren dieselben in letzterem 
auf 2,11%> angereichert; die Zunahme entspricht ziemlich genau dem Ver¬ 
hältnis der entfernten unlöslichen Teile. 

Das fertige Produkt, welches unter dem Namen Liantral von der 
Firma Beiersdorf & Co. in den Handel gebracht wird, stellt ein aus Gasteer 
bereitetes, schwarzhraunes, dickflüssiges, nur in dünner Schicht klar durch¬ 
sichtiges Liquidum von eigenartigem aromatischen Geruch dar, welches an 
der Luft nur langsam ein trocknet. Liantral ist unlöslich in Wasser, leicht 
löslich in Benzol und dessen Homologen, nur teilweise löslich in fetten 
und ätherischen Ölen, Spiritus, Äther, Aceton, Benzin und Gemischen der 
erwähnten Körper. 

Das Liantral wird als Liantral-Guttaperchapflastermull, Liantralsalben- 
mull, Salicylsäure-Seifenpflaster auf Trikot mit Liantral, überfettete Seife 
mit Liantral und in Form nachstehender Recepte in der Praxis bereits 
mit bestem Erfolge verwendet: 

Oleum Liantrali. 

Liantral 10,0 

Ol. olivar. ad 100,0 filtra! 

Tinct. Liantrali aetherea. 

Liantral 10,0 

Spirit . aether. ad 100,0 

Nach wiederholtem Schütteln und eintägigem Stehen werde filtriert 1 

Liantral-Fil mögen. 

Liantral 10,0—20,0 

Fümogen ad 100,0 


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136 


Liantral-Spray. 

Liantral 10,0 

Aether ad 100,0 filtrat 

Sapo kalinus o. Liantral. 

Liantral 6,0—16,0 

Sap. kalin. ad 50,0 

Pasta Zinci c. Liantral. 

Zmc . oxyd. 12,5 

Terr. silic. 2,5 

Liantral 2,5—5,0 

Adxp. benzoat. ad 50,0 

Tinct. Liantrali comp. (Lbistikow). 

Liantral 10,0 

PyrogaUoli 2,0—6,0 

Spir. aetherd ad 100,0 

Tinct. Liantrali saponinata. 

Cort . QuiUaiae 20,0 

Spirit, dil . 100,0 

Nach achttägigem Stehenlassen werden zu dieser Tinktur ohne vorheriges Filtrieren 
Liantral 20,0 

hinzugefugt. Die nach abermaligem achttägigem Stehenlassen unter wiederholtem 
Umschütteln gewonnene Tinktur wird klar abfiltriert. (Anwendung und Wirkung dieses 
Präparates entsprechen dem Liq. carbonis detergens und dem Coaltar saponinä.) 

Liantral-Streupulver. 

Liantral 1,0—5,0 

werden mit Hülfe von etwas Äther mit 
Amyl. Tritici 

Talcum venet. » ad 100,0 

verrieben, bis der Äther vollständig verdunstet ist. 

Ungt. refrigerans c. Liantral. 

Liantral 2,5—5,0 

Adeps Lanae 30,0 

Aquae dest. ad 50,0 

Ungt. Zinci c. Liantral. 

Liantral 1,0—5,0 

Ungt. Zinci ad 50,0 

Ungt. Caseini c. Liantral. 

Liantral 1,0—10,0 

Ungt. Caseini ad 50,0 disp. in tubal 

Past. Zinci sulfurata c. Liantral. 

Liantral 2,0—5,0 

Past. Zinci sulfurat. (Unna) ad 50,0 


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IST 


Versammlungen. 

Französische Gesellschaft für Dermatologie und Syphiligraphie. 

Sitzung vom 8. Dezember 1898. 

Original - Bericht von Lavarbnne - Paris. 

Über eine dnrch Eingeweidewürmer verorsachte Urticaria, von Jacqubt. 
Bin 30jähriger, kräftiger Mann erkrankte vor 10 Monaten an heftigen Leibschmerzen 
mit Erbrechen, Atembeschwerden, nebst heftigem Jucken und Auftreten von Urticaria¬ 
quaddeln. Diese Erscheinungen wiederholten sich zuerst alle 14, dann alle 8 Tage, 
und schliefslich ging per os ein grofser Eingeweidewurm ab. Als dem Patienten 
Santonin verabreicht worden und noch sechs weitere Würmer abgegangen waren, 
verschwanden sofort alle Erscheinungen. 

Über eine pigmentierte Urticaria, von Balzer und Monseaux. Die Patientin 
ist 9 Jahre alt. Der Beginn des Auftretens der ersten Erscheinungen ist auf etwa zwei 
Jahre zurückzuführen. Gegenwärtig besteht die Affektion aus Pigmentflecken und 
Erhabenheiten, deren Konsistenz deijenigen weicher Mollusca gleicht. Auf Gesicht, 
Rumpf und Gliedmafsen kommt es von Zeit zu Zeit zum Auftreten von Urticaria¬ 
quaddeln, wobei die bereits bestehenden Elemente an Umfang zunehmen. Der gegen¬ 
wärtigen Dermatose war eine Impetigo rodens vorausgegangen und meint B., dafs 
dieselbe vielleicht die Ursache der Urticaria gewesen ist. Eine Untersuchung des 
Blutes ist nicht gemacht worden; dagegen besteht bei der Patientin eine besondere 
Reizbarkeit des Nervensystems, indem unter den scheinbar geringfügigsten Einflüssen 
im Geeichte wahre Exantheme auftreten, die ebenso rasch wieder verschwinden. — 
Lkreddb weist auf die Thatsache hin, dafs viele von diesen Kranken an gastrointesti¬ 
nalen Störungen leiden. 

Behandlung des Keloids mit Injektionen von Kreosotöl, von Balzer. Es 
handelt sich um ein scrophulöses Mädchen, bei dem sich nach einer Operation in der 
Ohrgegend ein Keloid ausgebildet hatte, das exstirpiert wurde, sich aber rasch 
wieder bildete und die Dimensionen eine Hühnereies erreichte. Es wurden im 
ganzen neun Injektionen von 20°/oigem Kreosotöl in die Tiefe des Tumors 
gemacht, was zu einer vollständigen Exulceration des Keloids führte, während 
das umgebende gesunde Gewebe vollständig unversehrt blieb, abgesehen von einer 
vorübergehenden Rötung. — Brocq hat Keloide mit sehr günstigem Erfolge mittelst 
Aufstäuben von Schwefelwasser — Luchon — verbunden mit Massage erzielt. — 
Besnier weist darauf hin, dafs zwei grofse Klassen von Keloiden zu unterscheiden 
sind: die spontanen Keloide und die Keloide nach zufälligen oder chirurgischen 
Traumata. Diese letzteren zeichnen sich dadurch aus, dafs sie sehr oft nach einer 
mehr oder weniger langen Zeit spontan zurückgehen, so dafs man besser thut mit 
jeder Art von Behandlung zu warten. Was den Fall von Balzer anbelange, so 
könne es sich um eine Mischform von Keloid und Lupus handeln, wofür die weiche 
Konsistenz, die besondere Empfindlichkeit und das eigentümliche gegenwärtige Aus¬ 
sehen sprechen. 

Behandlung der Alopecia areata durch einfache aseptische Beizung der 
Haut, von Jacquet. Die grofse Mehrzahl der Dermatologen sind gegenwärtig in dem 
Punkte einig, dafs die Hautreizung die erste Bedingung bei der Behandlung der 
Alopecie bildet. Es handelte sich nur darum, diese Reizung zu dosieren. J. ist nun 

Monatshefte. XXVIII. 10 


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138 


überzeugt, daß die erste Periode der künstlichen Entzündung, d. h. die Hyperämie, 
zur Stimulation des Haarwachstums vollständig genüge. Er hat zunächst an eich 
selbst experimentiert, da er selbst von der Affektion befallen war und im Barte eine 
etwas über zweifrancsstückgroße Alopieplaque trug. Um nun eine zwar nur vorüber¬ 
gehende, aber nach Belieben zu erneuernde Hyperämie zu erzeugen, bedient er eich 
einer Bürste aus Schweineborsten, die er auf die Plaque und ihre Umgebung wieder¬ 
holt aufdrückt bis sich die Stelle rötet; außerdem wird die ganze Kopfhaut resp. 
Bartregion täglich mit einer trockenen Bürste tüchtig eingerieben. Da es bei dieser 
Bürstenbehandlung öfters zu Excoriationen kommt, ist es ratsam, antiseptisch zu ver¬ 
fahren, und um der Behandlung einen etwas wissenschaftlichen, „berufsmäßigen* 
Charakter zu verleihen, bedient er sich einer fettigen antiseptischen Lösung (Alkohol 
ä 96 80,0, Ricinusöl 20,0, Sublimat 0,10, Opoponaxextrakt und Cochenilletinktur q. s.), 
worin die Bürste vor dem Gebrauche getaucht wird. Verfasser ist der Ansicht, dafi 
dieses unschädliche Verfahren schneller als jedes andere zum Ziele führt; es scheint 
dasselbe zur Stimulation der „papillären Lethargie“ zu genügen. 

Phagedänisches Geschwür der Zunge, von Fournier. Es handelte sich am 
ein sehr grofses Geschwür der Zunge, welche selbst riesige Dimensionen angenommen 
hatte und wie eine große Wurst zum Munde heraushing; ausgedehnte Lymphdrusen- 
Schwellung der Submaxillargegend. Kalomelinjektionen und Jodkalium, innerlich ver¬ 
abreicht, brachten die Schwellung langsam zum Abnehmen; die vollständige Heilung 
liefs aber immer noch hartnäckig auf sich warten. Die mikroskopische Untersuchung 
ergab, daß es sich um ein Carcinom handelte und klinisch wurde eine Kombination 
von Carcinom und Lues angenommen, in Anbetracht der günstigen Beeinflussung 
durch die kombinierte Hg-J-Therapie. — Dabier meint, daß die Diagnose von Luei 
nicht berechtigt sei, indem sie mikroskopisch nicht nachgewiesen und andererseits 
auch das Carcinom durch Kalomel günstig beeinflußt werde. — Leredde rät früh¬ 
zeitige chirurgische Intervention an, sobald die Diagnose Carcinom durch das Mi¬ 
kroskop festgestellt ßt; das Kalomel will er ausschließlich für inoperable Falle 
reserviert wissen. 

Hereditäre Syphilis. Primäres phagedänisches Geschwür des Bachern. 

Gastou zeigt ein anatomßches Präparat, das von einem tuberkulösen Kinde herruhrte, 
bei dem ein Geschwür nach und nach Nase, weichen Gaumen und Bachen zerstört 
und schließlich auch die Wirbelsäule angefressen hatte. Der Patient war ohne jeden 
Erfolg mit Hg unter allen seinen Gestalten behandelt worden. — Galbzowski weift 
auf die Übeßtände der kombinierten Hg-KJ-Therapie hin, indem das KJ die allzu 
rasche Elimination des Hg herbeiführe und so seine Wirkung teilweise aufhebe. 

Durchgängigkeit der Oanales deferentes bei Individuen nach doppelter 
Orchitis. Morbl-Lavall£b berichtet über zwei Fälle dieser Art. 

Über zwei Fälle von bandförmigen Dermatosen der unteren Extremitäten, 
von Hallopeaü und Constbnsoüx. Die Eruption nahm die ganze Länge der Extremität 
bis auf die Glutaealgegend ein, wo sie sich in dem Innervationsgebiete benachbarter 
Nerven vermengte. Solche Eruptionen müssen wahrscheinlich als spät aufgetretene Naevi 
aufgefaßt werden. Andererseits hätte man noch festzustellen, ob sie in histologischer 
Beziehung zum Lichen Wilson, zur Psoriasis oder zu sonst irgend einer noch nicht 
klassifizierten Dermatose zn rechnen sind. 

Über die Oaseiuürnisse. Dabier zeigt verschiedene Muster solcher Firnisse 
und zwar sowohl UNNAsche als solche, die in Paris bereitet worden; er empfiehlt die¬ 
selben auß wärmste und zählt ihre vielfachen Vorzüge auf. 

(Übersetzt von C. MÜLLEB-Genf.) 


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Berliner Medizinische Gesellschaft. 

Sitzung vom 6. Juli 1898. 

Die in dieser Sitzung fortgesetzte Diskussion über den Vortrag von Silex „Über 
Ubische Sehnervenatrophie“ hatte besonders den Zusammenbang zwisohen Tabes und 
Syphilis zum Gegenstände und gestaltete sich höchst interessant durch die Äufse- 
rungen Virchows Aber diesen Punkt. 

Stadelmann glaubt fest an den Zusammenhang zwischen Tabes und Syphilis. 
Es giebt typische Falle von Tabes dorsalis, die durch eine Quecksilberkur günstig 
beeinflußt werden. Man solle daher nicht nur in den atypischen, nicht ganz sicher 
gestellten Fällen yon Tabes, sondern auch in nicht gar zu sehr Yorgeschrittenen 
typischen Fällen, selbst bei nicht vollständig sicher gestellter Lues eine vorsichtige 
Behandlung mit Jodkalium und Quecksilber versuchen. 

Gegenüber Silex, der tabische Sehnervenatrophie trotz wiederholter regelmäfsiger 
antisyphilitischer Kuren gesehen hat, weist Blaschko darauf hin, dafs nach den 
Statistiken in etwa 10—15% der Fälle von Syphilis Tertiärerkrankungen Vorkommen, 
dafs aber von diesen 10—15% die große Mehrzahl nicht oder ungenügend behandelt 
worden ist, so dafs nur etwa 2 oder 3% der Fälle trotz genügender Initialbehandlung 
xu Späterkrankungen Anlaß geben und unter diesen wieder die schweren, weniger 
syphilitischen als parasyphilitischen Erkrankungen des Nervensystems nur einen mini¬ 
malen Prooentsatz bilden. Das beweist, daß eine gute Initialbehandlung doch in den 
meisten Fällen einen sioheren Schutz gewähre. Als notwendiges Korrelat der Hg- 
Kuren sei allerdings eine Hygiene des gesamten Nervensystems unentbehrlich. 

Vibchow hat mit einer gewissen Unruhe diesen Diskussionen zugehört und dabei 
bemerkt, wie die Syphilidologie immer größere Siege erficht ohne eigentlichen Kampf. 
Man sucht eich nioht nur bei Tabes, sondern auch beim Aneurysma und bei der 
progressiven Paralyse aus der großen Zahl von ätiologischen Möglichkeiten eine 
heraus, und da findet man, daß die Syphilis ganz ausgezeichnet schön pafst. „Ich 
finde gar nioht, daß sie paßt.“ Denn bei einer lokalen Affektion. wie auch die ist, 
gebt man doch nicht so zu Wege, daß man, wenn irgendwo eine lokale Affektion 
auftritt, berechnet, wie oft der Mann, welcher diese Lokalaffektion hat, syphilitisch 
gewesen ist — diese Methode wird jetzt bei der Tabes angewendet —, sondern man 
▼erfahrt umgekehrt, man fragt erst: kommen bei Leuten, welche exquisit syphilitisch 
find, gerade die hier zur Verhandlung stehenden Affektionen vor. Vibchow ist nun 
in der That immer von neuem überrascht, zu sehen, daß gerade diejenigen Affektionen, 
welche die diskutierenden Arzte jetzt besonders bevorzugen, wie Tabes, Aneurysma 
und progressive Paralyse, aus dem gewöhnlichen Symptomenkomplex der 
konstitutionellen Syphilis gänzlich ausscheiden. Ferner steht in der Ge- 
•chiohte der konstitutionellen Affektionen der Lues anatomisch obenan die Reihe der 
Amyloiderkrankungen, die bei Tabes gar nicht oder höchstens sehr selten Vorkommen. 
Was die Schmierkur bei Tabes anbetriffk, so ist dieselbe kein so gefährliches Ding, 
daß man sie nicht, wenn sie vorsichtig gebraucht und genügend überwacht wird, in 
einem Falle, wo man nioht ganz sicher ist, ob sie schon angewandt worden ist, trotz¬ 
dem anwenden könnte. Das ist das Äußerste, was zugestanden werden kann. Im 
übrigen muß man warten und im Rückenmark selbst Erkrankungen suchen, welche 
in einem näheren Konnex mit der konstitutionellen Syphilis stehen als die bis jetzt 
bekannten. Bisher reduziert sich die ganze Beweisführung auf die „Historie", sie ist 
min an amnestisch. Wenn man wirklich durch Rechnung ermitteln will, ob alle die¬ 
jenigen Krankheiten, die jemand, der einmal syphilitisch gewesen ist, der irgend eine 
venerische Affektion in seiner Jugend durchgemacht hat, nachher andauernd als 
syphilitisch betrachtet werden müssen, so genügt doch nicht die Statistik, sonst würde 

10 * 


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man za horrenden Schlossen kommen, so würde unsere ganze Medizin nichts 
weiter als ein grofser syphilitischer Sumpf werden. Dafs es gelingen wird, 
individuelle Unterscheidungen innerhalb der Gruppe Tabes, verschiedene Formen 
dieser Krankheit aufzufinden, stellt Virchow durchaus nicht in Abrede, halt dies 
sogar für wahrscheinlich. 

Im Schlufswort schliefst sich Silex den Ausführungen Virchows vollständig an. 
Er hat niemals irgendwelche Beziehungen der tabischen Sehnervenatrophie zur Syphilis 
nachweisen können und hält eine Schmierkur für nutzlos. I. Bloch-Berlin* 


Wiener dermatologische Gesellschaft. 

Bille demonstrierte in den Sitzungen während des Februar, März, April 1898 
folgende Fälle: 

1. Zwei syphilitische Primäraffekte an der Unterlippe in Gestalt linsen- 
grofser, kreisrunder, scharf umschriebener Substanzverluste, deren Basis derb, rotbraun 
glanzend ist, viel seröse Flüssigkeit absondert. Auffallend ist die Duplicität der Ge¬ 
schwüre, welche erst seit acht Tagen bestehen. 

2. Drei Fälle von universeller Psoriasis vulgaris, behandelt mit subcutanea 
Injektionen von Natrium cacodylicum. Nach 50 täglichen Injektionen einer Spritze 
einer Lösung (4:10) ist bei zwei Heilung eingetreten, bei einem eine sehr bedeutende 
Besserung. Der Vortragende hat noch weitere neun Fälle in gleicher Weise be¬ 
handelt, nur in einem Falle versagte das Heilmittel. Ein Fall von Lichen ruber 
planus ist nach 15 Injektionen, die übrigens schmerzlos sind, sehr gebessert. — Die 
Caoodylsäure, vor zwei Decennien von Joghheim empfohlen, aber wegen des un¬ 
angenehmen Geruches, den sie dem Harne, der Exspirationsluft, dem Schweifes mit- 
teilt, wieder verlassen, ist jüngst von D anlos wieder aufgenommen. Derselbe wandt« 
0,1 Natrium cacodylicum (CH^ONa bei Psoriasis an; der Vortragende hat, wie 
erwähnt, weit gröfsere Dosen injiziert. — Guten Erfolg darf man sich nur bei den 
akuten, disseminierten Formen versprechen. 

3. Universelles Leucoderma syphiliticum bei einem 18 Monate alten Kinde. 
Es handelt sich sicher um erworbene Syphilis. Leucoderma beim Kinde sah Neibseb 
nur zweimal; ob es bei hereditärer Lues vorkommt, ist fraglich. Das Kind weift 
breite Kondylome an den Genitalien und am After auf. Ob letzteres für die Diagnoie 
einer acquirierten Lues verwertet werden kann, wird von andern Rednern ange- 
zweifelt. 

4. Ulceriertes Gumma der Oonjunctiva am linken oberen Augenlide; ver¬ 
tieftes, graugelb belegtes Geschwür mit zackigen Rändern. Dasselbe besteht seit vier 
Wochen. Gleiche Ulcera an der Stirnhaargrenze, am äufseren Präputialblatt Der 
Primäraffekt war erst vor 3 A Jahren aufgetreten; es ist eine Syphilis maligna praecox. 
— Kaposi wendet sich gegen die Bezeichnung „Syphilis maligna“ in diesem Falle. — 
Ehrmann würde das Geschwür nicht als Gumma, sondern als Rupia bezeichnen, die 
aus zerfallenen, oberflächlichen Papeln entstehen. Kaposi will die Rupia nicht als 
besondere Krankheitsform anerkennen. Hebra würde die Bezeichnung pustulös- 
ulceröses Syphilid vorziehen. 

5. Zahlreiche kleine tuberkulöse Geschwüre an Zunge und Mund¬ 
schleimhaut bei einem 29jährigen Fleischhauer, die seit drei Jahren neben einer 
älteren Kehlkopftuberkulose bestehen. 

6. Einen 49jährigen Mann mit kreisrunden, narbenähnlichen, weifslichen, 
sehr dünnen und faltbaren Stellen. Dieselben entwickeln sich an den Extremitäten, 
wie der Kranke angiebt, spontan. Möglicherweise gehen sie auch aus der Involution 


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kleiner, lentikulärer oder halberbsengrofser, schmutzig-gelber oder braunroter Ge« 
schwulste hervor, wie sie sich an den unteren Extremitäten des Kranken finden. — 
Kaposi will das Leiden den Striae atrophioae anreihen. — Der Vortragende 
bemerkt, daJCs die Kreisform dagegen spreche. 

7. Disseminierte Pigmentflecken an den seitlichen Halsgegenden und 
am Stamm bei einem 21jährigen Mädchen. Die lange Dauer und die Verteilung 
sprechen gegen Syphilis. Mechanische Insulte rufen Striemen und Quaddeln hervor, 
wie bei der Urticaria factitia. Jucken fehlt. 

8. Atrophia cutis idiopathica in Gestalt thalergrofser, livider oder blauroter 
Flecke am linken Ellenbogen, an der Basis der drei mittleren Finger, am Handrücken, 
in der Beugefläche des Handgelenks bei einer 36jährigen Näherin. Am Arm stärker 
iigixierte Venennetze. Das Leiden entspricht dem Erythema paralyticum (Neumann), 
der Erythromelie (Pick). 

9. Zwei Fälle von Lichen ruber planus behandelt mit Natrium cacodylicum. 
Beim ersten sind nach 75 täglichen Injektionen die Efflorescenzen geschwunden; die 
xurückgebliebenen Pigmentflecke werden immer blasser. Auch beim zweiten ist die 
Besserung im stetigen Fortschreiten. 

10. Impetigo herpetiformis bei einem 17jährigen Tischlerlehrling beobachtete 
Verfasser; es ist das dritte Mal, dafs dieses Leiden bei einem männlichen Individuum 
beobachtet wird. Dasselbe entwickelte sich im Anschlufs an die Incision eines Drüsen- 
&bscesse8 und ein danach entstandenes Jodoformekzem. Unter Fieber brachen in 
der Leiste und an der inneren Schenkelfläche Gruppen dichtgedrängter Pusteln auf 
entsündeter Basis hervor; allmählich wurde die ganze Körperoberfläche ergriffen. 
Auch Zungensohleimhaut, Lippen und Zahnfleisch waren ergriffen. Unter remittierendem 
Fieber, Delirien, Albuminurie allmählicher Kräfteverfall; Tod nach vier Wochen. 
Die Sektion ergab im Oesophagus zahlreiche, kleine Geschwüre. 

Jtssner-Königsberg i. Pr. 


Jährliche Versammlung der Italienischen Gesellschaft für Dermatologie 

und Syphiligraphie, 

abgehalten in Kom vom 28.—30. Dezember 1897. 

(Giomale italiano dette malattie veneree e ddla pelle. 1898. Heft 3.) 

Majocchi spricht über eine Varietät der Bupia syphilitica: Bupift 
foliacea. Die Krusten bestanden aus koncentrisch übereinander gelagerten lamellösen 
Schichten. — An der Diskussion beteiligen sich de Amicis, Breda und Majocchi, 
welche bei Psoriasis auch schichtenförmige Borken konstatiert haben, die sich aber 
Ton den syphilitischen sowohl in klinischer als in morphologischer Beziehung unter¬ 
scheiden. 

de Amicis: Demodez folliculorum und Hyperchromie der Haut. Bei einem 
27jährigen Frauenzimmer bildete sich in der Gegend des Kinnes eine immer inten¬ 
siver werdende milchkaffeefarbene Pigmentation aus. Die Haut war glänzend, über 
dis umgebende Niveau nicht erhaben, glatt ohne Desquamation. Die Stelle war von 
*wei parellelen, bis zu den Mundwinkeln reichenden Linien seitlich abgegrenzt; mit 
der Lupe betrachtet erschien die Haut leicht angeschwollen mit deutlich sichtbaren 
Follikelmündungen. Mikroskopisch wurden in der Haut aufserordentlich zahlreiche 
Bxemplare des Demodex folliculorum nachgewiesen. Die Affektion verschwand denn 
auch nach entsprechender Behandlung, welche die Entfernung der Parasiten bezeckte. 

G. Melle : Experimentelle Untersuchungen über den Lupus erythematosus 
bezüglich der Tuberkulose. Danach wäre die tuberkulöse Natur des Lupus ery- 


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them&toBus noch lange nicht erwiesen. Therapeutisch bewährte sich der Salicyl- 
pfiastermoll vorzüglich, während Auskratzungen zu keinem Resultate führten. 

db Axiois: Eigentümliche und schwere Folgen einer snbcntanen Sublimat¬ 
injektion. Ein Patient hatte wegen Syphilis bereits 43 Sublimatinjektionen erhalten. 
Bei der vierundvierzigsten, welche in der Gegend der Schulterblattspitze gemacht 
wurde, verspürte er plötzlich einen heftigen Schmerz mit Krämpfen im Bauche, 
Schwindel etc. Am Abend stellte sich Urinretention hinzu, am folgenden Morgen 
eine Parese des linken Beines, während sich die Blasenlähmung nicht veränderte. Am 
Abend hatte sich von der Einstich stelle ausgehend ein hämorrhagischer Zoster aua- 
gebildet. Am dritten Tage war eine vollständige Paraplegie der unteren Extremitäten 
ausgebildet. Nach einem Monat starb der Patient an Septikämie. 

Rondona: Urethritis chronica und Phimosis. Als Komplikation der chroni¬ 
schen Blennorrhoe durch Hinzutreten von Streptokokken werden angeführt die Ure¬ 
thritis profunde, die Balanoposthitis und aus dieser letzteren, infolge von entzündlicher 
Sohwellung, Perforation und Narbenbildung, die Phimose. 

Bbbda demonstriert ein Instrument zur bequemen Entnahme von Sekreten 
aus männlicher und weiblicher Urethra, dem Uterus etc. in beliebigen Tiefen. 

ds Amicis: Konstitutionelle Syphilis. Außerordentliche Persistenz der 
erblichen Übertragbarkeit. Eine mit einem an cerebraler Lues verstorbenen Manne 
verheiratete Frau hatte verschiedene Fehlgeburten gehabt und verehelichte sich 
mehrere Jahre später, ohne selbst jemals syphilitische Erscheinungen dargeboten zu 
haben, mit einem absolut gesunden jungen Manne: Fünf Geburten, darunter drei Ab¬ 
orte, ein Kind starb im zweiten Jahre an Meningitis, ein anderes am 35. Tage mit 
Roseola, papulösen Efflorescenzen, Coryza. Bei der fünften Geburt kam es zu schweren 
geistigen Störungen. Der Fall würde somit die direkte Übertragbarkeit der Syphilis 
durch den Vater beweisen, was von vielen geleugnet wurde. Bemerkenswert ist 
ferner bei demselben die langdauernde Virulenz der spezifischen Infektiosität, indem 
15 Jahre nach dem Zusammenleben mit einem gesunden Manne noch syphilitische 
Kinder geboren wurden. Es handelt sich hier um eine nachfolgende Infektion der 
Mutter — choc en retour. 

Mellb : Beitrug zum Studium der vollständigen und plötzlichen Taubheit 
wegen Otitis interna im Verlaufe einer acquirierten Lues. Da der Fall mit 
Schwindel, Gleichgewichtsstörungen verbunden war, verlegt M. den Sitz der Affektion 
in diesem Falle in das Labyrinth. 

Paolixi : Die syphilitischen Boseoien. Eine klinische und histologische Studie 
dieser Eruptionen. 

Mbllb: Elephantiasis des linken Beines bei einem noch jugendlichen 
Individuum. Bei dem 18jährigen Patienten konnte im Blute kein Parasit (Filaria) 
aufgefunden werden, auch waren die abdominalen Lympbdrüsen, soweit sioh dies durch 
gründliche Palpation konstatieren ließ, nicht angeschwollen. Es handelte sich deshalb 
wahrscheinlich um eine chronische progressive Dermatitis. 

Staxzlalb: Ein Fall von multiplen harten subcutanen Fibromen. Die Tu¬ 
moren zeichnen sich hier durch ihre ungewöhnlich feste Konsistenz aus. 

Rbalb : Über die Sklerose des Präputiums infolge von idiopathischer 
Atrophie desselben, mit sekundärer Phimose und Ulceration. Die Atrophie 
der Vorhaut mußte in den angeführten und beschriebenen Fällen als idiopathisch 
aufgefaßt werden, da jeder primäre entzündliche Prozeß fehlte. Als ätiologisches 
Moment dieser Atrophie kann vielleicht das Alter der betreffenden Patienten angesehen 
werden. Auf diesem durch Atrophie modifizierten Boden können sich dann mit 
Leichtigkeit sekundäre Infektionen entwickeln. 


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P. Colombini: Bakteriologische and histologische Untersuchungen über 
die Bartolinitis. Beitrag zum Studium ihrer Pathogenese. Unter 17 Fällen dieser 
Affektion wurde bei 11 der Gonococcus nachgewiesen; bei den 6 anderen konnte die 
Blennorrhoe als Ursache ausgeschlossen werden und handelte es sich hier um eine 
gewöhnliche pyogene Infektion, wobei Traumata und Berufsart nur die Rolle von 
Gelegenheitsursaohen spielen. 

Ducket und Bespighi: Über die ausschliefsliche Lokalisation der sogen. 
Porokeratose auf die Schleimhaut der Mundhöhle. Die Redner betonen noch, 
d&fs sich diese eigentümliche Affektion auch auf die Mnndhöhlenschleimhaut lokali¬ 
sieren kann, dafs eie eine vollständige Dermatose darstellt, die, wenn auch gewisse 
Ähnlichkeit mit dem Lichen Wilsons aufweisend, von diesem grundverschieden ist 
und auch nicht in die Gruppe der Ichthyose aufgenommen werden kann. Die Be¬ 
zeichnung Porokeratose finden sie unpassend. 

Oro: Vergleichende bakteriologische und experimentelle Untersuchungen 
Uber die Kapselbacillen von Pfeiffbb und von Frisch. Nach den Unter¬ 
suchungen von 0. können die beiden Pilze gar nicht miteinander identifiziert werden. 

Mazza : Einige Betrachtungen über das Bhinosklerom. Aus der ziemlich 
umfangreichen Arbeit geht hervor, dals das Bhinosklerom meist von der Nasenhöhle 
ausgeht und sich am häufigsten durch Kontinuität ausbreitet. Anatomisch kenn¬ 
zeichnet es sich als ein Granulom; es ist aber nooh nicht festgestellt, ob dieses 
Granulom einen spezifischen Charakter trägt. Ebenso läfst sich über die Natur der 
sogen, hyalinen Körperchen nichts Genaues sagen. Im Rhinoskleromgewebe findet 
man den FaiscHschen Bacillus, der für Tiere unschädlich ist; es ist aber nicht aus* 
geschlossen, dafs er sich nicht auch in anderen Geweben vorfindet. Der PFBiFFEKsche 
Bacillus dagegen ist für Tiere pathogen und, im Gegensatz zum FnisoHschen, hoch¬ 
gradig gasbildend. 

Ducket : Über einige in der Nasenracbenböble des Menschen vorkommende 
und mit den Mikroorganismen des Ehinoskleroms verglichene Kapselbacillen. 

Bei verschiedenen meist katarrhalischen Affektionen der Nasenrachenschleimhaut fand 
D. unter anderen öfters den FaiEDLÄNDEKsohen, Pf ziFFEKschen und LöwESBEBaschen 
und in einigen wenigen auch den FaisoHsohen Kapselbacillus, welcher letztere somit 
für das Bhinosklerom nioht als spezifisch zu betrachten wäre. 

Pini: Ohemische und experimentelle Untersuchungen über einen Fall von 
Pemphigus vegetans. P. hat bei dieser Dermatose eine fühlbare Abnahme der 
Harnsäure konstatiert; ferner sollen durch die Nieren Substanzen eliminiert werden, 
welche hypothermisohe, anämisierende, myotische und zuweilen letale Wirkungen 
entfalten. 

Melle: Klinischer und anatomisch-pathologischer Beitrag zum Studium 
der Psorospermosis cutanea vegetans. Der Fall zeichnet sich aus durch das Auf¬ 
treten aufserordentlich zahlreicher Bläschen auf einer heftig geröteten, nässenden 
Haut bei fehlendem Pruritus. 

Bbogohisri : Das Rückenmark in einem Falle von Pemphigus Simplex. 
Die Veränderungen waren sozusagen ausschliefslich auf die graue Substanz des Rüoken- 
marks lokalisiert und bestanden in entzündlichen und hämorrhagischen Erscheinungen 
mit hyperplastisohen Veränderungen der Kapillarwandungen. 

Gkavaona : Über die idiopathische Hautsarkomatose. Experimentelle 
Untersuchungen. Die Untersuchung des Blutes auf Mikroorganismen, des Urins in 
Bezug auf seine Toxicität fiel negativ aus; ebenso waren keine Blastomyoeten zu 
finden und Tierinokulationen blieben resultatlos. Die Frage der Ätiologie und Patho¬ 
genese ist somit noch nioht gelöst Die Arsenikkur (subcutane Injektionen von Liquor 


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arsenicalis Fowleri) blieben ohne jede Wirkung auf das allgemeine Befinden des 
Individuums sowie auch auf die Hauterscheinungen. 

Caldkröne: Klinischer Beitrag zur Behandlung der Lepra mit dem Serum 
von OARASQUILLA. Obwohl C. mit diesem Serum keine Heilungen zu erzielen ver¬ 
mochte, hofft er dennoch, dafs sich die Methode, wenn einmal vervollkommnet, be¬ 
währen werde. 

db Amicis: Bakteriologische Untersuchungen über die Verruca vulgaris. 
db A. ist der Meinung, dafs die bisher in den Warzen angeblich Vorgefundenen 
bakteriellen Gebilde keineswegs pathogener Art, sondern rein accidentelle Erschei¬ 
nungen seien, indem einige Forscher gewisse Degenerationszustände der Zellen des 
Bete Malpighii als Mikroorganismen aufgefafst haben. 

Carrügcio: Leukoplakia der Vulva. C. findet einen kausalen Zusammenhang 
zwischen der Leukoplakia und der Infiltration der Lymphfollikel der Vulva, deren 
anatomische Beschreibung unter normalen Verhältnissen von Finger mitgeteilt 
worden ist. 

Mosca : Histologische Betrachtungen über einen atypischen Fall von 
circumskriptem Epitheliom der Glabella. Obwohl keine speziellen Fixations oder 
Färbungsmethoden angewandt worden waren, fiel in den Präparaten die aufserordent- 
lich grofse Zahl atypischer und pathologischer Karyokinesen auf. 

C. Müller-Genf. 


Dermatologische Zeitschrift. 

Band V, Heft 6. 

I. Zur Histopathologie einiger Nagelerkrankungen, von J. HEixBR-Berlin. 
(Vergl. Referat Bd. XXVII. pag. 173.) Der Verfasser kommt auf Grund seiner Unter¬ 
suchungen zu folgendem Resultate: „Die pathologische Untersuchung der peripherischen 
Nerven und der markhaltigen Nervenendigungen ergab in einem Falle nichts Abnormes, 
bei dem klinisch eine auf Nervenverletzung zurückzuführende, mit Zeichen trophischer 
Nervenstörung einhergehende (Glossyskin) Onychogryphosis vorlag.“ 

n. Sektionsergebnisse aus dem Leprosorium bei Riga, von Carl Brutzkr. 
Das Material für die vorliegenden Betrachtungen bildeten neun im Verlaufe eines 
Jahres, von 1897—1898, im Leprosorium der Stadt Riga verstorbene Patienten, welche 
an Lepra tuberosa gelitten hatten. Der Verfasser bespricht zunächst in Kürze die 
Todesursache und die interkurrenten Krankheiten, welche die Patienten durcbzumachen 
hatten. Die meisten der neun verstorbenen Leprösen hatten ein hohes Alter erreicht 
Fünf waren über 75 Jahre alt, drei über 55 Jahre; eine Patientin war 33 Jahre alt. 
Im ganzen waren es sieben Frauen und zwei Männer. Die Todesursache bildete in 
einem Falle Magencarcinom, in einem zweiten chronischer Broncbialkatarrh mit Asthma, 
in einem dritten Fettherz und allgemeine Lipomatose, im vierten und fünften Falle 
Septikopyämie, im sechsten ein langdauernder SuppurationBprozefs, im siebenten, achten 
und neunten Falle Nervenveränderungen. In sieben von den neun Fällen fanden sich 
bei der Sektion tuberkulöse Veränderungen. In allen neun Fällen waren die Nieren 
miterkrankt. Bei der Durchsuchung der Nieren nach Leprabacillen konnte Verfasser 


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in sechs Nieren einen positiven Befund konstatieren, und zwar lagen die Bacillen in 
für die lepröse Erkrankung typischen zelligen Herden. Die Erkrankung der Nieren 
ist nach einer Statistik von Beavan Bake in 22% der Fälle die Ursache des Todes. — 
Leber und Milz boten stets reiche Bacillenbefunde, während im Magen und Darm¬ 
kanal die Leprabacillen fehlten. (Der Artikel ist auch erschienen in St. Petersb . med. 
Wochen8chr. 1898. No. 42.) 

UI. Über den Primäraffekt der Akne, des Gesichtslupus, der Lepra und 
anderer Krankheiten der Lymphkapillaren, von Georg STicKEB-Gießen. Verfasser 
versucht es, an die Stelle der heute allgemein angenommenen eine andere, wohl be¬ 
gründete Erklärung der Pathogenese und der Ausbreitung der Akne, des Gesichts- 
lupus, der Lepra, des Erysipels etc. zu setzen. Auf Grund bereits feststehender That- 
sachen und eigener Beobachtungen spricht er die Ansicht aus, daß bei den erwähnten 
Affektionen und bei einigen anderen die Infektion stets in der Nase beginnt, auf dem 
Wege der Lymphbahnen fortschreitet und in der Mehrzahl der Fälle zunächst das 
Gesicht ergreift. Für das Erysipel und den Botz wird dies nur noch selten bezweifelt. 
Sicher ist auoh, wenn man die Patienten daraufhin untersucht, dafs man bei der 
weitaus gröfsten Zahl der Leprösen eine ulceröse Zerstörung der Nasenschleimhaut 
ober dem knorpeligen Teil des Nasenseptums auf oder hinter dem Ursprung der Plica 
vestibuli findet. Daß diese Veränderungen an der Nase den Primäraffekt der Lepra 
darstellen, wie die Sklerose am Penis den Primäraffekt der Syphilis, dafür führt Ver¬ 
fasser folgende Gründe an: 1. Der Affekt in der Nase, welcher meistens Unmassen 
von Leprabacillen enthält und auch nach aufsen abgiebt, ist die einzig konstante Ver¬ 
änderung bei allen Leprakranken, in allen Formen und Stadien der Krankheit. 2. Die 
Affektion in der Nase hat auch da den Charakter eines Geschwürs oder seiner Folge¬ 
zustände, wo am ganzen Körper keine Verschwärungen von Lepromem und Lepriden 
sich finden; sie mufs also etwas Besonderes sein. 3. Bei jeder Nervenlepra, mag die¬ 
selbe, äufserlich betrachtet, an den Händen, im Gesicht oder an den Füfsen beginnen, 
findet sich die lepröse Läsion der Nasenschleimhaut ebenso regelmäßig wie bei der 
Knotenlepra. Solange die Lepra nicht abgeheilt ist, enthält das Nasengesohwür stets 
die Leprabacillen in mehr oder weniger großen Massen. 5. Allgemeinen Becidiven 
und Nachschfiben der Lepra gehen örtliche Störungen in der Nase häufig voran. 
6. Die manifeste Knotenlepra beginnt meistens in der unmittelbaren Umgebung der 
Nase. 7. Störungen in der Nase: Jucken, Blutungen, Katarrhe, Schwellungen u. s. w. 
sind einzelnen guten Beobachtern als jahrelange Prodrome der Lepra längst bekannt, 
bisher nur falsch gedeutet worden. 8. Das bacillenhaltige Nasengeschwür kann als 
einziges und mithin aß erstes Symptom der Lepra bei Kindern gefunden werden. — 
Verfasser findet den Beweis für die Bichtigkeit seiner Auffassung in den von Sappey, 
Tzichmarn, Key und Betzius beschriebenen Verbindungsbahnen zwischen Nasenseptum 
und äußerer Haut einerseits und zwischen Nasenseptum und den Lymphbahnen des 
ganzen centralen und peripheren Nervensystems andererseits. Die näheren anatomi¬ 
schen Daten dieser Verbindungsbahnen sind folgende: Von der Nasenschleimhaut aus 
läßt sich ein Lymphkapillarnetz injizieren, welches unter der Oberfläche des ganzen 
Schleimhauttractus und der ganzen äufseren Haut ein zusammenhängendes Kanal- 
system bildet. Vom Lymphkapillarnetz der Nase aus führen besondere Abflußwege 
einmal zu den subarachnoidalen Bäumen des Gehirns, andererseits durch das Epithel 
hindurch zur Oberfläche in der Umgebung der Ausführungsgänge der Schleimhaut- 
drüaen. In diesen anatomischen Thatsachen sind die Wege für den Leprabacillus von 
der Nase aus zur Haut einerseits, zum Nervensystem andererseits deutlich genug vor¬ 
geschrieben. Was von der Lepra, gilt mutatis mutandis von der Akne, vom Lupus 
vulgaris, Lupus erythematosus etc. Verfasser war in der Lage, in fast allen Fällen 


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Ton Akne, Lupus vulgaris und Lupus erythematosus, die ihm bisher zu Gesicht ge¬ 
kommen sind, ganz analoge Veränderungen auf der Nasenschleimhaut nachzuweisen 
wie bei der Lepra, und zwar namentlich beim Lupus, auch dann, wenn die äufseren 
Veränderungen auf der Haut ganz entfernt Ton den Nasenöffnungen erschienen 
waren. — Zukünftig wird man der Untersuchung der Nase eine gröfsere Aufmerksam, 
keit zu wenden müssen. Der Nachweis einer Nasenläsion, deren Diagnose durch die 
histologische und bakteriologische Untersuchung sicher zu stellen ist, wird in jedem 
einzelnen Falle der erwähnten Affektionen eine lokale sacbgemäfse Behandlung des 
Primärafifektes als Teilerscheinung des schon verbreiteten oder als Keim des erst ent¬ 
stehenden Übels zur Folge haben müssen. 

IV. Über Naftalan, von E. Saalfeld- Berlin. Verfasser hat das Naft&lan in 
115 poliklinisch behandelten Fällen zur Anwendung gezogen. Von diesen entzogen 
sich 10 der Beobachtung, 6 vertrugen das Naftalan nicht. Das Gros der der Naftalan- 
behandlung unterworfenen Patienten bestand aus Ekzemkranken, und zwar waren es 
58 Fälle. 40 litten an chronischem Ekzem, 5 dieser letzteren entzogen sich der Be¬ 
handlung; von den restierenden wurden 24 geheilt, 8 gebessert; 2 vertrugen das 
Kittel nicht und 1 Fall blieb unbeeinflufst. — Von subakuten Ekzemen wurden 10 
Fälle mit Naftalan behandelt, von denen 6 geheilt und 3 gebessert wurden, 1 das 
Mittel nicht vertrug. Erst in der letzten Zeit versuchte der Verfasser das Naftalan 
auch bei akutem Ekzem. Es wurden 8 Fälle damit behandelt, von diesen 5 geheilt; 
es handelte sich um ein nässendes und um ein impetiginöses Ekzem im Gesicht, ein 
Eccema madidans et crustosum capitis bei einem Knaben, ein papulöses, über den 
Körper verbreitetes Ekzem bei einem Erwachsenen und ein Eccema madidans scroti. 
Durch das Naftalan kamen ferner zur Abheilung 3 Fälle von Dermatitis arteficialis. — 
Was die Psoriasis vulgaris betrifft, so wurde das Mittel in 12 Fällen versucht, von 
denen einer sich der weiteren Beobachtung entzog. 7 Fälle wurden gebessert, 3 ge¬ 
heilt; in einem Falle wurde im Gesicht Heilung erzielt, während für den Körper 
energische Mittel notwendig wurden. — Verfasser hat den Eindruck gewonnen, dals 
das Naftalan nicht geeignet ist, Chrysarobin, Pyrogallussäure oder Teer bei der 
Psoriasisbehandlung zu ersetzen oder zu verdrängen, dagegen sei es in leichteren Fällen 
wegen des Fehlens unangenehmer Nebenerscheinungen gut brauchbar. Nach der 
Ansicht des Verfassers liegt die Wirksamkeit des NafUlans bei der Psoriasis zwischen 
der der Pyrogallussäure und der weifsen Präcipitatsalbe. Das Naftalan darf besonders 
bei zarter Haut sowie für Psoriasis des Gesichts empfohlen werden. Zweckmäfsig 
kann das Mittel als interkurrente Salbe bei durch Chrysarobin, Pyrogallus oder Teer 
entstandener Dermatitis in Anwendung kommen. — Das Gesamturteil des Verfassers 
über das Naftalan auf Grund der bisher gesammelten Erfahrungen lautet: „Das 
Naftalan hat sich als ein wirksames Mittel erwiesen beim Ekzem in den verschiedensten 
Stadien, bei leichteren Fällen von Psoriasis vulgaris, besonders im Gesicht und bei 
reizbarer Haut, ferner bei den durch schärfere Mittel bei dieser Erkrankung hervor* 
gerufenen Dermatitiden, bei leichteren Fällen von Herpes tonsurans, bei Prurigo; ein 
günstiger Einflufs war ferner zu verzeichnen bei Skyosis parasitaria und vulgaris, bei 
Lichen ruber, Dermatitis herpetiformis und — wenn auch nur in wenigen Fallen 
beobachtet — bei den im Gefolge von Blennorrhoe auftretenden, mit entzündlicher 
Schwellung verbundenen Komplikationen. Dazu kommt die günstige Beeinflussnng 
einzelner Dermatosen, wie der Pityriasis rosea etc., über die jedoch aus Mangel an 
genügender Anzahl von Beobachtungen ein abschliefsendes Urteil nicht zu geben ist. 
Als besonderer Vorzug des Naftalans mufs schliefslich noch erwähnt werden, dals es 
nur äufserst selten Beizerscheinungen auf der Haut hervorruft. u 


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V. Die Verwendbarkeit des Hyrgol (Hydrargynun colloidale) in der 
Syphilistherapie, von F. E. Hopp-Dresden. In 22 Fällen ist das LoTTBBMOSBRsche 
Quecksilber zur Anwendung gekommen. 15 davon enfallen auf eigene Beobachtungen 
dee Verfassers, 7 wurden ihm von Herrn Dr. Schlossmann zur Veröffentlichung über¬ 
lassen. — Die Ergebnisse dieser Beobachtungen werden von dem Verfasser in folgenden 
Schlußsätzen rekapituliert: 1. Das Hyrgol besitzt keine besonderen Vorzüge, die in 
therapeutischer Hinsicht eine Bevorzugung vor dem alten unlöslichen Quecksilber 
rechtfertigen könnten. 2. Für die subcut&ne Einverleibung ist die wässerige Lösung 
des Hyrgol nur mit Vorsicht anzuwenden, erstens mit Rücksicht auf die noch nicht 
feststehende Valenz des Mittels, zweitens wegen der Sohmerzen bei und nach dem 
Injizieren, drittens der Neigung halber, schwer resorbierbare Infiltrate zu bilden. 
Nähere Untersuchungen physiologisch-anatomischer Art sind noch erforderlich, um nach¬ 
zuweisen, ob das ohne Eiweifszusatz dem Körper einverleibte Hyrgol im Gewebe in 
das unlösliche Merkur verwandelt wird, beziehentlich chemischer Art, um festzustellen, 
ob die Körpersäfte diese Umsetzung zu stände zu bringen vermögen. 3. Bei der 
Schmierkur sind niederprooentige Salben als die offioinelle anzuwenden. Die Wertig¬ 
keit des Hyrgols scheint höher zu sein, als die des alten Quecksilbers. 4. Die 
Hyrgolpillenkur ist nach bisherigen Erfahrungen die geeignetste Art der Darreichung. 

VI. Über die durch Berührung der Pximula obconica entstehende Haut¬ 
entzündung, von E. Wermann -Dresden. Verfasser hatte Gelegenheit, die durch die 
Primula obconica hervorgerufene Hautkrankheit in der Privatpraxis bei einigen 
Patientinnen zu sehen, welche die genannte Zierpflanze im Zimmer gepflegt hatten; 
sie erkrankten mit einer heftigen Hautentzündung der Hände und des Gesichts, ohne 
dafs die Ursache des Leidens festgestellt wurde, und setzten sich infolge dessen 
immer wieder derselben Schädlichkeit aus, so dafs sie wiederholte Anfalle des 
quälenden Leidens durchzumachen hatten. Das charakteristische Krankheitsbild be¬ 
schreibt Verfasser nach einem Falle, welcher eine 52jährige Dame betraf. Dieselbe 
hatte früher stets eine ganz gesunde Haut gehabt, als sie eines Tages plötzlich mit 
einer heftigen Entzündung der Haut beider Hände und Vorderarme, mit Rötung und 
Schwellung und unerträglichem Jucken erkrankte. Kurze Zeit darauf schwoll auch 
das Gesicht an, so dafs die Patientin ganz entstellt aussah. Die Gesichtshaut war 
dunkelrot und außerordentlich empfindlich, die Augen begannen zu thränen. All¬ 
mählich gingen die Erscheinungen zurück, die Haut wurde wieder nahezu normal, da 
erfolgte plötzlich ein neuer Ausbruch des Leidens. Die Anfalle repetierten sich 
mehrere Male. Als Verfasser die Dame sah, hatte sie eben eine neue Attacke gehabt. 
Die Haut beider Handrücken und Vorderarme war dunkel gerötet, polsterartig ge¬ 
schwollen und befand sich in einem aufserordentlichen Reizzustande; im Gesiebt war 
die Umgebung des Mundes, der Nase und der Augen ebenfalls gerötet und stark 
ödematös geschwollen. Die Patientin hatte infolge des quälenden Juckens eine schlaf¬ 
lose Nacht gehabt. Die Kopfhaut zeigte eine leichte Seborrhoe. Verfasser nahm die 
Patientin auf seine Klinik, ließ sofort die ganze erkrankte Haut des Gesichts sowohl 
wie der Arme und Hände mit Zinkleim einpinseln. Schon nach wenigen Stunden 
horten Jucken und Brennen auf und nach drei Tagen war die Haut fast normal. Da 
Verfasser die Ursache des Leidens erkannt hatte, so konnte er die Dame auf dieselbe 
aufmerksam machen. Thatsächlich blieben die Anfälle in der Folgezeit weg. — Die 
hautreizende Wirkung wird durch eine farblose Flüssigkeit hervorgebracht, die in 
kurzen an der Oberfläche der Primelblätter sitzenden Drüsenhaaren enthalten ist und 
bei Berührung der Pflanze austritt. Die Wirkung tritt erst nach längerer Zeit zum 
Vorschein, so dafs die eigentliche Ursache häufig den Patienten entgeht. Da nioht 
•Ile, die mit Primeln hantieren, auch die Dermatitis acquirieren, so gehört jedenfalls 


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eine besondere Disposition der Haut dazu, anf welche die Primola oboonica ihre 
reizende Wirkung entfalten kann. 

VII. Zur Histologie der Klauenseuche (Dermatosis zoonotica), von Th. Mater- 
Berlin. Die Übertragung der Klauenseuche auf den Menschen kann auf dreifachem 
Wege erfolgen: 1. durch die Milch seuchenkranker Tiere, welche nach Böllings*. 
selbst verdünnt in hohem Grade infektiös ist; 2. durch Berühren kranker Tiere (beim 
Melken, Schlachten etc.); 3. durch Vermittelung von Zwischenträgern (rekonvalescente 
Tiere, Wärter, Hirten, die mit krankem Vieh beschäftigt Bind, durch Geräte, Streu, 
Futter, Schlachtabfälle etc.). — Je nach der Art der Infektion, bei welcher ein mehr 
oder weniger abgeschwächtes Virus ein mehr oder minder empfängliches Individuum 
trifft, wechselt das Symptomenbild. Bei der Milchinfektion pflegt nach einem 
mehrtägigen Prodromalstadium, in welchem leichtes Fieber, Kopfschmerz, Trockenheit 
im Mundo beobachtet werden, Bläschenbildung an Lippen, Mund, Gaumen und Bachen, 
sowie an den Händen in der Umgebung der Nägel aufzutreten. Nach mehreren 
Tagen verwandeln sich die Bläschen unter Epithelnekrose in flache Geschwüre, die 
nach weiteren 2—3 Wochen, nicht ohne den Kranken mannigfache Beschwerden ver¬ 
ursacht zu haben, abheilen. In ähnlicher WeiBe verläuft der Prozefs bei der Infektion 
durch direkte Berührung kranker Tiere. In vereinzelten Fällen wurden von der 
Bläscheneruption das Gesicht, die Interdigitalflächen der Zehen, die Brustwarzen be¬ 
fallen. Ferner sind bei dem einen wie bei dem andern Infektionsmodus polymorphe 
Hautausschläge bald als rote Flecke an Brust und Armen, bald als hochrote leicht 
schuppende Maculae an den Unterextremitäten und dem Stamme, Petechien und 
leichte Purpuraflecke, Pemphigusblasen beobachtet worden. — Beim dritten Infektions- 
modus ist das Krankheitsbild nicht so charakteristisch ausgeprägt, weil es sich hier 
um ein abgeBchwächtes Virus handelt. Der Verfasser beschreibt einen Fall und teilt 
das Besultat der bakteriologischen wie histologischen Untersuchung mit. Das Ergebnis 
der bakteriologischen Untersuchung war ein negatives. Nach den histologischen Be¬ 
funden ist die Histogenese des Falles folgendermaßen zu deuten: „Die in Frage 
kommende Noxe hat zunächst eine intensive Hyperämie der oberflächlichen Cutis- 
gefäße, sodann eine beträchtliche rein seröse Exsudation aus denselben veranlaßt. 
Von dieser sowie einer gleichzeitig erfolgenden Proliferation der fixen Bindegewebs¬ 
zellen wird zunächst die Papillargegend, danach auch die mittlere Cutis betroffen; 
in beiden kommt es zur beträchtlichen serösen Durchfeuchtung des Gewebes, welche 
alle Lymphspalten auseinander drängt, das elastische und teilweise auch das kollagene 
Gewebe rarefiziert und die Papillen gegen die Epidermis emporzuwölben bestrebt ist. 
Endlich hat auch die Epidermis, welche dem zuerst von ihr aufgenommenen Infektions- 
Stoff gegenüber sich eine Zeit lang passiv verhalten, an dem allgemeinen Prozeß 
teilgenommen. Ihr Stratum spinosum beginnt mächtig zu wuchern, indem es überall 
starke Epithelsprossen gegen das Corium versendet, welche, weil selbst ödematös, von 
dem noch stärker serös durchtränkten, üppig emporquellenden Cutisgewebe ver¬ 
schiedentlich geformt werden. Zu dieser formativen Abweichung aber tritt unter dem 
Einflufs der veränderten Ernährungszufuhr ein abweichendes biologisches Verhalten 
auch der einzelnen Epidermiszellschichten, welches mit dem Zeichen beginnender 
fibrinoider Kolliquation einsetzt (periphere Partien), um nach erfolgter Restitution 
(centrale Partien) ein der Parakeratose gleichendes Bild zu liefern.“ 

Vin. Über chromographische Projektion, von 0. LAssAR-Berlin. (Vortrag, 
gehalten in der Berliner medizinischen Gesellschaft. Sitzung vom 2. November 1838. 
Referat folgt an anderer Stelle.) 

IX. Primäraffekt an der hinteren Rachenwand, von H. RosENTHAL-Rixdorf. 
Am 16. April 1898 wurde dem Verfasser ein sechB Wochen alter Knabe mit makulo- 


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papulo-pustulösen Syphiliden, Milz- and Lebertumor and Coryza vorgestellt. Eine 
14jährige Schwester des Kindes, welche sich mit der Pflege desselben befaßte, zeigte 
an der hinteren Raohenwand, links von der Mittellinie, einen etwa pfenniggrofsen 
Epitheldefekt, der sich durch haarscharfe Abgrenzung und intensive Rötung von der 
Umgebung abhob. Drtisensohwellung war zur Zeit nicht vorhanden. Beschwerden 
hatte das Mädchen bisher nicht gehabt. Verfasser erklärte der Mutter, dafs ihre 
Tochter mit Syphilis behaftet sei. Erst sieben Wochen später stellte sich die Patientin 
wieder vor. Inzwischen waren die rechtsseitigen vorderen und hinteren Cervikaldrüsön 
angeschwollen. Der Primäraffekt war vollständig abgeheilt Die rechte Tonsille war 
von einer grofsen Ulceration eingenommen, die rechte Seite des Halses bretthart in¬ 
filtriert. Aufserdem sind spärliche, kleinfleckige Roseolen zu sehen. — Unter einer 
Schmierkur gingen sämtliche Erscheinungen zurück. Die Infektion dürfte dadurch 
entstanden sein, dafs das Mädchen den Saugpfropfen der mit Milch gefüllten Flasche 
des Kindes in ihren Mund gesteckt hat, um die Temperatur der Milch zu prüfen. 
Von Interesse ist auch die Übertragung von einem hereditär-syphilitischen Kinde. 

C. Berliner-Aachen . 


Monatsberichte über die Gesamtleistungen auf dem Gebiete der Krankheiten 
des Harn- und Sexualapparates. 

Band III, Heft 11. 

Ober die Behandlung der Prostatahypertrophie, von H. Lohnstein. Die 
Einfachheit der Operation, das kurze Krankenlager, die Anwendbarkeit bei allen Arten 
der Prostatahypertrophie nimmt für die BoiriNischc Operation ein. Nur da, wo die 
Einführung der Instrumente Schwierigkeit macht, wäre eventuell die Vasektomie oder 
Kastration vorauszuschicken; diese Fälle sind aber äufserst selten. Nicht so gefahrlos, 
wie vielfach behauptet wird, ist der Wundverlauf; besonders wo schon Pyelitis oder 
Pyelonephritis besteht, mufs man sehr vorsichtig sein. — Das Arbeiten im Dunkeln 
hat keine Bedenken, die Verwendung des NiTZEschen Operationscystoskops ist eher 
schädlich als nützlich, da es unpassend geformt und zu dick ist. — Die Gefahr eines 
Recidivs ist eine sehr geringe; ungenügende Durchtrennung, mangelnde Kontraktions¬ 
fähigkeit können dieselbe bedingen. — Wenig zu furchten sind Blutungen; man mufs 
nur die Venenplexus im Vorderlappen und zu tiefes Kauterisieren der Pars posterior 
orethrae vermeiden. Verletzung der letzteren bedingt auch das beobachtete Harn- 
triufeln, das übrigens bald spontan verschwindet. — Das Instrumentarium war ver¬ 
besserungsbedürftig, Verfasser hat dasselbe verändern lassen; die Veränderung erstreckt 
«ich besonders auf den Mechanismus zur Bewegung des Incisors. — Vor der Ope¬ 
ration bedarf es einer mehrmaligen Untersuchung, um ein Bild von der Schwellung 
zu gewinnen. Der Kranke mufs abführen, Darm und Blase werden ausgespült, letztere 
mit 3°/o Borwasser. Lokale Anästhesie durch Einträufeln von 6—10 ccm einer 1% 
Kokainlösung. Kein Dauerkatheter; Bettruhe gewöhnlich nur 12 Stunden nötig. — 
Dem Urethralfieber beugt Chinin, 0,5 einmal vor der Operation und dreimal täglich 
nach derselben, am besten vor. Auch Urotropin und Salol sind brauchbar. — Ver¬ 
fasser hat die Operation bei 12 Personen 18 mal ausgefuhrt, bei 9 je lmal, bei 3 je 
2mal, bei 1 3 mal. Nur kräftige Personen eignen sich für das Verfahren. Die Resul¬ 
tate sind da am besten, wo vorher komplette Harnretention bestanden, was auch 
Fkeudbnberg und v. Frisch behaupten. Der Erfolg hängt vielfach von der Funktions¬ 
fähigkeit der Blase ab. 

Von den 12 Patienten hatten 7 inkomplette Harnretention; bei 4 trat ein 
dauernder funktioneller Erfolg ein. In 2 Fällen verminderte sich die Zahl der täg- 


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liehen Harnentleerungen und die Menge des Residualharnes erheblich; das Allgemein- 
befinden besserte sieh; in 2 Fällen war Besserang vorhanden, aber keine genügende. 
In den 3 übrigen Fällen war der Erfolg weniger befriedigend. — Von 5 Patienten 
mit kompletter Harnretention wurde bei 4 die Blasenfunktion wiederhergestellt; einmal 
trat Exitus letalis bei einem dekrepiden Greise ein, der trotz des Verfassers Wider¬ 
spruch von anderer Seite operiert wurde. — Im ganzen werden Kastration und Va¬ 
sektomie da besonders indiziert sein, wo das Hindernis durch Kongestion bedingt ist; 
wo dasselbe rein mechanischer Natur, wo eine Dekongestion nicht zu erwarten ist, 
da wird die BoTTiKische Operation am Platze sein. Jessner-Königsberg i. Pr 


The British Journal of Dennatology. 

Dezember 1898. 

Allgemeine exfoliative Dermatitis (Pityriasis rubra), von Walter G. Smith. 
Der Vortragende hat sich hinsichtlich des in Bede stehenden Themas folgende Fragen 
zur Beantwortung vorgelegt: 1. Welche krankhaften Zustände kann man unter dem 
Namen der „allgemeinen exfoliativen Dermatitis“ (Pityriasis rubra) zusammenfassen? 
2. Soll die Bezeichnung lediglich aus Bequemlichkeitsgründen beibehalten werden 
oder ist sie der Name für eine ganz gesonderte Krankheit? 3. Was wissen wir über 
ihre Ätiologie und Pathologie ? 4. Giebt es besondere Indikationen für die Behandlung? 
Ist Arsenik nützlich oder nachteilig? 

Betrachtet man die Geschichte dieser Affektion, seitdem Devbrgie vor mehr als 
40 Jahren sie als besondere Krankheit aufgestellt hat, so kann man drei Phasen 
unterscheiden: a) Die erste, oder die Periode Drveroie-Hebra, wo die Affektion als 
eine eigentümliche, primäre Hauterkrankung beschrieben wurde; b) die zweite, oder 
die Periode Baxter, wo Buchanan Baxter im Brit. med. Joum. 1879 unsere Kennt¬ 
nisse über die Krankheit zusamroenfafste und den Standpunkt der Frage genau klar 
legte. Er zeigte, dafs die exfoliative Dermatitis sowohl primär als auch sekundär 
auftreten kann und wies ihre Verwandtschaft mit einigen anderen Hautaffektionen 
nach, c) Wir befinden uns jetzt im dritten Stadium, in welchem wir all unser Wissen 
über die Krankheit einer Revision unterziehen. In der Sucht, der Dermatitis exfolia¬ 
tiva ähnliche Zustände genau zu bezeichnen und zu klassifizieren, sind zahllose Syno¬ 
nyma entstanden, welche weniger Klarheit aber desto mehr Verwirrung in die Frage 
gebracht haben. — Nach den Beschreibungen der verschiedenen Beobachter sind die 
hauptsächlichsten Merkmale der Dermatitis exfoliativa folgende: 1. Die Neigung 
rapide universell zu werden. 2. Intensive lebhafte Böte mit nur geringer Infiltration 
nnd Verdickung. 3. Freie Desquamation von Schuppen ohne Krustenbildung. 
4. Häufig fortschreitende Verschlechterung des Allgemeinbefindens, die schlieüdiob 
zum Tode führen kann. 5. Neigung zu Rückfällen. 6. Widerstandsfähigkeit gegen 
die Behandlung. — Neben diesen wesentlichsten charakteristischen Merkmalen, welche 
jedoch vielfach Abweichungen aufweisen können, finden sich in der Litteratur zahl* 
reiche im Zusammenhang mit der Krankheit beschriebene Erscheinungen vor, so 
intensives Jucken, Gelenkschmerzen etc. — Man braucht nicht so weit zu gehen wie 
Schwimmer, welcher die Bezeichnung „exfoliative Dermatitis“ als eine „Verlegen* 
heitsdiagnose“ ansah. Eine ganz bestimmte Grenze zwischen einem akuten, 
universellen Ekzem — und vielleicht auch einer Psoriasis — und einer Dermatitis exfolis* 
tiva läfst sich bis jetzt nicht ziehen. — Der Vortragende schliefst mit dem Berichte 
über zwei von ihm behandelte Fälle. 

Diskussion. J. F. Patne erinnert an den auf dem III. internationalen Derma¬ 
tologen - Kongresse von C. Fox demonstrierten Fall von Dermatitis herpetifonnis. 


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151 


Derselbe Patient sei vorher von ihm behandelt worden and hätte damals die typi 
sehen Symptome einer allgemeinen exfoliativen Dermatitis gezeigt. 

Gallowat ist geneigt, die Bezeichnung „allgemeine exfoliative Dermatitis" als 
einen bequemen Namen für eine Anzahl von Krankheiten anzusehen, die sich zwar 
in vielen Punkten ähnlich sind, jedoch hinsichtlich der Ätiologie weit aaseinander¬ 
gehen. Er schlage der Bequemlichkeit halber folgende Klassifikation vor: 1. Kon¬ 
genitale Fälle: a) primäre, bei denen die Exfoliation ohne sichtbare primäre Läsionen 
sofort einsetzt; b) sekundäre, wo sie im Anschlufs an irgend eine andere kongenitale 
Krankheit auftritt. 2. Sekundäre Fälle: Dieselben entstehen im Gefolge gewisser 
chronischer Hauterkrankungen. 3. Primäre Fälle vom HsBBAschen Typus. 

C. Fox sucht bei allen Fällen, die in seine Behandlung kommen, naoh irgend 
einer wohlbekannten persistierenden Hautkrankheit, wie Psoriasis, Lichen ruber planus, 
Pityriasis rabra pilaris, Ekzem etc. Er gehe dabei von der Idee aus, dafs eine all¬ 
gemeine Toxämie von relativ gutartigem Charakter in solchen Fällen auftrete, welche 
bisweilen zu Arthropathien führe, in anderen, vulnerablen Fällen jedoch eine uni¬ 
verselle Ausbreitung des Ausschlages zur Folge habe. Die unter der Einwirkung 
eines Arzneigiftes zuweilen entstehende allgemeine exfoliative Dermatitis sei geeignet, 
diesen Gedanken zu stutzen. Neulich habe ein junger, an Psoriasis leidender Mann 
eine Chrysarobinsalbe in seine Haut eingerieben. Er wurde danach sehr krank, 
anämisch, fieberte, magerte ab und die ganze Körperhaut wurde erythematös gerötet 
and schuppte sich in grofsen Lamellen ab, sodafs die früher von der Psoriasis nicht 
befallenen and die psoriatischen Stellen gar nicht voneinander zu unterscheiden waren. 
Das Chrysarobin wurde ausgesetzt und in einigen Wochen war der Patient vollständig 
auch von der Psoriasis geheilt. 

R. Cbookbr möchte die alte Bezeichnung Pityriasis rubra beibehalten sehen, 
selbst wenn neue Namen theoretisch die Krankheit mehr präzisieren. Die Pityriasis 
rubra biete einen gut gekennzeichneten Symptomenkomplex dar, der sich primär oder 
auch sekundär entwickeln kann. Was die Behandlung betreffe, so verordne 
er nicht Arsenik, sondern halte den Patienten im Bette, der Ruhe und der gleich- 
mäßigen Temperatur wegen, die Haut lasse er beständig mit Öl oder mit Lassar- 
scher Paste einfetten. 

Stkphbn Mackenzie hat sehr gute Resultate von wässerigen Applikationen ge¬ 
sehen und namentlich Applikationen von folgender Lösung: Liquor, plumbi subacetici, 
Glycerini » 30,0, Aq. dest. ad 600,0. Der Patient wird in ein mit dieser Flüssigkeit 
getränktes Flanelltuch von Kopf bis Fufs eingehüllt, das Gesicht mit einer ebenfalls 
getränkten Maske bedeckt. Es gelingt auf diese Weise leicht, die Desquamation zu 
beseitigen und die Hyperämie zu mildern. Man fährt mit den Applikationen fort, bis 
die Röte verschwunden ist, sodann werden vorsichtig Fetteinreibungen gebraucht; 
sobald jedoch die Hyperämie wiederkehrt, müssen die Glycerin-Bleiwasser-Applikationen 
erneuert werden. Hierbei mufs die Vorsicht beobachtet werden, dafs der Patient 
sich nicht erkältet Er ist abo in Tücher einzuhüllen und wenn möglich im Bette 
zu halten. 

Pbinglb teilt seine Beobachtungen mit, die er an 14 Fällen gemacht hat. Einige 
Symptome, die er in diesen Fällen wahrgenommen habe, deuteten darauf hin, dafs 
wahrscheinlich Veränderungen im Centralnervensystem vielleicht toxämischen Ur¬ 
sprunges vorhanden seien, welche für das Entstehen der universellen, exfoliativen 
Dermatitis mit verantwortlich zu machen sind: 1. Die häufige Nervosität der befallenen 
Personen. 2. Die Rapidität, mit der die Krankheit sich verbreitet. 3. Das intensive 
Jucken, Schlaflosigkeit etc. 4. Die Empfindlichkeit gegen jeden Temperaturwechsel. 
5. Die bemerkenswerten Veränderungen in den Hautanhängen, in Haaren und Nägeln. 


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An der sehr regen Diskussion beteiligen sich noch die Doktoren Leslib Roberts, 
Whitfield, Evans, Ltddkll, George Pernet, Maokey and Malcolm Morris. 

C. Berliner-Aachen . 


Annales da Dermatologie at de Syphiligraphie. 

1898. Heft 10-11. 

Über die Dermatitis polymorplia dolorosa, von L. Brocq. Die vorliegende 
Abhandlung ist eine Streitschrift im guten Sinne des Wortes. Brocq greift zur Feder, 
um gelegentlich einer Erörterung in der Londoner Dermatologischen Gesellschaft über 
die Dermatitis herpetiformiB seinen abweichenden Standpunkt in dieser Frage zu be¬ 
tonen und zu verteidigen. In London war betont worden, das hervorstechendste 
Merkmal der Dermatitis herpetiformis sei die Herpetiformität der Ausschlagselemente, 
eine Ansicht, der man auch in Deutschland und Amerika zuzuneigen scheint. B. be¬ 
kämpft diese Ansicht (S. 946 ff.) auf Grund der reichen ihm zukommenden Erfahrung, 
wie er überhaupt mit guten Gründen die Bezeichnung Dermatitis herpetiformis ver¬ 
wirft und dafür den Ausdruck Dermatitis polymorpha dolorosa angewandt wissen will 
(S. 953). Den Lesern der Monatshefte dürfte gerade dieser Teil seiner Auffassung 
nicht unbekannt sein. — Ferner bemängelt B., dafs die Engländer bemüht gewesen 
sind, einem der Ihrigen, nämlich Tilbury Fox, das Verdienst zu wahren, als erster 
die Gruppe der Dermatitis herpetiformis aufgestellt zu haben. In Wirklichkeit komme 
Bazin dieses Verdienst zu, unter der Bezeichnung von Hydroa bullosa und Pemphigus 
arthriticus zuerst die durch Duhring berühmt gewordene Form beschrieben zu haben 
(S. 858). Auch in seiner Auffassung der Krankheitsgruppen, die zur Dermatitis her¬ 
petiformis zu rechnen sind, weicht er von den englischen und amerikanischen Autoren 
ab, indem er den Rahmen der Krankheit viel weiter absteckt. Des weitern giebt er 
seine schon aus früheren Referaten bekannte Klassifikation der Dermatitis herpeti¬ 
formis, die aus vier Hauptgruppen besteht, von denen die beiden ersten wieder in 
zahlreiche Unterarten auseinanderfallen. Den Schlufs bildet eine nochmalige lebhafte 
und geistreiche Verteidigung seines Standpunktes. 

Zur Histopathologie der Psoriasis, von W. J. Mukro. M. hat anscheinend 
ganz unversehrte Haut aus der Nachbarschaft von Psoriasisplaques untersucht und ist 
dabei zu einer völlig anderen Auffassung des histo-pathologischen Vorgangs gekommen. 
Seine Arbeit war eine mühsame, denn er hat 1500 Präparate, die von sechs ver¬ 
schiedenen Kranken stammten, durchmustert und immer denselben Befund vor Augen 
gehabt. Zuerst bildet sich an der Oberfläche der Epidermis eine ganz kleine Erosion, 
in der sich nach und nach eine gröfsere Anzahl von Leukocyten an sammelt. Die 
Leukocyten gelangen quer durch die Epidermis an ihren Bestimmungsort. Das erste 
Stadium der Psoriasis spielt sich also nicht irgendwo an einem inneren Teile der 
Haut, sondern unmittelbar an ihrer Oberfläche ab. Im Anschlufs an diesen primären 
Vorgang hypertrophiert nun die Homschicht und drängt den kleinen mikroskopischen 
Abscefs nach aufsen, wobei die Leukocyten absterben, ihr Protoplasma verschwindet 
und nur eine Schicht abgeplatteter Kerne zurückbleibt. Indem sich ferner derselbe 
Vorgang an denselben Punkten immer wiederholt, bilden sich untereinander 8—10 
solcher Kernschichten, die nur durch dazwischen liegende Hornlamellen voneinander 
getrennt sind; beide zusammen aber bilden die Bestandteile einer Psoriasisschuppe. 
Das Primäre bei der Psoriasis ist demnach die Bildung kleiner miliarer Abscesse; die 
Epidermis reagiert darauf mit Hyperkeratose; Einen Bacillus, dem sich die ganze 
Schuld an der Störung aufbürden liefse, konnte M. trotz sorgfältigster Untersuchung 
nicht auftreiben. Türkheim-Hamburg. 


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Anmales des malaües des Organes gönito-nriaairm. 

1898. Heft 11. 

1. Physiologie und Ausübung der Chirurgie der Harnwege, von Guyoh. 
Der Aufsatz giebt den Vortrag wieder, mit dem der berühmte Urologe die letzte 
jährliche Klinik der Krankheiten der Harnwege eröffnete. Guyon weist seine Hörer 
in eindringlicher Weise darauf hin, dafs die Kenntnis der normalen und pathologischen 
Physiologie unerläßlich ist: denn auf diese mufs sich das ganze ärztliche Thun und 
Lassen stützen. — Aus dem grofsen Gebiete der Krankheiten der Harnwege greift 
non der Verfasser einzelne Punkte heraus, um an ihnen die Bedeutung der Physiologie 
und der aus ihr gewonnenen Erfahrungen für die chirurgische Behandlung zu zeigen« 
So werden besprochen die bei verschiedenen Individuen verschieden grofse Reizbar¬ 
keit des Spincter membranosus der Urethra und die Steigerung dieser Reizbarkeit auf 
reflektorischem Wege von der Blase her; die Kenntnis dieser reflektorisch gesteigerten 
Reizbarkeit lehrt uns, den Katheter bei kontrahiertem Sphinkter nie gewaltsam ein¬ 
zufahren, sondern den Ablauf der Reizung abzuwarten. — Bei der Reizung der 
Prostatahypertrophie wird auf die Bedeutung der Kongestionszustände für die Bott» 
stehung der Retention und demzufolge auf die Wichtigkeit regelmäßiger Blasen¬ 
entleerung hingewiesen. — Bei der chirurgischen Behandlung der Blasenkrankheiten 
ist die genaue Kenntnis der Kontraktilität bezw. Sensibilität der Blase gegenübet 
Berührungen und 8pannungszuständen von größter Wichtigkeit; auf Grund dieser 
Kenntnisse ist es möglich, bei Manipulationen und Operationen an der Blase durch 
entsprechende Maßnahmen Kontraktionen zu vermeiden. — In gleicher Weise ab*- 
hängig von der Physiologie ist die Behandlung der Nierenkrankheiten. Insbesondere 
erklärt die normale und pathologische Physiologie die Wirkungen, welche Manipu¬ 
lationen an der Blase, der Urethra auf bestehende Nierenkrankheiten haben. Die 
Kenntnis der normalen und pathologischen Nierensekretion endlich lehrt, welche Ope¬ 
ration in einem gegebenen Fall angebracht ist. — Aber nicht nur, welche Eingriffe 
vorzunehmen sind, lehrt die Physiologie; sie zeigt uns auch, wie jeder Eingriff vor¬ 
zunehmen ist; sie erklärt uns alles, was wir bei einer Operation sehen und fühlen, 
und macht es uns möglich, dem Patienten viel Schmerz zu ersparen. 

2. Schmerzhafte Varicocele als Symptom von Niorengnmmata bei einem 

Hereditär-Syphilitischen, von Legeuin. Der Verfasser beobachtete bei einem 13- 
jährigen Knaben, der schon seit Monaten Schmerzen in der linken Lumbalgegend 
hatte, eine sehr große und schmerzhafte linksseitige Varicocele; gleichzeitig wurde 
Vergrößerung der unteren Hälfte der nach unten verlagerten linken Niere und am 
konvexen Rand derselben zwei höckerige Tumoren von der Größe einer kleinen Nuß 
konstatiert. Im Urin etwas Eiweiß, keine Cylinder. Die Diagnose lautete: Hereditäre 
Syphilis; Perinephritis; Varicocele infolge von Gummata der Niere. Verabreichung 
von Jodkalium und Sublimat brachte die Gummata innerhalb 14 Tage zum Ver¬ 
schwinden, die Varicocele blieb in unveränderter Größe; nur die Schmerzen an der¬ 
selben hörten auf, wahrscheinlich weil die Kompression der Nerven und Venen be¬ 
seitigt war. Götz-München. 


Giornale italiano delle malattle Teueren e della pelle. 

1898. Heß 4. 

Über die syphilitischen Gummata und ihre Abhängigkeit von Gefäfa- 
Terändenmgen, ;von L. Philippson. Diese Veränderungen sind zweierlei Art: 
Bistens erzeugt das syphilitische Virus in einem begrenzten Venennetze eine Ende- 
phlebitis, die bis zum vollständigen Verschlüsse der betroffenen Venen fuhren kann; 
Monatshefts. XXVIII. 11 


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154 


zweitens entsteht sekundär eine Veränderung des die entzündeten Venen umgrenzenden 
Gewebes in Gestalt eines Granuloms. Verfasser hat nun zuerst nachgewiesen, daß in 
der Bildung dieses Granuloms zu einem großen Teile die Fettzellen teilnehmen. Auf 
diese progressiven Ernährungsstörungen in den Geweben folgen sodann regressive in 
Gestalt einer Koagulationsnekrose, welche ihrerseits direkt unter dem Einflüsse de« 
syphilitischen Virus steht und wahrscheinlich nicht von Girkulationsstörungen abhangt 
Mit der Koagulationsnekrose hat auch das Terminalstadinm des Gummas begonnen. 

C. MüUer-Gtnf. 


Olinica dermosilllop&tica della r. Universität di Borna. 

Oktober 1898. 

Über Transplantationsyersnche von Lepra auf das Gehirn einiger Tiere, 

von Scahoa. Sämtliche zu den Experimenten verwendeten Tauben, denen Lepramaterial 
auf die Großhirnrinde (unter der Dura mater) transplantiert wurde, vertrugen die 
Operation vorzüglich, ohne die geringsten Reizersechinungen zu zeigen. 

Wirkung des Leprabacillus auf die Spinalganglien der Meerschweinchen 
und ihre Besiehung zur reizenden Wirkung chemischer Stoffe auf diese 
Ganglien, von Riatti. Einer Reihe von Meersohweinohen wurde in die Glutisal- 
gegend der einen Seite Lepramaterial injiziert und auf der entsprechenden anderen 
eine Losung von Argentum nitricum. Sodann wurden die betreffenden Nerven* und 
die zugehörenden Spinalganglien mikroskopisch untersucht. Es wurden hierbei Reiz* 
erscheinungen nur auf der Seite konstatiert, wo das Caustioum eingewirkt hatte, und 
zwar in dem perig&nglionären Gewebe. Die Veränderungen fehlten auf der anderen 
Seite. C. MÜBer-Genf. 


Journal of cutaneous and genito-urinary diseases. 

Dezember 1898. 

L Ätiologie und Pathologie der Tuberkulose der Blase, von W. M. L 

CoPLiN-Philadelphia. Der Verfasser hat seinen sehr eingehenden Betrachtungen über 
die Blasentuberkulose einen zur Sektion gelangten Fall zu Grunde gelegt, der einen 
23jährigen Schneider betraf. Der Patient war an einer Pneumonie gestorben, nachdem 
er zuvor längere Zeit hindurch an Blasenbeschwerden gelitten hatte, die angeblich 
von Blasensteinen hergerührt haben sollten. Da er messerscheu war, so hatte er nie 
deswegen einen Arzt konsultiert und erst wenige Tage vor seinem Tode ärztliche 
Hülfe in Anspruch genommen. — Die Sektion ergab unter anderem miliare 
Tuberkulose beider Lungen. Die Blase ist kontrahiert, deren äußere Fläche 
scheinbar normal; beim Eröffnen fliefst etwas eiterhaltige Flüssigkeit heraus. Genau 
über der Mündung der Ureteren befindet sich ein rundes, von erhabenen und ver¬ 
dickten Rändern umgebenes Geschwür, das einen Durchmesser von 7 cm hatte. Der 
Grund des Geschwürs war uneben, unregelmäßig und bedeckt mit schmutziger, gelb¬ 
licher, schlapper Materie, die leicht abgekratzt werden konnte. Die Ureterenmündung 
selbst ist scheinbar normal. Um das Geschwür sieht man viele gelbliche Tuberkel, 
ebenso zahlreiche auch in der Mucosa. Beide Geschwüre sind von einer geröteten 
Zone umgeben, in deren Nähe sich viele, reich verzweigte Blutgefäfse befinden. — 
Der Verfasser bespricht ausführlich zunächst die normale Struktur der Blase, zeigt, 
unter welchen Umständen es zu einer tuberkulösen Infektion kommen kann. Eins 
sehr eingehende Erörterung erfahren die Histopathologie und die krankhaften Er¬ 
scheinungen der Blase. 


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IL Symptome and Behandlung der Bl&sentuberknlose, von 0 . Hobwitz- 
Philadelphia. Die Tuberkulose der Blase kann jedes Lebensalter treffen. Die Mehr¬ 
zahl der Patienten jedoch steht im Alter zwischen 15—30 Jahren. Gewöhnlich fangt 
die Krankheit mit Erscheinungen an, die an Blasensteine erinnern. Eines der ersten 
Anzeichen der primären Blasentuberkulose ist häufiges Urinieren. Später treten 
Schmerzen ein, die mit dem Fortschreiten des Prozesses an Intensität zunehmen. Bei 
Männern wird der Schmerz gewöhnlich in der Mitte des Penis gefühlt, im Gegensätze 
zu Blasensteinen, wo der Schmerz am Orificium extern um empfunden wird. Sobald 
die Blase mehr und mehr in Mitleidenschaft gezogen ist, wird häufig die ganze ftegio 
hypogastrica schmerzhaft Hämaturie ist oft ein Prodromalsymptom der Blasen- 
tuberknloee, tritt nur in Interrallen und anfangs in geringem Grade auf. Profuse 
Hämorrhagien deuten bereits auf eine Ulceration der Blase hin. Der Urin weicht 
im Beginn nur wenig von der Norm ab, höchstens dafs von Zeit zu Zeit etwas Blut 
in ihm gefunden wird. Er reagiert sauer, so lange nur die Blasenschleimhaut allein 
entzündet ist; sobald jedoch die Entzündung auch das interstitielle Gewebe ergreift, 
was bei Ulcerationen der Blase zu geschehen pflegt, so wird der Urin ammoniakalisch 
und enthält eine beträchtliche Menge eines zähen, gelatinösen Eiters. Eiweifs im 
Urin wird mehr oder weniger von der Eitermenge and davon abhängig sein, in wie 
weit die Nieren bei der Erkrankung in Mitleidenschaft gezogen sind. Tuberkel¬ 
bacillen sind bei der tuberkulösen Cystitis nicht immer, wegen der Schwierigkeiten, 
sie zu färben, nachweisbar. Phosphaturie, Polyurie begleiten häufig die tuberkulöse 
Cystitis. Sehr wertvoll für die Diagnose, wie auch für die Frage, inwieweit Kom¬ 
plikationen von Seiten der Ureteren und Nieren bestehen, ist das Cystoskop. — Die 
Prognose ist immer eine ernste, weil die Behandlung sich meistens als erfolglos 
erweist. Abgesehen von diätetischen und hygienischen Maßnahmen hat Verfasser mit 
Guajakol und Kreosot relativ günstige Resultate erzielt. Von Antisepticis, welche 
innerlioh gegen die eiterige Cystitis in Betracht kommen, erwähnt Verfasser als be¬ 
sonders wertvoll das Salol. Doch soll dieses wie ähnliche andere nicht verordnet 
werden, sobald irgendwelche Komplikationen seitens der Nieren vorhanden sind a 
Mit der lokalen Behandlung der Blase soll man bei der tuberkulösen Cystitis sehr 
vorsichtig sein. 

IIL Drei Fälle von Urticaria pigmentosa, von H. W. Stzlwa Gon-Philadelphia. 
Der Verfasser beschreibt drei Fälle, bei denen die Affektion schon in der frühesten 
Jugend zunächst mit einfachen Urticariaquaddeln begann. Viele derselben ver¬ 
schwanden, während andere ein schwach hämorrhagisches Aussehen annahmen und 
die Tendenz zu mehr oder weniger persistierender Zellinfiltration zeigten. Hals und 
Stamm waren die am stärksten befallenen Körperteile. In einem der Fälle schienen 
die Quaddeln in Bläschen überzugehen. Verfasser hat auf Grund dieser drei Fälle 
den Eindruck gewonnen, dafs die Krankheit in ihren Anfängen wesentlich eine ein¬ 
fache Urtiearia sei, und dafs die nachfolgenden Eigentümlichkeiten auf sekundäre 
Veränderungen in den einzelnen Efflorescenzen zurückzuführen seien. Eine mikro¬ 
skopische Untersuchung ist in keinem der drei Fälle vorgenommen worden. 

IV. Totale Exstirpation der Prostata and Resektion der Blase wegen 
bösartiger Erkrankung derselben, von E. Fullml- New York. Der Fall betraf 
einen 69jährigen Mann, der über intensiven Harndrang klagte. Die Untersuchung 
per Rectum ergab bedeutende Vergrößerung der Prostata. Dieselbe war fest, glatt 
und zeigte beim Betasten alle Merkmale der senilen Hypertrophie. Verfasser nahm 
unter Beobachtung aller Vorsichtsmafsregeln die obenerwähnte Operation vor. Der 
Erfolg war ein ausgezeichneter. Nach Verlauf von vier Wochen konnte der Patient, 
befreit von allen Harnbeschwerden, aus dem Hospital entlassen werden. Es trat 

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vollständige Heilung ein, die auch in der Folgezeit angehalten hat. Die Ton Dr. Bioozs 
vorgeno m m e ne histologische Untersuchung des exstirpierten Gewebes ergab folgenden 
Befund: Das Ton der Prostata entfernte Gewebe bestand hauptsächlich aus sarkomt- 
tosen Elementen des grofsen, runden Spindelzellentypus. Die Diagnose lautete auf 
sarkoma-oarcmomatoeen Tumor der Prostata. — Verfasser beschreibt noch einen 
■weiten, ebenfalls erfolgreich operierten Fall von malignem Tumor der Prostata. 

C. Berliner-Aachen. 


jeö^erbefpredjttttgen. 

Das Becken, topographisch-anatomisch dargestellt mit besonderer Berücksichtigung 
der Chirurgie und Gynäkologie, von W. Waldbtsb. Mit 153 Abbildungen. (Bonn, 1899. 
F. Cohen.) Dieses in der deutschen Litteratur einzig dastehende Werk über die topo¬ 
graphische Anatomie des Beckens ist berufen, ein unentbehrliches Buch für jeden so 
werden, der sich mit den äufserst verwickelten topographischen Verhältnissen der inneren 
und äufseren Beckenorgane (Genitalia selbstverständlich mit einbegriffen) näher zu 
beschäftigen hat. Es wendet sich in erster Linie an den Chirurgen und Gynäkologen, 
aber auch für den Andrologen und Dermatologen enthält es eine Fülle von Daten, 
die man in anderen spezi&listischen Werken vergeblich suchen wird. Der Verfasser 
hat sein Material in freigebigster Weise bearbeitet, indem er neben den rein ana¬ 
tomisch-chirurgischen Kapiteln auch anthropologisch-ethnographische, physiologische, 
pathologische, entwickelungsgeschichtliche und histologische Momente in reichstem 
Mafse für den Ausbau des Ganzen verwertet hat. Man kann sagen, dafs keine einzige 
wesentliche Thatsache aus dem Gebiete der Pathologie in diesem Kapitalwerk un¬ 
erwähnt geblieben ist. Dadurch erlangt das Buch die Bedeutung einer Enzyklopädie 
für alle Fragen, die mit den Beckenorganen im Zusammenhang stehen, und mnfs 
daher auch dem Dermatologen bezw. Andrologen ein willkommenes Nachschlagebuch 
werden. Die klare Übersichtlichkeit, scharfe Gliederung, tadellose Darstellung des 
Stoffes ist besonders hervorzuheben. Die Fülle der aufs genaueste citierten litterari- 
■sehen Quellen erhöht den Wert des Werkes für Spezialstudien. Die herrlichen, zum 
^rölsten Teil originellen, meist farbigen Abbildungen sind von wunderbarer Plastizität. 
Der Index ist sehr sorgfältig ausgearbeitet, was bei einem derartigen Werke sehr ini 
Gewicht fällt. Für die Dermatologen und Uro- bezw. Andrologen haben neben den 
über allgemeine Verhältnisse handelnden Abschnitten folgende Kapitel besonderes 
Interesse: 1. Über die Weichgebilde der Beckenwand (Aufsenhaut, Hautgefäfse und 
Nerven, Behaarung, Pathologie der Beckenhaut); 2. über die Beckenwandungen nach 
den einzelnen Gegenden (Kreuzbein, Gesäfs, Hüfte, Leiste, Darom, Urogenital- und 
Anal- sowie Schofsgegend); 3. über Rectum und Anus und 4. über Harn- und Ge¬ 
schlechtsorgane bei beiden Geschlechtern. Das uropoetische System und die Geschlechts¬ 
organe sind sehr eingehend behandelt. Alles in allem kann das Werk Waldeters 
als ein klassisches bezeichnet werden, das die Bibliothek eines jeden Spezialisten 
wesentlich bereichern wird. Sack-Heidelberg. 

Jahresbericht über die Fortschritte in der Lehre von den pathogenen 
Mikroorganismen, umfassend Bakterien, Pilse und Protosoen, hemusgegeben 
▼on P. von Baumoartkn und F. Tangl. XII. Jahrgang. 1896. (Brannschweig, 1898. 


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Harald Brnlm.) Dem rapiden Wachstum der bakteriologischen Litteratnr entspricht 
auch die stete Dickenzunahme der BauxoABTENschen Jahresberichte. Ein sehr statt¬ 
licher, 896 Seiten umfassender Band giebt den Inhalt der entsprechenden Litteratnr 
des Jahres 1896 wieder, eine Frneht fleifsiger Arbeit der Herausgeber und ihres fast 
uaveräadert gebliebenen Mitarbeiterstabes. Bin besonderes, freundliches Geleitwort 
braucht man dem Werke nicht zu geben, es fuhrt sich selbst ein und wird gleich 
•einen Vorgingern ein treuer Ratgeber medizinischer Forscher werden. 

Jesmer- Königsberg t. Pr. 

Über Oarate in Oolnmbien, von Montoya y Florbz. (Paris, 1898. Jouve k 
Bojen.) Ausführliche Monographie einer eigentümlichen, Oarate genannten Dermatose 
die wahrscheinlich yon schwarzen Sklaven aus Afrika nach Amerika eingesohleppt, 
in sumpfigen und feuchten Gegenden mit einer Mitteltemperatur von 18—30° C. 
endemisch, in Columbien sehr häufig ist. Die Affektion ist charakterisiert durch das 
Auftreten verschieden gefärbter Flecken auf der Haut. Die verschiedenen Farben- 
▼arietaten sind nach ihrer Frequenz folgende: 1. Violetter Carate mit den Nuancen 
rötlich, bläulich, grau, braun; 2. veilchenblau-schwarz und schwarz-grau; 3. rot; 
4. blau mit der Nuance blau-grün; 5. gelb; 6. schwarz; 7. weifs. Gewöhnlich finden 
sich an einem Kranken nur Flecken von einer Farbe, manchmal aber finden sich 
auch verschiedene Farbenvarietäten an einem und demselben Individuum. Die 
Krankheit beginnt ohne jede Störung des Allgemeinfindens. Der Verlauf ist enorm 
chronisch, gewöhnlich besteht die Krankheit, so lange der Träger lebt. Die Flecken 
haben ganz unregelmäßige Form, die ersten Flecken treten gewöhnlich an den un¬ 
bedeckten Teilen des Körpers auf. Die ersten vier der genannten Farben Varietäten 
sind mit Schuppenbildung, starkem Pruritus und Hyperkeratose verbunden; bei den 
letzten drei Varietäten stellen die farbigen Flecken das einzige Sympton dar, es 
handelt sich also bei diesen mehr um eine Pigmentanomalie (parasitäre Leukodermie) 
als um eine Eirankheit. 

Der Carate gehört nach den Untersuchungen des Verfassers zu den Dermato¬ 
mykosen und zwar wird er hervorgerufen durch Aspergillen verschiedener Art, die 
bei der mikroskopischen Untersuchung der Epidermisschuppen stets mit Leichtigkeit 
gefunden werden. Jede Farbenvarietät wird durch eine besondere Aspergillusart, 
die eine der Farbe der Flecken entsprechende Farbe hat, hervorgerufen. Die Sporen 
dieser Pilze werden durch Mosquitos und Wanzen den Menschen eingeimpft. Direkt 
ansteckend ist die Krankheit — entgegen der allgemeinen Ansicht — nicht. Keine 
Basse ist immun gegen Carate; jedoch sind die Europäer, sowie Individuen, die 
reines Blut haben, weniger empfänglich als Mischlinge. 

Die unter dem Namen Pinto beschriebene, in Mexiko sehr häufige Hautkrankheit, 
die mehrfach für identisch mit Carate gehalten wurde, ist von diesem vollkommen 
verschieden, gehört aber nach Ansicht des Verfassers mit Carate, Favus und Herpes 
tonsurans in ein und dieselbs Krankheitsklasse (Dermatomykosen). 

Von großem Interesse sind die beobachteten Spontanheilungen. Violetter Car 
rate verschwindet, wenn der Kranke eine länger dauernde fieberhafte Krankheit, 
z. B. Variola durohmacht Die Ursache einer solchen Spontanheilung ist zweifellos 
dis starke Entwickelung und die Aktivität der sapropbytischen Bakterien der Haut 
bei fieberhaften Krankheiten. — Da die Krankheit (mit Unreoht) für sehr ansteckend 
gilt, werden die Caratösen von den Gesunden strenge gemieden. Dies erklärt den 
verbitterten Gemütszustand und den Jähzorn, der allen Karatösen eigen ist — 
Während vollkommen ausgebildete Fälle unheilbar sind, sind die Anfangs- und Früh¬ 
stadien ziemlich leicht heilbar. Der Verfasser ist überdies der Ansicht, dafs durch 


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prophylaktisch angewandte hygienische Mafsnahmen die Krankheit vollständig zum 
Verschwinden gebracht werden könnte. Götz-München. 

Die Senaibilitätsstörimgen der Haut bei Visceralerkrankungen, von Hehbt 
Hbad. Deutsch herausgegeben von Wilhelm Sbiffbr. Mit einem Vorwort von Hitzig. 
(Berlin, 1898. August Hirschwald.) Die Aufgabe des vorliegenden Werkes ist, die 
bestimmten Organerkrankungen zukommenden hyperästhetischen Hautanomalien fest- 
sustellen. Dabei ergab es sich, dafs dieselben sich stets in bestimmten Grenzen 
hielten, den einzelnen Visceralaffektionen bestimmte Zonen von Hauthyperästbesie 
entsprachen, die wiederum sich mit den Ausbreitungsgebieten des Herpes zoster 
deckten. Verfasser begnügt sich aber nicht mit der einfachen topographischen Fest¬ 
stellung, er versucht auch die Zonen mit den anatomisch resp. physiologisch fest¬ 
gestellten Venenbezirken in Einklang zu bringen. Die Untersuchung wurde in sehr 
einfacher Weise durch Aufhebung von Hautfalten oder durch den Knopf einer Steck¬ 
nadel vorgenommen. Betritt man den hyperästhetischen Bezirk, dann wird die Be¬ 
rührung des Knopfes unangenehm oder direkt schmerzhaft empfunden. Eine andere 
Methode ist die Berührung mit heißen oder kalten Gegenständen. Im Gebiete der 
hyperalgetischen Zone ist auch stets eine Steigerung der Reflexe nachweisbar. Nicht 
die ganze Zone ist gleich überempfindlich, innerhalb derselben sind stets einzelne, 
besonders schmerzhafte Punkte zu finden. So einfach die Sache erscheint, ergaben 
sich doch mancherlei Schwierigkeiten, welche die Untersuchung sicher zu einer un¬ 
geheuer mühsamen machten. Verfasser schildert nun an der Hand von Krankheits- 
geschichten eingehend die verschiedenen Zonen der Hyperästhesie, vergleicht sie mit 
den Herpesgebieten und erörtert ihren Zusammenhang mit den Erkrankungen der 
verschiedenen Organe. Nicht weniger als 124 Holzschnitte erläutern die Befunde. 
Natürlich kann hier nicht genauer auf die in dem umfangreichen Buche niedergelegteu 
Einzelheiten eingegangen werden. Dasselbe will studiert sein. Jedenfalls ist aber der 
Diagnostik hier wiederum auf der Haut ein neues Forschungsgebiet eröffnet. Es bleibt 
abzuwarten, inwieweit weitere Forscher die Resultate und Theorien des Verfassen 
werden bestätigen. Das Verdienst, den neuen Weg mit grofser Ausdauer betreten 
und verfolgt zu haben, wird niemand ihm nehmen. Jesmer-Königsberg t. 2Y. 


iMitteilunge« ans ber litteratnr. 

Blennorrhoe und Komplikationen. 

Was antwortet der Arzt dem heiratswilligen Blennorrhoiker, von E. Kro- 
mayer. {Münch, med. Wochenschr. 1898. No. 24.) Der Verfasser polemisiert gegen 
den Standpunkt Neissbrs, dafs wiederholte Untersuchungen auf Gonokokken mit 
negativem Befunde die Nichtinfektiosität einer noch vorhandenen Schlei mhautsekretion 
sicher beweisen. Seiner Überzeugung nach können diese Untersuchungen, auch wenn 
sie im einzelnen Falle in grofser Anzahl angeführt werden, nur einen Wahrschein* 
lichkeitsbeweis für die Nichtinfektiosität erbringen, und zwar liefert der Verfasser auf 
Grund grofser Berechnungen den Nachweis, dafs diese Wahrscheinlichkeit für den 
einzelnen Fall eine verhältnismäfsig sehr geringe ist. Auch seine zahlreichen prak¬ 
tischen Erfahrungen beweisen, dafs trotz wiederholter Untersuchungen mit negativem 
Befund in den meisten Fällen die Infektiosität der Sekretion fortbesteht. Der Arzt 


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169 


tollte daher niemals auf Grund negativen Gonokokkenbefundes den Heiratskonsens 
geben, d. h. die Verantwortung dafür übernehmen, d&fs der Tripper nioht mehr in- 
ektiös sei. Der Arzt mufs vielmehr dem Patienten klarlegen, dafs er trotz negativen 
Gonokokkenbefundes die ohrouisohe Entzündung der Harnröhre bis zur wirklichen 
Heilung und Beseitigung aller Symptome behandeln lassen mufs. Ist es nicht ge¬ 
lungen, den Tripper vollständig zu heilen, oder will sich der Heiratswillige keiner 
Behandlung mehr unterziehen, so hat der Arzt ihm den Sachverhalt zu schildern 
und ihm Entscheidung und Verantwortung zu überlassen. Entscheidet sich der 
Patient zur Heirat, so mufs ihm der Arzt dringend raten, sich als infektionsfäbig zu 
betrachten und folgende Vorsichtsmaßregeln zu beobachten: 1. vor jedem Coitus zu 
urinieren; 2. den Coitus womöglich nur einmal im Verlaufe eines Tages auszuführen; 
3. nie den Coitus zweimal direkt nacheinander zu vollziehen, da sonst der erste 
eventuell mit Gonokokken vermischte Samenerguß durch die Friktionen des zweiten 
Coitus in engste Berührung mit Harnröhre und Cervikalkanal kommt; 4. im Falle 
der Coitus in kürzerer Zeit als ein Tag wiederholt wird, die Frau eine reichliche 
Scheidenausspülong vornehmen zu lassen; solche sind überhaupt thunlichst häufig zu 
machen. — Das Dogma vom beweisenden Werte des negativen Gonokokkenbefundes 
sollte bei Ärzten und Laien verschwinden; denn auf Grund des negativen Befundes 
wird nur zu oft die Behandlung eingestellt, weil der Zweck derselben, die Ver¬ 
nichtung der Gonokokken, angeblich erreicht ist; so wird die wirkliche Heilung des 
Trippers direkt verhindert. Golz-München. 

Die Züchtung des Gonococcus, von BusoH-Buffalo. (Med. News, 2. April 1898.) 
Der Autor geht die Züohtnngsversuche durch seit Entdeckung des Gonococcus durch 
Nei88br im Jahre 1879 und der erfolgreichen ersten Impfung mit Blennorrhoe durch 
Bumm aus einer Kultur der zwanzigsten Generation auf menschlichem Blutsserum. 
Hier hielt sich der Coccus nur beschränkt lange und mußte oft abgeimpft werden. 
Schröter und Winkler verwendeten Kiebitzeiweiß (1890), Anfuso züchtete den 
Gonococcus 1891 auf blennorrhoischer Hydarthrosflüssigkeit mit Erfolg, dasselbe gilt 
bei Finger, Ghon und Schlagenhaufer für Harnagar (1894). Kurz darauf hat Turbo 
den Trippererreger auf saurer Bouillonpeptongelatine rein gezüchtet; nach Finger 
haben wir es aber bei diesen Versuchen nioht mit Neisskrs Kokken zu thun. Bockhart 
gebrauchte eine Blutserumgelatinemischung, Wbrtheim Blutsemmagar mit Platten- 
gu&veriahren nach Bockharts Vorgang. WRiGHT-Boston bediente sich mit Erfolg 
einer Mischung von sterilem Urin (1), Serum (1) und Agar-Agar (2), Heimann-Now 
York benutzte eine Mischung von Pleuritisflüssigkeit und Agar. Letztere Methode 
unterzog Verfasser einer eingehenden Nachprüfung. Die Medien müssen aufs sorg¬ 
fältigste sterilisiert werden und neutral reagieren. Busch bestätigt die Resultate 
Humanes. Als beweisend betrachtet er das Verhalten seiner Diplokokken gegenüber 
der GaAMschen Methode, Impfbeweise bringt er nicht bei. 

Eugen Hopf-Dresden. 

Über den forensischen Wert der Gonokokken-Differenzierung durch mi¬ 
kroskopische Untersuchung, besonders bei Vulvovaginitis kleiner Mädchen, 

von Steinsohnei der. (Äretl Sachverst.-Ztg. 1898. No. 6.) Findet man in einem aus 
den Genitalien stammenden Sekret Diplokokken von typischer Kaffeebohnenform, 
meistens eingeschlossen in Leukocyten, die sich nach Gram entiärben, so kann mau 
ne mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit als Gonokokken bezeichnen. 
Diesen Standpunkt vertritt der Verfasser gegenüber denen, welche nur das Kultur¬ 
verfahren als Entscheidungsinstanz gelten lassen wollen. Zahllose Untersuchungen 
käsen dem Verfasser keinen Zweitel über die Richtigkeit seines Standpunktes. Die 


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fitanrohe Methode übt er folgendermaieen: Objekttrsgerpräparat 26 —90 Minuten in 
koncentrierter Anilingen tian a viele tt 1 ösung, ab spülen, 5 Minuten in J odkaliumlösuag, 
bnr zur Entfärbung in Alkohol tauchen, nachfärben mit CnnPLnwfezischer Foehan- 
lösung (1,0 Fuchsin mit 6,0 leid, carbol. liquef. innig verrieben, dazu 50,0 6^em 
und 100,0 gekochtee, destilliertes Wasser; diese Stammlösong mit der neunfachen 
Menge Wasser verdünnt). Verfasser ist seiner Ansicht so sicher, dafs er such für 
forensische Untersuchungen die mikroskopische Prüfung für ausreichend halt. 

Jssener-Königsberg t. Pr. 

Über das Vorhandensein des KEiBsraechen Dtpleeeecns in den vereiterten 
Leistendrüsen bei Blennorrhoe, von Colohtbini. (Rif. med . Jan. 1899). Nach den 
Untersnchungen des Verfassers mufs dem Nsisssitschen Gonococcus, in einselnen 
Füllen wenigstens, eine wahre pyogene Wirkung zuerkannt werden. Zuweilen können 
Sieh ihm noch andere eitererregende Keime anschliefsen und ihn auch gänzlich ver¬ 
drängen, sodalk man ihn weder mikroskopisch noch bakteriologisch nachweisen kann. | 
Wo man gar keine Mikroorganismen konstatieren kann, mufs angenommen werden, 
dafs der Oonococcus bereits in Involution begriffen ist und seine Lebensfähigkeit | 
eingebüfet hat. Die Phagocytose tritt bei der Blennorrhoe ziemlich rasch ein, wahr¬ 
scheinlich, weil der Gonococcns meist im Zellprotoplasma lokalisiert ist. 

C. MüUer-Genf. 

Bemerkungen zur Blexworrhoea muliebris, von Fürst. (Dtschc.Medmnaktg. 
1898. No. 15.) Der Verfasser bespricht die Diagnose der Blennorrhoe beim Weihe 
in Bezug auf die einzelnen Teile des Urogenitalapparates und weist auf die Behand¬ 
lung mit Protargol hin, die er in den Therapeutischen Monatsheften ausführlich 
schildert. Götz-München. 

Zur Behandlung der weiblichen Blennorrhoe, von Fürst. ( Therap . Monatsh. 
1898. Heft 4.) Der Verfasser hat 36 Fälle von Blennorrhoe beim Weibe (wie ei 
wohl richtiger hielse, anstatt des miserablen Ausdrucks „weibliche Blennorrhoe") mit 
Protargollösungen und zwar in ziemlich komplizierter Weise behandelt und war mit 
dem Erfolg in hohem Grade zufrieden: es wurde fast ausnahmslos in 3 —4 Wochen 
Heilung erzielt, die man, wie der Verfasser sagt, als definitiv betrachten kann. Ans 
den gemachten Beobachtungen werden folgende Schlüsse gezogen: 1. In der Behand¬ 
lung der „weiblichen“ Blennorrhoe des Urogenitalgebietes, zumal in den akuten und 
subakuten Formen, ist das Protargol von entschiedenem Nutzen und von grofserem 
Vorteil als die bisherigen Behandlungsmethoden. 2. Bei streng systematischer An¬ 
wendung tilgt es in kürzester Zeit die spezifischen Kokken, ohne zu reizen. 3. Bei 
Cervikalblennorrhoe ist stets aus prophylaktischen Gründen die Protargolbehandlnng 
auch auf die Uterinhöhle auszudehnen. 4. Eine gründliche, recidivfreie Hefitmg 
blennorrhoischer Prozesse ist nur in klinischer Behandlung unter Sicherung absoluter 
Buhe und Abstinenz der betreffenden Teile durchführbar, dann aber in 3 Wochen 
mit grofser Sicherheit (?) zu erreichen. 5. Beim Bestehen einer Salpingitis blennor- 
rhoica kann da» Protargol die sonstige, speziell operative Behandlung nicht ersetzen. 

6c Salpingitis blennorrhoioa ist durch rechtzeitige Protargolfeehandfang häufig zu ver¬ 
hüten; Goto* München. 

Zw Frage 4er Proetftnierten-Bleimorrhon, von Bruck. (Attg. med. CentrM§- 
1898. Not. 16.) Der Verfasser wendet sich gegen Bshrkkd, den Leiter der Statist 
fär Geschlechtskranke kn Berliner städtisches Obdach, der die mikroskopische Unter- 
raehung auf Gonokokken bei den Prostituierte» für entbehrlich, sogar für unzwech- 
asäfsig erklärt, weil nach einem richterlichen Urteil der negative mikroskopisch* 


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Befand) wegen nicht erwiesener Ansteckungsgefahr zum Abbruch der Behandlung un4 
Entlassung aus dem Erankenhause verpflichtet. Demgegenüber betont Bbuck mit 
Recht* dafs dieses Urteil vom medizinischen Standpunkte aus als richtig nicht an¬ 
erkannt werden kann. Es mufs daran festgehalten werden, dafs bei Blennorrhoe die 
mikroskopische Untersuchung in der ersten Reihe der diagnostischen Hilfemittel steht. 

Gröti-Mimchen. 

Sollen die Prostituierten auf Blennorrhoe untersucht und behandelt 
werden?, von Blaschko. (Nach AUg. med . CentrdUtg. 1898. No. 46.) Der Verfasser 
stellt fest, dafs die ganze Reglementierung der Prostituierten in Preufeen (wohl auch 
in ganz Deutschland. Ref.) jeglicher gesetzlicher Grundlage entbehrt, dafs das ganze 
Verfahren der zwangsweisen Untersuchung und Behandlung der Prostituierten un¬ 
gesetzlich ist. Er hält es daher mit Recht für dringend notwendig, gesetzliche Be¬ 
stimmungen über die Prostituiertenbehandlung herbeizuführen, sei es in Form eines 
Allgemeinen Seuchengesetzes, sei es in Form eines Spezialgesetzes über die Bekämpfung 
der venerischen Krankheiten. — Nach den Zusammenstellungen des Verfassers machen 
die akuten Blennorrhoen bei den Männern 65—75°/» aller Geschlechtskrankheiten 
aus, während bei den Prostituierten in Berlin nur in 22 °/o aller behandelten Ge¬ 
schlechtskrankheiten Blennorrhoe konstatiert wurde. In der That ist aber Blennor¬ 
rhoe bei Prostituierten mindestens ebenso häufig wie bei den Männern, es wird jedoch 
nur ein Bruchteil der blennorrhoisch infizierten Prostituierten als erkrankt befunden und 
dem Krankenhaus zugewiesen. Wenn also nur ein kleiner Teil der blennorrhoisch er¬ 
krankten Prostituierten als blennorrhoisch erkannt und behandelt und von diesem 
kleinen Teil wieder nur ein Bruchteil geheilt wird, dann ist natürlich der Wert der 
ganzen jetzt üblichen Blennorrhoebehandlung bei Prostituierten vollkommen illusorisch. 
In der That ergeben die Journale einer 180000 Mitglieder umfassenden kaufmänni¬ 
schen Krankenkasse, dafs für die Frequenz der Blennorrhoe bei Männern die Blen- 
norrhoebehandlung der Prostituierten, wie sie jetzt üblich ist, vollkommen gleichgültig 
erscheint. Der Wert der Gonokokkenuntersuchung ist in Bezug auf Diagnose unbe¬ 
streitbar; mit der Einführung der bakteriologischen Untersuchung steigt die Zahl 
der als blennorrhoisch infiziert erkannten Prostituierten ganz enorm an, wie es z. B. 
für Stuttgart Hammer statistisch nachweist. Über die therapeutischen Erfolge teilt 
Hammer mit, dafs ein Teil wirklich geheilt wurde, ein Teil immer wieder recidivierte 
und dafe hei einem Teiie. insbesondere bei Cervikalblennorrhoen, weder die Gono¬ 
kokken noch die klinischen Erscheinungen beseitigt werden konnten. Hammer ist 
daher der Ansicht, dafs das heute übliche Verfahren der Behandlung der Prostituierten 
durch die Resultate nicht gerechtfertigt ist, und dies umsoweniger, als die eingehende 
Untersuchung und Behandlung der Prostituierten in Stuttgart auf die Zahl der Er¬ 
krankungen der Männer an Blennorrhoe absolut keinen Einflufe hat. Trotzdem er¬ 
scheint es dem Verfasser möglich, wenigstens palliativ vorzugehen. Wenn bei der 
so grofeen Zahl von tripperkranken Prostituierten nicht jeder Mann nach jedem ge¬ 
schlechtlichen Verkehr blennorrhoisch infiziert wird, so liegt das einmal daran, dafe 
<fas Sekret hei chronischer Blennorrhoe oft lange Zeit arm an Gonokokken oder auch 
ganz frei davon ist, und insbesondere daran, dafs die Prostituierten im Krankenhaus 
zur Reinlichkeit erzogen wurden, dafs sie aus diesem die Gewohnheit mitnehmen, 
täglich eine Scheidenausspülnng zu machen. Daher sind auch die jungen Prosti¬ 
t u ie rten, die noch nioht im Krankenhaus waren, hinsichtlich der Ansteckungstähigkeit 
am gefährlichste d. Der Verfasser schlägt daher vor, aus der Kontrolle eine Art 
oUigafterieehe Poliklinik zu machen, in der die Prostituierten Vorschriften bezüglich 
der Reinlichkeit und der Körperpflege bekommen, in der Ausspülungen gemacht, 
Tampene eingelegt nnd Medikamente unentgeltlich verabfolgt werden. Der klinischen 


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Behandlung sind rfur diejenigen zn überweisen, bei denen profaser eitriger Katarrh 
besteht; die Prostituierten mit chronischer Blennorrhoe, die als geheilt oder gebessert 
ent las senen, sowie die gelegentlich angegriffenen sind nur auf die Notwendigkeit der 
Scheidenausspnlungen möglichst vor und nach jedem Coitus aufmerksam zu machen. 
Da die Angst vor dem Krankenhaus wegfallt, werden die Prostituierten diese Kon- 
trollpoliklinik gerne aufsuchen. Dazu mufs aber unbedingt die Bekämpfung der 
Blennorrhoe der Männer kommen. Die geschlechtskranken Kassenmitglieder mümen 
wie andere Kranke Krankengeld bekommen, den Kassenärzten muß ein gewisses 
Aufsicht*- und Bestimmungsrecht und außer der Behandlung noch eine weitere Kon¬ 
trolle über die geschlechtskranken Mitglieder eingeräumt werden. Endlich mufs das 
Krankenkassengesetz bezüglich der venerischen Krankheiten auf weitere Bevölkerung*- 
schichten, insbesondere auf die Studenten ausgedehnt werden. Götz München* 

Über die Behandlung der blennorrhoischen Ophthalmie der Erwachsenen, 

von Feilchenfbld. ( Dtsche . med. Wochenschr ., Therap. Beilage. 1898. No. 5.) Vor 
fasser empfiehlt die Spülungen des Conjunctivalsacks unter massageartigen Bewegungen 
der Lider nach Burchabdt bei der Coqjunotivalblennorrhoe der Erwachsenen. fr 
scheint hierbei das Hauptgewicht auf die mechanische Wirkung der 1 °/oo Argen¬ 
tumlösung zu legen. F. Hahn-Bremen. 

Ein Fall von Iritis blennorrhoica, von K. Scholtz. (Orvosi Hetüap SzemesuL 
1897. No. 2.) Der 23jährige Patient acquirierte vor 2 1 /* Jahren eine Blennorrhoe, 
welche auf Einspritzungen zwar verschwand, während dieser Zeit aber häufig red- 
di vierte, und bei jedem Becidiv bekam er bald in dem einen, bald in dem änderet 
Oelenke Schwellungen. Bei dem letzten Becidiv bekam er eine Woche darauf eine 
Schwellung und Schmerzen in beiden Sprunggelenken, drei Wochen darauf im rechten 
Zeigefinger. Bald darauf entwickelte sich Bötung und Schmerzhaftigkeit des linken 
Auges, vier Tage nachher auch im rechten Auge. Es stellte sich in beiden eine 
heftige Iritis ein, welche auf symptomatische Behandlung in neun Wochen heilten. 
Für den Zusammenhang der Iritis mit dem blennorrhoischen Prozesse spricht einer¬ 
seits die außerordentliche Disposition für Metastasen, die anderen konstitutionellen 
ätiologischen Momente konnten bei dem Kranken ausgeschlossen werden. Anderseits 
ist charakteristisch für die Iritis blennorrhoica die aufserordentliche Vehemenz der 
subjektiven Erscheinungen, und die Milde der objektiven Veränderungen. Es bildet 
sich in der Begel ein solch mächtiges plastisches Exsudat, wie man das bei den anderen 
Iritisformen nicht beobachten kann. Dieses Exsudat, mag es noch so massig sein 
pflegt in der Begel resorbiert zu werden, die Synechien, trotz ihrer großen Anzahl, 
zerreißen prompt auf Atropinbehandlung und die Heilung tritt ungestört ein, wie 
auch in diesem Falle. Ein anderes Charakteristikum für die Iritis blennorrhoica sind 
die häufigen Becidive. Diese Becidive treten in der Begel in derselben Zeit auf, in 
welcher der Hamröhrenausfluß ein starker wird. Während aber bei der ersten 
Iritis in der Begel nur ein seröses Exsudat gebildet wird, gehen die Becidive in 
den meisten Fällen mit plastischen Exsudaten einher. Die Behandlung der Iritis 
blennorrhoica ist gleich denen der anderen Iritisformen. 

A. Alpdr (Aschnery Budapest. 

Die blennorrhoischen Bindeh&uterkr&nkungen und deren Behandlung, 

von M. Knies. ( Samml. zwangl. Abhandl. a. d. Geb. d. AugenheiUc. Bd. I. Heft &.) 
Verfasser unterscheidet drei Arten der blennorrhoßchen Bindehauterkrankungen: 
1. Die Blennorrhoe der Neugeborenen. 2. Die Blennorrhoe des Kindesalters (haupt¬ 
sächlich bei Vulvovaginitis kleiner Mädchen). 3. Die Blennorrhoe der Erwachsenen 


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(hauptsächlich bei Blennorrhoe dee Augenkranken selber). — Die Blennorrhoea neo¬ 
natorum tritt am häufigsten am dritten Tage nach der Gebart auf, doch kommen 
nicht selten Spätinfektionen vor, während andererseits oft trotz Blennorrhoe der 
Matter eine Infektion des Neugeborenen nicht stattfindet. — Verfasser schildert dann 
die bekannten Symptome der Augenblennorrhoe der Kinder, wobei er henrorhebt, 
dafs niemals eine Spur von Follikelentwickelung zu bemerken ist. Hornhauterkran- 
knng ist etwa bei Vs bis Vs der zum Augenarzt gebrachten Fälle zu konstatieren, 
ist wahrscheinlich, auf sämtliche Fälle berechnet, noch seltener. Sie beginnt ge¬ 
wöhnlich mit Epithelyerlust in der Lidspaltenzone der Hornhaut, an die sich rasoh 
Trfibnng, geechwüriger Zufall, Perforation, hintere Synechien anschliefsen. Der vordere 
Polarster wird durch die Hornhauterkrankung bei Blennorrhoea neonatorum aus- 
tchliefslicb veranlafet und ist deshalb ein sicheres Zeichen eines in utero oder kurz 
nach der Geburt vorhanden gewesenen geschwungen Hornhautprozesses, d. h. der 
Blennorrhoe. Etwa am Ende der ersten Woche ist der Höhepunkt der Eiterung er¬ 
reicht, es erfolgt eine allmähliche Abnahme derselben. Bisweilen aber sieht man 
plötzliches Nachlassen und selbst völliges Versiegen der Eiterung. Fast ausnahmslos 
ist die Ursache hiervon eine Kinderdiarrhoe, die oft einen gefährlichen Verlauf 
nimmt und infolge des ubermälsigen Säfteverlustes sowie der Autointoxikation zum 
Auftreten sogenannter marantischer oder xerotischer Hornhautaffektionen führt. Selten 
werden Komplikationen der Blennorrhoea neonatorum beobachtet wie Dacryo- 
cystitis, Rhinitis oder Gelenkaffektionen. — Diagnostisch ist die Bemerkung des Ver¬ 
feuert wichtig, dafs jede eitrige Bindehautentzündung bei Neugeborenen 
eine Blennorrhoea neonatorum ist, aber nicht jede eitrige Bindehaut¬ 
entzündung bei Neugeborenen durch Gonokokken bedingt ist. Die 
schwersten Fälle kommen von Anfang an ohne Gonokokken vor. —Von 
den drei Methoden der Therapie, der kaustischen (Lapis mitigatus), der antiseptischen 
(Sublimat 1:1000—5000 und fast alle übrigen Antiseptica), der adstringierenden, ist 
nur die letztere für den praktischen Arzt brauchbar (Zinc. sulfur. oder sulfocarbol. 
V*—V*%), darf aber erst in Anwendung gezogen werden, sobald die Krankheit in 
du Stadium der Eiterung eingetreten ist. Im Initialstadium der Schwellung und 
des Ödems ist nichts weiter erforderlich, als das Auflegen eines feuchten Läppchens 
anf du erkrankte Auge. Mit der adstringierenden Behandlung erreicht man in 2 
bis 6 Wochen Heilung. Bei Hornhautafiektionen Einträufelung von Eserin 0,03:10,0. 
— CuEDis prophylaktische Einträufelung von 2%iger Höllensteinlösung hat sich bis¬ 
her als das beste Mittel erwiesen, die Augenblennorrhoe zu verhüten. Neuerdings 
empfiehlt Filaenkel bei Erkrankung eines Auges täglich einen Tropfen Höllenstein¬ 
lösung in du noch gesunde Auge zu träufeln. — Eine viel schwerere, aber auch 
seltenere Erkrankung ist die Infektion der Bindehaut Erwachsener mit dem Gono- 
coccu8 Neisseb, die durch Blutungen, Nekrosen und starke Schwellungen charakteri¬ 
siert ist Die Hornhaut wird sehr schnell affiziert, sodafs die Erkrankung meist eine 
viel ungünstigere Prognose bietet als die Blennorrhoe der Neugeborenen. Thera¬ 
peutisch kommen dieselben Methoden in Betracht. Verfuser sah zwei schwere Fälle 
nach Darreichung von Copaivabalsam „auffallend mild“ verlaufen, verspricht sich 
ferner sehr viel von heifsen Dauerbädern von 40° C., die auch bei anderen blennor* 
rhoiachen Erkrankungen wirksam sein sollen. I. Bloch-Berlin. 

Protargol, ein Speciflcum gegen Conjunctivitis blennorrhoica, von A. Darier- 
Paris. ( Dieophth. Klinik. 1898. No. 7.) Kein einziges Mittel gab Verfasser so günstige 
Besultate wie Protargol. Es ist reizlos, unschädlich und jeder noch so schweren 
Blennorrhoe gewachsen. Es kann sogar als Pulver rein verwandt werden. Zu 


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Touchierungen sind 20—60 %ige Lösungen zu gebrauchen, zu Einträufelungen im 
Hause eine 5%ige Lösung. Zum prophylaktischen Verfahren eignen sich 10—15*/oig» 
Lösungen. A. Strauß-Bmrmm. 

Zur Behandlung schwerer blennorrhoiseher Strikturen der Harnröhre,, 

von Goldbbbo. (Buch. Medizin alztg. 1898. No. 24.) Der Verfasser rechnet zu den 
schweren Harnröhrenverengerungen diejenigen Verengerungen, die höchstens etwa 
2 mm, Chabri£>re 8—8 weit sind und bereits zu Komplikationen Anlafa gegeben 
haben. Schwere blennorrhoische Strikturen sind stets multipel und erfordern daher, 
abgesehen von symptomatischen Mitteln, zu denen der nur eine Stelle erweiternde 
äufsere oder innere Harnröhrenschnitt gehört, als Heilmittel eine Dilatationskur. Bei 
derselben ist von größter Wichtigkeit die Durchführung strenger Asepsis. Es müssen 
die Instrumente selbstverständlich aseptisch sein, aber auch die infizierten Teile, Harn¬ 
röhre, eventuell Blase, müssen vor Beginn der Behandlung jedesmal aseptisch gemacht 
werden* Dies wird erzielt durch Spülungen der Harnröhre bezw. der Blase, die bei 
den verschiedenen Fällen in verschiedener Weise gemacht werden müssen und für 
die einzelnen Fälle genau beschrieben werden. Mit Hülfe dieser Mafsn&hmen erzielte 
der Verfasser bei allen bestehenden Infektionen Heilung, mit Ausnahme zweier Falle 
von Pyelitis, die nur gebessert wurden. Auch bei Anwendung eines Verweilkatheter» 
wurde der gleiche günstige Erfolg erzielt. Die Reaktion nach der Dilatation ist bei 
streng durchgeführter Asepsis sehr schwach und kurz. Göiz-München. 

Über die Behandlung der blennorrhoischen Epididymitis durch Guajakol* 
Applikation, von Jaboslav Lenz. (Wien. klm. Rundsch. 1898. No. 45.) Nach einer 
Rekapitulation der üblichen Behandlungsmethoden der Epididymitis und der Versuche 
mit Guajakolapplikation bei diesem Leiden berichtet Verfasser über die auf der Klinik 
von Jajk>v8ky erzielten Erfolge. Es wurde eine 10°/oige Vaselinsalbe, nur bei sehr 
empfindlicher Hant eine 5°/oige, auf Mull gestrichen, um den Hoden gelegt, darüber 
Watte und Billrothbattist; Hochlagerung. Vor der Salbenapplikation abwaschen mit 
Wasser und Seife, Abreiben mit Äther. Die Applikation wird morgens und abends 
wiederholt, aufaerdem wird dreimal täglich 1,0 Salol gegeben; eventuell ein Laxans. 
Die Guajakolmedikation wird fortgesetzt, bis Fieber, Schwellang, spontane Schmerz¬ 
haftigkeit geschwunden ist. Das oft zurüokbleibende Nebenhodeninfiltrat wird be¬ 
handelt mit der ZEissLschen Salbe : 

Extr. Bellad. 0,5—1,0. 

Ung. Diachyl. 

Ung. 8%mpl. a 26,0. 

Auf diese Weise wurden 52 Kranke behandelt, darunter 48 blennorrhoische. Die 
Salbenapplikation verursacht kurz dauerndes starkes Brennen und Jucken, gewöhnlich 
aber nur das erste Mal. Der Erfolg ist um so deutlicher, je akuter der Prozeis. 
Durchschnittliche Guajakolanwendung 37* Tage. In erster Reihe bemerkenswert ist 
die schmerzstillende Wirkung, die prompt eintritt. Ebenso geht die Schwellung bald 
zurück, eine geringe Verhärtung am Caput oder an der Cauda bleibt oft zurück. 
Einmal mufste ein stärkeres Exsudat punktiert werden. Die Temperatur sinkt nach 
Guqakol um ca. 1° in der ersten halben Stunde nach dem Auflegen der Salbe. Da» 
Sinken ist um so unbedeutender, je weniger hoch die Temperatur war. Der Tem¬ 
peraturabfall hält aber nur 8—6 Stunden an. Auch Schlaf stellt sioh nach Guajakol 
ein. Die Schmerzen durch eine Deferentitis oder Funiculitis nehmen ab, wenn die 
Haut bis zur äußeren Öffnung des Leistenkanals mit einem Gu%jakolverbände bedeckt 
worden war. Bei subakuter Schwellung des Samenstranges bewährte sich 


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Ung. Hydrarg. lanol. 

Lanolin . pur. * 16,0 

Extr. Op. aquoe. 1,0 

auf die rasierte Haut aufgestrichen. — Das Guajakol versagte bei zwei Fällen von 
suppnrativer Epididymitis. Die Vorteile desselben bei blennorrhoischer Epididymitis 
sind die Abkürzung der Krankheit, die Beseitigung der Schmerzen und des Fiebers, 
dis Gefahrlosigkeit. Unangenehm ist höchstens das schnell vorübergehende Brennen. 
Ilsutreisend wirkt die 10°/#ige Salbe nicht, ebensowenig wurde eine Störung des 
Allgemeinbefindens bei 50 Kranken, die mit Guajakol behandelt wurden, bemerkt. 

Jessner-Königsberg t. i¥. 

Bin Fall von Endocarditis blennorrhoica, von A. Abrams. (NewYork med. 
Joum. 29. Aug. 1896.) Ein 17jähriger Jüngling, der sich zum zweiten Vale blen- 
norrhoisch infiziert hattte, war seit etwa 6 Wochen wegen Pyurie behandelt worden 
ohne spezielle Berücksichtigung des Urethralleidens. Es bestand eine Urethritis 
anterior und posterior mit eitrigem, gonokokkenhaltigen Ausflufs nebst Cystitis. Bei 
geeigneter Behandlung besserte sich das Lokalleiden, aber nach weiteren 14 Tagen 
setzte plötzlich Fieber (40° C.) ein mit lanzinierenden Schmerzen in den Schultern 
und dem Abdomen, Erbrechen, Taohycardie, Aortengeräuscb, masernartigen Petechien 
am ganzen Körper, Milzschwellung, Embolie der Fingerarterien, Gangrän am kleinen 
Finger und Exitus letalis zwei Tage später. Die Gelenke hatten keine klinische 
Affektion dargeboten. Fhilippi-Itzehoe. 

Erkrankung des Sternoclaviculargelenks im Verlauf einer Blennorrhoe, 

▼on Edinoton. ( Lancet . 5. Juni 1897.) Der 27jährige Patient erkrankte drei Wochen 
nach Beginn seiner Blennorrhoe an Orchitis und Schmerzen in der linken Schulter; 
das linke Sternoclaviculargelenk war schmerzhaft, aufgetrieben, die Haut darüber 
dunkelrot. Auf Darreichung von Jodkalium erfolgte anfangs rasche Besserung; bald 
aber verschlimmerte sich die Sache wieder, die Schwellung erweichte, eine kleine In- 
cision entleerte einige Tropfen gelbrötlichen Serums und liefs grauliche Granulationen 
erkennen. Dauernde Heilung erfolgte erst nach gründlicher Auskratzung dieser Granu¬ 
lationen. F. Hahn-Bremen. 

Über praktisch wichtige Verbesserungen der Injektionstechnik bei der 
Heilung des akuten Hamröhrentrippers mit Lösungen von Silbercitrat dtrol), 

▼on 0. Werler. (Berl. klin. Wochenschr. 1898. No. 16.) Das Resumö der Ausführungen 
des Verfassers lautet: 1. Die Itrolinjektionen sind so frühzeitig wie möglich zu be¬ 
ginnen. 2. Die Itrolinjektionen werden 4—5 mal binnen 24 Stunden vorgenommen. 
3. Die Itrolinjektionen werden bei Blennorrhoe der vorderen Harnröhre mit einer 
Spritze von 6—8 ccm Inhalt ausgefübrt. 4. Die Itrolinjektionen verbleiben 10 Minuten 
in der Urethra nach voraufgegangener Reinigung derselben mit einer halben Spritze 
der Injektionsflüssigkeit. 5. Die Itrolinjektionen müssen anfänglich sehr schwach 
(0,02:200,0), sodann beim Nachlassen der Entzündung allmählich stärker verschrieben 
werden bis zur höchsten Koncentration 1:3800. 6. Die Itrolinjektionen sind lauwarm 
zu applizieren. — Kontrolle der Heilung durch das Mikroskop. Wer keines hat, kann 
durch sorgsame Inspektion des Morgentropfens (Menge und Beschaffenheit des Aus¬ 
flusses) sowie durch Anstellung der Zweigläserprobe (Tripperfäden) seine mit der 
Silbercitratbehandlung erreichten Erfolge ohne Mühe kontrollieren. 

J. Bloch-Berlin. 

Zur Diagnostik und Therapie der Blennorrhoe beim Manne, von Fribd&i m 
Doimsr. (Deutsche Freuds. 1898. No. 1/2.) Die Arbeit aus der KoLLMANirschen Poli- 




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klinik ist vorzugsweise der chronischen Blennorrhoe gewidmet. Aas der karzen Er¬ 
örterung der Therapie bei akuter Blennorrhoe sei nur erwähnt, daTs Kollmann höch¬ 
stens 5 ccm injiziert, dabei den Bulbus durch ein untergeschobenes geballtes Handtuch 
komprimierend. Er verwendet meistens Kalium permanganicum 0,01—0,1:100,0 
allmählich steigend. Daneben eventuell kalte Umschläge, PmxsBxrrzsche Umschläge, 
Ol. Santali. — Die chronische Blennorrhoe spielt sich sehr oft in der Pars anterior 
ab. Mit dem Endoskop konstatiert man das, indem man nach Kokainisierung von 
dünnen Nummern zu dickeren steigt, wobei Infiltrate am leichtesten erkannt werden. 
Die Dreigläserprobe giebt eindeutigere Ergebnisse als die Zweigläserprobe, ist aber 
auch nur absolut entscheidend für eine Erkrankung der Pars posterior bei positivem 
Befunde von Filamenten in dem dritten Glase. Sioher ist nur die Ausspülung der 
vorderen Harnröhre mit dünnem Katheter und Spritze vor der Harnentleerung. — 
Verfasser geht dann auf die Endoskopie und die Behandlung der Urethritis mit Dila¬ 
tatoren näher ein, das Verfahren genau schildernd. Auch die Spüldehner werden 
genau in ihrer Anwendung beschrieben. Einzelne Drüsen oder Krypten werden endo¬ 
skopisch mit Injektion von Arg. nitric., Incision oder Elektrolyse behandelt. Das dazu 
nötige Instrumentarium wird gleich den übrigen Instrumenten abgebildet. — Die 
Uretbroskopie der hinteren Harnröhre ist wenig zu empfehlen, sie ist schmerzhaft und 
ruft in der Pars membranacea gewöhnlich Blutungen hervor. Die Behandlung der 
Urethritis posterior ist die gleiche mit entspecbend modifiziertem Instrumentarium. 
Vorteilhaft ist die vorherige Applikation von Sonden nach Dittbl mit starker oder 
flacher Biegung oder GuYorocher Biegung. Welche pafst, mufs im Einzelfalle erprobt 
werden. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Vierter Protest gegen moderne Trippertherapie, von Iwan Bloch. (Dtsch. 
Mediemaüttg. 1898. No. 26.) Auch dem Referenten hat das Protargol und das Largin 
einen Stolsseufzer ausgeprelst (siehe das Referat weiter unten!), bei dem Verfasser 
scheinen diese Silberprodukte aber eine reine Protestmanie erzeugt zu haben. In 
kurzer Zeit der vierte Protest! Alle AchtungI Ich glaube, es dürfte doch ein bischen 
viel sein. Verfasser mag ja reiche Erfahrungen und eine ordentliche Skepsis besitzen, 
aber schliefslich braucht er doch nicht gleich der Weltgeschichte in die Räder zu 
fahren. Die antibakterielle Therapie hat bei der Blennorrhoe bisher trotz der leb¬ 
haften Bemühungen der Nzissxaschen Schule viel Positives nicht geleistet — zu¬ 
gegeben; deshalb Aber dieselbe prinzipiell zu verwerfen, vor allen dahingehenden Be¬ 
strebungen zu warnen, dazu ist niemand berechtigt und niemand berufen, auch nicht 
der Verfasser. „Wir müssen die Hoffnung aufgeben, jemals ein Mittel zu finden, das 
die Gonokokken in der Harnröhre direkt tötet“, ruft der Verfasser aus, sich sutzend 
auf die Erfahrungen von Jahrtausenden. Nun das ist nicht nur konservativ, das ist 
reaktionär und kleinlich — denn das heilst an dem Fortschritt in der Wissenschaft 
zweifeln. Das nennt man das Kind mit dem Bade ausschütten. Ich glaube, wir 
haben in den letzten Jahrzehnten so ganz unerwartete, ungeahnte Entdeckungen 
erlebt, die der Therapie zu gute gekommen sind oder zu gute kommen werden, dafs 
man auf keinem Gebiete das Recht hat, die Flinte ins Korn zu werfen und zum 
Stillstand oder gar zum Rückmarsch zu blasen. So manches, was man viele Jahr¬ 
tausende nicht zu träumen wagte, ist wahr geworden, dafe kein Mensch sagen darf, 
was bisher nicht gefunden ist, wird auch weiter nicht gefunden werden. Deshalb 
genug der flammenden Proteste! Ne quid nimis! Jtssner-Könxgsbcrg i, Pr. 

Betrachtungen über die Behandlung der Blennorrhoe, von F. Baues. (AUg. 
med. Cmtralztg. 1898. No. 21.) In dem grolsen Wettstreit der Meinungen über die 
Blennorrhoebebandlung, der nachgerade die ganze medizinische Litteratur unsicher 


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macht» am die für die Prinzipien einer richtigen Blennorrhoebeh&ndlang ins Gewicht 
fallenden Gesichtspunkte darzulegen, betont Verf. den verschiedenen Verlauf der Blen¬ 
norrhoe and verlangt deshalb, dafs allen Schlüssen ein groüses Krankenmaterial zu 
Grande liegt. Das Ziel der Therapie mnfs sein Abtötung der Gonokokken, am vor 
allem auch Komplikationen zu verhüten. Daneben muüs die Schleimhaut günstig 
beeinflufst werden. Die wirksame Methode ist noch nicht gefunden, aber der Weg 
ist vorgezeichnet Jessner-Königsberg i . JY. 

Versuche mit einigen neueren Ersatzmitteln des Argentum nitricum in 
der Tripperbehandlung, von Nibssen. (Münch, med. Wochenschr. 1898. No. 12.) Auf 
Grand seiner Beobachtungen kommt Verfasser etwa zu folgenden Schlüssen: Argonin- 
lösungen, genau nach Vorschrift bereitet, sind reizlos. Ihr Einflufs auf die Gono. 
kokken ist zweifellos, aber vielleicht geringer als jener des Argentum nitricum; jedoch 
wird das durch die .Reizlosigkeit ausgeglichen. Argonin ist eines der empfehlens¬ 
wertesten Ersatzmittel des Argentum nitricum. — Airol wirkt antibakteriell, doch 
steht es an gonokokkentötender Kraft dem Argentum nitricum nach. Es erschwert 
durch allerdings belanglose Trübungen die Übersicht des Urins, macht manchmal 
Reizerscheinungen. — Antinosin ist nicht frei von Reizwirkung; Erfolg noch nicht 
zu bestimmen. — Dextroform, eine Verbindung des Formaldehyd mit Dextrin, ist 
reizlos and weiterer Prüfung wert Es wird als lVt—2%ige Lösung und als 25%ige 
Xakaostabchen verwendet. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Über das Largin, ein neues AnMblennorrhoicum, von C. Pezzoli. (Wien, klin . 
Wochenschr. 1898. No. 12.) Noch ist das Protargol kaum warm geworden, noch ist 
der Kampf über dessen Wirksamkeit im Aufblühen begriffen, noch hat sich nicht das 
Grab über das bochgepriesene und schnell geendete Argonin geschlossen, und schon 
tritt ein neues Antiblennorrhoicum in die Arena. Ein Mittel jagt das andere. Nun ist 
gegen dieses eifrige Suchen nach besseren Heilmitteln gegen Blennorrhoe nichts zu 
sagen, so lange das richtige noch nicht gefunden — und das ist wahrlich noch nicht 
der Fall —, aber immer langsam voran, damit der blennorrhoe-behandelnde Arzt naoh- 
kommen kann! An Blennorrhoen ist sicherlich kein Mangel, es giebt ihrer so viel 
wie Sand am Meer, aber doch nicht genug, um alle die Mittel gründlich duroh- 
prufen zu können. Man sollte auch wirklich Mitleid mit denjenigen Kollegen haben, 
welche abseits vom Kampfplatze stehen und in dem Gewühle der streitenden Mittel 
gar nioht mehr herausfinden können, welchem gerade am meisten der Sieg sich 
zuneigt, um es zu verordnen. — Soweit der Stofsseufzer unius pro multis! — Die 
Silbereiweifse erfüllen bisher am besten die an ein Antiblennorrhoicum zu stellenden 
Anforderungen; sie verbinden hohe baktericide Kraft mit geringer Reizwirknng und 
Imbibitionsfähigkeit. Ein solches ist auch das Largin, welches in dem FiNOEaschen 
Ambulatorium geprüft ist. Es enthält 11,5% Silber, gebunden an Protalbin, ein 
Paranukleinproteid, ist bis zu 10,5 % in Wasser klar löslich. Die Lösung ist klar, 
gelb gefärbt, schwach alkalisch und sehr haltbar. Die baktericide Kraft des Largin 
ist gröiaer als diejenige des Protargols; die Imbibitionsfähigkeit wird nur von derjenigen 
des Argentamins übertroffen. Auf die Mucosa übt es eine geringe Beizwirkung aus; 
wenn dieselbe auch bei 1—17*%iger Lösung etwas gröfser ist als diejenige des 
Protargol Sobald ganz neutrales Largin hergestellt sein wird, was bevorsteht, dürfte 
auch diese Reizwirkung fortfallen. Es werden V«—lV*°/oige Lösungen, allmählich 
steigend, als prolongierte Injektionen angewendet. Die Resultate bei 41 Fällen waren 
gute; 27 frische Fälle von Blennorrhoea anterior heilten im Mittel in 80 Tagen, ohne 
dafs eine Urethritis posterior aufgetreten wäre; in 8 frischen Fällen kam eine Urethritig 
posterior hinzu, die einmal schleichend einsetzte. Es muüste in 7 dieser Fälle eine 


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andere Therapie eingeleitet werden. Bei 6 nicht frisch in Behandlung gekommenen 
Fallen war das Resultat nicht besonders gut; in 2 derselben mufste die fokale Be¬ 
handlung eingestellt werden. — Das Largin erzielte also in 27 von 35 akuten Füllen 
d. h. in 77°/o glatte Heilung. Das Ausbleiben von Urethritis posterior ist von grober 
Wichtigkeit. Die von Finger mit Protargol erziehen Resultate sind nicht so gut, 
wenn auch die Behandlungsdauer eine kürzere war. Coupieren kann auoh Largin die 
Blennorrhoe nioht. Wo bereits eine Urethritis posterior vorhanden ist, scheint es dem 
Protargol nachzustehen. In manchen Fällen leisteten hier Instillationen mit 1—5°/«iger 
Iiarginlösung gutes. Jedenfalls ist das Largin dem Protargol als reizloses Anti* 
biennorrhoicum mindestens gleichwertig. Jessner-Königsberg i. JV. 

Über die desinfizierende Kraft des Largins (einer neuen Sübereiweift* 
Verbindung) gegenüber dem Oonococcus, von C. Pezzoli. (Wien, klm . Wochenschr 
1896. No. 4.) Die Ergebnisse der bakteriologischen Experimente lauten: 1. Dat 
Largin ist den bereits bekannten Silbereiweilsverbindungen in seiner Eigenschaft ab 
Anüblennorrhoicum mindestens gleichwertig. 2. In Bezug auf die Fähigkeit, Gono¬ 
kokken zu töten, überragt es dieselben; eine nährbodenverschlechternde Wirkung 
äofsert es wie diese nur in geringem Mafse und nach längerer Einwirkung. 3. In 
tote organische Substanzen dringt es tiefer ein als die bisher bekannten SilbereiwsÜs- 
Verbindungen. Jcssner-Königsberg i.Pr. 

Die Behandlung der Urethritis blennorrhoica nach dem JAKBTschen Ver¬ 
fahren, von C. T. v. Otto. (Wien. kUn. Wochenschr. 1898. No. 12.) Verfasser beschreibt 
das JxNETsche Verfahren und stellt seine Vorzüge in das hellste Licht. In 10—15 Tagen 
heilt die akute Blennorrhoe bei konsequenten Spülungen mit schwachen Losungen von 
‘Kalium permanganicum. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Vorläufige Mitteilung über die Wirkung des Protargols bei Blennorrhoe, 

von Gustav Bbhrend. ( Berl. klm. Wochenschr . 1898. No. 14.) Der Vortrag des Ver¬ 
fassers über die Blennorrhoebehandlung bei Prostituierten mit seinen Angriffen auf 
die Bestrebungen der NEissERsohen Schule hat eine Erwiderung Nbissbrs zur Folge 
gehabt, auf die Bbhrend wiederum in der vorliegenden Arbeit antwortet, womit die 
Reihe der Erwiderungen und Antworten aber noch kaum erschöpft sein dürfte. — 
Bbhrend berichtet über 14 mit Protargol nach NEissERschem Schema behandelte Fälle. 
Aus denselben ergiebt sich, dafs Protargol den Eintritt stürmischer Reizerscheinungeil 
bewirken oder wenigstens nicht hindern kann, — dafs Protargol die Gonokokken nickt 
schneller vernichtet als andere Mittel. Tägliche Untersuchung am Morgen vor dem 
ersten Urinieren ergiebt positiven Gonokokkenbefund bis in die 3.—5. Woche hinein. 
Durch diese Thatsachen wird der antiparasitären Blennorrhoebehandlung mit Protargol 
der Boden entzogen; es leistet nicht mehr als die Adstringentien. Die weiteren Auf¬ 
führungen knüpfen an die „Gonokokkenbehandlung“ Nbissbrs an und sind zum Teil 
•persönlicher Natur. Verfasser konstatiert, dafs Neissbr die Unheilbarkeit vieler Fälle 
von Blennorrhoe beim Weibe zugiebt, was einer seiner Schüler in der Diskussion der 
Berliner medizinischen Gesellschaft leugnete. Er betont dann, dafs man kein Hecht 
habe, Prostituierte, deren Ansteckungsfähigkeit nicht erwiesen ist, im Krankenhaose 
zurückzuhalten. 

An diesen in der Berliner medizinischen Gesellschaft gehaltenen Vortrag knüpfte 
sich wiederum eine lebhafte Auseinandersetzung. E. Frank wundert sich, dafs Bbbrbvb 
nach so kurzer Beobachtungszeit Schlüsse über die Protargolbehandlung zieht Er 
betont, dafs Darier das Mittel bei Ophthalmoblennorrhoe sehr rühmt, dafs Finosb 
sich der antibakteriellen Frühbehandlung der Blennorrhoe zugewendet hat. — Mzrasra 


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169 


bemängelt die Form der BBHRBNnsohen Ausführungen, hebt die Notwendigkeit der 
Gonokokkennntersaohnngen hervor. Viel bat die Individualität der Patienten mit- 
susprechen. — Schlüsse lassen sich aus einem kleineren Material mit gröfserer Sicher¬ 
heit sieben, da dieses besser wissenschaftlich verwertet werden kann. — Die Abtötnng 
der Gonokokken mufe das erste Ziel jeder Blennorrhoebehandlung Bein. — Gütmann 
fuhrt ans, dafs die günstigen Erfahrungen Daribbs bei der Ophthalmoblennorrhoe mit 
Protargol in Parallele gestellt werden konnten mit den guten Erfolgen, die Bubchard 
mit Spulungen des Auges mittelst l%o Argentum nitricum - Lösungen gegenüber 
der früher übliohen Anwendung koncentrierterer Lösungen erzielt hat. Das Protargol 
wirkt als mildes Antiseptioum und gutes Spülmittel. — Behbbnd verwahrt sioh da¬ 
gegen, einen unangemessenen Ton angeschlagen zu haben. Die Gonokokkenunter- 
suchung Prostituierter ist überflüssig; ein negativer Befund sagt niohts, ein positiver 
nfitst nichts, weil wir doch nicht heilen können. Die Gonokokken abiutöten wäre 
sehr schön, wenn wir es nur könnten. — Nachträglich bemerkt Behbbnd, dafs der 
Arbeit von E. Frank 15 Fälle zu Grunde lagen, und dafs Daribb Ophthalmoblennorrhoe 
gar nicht mit Protargol behandelt habe, sondern andere Cozgunctivalleiden; bündige 
Schlüsse siehe derselbe überhaupt noch nicht. Jessner-Königsberg %.Pr. 

Über das Protargol als Antiblexmorrlioieum, von E. Finger -Wien. (Die 
Heilkunde. 1898.) Seinen Standpunkt, die akute Blennorrhoe mit Adstringentien nicht 
lokal zu behandeln, verläfst Verfasser den reinen Antiseptica gegenüber. So verwendet 
er im akuten Stadium das Protargol nach Neusers Vorschriften. Er betont die Reiz¬ 
losigkeit des Mittels. 40 Fälle wurden von ihm behandelt und er zieht aus seinen 
frfahrungen den Sohlufs, dafs wir im Protargol ein entschieden sehr wirksames Anti- 
blennorrhoicum gewonnen haben, das, thunlichst frühzeitig angewandt, einen raschen 
und günstigen Verlauf der Blennorrhoe in der Mehrzahl der Fälle bedingt, alle akuten 
Erscheinungen derselben hintanhält, Sekret und die Gonokokken aus demselben rasch 
zum Schwinden bringt — Bei Behandlung chronischer Blennorrhoe hat er einen 
wesentlichen Wert nicht erkennen können. Ä. Strauß-Barmen. 

Zur Protargolbehandlung der Harnwege, von Schwerin. ( Dtsch. med. 
Wochenschr. 1898. No. 9.) Verfasser berichtet Gutes über die Behandlung der chro¬ 
nischen Urethritis und Cystitis blennorrhoica mit Protargolspülungen, die anfangs 
schwächer, später in der Konoentration 1:250 gemacht wurden. 

F. Hahn-Bremen. 

Über die Wirkung des Protargols, sowie Bemerkungen über die Beur- 
teflung der Wirkungsweise neuer Präparate bei Blennorrhoe, von H. Lohnstbin- 
Berhn. (AUg. med. Centralßtg. 1898. No. 18.) Verfasser kritisiert zunächst die über 
Protargol erschienenen Arbeiten in dem Sinne, dafs nirgends erwähnt sei, ob es sich 
bei den akuten Blennorrhoen, welche mit dem Mittel behandelt wurden, um erste In¬ 
fektionen gehandelt habe. Soweit die Arbeit des Referenten in Betracht kommt, so 
bann derselbe versichern, dafs es sich stets um frische Infektionen gehandelt hat, sonst 
würde er das ausdrücklich erwähnt haben. Auch die Arbeiten der anderen Autoren 
lassen kaum einen Zweifel darüber, dafs unter akuten Blennorrhoen auch als solche 
sicher diagnos tizi erte zu verstehen sind. Übrigens würde doch die hervorragende 
Leistungsfähigkeit des Mittels nur dadurch um so mehr bestätigt werden, dafe es 
gelänge, nicht auf Erstinfektion beruhende akute Gonokokkeneiterungen zum Versiegen 
zu bringen. Die Gonokokken sind in solchen Fällen doch, da sie in den tieferen 
Schichten der Schleimhaut sitzen, viel schwerer zu vernichten als bei einer frischen 
Blennorrhoe. Sodann fordert Verfasser, dafs für die Beweisführung der endgültigen 

Monatshefte. XXVIII. 12 


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170 


Heilung eine nochmalige spatere Untersuchung resp. Beobachtung notig sei, die Ver¬ 
fasser selbst in praxi in der Regel nicht für durchführbar hält Es ist doch wohl 
berechtigt, von einer Heilung zu sprechen, wenn nach mehrwöchentlichem Verschwinden 
der Gonokokken trotz schwacher adstringierender Lösungen, trotz Bier- und Wein- 
genufs, trotz Coitus, auch wenn die Rejektionen tagelang ausgesetzt waren, eine Ver¬ 
mehrung des vielleicht noch geringen schleimigen Sekretes, bezw. wenn der Ausflufs 
vollständig versiegt war, ein Wiedererscheinen nicht konstatiert werden konnte, ins¬ 
besondere aber, wenn auf Grund mehrmaliger Untersuchungen in dem schleimigen 
Sekret, dem im schlimmsten Falle noch einzelne Leukocyten beigemengt waren, Gono¬ 
kokken trotz aller Reizungen nicht wieder erschienen waren. Die weiteren Aus¬ 
führungen des Verfassers lese man im Original Erwähnt sei, dafs derselbe die Reis- 
losigkeit des Protargols gleioh den anderen Autoren rühmend hervorhebt, auoh bei 
chronischer Blennorrhoe, und dafs er sein Urteil dahin znsammenfafst, dafs bei akuter 
Blennorrhoe das Protargol wohl das Argentamin und Argonin, nicht aber das Argentum 
nitricum an Wirksamkeit übertrifft. Letzterem sei es nur in Fällen von besonderer 
Reizbarkeit (bei gleichzeitiger Syphilis, Tuberkulose etc.) vorzuziehen. In chronisch« 
Fällen sei es dann vorzuziehen, wenn die Harnröhre gleichseitig einer langdauernd« 
mechanischen und chemischen Einwirkung ausgesetzt werden soll. 

A. Strauß-Barmen. 


Deffftielenes. 

Die venerischen Affektionen und ihre Beziehungen zu den Jahreszeiten, 

von Gravaqita. (Rif. med. 1898. No. 186.) Auf Grund einer sich auf mehrere Jahre 
erstreckenden Statistik kommt Verf. zum Schlufse, dafs die Jahreszeiten weder auf die 
venerischen Geschwüre noch auf die Blennorrhoe einen Einflufs ausüben und dafi 
Beobachtungen in diesem letzteren Sinne rein auf Zufall beruhen. 

C. MüUer-Otnf. 

Sollen Patienten darüber aufgeklärt werden, dafs sie Oardnom oder 
Syphilis haben? von C. C. MAPEs-Louisville {New York med. Joum. 15. Okt 1898.) 
Diese so aufserordentlich schwierige Frage, welche nach des Referenten Ansicht im 
allgemeinen gar nicht zu lösen, sondern blofs individuell von Fall zu Fall zu ent* 
scheiden ist, verneint M. für Gardnom, so lange es noch nicht entschieden ist, dais 
Krebs direkt übertragbar ist; die nähere Umgebung des Patienten resp. dessen An* 
gehörige sollten jedoch immer genauestens über die Art der Erkrankung informiert 
werden. Bezüglich der Syphilis steht M. auf dem theoretisch recht anerkennenswert« 
Standpunkte, dafs immer und in jedem Falle der Patient genaue Aufklärung über 
sein Leiden erfahren soll, auch wenn er sie gar nioht wünscht und die sehlimmstos 
Ehe- und Familienzerwürfnisse daraus entstehen sollten. Der Arzt begehe ein schuld- 
bares Versäumnis und eine Pflichtvernaohlässigung, welober nioht jeden Patienten, der 
an übertragbarer Syphilis leidet, auf die Gefahren, welche bei unmittelbarer person* 
lieh er Berührung mit anderen drohen, dringend aufmerksam macht. Damit werden 
wir wohl alle einverstanden sein, aber die Notwendigkeit, das Wort Syphilis dem 
Patienten gegenüber immer im Munde zu führen, ist damit nioht verbunden. Autor 
der geschlechtlichen Berührung ist Küssen wahrscheinlich die häufigste Quelle syphi- 
litisoher Ansteckung und M. mahnt an die schrecklichen Folgen, wenn ein frisch in» 


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filierter Vater nicht nur die Gattin, sondern auch die Kinder an steckt, wenn von 
von einem durch eine syphilitische Amme infizierten Kinde der Reihe nach Vater, 
Matter, Brüder, Schwester durch die Gewohnheit des Küssens angesteokt werden. Ein 
klüftiges Wörtlein gegen diese letztere wäre hier wohl am Platze. Bezüglich der 
Syphilis dürfte wohl jeder Arzt sofort nach Erkenntnis der Krankheit auf die Gefahren 
aufmerksam machen, besonders wenn es sich um extragenitale Formen handelt; bezüg¬ 
lich der Blennorrhoe könnte wohl M. Recht haben, wenn er zu etwas strengerer 
Beaufsichtigung rät Wenn die sexuelle Reinheit, welche bei beiden Geschlechtern 
vorhanden sein sollte, wirklich vorhanden wäre, so würde wenig Wahrscheinlichkeit 
einer Infektion, wenigstens im ehelichen Leben, mit Blennorrhoe oder Syphilis exi¬ 
stieren. Da aber dieser ideale Zustand vorläufig nicht gegeben ist, so glaubt IL, dafs 
durch genaue Aufklärung von Seite des Arztes denelbe wenigstens für die Zukunft 
angebahnt werden kann. Das grofse Publikum würde so vor dem Wüten zweier 
Krankheiten, welche sogar in ihren milden Formen schrecklich seien, bewahrt und, 
während die häusliche Ruhe vorübergehende (?) Störung erleide, das schliefsliche 
Besaitet sein: eine Besserung der öffentlichen Moral, eine Beschränkung zweier 
schwerer, ansteckender Krankheiten, Verminderung der Prostitution bei beiden Ge¬ 
schlechtern, Erzeugung gesünderer Kinder und sohliefslich eine Erstarkung des 
Menschengeschlechts in moralischer und physischer Beziehung. Diese idealen Wünsche 
des Verfassers dürften wohl vor allem daran scheitern, dals ein grofser Teil der 
Üyphilis- und Blennorrhoekranken gar nicht oder viel zu spät in sachgemälse Behand¬ 
lung kommen (Kurpfuscherunwesen). Stern-München. 

Dia Gaffchr das Spezialistentums in der Medizin, von L. Duxcaw Bulxlky- 
New-York. (Buü. of the Amer. Acad. of Med. Vol. III. No. 7.) B. behandelte dieses 
Thema bei Antritt seiner Präsidentschaft vor der obengenannten Körperschaft, und 
seine Rede enthält vieles, was auch für unsere Verhältnisse zutreffend und beherzigens¬ 
wert ist Selbstverständlich anerkennend, dals bei der heutigen Ausdehnung der 
medizinischen Wissenschaft die Teilung in Spezialfächer zur Notwendigkeit und für 
dis Weiterentwickelung nur forderlich geworden ist, erinnert B. doch mit Wehmut 
an die früheren Zeiten, wo der Arzt lange Jahre allgemeine Praxis getrieben und 
erst aus dieser heraus sich allmählich irgend einer Spezialität, oft mit gröfstem Er¬ 
folge, zugewandt hat Aber in unserer hastig dahinjagenden Zeit ist dieser Vorgang 
den meisten zu langsam und anstrengend, und oft schon aus Sucht nach raschem 
Gewinne wählt mancher von Beginn der Studien an irgend eine Spezialität, ohne 
sieh viel in den übrigen Zweigen der Wissenschaft umzusehen, oder ein anderer läfst 
sich nach absolviertem Examen in „Kursen* das Notwendigste einpauken, und damit 
ist der „Spezialist* fertig. Dafs von einem Umfassen der allgemeinen und so wich¬ 
tigen medizinischen Kenntnisse hier nicht die Rede sein kann, braucht wohl kaum 
hervorgehoben zu werden. Die Mittel und Wege, welche derartige Spezialistenjünger 
nur zu oft dem Publikum gegenüber zum Praxiserwerb anwenden, sind allgemein 
bekannt Mit vollem Recht sagt B., dafs der Arzt nach vielen Jahren Hingebung 
an ein Spezialfach und nachdem er viele Fälle aus demselben gesehen hat, darin 
such ohne die besten vorhergängigen Qualifikationen, d. h. ohne vorher Assistent 
irgend eines berühmten Professors gewesen zu sein, Hervorragendes wird leisten 
können. Referent kann sich nioht versagen, diese Worte eines hervorragenden 
praktischen Arztes und Spezialisten mit den Bestrebungen zu vergleichen, welohe in 
Deutschland so vielseitig nun dahin gerichtet sind, die Ärzte in allgemein praktische 
und spezialistische zu trennen und für letztere sogar noch eigene Examina ein¬ 
zurichten. Auf dem Wege einer Änderung der Prüfungsordnung, wenn sich dazu die 
deutsche Ärzteschaft hergiebt, wäre dies wohl zu erreichen, mit einer Standesordnung 

12 * 


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172 


nimmermehr! Dieselbe hat doch keinesfalls das Recht, dem Arzte zn nehmen, was 
er durch seine Approbation erlangt hat, und die individuelle wissenschaftliche Be¬ 
tätigung des einzelnen, soweit er die Grenzen des Anstandes nicht überschreitet, mit 
Zwangsmaferegeln zu unterdrücken. Speziell auf die Gefahren des Spezialistentums 
übergehend, hebt B. hervor, dafs abnorm hohe Forderungen, unnötig lang aus¬ 
gedehnte Behandlung, ungerechtfertigte Operationen die Kritik des Publikums heraus¬ 
fordern; ferner kommen als Auswüchse noch in Betracht Inserieren in öffentlichen 
Blattern, Kritisieren anderer Ärzte und ähnliche weitere unsaubere Praktiken. Mit 
der sehr feinen Unterscheidung zwischen wirklichem Spezialisten und dem Exklurio- 
nisten, der nur seinen eigenen Zweig der Wissenschaft kennt, und dem Wunsche, 
dafs nicht nur die Akademie, sondern alle medizinischen Körperschaften die Hebung 
des Standes sich angelegen sein liefsen, schliefst B. seine lesenswerte Abhandlung. 

Stern-München. 

Experimentelle Untersuchungen über Desinfektion im Gewebe tierischer 
Organe, von M. Blumbebg. (Zeitschr. f. Hyg . 27. Bd. 1898.) Die nach SoHASpruBscher 
Weise unternommenen Versuche zur Prüfung der desinfizierenden Mittel ergaben 
folgende Resultate: 1* Die mit den bisher üblichen Desinfektionsmethoden erhobenen 
Resultate lassen sich auf die praktischen Verhältnisse nicht direkt übertragen, sobald 
es sich um ein Desinficiens handelt, das seine Wirksamkeit im Gewebe entfalten soll, 
da die chemische Umsetzung, die das Medikament im Organismus erleidet, sowie die 
Tiefenwirkung zu wenig berücksichtigt werden. 2. Zur Beseitigung dieser Fehler¬ 
quellen ist es empfehlenswert, die Desinfektionsprüfung an Organstücken, die Ton 
Mikroorganismen reichlich durchsetzt sind, vorzunehmen, weil hierbei die chemische 
Umsetzung im Gewebe und die Tiefenwirkung des Medikaments nicht vernachlässigt 
werden (Milzen von weifsen Mäusen, die mit Milzbrand oder Tetragenus geimpft 
werden). 3. Bei dieser Versuchsanordnung zeigt sich, dafs die Silbersalze im Gewebe 
dem Sublimat sehr überlegen sind, da dieses im Gewebe durch chemische Umsetzung 
ganz erheblich au Desinfektionskraft verliert. Bei Zusatz von Kochsalz zu Sublimat, 
sowie bei Hydrargyrum ozycyanatum ist dies viel weniger der Fall. 4. Unter den 
Silbersalzen haben sich bei der Versuchsanordnung mit bakterienhaltigen Gewebsstüeken 
Argentamin, Aktol und Itrol als die besten erwiesen; sie zeigten sich dem Argentum 
nitricum und Argonin überlegen. 4. Die Phenole (Karbol und die Kresole) behielten 
im organischen Gewebe eine sehr hohe Desinfektionskraft bei. 

Jessner-Königsberg i. Pr. 

Rachitis mit Knochenhantblntnngen und Nierenblntnng, von JoHamnea 
Seitz ( CorrcspondenzbL f. Schweiz. Ärzte. 1898. No. 22.) Ein zehn Monate altes Kind 
zeigt rachitische Erscheinungen; dazu gesellen sioh subperiostale Blutungen der 
Orbita, später des linken Oberschenkels, Nierenblutungen, sehr heftige Schmerzen, 
wechselndes Fieber, Kachexie. Fieber blieb noch nach Heilung an Knochen und 
Nieren zurück. Das Kind kam auf das äufserste herunter, genas aber schliefalich. — 
Hautblutungen, Gingivitis, Milzschwellung traten nicht auf. Zweifellos erinnert der 
Fall sehr an die BasLOwsche Krankheit. Jessner-Kömgsbcrg i. IV. 


Nachdruck ist ohne Genehmigung des Verlegers nicht erlaubt 


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Das Lepra-Hospital zu Pelantoengan. 

Bericht über das Jahr 1897 

von 

Dr. J. F. Molleb, 

dirigierendem Ober-Stabsarzt 

Am 1. Januar 1897 waren unter Behandlung 16 Europäer, Kreolen 
und Misohlinge, 4 Ambonesen und 17 Javanesen. 

Während dieses Jahres sind in Behandlung gekommen: 6 Europäer, 
Kreolen und Mischlinge, 3 Ambonesen und 39 Javanesen. 

Auf ihr Ersuchen wurden entlassen: 1 Europäer, 2 Ambonesen, 
34 Javanesen. Es starben 1 Europäer, 1 Javanese. 

Am 1. Januar 1898 befinden sich unter Behandlung 20 Europäer, 
Kreolen und Mischlinge, 5 Ambonesen und 21 Javanesen. 

Die Total-Behandlungsziffer während 1897 (restant am 1. Januar mit 
den in diesem Jahre unter Behandlung gekommenen Kranken) ist also 85. 
Von diesen 85 sind 62 männlichen und 23 weiblichen Geschlechts. 
Nach dem Alter geordnet: 

von 1—10 Jahren .... 0 

. H-20 * .... 19 

* 21-30 „ .... 24 

n 31-40 „ .... 22 

* 41-50 „ .... 13 

n 51-60 „ .... 7 

Die Zeit, während welcher sie in dem Leprahospital verpflegt wurden, 
variiert von 21 Jahren bis V« Jahr. 

Bei diesen Leprakranken wurden die ersten Erscheinungen von Lepra 
wahrgenommen im Lebensalter von: 

1—10 Jahren bei 21 

11-20 „ * 33 

21-30 „ „ 22 

31-40 * „ 7 

41-50 „ „ 2 

Mmtib«ft«, xxvm. 13 


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174 


Von 1889 ab gerechnet, als diese statistischen Aufzeichnungen be¬ 
gannen, erhalte ich die folgenden Ziffern: 

Erste Erscheinungen beobachtet im Lebensalter von: 


1—10 Jahren 41 = 25 % 

11—20 „ 65 = 39,5% 

21—30 „ 41=25 °/o 

31—40 „ 12= 7,4% 

41—50 „ 3= 1,8% 

51—60 * 2= 1,3% 

Hieraus ist deutlich ersichtlich, dafs das jüngere Lebensalter für diese 
Krankheit mehr prädisponiert als das reifere Alter. 

In Betreff der Formen von Lepra finden wir für die Total-Behand- 
lungsziffer folgende Tabelle: 


Form der Lepra 

Europäer, Kreolen und 
Misehlingo 


Ambonesen 

Javanesen 



M. 

J 

Fr. 

L 

K. 

M. 


Fr. 

K. 

M. 

Fr. 

L 

K. 

Lepra tuberoea 
„ anaesthetica 
„ maculosa 

B 

6 

H 

1 

6 

B 

— 

1 

88 

15 

2 

1. Total: 

15 


6 

um 

m 

— 

— 

89 

15 

2 

2. Total: 


_ 

22 



7 

66 


Obschon häufiger kein deutlicher Unterschied gemacht werden kann 
zwischen den drei Formen, habe ich der Bequemlichkeit halber diese 
Nomenklatur gehandhabt. 

Die Lepra tuberosa ist immer begleitet von Gefühlsstörungen. Die 
Vasomotoren litten stets dabei und gaben Anlafs zu trophischen Störungen. 

Bei der Lepra anaeethetioa kamen wenig vasomotorische Störungen 
vor, aber desto mehr trophische, während natürlich die Gefühlsstörungen 
die Hauptrolle spielten. 

Bei der Lepra maculosa wurden stets circumscripte Gefühlsstörungen 
gespürt auf den ergriffenen Teilen und Parästhesien in verschiedenen der 
ergriffenen Körperteile. 

Von den neu zugekommenen Krankheitsfellen von Javanesen ist mit 
dem besten Willen keine genaue Anamnese festzustellen. Ich will deshalb 
nur die vier in diesem Jahre hinzugekommenen Europäer, die hier früher 
nooh nicht behandelt wurden, näher besprechen. 

Fall 1. N., 26 Jahre alt, geboren zu Batavia. Vater und Mutter beide Voll¬ 
blut-Europäer. Eltern litten nicht an Lepra. Mutter tuberkulös. Grolseltern litten 
auch nicht an Lepra. Patient hat sechs Geschwister, wovon keines an Lepra leidet. 

Als Kind litt Patient an einer Brustkrankheit mit viel Husten und Auswurf 


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In seinem 17. Jahre begann die Krankheit mit Gefühllosigkeit in der rechten 
Wade and Abmagerung derselben. Im 20. Jahre bekam Patient Flecken, zuerst an 
dem Oberteile des rechten Unterarmes. Danach breiteten sich die Flecken über den 
gansen Körper ans. Im 23. Jahre bekam Patient Belästigungen von verstopfter, 
trockener Nase und es begannen die Ohrläppchen za schwellen, es zeigten sich Knoten 
im Gesiebt and die Aagenbraaen begannen auszufallen. Danach verminderte sich die 
Kraft der beiden Hände, dieselben blieben jedoch gut streckbar. 

Im 20. Jahre stellte Patient sich unter Behandlung; sein Arzt teilte ihm mit, 
dals er an Lepra litte. — Erfolg der Behandlung null. 

Die folgenden zwei Jahre Behandlung von Dr. A. geschah mit Einspritzungen 
von Tuberkulin, auch mit äußreren Mitteln, Salben etc. Patient erklärt, unter dieser 
Behandlung stark zurüokgegangen zu sein. Die Anschwellungen nahmen zu, die Augen¬ 
brauen fielen vollständig aus. — Danach hat Patient während eines Jahres kein einziges 
Medikament gebraucht In diesem Jahre blieb die Krankheit unverändert. 

Im April 1897 wurde Patient hier aufgenommen. 

Status praesens. Ziemlich gut entwickeltes Individuum mit aufrechter 
Haltung, Knochen und Muskeln müssen früher gut entwickelt gewesen sein; nun aber 
besteht Atrophie der meisten Muskeln, namentlich der Extremitäten und am stärksten 
von den Interossei und den Ballen vom kleinen Finger und Daumen. 

Die Haut ist außergewöhnlich dunkel, was vom Patienten einer Salbe zu- 
geschrieben wird, welche aus Karbolsäure und Jod bestand, womit er seit längerer 
Zeit Minen ganzen Körper einreiben mußrte. Europhensalbe wurde nur zwei Wochen 
gebraucht, Dermatolsalbe wurde lange eingerieben. 

Facialis normal, kann gut mit dem Munde pfeifen etc. 

Die Uder sind gesohwoUen, die Wimpern verschwunden, ebenso die Augenbrauen, 
einige gröfsere Blutgef&fse in der Conjunctiva bulbi und leichte Conjunctivitis palpe¬ 
brarum; Gehör, Geruch, Geschmack und Gesicht sind normal, die Pupillen reagieren gut. 

Die inneren Organe funktionieren gut. Äußrer einzelnen Ronohi ist bei den 
physischen Untersuchungen nichts zu konstatieren. 

Kniereflexe normal. Plantarreflexe fehlen. 

Alle Bewegungen werden gut ausgeführt, obschon weniger kräftig als früher. 

Die Hände können noch gut gebogen und gestreckt werden; die Finger lassen 
«eh spreizen, der kleine Finger bleibt an beiden Händen zurück. 

Die Zehen können nicht mehr gespreizt werden. 

Die Nägel von Händen und Füfsen sind atrophiert und nach innen gebogen. 

Parästhesien, die Patient im Beginn der Krankheit belästigten, bestanden jetzt 
sicht mehr, nur ist die Haut des Patienten sehr empfindlich gegen Kälte. 

Auf der Rückseite der linken Hand und ebenso der ersten Phalangen von Zeige-, 
Mittel- and Ringfinger ist Gefühllosigkeit, die letzten Phalangen haben Gefühl; der 
Dtomen fühlt normal, der kleine Finger ist gefühllos. Dasselbe findet man an der 
rechten Hand. 

Die Volarseite der linken Hand hat Gefühl, aufser dem kleinen Finger und dem 
Metatarsalgebiet 

An der Volarseite der rechten Hand ist der kleine Finger und Ringfinger bereits 
gefühllos, das übrige ist normal. An der Beugeseite der Unterarme ist das Gefühl 
sonnal, an der Streckseite verringert. Ebenso an den Oberarmen. 

Auf den Schulterblättern sind die Gefühlsempfindungen stark gestört — Rücken, 
Brust und Bauch zeigen normale Gefühlsempfindungen. — An den unteren Extremi¬ 
täten ist überall Gefühl vorhanden, aufser an der äufseren Streckseite. Die Füfse fühlen 
beinahe nichts mehr, dagegen sind Empfindungen für Wärme und Kälte geblieben. 

13* 


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Patient hatte hier mehrere Male Fieber, welches stets mit einer Anasthene der 
Hände begann. Dieses Fieber reagierte nicht auf Chinin oder Antipyretica, vsr- 
schwand aber sofort bei einer Medikation von Chinosol, 1 g pro die. 

Patient kann sich nicht erinnern, jemals mit Leprakranken amgegangen zu sein. 
Er blieb von seinem 6.—15. Jahre im Waisenhause zu Samarang und war dann zwei 
Jahre auf einem Regierungsbureau, wo er mit javanesischein Schiffsvolk aus allen 
Teilen des chinesischen Archipels in Berührung kam. 

Dieser Fall begann also als typische Lepra anaesthetioa. Sehr schnell 
nachdem Patient die Grefiihlsstörungen bemerkt hatte, traten die trophi- 
sehen Störungen ein (starke Abmagerung von beinahe allen Muskeln und 
den Extremitäten und Hypertrophie der Unterhautzellgewebe des Gesichts 
und der Finger). Bemerkenswert ist die Angabe des Patienten (eine 
Meinung, die ich wiederholt bei vielen Leprakranken fand und die die 
Anwendung einer energischen Medikation sehr erschwert), dafs gerade 
unter der Medikation sein Leiden stark zugenommen hätte, während seine 
Krankheit vor dieser Zeit stationär gewesen wäre. Jedenfalls rnuüs dieses 
zum Teil nur mangelhafter Beobachtung zugeschrieben werden, aber es ist 
doch nicht zu leugnen, dafs reizende äufsere Mittel bei Lepra keine Ver¬ 
besserung, aber Verschlimmerung veranlassen. Häufig hörte ich auch von 
meinen Kranken die Meinung, dafs ihre Lepra erst feucht geworden sei 
nach einer medikamentösen Behandlung; unter feucht wurden von ihnen 
die hypertrophischen Störungen verstanden, die bei Lepra tuberosa und 
anaesthetica so stark auftreten. 

Fall 2. C., 33 Jahre alt, geboren zu Batavia. Vater Vollblut-Europäer, Mutter 
javanesische Christenfrau. Die Eltern litten nicht an Lepra, ebenso die Großeltern. 
Hat keine Geschwister. 

Litt als Kind von 10—11 Jahren an Ausschlag auf dem Kopfe. — Kam mit 
18 Jahren in Militärdienst Litt an Beri-Beri und Syphilis im Jahre 1885. 

1891 entlassen. Im J. 1892, nachdem er etwa acht Monate auf dem Kirchhofe 
zu Buitenzorg gearbeitet hatte, bekam Patient Fiebererscheinungen, Atembeschwerden, 
Appetitlosigkeit, Husten und Blutspeien. Dieses dauerte etwa vier Monate, in welcher 
Zeit er sich selbst mit inländischen Medizinen behandelte. Am Ende von 1893 merkte 
Patient, dafs sein Körper mit Flecken bedeckt war und zwar auf dem Rucken und 
der Rflckfiäche seiner Schenkel. Diese Flecken waren blafsgelb und wenn er wsrm 
wurde, wurden sie röter. Langsam verbreiteten sie sich über den ganzen Körper. 

1895 arbeitete er als Aufseher über Schmiede zu Tandjonk-Prick. Er sequi 
rierte damals ein Geschwür, das in zehn Tagen unter Jodoform beb andlung vollständig 
verschwand. Kurz danach begannen die Ohrläppchen zu schwellen und es zeigte sich 
eine Schwellung der Nase und des Gesichts von einer blauvioletten Farbe. Zu gleicher 
Zeit litt er an einer trockenen, verstopften Nase. Er meldete sich krank in Buiteo 
zorg und wurde da in das Hospital aufgenommen, da er wieder Schanker acquiriert 
batte. Dann konstatierte der Arzt Lepra und wurde er im Jahre 1897 nach hier expediert. 

Status praesens. Gut entwickeltes Individuum mit aufrechter Haltuog; 
Knochen und Muskeln stark entwickelt. Die Haut ist ziemlich dunkel, hauptsächlich 
auf Rücken und Schenkel befanden sich runde, schmutzig gelbgraue Flecken, solche 
Flecken sind auch auf den Extremitäten, dort etwas dunkler. Facialis normst. Die 
Augenlider geschwollen. Wimpern normal, die Brauen zur Hälfte (nach außen zu) 


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ausgefallen. Augen normal. Ohrläppoben gesohwollen. Die Hant auf und unter dem 
Jochknochen ist geschwollen. (Facies leonina, obschon nicht stark.) Gehör, Geruch, 
Geschmack, Gesicht normal. Pupillen reagieren gut. Observatio pulmonum negativ, 
aufser einigen Bonchi. Observatio cordis: Beschleunigte und verstärkte Herzbewegung 
nach der Beri Beri. Kniereflexe und Plantarreflexe normal. 

Alle Bewegungen werden gut ausgeführt. Nägel an Händen und Füfsen normal. 

Parästheaien am Rücken» Schenkel und der Streckseite der oberen Extremitäten. 

Das Platzgefühl ist über den ganzen Körper erhalten, auf den Flecken aber sehr 
vermindert. Das Septum nasi ist geschwollen; in der Mitte ein kleines Geschwür an 
beiden Seiten. 

Patient wird hier behandelt mit Unguentum cinereum auswendig auf dem 
Sehanker, welcher noch vorhanden war, als er hier eingeliefert wurde. 

Auch wurde wegen des Auftretens luetischer Ulcera in der Kehle eine anti- 
sjphilitische Behandlung eingeleitet. 

Die Erscheinungen von Lues beginnen zu verschwinden. Seine Lepra ist im 
Augenblick stationär. 

Das primäre Auftreten von Flecken, die geringen circumscripten 
Gefilhlsstöningen und die Parästhesien stempeln diesen Fall zu Lepra 
maculosa. 

Die Komplikation mit Syphilis, die ziemlich häufig vorkommt, wird 
im Beginn die Differentialdiagnose sehr erschwert haben. 

Fall 3. H., 17 Jahre alt, geboren zu Cheribon. Vater und Mutter waren 

M i sch tin ge. Der Vater litt nicht an Lepra, die Mutter ist an dieser Krankheit ge¬ 
storben. Die Grofseltern litten nicht an dieser Krankheit. Er hat funt Geschwister 
gehabt, wovon zwei Schwestern an nasser Lepra starben und ein Bruder an Krämpfen. 

War als Kind niemals krank, bis in seinem 9. Jahre Verkrümmung der Finger 
eintrat mit Atrophie der Handmuskeln. Ein Prodromalstadium ist nicht voraus* 
gegangen. Die Krankheit hat einen sehr schleichenden Charakter. Erst naoh vier 
Jahren bekam Patient tiefe, perforierende Ulcerationen an beiden Fufssohlen, nach¬ 
dem er auf blofsen Füfsen auf der Jagd gewesen war. 

Einige Zeit vorher hatte er Gefühlsstörungen bemerkt an Händen und Füfsen; 
auch litt er häufig an trockener, verstopfter Nase. Nach der Behandlung heilten die 
Geschwüre vollständig, recidivierten aber sehr bald. — Patient ging damals immer 
auf blofsen Füfsen. 

Endlich im Juli 1897 wurde er hierher gebracht aus dem Hospital zu Samarang. 
Seine Geschwüre bestanden noch. 

Status praesens. Ziemlich gut gebautes Individuum. Knochen und Muskeln 
gut entwickelt, nur der Brustkasten ist etwas flach. Weder im Gesicht noch an den 
übrigen Körperteilen sind trophische Störungen vorhanden, ausgenommen an Händen 
und Füfsen. Flecken werden nirgends angetroffen. Die Interossei sind sehr ab- 
gamagert an beiden Händen, auch der Ballen vom kleinen Finger und Daumen, 
hauptsächlich der vom kleinen Finger, welcher beinahe verschwunden ist. 

Der kleine Finger und Ringfinger der rechten Hand sind in starker Flexion, 
können nioht gestreckt werden. Der Mittelfinger macht in dem zweiten Gliede einen 
stumpfen Winkel; der Zeigefinger und Daumen sind gut. Der kleine Finger der 
linken Hand ist in starker Flexion, der Ringfinger weniger, die übrigen Finger können 
noch gut gestreckt werden. 

An dem rechten Pulse können die Zehen nicht mehr bewegt werden. Auch ist 
da ein abnormer Stand der großen und mittelsten Zehe (sie sind einander zugebogen). 


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An dem linken Falbe können die Zehen nooh bewegt werden, stehen ab« tn 
beiden Füßen in Flexion. Die Nägel sind ziemlich normal. 

Die Gefuhlsstörungen beschränken sich auf die trophisoh veränderten Teile, so- 
dafs auf Stellen, wo die stärkste Atrophie herrscht ebenso die stärkste GefÜhlsstönmg 
gefunden wird. Facialis nicht gestört. Wimpern und Brauen normal. Ohrläppchen 
nicht geschwollen. Gehör, Geruch, Geschmack und Sehvermögen normal. Septum 
nasi normal. Ebenso die Beaktion der Papillen. Die Reflexe sind normal, außer sn 
den Fußsohlen, die gefühllos sind. Innere Organe normal. Keine Parästhesien, wohl 
aber Neuralgien in den unteren Extremitäten. Die Geschwüre des Patienten wurden 
bisher äufserlich behandelt, abwechselnd mit Unguentum cinereum and Sublimst 
(Prixssnitz). Im letzten Monat wurden sie behandelt mit Chinosol als Streupulrer 
und auch als Unguentum chinosoli, und wurde damit ein sehr gutes Resultat erzielt 
Früher 2—2 1 /* cm tief, sind die Geschwüre gegenwärtig nur oberflächliche und gut 
granulierende Wunden geworden, die in kurzer Zeit geheilt sein werden. 

Die normalen, oberflächlichen Gesichtsmuskeln, der nicht gestörte 
Haarwuchs, das Nicht Vorhandensein von Flecken und die geringen Gefühl* 
Störungen sollten in diesem Falle für Syringomyelie sprechen. Die nicht 
abweichende Wirbelsäule (aufrechte Haltung) und die Verminderung des 
Tastgefühls sprechen aber für Lepra; ebenso die Ulcera perforantia an 
den Füßen, in casu für Lepra anaesthetioa. Dieser Fall ist sehr über¬ 
einstimmend mit einem im Jahresbericht von 1891 beschriebenen, bei 
dem damals die Diagnose nicht mit Sicherheit zu stellen war. Dieser 
Patient aber kam im Jahre 1896 wieder unter Behandlung und zeigte 
dann ganz deutlich das Bild von Lepra anaesthetioa. 

Unser letzter Fall würde ebensogut in das Beweismaterial der Befür¬ 
worter von Heredität als in das der Befürworter von Infektion passen. 
Die Mutter war leprös, als Patient nooh ein sehr kleines Kind war. Ein 
inniger Umgang miteinander war also vorhanden. 

Fall 4. C., 16 Jahre alt, geboren zu Buitenzorg. Vater unbekannt; Matter 
Mischling, litt nioht an Lepra. Großmutter auch nioht. Von anderen Funilien- 
mitgliedern nichts bekannt. 

Patient hat sieben Geschwister, von denen keines an Lepra leidet. Er litt al* 
Kind an Pocken und wurde in seinem 12. Jahre durch einen Hund gebissen. Dis« 
Wunde heilte schlecht. Es dauerte länger als ein Jahr, ehe sie geschlossen war. 

In seinem 15. Jahre bekam Patient schwere Fieber mit schmerzhaften nnd steifen 
Beinen, danach zeigte sich leichte Schwellung des Gesichtes; die Haut desselben wurde 
dunkler. Auch schwollen die Finger von beiden Händen etwas an. 

Der betreffende Arzt konstatierte damals Lepra. Das Gefühl war überall gut, 
ausgenommen an der Ulnarseite des linken Unterarmes. Anch litt er damak sn 
trockener, verstopfter Nase. Im August 1897 wurde er hier angenommen. 

Status praesens. Für sein Lebensalter wenig entwickeltes Individaam; 
Körperbau jedoch gut. Die Extremitäten sind mager (naoh Angabe abgemagert). Di* 
Haut ist überall gleichmäßig dunkel gefärbt, ausgenommen auf der Brust, wo 
unter der Clavicula und auf dem Sternum von einer viel helleren Farbe ist Faoish* 
normal, kann gut pfeifen etc. Augenlider geschwollen, ebenso die AugenbrauenbogtB* 
Die Augenbrauen sind zur Hälfte (nach außen zu) ausgefallen, die Augen normal. Die 
Ohrläppchen gesohwollen. Gehör, Geruch, Geschmack und Sehvermögen normal, Pa* 


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pflkffüHiwi gut. Die inneren Organe fauktionieren normal, ausgenommen einige 
Bondn; bei der physischen Untersuchung nichts Abnormales zu konstatieren. 

Knie- und Plantarreflexe normal. Alle Bewegungen können gut ausgefuhrt werden, 
obsohon weniger kräftig als früher. Die Finger können gut gebogen, gestreckt und 
gespreizt werden. Die Zehen machen alle Bewegungen, obgleich beschrankt. Parasthe- 
sien und Neuralgien in den Beinen. Das Ortsgefühl am Kopf, Bumpf und oberen 
Extremitäten ist normal. — Nur an der Ulnarseite des linken Unterarmes wird kein 
Schmerz gefühlt. Die unteren Extremitäten fühlen gut, ebenso die Füfte. 

Patient kann sich nicht erinnern, jemals mit Leprösen umgegangen zu sein. 
Auiser an Lepra litt er in leiohtem Grade an Aphtae tropicae und adenoiden Vege¬ 
tationen. Septum nasi geschwollen und rot, auoh die Conohae; naoh Behandlung mit 
Chinosol normal 

Auoh dieses ist also wieder ein deutlicher Fall von Lepra anaesthetioa. 
Nun ein paar Worte über einen in diesem Jahre verstorbenen javani¬ 
schen Kranken. 

M., aus Pelantoengan, war als Kind immer gesund. Seine Eltern litten nicht 
an Lepra. Auch war kein Leprafall in seiner Familie. Im Jahre 1889 und 90 arbeitete er 
als Gärtner bei dem chinesischen Pachter allhier längere Zeit auf einem StüokLand, 
wo früher Leprabaracken gestanden hatten. Der Boden von diesen Baracken bestand 
ans festgestampfter Erde, ohne andere Bedeckung. Während er da arbeitete, hatte er 
einige Male Wunden an seinen FüCsen. Er begann im Jahre 1890 zu kränkeln mit 
Fieber, das keiner einzigen Behandlung weichen wollte. 

Er begab sich dann nach seinem Dorfe zurück, wo er längere Zeit blieb. Im 
Jahre 1891 stellte er sich wieder unter Behandlung, wobei festgestellt wurde, dafs er 
an Lepra tuberosa litt. Er wurde nan in das Leprahospital aufgenommen. Mit der 
Zeit nahm seine Krankheit die mutilierende Form an und er verlor die meisten Pha¬ 
langen von Händen und Füfsen. Ende des Jahres 1896 begann er zu husten und 
lehrte ersichtlich aus. Aus dem kleinen Vorrat Chinosol wurde ihm 1 g pro die 
gegeben in verteilten Gaben. Obsohon dadurch das Fieber wich und der Husten auf¬ 
hörte, war Patient doch schon zu stark geschwächt und starb kurze Zeit danach. 

Die Sputa enthielten keine Tuberkelbacillen; also scheint sein Leiden typische 
Lungenlepra gewesen zu sein. 

— Sn javanischer Patient W. wurde im Mai 1897 als fieberkrank aufjopnommen. 
Dieses Fieber wurde durch keine Behandlungsweise vermindert; Chinin, Antipyretica, 
8ehcyl, Liquor Fowlxbi wurden ohne Erfolg angewandt 

Nach einiger Zeit frappierte mich das geschwollene und verfärbte Gesioht dieses 
Kranken. Bei genauerer Untersuchung wurden Gefühlsstörungen und Nerven- 
Verdickungen konstatiert Durch Erkundigungen wurde festgestellt, dafs auoh dieser 
Pfetient aus der Umgegend gebürtig sei und ebenfalls auf demselben Stück Land 
längere Zeit gearbeitet hatte. Die Anschwellung blieb bestehen, das Fieber ver¬ 
schwand und der Mann mnfste auf sein Ersuchen entlassen werden. 

Danaoh ist er in einen anderen Bezirk gezogen, sodafs ioh ihn nicht habe ob- 
ssrvieren können. 

Diese beiden Fälle stehen beinahe auf derselben Linie mit denen 
Ton Ortmann, der inokulative Lepra übertrag. 

Es scheint, dafs der Leprabaoillns unter günstigen Verhältnissen, 
*• B. in feuchter Kulturerde, sehr lange am Lehen bleibt und seine 
Virulenz behält. 


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Ein eigentümlicher Fall von Lepra unter der Form von MoRVANscher 
Krankheit kam im Dezember unter Behandlung. 

Vor ungefähr einem Monat entwickelte sich bei dem Javanen B. an dem Mittel¬ 
finger der rechten Hand ein sich über den ganzen Finger ansbreitendes, aber nicht 
schmerzhaftes Panaritium. Inländische Medizin, die er darauf anwandte, verschlimmerte 
das Übel. Seit fünf Tagen hier aufgenommen, wurde er mit Ghinosolnmschlagen be¬ 
handelt, wodurch eine grofse Verbesserung ein trat, sodafs es wohl noch möglich ist, 
den Finger, obschon mutiliert, zu erhalten. 

In dem Gebiet des rechten Nervus cubitalis besteht Anästhesie; auch sind Ver¬ 
dickungen des Cubitalis vorhanden. Die übrigen Finger können gut bewegt werden, 
obsohon die Kraft abgenommen hat und sie sehr abgemagert sind. " 

— Bei einer seit dem Jahre 1887 verpflegten europäischen Kranken hat 
sich die Erscheinung gezeigt, die durch Ehlebs „Le sillon ainhumoide* genannt 
wird, und zwar rund um die Basalfläche des Daumens .der bereits stark mutilierten 
rechten Hand. Um diesen Daumen läuft eine sehr tiefe cirkuläre Grube bis auf den 
Knochen der Basalphalanx durchdringend. Diese Wunde wird das Abfallen des 
Daumens zur Folge haben. 

Andere bemerkenswerte Krankheitsfälle kamen dieses Jahr nicht vor. 
Von dem Personal wurde niemand von Lepra ergriffen. 

Die erfolgte Medikation war anfänglich die im vorigen Jahre be¬ 
stehende, bis ich im August in den Besitz einer kleinen Menge Chinosol 
kam, C 9 H 6 N0S0 3 K, oxychinolinsulfosaures Kalium, auch wohl Oxychinolin- 
Alaun genannt, welches durch beinahe alle Ärzte, die seit 1896 damit 
experimentieren, sehr gerühmt wird. Dieses Chinosol wurde mir von der 
chemischen Fabrik Franz Fritzsohe & Co. in Hamburg geschickt. 

Auf Ersuchen des Fabrikanten Dr. Leopold Ostermann, der früher 
in Java war, habe ich das Mittel dann bei Lepra sowohl äufserlich als 
innerlich angewendet. Von dem freundlichen Anerbieten des Fabrikanten, 
mir, wenn meine Versuche ein günstiges Resultat hätten, ein größeres 
Quantum zu senden, habe ich Gebrauch gemacht. Mich hier nur auf 
Lepra beschränkend — ich wendete das Mittel auch noch gegen andere 
Krankheiten an — kann ich es als sehr wirksam empfehlen. 

Abgesehen davon, dafs viele torpide lepröse Ulcerationen dadurch schnell 
geheilt wurden, hatte ich bei Fieberanfällen, die im Verlauf der Krankheit 
auftraten und die anderen Fiebermitteln nicht weichen wollten, von Chinosol 
innerlich 1 g pro die in verteilten Gaben ein beinahe augenblickliches 
Resultat. Bei zwei Patienten mit Lungenlepra half das Mittel ebenso. 

Bei der einen Patientin verschwanden alle Klagen über die Brust. 
Der andere war der bereits besprochene Javane M., der, wie ich das 
Mittel empfing, bereits zu sehr zurückgekommen war und dann auch starb, 
obschon ein günstiger Einfluis auf sein Lungenleiden zu konstatieren war. 

Resultate über die Europhenbehandlung können noch nicht mitgeteilt 
werden, da ich das Mittel erst zu kurze Zeit angewendet habe. 

Pelantoengan (Niederl.-Indien), den 31. Dezember 1897. 


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Über die Prostitution, speziell in Dresden. 

Referat, erstattet im ärztlichen Bezirksrerein Dresden-Stadt am 16. November 1897 

von 

Dr. med. Werther. 

Für das menschliche Handeln sind die mächtigsten Triebfedern im Erwerb und 
im Geschlechtsleben zn suchen. Den Erwerb regeln und lenken in richtige Bahnen 
zahlreiche Einrichtungen und Gesetze. Die Regelung des Geschlechtslebens beschränkt 
sieh fast ausschließlich auf die Bestimmungen über die Ehe. Diese genügt aber heute 
nioht mehr dem geschlechtlichen Bedürfnisse der Menschheit. Die Formen des außer¬ 
ehelichen Geschlechtsverkehrs bedingen arge Übelstände. Schon die Rücksicht auf 
die geschlechtlichen Krankheiten sollte allein hinreichen, alle kleinlichen Bedenken 
bei Seite an setzen und eine staatliche Regelung auf diesem Gebiete zu bewerk¬ 
stelligen. 

Wir sind aber in Deutschland, im besonderen in Dresden weit davon entfernt. 
Was auf diesem Gebiete in der Neuzeit geschieht, zielt darauf hin, die Sache gehen 
su lassen, wie es Gott gefällt. 

Die neuere Geschichte der Regelung der Prostitution in Dresden ist kurz folgende: 

1863 ging die Handhabung der Sittenpolizei auf die Polizeidirektion über. Es 
bestanden an dieser Zeit eine Anzahl Bordelle und ein Regulativ für Kuppler, nämlich 
die Personen, welche aus dem Vermieten an Prostituierte ein Gewerbe machten. 
Dieses Regulativ sollte die Auswüchse des Prostitutionswesens beschneiden. 1871 nach 
Inkrafttreten des Reichs-Straf-Gesetzbuches, welches nach § 180 die Kuppelei unter 
allen Umstanden unter Strafe stellte, mußte dieses Regulativ und die Konzessionierung 
von Bordellen wegfallen. 

Es blieben aber solche Häuser unter ausdrücklicher Billigung der damaligen 
Königl. Kreisdirektion bestehen, welche ganz besonders eine Dispersion der Prosti¬ 
tuierten in der Stadt nioht wünschte. Die Dirnen standen nun im Verhältnis von 
Aftermietermnen zu ihren Wirten. Irgendwelche Garantie, daß sie bei erstatteter 
Anzeige auf Grund von § 180 nioht zur Verantwortung gezogen wurden, hatten diese 
Wirte nioht. Dieser Modus suchte sich der neuen Strafgesetzgebung anzubequemen. 
Daneben hatte die Polizeidirektion das Prinzip, die Prostitution — da sie nicht ab- 
suscbaffen sei — doch wenigstens so einzuschränken, daß sie nach außen hin mög¬ 
lichst wenig Aufsehen machte und Ärgernis gäbe. Dresden nahm infolge dieser 
Bemühungen — wenigstens bß 1888 — unter den großen Städten Deutschlands im 
Hinblick auf öffentliche Sitte mit den ersten Rang ein. 

1888 beantragte eine Anzahl von Bewohnern der Zahnsgasse bei der Polizei¬ 
direktion, daß einer Hausbesitzerin an der Zahnsgasse das Vermieten an Prostituierte 
untersagt werden möge. Nachdem sie von der Polizeidirektion und der Kreishaupt¬ 
mannschaft abgewiesen worden waren i wandten sie sich an das Ministerium des 
Innern. Das letztere eröffnete danach der Polizeidirektion mittelst Verordnung vom 
20. Juli 1888, die anderweite Regelung der Prostitution in Erwägung zu ziehen und 
zwar gemäß der Bestrebungen des Vereins zur Bekämpfung der öffentlichen Un¬ 
sittlichkeit, zu erwägen, ob Bordelle nicht unter allen Umständen zu verhindern 


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seien, weil sie die Prostitution als ein staatlich organisiertes Gewerbe und Überhaupt 
da® Laster in mildem Lichte erscheinen liefsen, weil sie durch Erleichterung der 
Gelegenheit für jüngere Leute verderblich waren. Man lieüs durchblicken, daCi es n 
wünschen wäre, die Prostitution als solche überhaupt au ignorieren und nur die 
Verstöüse gegen den öffentlichen Anstand und Übertretungen etc. zu bestrafen. 

Hierzu erstattete nun die KönigL Polizeidirektion einen Bericht, in dem sie zu¬ 
nächst die Vorteile der Bordelle erörterte. 

Als solohe wurden aufgeführt: 

L Die Bordellprostituierten stören nicht die Öffentliche Ordnung. Die Über¬ 
wachung derselben ist für die Polizeibeamten durch das gemeinsame Wohnen er¬ 
leichtert Die Wirte haben eine gewisse Zucht über die Prostituierten. 

2. Das Gift der gewerbsmäßigen Unsittlichkeit wird von den Familien der 
Unbemittelten ferngehalten, die bei Aufhebung der Bordelle Unterkunft gewähren. 
Die Verführung und das böse Beispiel wird der weibliohen Jugend aus den niederen 
Ständen bei größerer Dispersion der Prostituierten viel näher gerückt 

3. Das Lonistum, eine gefährliche Menschenklasse von sittlich verkommenen und 
arbeitsscheuen Menschen, wächst, je mehr die Prostituierten allein wohnen. 

Dagegen wurden als Nachteile der Bordelle aufgeführt: 

1. Die Beibehaltung der Bordelle verträgt sich nioht mit der gerechten Hand¬ 
habung der Gesetze (§ 180); 

a) einen Kuppler bestrafen, die Stätte seines Gewerbes nicht aufheben, ist 
sinnlos; 

b) den einen, der vielleicht aus Bache angezeigt worden, bestrafen und 
viele andere, die nicht angezeigt wurden, straflos lassen, ist ungerecht 

2. Die in Bordellen gehaltenen Mädchen werden an Leib und Seele zu Grunde 
gerichtet und können aus Bordellen schwer loskommen infolge der Ausbeutung durch 
die Wirte. 

8. Der Menschenhandel, gegen den die Polizei machtlos ist, hängt mit den 
Bordellen zusammen. 

4. Die Ansteckung durch Syphilis ist nioht in den Bordellen vermindert 
Dafür spreche der Umstand, dafs in dem Jahrgang September 1887—1888 

unter 200 Bordelldirnen 111 geschlechtskranke, 

„ 260 Freiwohnenden 100 „ 

gefunden wurden. 

Ob Vermehrung von Onanie und Päderastie durch Erschwerung der Gelegenheit 
zum außerehelichen Beischlaf ein treten werde, läßt die Polizeidirektion dahi ngestellt 
sein. Die Zahl der sogen. Verhältnisse würde sioher Zunahmen. 

Das Ministerium des Innern entschied, dafs die Rücksichten auf Moral und 
Gesetzlichkeit gegen diejenige der polizeilichen Zweckmäßigkeit als die üb er wiege n den 
anzusehen seien. Demgemäß wurden in Dresden die Bordelle im Jahre 1889 allmählich 
evakuiert Den übrigen Kreishauptmannschaften stellte man am 30. Oktober 1888 anheim! 
entsprechende Verfügungen zu erlassen. Vom Polizeiamt zu Chemnitz, welches eine 
städtische Behörde ist, wurden Vorstellungen dagegen erhoben. Am 29. Min 1889 
erwiderte das Ministerium in obigem Sinne und sagte am Schlüsse: „Bin abschheßsn* 
des Urteil wird erst die Erfahrung ermöglichen. Ungünstige Erfahrungen, welch# 
vielleicht in einzelnen europäischen Grofsstädten gemacht wurden, können nicht ohne 
weiteres abschrecken, da es Städte von solcher Gröfse in Sachsen nicht giebt.* 

In Chemnitz blieben die Verhältnisse, wie sie waren. In Dresden wurden dis 
Bordelle bis zum 1. Januar 1890 allmählich evakuiert; die reichsausländischen Mädchen 
wurden ausgewiesen. 1888 waren 470 eingeschrieben; 1890 nur 294. Von den polisei- 


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liehen Maßregeln «ei nur erwähnt, daß die Eingeschriebenen alle 14 Tage in der 
üblichen Weise untersucht wurden. 

Im Juni 1894 machte die Kommandantur darauf aufmerksam, daß die große 
Zahl der geschlechiskranken Soldaten der Garnison schärfere Kafsregeln in der Über¬ 
wachung der Prostituierten wünschenswert mache; darauf wurde vom 1. Juli 1894 ab 
die achttägige Untersuchung der Eingeschriebenen eingeführt und gleichzeitig über 
das Wohnen derselben Vorschriften erlassen, aus denen ich folgendes eitleren möohte: 

„pp. Insbesondere ist ihnen das ständige Wohnen verboten: in Gasthäusern 
und Grundstücken, in denen Öffentlicher Sohankbetrieb stattfindet, in der Nähe von 
Kirchen, Schulen oder anderen öffentlichen Erziehungsanstalten, Kasernen, sowie in 
oder bei einem Haushalte, zu welchem jugendliche Personen bis zum Alter von 
16 Jahren gehören. 

Es ist nicht gestattet, daß mehr als eine der Aufsicht unterstellte Frauens¬ 
person in einem Stockwerke und bei ein und demselben Vermieter wohnt, auch 
dürfen nioht mehr als vier dergleichen Frauenspersonen in einem Hause 
Wohnung nehmen. 

Es ist denselben weiter verboten: 

. . . Das auffällige und zweoklose Umhergehen auf den Strafsen, Promenaden 
und Plätzen der Stadt und der Vorstädte . . . Das Begehen der Reichs-, Prager- 
und Seestraße, westlichen Seite des Altmarktes und der Schloßstraße einerseits, 
sowie der König Johann-Straße, nördlichen Seite des Altmarktes und der Wilsdruffer 
Straße andererseits. 

Jeder diesen Vorschriften unterworfenen Frauensperson ist es unbenommen, sich, 
so oft als sie will, zur polizeiärztlichen Untersuchung zu stellen; sie ist aber ver¬ 
pflichtet, es wenigstens allwöchentlich einmal und zwar an dem für sie duroh die 
KönigL Polizeidirektion bestimmten Tage zu thun, etc. 

Zuwiderhandlungen gegen die polizeilichen Bestimmungen werden mit Haft nach 
§ 861, 6 des R.-Str.-G.-B. bestraft. 14 

Dieser Paragraph lautet: „Mit Haft wird bestraft eine Weibsperson, welohe 
wegen gewerbsmäfsiger Unzucht einer polizeilichen Aufricht unterstellt ist, wenn sie 
den zur Sicherung der Gesundheit, der öffentlichen Ordnung und des öffentlichen 
Anstandes erlassenen polizeilichen Vorschriften zuwiderhandelt, oder welche, ohne 
einer solchen Aufricht unterstellt zu sein, gewerbsmäßig Unzucht treibt.“ 

Ober die Folgen der Veränderungen werde ich später Genaueres anführen. Es 
ist soviel aber allen bekannt, dafr das Treiben der Prostituierten in den Strafsen zu 
gewissen 8tunden und besonders vor gewissen Lokalen der inneren Stadt sehr auf¬ 
fällig ward und daß auoh darüber geklagt wurde, daß die Prostituierten neuerdings 
in bisher noch nioht von ihnen bewohnte Straßen und Häuser, sogar in die Vororte 
in sehr unerwünschter Weße einzogen. 

Das gab den Stadtverordneten in den Jahren 1896/97 Anlaß, beim Rate, und 
fr« Rate ferner, bei der Königl. Polizeidirektion über das Wohnen der Prostituierten 
in Dresden vorstellig zu werden. Man wünschte, daß das Wohnen der Prostituierten 
auf bestimmte Häuser und bestimmte, vom großen Verkehre nioht berührte Straßen 
beschränkt werde. Ferner beantragten die Stadtverordneten, daß festgestellt werde, 
ob in der Nähe der Wohnungen Prostituierter schulpflichtige Kinder wohnen, um, 
wenn sieh auf Grund einer solchen Enquäte schwere Mißstände sittlicher Art heraus¬ 
steilen sollten, an dieser Stelle einzusetzen mit einem Vorgehen gegen die jetzt von 
der Polizei gutgeheißenen Zustände. 

Es wurde jedoch speziell zu diesem Anträge in der geheimen Sitzung vom 
6. Mai 1897 vom Rate bemerkt, daß wahrscheinlich in allen Fällen Kinder unter 


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16 Jahren in einem Hanse mit einer Prostituierten wohnten; dafs, wolle man dies 
verhindern, man nicht die genügende Anzahl Häuser finden wurde, wo Prostituierte 
überhaupt wohnen könnten — oder man müßte eben die Prostituierten kasernieren, 
d. h. ihnen bestimmte Häuser und Strafsen zuweisen. 

Dagegen spricht sich aber die Polizeidirektion aus in einem Schreiben des 
Vorstandes der Sittenabteilung an den Rat vom 22. Februar 1897: Um 
die lästige Zerstreuung der Prostituierten in der Stadt zu verhindern, habe man sie 
in den letzten Jahren thunlichst räumlich zusammengedrängt, aber damit sei Mais za 
halten, damit die Prostituiertenhäuser nicht den Charakter von öffentlichen Häusern 
annehmen, welche eben nicht geduldet werden sollen, da sie 

1. das öffentliche Rechts- und Sioherheitsgefühl verletzen, 

2. die Versuchung, namentlich für jüngere Leute, näher bringen, und durch & 
leichterung der Gelegenheit die Neigung zu Ausschweifungen befördern. Die Be¬ 
schränkung auf bestimmte Proletariergassen sohädige und belästige die ärmeren 
Klassen zu Gunsten der Wohlhabenden. 

Zur Zeit haben sich die Wohnungsverhältnisse der Prostituierten in Dresden so 
gestaltet, dafs wohnen 

in 42 Strafsen in je 1 Hause zumeist 1 Prostituierte, in Sa. 50, 


n 

7 

n 

n 

n 

2 Häusern 


2—3 

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n 

n 

38, 

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2 

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n 

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3 

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2—3 

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16, 

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3 

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4 

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90, 

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13 

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n 

62, 


in 57 Strafsen in 98 Häusern 280 Prostit 

Am Schlüsse wird bemerkt, dafs die Regelung dieser Wohnungsverhfiltnisse auf 
Anordnung des Königl. Ministeriums des Innern und unter dem Einflüsse vielfacher 
Eingaben des „Vereins zur Hebung der Sittlichkeit“ erfolgt sei, dafs die Sittenpolizei 
daher mit ihren Mafsregeln vielfach Rücksichten zu nehmen habe. 

Man sieht hieraus deutlich, dafs die Sittenpolizei bestrebt ist, die Prostituierten 
zusammenzudrängen. Mancher wird sich hierbei wundern, dafs gewisse Häuser der 
Frohngasse in den Augen der Polizeidirektion nicht den Charakter öffentlicher Häuser 
haben, den sie z. Z. in denen des Publikums haben. 

In der erwähnten Sitzung der Stadtverordneten wurde hierzu bemerkt, dafs das 
unklare Schwanken zwischen Kasernieren und Zusammendrängen durch die Rücksicht 
auf § 180 des R. Str. G. B. bedingt werde. 

Derselbe lautet abgekürzt: „Wer gewohnheitsmäfsig oder aus Eigennutz, duroh 
Gewährung oder Schaffung von Gelegenheit der Unzucht Vorschub leistet, wird wegen 
Kuppelei mit Gefängnis bestraft.“ 

Dieser § 180 verhindert die Behörde wirksam einzugreifen, da er genau ge¬ 
nommen der Prostitution überhaupt keine Wohnung gestattet, und eine sittenpölizeilichs 
Überwachung der Wohnungen der Prostituierten gar nicht berücksichtigt, wie es 
§ 861, 6 doch thut. Duldet die Polizei Bordelle, so übersieht sie § 180 und macht 
sich einer Begünstigung schuldig; andererseits kann auch nicht gesagt werden, daß 
der jetzige Zustand bezüglich des Wohnenlassens der Prostituierten in Dresden mit 
diesem Paragraphen in absolutem Einklang stünde; denn jeder, der an eine Prosti¬ 
tuierte Wohnung vermietet, kann wegen Kuppelei angezeigt werden, und der Staats¬ 
anwalt kann sich der Verfolgung nicht entziehen. 

Da &ber bekannt ist, dafs von 1871 bis 1888 die Polizeidirektion Konflikte mit 
dem Staatsanwalt über diesen Punkt nicht nur in Dresden, sondern auoh an anderen 


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Orten hat vermeiden können, so müssen noch andere Faktoren die veränderten Mais¬ 
regeln bedingt haben. Es sind dies, wie schon angedentet worden ist, die Bestrebungen 
des sogenannten Sittlichkeitsvereins. 

Da nun aber die Prostitutionsfrage nicht nur mit der Sittlichkeit, sondern auch 
mit der gesundheitlichen öffentlichen Wohlfahrt eng zusammenhängt und letztere bei 
der Aufhebung der Bordelle n gar wenig“ in Bücksicht gezogen worden ist, so ist 
man seitens des Rates daraufhin gekommen, den ärztlichen Bezirksverein um ein 
Gutachten zu ersuchen. Die Meinung der Ärzte über die Prostitution in Dresden 
und insbesondere 1. über deren Einfiufa auf die Verbreitung von Geschlechtskrank¬ 
heiten und 2. über die Wiedereinführbarkeit von Bordellen wird gewünscht. 

Die Prostitution bildet, ihren Ursachen und ihren Gefahren nach, in erster 
Linie eine soziale Frage. Bei der Diskussion müssen daher allgemeine soziale Ge¬ 
sichtspunkte berührt werden. Nächstdem ist sie aber eine hygienische. Kein Stand 
ist besser in der Lage als der ärztliche, nach beiden Richtungen hin das Leben der 
GroÜMtadt in Beziehung zur Prostitution zu studieren und zu beurteilen. 

Es scheint mir deshalb auch an diesem Orte angebracht, auf allgemeine Fragen 
über die Prostitution kurz einzugehen; es mufs eine klare Einigung über die Ursachen 
und Schäden der Prostitution erzielt werden, auf Grund deren über Abhülfe diskutiert 
werden kann. 

Die Prostitution, die ich kurz mit Betrieb gewerbsrnäfsiger Unzucht definieren 
will, hat zu allen Zeiten und an allen Orten bestanden, wird auch nach menschlichem 
Ermessen ein steter Begleiter der Menschheit bleiben. Ursprünglich wird der Ge¬ 
schlechtstrieb der Menschen die Nachfrage naoh Prostituierten bedingt haben. In 
der Neuzeit und besonders in grofsen Städten und Verkehrscentren ist die gewerbs- 
mafsige Unzucht in ungewöhnlicher Weise angeschwollen. Die Zunahme des An¬ 
gebotes übersteigt sogar die Zunahme der Nachfrage. Das männliohe Geschlecht 
sucht nioht mehr die Prostitution auf, sondern die Prostitution das männliche 
Geschlecht. Sie bietet sich in tausend Formen dar. Der Grund hierfür ist nicht 
etwa nur im Mangel an Religiosität zu suchen; auch nicht nur in der Wollust, 
Genufssuoht, Putzsucht und Arbeitsscheu leichtsinniger Mädchen; zum gröfsten Teil 
liegen die Ursachen dafür auf wirtschaftlichem Gebiete. 

Mit dem Eintritt der Frauen in die Industrie ist es zu unverhältnismäfsiger 
Zunahme der geheimen Prostitution, zu einem Massenangebot derselben gekommen. 
Diese moderne geheime Prostitution unterscheidet sich nach Umfang und Inhalt von 
der früherer Zeiten, sie ist nicht mehr ein abnorm veranlagter Typus im Sinne 
Loubrosos, Tabnowbkts, sondern ein Produkt der wirtschaftlichen Verhältnisse. Die 
niedrigen Löhne gewisser Zweige weiblicher Arbeit — Schürzen-, Knabensaohen-, 
Trikot-, Knopfloch-, Handschuh-, Schirm-Näherinnen, Stiokerinnen —, die niobt zur 
Beschaffung des Nötigsten in den einfachsten Verhältnissen genügen, sind Grund 
hierfür. Die Not wird zur Kupplerin. 

Dazu kommt, dafs der junge Mann in dem Alter, wo der Geschlechtstrieb sich 
am stärksten geltend zu machen pflegt, unter den heutigen wirtschaftlichen Ver¬ 
hältnissen nicht im stände ist, eine Ehe zu gründen und einen Hausstand zu erhalten. 

Die Ehelosigkeit ist aber eine Entbehrung. Man kann daher nicht erwarten, 
dafs alle minderbegünstigten Ehelosen, welche unter dem Zwange der sozialen Ein¬ 
richtungen und ihres Berufes und Einkommens leiden, ihr Schicksal ruhig tragen. 
Der Geschlechtstrieb, welcher im stände ist, die Sinne zu verwirren und den Wider¬ 
standsunfähigen unter Umständen der Zurechnungsfähigkeit zu berauben, wird von 
Zeit zu Zeit bei jedem Manne seine Macht offenbaren. Ein oder das andere Mal 
wird auch der willensstärkste Mann von ihm überwältigt werden; dann ist es zweifellos 


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zuträglicher and weniger ansittlich, wenn diese Niederlage sich in einer der Natur 
angemessenen als in einer der Natar anangemessenen Weise vollzieht, auch wenn 
das christliche Sittengesetz dabei übertreten wird. 

Die Prostitution erfüllt — bei aller Widerwärtigkeit — den Zweck, einer grofsen 
Anzahl ron Männern eine normale physische Geschlechtsthätigheit zu ermöglichen, 
ohne andererseits zur Zahl der Geburten in merklicher Weise beizutragen, ohne ferner 
von den Männern so lohe Opfer an Zeit, Geld und Arbeitskraft zu fordern und 
ohne so zur geschlechtlichen Unmäüsigkeit zu Yerleiten, wie die sogenannten Ver¬ 
hältnisse der freien Liebe. 

Die Nachfrage nach Prostitution in Verkehrscentren wie Dresden wächst nicht 
nur durch die Zunahme der Bevölkerung, sondern auoh durch den Zuzug deijenigen 
Altersklassen, welche das gröfete sexuelle Bedürfnis haben: Arbeiter, Studenten, 
Soldaten. 

Die Unsittlichkeit ist demnach ron der heutigen Civilisation nicht zu trennen, 
sie gehört zu ihr wie der Schatten zum Lioht. Wir sind verpflichtet, uns auf irgend 
eine Weise mit den unangenehmen Folgen dieser Zustände absuflnden. 

Will man praktische Ziele erreichen, so darf man nicht einseitig nur die medi¬ 
zinische oder die ethische, politische, religiöse, juristische oder die soziale 8eite ins 
Auge fassen, sondern man mufs mit Hintansetzung von Vorurteilen und Tendenssn 
die verschiedenen Standpunkte zusammenfassen und ihnen möglichst gerecht zu 
werden suchen. Vor allen Dingen darf man sich nicht in Klagen über die Schlechtig¬ 
keit der Menschen ergehen, sodern man mufs die Mensohen nehmen, wie sie nun 
einmal heutzutage sind, und ihren Bedürfnissen Rechnung tragen, wobei natürlich 
alles zur Besserung dienliche erwogen werden soll. 

fis ist sohon ein grofeer Gewinn, wenn man sich überzeugen wollte, dafs manche 
wohlgemeinte Heilversuche deshalb einfach völlig aussichtslos sind, weil sie von irrtüm¬ 
lichen Voraussetzungen ausgehen, z. B. der, dafe die Prostitution durch Verbot und 
Strafen oder irgendwie aasgerottet werden könne. Eine solche Einsicht würde dahin 
führen, die vorhandenen Kräfte zum Zwecke der Erstrebung erreichbarer Ziels so 
vereinen. 

Die Prostitution ist nach obigem ein sekundäres Übel und kann deshalb mit 
Aussicht auf durchgreifenden Erfolg nur bekämpft werden, indem man ihre Ursachen 
bekämpft — — Wer sie aber nur direkt bekämpfen will, sei es durch staatliche 
oder religiöse Mittel, verfährt rein symptomatisch, gleioh demjenigen, der die Armut 
durch Almosen oder Verbrechen durch Strafen glaubt ausrotten zu können. 

Die Zustände, in denen es zur Prostitution nicht mehr kommen kann, liegen in 
unabsehbarer Ferne. Wir können nur auf sie hinarbeiten wie auf die vielen Ideals 
des Lebens. So viel Erfolge jene wohlgemeinten Bestrebungen haben mögen, die auf 
generelle Aufhebung der Prostitution hinzielen, es bleibt ein ungeheurer Best, dem 
gegenüber nur die Frage ist, wie er möglichst unschädlich zu machen ist. Neben 
den Bemühungen also, die Prostitution zu beseitigen, mnfe die stehen, für die nicht 
zu beseitigende die relativ beste Form zu finden. 

Die Gefahren der Prostitution liegen in erster Linie darin, dafs sie die Haupt¬ 
verbreiterin der Geschlechtskrankheiten ist. Diese allgemeine Behauptung zu be¬ 
weisen, halte ich für unnötig; sie ist von allen Kennern der Prostitution und der 
Syphilis anerkannt. Den Umfang dieses Schadens genau zu beurteilen, vermögen 
wir nicht, weil wir aus naheliegenden Gründen genaue Zahlen weder über die Grolls 
der Prostitution noch über die Anzahl der Geschlechtskranken in Dresden erhalten 
können. Die inscribierte Prostitution ist nur ein kleiner, der fünfte bis sehnte Teil 
der thatsäohlichen; von einem guten Teile der Fabrikarbeiterinnen, Dienstboten und 



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Kellnerinnen kann man annehmen, daß sie im Geheimen gewerbe- oder gewohnheits¬ 
mäßig Unzucht mit einer Mehrzahl von Männern treiben. Die sogenannten Ver¬ 
hältnisse (Grisetten) sind dagegen nicht zur Prostitution zu rechnen. Für Gewinnung 
eines Urteils, wie die Geschlechtskrankheiten unter der männlichen Bevölkerung 
verbreitet sind, sind die zuverlässigsten Statistiken die der Garnisonen, weil sie 
von einer Berufsklasse, die unter einheitlichen Verhältnissen lebt und gleichmäßiges 
Alter der Mitglieder aufweist, stammen und wesentliche Fehler ausgeschlossen 
sind. Die Zahlen sind sehr hohe, näheres später; im Durchschnitt erkranken in 
Dresden 40 von 1000 Mann im Jahre; 20 an Tripper, 10 an Schanker, 10 an allge¬ 
meiner Syphilis. Gute Statistiken sind sonst selten; doch verdient die von Beb der 
frwähnung, der von 6600 Patienten aus den besseren Klassen, die wegen verschie¬ 
dener Krankheiten ihn konsultierten, feststellte, daß 22,5 % mit Geschlechtskrank¬ 
heiten, 12% mit Syphilis behaftet gewesen waren. 

Blaschko berechnet für Berlin, dafs jeder zehnte Berliner die Syphilis am 
eigenen Leibe kennen lerne. 

Besondere Beachtung verdient die große Zahl der Kranken, die, ohne mit der 
Unsucht zu thun zu haben, mit Syphilis infiziert werden. Die Syphilis der Un¬ 
schuldigen wird auf 6—7% aller Infektionen berechnet Auch in Dresden kommen 
mehr und mehr Fälle dieser Art zur Beobachtung. Mir speziell sind z. B. mehrere 
Hebammen, teils ans dem Krankenhause, teils aus der Privatthätigkeit erinnerlich, 
die am Finger infiziert wurden. loh erinnere mich ferner zweier Kollegen, eines mit 
Fingerinfektion, eines anderen, bei dem durch einen unglücklichen Zufall eine Ver- 
letsung am Schienbein zur Eingangspforte wurde. Eine 50jährige Dame entfernte 
sieh mit einer Stickschere ein kleines Hautfibrom am Halse; an der Schnittstelle 
entwickelte sich eine Sklerose, der allgemeine Erscheinungen folgten. Ferner erinnere 
ich mich mehrerer Lippenschanker bei jungfräulichen Mädchen: mehrerer Tonsillen- 
mitialschanker. Ein Fall der letzten Art erinnerte mich an die große Gefahr der 
8yphilisübertragung durch ungenügend sterilisierte ärztliche und zahnärztliche In¬ 
strumente. Schließlich gedenken Sie der Übertragungen von Ammen auf Kinder 
und umgekehrt und der häufigen Übertragungen im Ehebett auf die Ehefrau und 
Nachkommenschaft 1 

Auf die Verbreitung dieser Syphilis der Unschuldigen hat die Prostitution wohl 
keinen direkten Einfluß; aber ohne Ftage einen mittelbaren aß Hauptverbreiterin 
der Syphilis. 

Jeder Syphilitische ist für seine Umgebung eine Gefahr; die Gefahr der Weiter- 
wbrsttisag ohne Unzucht wächst noch bei manchen Berußarten, die in beträchtlicher 
Zahl — nach der Statistik des Stadtkrankenhauses — an Syphilis erkrankt sind: 
ich meine die Kindermädchen, die Cigaretten- und Chokoladenfabrikarbeiterinnen l 

Man kann sagen, daß die Syphilis ebenso wie Tuberkulose und Diphtherie 
und in noch höherem Grade aß Lepra eine Volkskrankheit ist, deren Abwehr zu den 
Angaben des Staates gehört. Aber auch der Tripper verbraucht bei seiner enormen 
Verbreitung einen großen Teil Volksgesundheit und Volkskraft. Die Rücksicht auf 
die Geschlechtskrankheiten sollte bei den Entschlüssen über Maßregeln gegen die 
Prostitution stets den Ausschlag geben, wenn die Wahl schwankt zwischen ethisohen, 
juristischen oder hygienischen Rücksichten. 

Nicht nur der Arzt, sondern auch der Sozialpolitiker, der nicht wie der 
Geistliche oder der Jurist einseitige Werte des Lebens zu hüten hat, sondern die 
Gesamtheit der sozialen Güter überblicken muß, wird in der Prostitutionsfrage die 
körperliche Gesundheit des Volkes als ersten Gegenstand der Fürsorge betonen. 

Die Gemeinden haben aber auch ein pekuniäres Interesse an Maßregeln zur 


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Abwehr der Syphilis. Der Kranke wird daroh die Krankheit unfähig zur Arbeit; er 
muß behandelt werden und seine Familie unter Umständen auf öffentliche Kosten 
unterhalten werden. Bei den Steuerpflichten und bei der Militärpflicht müssen andere 
— Unschuldige — für die syphilitischen Arbeite- und Dienstunfähigen die Lasten 
übernehmen. Auch mufs das Interesse erwähnt werden, was die Gemeinden an der 
frühzeitigen Behandlung der einzelnen Krankheitsfälle haben: die Kurkosten, welche 
einmal die Armenpflege belasten, sind um so geringer, je frühzeitiger die Syphiliti¬ 
schen zur Behandlung kommen, und aufserdem verringert sich durch die frühzeitige 
gründliche Behandlung die Zahl derjenigen Personen, welche infolge von Syphilis die 
Armenpflege im späteren Alter dauernd in Anspruch nehmen müssen. 

Die weiteren Gefahren der Prostitution richten sioh gegen die öffentliche Sicher¬ 
heit durch ihre verschiedenen kriminellen Beziehungen und gegen die öffentliche 
Sittlichkeit und den öffentlichen Anstand. Diese Faktoren öffentlichen Wohles werden 
in verschiedener Weise berührt je nach der Form, die der Prostitution gegeben wird 
und in der sie vorwiegend auftritt. Die Verletzung der öffentlichen Gesundheit, 
Sicherheit und Sittlichkeit sind AnlaTs gewesen, die gewerbsmäßige Unzucht durch 
Reichs-Strafgesetz einzuschränken. An Bich ist sie rechtlich indifferent, da das Weib 
mit seiner Ehre und Beinern Körper machen kann, was es will. Da aber Strafen dis 
menschliche Gesellschaft nicht genügend schützen gegen die Schäden der Prostitution, 
so wäre es zweckmäßiger, der Überwachung derselben eine eindeutige gesetzliche 
Grundlage zu geben. § 180 macht dieselbe, streng genommen, unmöglich, erschwert 
sie jedenfalls erheblich. 

Durch Beseitigung oder Reform dieses Paragraphen könnten viele juristische 
Bedenken gegen die staatliche Überwachung der Prostitution beseitigt werden. „Die 
Vermietung von Wohnungen an Weibspersonen, welche wegen gewerbsmäßiger Unzucht 
einer polizeilichen Aufsicht unterstellt sind, muß straflos bleiben, wenn sie unter 
Beobachtung der hierüber erlassenen polizeilichen Vorschriften erfolgt" Eine solche 
Bestimmung wäre ein Fortschritt der Gesetzgebung, da dieselbe ermöglichte, den ört¬ 
lichen Verhältnissen entsprechende Vorschriften zu erlassen. Diese war aß Zusatz zu 
§ 180 in Aussicht genommen, kam aber durch die Agitation der Sittlichkeitsvereine 
nioht zu stände. 

Wie sich nun die Gefahren der Prostitution — d. h. die Geschlechtskrankheiten 
und die Unsittlichkeit — in Dresden verhalten und speziell gegen früher verändert 
haben, dafür ßt die Erörterung der vorliegenden Statistik von Wert. Die Tabelle 
enthält die Zahlen, die aus den Verwaltungsberichten über das Stadtkrankenhaus 
entnommen werden konnten; ferner wurden die statistischen Sanitätsberichte der 
deutschen Armee (1884—1891) benutzt; durch freundliches Entgegenkommen der 
Königl. Sanitätsdirektion und der Königl. Polizeidirektion wurden weitere sehr wert¬ 
volle Zahlen gewonnen. 

Sie ersehen daraus folgendes: 

A. Die Zahl der Geschlechtskranken bei der Garnison ist eine außerordentlich 
hohe (s. IV. V. VI.). Das sächsische Armeekorps hatte in den letzten Jahren die 
höchsten Procentzahlen an venerischen Erkrankungen von allen Armeekorps. Sie 
sehen, wie weit die Dresdner Zahlen die Durchschnittszahlen der deutschen Armee 
überragen. Die Erkrankungen an Tripper sind rund die Hälfte, Schanker und kon¬ 
stitutionelle Syphilß je ein Viertel. Die °/oo der letzteren sind bei V noch besonders 
notiert. 

Nach den Erkrankungen der Garnison beurteilt, ßt Dresden eine der verseuch¬ 
testen Städte Deutschlands. 

Sie finden außerdem zwei wichtige Phasen in diesen Zahlen ausgedrückt: 


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Im Jahre 1885 wurden wegen der hohen Zahl der Venerischen in der Armee 
▼on der medizinischen Abteilung des Generalstabes Erwägungen über Einschränkung 
derselben gepflogen. Die Berichte aller Armeekorps lauteten dahin, dafs die Ursachen 
dieses Übelstandes nicht so sehr in der öffentlichen Prostitution, als vielmehr in dem 
Anwachsen und in der Unmöglichkeit der Überwachung der geheimen zu suchen 
wären. Es wurden Anordnungen getroffen zur Verhütung und zur schnelleren Heilung 
der venerischen Krankheiten (Instruktion über die Gefahren, Bestrafung der Verheim¬ 
lichung, sofortige Einbettung der Erkrankten und protokollarische Feststellung der 
Ansteckungsquellen). Seitdem haben die Zahlen im allgemeinen und auoh in der 
Dresdener Garnison ersichtlich abgenommen (IV, V, VI. 1886 u. f.). 

Die zweite Phase fällt in das Jahr 1894: Ende Hai wurde von der Sanitäts¬ 
direktion wegen auffälliger Zunahme der Geschlechtskranken im Garnisonlazarett 
Meldung an die Kommandantur gemacht. Diese wurde bei der Polizeidirektion vor¬ 
stellig und infolgedessen wurde vom 1. Juli 1894 ab zu verschärften Mafsregeln ge¬ 
schritten, u. a. die Untersuchung der Prostituierten achttägig einmal vorgenommen. 
Der Erfolg war ein zweifacher: Erstens wurden mehr Geschlechtskranke unter den 
Prostituierten festgestellt und dem Krankenhause überwiesen (s. Rubrik HL 1894), 
sweitens nahmen die Erkrankungen in der Garnison ab (IV. 1894/95). 

Die erwähnten beiden Ereignisse von 1885—1894 sind für die allgemeine Be¬ 
trachtung insofern wichtig, als sie beweisen, dafs strenge Überwachung und strenge 
Kontrolle sowohl beim Militär als bei der kursierenden Prostitution eine Verminde¬ 
rung der Geschlechtskrankheiten zu erzielen vermögen. Der erzielte Vorteil für das 
öffentliche Wohl rechtfertigt die Zwangsmafsregeln. 

B. Seit Aufhebung der Bordelle hat die Zahl der in das Stadtkrankenhaus auf¬ 
genommenen geschlechtskranken Frauen und Männer zugenommen (I und II), obgleich 
die Zahl der geschleohtskranken öffentlichen, d. h. eingeschriebenen Prostituierten 
abgenommen hat (III), in dem Mafse wie die Anzahl der Eingeschriebenen in Dresden 
überhaupt abgenommen hat (Villa). Man kann aus I und II allein nicht schlielsen, 
dals die Geschlechtskrankheiten in Dresden zugenommen haben. Aber wenn man 
sich vergegenwärtigt, dafs bei den bestehenden Verhältnissen und Vorurteilen 
(Schwierigkeiten mancher Kassen wegen der Bezahlung für selbstverschuldete Leiden, 
Bloßstellung bei den Arbeitgebern, Einbufse an Freiheit) nur diejenigen das Kranken¬ 
baus aufrachen, die infolge der Entstellung, der Schmerzhaftigkeit oder Arbeits¬ 
unfähigkeit die Krankheit nioht mehr verheimlichen können, so kann man mit Recht 
aus den Zahlen schlielsen, dafs die absolute Zahl der schwereren Erkrankungen in 
Dresden zugenommen hat. Die Gegenüberstellung der Rubriken I und II mit m 
machen ferner einer Zunahme der geheimen Prostitution, zum mindesten in absoluten 
Zahlen, wahrscheinlich. 

C. Die Zahl der Eingeschriebenen hat abgenommen (VIH a, XIV). Kein Mensch 
wird daraus schlielsen, dafs die Prostitution abgenommen habe, sondern nur die Zahl 
der der Polizei bekannten Prostituierten hat abgenommen; die geheime Prostitution, 
beurteilt nach den angezeigten Gewerbs-Unzuchtsfällen und nach der Zahl der aus 
der geheimen Prostitution Aufgegriffenen hat zugenommen (IX, XIII [letzte Rubrik]). 
Die Strafsenprostitution hat, wie jeder Dresdener weifs, auch zugenommen. 

Die Zahl der Geschlechtskrankheiten ist bei den aus der geheimen Prostitution 
Aufgegriffenen großer als bei den Eingeschriebenen (X, XI [letzte Spalte]). Die Er¬ 
krankungen der geheimen Prostitution sind auch schwerer. Dies kann man aus der 
durchschnittlich höheren Dauer der Behandlung im Krankenhause schlielsen (s. Ta¬ 
belle „Durchschnittliche Heilungsdauer“ pag. 195). Die aus zehn Jahren (1871 
bis 1880) berechnete durchschnittliche Heilungsdauer der örtlichen Geschlechtskrank- 

Monatshefte. XXVUI. 14 


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Statistik zur Prostitntionsfrage in Dresden. 


190 



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heiten und der allgemeinen Syphilis bei Eingeschriebenen betrag 29,9 and 38,9 
(Spalte 2 and 4), bei nichteingeschriebenen Frauenzimmern dagegen 42,1 und 43,8 
(Spalte 1 und 3). Auf der Abteilung für die nichteingeschriebenen geschleckte- 
kranken Fraaenzimmer sind diejenigen Berufsarten vertreten, aus denen sich die 
geheime Prostitution rekrutiert: Dienstboten, namentlich die stellungslosen, Fabrik¬ 
arbeiterinnen, Kellnerinnen. Die Mehrzahl dieser Kranken kann als der geheimen 
Prostitution angehörig bezeichnet werden. Die polizeiliche Kontrolle hat, wie ans 
der zweiten Tabelle, pag. 195, ersichtlich, den Vorzug, dafs sie die örtlichen 
Erkrankungen der Eingeschriebenen in der ersten Zeit des Bestehens, wo sie 
schneller heilbar sind, entdeckt. Dadurch kommen die Fälle früher zur sachgemäßen 
Behandlung, werden aus dem Verkehre genommen und verlaufen leichter. Der 
doppelte Vorteil ist klar. 

Zu Rubrik VII ist folgendes zu bemerken: Die enorme Zunahme der Geburten 
in der Frauenklinik, die zur größeren Hälfte, wenn nicht mehr, unehelich sind, wird 
daraus erklärt, dafs der Zuzug aus der Umgebung Dresdens mit der Verbesserung 
der Verkehrsmittel sich vermehrt hat. Die Zahl der unehelichen Geburten in Dresden 
hat nicht zugenommen (20—19% der Geburten seit 10 Jahren). Die Zahl der faul* 
toten Geburten (VII), die bei weitem nicht alle syphilitischen Früchte und Geburten 
unter den jährlichen Geburten darstellt, ist von 3% auf 2,4% im Durchschnitt von 
6 Jahren herabgegangen. Diese 0,6% sind nach dem Gesagten auf Rechnung der 
sogenannten „ländlichen Gesundheit“ zu setzen. Aber die 2,4% faultote Früchte — 
sind schon hoch genug! Es ist daraus ersichtlich, dafs mit dem Zuzug aus der Um¬ 
gebung Dresdens die Assanierung der Geburten, was Syphilis anbetrifft, nicht 
wesentlich zunimmt, dafs die Syphilis auch auf dem Lande beinahe so verbreitet 
ist wie in der Stadt. Dafs aber der Ausgangspunkt der Verbreitung die Stadt ist, 
wird niemand bezweifeln I Es mahnen daher auch diese Zahlen zu einer vernünftigen 
Prophylaxis der Syphilis in der Stadt. 

Es ist noch wissenswert, wie es sich mit der eventuellen Zunahme des Trippers 
nach den Beobachtungen der Frauenklinik verhält. Hierfür können viel genauere 
Zahlen erwartet werden, weil eine Geburt gleichsam ein Reagenz auf chronischen 
Tripper der Gebärenden ist, er wird meist durch diesen Vorgang angefriscbt und ist 
durch seine klinischen Erscheinungen im Wochenbett leichter zu konstatieren. 

Aus dem bisher erörterten Zahlenmaterial ist zu schließen: 

1 dafs die Geschlechtskrankheiten in Dresden außerordentlich verbreitet sind, 

2. daß die geheimen Prostituierten an Zahl und mit ihnen die ihnen anhaftenden 
Geschlechtskrankheiten an Zahl und Schwere zunehmen. 

Diesen Thatsachen gegenüber ist man verpflichtet zu fragen, ob mit der hiesigen 
polizeiärztlichen Untersuchung das erreicht wird, was zur Entdeckung der Syphilis 
und des Trippers und Verhütung der Weiterverbreitung durch die Prostitution er 
reicht werden kann. Wenn ich hier auf Mängel aufmerksam mache, so möchte ich 
betonen, daß ich nicht über Personen, sondern über Einrichtungen urteile: 

a) Je öfter untersucht wird, desto mehr Geschlechtskranke werden gefunden. 
Deshalb ist der wiederholt gemachte Vorschlag der Syphilidologen, die Untersuchung 
in viertägigen Zwischenräumen zu halten, zu erneuern. 

b) Wenn die Untersuchung sich nur auf die Genitalien erstreckt, so entgehen 
viele ansteckende Erkrankuugsfalle der Entdeckung. Ein guter Teil der Prostituierten 
begiebt sich wegen der Syphilis, die bei der polizeilichen Kontrolle unentdeckt 
bleibt, in privatärztliche Behandlung — betreibt aber sein Gewerbe weiter. Es können 
aber viel mehr und es sollen möglichst viele Syphilitische aus dem Verkehre 
ausgeschieden werden, nicht nur die lädierten Genitalien 1 


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Ep ist daher za fordern, dafs bei jeder Untersuchung Mund, Genitalien und 
Afterregion berücksichtigt werden, weil sie die wesentlichen Lokalisationsstellen der 
wegen ihrer Infektiosität am meisten in Betracht kommenden papulösen Formen der 
Syphilis sind. Ferner ist Besichtigung der Handteller, Fingernägel und der Nacken¬ 
gegend, welche der Untersuchung ohne Zeitverlust zugänglich sind, nicht zu ver¬ 
säumen. Letztere wegen des Leukoderma 1 Eine Person mit Leukoderma syphiliticum 
ist, auch wenn sie nicht direkt syphilitische Efflorescenzen hat, gefährlich, weil bei ihr 
Erosionen, die an sich harmlos sind, infektiös sind. 

Ferner ist die Speculumuntersuchung unabweisbar, wenn auch Muttermund- 
geschwure selten sind. Die mikroskopische Untersuchung der Sekrete auf Gonokokken 
ist eine prinzipiell sehr wichtige Eontrollverbesserung und kann auch, wenn sie bei 
jeder Prostituierten nur sechs- bis achtmal im Jahre (wie nach Neisser in Breslau) 

vorgenommen wird, viel Kranke ausscheiden und viel Schaden verhüten. 

c) Ferner ist es von gröfstem Vorteil für die Sache, wenn die Polizei&rzte und 
der Krankenhausoberarzt in Fühlung und Einverständnis sind über Methode der 
Untersuchung und Behandlung, über die Beobachtung verdächtiger Prostituierten mit 
nicht festgestellter Diagnose im Krankenbause. 

d) Schliefslich ist die Haltung einer Prostituierten-Krankenkasse von gröfstem 

sanitären Nutzen; sie erleichtert es den Prostituierten, ihre Syphilis schnell und 
gründlich loszuwerden, sie erleichtert es ferner dem Krankenhausarzte, über die Dauer 
der Internierung im Krankenhause freier zu entscheiden. Leider ist die bisher in 
Dresden bestehende Kasse im Sinne der Bestrebungen der Sittlichkeitsvereine vom 
Ministerium aufgehoben worden. Das hat — wie leicht vorauszusehen ist — zur 

Folge, dafs die kranken Frauenzimmer, die kein Geld auf Vorrat haben, aus Furcht 

vor dem Arbeitshause, was bei Nichteinbringlichkeit der Kosten droht, mehr als bisher 
der Kontrolle sich zu entziehen suchen werden. Aufserdem hat der Versuch, nach¬ 
träglich Geld von den Prostituierten einzuziehen, es diesen wiederholt unmöglich 
gemacht, ihr Gewerbe zu verlassen! 

So ist mit dieser Kasse leider eine Schutzmafsregel gegen die Verbreitung der 
Syphilis von der Behörde eingerissen worden. 

Den Sittlichkeitsvereinen möchte ich ans Herz legen, zu bedenken, dafs die 
Zuchtrute für die Menschheit, Syphilis geheifsen, doch nur in der Erkrankung und 
deren normalem Verlaufe bestehen kann, niemals aber in einer menschlichen Er¬ 
schwerung des Heilungsprozesses. Eine solche Erschwerung steht der menschlichen 
Gesellschaft nicht zu, denn die Sittenlosigkeit ist eine Gesamtschuld derselben. 

Ich glaube, dafs die genannten Forderungen Ihr Einverständnis finden werden. 

D. Wenn Sie die Statistik weiter verfolgen, so sehen Sie, dafs seit Aufhebung 
der Bordelle die Unsittlichkeit, bemessen nach den bei der Königl. Polizeidirektion 
erstatteten Anzeigen wegen Gewerbsunzucht und wegen Sittlichkeitsverbrechen und 
Sittlichkeitsvergehen und nach der Zahl der wegen Gewerbsunzucht und lüderlichen 
Umhertreibens aufgegriffenen Frauenspersonen bedeutend und in höherem Mafse, 
als der Zunahme der Einwohner entsprechen würde, zugenommen hat. 

(ix, xn, xin, xv.) 

Zuhälter, sogenannte Luis, sind überhaupt erst nach dieser Veränderung in 
Dresden bekannt geworden und nehmen an Zahl zu. Über die Schlechtigkeit und 
Gefährlichkeit dieser Menschenklasse brauche ich nichts erst zu sagen. Da sie häufig 
auch in der Form des Ehemannes auftreten, so tragen sie zur Entheiligung der 
Ehe bei. 

Die gröfsere Zahl der Vermieter bedeutet eine Zunahme der Arbeitsscheuen in 
Dresden. Die Verführung der heran wachsenden weiblichen Jugend durch das böse 


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194 


Beispiel der unter die Bevölkerung zerstreuten Prostituierten ist durch Zahlen leider 
nicht vor Augen zu rücken! 

Die durch ihre Vielseitigkeit wertvolle Statistik, die ich Ihnen vorgelegt habe, 
lehrt, dafs die Schäden der Dresdener Prostitution an der Volke- 
gesundheit und Volkssittlichkeit seit 1890 zugenommen haben. 

Es muß leider festgestellt werden, dafs der Verein zur Hebung der Sittlichkeit 
in den letzten Jahren der treibende Faktor bei allen Maßnahmen in der Prostitutiona- 
frage gewesen ist. Es ist zu hoffen, dafs die erwähnten schlechten Erfahrungen wie 
bereits anderwärts (Norwegen) so auch in Dresden dahin führen, die Thätigkeit der 
Sittlichkeitsvereine und der inneren Mission in andere, richtigere Bahnen zu lenken. 
Die Prophylaxe der Prostitution ist unbestritten ihr Gebiet: Wenn zur Linderung 
der sozialen Not, zur Schaffung unentgeltlichen, edleren Lebensgenuss» für die 
männliche und weibliche Jugend der ärmeren Volksklassen, für Hebung des Familien¬ 
lebens und Ehelebe ns, zur Hebung religiösen Sinnes im Volke, zur Gewinnung ernster, 
klarer und wahrhafter Lebensanschauung, ferner zur Beschränkung des Kneipenlebens 
und der Verführung in jeder Form (obscöne Bücher, Bilder, Theaterauffuhrungen) die 
Summe von Arbeitskraft verwendet wird, welche der genannte Verein bisher zur Be¬ 
kämpfung der Beaufsichtigung und Zwangsuntersuchung der Prostituierten verbraucht 
hat, so ist ein Nutzen von seiner Thätigkeit zu erhoffen. 

Maisnahmen, die der einmal vorhandenen Prostitution die am wenigsten schäd¬ 
liche Form geben sollen und die gegen die Verbreitung volksverheerender Krankheiten 
gerichtet sind, diese sind dem Einflüsse dieser Vereine zu entziehen und ganz und 
gar nach den Gesichtspunkten der größten Zweckmäßigkeit von Sachverständigen zu 
treffen. Jene Vereine sind nichts weniger als Sachverständige, sondern die Beamten 
der Kriminal- und Sittenpolizei sind es für die Gefahren, die der Sittlichkeit und 
Sicherheit drohen, und die Ärzte sind es für die Gefahren, die der Gesundheit drohen. 
Wir dürfen daher, ohne Selbstüberhebung, fordern, in dieser Frage gehört zu werden. 

Im Anschluf8 an vorstehendes Beferat wurde vom Dresdener ärztlichen Bezirks- 
Verein auf Vorschlag eines Ausschusses folgendes beschlossen: 

1. Die Prostitution ist die Hauptquelle der ansteckenden Geschlechtskrankheiten. 

2. Ihre sanitätspolizeiliche Überwachung ist wirksam und notwendig, daher 
möglichst gründlich und umfassend zu gestalten. 

3. Die Prostitutionsverhältnisse in Dresden sind der Verbesserung bedürftig 
und fähig. 

Beispielsweise: Die Anzahl der eingeschriebenen Prostituierten entspricht be- 
weitem nicht der Zahl der wirklich der Prostitution ergebenen Frauenspersonen; die 
geiährlichere geheime Prostitution ist in der Zunahme begriffen; die in den Vororten 
wohnenden Prostituierten entziehen sich der sanitätspolizeilichen Überwachung in 
Dresden; die Höhe der Krankenhauskosten verleitet seit Aufhebung der Prostituiertea- 
Krankenkasse viele geschlechtskranke Prostituierte sich der Überwachung za ent¬ 
ziehen; die wöchentlich einmalige Untersuchung genügt den ärztlichen Ansprachen 
nicht u. 8. w. 

4. Das Zusammenwohnen mehrerer Prostituierter in wirtschaftlicher Abhängigkeit 

von einem Unternehmer (Bordell) hat zweifellose sanitätspolizeiliche Vorteile, doch 
lehnt es der ärztliche Bezirksverein ab, sich für oder gegen die Wiedereinführung 
von Bordellen auszusprechen mit Rücksicht auf Bedenken, die auf nicht-ärztlichem 
Gebiete liegen. Dagegen empfiehlt er die sonstigen Formen örtlicher Konoentrierung 
„auf bestimmte Häuser und bestimmte vom grofsen Verkehr nicht berührte Straßen 6 , 
weil diesen bei allerdings geringeren sanitätspolizeilichen Vorzügen derartige Bedenken 
weniger anhaften. _ 


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195 


Tabellen za Seite 189 and 192: 

Durchschnittliche HeUnngsdaner 

der örtlichen Erkrankungen der allgemeinen Syphilis 

bei Nichtinscribierten: bei Inacribierten: bei Nichtinscribierten: bei Insoribierten: 


1871 

50 

33 

50 

42 

1872 

50 

33 

39 

35 

1878 

61 

28 

51 

44 

1874 

38 

31 

38 

84 

1878 

49 

26 

45 

36 

1878 

38 

32 

50 

34 

1877 

38 

29 

40 

39 

1878 

33 

30 

44 

47 

1878 

36 

27 

40 

39 

1888 

34 

30 

41 

39 



Aus dem Stadtkrankenhause 

zu Dresden. 



Verhältnis des Vorkommens örtlicher zn dem allgemeiner Syphilis 

bei den nicht inacribierten bei den insoribierten 

geschlechtskranken Frauen: 


1871 

1:6 

3,6:1 

1872 

1:3,7 

3,6:1 

1878 

1:3,7 

2,5:1 

1874 

1:3 

2,4:1 

1875 

1:4,1 

1,5:1 

1876 

1:5,7 

1,3:1 

1877 

1:2,9 

1,5:1 

1878 

1:2,6 

1,8:1 

1879 

1:2,5 

1,4:1 

1880 

1:3,2 

2 :1 


A. Leitsätze. 

I. Allgemeines über die Prostitution. 

1. Die Prostitution ist unausrottbar. 

2. 8ie ist ein sekundäres Übel. Ihre Ursachen liegen in den menschlichen Leiden* 

schäften (Geschlechtstrieb, Genufa- und Putzsucht) und in den ökonomischen 
Übelstanden (Erschwerung der Gründung eines Ehestandes. Grofse Beteiligung 
der Weiber an der Industrie der Grofsstädte und ungenügende Löhne). 

3. Die Gefahren der Prostitution richten sich gegen die allgemeine Sittlichkeit nnd 

Sicherheit und gegen die allgemeine Gesundheit. 

4. Der Staat mufs seine Angehörigen gegen diese Gefahren schützen, insbesondere ist 

die Prophylaxe der Infektionskrankheiten, also auch der Syphilis und des 
Trippers, eine Aufgabe desselben. 

5. Hülfe ist auf zweierlei Weise möglich: 

a) prophylaktisch: Verhütung der Prostitution durch Arbeit an ihren Ur¬ 
sachen (soziale Frage, Hülfe der Vereine). 

b) symptomatisch dadurch, dafs der vorhandenen und nicht zu beseitigenden 
Prostitution die Form gegeben wird, in der die erwähnten Gefahren am 
geringsten sind (mafsgebend für die Mittel und Wege ist nur das sach¬ 
verständige Urteil der Polizei und der Ärzte; hintanzusetzen sind alle 
einseitigen Bestrebungen gewisser Richtungen). 


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196 


II. Spezielles über die Dresdener Prostitntion. 

1. Die geheime Prostitution, welche die schwersten und ansteckendsten Formen der 

Syphilis zeitigt und verbreitet, ist im Zunehmen. 

2. Die Unsittlichkeit hat seit 1890 unverhältnismäßig zugenommen. 

3. Die Zahl der Geschlechtskranken in Dresden ist hervorragend hoch. 

B. Vorschläge zur Besserung. 

I. Allgemeine. 

1. Die Beseitigung des § 180 des Reichs-Straf-Gesetzbuches in jetziger Fassung, der 

genau genommen der Prostitution überhaupt keine Wohnung gestattet, ist notig, 
um der Reglementierung der Prostitution eine einheitliche gesetzliche Unter¬ 
lage zu geben. Die Vermietung von Wohnungen an Weibspersonen, welche 
wegen gewerbsmäßiger Unzucht einer polizeilichen Aufsicht unterstellt sind, 
muß straflos bleiben, wenn sie unter Beobachtung der hierüber erlaswnen 
polizeilichen Vorschriften erfolgt. 

2. Das Ministerium mufs von ärztlicher Seite über die Schäden des Trippers und der 

Syphilis für die Volksgesundheit unterrichtet werden und der Prophylaxe dieser 
Krankheiten die gleiche Wichtigkeit wie anderen Infektionskrankheiten za- 
erkennen. 

II. Spezielle. 

1. Die polizeiärztliche Untersuchung mufs viertägig geschehen. 

2. Bei derselben ist die regelmäßige Untersuchung von Mund, Nacken, Händen, Geni¬ 

talien und Analgegend, die regelmäßige Speculumuntersuchung, die prinzipielle 
Einführung der mikroskopischen Sekretprüfung unabweßbar. 

Die Durchführung dieser Forderungen, welche gegenüber der bisher in 
Dresden üblichen Methode große sanitäre Vorteile hat, aber mehr ärztliche 
Kräfte erheßcht, kommt auf eine Geldtrage hinaus. 

3. Die Erhaltung der Prostituierten-Krankenkasse ßt zu wünschen. 


Benutzte Litteratur. 

Zeitschrift für Praxis und Gesetzgebung der Verwaltung, zunächst für das Königreich 
Sachsen. 1889. X. Band, Heft 7—8, pag. 289. Die anderweitige Rege¬ 
lung des Prostitutionswesens. 

Focke, Die Prostitution in ethßcher und sanitärer Beziehung. Dtsch . Vicrtefyakrsschr- 
f. öff. Gesundheitspfl. 1888. 20. Bd., Heft 1, pag. 121. 

Schmöldbr, Die Bestrafung und polizeiliche Behandlung der gewerbsmäßigen Unzucht 
Düsseldorf, 1892. 

Hülsmeyer, Staats-Bordelle. Hagen i. W., 1892. 

Ex malß minimal Reflexionen zur Prostitutionsfrage von einem Universitätslehrer. 
Berlin, 1891. 

Nsi88er, Über die Mängel der z. Z. üblichen Prostituierten-Untersuchung. Dtsch. 
med. Wochenschr. 

Miller, Die Prostitution. München, 1892. 

Wbrther, Über Syphilis und Prostitution. Schmidts Jahrb. d. ges . Med. Bd. CCXXX, 
pag. 86. 

Axel Holst, Zur Geschichte der Prostitutionsfrage in Norwegen. Dtsch. Viertel - 
jahrsschr. f öff. Gesundheitspfl. 1897, 29. Bd., Heft 2, pag. 286. 


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197 


Tins Der JPrarts. 

Herpes als Vorläufer des Schankers. 

Von 

Ch. AüDRY-Toulouse. 

Tripper, Ulcus simplex und Ulcus specificum spielen bekanntlich bei 
der Genese des Herpes praeputialis eine Rolle. Es kommen aber auch 
umgekehrt Fälle vor, in denen der Herpes praeputialis dem syphi¬ 
litischen Schanker voraufgeht. 

loh habe z. £. ziemlich häufig folgende Beobachtung gemacht: 
Patienten, die schon früher häufiger an Herpes praeputialis gelitten haben, 
kommen 2—3 Tage nach dem letzten Coitus mit einem ausgesprochenen 
Herpesanfall in die Sprechstunde. Ich beruhige sie. Sie kommen aber 
bald wieder, und zwar wegen einer kleinen Verhärtung, die sich ganz 
unversehens an Stelle eines Herpesbläsohens gebildet hat. Das beunruhigt 
mich und auch den Patienten. Wirklich entwickelt sich daraus in der 
nächsten Zeit ein regelrechter Schanker und bald stellen sich auch die 
Sekundärerscheinungen der Syphilis ein. Handelt es sich nun ln solohen 
Fällen um eine Mischform von Herpes und Syphilis? Oder hat der be¬ 
ginnende Schanker nur ein herpetiformes Aussehen? Oder ist endlich 
die Syphilis erst auf die herpetisch erkrankte und geschwächte Epidermis 
anfgeimpft? 

Die Verhältnisse können sich aber auch noch anders gestalten, und 
ich habe zur Zeit zwei einschlägige Fälle in Behandlung. Die beiden 
Patienten, die früher niemals an Herpes gelitten hatten, kamen mit typi¬ 
schem Herpes praeputialis zu mir. Einer von ihnen hatte sogar auch auf 
der Mund- und Lippenschleimhaut Herpes. Bei beiden waren die 
Bläschen 4—5 Tage nach dem letzten Coitus erschienen. Dieser Herpes 
heilte nun aus. Dafür aber entwickelten sich an Punkten, wo niemals 
Herpesbläschen gesessen hatten, ein spezifisches Ulcus, dem bald auch 
Roseola u. s. w. folgten. 

Aus diesen Beobachtungen läfet sich folgende Lehre ziehen: Man soll 
jedem Herpes praeputialis mifstrauen, wenn er sich zum ersten Mal bei 
einem Erwachsenen einstellt und man keine andere Erklärung als einen 
verdächtigen Coitus für ihn findet. Ein solcher Herpes praeputialis kann 
der Vorläufer eines syphilitischen Schankers sein. 

(Übersetzt von Dr. TÜKKHKIM-H&mburg.) 


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198 


tierfanunltittgett. 

Berliner Dermatologische Gesellschaft. 

Sitzung vom 10. Januar 1899. 

Originalbericht von Dr. John Hirsch- Berlin. 

Lesser »teilt eine Patientin mit Herpes gestationis vor. Während in der 
Mehrzahl der Fälle diese Affektion in der Schwangerschaft auftritt, begann hier die 
Erkrankung 3—4 Monate nach der letzten Entbindung — im Juli 1897. Ca. 8 Monate 
später, bei Beginn einer neuen Schwangerschaft, verschlimmerte sich das Leiden; 
namentlich sah man auf dem Rumpfe immer neue Eruptionen auftreten. Zu der 
Blasenbildung gesellte sich ein Erythem. Niemals hörte die Affektion ganz auf; gegen 
Ende der Schwangerschaft sah man nur geringe Reste der betreffenden Hanterkrankuog. 

Am 21. November v. J. machte die Patientin eine normale Geburt durch. Am fünften 
Tage post partum trat eine erhebliche Steigerung der Hautaffektion ein, die dann 
allmählich zurückging. Es schien im Anfang, dafs die Erkrankung Narben zurück- 
lassen würde, aber es ist dies nicht der Fall. Augenblicklich sieht man nur wenig 
von dem Exanthem; wenige Stellen zeigen eine starke Pigmentation. Fieber bestand 
nicht; die Beschwerden bestanden nur in Jucken und Brennen. 

Obstreicher stellt einen Patienten mit einer Affektion vor, deren Diagnose 
Schwierigkeiten macht. Seit acht Monaten leidet Patient an einem Prozefs, der aber 
den ganzen Körper sich verbreitete. Derselbe wurde von Neisser als ein akotea 
universelles Ekzem aufgefafst Er sah aus wie ein gekochter Krebs. An Händen and 
Füfsen sieht man Rhagadenbildungen. Die Haut schuppt intensiv. An einzelnen 
Stellen sieht man weifse Flecke von der Gröfse eines Ein- bis Zweimarkstückes. — 
Lesser hält die Erkrankung für eine im Anschluß an Psoriasis entstandene Derma¬ 
titis nniversalis. Ganz derselben Meinung sind Rosenthal und Saalfeld. — 
Obstreicher hält die Erkrankung für eine Pityriasis rubra. Die Behandlung ist 
aussichtslos. 

Posner führt einen Patienten mit Plaque indurative des Penis vor. Rin 
Trauma oder Syphilis sind für die Entstehung auszuschliefsen. Auch liegt kein entzünd« 
lieber Prozefs vor. Es handelt sich um eine knorpel- bis knochenharte Stelle am Dorsnm 
penis. Penisknochen sind nur wenig beim Menschen beschrieben worden. Das Actino- 
gramm läfst einen dunklen Fleck erkennen, den Grunmach für Knorpel anspricht. 

Es würde sich demnach um ein Osteochondrom am Penis handeln. Der Patient ist 
41 Jahre alt; gewöhnlich treten diese Einlagerungen erst jenseits der fünfziger Jahre 
im arteriosklerotischen Alter ein. Die Beschwerden sind gering, nur die Erektion ist 
erschwert; der Penis weicht nach der von der Einlagerung befallenen Seite ab. Der 
Gedanke, dem Patienten durch eine Operation zu helfen, ist abzuweisen, weil sich an 
dem Orte der excidierten Affektion eine Narbe bilden würde, welche die gleichen 
Störungen hervorruft wie das jetzt bestehende Osteochondrom. 

Blaschko hat zwei solcher Falle zu sehen Gelegenheit gehabt. Auch hier ging 
keine Cavernitis interstitialis, keine Syphilis voraus. Trotz Jodkalium und Massage 
war keine Besserung zu erzielen. — Buschkb hat in Breslau einen ähnlichen Fall 
von sogenanntem Penisknochen gesehen. Auch hier bestand Strabismus des Penis. 

Alle therapeutischen Maßnahmen wie Jodkalium, Massage, heiße Breiumschläge 
blieben erfolglos. 

i 


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199 


Hierauf stellt Lion eine Kranke mit syphilitischer EndarteriiÜs vor. Die 
Beschwerden sind auf Herzsyphilis und auf Aneurysma der Aorta zurückzufähren. 

Freund demonstriert eine Patientin mit einem stark ausgesprochenen drüsigen 
Jodexanthem des Gesichts namentlich an der Nase. Die Eruptionen haben papillären 
Charakter. — Lesser fragt an, ob das Jodexanthem ähnlich dem von Brom hervor¬ 
gebrachten siebartige Narben zurückläfst. — Bosenthal fuhrt aus, dafs das Jod¬ 
exanthem zum Unterschied von Brom keine siebartigen Narben zurückläfst. 

Gerson zeigt einen Fall von Onychomykosis tonsur&ns und wirft die Frage 
auf, ob man auf chirurgischem oder medikamentösem Wege am schnellsten zum Ziele 
kommt Lesser empfiehlt beide zu gleicher Zeit. 

Gerson stellt außerdem noch eine Patientin mit Syphilis gummosa serpigi- 
nosa vor. 

Nach Eintritt in die Tagesordnung hält Plachte seinen angekündigten Vortrag : 
Hypothese über die Ätiologie der Hantpigmentanomalien. Nach Abheilung der 
im Frühstadium der Syphilis gesetzten Hauteruptionen tritt eine Pigmentveränderung, 
das Leukoderma, sehr häufig auf. Wir fassen das Leukoderma als eine para¬ 
syphilitische Erkrankung auf. Es mufs aber ein Kausalnexus zwischen Syphilis 
und dieser eigentümlichen Pigmentveränderung bestehen. Das Leukoderma entsteht, 
weil die Syphilis heilt. Nach Überstehung der Infektion bilden Bich im Körper 
Schutzstofie, die eine Immunisierung des Körpers herbeiführen. Das Leukoderma 
zeigt uns an, dafs Schutzstofie im Körper vorhanden sind. Es erscheint ja auch im 
vierten Monat, nachdem eine gewisse Immunität des Organismus eingetreten ist. 
Verschwindet das Leukoderma, so seien auch die Schutzstofie ausgeschieden. Es 
treten alsdann oft die Becidive auf. Auch die anderen Pigmentanomalien, wie die 
Epheliden, Vitiligo, Morbus Addisonii, bringt Plachte in Zusammenhang mit Bildung 
von Schutzstoffen nach überstandenen Infektionskrankheiten. Ferner weist der Vor¬ 
tragende darauf hin, dafs die Chloasmata bei solchen Phthisikern auftreten, welche 
gar keine Haemoptoe haben. Auch diese Pigmentanomalie deutet er dahin, dafs 
Schutzstoffe im Körper zurückgehalten werden. Am Schlüsse dieser hypothetischen 
Ausführungen führt der Vortragende noch aus, dafs die Serumtherapie bei der Syphilis 
vielleicht dann zum Ziele führt, wenn man das Serum solcher Patienten benutzt, bei 
denen eben das Leukoderma aufzutreten beginnt. 

Lb88bb kann sich mit diesen theoretischen Ausführungen durchaus nicht ein¬ 
verstanden erklären. Das Leukoderma tritt als Best der vorhanden gewesenen Papel 
auf; es hat ein Übermaß von Resorption stattgefunden. Auch bei dem Schwinden 
der Psoriasiseffiorescenz sehen wir eine Pigmentresorption; es bildet sich eine Art 
Leukoderma psoriaticum. Das Leukoderma bei Syphilitikern ist keine syphilitische 
Erscheinung; es ist nur das Besiduum, die Narbe der vorausgegangenen Papel. Das 
Leukoderma bleibt durch Hg unbeeinflußt. Bei Kindern tritt das Leukoderma deshalb 
so selten auf, weil bei ihnen das papulöse Exanthem selten vorkommt. Auch was 
die anderen Pigmentanomalien betrifft, so kann man sie nicht in Zusammenhang mit 
den Schutzstoffen bringen. Es kommt wohl vor, dafs z. B. Vitiligo nach akuten 
Infektionskrankheiten auftritt; in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch ein Zusammen¬ 
hang nicht statuiert werden. — Die weitere Diskussion wurde auf die nächste Sitzung 
vertagt. 

Dann sprach Joseph unter Demonstration mikroskopischer Präparate über 
Keloide. Beim Studium der in der Litteratur niedergelegten Beobachtungen der 
letzten Jahre hat Vortragender den Eindruck gehabt, als ob man darangeht, einen 
Unterschied zwischen dem falschen und wahren Keloid wieder vollkommen aufzuheben. 
Während Kaposi und viele andere vor und nach ihm die beiden vollständig diffe- 


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200 


renten Prozesse klinisch und anatomisch auseinander halten, scheint dieser Unterschied 
in den letzten Jahren nicht mehr gemacht zu werden. Ganz besonders geht dies ans 
der Histopathologie der Hautkrankheiten von Unna hervor, der sogar alle wahren 
Keloide auf Kratzeffekte zurückfährt, die in einem seborrhoischen Ekzem an dieser 
typischen Stelle entstehen sollen. Die histologischen Untersuchungen haben den Vor¬ 
tragenden eines anderen belehrt. Da derartige Keloide immerhin selten zur mikro¬ 
skopischen Untersuchung gelangen, betrachtet er es als ein besonderes Glück, dafs er 
hierzu mehrere Male Gelegenheit hatte. Das erste Mal kam er dazu, als vor einigen 
Jahren ein hiesiger 18jähriger Schlachter einen Hieb mit einem Bierglas auf den 
Kopf bekam. Die dadurch entstandene kleine Wunde wurde auf einer Sanitätswache 
genäht. Diese heilte per primam, es entwickelte sich an deren Stelle ein sog. Narben¬ 
oder falsches Keloid. Dieses verursachte lebhafte Schmerzen; man mußte daher zur 
Exstirpation schreiten. Joseph war sich wohl bewußt, dafs es ziemlich prekär ist, 
Keloide zu exstirpieren. Es sei nur an die neueste Arbeit von Wilms im Archiv fwr 
klinische Chirurgie erinnert, wo davor gewarnt wird. Indessen war doch die Annahme 
maßgebend, dafs vielleicht Glassplitter in dem Tumor vorhanden sein konnten, welche 
die Schmerzen verursachten. Die Exstirpation gelang sehr leicht; die Heilung geschah 
per primam intentionem. Der Patient war danach 2Vs Jahre in Beobachtung ohne 
jede Spur eines Recidivs. J. hat den Tumor beinahe in Serienschnitte zerlegt, ohne 
dafs die Spur eines Fremdkörpers gefunden ist Nirgends hat er eine Andeutung 
eines Papillarkörpers gefunden. Schutz hat darauf hingewiesen, dafs, wenn Serien¬ 
schnitte gemacht würden, man vielleicht noch an vielen Stellen einen Papillarkörper 
vorfände, weshalb der Unterschied zwischen wahrem und falschem Keloid gleich Null 
wäre. In diesem Falle ist es nicht gelungen, eine Spur eines Papillarkörpers zu 
finden. Das Merkwürdige dieses Tumors ist die Septierung, was J. auf die kurze 
Zeit des Bestehens zurückführt. Diese Septen bestehen aus einem normalen Kollegen, 
das als Rest der Narbe zu erklären ist Zwischen den Septen findet man, dafs zahl¬ 
reiche Tumorzellen in Nestern und Haufen wellenförmig angeordnet, koncentriach, 
gewöhnlich um ein Lymphgefäfs geschichtet sind. Diese Anordnung tritt nicht überall 
so deutlich hervor, weil oft genug durch die koncentrische Schichtung des Tumors 
das Lympbgefäls schon erdrückt ist Diese Zellen zeigen durchweg einen hellen, 
bläschenförmigen Kern, der fast stets 1—2 Kernkörperchen enthält. Das Chromatm- 
gerüst ist bald sehr lose angeordnet und nur schwach färbbar, bald dichter und 
intensiv gefärbt. Sehr häufig beobachtet man Kernteilungsfiguren. Der Leib der 
Zelle ist meist länglich oval und nur schwach gefärbt. Man kann mit einiger Sicher¬ 
heit verfolgen, dafs sie aus der Umgebung der kleinsten Gefäße periadventitiell ent¬ 
stehen, durch die Lympbbahnen verschleppt werden, sich zwischen dem septierten 
Bindegewebe einschachteln und zum Tumor Veranlassung geben. Wenn maxi das 
Schicksal der Tumorzellen weiter verfolgt, so findet man eine ganze Reihe von Kern¬ 
teilungsfiguren. An anderen Präparaten sieht man die wirbelförmige Anordnung am 
ein Gefäß und die Entwickelung der Tumorzellen zu Fibroblasten, welche Uktta als 
Plattenzelle des Granulationsgewebes beschreibt. Man kann direkt unter dem Mikro¬ 
skope die Veränderung der Zellen verfolgen. Man findet schliefslich längliche, 
spindelförmige Zellen mit stäbchenförmigem Kern, welche in Zügen angeordnet sind, 
deren Richtung eine außerordentlich wechselnde ist. Zwischen den Zellen findet sich 
eine feinfaserige Intercellularsubstanz. Dieser Tumor wurde auf elastische Fasern 
untersucht, die beim Narbenkeloid nicht vorhanden sein sollen. Diese Thatsache be¬ 
stätigte sich. Man sieht im normalen Gewebe elastische Fasern, im Keloid aber 
nichts davon. Man sieht im Tumor keine Spur von Haaren, keine Schweifs- and 
Talgdrüsen, also ein richtiger Narbentumor. Es wäre interessant — Schutz hat 


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201 


darauf hingewiesen — an erfahren, ob die elastischen Fasern durch Druck verloren 
gehen oder besondere chemische Degenerationen eingehen, wodurch die Farbstoffe, 
z. B. das Orcein an ihnen nicht mehr eine wirksame Färbung hervorbringt. Unna 
ging diesem Gedanken in seiner Arbeit über „Elastin und Elacin* nach. Es wurde 
ein Präparat nach Unna mit Wasserblau und Saffranin gefärbt. Es fehlt jede Spur 
von Eladn, sodafs wir annehmen können, dais diese elastischen Fasern zu Grunde 
gehen. Man findet Spuren davon in den Septen, in dem Kollagen. Dieses, die 
Grundsubstanz der Narben, geht später eine hyaline Degeneration ein. 

Es war nun interessant zu verfolgen, was wird aus solchen Tumoren. In den 
Arbeiten von Wilms und Thobn sind allerdings Andeutungen auch von einem früh¬ 
zeitig exstirpierten Eeloid vorhanden, wo solche Wirbelbildungen vorhanden waren. 
J. freut sich, dais hier eine Ähnlichkeit besteht und nun einige ähnliche Beobach- 
tungen bereits vorliegen. Dafs man dieses Bild nicht früher fand, liegt gewifs daran, 
dafs man nicht so frühzeitig exstirpierte, sondern wenn man sich überhaupt zur 
Exstirpation der Eeloide entschlofs, solches immer nur sehr spät und im äufsersten 
Falle that. — Das weitere Schicksal solcher Tumoren hatte J. Gelegenheit in einem 
Narbenkeloid der Mamma zu verfolgen. Nach Exstirpation eines Carcinoma der 
Mamma stellte sich ein Narbenkeloid ein, dessen Exstirpation zwei Jahre nach der 
Carcinorooperation erfolgte. Man sieht, dafs die Tumorzellen vollkommen verschwinden 
und ein reines Fibrom da ist, also eine Form des Keloids, wie man sie auch von 
jeher beschrieb. Jene oben beschriebenen merkwürdigen Tumorzellen haben sich 
sämtlich zu Bindegewebsfasern umgewandelt, welche ihre koncentrische Anordnung 
beibehalten haben. 

Weiter hatte J. noch Gelegenheit, histologische Untersuchungen darüber anzu¬ 
stellen, ob sich auch Unterschiede zwischen einem Narbenkeloid und einer hyper¬ 
trophischen Narbe ergeben. J. konnte eine hypertrophische Impfnarbe untersuchen. 
Auch hier fehlt jede Spur eines Papillarkörpers. Unmittelbar an die Epidermis grenzt 
das Narbengewebe. Die Zellen sind in langen parallelen Zügen angeordnet, deren Rich¬ 
tung sich vielfach kreuzt; in ihrer Mitte sieht man Gefafse verlaufen. Das Gewebe 
setzt sich aus zwei Zellformen zusammen: 1. langgestreckte Spindelzellen mit langem, 
stäbchenförmigem Kern, zwischen ihnen eine feinfaserige Grundsubstanz, denen sich 
die Zellen in ihrer Form enge aDSchlielsen; 2. weitverzweigte plattenförmige Zellen, 
deren Protoplasma eine eigentümliche, gitterähnliche Struktur zeigt, der Kern ist 
meist nicht deutlich sichtbar, wohl aber das Kernkörperchen. Auch hier ist eine Zell¬ 
vermehrung zu beobachten, welche die Entstehung der Zellen daselbst wahrscheinlich 
macht, doch kann man nirgends beobachten, dafs ein Transport der Zellen von hier 
stattfindet Es handelt sich hier offenbar um eine einfache Hypertrophie und Hyper¬ 
plasie der Zellen des Granulations- und Narbengewebes, von einer Tumorbildung kann 
man aber nicht sprechen. Dagegen beobachtete man in dem ersten Falle eine aus¬ 
gesprochene Differenzierung bindegewebiger Elemente zu besonderen Tumorzellen, 
welche sich auch in ganz besonderer Weise differenzierten. Dazu kommt noch, dafs 
die hypertrophische Narbe gegen die Subcutis nicht scharf abgegrenzt ist, vielmehr 
hier ein ganz allmählicher Übergang zu konstatieren ist. Das Narbenkeloid in J.’s 
erstem Falle dagegen war gegen die Subcutis durch eine Zone abgegrenzt, welche 
aus dicht gedrängten kleinen Spindelzellen besteht, zwischen denen man vereinzelte 
Mastzellen beobachtet. 

Unbekannt ist uns freilich, woher es kommt, dais bei einzelnen Menschen sich 
aus ganz geringfügigen Narben Keloide entwickeln. Mit dem Worte „Disposition“ 
werden wir uns vorläufig begnügen müssen. Indessen ist es doch bemerkenswert, dafs 
man bei der hypertrophischen Narbe in dem tiefsten Teil des Corium eine Andeutung 


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der Wirbelbildung erkennt. Ee ist nicht ausgeschlossen, daß bei irgend einem Reis 
von diesen Stellen der Anstois zu einem ähnlichen Bild ausgeht, wie wir es oben beim 
Narbenkeloid gesehen haben. Auf diese Histiogenese wäre daher hei späteren Unter 
Buchungen besonders zu achten. 

Im Gegensatz zu diesen narbigen Veränderungen zeigte der Vortragende ein 
wahres Keloid von der Brust, der üblichen Prädilektionsstelle dieser Gebilde, dem 
Sternum. Der Patient wußte niemals etwas von einem Trauma. Trotzdem J. rieh 
bewußt war, daß man es nicht exstirpieren sollte, hat er es doch gethan, da der 
Patient es selbst wünschte, und es J. sehr gelegen kam. ein mikroskopisches Bild von 
dieser seltenen Geschwulst zu erhalten. Man sieht, daß der Papillarkörper über der 
Geschwulst hier vollkommen erhalten ist. Zwischen der Epidermis und dem Tumor 
befindet sich vollkommen normales Kollegen. Der Tumor besteht aus einer Reihe 
spindelförmiger Fasern mit längs verlaufenden Gefäßen. Diese Anordnung geschieht 
etwa parallel der Oberfläche der Epidermis. Die Geschwulst besteht aus einem zellen- 
und faserreichen fibrösen Gewebe. Zwischen den lockern Bindegewebsfasern befinden 
sich nur wenige rundliche Zellen von dem Charakter junger Bindegewebszellen. 

Joseph zeigt noch ein Präparat von einem wahren Keloid, auf elastische Fasern 
gefärbt. Dieselben sind im normalen Corium, zwischen Tumor und Epidermis in un¬ 
geheurer Menge entwickelt, während von ihnen keine Spur in das Keloid hineingeht 

Die Unterschiede sind nun bedeutend genug, um daran fest zu halten, daß man 
unterscheiden muß zwischen dem Narbenkeloid und dem wahren Keloid. Hier handelt 
es sich um zwei getrennte Prozesse. Er stimmt in seinen Schlufsfolgerungen im 
wesentlichen mit der schon von Wahren, Kaposi und anderen vertretenen Anschauung, 
daß das Narbenkeloid von dem wahren Keloid scharf zu trennen ist. Das sogenannte 
Aknekeloid, glaubt J., gehört nicht hierher, sondern ist wahrscheinlich unter die in¬ 
fektiösen Granulation8geschwül8te zu rechnen. 

Zum Schlüsse noch einige praktische Bemerkungen. Über die Therapie der Ke- 
loide findet man in der Litteratur sehr schwankende Anschauungen. Die einen sagen, 
man soll die Hände weglassen, andere, ee sei nicht besonders gefährlich zu operieren. 
J. kann nur von den wenigen, oben skizzierten Fällen sprechen; er war erstaunt, 
als nach der Operation kein Becidiv sich einstellte. Die Litteratur ergiebt, daß in 
einer ganzen Reihe von Arbeiten angeführt wird, daß nach der Keloidoperation kein 
Becidiv eingetreten. Wahrscheinlich wird es da auch verschiedene Formen von 
Keloiden geben. Bei Narbenkeloiden hat, darin stimmt J. mit Bocqo überein, die 
Elektrolyse ausgezeichnete Erfolge ergeben. J. würde jedem Kollegen raten, rieh 
dieser Methode zu bedienen. J. hat die Elektrolyse mehrfach mit sehr gutem Erfolge 
angewendet; die Schmerzen sistierten, und es erfolgte kein Becidiv. 


Venerologisch-dermatologische Gesellschaft zu Moskau. 

Sitzung vom 16. (4.) Dezember 1898. 

(Auszug aus dem Referat im Wratsch. 1898. No. 52.) 

1. Kracht demonstrierte einen 20jährigen Patienten mit Molluscum fibrosa® 
cutis. Auf dem ganzen Körper finden sich kleinere und größere bräunliche Flecke 
und Geschwülste; letztere zu etwa 100 an Zahl. Die Geschwülste sind weich, asym¬ 
metrisch angeordnet, schmerzlos, stellenweße streng von der Umgebung abgegrenzt, 
stellenweise in dieselbe übergehend. Die beiden größten Geschwülste sitzen auf dem 
Steißbein und auf dem Kopf. Patient macht äußerlich schon einen degenerierten 
Eindruck, was bestätigt wird durch die sehr geringe vorhandene Intelligenz und durch 
ein schlechtes Gedächtnis. Patient ist ferner rhachitisch und hat ein Vitium oordis. 


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Anamnestisch ergiebt sich, dab er yon einem syphilitischen, dem Alkoholmibbrauch 
ergebenen Vater abstammt K. spricht den Fall für ein Molluscum fibrosum s. 
simplex (Fibroma mollasenm nach Vibchow, Elephantiasis congenita, Neuromatosis 
nach Bruhb) an nnd swar als diejenige Form, welche sich durch Geschwülste aus- 
seichnet Ätiologisch sieht K. die Syphilis und den Abusus spirituosorum des Vaters 
für bedeutungsvoll an. Im Ansehlufs an diese Demonstration referierte K. über zwei 
weitere ähnliche Fälle, von denen der eine der Privatpraxis von Prof. Pospblow an¬ 
gehört, der andere von Dr. Kownatzki beobachtet und auf dem letzten Moskauer 
internationalen medizinischen Kongrefs demonstriert worden ist. Auch diese beiden 
fälle betrafen degenerierte Subjekte. 

2. Kübel stellte einen Kranken mit Elephantiasis xnollis der unteren Körper- 
hilfte vor. Die unteren Extremitäten sind mit Ausnahme der Füfse zu umförmlichen, 
cylindrisohen Massen umgewandelt In der Mitte der Oberschenkel messen sie 77 cm. 
Diese Verdickung beschränkt sich aber nicht auf die unteren Extremitäten, sondern 
betrifft auch das Gesäb und den Leib und hört erst in der Taillengegend auf. Die 
Brüste sind wie bei einer Frau. Die Geschlechtsorgane werden ganz bedeckt von der 
über sie hängenden Haut. Die Veränderung betrifft nur die Haut und das Unterhaut¬ 
zellgewebe, aber nicht die Muskulatur und die Knochen. Die Haut ist glatt, weich 
und zeigt gar keine Spuren eines entzündlichen Prozesses. Die Inguinaldrüsen sind 
vergröbert. Die Krankheit hat sich im Laufe von zehn Jahren entwickelt. In der 
Familie ist zwar Neigung zu Podagra, aber nicht zu einer derartigen Veränderung 
der Haut gewesen. K. deutet den Fall nicht als Elephantiasis Arabum, weil gar keine 
entzündlichen Prozesse vorangegangen sind, weil sich die Affektion nicht auf die 
Extremitäten beschränkt etc., sondern als Elephantiasis mollis, Pachydermia, Pachy- 
dermatocele, Dermatolysis oder Cutis pendula. 

3. Gowsbjepp als Gast sprach über die Vervollkommnungen in der Herstellung 
von Obturatorien. 

4. Tschlbnow, Glawschb und Sakrepa demonstrierten Patienten, auf welche sie 

in den folgenden Sitzungen näher eingehen wollten. A. Jordan-Moskau* 

Sitzung vom 30. (18.) Dezember 1898. 

Originalbericht von Arth. JoRDAN-Moskau. 

Zu Beginn der Sitzung beglückwünschte der Sekretär Ftweisky den Präsidenten 
Prot Pospblow zur Wahl zum Ehrenmitgliede der Wiener dermatologischen Gesell¬ 
schaft, worauf letzterer erwiederte, dafs er in dieser hohen Auszeichnung eine Ehrung 
der Moskauer venerologisch-dermatologischen Gesellschaft sehe. 

1. Tschlbnow demonstrierte einen ungewöhnlichen Fall von Tuberculosis cutis. 
Es handelte sich nämlich um erhabene und nicht erhabene, gröbere und kleinere, 
runde und ovale, teilweise anästhetische Flecke bei einem 60jährigen Fabrikarbeiter, 
welche auf den ersten Blick an Lepra erinnerten. Die ersten Flecke sollen naoh 
Angabe des Patienten vor drei Jahren auf dem rechten Arm und rechten Oberschenkel 
aafgetreten sein, später sind dann weitere Flecke auf dem übrigen Körper und auch 
auf dem Gesicht aufgetreten. Mikroskopisch lieben sich reichliche Biesenzellen und 
verhaltnismäbig reichliche Tuberkelbacillen nachweisen, sodab die Diagnose nicht 
Lepra anaesthetica, sondern Tuberculosis lautete. Zur Unterstützung der mikroskopi¬ 
schen Diagnose mub angeführt werden, dafs die Bacillen für Lepra anaesthetica 
viel zu reichlich gefunden wurden und d&b die Anästhesie merkwürdigerweise die 
frischen und nicht die alten Herde betrifft. 

Diskussion: Pospblow bestätigt, dab der Fall klinisch vollkommen an Lepra 
anaesthetica erinnert, dab aber mikroskopisch diese Diagnose unmöglich ist. Zufällig 


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befindet sieh augenblicklich noch ein zweiter derartiger Fall in der Klinik, welcher 
in der nächsten Sitzung demonstriert werden soll. Diese beiden Fälle legen die Ver¬ 
mutung nahe, dais mancher als Lepra gedeutete Fall Tuberkulose sein könnte. Bisher 
stritt man bei manchen Fällen, ob es die MoBVANsche Krankheit oder Lepra sei; in 
Zukunft wird vielleicht sich ein Streit entwickeln, ob es Lepra oder Tuberkulose ist 

2. Glawsche stellte ein 19 jähriges Bauernmädchen mit allgemeiner Ichthyosis 
vor, welche aber am stärksten ausgeprägt ist in den Achselhöhlen, an den BUen- 
beugen und den Kniekehlen, also gerade den Stellen, wo die Ichthyosis für gewöhn¬ 
lich am geringsten ausgeprägt zu sein pflegt. Neben diesen Erscheinungen zeigt das 
Mädchen noch eine Ankylose im dritten Phalangealgelenk des vierten Fingers der 
rechten Hand und eine strangförmige, cirkulär laufende Einschnürung am kleinen 
Finger derselben Hand. Letztere Erscheinung fuhrt G. auf Druck durch die derbe 
Epidermis zurück. — Pospelow stimmt dem nicht bei, sondern diagnostiziert neben 
der Ichthyosis noch das Vorhandensein von Sklerodaktylie, welche gleichwie im 
DiTHRiKOSchen Fall zu der Einschnürung geführt hat. 

3. Pospelow berichtet einen weiteren Fall von günstiger Beeinflussung der 
Elephantiasis Arabnm durch Kalomelinjektionen. Das rechte elephantiastiache 
Bein der betreffenden Patientin ist, obgleich keine Lues bestanden hat, nach sechs 
Injektionen von je 0,05 Kalomel um 6 cm dünner geworden. 


Oentralblatt für die Krankheiten der Harn- und Sexualorgane. 

Band IX, Heft 11 und 12. 

Echinokokken in den Hamwegen, von Manassb. In Pobners Poliklinik 
beobachtete Verf. einen 62jährigen Schäfer, der mit dem Urin gallertige Massen ent¬ 
leerte, die sich als Hydatidenblasen erwiesen. Cystoskopisch liefe sich die rechte 
Ureterenmündung als Durchgangsstelle der Blasen erkennen, die Röntgenphotographie 
ergab in der rechten Lumbalgegend einen ausgedehnten Schatten, ein Beweis, dais die 
Echinokokkencysten für Böntgenstrahlen nicht durchgängig sind. Da der Patient anfing 
zu fiebern undkachektisch wurde (Vereiterung der Cyste), wurde zur Operation geschritten: 
Nephrotomie und Drainage führten Heilung herbei. Verf. beschreibt dann im fol¬ 
genden die in der Litteratur mitgeteilten Fälle von Nierenechinokokken mit Durch¬ 
bruch ins Nierenbecken, sowie Symptome und Diagnose der Erkrankung, die oft 
dunkel sind, bis der Durchbrach ins Nierenbecken und damit Abgang von Hydatiden* 
blasen erfolgt. Prognostisch ist dieser Durchbruch günstig, als eine Art Naturheilung 
aufzufassen. Die Therapie soll sich, nach gestellter Diagnose, auf Nephrotomie und 
Drainage beschränken. In einem folgenden Abschnitt seiner Arbeit beschreibt Verf. 
die mitgeteilten Fälle von Echinokokken der Harnblase und in der Umgebung der 
Harnblase. Auch hier ist kein fixiertes Symptomenbild vorhanden, die Diagnose wird 
wohl meist nur per exclusionem durch Nachweis eines prallelastiBchen Tumors in der 
Harnblase zu stellen sein. 

Über unilaterale Hämaturien zweifelhaften Ursprungs und ihre Heilung 
durch Nephrotomie, von Th. Rovsing. Die vier von Verf, beobachteten Fälle, 
welche sämtlich durch Nephrotomie geheilt wurden, liefsen Tuberkulose, Tumor- and 
Steinbildung als Ursache der Blutung vermissen. In solchen Fällen kann man Dialo- 


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Ication dar Niere, Drehung des Stiels, Kniokung der Ureteren, Korsettdruck und die 
dadurch bedingte venöse Stauung als Ursache ansprechen, die die Blutung hervorruft. 
Ss kommen aber auoh Fälle vor, wo bei der Operation sich absolut keine derartige 
Ursache der Blutung erkennen läfst, die dennoch durch die Nephrotomie geheilt 
werden. 

Band X, Heft 1. 

1. Die perineale Hodenverlagerung, von Weinbebgeb. (Referat folgt) 

2. Über die Orchidotomie, Probeincision des Testikels mit partieller Ab* 
tragung bei Tuberkulose des Hodens, von Xavier Delobb. Yerf. berichtet unter 
Anführung von zwei Krankengeschichten über das von Poncet angegebene neue Ver¬ 
fahren zur Operation der Hodentuberkulose. Während früher bekanntlich meist die 
Kastration beliebt wurde, ist man in neuerer Zeit in 'Frankreich zu konservativerem 
Verfahren ubergegangen, wie Epididymektomie oder Curettement mit nachfolgender 
Kauterisation. Poncet hat nun empfohlen, in den Fällen, wo der Hoden selbst gesund 
erscheint, eine Probeincision durch denselben zu legen, die das Parenchym gründlich 
freilegt und eine genaue Besichtigung gestattet. Findet man den Hoden gesund, so 
wird die Tunica albuginea einfach mit einigen Katgutnähten wieder vernäht; nie 
folgte Gangrän des Hodens; findet man Tuberkelknötchen oder fungöse Massen im 
Hoden, so wird nur das Erkrankte unter Schonung des gesunden Gewebes reseziert 
und so ein die Patienten psychisch sehr befriedigendes Resultat erreicht. 

3. Urologische Apparate, von Kollhann. Auf der 70. Naturforscher-Versamm¬ 

lung demonstrierte Verf. einige von ihm angegebene Verbesserungen an urologischen 
Apparaten, nämlich eine Modifikation des Orisschen Intraurethrotoms, welches eine 
genaue Einstellung der strikturierten Stelle und Schnittführung von hinten nach vorn 
gestattet, ferner einen Dampfsterilisator für Spüldehner, das NiTZE-OBERLlNDHBsche 
Urethroskop mit verbesserter Lichtbefestigung .und Änderungen am Photographier- 
urethroskop. F. Hahn-Bremen . 


Dermatologisches Oentralblatt. 

Band II, Heft 3. (Dezember 1898.) 

Ein neues Instrument zur Massage der Vorsteherdrüse, von E. Sonnknbbbg, 
Die Massage der Prostata mit dem Finger ist unangenehm und bei hoher Lage der¬ 
selben nicht ausführbar. Die Instrumente von Felski und Finger gestatten keine 
genaue Lokalisation und keine Bestimmung der Gröfse des Widerstandes; oft werden 
unnötigerweise die Samenbläschen mitgetroffen. Vollkommen ersetzen kann hier über¬ 
haupt kein Instrument den Finger, da der Tastsinn fehlt. Verfasser empfiehlt als 
nützlich ein Instrument, bestehend aus einem vorne geschlossenen hohlen Cylinder 
von Neusilber, der über den Zeigefinger geschoben wird. Das offene Ende ist so ge¬ 
staltet, dafs es sich dem Metakarpalknochen in passender Weise anschmiegt Die 
Massage der Prostata mit diesem Instrument kommt derjenigen mittelst des Fingers 
am nächsten. 

Band II, Heft 4. (Januar 1899.) 

Über Tuberculosis cutis propria, von Ernst Bloch. Unter den verschiedenen 
Formen der Hauttuberkulose ist die Tuberculosis cutis propria die seltenste. Sie sitzt 
meistens an 8chleimhautübergängen. Ganz vereinzelt sind Fälle von Tuberculosis 
cutis propria an Arm, Penis, Hand, Finger beobachtet Verfasser berichtet über eine 
Patientin, die am Anus, Darm, Labium majus flache Ulcerationen mit blafsrötlichem, 
glattem Grunde, zackigen, ausgenagten, ausgebuchteten Rändern, kleinen, graugelben 
Knötchen hatte. Die Patientin war im letzten Stadium der Phthisis. — Verfasser be- 

Monatshefte. XXVIII. 15 


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gründet die Diagnose auf klinische und histologische Momente. — Die Entstehung 
der Hanttnberknlose in solchen Fällen fuhrt auch Verfasser auf direkte Inokulation 
durch tuberkulöses Virus mit den Dejektionen zurück. 

Die innerliche Behandlung der Prostatorrhoe ex Prostatitide chronka 
mit Prostatasubstanz, von Heinrich Oppenheimer. Verfasser hat 17 Fälle wahrer 
Prostatorrhoe mit Prostatasubstanz von Burroughs, Wellcome & Co. behandelt Er 
teilt die Patienten in drei Gruppen: 1. Acht Fälle nicht komplizierter Prostatorrhoe, 
wo die wiederholte mikroskopische Untersuchung des Sekretes auf Gonokokken negativ 
ausfiel. Sämtliche Fälle wurden in 2—14 Tagen mittelst der Prostatasubstanz voll¬ 
kommen und dauernd geheilt — 2. Drei Fälle nicht komplizierter Blennorrhoe, wo 
das Mikroskop bei einmaliger oder wiederholter Untersuchung Gonokokken ergab. 
Hier war der Erfolg stets ein schlechter, indem das Sekret und die Zahl der Gono¬ 
kokken .beträchtlich zunahm, solange die Prostatasubstanz gereicht wurde. — 3. Sechs 
Fälle von Prostatorrhoe, die mit chronischer Urethritis posterior kompliziert waren, 
bei denen das Sekret amyloide Körper, BoBrrcHERsche Krystalle, Cylinder in zwei¬ 
schichtiger Anordnung als sichere Zeichen einer Beteiligung der Prostata zeigte. Hier 
wurde neben der Organotherapie noch lokal behandelt. In fünf Fallen war kein 
Erfolg zu konstatieren, im sechsten wurde Heilung erzielt Es handelte sich wohl um 
eine gonokokkenfreie Prostatitis bei blennorrhoischer Urethritis posterior. — Aus 
diesen Beobachtungen schliefst Verfasser, dafs die Prostata auf die innerliche Dar¬ 
reichung von Prostatasubstanz reagiert und in Fällen, in welchen das Sekret keine 
Gonokokken enthält und diese auch nicht während der Therapie auftreten, gute 
Heilresultate zu erzielen sind. Jessner-Königsberg i. Pr. 


Annales de Dermatologie et de Syphiligr&phie. 

1898, Heft 12. 

Ist das Ekzem eine parasitäre Krankheit? Eine kritisohe Studie von 
Loüis Török. Die Arbeit wendet sich gegen eine Monographie von Lbrkdde (TEooftma, 
maladie parasitaire; Paris 1898, Masson), in welcher dieser, sich auf die Unn Aschen 
Untersuchungen stützend, für das Ekzem keinen andern als einen parasitären Ursprung 
zuläfst. Demgegenüber weist Török nun darauf hin, dafs diejenige impetiginoide Form, 
bei der Unna seinen Morococcus gefunden hat, viel eher zur Impetigo als zum Ekzem 
gehört Wenn also der Morococcus wirklich der Urheber jener Form ist — was auch 
noch in Frage steht —, so wäre er damit doch noch lange nicht als der Parasit des 
Eccema vesiculosum simplez anzusprechen. Thatsächlich finden sich in den Vesikeln 
des letzteren ja nur selten vereinzelte Kokken. Für ebensowenig beweiskräftig halt 
T. die klinischen Thatsachen, die Leredde zur Stütze seiner Ansicht anfuhrt; diese 
sind die Autoinokulation des Ekzems und die Thatsache, dafs jede kleinste abnorme 
Hautöffnung zur Eingangspforte für das Ekzem werden kann. Einstweilen, so schliefst 
Török seine kleine Abhandlung, ist die parasitäre Natur des Ekzems noch durch 
nichts bewiesen. 

Nenn weitere Fälle von Psendoparalysis syphilitica, von Moncorvo. Nach¬ 
dem Moncorvo früher schon über acht Fälle von PARROTscher Krankheit beriohtet 
hat, enthält die vorliegende Veröffentlichung neun weitere Fälle, die er sämtlich in 
Rio de Janeiro beobachtet hat. Sie betrafen durchweg Kinder von höchstens drei 
Monaten. Die Knochenerkrankung safs in sieben Fällen nur an den Oberextremitäten, 
meistens dem Radius; in zwei Fällen war auch der Femur bezw. die Tibia befallen. 
Druckschmerz bildete neben der völligen Unbeweglichkeit das beständigste Symptom, 
mehrmals war aber auch Krepitation deutlich nachweisbar. Ein Trauma war in 


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keinem der Fälle vorhergegangen. Im Gegensatz zu Pabbot, der eine recht ungünstige 
Prognose stellt, erzielte II. in allen seinen Fällen bei geeigneter Behandlung völlige 
Heilung. 

Über ein angiomatöses Tuberkulid der Unterextremitäten, von Lbbbddb 
und Miliav. Gehört das MiBELLisohe Angiokeratom za den Haattaberknliden ? Zu 
dieser Untersoohong gab den Verfassern ein Fall von angiomatöser Neubildung — 
linsengrofta, runde, hervorragende, dunkelrote Flecke an den Füfsen und Unter¬ 
sehenkeln bei einem jungen Mädchen — Veranlassung. Auf Grund des histologischen 
Befundes glauben sie diese Frage bejahen za können. Ihr Fall weist dieselben mikro¬ 
skopischen Veränderungen an den kleinen Arterien und Venen auf wie das Angio¬ 
keratom Mibbllib, und sie betrachten ersteren als eine Übergangsform zwischen 
letzterem und den eigentlichen Tuberkuliden, dem Lupus erythematosus, der Aknitis 
und Folliklis u. s. w. Bei diesen wird als Entstehungsursache eine Einwirkung nicht 
des Tuberkelbacillas selber, sondern seiner Toxine angenommen. Man wird also in 
der Zukunft beim Angiokeratoma auf Tuberkulose zu untersuchen haben. In dem 
ron Verfassern beobachteten Fall bestand bedeutende Anschwellung der Halsdrusen. 

Bin Fall von diffuser Sklerodermie mit erythemato - phlegmonösen 
Symptomen, von J. MABTT-Belfort. Ein Soldat kam mit einer grofsen erythema¬ 
tosen, etwas fluktuierenden Plaque an der Hinterfläche des linken Oberschenkels zur 
Aufnahme ins Lazarett Bei einem Einschnitt entleerte sich seröser Eiter und die 
Wunde heilte nur langsam wieder zu. Eine weitere nicht entzündliche Plaque befand 
sich gleichzeitig in der rechten Stemo-Mastoidalgegend. Von hier aus verbreitet sich 
sllmählig über grofse Teile des Körpers eine Sklerodermie, die die Bewegung der Arme 
und des Mundes stark beeinträchtigt, anscheinend auf Jodkalium etwas zurückgeht, in 
diesem Stadium dann aber beharrt. 

Zwei Fälle von Arthropathia tarda bei der Syphilis congenita, von 

J. BaiQUBHAYZ-Tunis. In dem einen Fall war bei einem 29jährigen Menschen das 
rechte Knie erkrankt. Unter geeigneter Behandlung trat bedeutende Besserung ein, 
später erfolgte aber wieder ein Rückfall. Der zweite Fall betraf ein 15 jähriges 
Mädchen, bei dem beide Sterno-Claviculargelenke entzündet waren; auch hier 
erfolgte Heilung. 

Bin Fall von Syphilis mali g na praecox ohne Drüsenanschwellung, von 

Aäqzlo BzvNATi-Ferrare. Einer 24jährigen gesunden, schwangeren Frau wird von 
ihrem Manne die Syphilis mitgeteilt. Danach Roseola mit heftigen Kopfschmerzen 
und starkem Unbehagen. Nach einigen Wochen pustulöser Ausschlag, dann Knoten 
in der Haut, die geschwürig zerfallen. Heftige Schmerzen und hochgradige Ab¬ 
magerung der bettlägerigen Kranken bei ungenügender Behandlung und schlechter 
Ernährung. Bei ihrer Aufnahme ins Eirankenhaus ist ihr Körpergewicht auf 34,7 kg 
gesunken. Hier erholt sie sich unter geeigneter Behandlung und wird nach fünf 
Monaten mit einem Körpergewicht von 53,8 kg entlassen. Ob dieser Fall durch die 
mangelnden Drüsenschwellungen einen so schlimmen Verlauf nahm — wie Augagneub 
behauptet — oder ob andere Ursachen: Schwangerschaft, schlechte Ernährung, hierfür 
anzuschuldigen sind, läfst Verfasser unentschieden. Türkheim-Hamburg. 


Annales des maladies des Organes gönito-urinaires. 

1898. Heft 12. 

1. Einige Bemerkungen über die Bakteriurie, von Krogius. Der erste Teil 
der vorliegenden Arbeit ist polemischen Inhalts; er wendet sich gegen die Kritik, die 
RovaniG in seinen Studien über die entzündlichen Affektionen der Harnwege (Amt 

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d. mal . d org. gbi.-urin. 1897 u. 1898) an den Anschauungen und Beobachtungen 
des Verfassers über Bakteriurie übt. — Im zweiten Teile beschreibt der Verfasser 
drei Fälle von Bakteriurie, von denen zwei durch Staphylococcus pyogenes albos, 
einer durch Proteus vulgaris verursacht waren, also durch Mikroorganismen, die für 
die Blase in hohem Grade pathogen sind bezw. sein können und die überdies die 
Fähigkeit haben, den Urin zu zersetzen. Das Bestehen einer Cystitis konnte in aDea 
drei Fällen mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Damit ist Bovsihos Ansicht, dtb 
nur Bacterium coli Bakteriurie hervorrufen könne, weil es für die Blasenschlehnhaot 
nicht pathogen sei und den Urin nicht zersetze, widerlegt. Es können vielmehr auch 
andere Mikroorganismen Bakteriurie erzeugen, wenn die für die Entstehung einer 
Cystitis notwendigen Bedingungen fehlen, ganz abgesehen davon, dafs die Virulenz 
ein- und derselben Mikrobienart sehr variabel ist. — In der Ätiologie der Bakteriurie 
spielen nach Ansicht des Verfassers die Entzündungen der Prostata eine grofse Rolle. 
Auch in den drei beschriebenen Fällen ging die Affektion von einer chronischen 
eitrigen Prostatitis aus In solchen Fällen kann die Bakteriurie natürlich nur durch 
Beseitigung des ursprünglichen Krankheitsherdes zur Heilung gebracht werden. - 
Der Urin sah in den drei beschriebenen Fällen stark opalescierend aus und batte bei 
der Entleerung keinen spezifischen Geruch. So oft der Urin schon bei der Ent¬ 
leerung alkalische Reaktion hatte, bildete sich im Glase alsbald ein lokerer flockiger 
Niederschlag, bestehend aus amorphen Phosphaten und Ammoniak-Magnesiakrystallen; 
die oberen Schichten wurden dagegen vollständig klar und nahezu frei von Bakterien. 

2. Myositis blennorrhoica, von Bbaquehatb und Lkrvbl. Die blennorrhoische 
Muskelentzündung stellt nach den Erfahrungen der Verfasser eine nicht allzu seltene 
Komplikation der Blennorrhoe dar. Sie tritt gewöhnlich einige Wochen nach der 
blennorrhoiscben Infektion auf, während der Ausflufs oft gleichzeitig geringer wird. 
Die Affektion ist charakterisiert durch das Auftreten schmerzhafter, harter, haselnuk* 
bis taubeneigrofser Schwellungen in einzelnen Muskeln; dieselben verlieren sich ohne 
scharfe Grenzen und sind bei erschlafftem Muskel ebenso beweglich wie dieser selbit 
Die betreffenden Muskeln sind gewöhnlich leicht kontrahiet. Die Haut über den 
befallenen Stellen ist normal. Die Schmerzen sind sehr heftig und anhaltend und 
werden durch jede Bewegung verstärkt. Daneben bestehen leichte Allgemeinersch«- 
nungen: Temperatursteigerungen bis zu 38,5°, Pulabeschleunigung, Kopfschmerzen, 
Appetitlosigkeit, Zungenbelag, Verstopfung, Schlaflosigkeit infolge der Schmerzen. — 
Im Gegensatz zu anderen Arten von infektiöser Myositis kommt die blennorrhoische 
Muskelentzündung unter entsprechender Behandlung in kurzer Zeit ohne Eiterung 
und ohne Atrophie zur Heilung. — Ob die Affektion eine Toxinwirkung darstellt oder 
ob, was dem Verfasser wahrscheinlicher ist, die Gonokokken auf embolischem Wege 
aus der Urrthra in die Muskeln gelangen und hier Entzündung bewirken, ist nicht 
festgestellt. — Bezüglich der Diagnose mufs zunächst durch Ausscbliefsung von Ade- 
nitis, Arthritis, Periarthriiis, Phlebitis und akuter Osteomyelitis der rein muskulär* 
Charakter der Erkrankung festgestellt werden. Mit Hülfe der Anamnese und Ans 
schliefsung von Syphilis und Rheumatismus, sowie von Muskelentzüudungen, dis 
durch Staphylokokken- bezw. Streptokokkeninfektion von einer Hautwunde aus oder 
durch Autoinfektion vom Intestinum aus entstehen, kann dann die blennorrboiacbe 
Natur der Affektiou mit Sicherheit bestimmt werden. — Die Therapie besteht io 
event. 8—4 mal täglich Bor^äureverbände auf die erkrankten Gegenden, aulserdem 
Applikation feuchtwarmer 30—35° warme lokale Borsäurebäder von je einstündiger 
Dauer. 

8. Eine nene Art der Oirctunciaion, von Suabkz db Mbndozx. Nach voll* 
ständiger Loslösung des Präputiums von der Glans wird an beiden Enden des verti- 


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kalen Durchmessers der Praputialöffnung genau an der Stelle, wo die Haut in die 
Schleimhaut übergeht, je eine P&ANsche Pincette angelegt. Dann wird die Haut leicht 
naoh hinten gespannt, indem man gleichzeitig an den Pincetten zieht. Hierauf wird 
dicht neben diesen je eine Branche einer KocHBaschen Pincette zwischen Olans und 
Pripntium bis etwa 1 cm unterhalb der Corona glandis eingeführt und durch Schließung 
dieser beiden Pincetten, deren beide andern Branchen außen auf der Haut liegen, 
Haut und Schleimhaut fixiert. Nach Entfernung der P&ANschen Pincetten wird nun 
die Qlans zurückgeschoben und dicht unterhalb der KocnsRsohen Pincetten eine ge¬ 
fensterte Pincette angelegt, die das ganze Präputium fixiert Durch das Fenster dieser 
Pincette werden in Abständen von ca. 3 mm lange Catgutfaden gelegt, deren beide 
Enden doppelt sein müssen, das Präputium dicht über der Pincette mit dem Bistouri 
weggeschnitten und die Fäden nach Durchschneidung der Schlingen geknüpft: damit 
ist Haut und Schleimhaut ringsum vereinigt und gewöhnlich auch die Blutung 
gestillt; event sind noch weitere Ligaturen anzulegen. Die Wunde wird mit Jodo¬ 
form und Jodoformgaze bedeckt. — Nach Ansicht des Verfassers ist diese Methode 
leicht aussuführen und ergiebt ein in jeder Beziehung befriedigendes und gleich¬ 
mäßiges Resultat. 

4. Bemerkungen über dreiXSsig mit Prot&rgol behandelte Fälle von 
Blennorrhoe, von Rbgnauld. Nach den Erfahrungen des Verfassers hat das Pro- 
targol nur den Vorzug, daß es keine Schmerzen und keine Reizung verursacht und 
daher mit Vorteil bei sehr empfindlichen Patienten angewandt werden kann. Im 
übrigen aber ist Pro targol weder bei der akuten noch bei der chronischen Blennorrhoe 
dem Kalium permanganicum oder dem Argentum nitricum irgendwie überlegen. 

Götz-München . 


jaiUetltwjjeit ans iitr fitteratnr. 

Chronische Infektionskrankheiten, 

a. Lepra. 

Zur Lehre von der Lepra, Kontaglon und Heredität, von E. v. Düring. 
(Dteeh. mccL Wochenschr . 1898, No. 20 und 21.) In geistvoller und überzeugender 
Weise wendet sich Verf. in diesem Aufsatz gegen die drei seit Beendigung der 
Berliner Lepra-Konferenz erschienenen antikontagionistischen Schriften von Bach, 
Kaposi und Zambaoo. Besonders letzteren widerlegt er, da derselbe sich auf das 
gleiche Material wie von Düring in Constantinopel stützt. Er widerlegt zunächst 
die Gründe, welche die genannten Forscher für ihre Ansicht Vorbringen, und beweist 
dann im zweiten Teile seiner Arbeit, daß die Lepra im Orient nur durch Kontagion 
zu erklären sei. F. Hahn-Bremen. 

Bemerkungen zu der Originalmlttellung von Czaplewbki: Über einen aus 
einem Leprafall gezüchteten, alkohol- und säurefesten Bacillus aus der 
Tuberkelbaeillengruppe, von Lbvt. ( Centralbl. f. Bakteriol. Band XXIV, No. 1, 
1898.) Der Artikel ßt polemischen Inhalts. Der Verfasser behauptet in demselben, 
daß das von ihm im Arohiv für Hygiene (Band XXX, 1897) beschriebene „neue, aus 
einem Falle von Lepra gezüchtete Bakterium ans der Klasse der Tuberkelbacillen" 
rieh in keinem wesentlichen Punkte von dem von Czaplbwski im Centralblatt für 


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Bakteriologie etc. (1898, No. 3—6) beschriebenen „neuen ans einem Leprafall ge¬ 
züchteten, alkohol- und säurefesten Bacillus aus der Tu ber kelbacillengruppe“ unter 
scheide. Beide Bacillen wiesen die Tuberkelbacillenfärbung nicht auf. Wenn also 
der vom Verfasser gezüchtete Bacillus nicht zur Tuberkelbacillengruppe gehört, so 
darf auoh Czaplxwski den von ihm gezüchteten nicht zu dieser Gruppe zahlen. Mit 
dem von Bobdo^i-Uftbsdüzzi gezüchteten Bacillus ist der CzAPLBwsKische nicht 
identisch. Gotz-München. 

Randglossen zur chinesischen Lepra in Gestalt eines Feuilletons bringt Dr. F. 
in der Deutschen Medizinalzeitung (1898. No. 21), wobei er aber über das Lebendig- 
Begrabenwerden in China mehr spricht als über die Lepra und über letztere zum Teil 
in einer vom wissenschaftlichen Standpunkte aus nicht kontrollierbaren Art und Weise. 

Jessner-Königsberg ». IV. 

Bin intermediärer Typus zwischen Lepra, Syringomyelie und Morvan- 
scher Krankheit, von Cardamatis- Athen. (Progrls nUd. 1898, No. 33 und 34.) 
Der Fall bot ernste diagnostische Schwierigkeiten, indem er verschiedene diesen drei 
Affektionen gemeinschaftliche Symptome aufwies: scheinbare gekreuzte Hemiplegie, 
Gelenkdeformationen, Skoliose der Wirbelsäule, Difformitat des Rumpfes, Paresen, 
allgemeine Muskelatrophien, Ulcerationen des Gesichtes, Zerstörung der Phalangen, 
Kribbeln in den Fingern, Abnahme der Sensibilität, Thermoanästhesie, Analgesie etc. 
Die Patientin hatte außerdem zwei Panaritien gehabt, von denen eines schmerzhaft, 
das andere indolent war. Der Fall wurde als eine Lepra betrachtet. C. Mittler-Genf. 

Ein Fall von Lepra anaezthetica mit Bektionsbefund, von Samoin. (Dtsck 
med. Wochenschr . 1898, No. 30.) Untersuchung eines Falles von totaler anästhetischer 
Lepra (ohne Mutilationen), bei dem während des Lebens keine Leprabacillen in der 
Haut nachgewiesen werden konnten. Verfasser gelangt auf Grund der histologischen 
Untersuchung von Haut, peripheren und centralen Nervensystem zu dem Schlüsse, daß 
man bei Lepra anaesthetioa nur in frischen Infiltrationen Bacillen finden kann (wie 
auch in diesem Falle), da sie äufserst schnell sowohl in der Haut als in den Nerven 
zerfallen. Die spezifische Infiltration beginnt an den peripheren Enden der Nerven 
und schreitet sehr weit oentralwärts fort. Wo sie aufhört, fängt die sekundäre 
Degeneration der Nervenfasern an, welche sich bis zu den Wurzeln ausbreitet Daher 
ist die (auch hier vorhandene) Degeneration der GoLLschen Stränge eine sekundäre. — 
Der Schwund der Bacillen ist abhängig von der bindegewebigen Um wandlang 
der Infiltrate, durch welche sich die Lepra anaesthetica wesentlich von der tuberösen 
Form unterscheidet, und die auch die Sklerose der Nervenstämme veranlaßt. 

J. Blech-Berlin. 

Lepra in Leber nnd Milz, von P. Musehold. ( Arbeiten a. d. Kaiserl . Gesund¬ 
heitsamte. Band XIV.) Verfasser hat bei einem Falle von reiner, unkomplizierter 
Lepra die histologische Untersuchung von Leber und Milz vorgenommen (Paraffin¬ 
methode, Färbung mit ZiEHLscher, EHRUCHScher Lösung nach Gram). Ergebnis: Die 
Leprabacillen liegen sowohl extra- wie intracellulär, in der Leber am massenhaftesten 
in den Lymphspalten und an den Lymphbabnen des interstitiellen Gewebes, in der 
Milz im retikulären Stützwerk. Die besonders im interstitiellen Gewebe der Leber 
anzutreffenden zellenartigen Gebilde, in der Hauptsache dichte Zusammenlagerongea 
von innerhalb einer stärker lichtbrechenden Substanz eingeschlossenen Bacillen* 
Wucherungen (Globi), sind in gleicher Weise, wie Unna solche Gebilde im Haat* 
leprom gedeutet hat, als Konglomerate von bacillendurchsetzten Lymphthromben auf- 


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xnfassan, jedenfalls nicht zeitiger Natur. Verl fand ferner Leprabaoillen in den 
Endothelsellen der Leberkapillaren und in diesen selbst, beobachtete auch Hinein* 
wuehera der am retikulären Stützwerk der Milz angesiedelten Bacillen in rom Blute 
durchspülte Bäume. Daher ist zu hoffen, dafs auch im kreisenden Blute häufiger als 
bisher der Nachweis der Bacillen gelingen wird. — Die Verbreitung des Leprabacillus 
im menschlichen Körper geschieht sowohl durch die Lymphbahnen wie duroh das Blut. 

I. Bloch-Berlin. 

Zur Sernmtherapie der Lepra, von Dsmo-Dorpat. (St. Petersburg . med. 
Wochenschr . 4. und 11. Juli 1898.) Der bekannte Dorpater Kliniker und Leprologe 
hat während zwei und eines halben Monats seine sämtlichen Leprosen mit dem von 
Carbasquilla angegebenen Serum behandelt Er ist an die Versuche mit nicht zu 
grofsen Hoffnungen getreten, da er sich der Erfahrungen erinnerte, die im Jahre 1892 
bei Behandlung des Aussatzes mit Tuberkulin gemacht wurden. Gewonnen wurde 
das Serum vom Pferde. Die Art der Gewinnung hat sich streng an Carrasquillas 
Vorschriften gehalten, und stets wurde die peinlichste Asepsis beobachtet. Bei allen 
Versuchen waren Dsmos Erfolge gleich Null. Keine Heilung, keine Besserung. Es 
traten vereinzelt neue Nachschübe der Krankheit au£ wie sie ohne Therapie auch 
Vorkommen. Jede andere Medikation war natürlich unterblieben. Die meisten 
Dermatologen stehen heute wohl der Heilbarkeit der Lepra durch dies Serum sehr 
skeptisch gegenüber. So BARiLLON-Algier, Hallopeau, ALVAREZ-Honolulu, Bribgkr, 
Arxing. Die Erfahrung lehrt, dafs es Stoffe giebt, die ätiologisch nichts mit Lepra 
xu thun haben, folglich auch nicht in bakteriologischem Sinne Antitoxine der Lepra 
genannt werden können, die aber doch Einwirkungen auf die Prozesse des Aussatzes 
haben, wie sie Carrabquilla selbst und einige andere Autoren als Folgen der Serum¬ 
einspritzung mit seinem Serum geschildert haben. Zu diesen Stoffen gehört auch 
Kochs Tuberkulin. Vielleicht sind auch bei diesem neuesten Mittel einfache Protein* 
Wirkungen im Spiele. Hopf-Dresden . 

Über die Behandlung der Lepra auf den Fidschi-Inseln, von L. Lewin. 
( Dtsch . med. Wochenschr. 1898, No. 21.) Verf. erfahr von einem Missionar die 
Krankengeschichte eines eingeborenen Predigers, der leprös geworden sein soll und 
später durch eine auf den Fidschi-Inseln heimische Behandlungsmethode geheilt sein 
soll. Diese Behandlung besteht in einer langdauemden, langsamen, energisohen 
Räucherung mit Stüoken des giftigen Sinubaumes (Exooecaria Agallocha). Verfasser 
empfiehlt dringend die Nachprüfung der Methode, bezw. die Anwendung des Saftes 
der Exooecaria bei Leprösen. F. Hahn-Bremen. 


b. Tuberkulose. 

Weitere Beiträge zur Tuberkulose der Lymphgefäße, von Prof. Jordan. 
(Beiträge z. klin. Chir. Bd. XX, Heft 3). In mehreren Fällen von Hauttuberkulose 
konstatierte Verfasser eine tuberkulöse Erkrankung der Blut- und Lymphgefäfse. Die 
Tuberkulose der Lymphgefäfse wurde bisher klinisch angenommen, aber histologisch 
noch nicht erwiesen. Dieser Nachweis ist dem Verfasser jetzt gelungen. — Der 
tuberkulöse Prozeß nimmt seinen Ausgang von der Wand des Lymphgefäfses, ent¬ 
wickelt sich unter der Intima und breitet sich von da naoh aufsen und innen aus 
Man hat es also mit einer Lymphangitis und Perilymphangitis tuberculosa zu thun, 
dis zu einer Knotenbildung im Subcutangewebe führt. Neben den LymphgefÜfsver- 
änderungen fand Verfasser auch tuberkulöse Veränderungen an den Arterien des sub¬ 
cutanea Fettgewebes in der Art, dafs zuerst eine Periarteriitis vorhanden ist, 
au die sich Arteriitis tuberculosa und Aufgehen des befallenen Geiäfses in einem 


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Tuberkel anschliefsen. Da der ganze Krankheitsprozeft eine so typische Lokalisation 
an den oberflächlichen Lymphgefäßen zeigt, so muß die Lymphangitis als das Primäre 
angesehen werden, von welcher dann ein Übergreifen auf die Blutgefäße stattgefunden 
hat. — Sehr interessant und bedeutungsvoll ist der Nachweis des Verfassers, dais eine 
von einem lupösen Geschwür des Fingers aus entstandene Lymphangitis lnposs 
Ursache eines Lupus des Vorderarms geworden ist. — Denselben Zusammenhang 
konnte Verfasser noch in einem weiteren Falle konstatieren. I. Bloch-BerUn. 

Die Behandlung des Gesichtslupus vermittels der radikalen Exstirpation 
und nachfolgender Transplantation, von Fbrd. Schulze. (Wien, klin. BwuUch. 
1898. No. 37). Die bei 47 Lupösen mit der Totalexcision und Transplantion gemachten 
Erfahrungen fuhren Verfasser zu einem sehr günstigen Urteil über diese Behandlungs¬ 
methode. Er giebt in dieser Mitteilung eine Reihe belehrender Anweisungen für die 
Operationsweise. Es muß stets im Gesunden ca. 1 cm vom Bande der erkrankten 
Stelle der Schnitt gelegt werden, die Hälfte der Fettschicht mufs mit entfernt werden, 
sodafs die Wunde etwa 3 mm tief wird. Nach totaler Entfernung des subcutanea 
Fettgewebes giebt es eingezogene, häßliche Narben. Die Blutung wird durch Tamponade 
und Torsion genau gestillt, Ligaturen sind nachteilig. Affizierte Drüsen müssen mit 
entfernt werden. Die Transplantation kann der Operation sofort folgen. Verfasser 
schneidet möglichst einen großen Lappen, der auf die Wunde gelegt ihre Binder 
überragt, und befestigt den Lappen durch einige Nähte, die zuerst durch ihn, dann 
durch die Wundränder hindurch gezogen werden. Verband mit steriler Gaze. — 
Genauere Angaben macht Verfasser über die Beseitigung von Ektropien. Ist der Lid¬ 
rand erhalten, dann wird alles Krankhafte, jede Narbe entfernt, das Lid bis an den 
obera Augenhöhlenrand gedehnt, hier fixiert und dann transplantiert. Nur wo der 
Lidrand fehlt, ist Plastik notwendig. Schematische Abbildungen illustrieren dies« 
Verfahren, wie die Operationen an Mund und Nase. Dem Lupus der Nasenschleim¬ 
haut geht Verfasser nach Eröffnung der Nase ebenso gründlich zu Leibe. — Seine 
Resultate sind sehr zufriedenstellende. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Weitere Mitteilungen Aber TR-Behandlung bei Lupus, von W. yas Hoorj. 
( Dtsch. mecL Wochenschr ., 1898. No. 27). Besserung des Lupus beginnt bei Dosen 
von V>&o mg, hört auf bei solchen von 20 mg. Da nun Erhöhung der letzteren Dose 
nicht imstande ist, die Heilung zu beschleunigen, sondern oft schädlich wirkt, so rat 
Verfasser, die wirksame Periode, in der Dosen von l /uo mg bis 20 mg gebraucht 
werden, durch noch langsameres Ansteigen möglichst zu verlängern. — Die Besserungen 
waren sichtlich größere als mit dem alten Tuberkulin. L Bloch-Berlin . 

c. Syphilis. 

Multiple syphilitische Schanker; Roseola urticata, von Dubois-Havehith. 
(Medizin.-chirurg. Gesellschaft von Brabant; Presse mH. beige. 1898. No. 30.) Einer 
dieser Schanker saß auf der Penishaut und hatte die Dimensionen eines Zweifranc* 
Stückes erreicht (in Gestalt eines Ulcus elevatum). Die darauffolgende sekundäre 
Eruption zeichnete sich durch ihre besondere Form aus, indem sie morphologisch 
genau mit einer Urticaria übereinstimmte; von dieser letzteren unterschied sie sich 
aber durch das Fehlen von Jucken und ihre Dauer. C. Mütter-Genf. 

Ein Fall von doppeltem Lidschanker, von Hrlbroh. (Münch, med . Wochenschr. 
1898. No. 21.) Der Verfasser beobachtete bei einem 11jährigen Knaben das Auf¬ 
treten je eines Primäraffektes am Ober- und Unterlid links zwischen Thränenpunkt 
und Mitte des Lides. Gleichzeitig fand sich im Unterlid etwas naoh außen von der 


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Mitte eine erbsengroße, sehr harte Geschwulst des Tarsus. Die Präaurikulardruse 
links bohnengroß, die weiter abwärts liegenden Drusen ebenfalls geschwollen, aber 
stets weniger als die hoher liegenden; rechts wenig vergrößerte Submaxillardrösen. 
Sehwache Marmorierung der Haut, aber kein typisohes Exanthem. Der Knoten war 
wohl ein einfaches Chatarion, möglicherweise aber auch eine spezifische Entzündung 
einer MsmoMschen Druse; er verschwand ohne Entleerung seines Inhalts nach aufsen 
gleichzeitig mit der Heilung der Primäraffekte unter Anwendung einer indifferenten 
Salbe. Nach 6 Monaten trat im linken Auge Iritis auf, es entstanden zwei stark 
▼säkularisierte Granulationsgeschwülste in der Nähe des Ligamentum pectinatum, die 
als Papeln aufzufassen sind, hintere Synechien, membranartige Glaskörpertrübung, 
die als Exsudationsprodukt des hochgradig entzündeten Corpus ciliare anzusehen ist, 
und Neuritis optici. Hechts fanden sich nur feine Präcipitate auf der hinteren Horn¬ 
hautwand und ein kleines induriertes Knötchen im Gewebe des Oberlides. Unter 
einer Schmierkur erfolgte vollständige Heilung. Oöts-München. 

Über extragenitale Syphilis, von E. Schreiber. {Die äreti. Praxis. 1898. 
No. 14.) Von 662 luetischen Männern waren 22, von 862 Frauen 11 extragenital 
infiziert Verfasser berichtet vier Fälle. Der Primäraffekt saß zweimal an der Ober¬ 
lippe, einmal an der Unterlippe, einmal an der Wange. Der letztere soll durch einen 
Insektenstich entstanden sein. Hutchinson berichtet über eine durch einen Flohstich 
am Beine entstandene Sklerose. Verfasser geht auf die Schwierigkeit der Diagnose 
extragenitaler Primäraffekte näher ein. Der Verlauf extragenitaler Infektionen ist 
nicht ungünstiger als der genitalen, nur treten die Sekundärerscheinungen oft früh 
auf und sind schwerer. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Zur Statistik der extragenitalen syphilitischen Infektion, von Rosenquibt. 
(Bibliotheka wratscha [Russisch]. 1898. S. 509.) Verfasser hat im Laufe von 5 Jahren 
(1893—1897) in der ambulatorischen Abteilung für Weiber des Mjaßnitzki-Kranken- 
hanses zu Moskau 9150 geschlechtskranke Frauen untersucht und darunter 5186 Lues¬ 
fälle beobachtet Unter letzteren erwiesen sich 8462 oder 66,7% an den Geschlechts¬ 
teilen und 854 oder 10,2% extragenital infiziert. Hinsichtlich der extragenitalen 
Infektionen handelte es sich im speziellen um Infektionen: 1. der Mandeln in 179, 
2. der Lippen in 80, 8. der Brustdrüsen in 77, 4. der Augenlider in 5, 5. der Zunge in 
3 Fällen. Der Rest betrifft je einen Fall von Primäraffekt der Nase, des Kinns, des 
Halses, des Oberarmes, des Fingers, des Bauches, des Dammes, des Afters, des Ge¬ 
säßes und des Schienbeins. Unter den extragenitalen Infektionen überwogen somit 
die per os = 74%, dann folgen diejenigen der Brustdrüsen = 21,8% und den Rest 
4,2% bilden Infektionen an verschiedenen Körperteilen, darunter aber der Lider 
= 1,4%. A. Jordan-Moskau. 

Eine Hausepidemie von Syphilis, von Gotthsil. {New York med. Joum. 
26. März 1898.) In einer armen, in sehr dürftiger und unreinlicher Wohnung lebenden 
Familie, bestehend aus Eltern und acht Kindern brach eine Syphilisepidemie aus, die 
nur den Vater und zwei Kinder verschonte; zuerst erkrankte ein 14jähriges Mädchen 
und ein zweijähriger Knabe, der kurz vorher geimpft war, ohne daß über die Quelle 
der Infektion irgend etwas in Erfahrung gebracht werden konnte. 

F. Hahn-Bremen. 

Zur Therapie und Diagnostik der Syphilis, von Fischer. {Wien, med . Blätter. 
1898. No. 31.) Die Wirkung des Quecksilbers erklärt sich der Verfasser durch eine 
mächtige, stimulierende Beeinflussung der drüsigen Organe des Körpers und der Haut. 


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Dm Spezifische liegt in der Einwirkung auf diejenigen Organe, die von der Syphilis 
besonders heimgesucht werden. Die Lebensenergie der betreffenden Zellen wird ge¬ 
steigert Als bestes Qaecksilberpräparat erscheint dem Verfasser das Kalomel. Er 
giebt es auch bei Erwachsenen 0,2 pro dosi, 0,6 pro die and sah die besten Besnltate 
bei den hartnäckigsten Affektionen (Psoriasis palmaris). Kalomel ist auch ein Mittel, 
welches in zweifelhaften Fällen entscheidet, ob Lues vorliegt oder nicht Wo es sieh 
um Syphilis handelt, mag sie alt oder jong sein, tritt stets eine Stomatitis ein trotz 
sorgsamer Mundpflege. Die nach Kalomel auttretenden Diarrhoen hören, wenn Ge¬ 
wöhnung eingetreten, von selbst auf; event. setzt man Extr. Opii zu. Nach 4 Tagen 
wird eine Pause von 4—5 Tagen gemacht. Tritt in dieser Zeit, wie gewöhnlich, 
eine Stomatitis ein, dann wird diese durch Jodtinktur und Gargarismen beseitigt 
Darauf folgt wieder die Darreichung von 20 Pulvern und nach einer Pause von einer 
Woche von noch 20 Pulvern. So fährt man mehrere Monate fort 

Jessner-Königsberg i. Pr. 

Luetische und blennorrhoische Infektion am Schw&ngerschaftsende, von 

Buechelbr. (Die ärztl. Praxis . 15. Aug. 1808.) Die Hochschwangere wurde im 
letzten Monat der Schwangrerschaft mit Lues und Blennorrhoe infiziert. Die Geburt 
wurde durch ein starkes Hydramnion verlängert Das Kind machte eine Ophthalmo¬ 
blennorrhoe durch, wies dann allerlei Plaques und Bhagaden auf und bekam im 
sechsten Monat einen erheblichen Hydrocephalus internus. Unter energischer Be¬ 
handlung trat bei dem Kinde ebenso wie bei der Mutter Heilung ein. 

F. Hahn-Bremen ,. 

Über Syphilis sine exanthemate, von S. Ehrmann. (Wien. med. Wochenschr. 
1898. No. 38.) Es giebt Fälle, in welchen nach einer, wie man annehmen muh, 
typischen Initialsklerose mit indolenten Drüsenschwellungen das Exanthem ausbleibt, 
die aber sich durch der Proruption entsprechende Allgemeinstörungen oder, noch 
sicherer, durch Syphilide später als Syphilisfälle erweisen. Derartige Beobachtungen 
mahnen, wo man eine Sklerose diagnostiziert hat, sich durch das Fehlen des Exsn* 
thems nicht beirren zu lassen, den Kranken lange zu beobachten und eventuell auch 
antiluetisch zu behandeln. Verfasser giebt drei einschlägige Krankengeschichten wieder. 
1. Sklerose anfangs September, rheumatoide Sohmerzen, Kopfschmerz, Schlaflosigkeit 
abendliche Fieberbewegungen Ende September; kein Exanthem. Ende Juli Papeln an 
den Lippen. 2. Im Februar Sklerose und indolente Drüsen. In der 13. Woche kein 
Exanthem, dennoch Schmierkur. Ende Juli Psoriasis palmaris. 3. Ende Juni Sklerose 
anfangs August Allgemeinerscheinungen, aber kein Exanthem. Ende Dezember schup¬ 
pende Syphilide der Palma und Planta, im März nässende Papeln. Mehrere Kuren. 
Heirat. 2 gesunde Kinder. — Verfasser hebt noch hervor, dafs neben diesen Fällen 
sine exanthemate, d. h. sine exanthemate primo es viele giebt, bei welchen das Exan¬ 
them nur ein überaus spärliches ist und deshalb leicht übersehen wird. — Diese Fälle 
mit spärlichem oder gar keinem Exanthem im Beginne des Sekundärstadiums ver¬ 
mehren die grofse Zahl derjenigen, welche unbehandelt umherlaufen. 

Jessner- Königsberg i Pr. 

Gefahr des Irrtums in der Diagnose zwischen chronisch syphilitischem 
Fieber und Tuberkulose, von Janewey. (Amer. Joum. of Med. Scienc . Sept 1898.) 
Verfasser schildert einige Fälle von Fieber, Abmagerung, Nachtschweifsen, die von 
den Ärzten als Lungenkranke angesehen wurden, ohne sich bei geeigneter Terrain- 
etc. Behandlung zu bessern. Eine genaue Ausforschung ergab, dafs früher syphilitische 
Infektion stattgefunden hatte und die eingeleitete energische Behandlung der Syphilis 
führte eine rasche Herstellung herbei. Verfasser weist auf die Wichtigkeit einer 
genauen Anamneseerhebung in unklaren Fällen hin. F . Hahn-Bremen. 


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Über das Fortdauern der antitoxiachen Wirkung der Lymphdrüse bei 
einem Syphilitiker, der 16 Monate nach der Infektion von Scabies befallen 
Würde, von HAAN-Havre. (Presse t nid. beige. 1898. No. 84.) Bei dem 24jährigen 
Patienten war wegen einer Wände am Fufse ein Lymphdrüsenabscefs in der rechten 
Ingoinalgegend entstanden, der zur vollständigen Zerstörung der betreffenden Drüsen 
geführt hatte. Vier Monate später stellte sich der Patient mit Symptomen frischer 
Lues: gewaltige Lymphangitis des Penisrückens, papalöse and papalosqaamöse Syphi¬ 
lide am Penis, aaf der Kopfhaut, am Anus, am Hunde etc. Während nun der linke 
Unterschenkel kaum befallen war und nur noch einige bräunliche Flecken aufwies, 
war der rechte Unterschenkel übersät mit Papeln und die Inguinalgegend von ge¬ 
waltigen krustösen Plaques bedeckt. In der linken Leistenregion war nur eine indo¬ 
lente Lymphdrüsenschwellung zu konstatieren. Circa 17t Jahr später war das spezifische 
Exanthem verschwunden, dagegen hatte Patient eine Scabies acquiriert, gegen welche 
eine Schwefelinunktionskur verordnet wurde. Einige Zeit danach brach auf dem 
rechten Beine eine papulöse Eruption aus, deren spezifische Natur unzweifelhaft war; 
am linken Beine dagegen konnten nur drei Papeln konstatiert werden. Auch diesmal 
hatte also das Lymphdrüsengewebe auf den Organismus einen schützenden Einflufa 
ausgeübt Verfasser macht bei dieser Gelegenheit auf die noch zu wenig bekannte 
Wirkung von Reizen bei der Syphilis aufmerksam und empfiehlt, dafs man luetische 
Krätzige mit gelinderen Präparaten denn Schwefel, welcher zu sehr reizt, behandeln 
soll (Perubalsam). Der vorliegende Fall zeige ferner, dafs die Lyraphdrüse trotz ihrer 
Sklerose und Schwellung den Kampf gegen das spezifische Virus mit Erfolg fort¬ 
zuführen im stände sei. C. Müller-Genf. 

Über Syphilis gravis bei Ärzten, von Bbandis. (Btsch. med. Wochenschr. 1898. 
No. 21.) Verfasser hat unter der grofsen Zahl seiner Beobachtungen an syphilitisch 
infizierten Ärzten auch einige Fälle von sehr schwer verlaufener Syphilis zu verzeich¬ 
nen; diese waren sämtlich am Finger infiziert, und stets war die Diagnose sehr spät 
gestellt worden, wodurch sich vielleicht der schwere Verlauf der Erkrankung erklären 
läfst; im übrigen trat unter energischer Hg- und KJ-Behandlung meist rasche und 
gute Heilung ein. F. Hahn-Bremen. 

Über die Kontagiosität der tertiären Syphilis, von Tarassevitch. (Bullet 
*•W. Febr. 1898.) In solchen Fällen hat man sich stets in erster Linie zu fragen, ob 
es sich wirklich um tertiäre oder nur um Spätformen sekundärer Lues handelt. Wie¬ 
wohl die Ansteckungsgefahr bei diesen letzteren weitaus gröfser ist als bei tertiären 
Läsionen, so sind doch Fälle bekannt und dokumentiert, wo Syphilis durch tertiäre 
Läsionen übertragen wurde. Es darf aber andererseits nicht vergessen werden, dafs 
sich zuweilen das sekundäre Stadium mit seinen endlosen Recidiven über eine Zeit¬ 
dauer von 28, ja 29 Jahren ausdehnen kann. Der Weg, auf dem die Ansteckung satt¬ 
findet, ist meist die Genitalgegend; je weiter man sich aber vom Zeitpunkte des 
Initialaffektes entfernt, nimmt die Mundschleimhaut in dieser Beziehung immer eine 
hervorragendere Stellung ein. Verfasser betont deshalb die Notwendigkeit einer skru¬ 
pulösen Mundhygiene (u. a. Verbot des Tabakrauohens). C. Müller-Genf 

Dm syphilitische Hauthorn, von Haan. (Normandie ntid. 15. Mai 1898.) Das¬ 
selbe besteht aus einer tiefgelegenen Hornpapel, die selten isoliert vorkommt, meist 
an den Händen lokalisiert ist und oft erst spät auftritt (in einem Falle erst 8 Jahre 
nach dem Schanker). Von dem gewöhnlichen Hühnerauge unterscheidet es sieh 
dadurch, dafs es weniger exfoliiert und nicht die holzharte Konsistenz des letzteren 
aufweist; aufserdem kann es an Stellen Vorkommen, wo kein Reiz und kein Druck 


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stattfindet. Sehr typisch sieht das syphilitische Hauthorn in der ersten Zeit seines 
Bestehens aas, wo es die genaue Form einer erhabenen, kegelförmigen Papel zeigt. 
Später nimmt es auf kurze Zeit das Aussehen einer umbilizierten Pustel an mit einem 
eingesunkenen vaskularisierten Centrum, das überhaupt stets dunkler bleibt als die 
Peripherie. Die Schmerzen können bei Druck sehr heftig werden. Das Wachstum 
ist ein sehr langsames und erstreckt sich über Monate. Die Behandlung besteht in 
täglichen warmen Lokalbädern, Auflegen von Salicylkollodium und Kalium causticom- 
Pasta. C. Mütter-Genf. 

Die syphilitische Phlebitis, von Hbnzabd. (Joum . des Pratic. März 1898.) Ver¬ 
fasser unterscheidet zwei grofse Klassen von spezifischen Phlebitiden: die sekundären 
und die tertiären. Die erstere befällt meist zahlreiche Venen zu gleioher Zeit oder 
verbreitet sich wenigstens rasch über einen grofsen Bezirk. Die tertiäre lokalisiert 
sich in Form eines Oumma oder breitet sioh über ein Gefafs in chronischer Weise 
aus und führt zur Sklerose desselben. Mit Vorliebe werden die Venae saphenae be¬ 
fallen. C. Müller-Genf. 

Über Venen-Syphilis, von J. K. Pboksch. (Bonn 1898.) Die Venen-Syphilis 
gilt als sehr seltene Affektion und hat bisher wenig Beachtung gefunden. Verfasser 
trägt eine Kasuistik von 107 Fallen zusammen und läfst darauf eine Besprechung der 
Häufigkeit, der Verbreitung, der klinischen und anatomischen Befunde folgen. Dabei 
trennt er die extraparenchymatösen Venen von den intraparenchymatösen. Die Therapie 
wird erörtert, ein besonderer Abschnitt der hereditären Venen-Syphilis gewidmet 
Allen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, wird diese Monographie ein unent¬ 
behrlicher Ratgeber sein. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Syphilis des Magens, von Ddsulafoy. (Wien. med. Blätter. 1898. No. 28, u. Ja 
semaine med. 1898. No. 18.) Ein Patient mit den zweifellosen Erscheinungen eines 
Magengeschwürs wird 1V> Jahre ununterbrochen nach allen möglichen üblichen 
Methoden ohne jeden Erfolg behandelt. Da er 10 Monate vor dem Auftreten der 
Magenbeschwerden Syphilis acquiriert hatte, versuchte Verfasser es mit einer spezifischen 
Kur. Es wurde täglich eine Injektion von 4 mg Hydrargyrum bijodatum in öliger 
Suspension gemacht. Vom sechsten Tage ab trat eine eklatante Besserung ein, die 
schnell bis zur völligen Heilung fortachritt; Jodkali um beförderte dieselbe. Die Ab¬ 
hängigkeit der Heilung von der spezifischen Kur war zweifellos. — Die Syphilis des 
Magens ist wenig gekannt und beachtet Cobnil fand bei einer Sektion Gummata des 
Magens, die geschwürig zerfallen waren. Sie lagerten in der Drüsenschicht der Schleim* 
haut Chiabi hat 1891 mehrere pathologisch-anatomische Thatsachen über Magen¬ 
syphilis mitgeteilt, wobei er auch auf Fälle von Klbbs, Wbichsblbaum, Bibch-Hibsch- 
fbld, Wagnbb etc. hinweist. Chiabi schliefst aus der systematischen Magenunter- 
Untersuchung 248 Syphilitischer, dafs es eine wirkliche Magensyphilis giebt, die direkt 
oder indirekt von der Syphilis abhängt Die direkt durch die Syphilis entstandenen 
Läsionen sind Gummata und entzündliche Infiltration. Die indirekten entstehen im 
Gefolge von Lebererkrankungen oder von durch Syphilis bedingter hämorrhagischer 
Diathese. Das Gumma entwickelt sich im submukösen Bindegewebe und kann zu 
syphili tisch-peptischen Geschwüren fuhren. — Zur Illustration des klinischen Bildes 
citiert Verfasser noch Fälle von Audral, Foubnibb und Gaillabd. — Verfasser schliefst: 
1. Die Syphilis des Magens ist nioht so selten, als man annimmt. 2. Die syphilitischen 
Läsionen des Magens treten auf als hämorrhagisohe Erosionen, Ecchymosen, gummöse 
Infiltrate der Submucosa, gummöse Plaques, circumscripte Gummen, gummöse Ul- 
cerationen und Narben nach ulcerösen Gummen. 8. Hier wie bei jedem Substanz- 


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verloste des Hägens kann man annehmen, dafs der Magensaft fortsetzt, was der 
anfangs geschwürige Prozefs begonnen hat 4. Die Symptome syphilitischer Magen- 
alceraüonen erinnern an diejenigen des Ulcus simplex: Bucken- und Brustbeinsohmerzen, 
Magenbeschwerden, Erbrechen, Hämatemesis, Melana, Kachexie. 6. Keines dieser 
Symptome gestattet die Annahme, dafs es sioh um eine syphilitisohe Läsion handelt. 
Darauf laftt nur der Umstand schliefsen, dafs der Patient als Syphilitiker bekannt ist 
6. Wo Symptome eines Ulcus ventriouli vorhanden sind, darf man nie unterlassen, 
nach Syphilis zu forschen. 7. Wo diese vorhanden, mufs man sofort Quecksilber¬ 
präparate und Jodkalium geben. 8. Die Kenntnis syphilitischer Magengeschwüre ist 
um so wichtiger, da man eventuell eine chirurgische Operation vermeiden kann. 

Jtssner-Königsberg i. Pr. 

Über Echinokokken und syphilitische Geschwülste, von R. Lrnnhoff. 
(Dtsch. med. Wochenschr . 1898. Mo. 26.) Bei der grofsen Mannigfaltigkeit der spät 
syphilitischen Erscheinungen hat man stets, sobald ein unbestimmtes Krankheitsbild 
vorliegt, an die Möglichkeit einer syphilitischen Erkrankung zu denken. Ganz beson¬ 
ders ist dies nach v. Esmaboh bei sarkom- oder lymphomähnliohen Geschwülsten der 
Fall Andererseits ergiebt oft die Anamnese Syphilis, ohne dafs die vorliegende 
Krankheit syphilitischer Natur ist. Verfasser berichtet über mehrere Fälle von Ver¬ 
wechselung eines Echinococcus mit syphilitischen Erkrankungen. — Der erste Fall 
betraf eine 26jährige Frau, welche mehrere Frühgeburten durchgemaoht hatte nach 
jedesmal vorhergehender Schwangerschaftsniere. Seitdem litt sie an Ödemen, Albumin¬ 
urie. Später bildeten sich in der Gegend der rechten Parotis, in der rechten Fossa 
supraclavicularis und dicht oberhalb des Ellenbogengelenks derselben Seite kleine, 
harte, mit der Unterlage verwachsene Geschwülste. Bei der Untersuchung fand sich 
auch die Leber vergröfsert. In ihrer Mitte war eine harte, höckerige Geschwulst mit 
einer leichten Delle fühlbar; Druck wurde sehr schmerzhaft empfunden. Da jeder 
Anhaltspunkt für eine frühere syphilitische Infektion fehlte, wurde die 
Diagnose in Übereinstimmung mit mehreren Chirurgen auf Chondrosarkom der Parotis 
mit Metastasen in einer Lyraphdrüse, im rechten Humerus und in der Leber gestellt. 
Ohne jede Behandlung verschwanden aber die Geschwülste der Parotis, der Lymph- 
druse und des Humerus vollkommen nach einigen Monaten, während die Lebergeschwulst 
unverändert blieb. Nunmehr konnte an der syphilitischen Natur der Erkrankung 
nicht gezweifelt werden. Naoh dem bei einer neuen Frühgeburt erfolgten Tode der 
Patientin fanden sich in der Leber typische Gummigeschwülste, welche bei Lebzeiten 
der Patientin durch Schmierkur und Jodkalium in keiner Weise beeinflufst waren. — 
Der zweite, 52jährige Patient hatte früher Syphilis gehabt. Seit einer Reihe von 
Jahren hatte er eine Leberaffektion. Die Leber war sehr grofs und von einer absolut 
elfenbeinernen Härte, mit gröfteren und kleineren höckerigen, gedellten Vorwölbungen 
versehen. Diagnose: Lebersyphilis. Eine Schmierkur blieb ohne Erfolg. Eines Tages 
hörte man bei etwas brüsker Palpation ein „eigentümliches Krachen“, welches durch 
eine eingestoftene Nadel sich an der ganzen Oberfläche des Tumors hervorrufen lieft, 
so daft der Schlufs auf einen „verkalkten Leberechinococcus“ gerechtfertigt 
war. Bei einem dritten, ähnlichen Fall ergab die Probepunktion wasserhelle Flüssig¬ 
keit mit den Haken von Echinococcus. In differentialdiagnostischer Hinsicht sind also 
weder die halbkugelige Form noch die eigenartige Härte für Gummata der Leber 
charakteristisch. Ebenso kann die bekannte Delle auch bei Echinococcus Vorkommen. 

L Bloch-Berlm. 

Bin Fall von doppelseitigem exulcerierendem Gumma der Augenlider, 
von Laov Grudzr. ( Wien. kUn. Wochenschr. 1898. Nr. 36.) Gummen der Augenlider 
sind so selten, dafs in der Augenklinik von Fuchs in Wien bei einem Krankenmaterial 




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von 15000—17000 neuen Fällen jährlich in den letzten zehn Jahren ent der dritte 
Fall beobachtet wurde, der hier mitgeteilt wird. Die Gummen der Augenlider treten 
als ohalazionähnliche Knoten akut oder subakut, mit oder ohne lebhafte Entzündung* 
erscheinungen auf. In ersterem Falle entsteht schnell ein indnriertes Geschwür oder 
es tritt bald eine Rückbildung ein, in letzterem Falle ist der Verlauf ein langszmer. 

Die Heilung geht gewöhnlich ohne erhebliche Narbenbildung und Stellungsveränderang 
des Lides von statten. Die Narbe ist durch einen scharf gezeichneten weifsen gnd- 
linigen oder schwach konkaven Strang charakterisiert. Der mitgeteilte Fall betrifft 
ein 17jähriges Mädchen, bei dem sich Knoten in beiden unteren Augenlidern ent¬ 
wickelten, die bald exulcerierten; die Geschwüre waren speckig belegt, die Ränder 
infiltriert, steil abfallend, die Form eine serpiginöse. Die regionären Drüsen waren 
indolent geschwollen. Die Heilung erfolgte unter Sublimatumschlägen. Trotzdem die 
Anamnese und der sonstige Status nichts für Lues Charakteristisches ergab, stellte 
Verfasser doch, nachdem er Tuberkulose und Initialsklerose ausgeschlossen, die Diagnose 
auf Gumma. Dabei sprach eine vorhandene Tarsitis mit, wie sie auch bei Spätsyphilis 
nicht selten vorkommt. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Einige interessante syphilitische Erkrankungen des Auges und seiner 
Anhänge, von Jüler. (Philadelphia Med. Joum. 12. Febr. 1898.) Verfasser beschreibt 
einen Schanker des Augenlides, zwei Fälle von symmetrischer Thränendrüsenerkrankong 
und zwei Fälle von retrobulbärer Neuritis. F. Hahn-Bremen. \ 

Syphilis des Nervensystems, von Charles W. HiTCHcocK-Detroit, Mich (Med. 
News. 6. August 1898.) H. glaubt, dafs im allgemeinen bei Erkrankungen des Nerven* ! 
Systems die Syphilis eine weit gröisere Rolle spiele, als gewöhnlich angenommen wird. 
Die sehr lang anhaltende Immunität nicht nur von nervösen, sondern auch von 
Sekundär- und Tertiärerscheinungen, und das meist atypische Auftreten der sypbi- ! 
litischen Erkrankungen des Nervensystems sind die Ursache, dafs die Ätiologie der* 1 
selben so oft verschleiert bleibt Gumma und Arterienerkrankung sind die häufigsten 
Arten der syphilitischen Infektion des Gehirns; die Symptome hängen natürlich von 
der pathologischen Phase ab, in welcher sich jeder Fall befindet; ein chronischer 
ProzefB kann lange dahinschleichen, ohne ernste Symptome zu verursachen, während | 
eine scheinbar akute Meningitis mit Krämpfen und nachfolgender Hemiplegie ganz 
plötzlich auftreten kann. Epilepsie und Apoplexie sind besonders zwei Afiektionen, 
welche oft bei genauer Nachforschung auf syphilitischen Ursprung zurückzufahren ! 
sind. H. beschreibt genauer einen Fall von Hemiplegie, wo nach relativ kurzer inner 
licher Behandlung mit Jod (Natrium) und äufserlicher Anwendung der Elektrizität die 
Lähmungserscheinungen beinahe völlig zurückgingen. Ein anderer Fall war der eines 
52jährigen Mannes, welcher von einer Art Somnolenz oder Stupur befallen wurde, 
Urin und Kot unter sich gehen liefe u. s. w.; innerliche Jodmedikation und Hg-Ein- 
reibungen befreiten ihn bald von diesem Zustande und H. meint, ihn auch vor einer 
drohenden Hemiplegie bewahrt zu haben. Der vorliegende Aufsatz prägt uns wieder 
holt die Vorschrift ein, auch bei Gehirnaffektionen nach event. luetischer Ursache zu 
forschen, um die geeignete, oft so schwierige Therapie zu finden. 

Stern-München. 

Die Hauptunterscheidungspunkte zwischen cerebraler Syphilis und all¬ 
gemeiner Paralyse der Irren, von PATRicK-Chicago. (New York med. Joum. 27. August 
1898.) In außerordentlich eingehender, für den Dermatologen fast zu ausführlicher 
Weise schildert Verfasser die differentialdiagnostischen Merkmale der beiden so oft 
schwer unterscheidbaren Gehirnkrankheiten. Die ersten Anzeichen der Dementia 


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paralytioa liegen gern in der psychischen Sphäre, bei Gehirnlues mehr in der physischen. 
Die psychischen Störungen uberwiegen bei Paralyse auch in deren weiteren Stadien 
die somatischen. Zeitweiliger Stillstand kommt vor, nie aber Besserungen oder Rück- 
kehr xum Normalen. Das Leiden beginnt insidiöe, das Fortschreiten geschieht schritt¬ 
weise. Die Himlues tritt unerwartet, plötzlich auf und hat keinerlei Typus. Konstant 
ist nur ihre Inkonstanz und unveränderlich ihr fortwährender Wandel. — Der Verlauf 
ist jedenfalls rapider als bei der Paralyse. Unbehandelt macht das Leiden schon in 
3—9 Monaten die schwersten Erscheinungen, während in dieser Zeit bei Paralyse oft 
die intimsten Freunde des Kranken die Dauer der Krankheit nicht genau kennen. 
Im folgenden geht Patrick auf alle Einzelheiten in einer mehr den Neurologen an¬ 
gehenden Weise ein. Hopf-Dresden. 

Frühzeitiges Auftreten einer Dementia paralytica nach Syphilis, von 

Plaxchu. (Presse nUd. beige . 1898. No. 34.) Der Fall ist interessant wegen des jugend¬ 
lichen Alters des Patienten (22 Jahre) und wegen des kurzen Zwischenraums zwischen 
dem Auftreten der Lues und der progressiven Paralyse (2 7* Jahre). 

C. Müller-Genf. 

Zur Kasuistik der luetischen Bttckenmarkserkrankungen, von Wittern. 
(Münch, med. Wochenschr. 1898. No. 20.) Der Verfasser beobachtete bei einer 23jäh¬ 
rigen Frau, deren Mann acht Jahre vorher eine Schmierkur durchgemacht hatte, eine 
luetische Kückenmarkserkrankung, die in zwei durch einen Zwischenraum von fast 
zwei Jahren getrennte Abschnitte zerfiel. Die Symptome beim ersten Anfall waren: 
Druckempfindlichkeit und Steifigkeit der Wirbelsäule, gürtelförmig in die Brust aus¬ 
strahlende Kückenschmerzen, Ameisenkriechen und Taubsein von dem Kippenbogen 
bis zu den Füisen. Hierzu kamen Herabsetzung der Sensibilität und der Motilität 
der unteren Extremitäten, links mehr als rechts, Muskelspannung und Zittern bei 
pssriven Bewegungen und spontan, mäfsige Urin- und Kotverhaltung und Erhöhung 
der Reflexe. Die erste Symptomengruppe bildet die klassischen Zeichen einer Lepto- 
meningitis; die zweite Gruppe wird erklärt durch eine Beizung der Wurzeln durch 
die geschwollene Pia; die geringe Intensität dieser Erscheinungen schliefst eine Er¬ 
krankung des Marks aus, zumal eine 14 tägige antiluetische Behandlung vollständige 
Heilung bewirkte. Nach zwei Jahren traten heftige gürtelförmige, anfallsweise in die 
untere Extremität ausstrahlende Rüokenschmerzen auf, Gefühl von Taubsein, Brennen 
und Ameisenkriechen vom Thorax bis zu den Fufssohlen, spastische Spannung der 
Beinmuskulatur, besonders bei passiven Bewegungen, Zuckungen, Krampf der Atem¬ 
muskulatur, der Atemnot hervorruft; nach 14 Tagen zunehmende Schwäche in den 
Beinen, die fast bis zur vollständigen Paraplegie führt, links stärker als rechts, Urin- 
und Kotverhaltung, starke Erhöhung der Haut- und Sehnenreflexe, Herabsetzung der 
Sensibilität, des Tastgefühls und der Sohmerzempfindung an den Beinen, Hyper¬ 
ästhesie am Abdomen. Hier finden sich also neben meningitischen Symptomen aus¬ 
gesprochen myelitische Erscheinungen; es handelte sich um eine Meningomyelitis 
subacuta. Als Ort der Erkrankung des Bückenmarks muJs der untere Teil des Brust* 
und der obere Teil des Lendenmarks angesehen werden. Für den luetischen Charakter 
der Erkrankung sprechen aulser der antisyphilitischen Behandlung des Mannes die 
allmähliche Steigerung der Lähmung, die Ungleichheit der Störungen links und rechts, 
die Verschiedenheit der Schmerzempfindung zwischen den einzelnen Punkten im 
Gebiete der gestörten Sensibilität, das Auftreten eines Becidivs nach zwei Jahren; 
endlich der Erfolg der antiluetischen Behandlung. Götz-München. 

Bin Fall von frühzeitiger spinaler Lues mit Brown - S&QUARDs Paralyse, 

von JAOOBS-New York. (New York. med. Joum. 27. August 1898.) Der Autor berichtet 


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über einen Fall von Brown-Säqüard scher Paralyse der unteren Körperhälfte bei einem 
40jährigen Manne, bei dem das Rückenmarksleiden bereits ein Jahr nach der Infek¬ 
tion mit Lues aufgetreten ist. Letztere war fast unbehandelt geblieben, wieder ein 
Beweis für die Thatsache, daß gerade auf solche Fälle schwere Nervenerkrankungen 
zu folgen pflegen. Unter 8076 in der Nervenabteilung des Jons Hopkiks Hospitals 
behandelten Fällen befand sich nur einer mit ähnlichen Erscheinungen wie der be¬ 
richtete. Die sogenannte BnowN-StQUARDsche oder H&lbseitenlähmung ist eine sebr 
seltene Erkrankung des Rückenmarks, dessen eine Hälfte, sei es durch Tumoren oder 
Verletzungen oder organische Prozesse funktionsunfähig gemacht worden ist. Man 
findet dann auf der Seite der Läsion motorische Lähmung mit Hyperästhesie, von 
der aber der Muskelsinn ausgenommen ist, und auf der anderen Seite sensible Läh¬ 
mung. Ausgesprochene komplette H&lbseitenlähmung durch Lues ist nur wenige Male 
beobachtet worden, und zwar waren dabei Gummen, die die eine Hälfte der Mednlla 
einnahmen, die Ur&che. Unvollständiges Auftreten des Symptomenkomplexes findet 
sich jedoch nicht zu selten bei Syphilis. Hierher gehört der berichtete Fall. Foub- 
nibr sah unter 2032 Fällen von Lues Knochen- und Nerven - Syphilis in 5,2°/i im 
ersten Jahre, 9,5°/o im zweiten, 10,4% im dritten, 8,9% im vierten, 8,5% im fünften, 
7,7% im sechsten, 6% im siebenten und 5% im achten Jahre. Die Wahrscheinlich¬ 
keit des Auftretens der Nervensyphilis ist also im ersten Jahre der Krankheit be¬ 
deutend geringer als im 2. bis 7. Jahre, aber größer als in den darauffolgenden 
Jahren. Hopf-Dresden, 

Über kongenitale Syphilis, von R. Hecker. (Münch, med. Wochenachr. 1898. 
No. 27 und Arch. f. khn. Med. Bd. 61, Heft 1 und 2.) Der Verfasser hat es «ich 
zur Aufgabe gestellt, durch Leiohenuntersuchungen womöglich neue Anhaltspunkte 
für die anatomische Syphilisdiagnose bei Föten und Säuglingen zu gewinnen. Au 
den Ergebnissen seiner Untersuchungen sind folgende Punkte hervorzuheben: Die 
Schwellung und Gewichtsvermehrung der Leber bei kongenitaler Lues ist so konstant, 
dafs ein Lebergewicht von mehr als Vis des Körpergewichts bei Föten, von mehrils 
Vso bei Kindern, die gelebt haben, für Syphilis spricht Iu den Leberpräparaten von 
sicher nicht Luetischen fand der Verfasser mehrmals Massen von Zellen und Zellen* 
häufchen, die sich in Nichts von dem diffusen und miliaren Syphilom der Leber 
unterschieden. Es handelt sich dabei um zwei Arten von Zellen: nämlich proliferierto 
Leberzellen und junge, neugebildete Blutkörperchen (Blutzellen). Die enteren finden 
sich bis zum Eintritt der Geburt in allen Fällen, gleichviel ob Lues vorhanden ist 
oder nicht Jedoch erfahrt die normale Proliferation der Lebersellen durch die 
Syphilis eine deutliche Steigerung, die von der Geburt ab allmählich mehr und mehr 
zurücktritt Das Vorhandensein der Blutzellen auch in großen Mengen stellt durch¬ 
aus nichts der Syphilis Eigentümliches dar. — In den Nieren fand der Verfasser in j 
allen Fällen von Lues sowie in allen zweifelhaften Fällen pathologische Verände¬ 
rungen, und zwar bei den Föten Wucherungs- und hyperämische Prozesse mit Ge¬ 
wichtsvermehrung, bei den ausgetr&genen Kindern und in noch höherem Grade bei 
Kindern, die gelebt hatten, Atrophien und Degenerationen mit Gewichtsabnahme. 
Diese Befunde konnte der Verfasser durch die klinische Beobachtung von acht loeti* 
sehen Säuglingen ergänzen; sechsmal fand sich parenchymatöse Nephritis mit Cylinder- 
bildung, zweimal Spuren von Eiweiß ohne Cylinder. — In der Milz fand sich bei 
luetischen Totgeborenen neben starker Gewichtszunahme (ca. Vno des Körpergewichts 
gegen ‘/»so bei Nichtluetischen) fast regelmäßig kleinzellige Infiltration der Gefä߬ 
wände, seltener Verdickung derselben. Bei Kindern, die gelebt hatten, waren diese 
Veränderungen nur mehr angedeutet. — Im Pankreas fand sich außer Gewichts- und 
Konsistenzvermehrung mehrmals interstitielle Entzündung. — Die Nabelschnur 


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wiei bei 4 von 7 zweifellos luetischen Früchten pathologische Veränderungen auf, 
und zwar entzündliche and schwielige Verdickang der Gefafswandungen oder klein* 
zeitige Infiltration in verschieden grofser Ausdehnung. Alle nicht syphilitischen Früchte 
zeigten normale Verhältnisse. — In der Thymusdrüse fand der Verfasser dreimal 
Vermehrung und Verdickung der lobulären Septen mit Verkleinerung der Lobuli, 
aber nie multiple Abscefsbildung (DvBOissche Erkrankung). Dagegen wurde mehrmals 
und zwar häufiger in nicht-luetischen Leichen centrale Erweichung bis zur Bildung 
ron Hohlen, die mit Thymussaft gefüllt waren, beobachtet Diese Höhlenbildungen 
nnd nicht pathologisch. — In den Nebennieren fanden sich einmal submiliare ver¬ 
käste Onmmata. — Die Untersuchung der Lungen und Knochen ergab die Bestätigung 
schon bekannter Befunde. Die WzoKKEsche Osteochondritis fand sich in 80% aller 
Syphilitischen, fehlte dagegen bei allen sicher nicht Syphilitischen vollständig. 

Götß-München. 

Über die parasyphilitischen Erscheinungen der kongenitalen Lues im 
ersten Kindesalter, von Katzbhstkin. (Münch, med. Wochenschr. 1898. No. 86.) 
Bei nicht syphilitischen Kindern syphilitischer Eltern treten als Folge der luetischen 
Vererbung an den verschiedenen Organen Krankheitserscheinungen auf, die mit den 
such anatomisch sich manifestierenden Erkrankungen der betreffenden Organe here¬ 
ditär-luetischer Kinder nichts zu thun haben und unter dem Namen Parasyphilis 
susammengefaist werden. Parasyphilitische Kinder sind gegen eine Infektion mit 
Syphiliqgift immun. — Die häufigsten Symptome der Parasyphilis sind Anämie und 
chronischer Schnupfen, der mehr oder weniger starkes Schnüffeln bewirkt. Weitere 
Symptome sind Auftreibung des Leibes, venöse Stase in den Bauohdecken, Leber- 
Schwellung, oft mit Ascites verbunden, Milzschwellung, chronische Darm- und 
Bronchialkatarrhe, Glottiskrämpfe, Eklampsie, Spina bifida und chronischer Hydro- 
cephalus, endlich Störungen im Wachstum und in der geistigen Entwickelung. 
— Bei einem parasyphilitischen Kinde finden sich stets zwei oder mehrere der 
genannten Symptome; dieser Umstand ermöglicht meistens schon die Unter¬ 
scheidung der parasyphilitischen Erkrankungen von den Affektionen der ent- 
iprechenden Organe bei nicht parasyphilitischen Kindern. Eingehende Anamnese 
erleichtert natürlich die Stellung der Diagnose. — Die Prognose ist bei genügend 
ltnge fortgesetzter Behandlung günstig. — Die Therapie besteht in Verabreichung von 
Kalomel in kleinsten Dosen und von Jodkalium. Die bei den sonstigen Erkrankungen 
der betreffenden Organe gebräuchliche Behandlungsweise ist bei den parasyphilitischen 
Affektionen stets erfolglos. Eine antiluetische Kur des Vaters oder der Mutter bezw. 
Darreichung von Jodkalium wirkt prophylaktisch ausgezeichnet: die nach solchen 
Euren geborenen Kinder sind gesund. Göte-München. 

Über centrale Erweichung des Rückenmarkes bei Meningitis syphilitica, 

von Wullemwbbeb. (Münch, med . Wochenschr. 1898. No. 82.) Die Autopsie einer 
28jährigen Prostituierten, die vor Jahren luetisch infiziert worden und unter den 
typischen Erscheinungen einer syphilitischen Meningitis mit sekundärer Beteiligung 
des Marks gestorben war, ergab neben einer ausgeprägten Meningitis cerebrospinalis 
syphilitica eine ausgedehnte Höhlenbildung im Rückenmark. Dieselbe erstreckte sich 
vom unteren Lumbalmarke bis in das obere Brustmark und war ifti unteren und 
mittleren Dorsalmarke am stärksten. Hier war die graue Substanz bis auf ganz 
geringe Spuren verschwunden. Aufserdem fand sich Endarteriitis und Thrombosie¬ 
rung einzelner kleiner Gefäfse infolge von Kompression durch schwieliges Gewebe in 
den Meningen. Es handelte sich bei dieser Höhlenbildung um eine Nekrose des 
Rückenmarks, bedingt durch Störungen in der Cirkulation. Mit Syringomyelie hat 
der Fall nichts zu thun. Gött-München. 

M—«tehafU. xxvm. 16 


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Über die hereditäre Syphilis, von J. Hbkbt Fbuttnight-No w York. (Med. News. 
80. Juli 1898.) Ohne das Thema erschöpfend behandeln za wollen and wesentlich 
Neues zu bringen, fährt F. in diesem (vor der Northwestern Medical and Surgioal 
Society von New York gehaltenen) Vortrage einige recht beachtenswerte Punkte 
vor. Die Bezeichnung „hereditäre Lues“ will er nur auf diejenigen Fälle angewendet 
wissen, wo die Infektion zur Zeit der Konoeption stattgefunden hat, und den Aus¬ 
druck „hereditäre Spätsyphilis“ hält er für unberechtigt, es handle sich dabei wohl 
immer um Fälle, die eben nicht früher diagnostiziert worden seien. Was die Ver¬ 
änderungen betrifft, welche die Heredosyphilis in den Organen setzt, so kommen in 
erster Linie an Häufigkeit die Knochen, und zwar die langen am Übergang der Dia- 
in die Epiphyse; von den inneren Organen ist die Leber öfter der Sitz der syphi¬ 
litischen Affektion beim Fötus wie beim Neugeborenen als jedes andere Organ (inter¬ 
stitielle oder gummatöse Hepatitis). Bhinitis und Pharyngitis sind konstante, Fissora 
ani ein häufiges Symptom der angeborenen Syphilis. Sind schon zur Zeit der Geburt 
Erscheinungen vorhanden, so ist der Fall immer als schwerer zu bezeichnen und die 
Prognose sehr ungünstig. Gewöhnlich erscheinen die Symptome zwischen der 2. und 
6. Woche, in wenigstens 7« der Fälle in den ersten drei Monaten; treten sie im Laufe des 
ersten Lebensjahres nicht auf, so kann das Kind als frei von Infektion angesehen werden. 
Das erste äufsere Symptom ist gewöhnlich Coryza, bald erscheinen makulöse, auch 
papulÖ8-8quamÖ8e Eruptionen von dunkelroter Farbe an Handflächen und Fuftsohlen, 
dann im Gesicht, Fissuren in den Mundwinkeln und Plaques an Lippen und Innen¬ 
seite der Wangen. Diese Plaques und Bisse an den Lippen sowie am After, welche 
ziemlich tief sind, leicht bluten und der Behandlung oft lange trotzen, betraohtet F. 
als untrügliche Zeichen der angeborenen Syphilis, während Vergröfserungen der 
Lymphdrüsen dabei selten und die nach Hutohikbon benannte Zahnform und -Stellung 
durchaus nicht pathognomonisch sei. Die Prognose bei der angeborenen Syphilis der 
Kinder ist schlechter wie bei der erworbenen. Die Behandlung sollte eigentlich schon 
vor der Geburt beginnen, d. h. wenn die Mutter als syphilitisch, auch ohne momentane 
Erscheinungen, erkannt ist, während der Schwangerschaft eine energische, spezifische 
Kur eingeleitet werden; der Erfolg für das Kind ist, wie zwei Fälle von F. lehren, 
ein vorzüglicher. Die Behandlung eines syphilitischen Kindes soll unmittelbar nach 
der Geburt begonnen und ein Jahr lang fortgesetzt werden, im zweiten Halbjahre, 
unter Herabsetzung der Hg-Dosis auf die Hälfte oder ein Drittel. Die beste Methode 
ist die Schmierkur, sodann innerlich Kalomel in der Dosis von 6 mg, viermal täglich; 
im allgemeinen vertragen die Kinder das Quecksilber vorzüglich, Speichelfluss ist 
selten, hochgradige Anämie jedoch das Zeichen, mit der Kur auszusetzen. Ähneln (?) 
die Symptome jenen im Tertiärstadium des Erwachsenen, so kann Jodkalium in Losung 
und Dosis von 1,25—7,5 g pro Tag je nach Schwere des Falles und Alter, ferner 
müssen tonische Mittel, wenn nötig, gegeben und darf eventuelle lokale Behandlung 
nicht versäumt werden. Stern-München . 

Die Diagnose und Therapie der Syphilis hereditaria in Findelh&nsern, 

von M. SzalIbdi. ( Gyögyäszat . 1897. No. 41.) Verfasser bespricht ein Verfahren, 
mit welchem er seit Jahren im Budapester Findelhause (Verein des weiften Kreuzes) 
den gröfteren Teil der an kongenitaler Syphilis erkrankten Kinder am Leben er¬ 
halten konnte. Bekanntlich kann ein solches Kind nur dann am besten erhalten 
werden, wenn es mit Muttermilch genährt und antiluetisch behandelt wird. In 
den meisten Findelhäusern ist dies wegen der vorhandenen Systeme kaum durch¬ 
führbar. So z. B. werden in den französischen, italienischen, russisohen und spani¬ 
schen Findelhäusern die Findlinge und unehelichen Kinder ohne die Mutter ange¬ 
nommen. In den österreichischen Findelhäusern wird auch die Mutter aufgenommee. 


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223 


Dieselbe ist sogar verpflichtet, drei Monate hindurch unentgeltlich Ammendienste zu 
leisten. Da werden aber nur die gesündesten und kräftigsten Mütter mit gesunden 
Kindern surückbehalten, denen natürlich syphilitische Kinder nicht anvertraut werden 
können. Andererseits werden in den meisten Findelhäusern die Kinder nur in den 
ersten Lebenstagen zurückbehalten, alsdann aufs Land in Ammenschaft gegeben. Nun 
aber zeigen sich bekanntlich die syphilitischen Erscheinungen nicht gleich bei der 
Geburt, sondern erst in Wochen und Monaten; so werden diese Kinder dann bei 
Konstatierung der Syphilis sofort künstlich ernährt, was bei den meisten das letale 
Ende herbeifuhrt. — In dem weiften Kreuze wird nun folgendes Verfahren einge¬ 
leitet: Daselbst werden die Kinder nur mit den Müttern aufgenommern, die Aus¬ 
nahme bilden die auf der Strafte gefundenen Kinder, jede Mutter darf nur ihr eigenes 
Kind stillen und pflegen. Die Kinder werden zumeist 2—3 Wochen in der Anstalt 
behalten, nur die auf Lues verdächtigen länger. Ist die Syphilis bei dem Kinde kon¬ 
statiert, so wird das Kind regelrecht antiluetisch behandelt; sind dann die Symptome ver¬ 
schwunden, wird das Kind mit der eigenen Mutter in die eigene Kolonie (nach 
Monor) gesendet, woselbst die Mutter das Kind weiter stillt. Zu ihrer Erhaltung 
wird dieselbe monatlich mit zehn Gulden unterstützt. Mufs ein Kind ohne Mutter 
angenommen werden, so wird das syphilitische Kind auch in die Kolonie geschickt 
und von zwei syphilitischen Müttern gestillt, deren jede fünf Gulden Unterstützung 
erhält. Jedes Kind muft in der Anstalt im Anfänge monatlich ein* bis zweimal, 
später nur monatlich vorgestellt werden. Die genauen statistischen Daten seiner 
Erfolge will Verfasser demnächst veröffentlichen. A. Alpär-Budapest. 

Ein Beitrag zur Behandlung der Syphilis mit dem sogenannten Natur¬ 
heilverfahren, von F. Mraöek. {Wien. klin. Rundsch . 1898. No. 26.) An der Hand 
▼on fünf Fällen legt Verfasser dar, wie verderblich das sogenannte Naturheilverfahren 
für Syphilitiker werden kann, wie sehr dieselben in ihrem Allgemeinbefinden leiden 
und körperlich herunterkommen, wie ungünstig auch die lokalen Syphilide durch diese 
Kuren beeinflufst werden können, so dafs sie einen malignen, pustulösen, ulcerösen, 
selbst gangränösen Charakter annehmen. Es wirke diese Methode daher nicht nur in¬ 
direkt schädlich durch Verzögerung einer rationellen antiluetischen Behandlung, 
sondern verschlimmere auch direkt den Charakter des Leidens. 

Jcssner-Königsberg i. Pr. 

Unguentum hydrargyri cinereum innerlich gegen Syphilis, von Silbkestein- 
H&mburg. ( Therap . Monatshefte. Juli 1898.) Mit der innerlichen Darreichung von 
grauer Salbe in Pillenform empfiehlt der Verfasser nach dem Vorgänge Anusghatb 
eine neue Behandlungsweise der Lues, die, wenn sie wirklich mit den gerühmten 
Erfolgen das Fehlen der unangenehmen Nebenerscheinungen der anderen Methoden 
verbände, als ein entschiedener Fortschritt in der Syphilotherapie anzusehen wäre. 
Ausgegangen sind beide Autoren, Anuschat wie Silberstein, von der Annahme, dafs 
das Merkur hauptsächlich durch Einatmung bei den Inunktionskuren wirke. Innerlich 
gereicht, wird es durch die Galle feinst emulgiert, so dafs es im Darm resorbiert ins 
Blut gelangt und dort zu Dampf verwandelt seine Wirkung ausübt. Die Vorschrift für 
die Pillen lautet: Unguent. Lanolin. Hydrarg. einer. 4,5, Pulver, radic. liquir. 5,0, 
Glycerin, gtts. V, Mucil. Gummi Mim. 9,6 ut f. pilul. No. 60; s. 2 mal täglich zwei 
Pillen. — Daneben fett- nnd alkoholreiche Kost. Beste Mund- und Zahnpflege. — 
In der Anwendung dieser neuen Ordinationsweise der alten guten grauen Salbe 
während eines Jahres bei 50 Syphilitischen sah Silberstein nie unangenehme Neben- 
erscheinnngen von Bedeutung. — Jedenfalls fordert die interessante Arbeit die Der¬ 
matologen zur Nachprüfung der therapeutischen Neuerung auf. Hopf-Dresden . 

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Ober den Wert des Haemolum hydrargyrojodatum als antisyphilitlschea 
Mittel, von A. Jordan - Moskau. (St. Petersburg, med. Wochenschr. 1898. No. 20.) 
Das Präparat wurde in Pilienform gegeben: Haemoli hydrarg. jodat. 8,0, Extr. et 
pnly. Liquir. ein. q. 8. ut f. pilul. No. 50, 6—10 Pillen täglich in allmählich steigender 
Dosis. Es macht bei Leuten mit gutem Verdauungsapparat verhältnismäfsig wenig 
unangenehme Nebenerscheinungen, hebt den Allgemeinzustand in trefflicher Weise, 
ist aber nur bei leichter Syphilis allein genügend. A. Strauß-Barmen. 

Die nene Behandlung der Syphilis, von Lalande und Philippe. (Comptes 
Rendus. 1898. No. 10.) Die Verfasser wenden diese Methode bereits seit zwei Jahren 
an. Sie besteht in intramuskulären Injektionen einer Flüssigkeit, welche auf ein Liter 
5,10 Oelatine, 0,30 Calciumphosphat, 0,03 Calciumsulfat, Spuren von Kalium sulfari- 
cum, 8,37 Chlornatrium enthält. Von dieser Lösung werden alle acht, alle zwei Tage 
oder je nach den Indikationen täglich 1—2 ccm injiziert. Bei über 3000 Injektionen 
kam es nur dreimal zu Abscelsbildung; sozusagen keine lokale oder allgemeine Er¬ 
scheinungen. Therapeutisches Resultat: progressive Besserung und Verschwinden der 
Erscheinungen nach 5 bis 30 Injektionen. — Ähnlich wie bei Syphilis hat Lalande 
auch bei einigen Fällen von Ekzem, Psoriasis und selbst in einem Falle von 
Lupus faciei Heilung erzielt. C. Müller-Genf. 

An welcher 8telle müssen die Injektionen unlöslicher Quecksilberprfc- 
p&r&te gemacht werden? von Möller. ( Gaz . hebd. Februar 1898.) Zur Vermeidung 
einer Gefäfsverletzung und von Lungenembolien wählt man am besten die Region 
oberhalb der oberen Extremität des grofsen Trochanters, während man im Gegen¬ 
teil am meisten Chancen hat, auf ein Blutgefäfs zu stofsen, wenn man in der Mitte 
einer Linie einsticht, welche von der Spina iliaca poster. sup. zum Tuber ischii zieht 
und ungefähr 6 cm von der Mittellinie liegt. C. Müller-Genf. 

Ober die Injektionen von Sublimat in hohen Dosen bei der Behandlung 
der Syphilis, von Pelagatti. (U Morgagni. 1898. No. 7.) Nach dieser Methode 
wurden 68 Patienten in der sekundären und tertiären Periode mit im ganzen 429 In¬ 
jektionen behandelt. Es wurde eine 4%ige Lösung verwendet und davon jeweilen 
1 ccm eingespritzt (im allgemeinen eine Injektion wöchentlich). Verfasser findet die 
Methode ausgezeichnet für ambulante Patienten, indem sich der günstige Erfolg 
bereits bei den ersten Injektionen kundgiebt. C. Müüer-Gtnf. 


Pathologie und Therapie des Urogenitalapparates. 

Ein Fall zur Beleuchtung der engen Beziehungen zwischen Prostata und 
Testikeln u. s. w., von J. R. Gibson. (Lancet, 12. Sept. 1896.) Ein Mann in den 
fünfziger Jahren mit Prostatahypertrophie, der seit einem Jahre nur mittelst Ka¬ 
theters Urin entleeren konnte, acquirierte wahrscheinlich infolge von Reizung bei 
dieser Manipulation eine akute Orchitis. Sofort besserten sich die Blasenbeschwerden, 
der Urin konnte spontan gelassen werden, und diese Besserung hielt auch nach dem 
Abheilen der Orchitis an. Philippi-Itzehoe. 

Chronische Kontraktion der Prostatafasem, die den Blasenhals um¬ 
geben, und ihre Behandlung, von Füller. (Amer. Joum. of Med. Sc. y Okt. 1897.) 
Verfasser beschreibt Krankheitsfälle, in denen es den Patienten unmöglich ist oder 
nur mit Mühe gelingt, Wasser zn lassen, ohne dafs eine Prostatahypertrophie, ein 
Rückenmarksleiden vorlag, oder ohne dafs eine Ursache für den reflektorischen 


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225 


Krampf des Blasenhalses za finden war. In solchen Fällen erzielte er Heilung, in¬ 
dem er die Boutonniörs machte und nun mit dem eingeführten Finger die stark 
kontrahierten Prostatafasern zerrifs oder mit dem Messer durchtrennte. 

F. Hahn-Bremen. 

Über die neueren Behandlungsmethoden der Prostatahypertrophie (Ka¬ 
stration, Ligatur des Samenstranges, Organotherapie), von Josef Englisch. 
(Wien. med. Wochenschr. 1897. No. 42—52.) Zunächst stellt Verfasser über die 
Wechselbeziehungen zwischen Hoden und Prostata Betrachtungen an, wobei sich 
dieselben als ziemlich innige ergeben. Kleinheit oder Fehlen der Hoden geht ge¬ 
wöhnlich Hand in Hand mit Kleinheit oder Fehlen der Prostata. Kastration bewirkt 
Verkleinerung der Vorsteherdrüse. Der Erfolg der Kastration bei Vergröfserung der 
letzteren ist von der Beschaffenheit der Blase und der höher gelegenen Harnorgane 
in hohem Mafse abhängig. Auch die einseitige Exstirpation des Hodens kann eine 
Verkleinerung der Drüse zur Folge haben, jedoch ist in dieser Richtung eine weitere 
Prüfung nötig. — Die Durchtrennung des Samenstranges wird nach Blofslegen des¬ 
selben am besten mit dem Thermokauter bewirkt, wenn nicht die Excision eines 
Stückes vorgezogen wird. Wo ein blutiges Verfahren nicht zugegeben wird, kann 
man auch an zwei, 4 cm voneinander entfernten Stellen Fäden hinter dem Samen¬ 
strang durchführen, diese kreuzen und über einer Rolle festknüpfen. Man läfst 
sie liegen, bis sie durchgeschnitten haben. Der Erfolg der Durchtrennung der Samen- 
stränge auf die Prostatahypertrophie ist ein günstiger, die einseitige Operation hat 
keinen Wert. Die doppelseitige Kastration und die doppelseitige Resektion der 
Samenleiter sind in Bezug auf die Wirkung gleichwertig; letztere Operation ist un¬ 
gefährlicher und leichter bei dem Kranken durchzusetzen. — Versuche mit Prostata- 
futterung fielen nicht ganz negativ aus; in acht Fällen konnte man feststellen: Ab¬ 
nahme des Harndranges in der Nacht, Erleichterung des Harnlassens nach längerem 
Gebrauche, Verkleinerung der Prostata bei einigen Fällen, Verminderung des Eiweifs- 
gehaltes, Erholung der Kranken infolge der ungestörten Nachtruhe. Der Residual¬ 
harn schwand nie vollständig. — Seinen Schlufsfolgerungen schickt Verfasser noch 
die Erörterung einiger Fragen voraus. Die Übertragung der Tierversuche auf den 
Menschen hält er in diesem Falle für vollkommen erlaubt. — Die Erfolge sind um 
so besser, je mehr die drüsige Hypertrophie der bindegewebigen gegenüber über¬ 
wiegt. Die Seitenlappen werden daher als drüsenreichere eher schwinden; die Bes¬ 
serung wird stets länger warten lassen, wenn die Vergröfserung des Mittellappens 
überwiegt. Der Zustand der Nieren, vorhandene sonstige Leiden (Diabetes, Tabes, 
Tuberkulose) sind von gröfster Wichtigkeit, ebenso die Beschaffenheit der Blase, be¬ 
sonders ihrer Muskulatur. — Folgende Normen stellt Verfasser für die Therapie der 
Prostatahypertrophie auf: 1. In allen leichten Fällen können wir die palliative Be¬ 
handlung in Anwendung bringen und selbe durch die Organotherapie unterstützen, 
welche letztere auch bei den übrigen Behandlungsmethoden angezeigt erscheint. Es 
gilt dies insbesondere bei furchtsamen Individuen. 2. Hieran schliefsen sich die 
Operationen am Samenstrange, von denen jedoch nur die Resektion eines 3—4 cm 
langen Stückes nebst Erhaltung des Hodens von Erfolg begleitet sein wird. Die 
Verkleinerung der Vorsteherdrüse erfordert einen längeren Zeitraum als nach der 
Kastration. 3. Die doppelseitige Kastration hat einen rasoheren Erfolg, wirkt aber 
meist deprimierend auf die geistige Funktion, wenn auch die von einzelnen hervor¬ 
gehobenen schweren psychischen Erscheinungen nicht der Operation in die Schuhe 
geschoben werden können. 4. Bleibt der Erfolg der genannten Verfahren aus, so 
hat die Anlegung einer Blasenfistel, speziell einer Bauchblasenfistel (Oystostomatie) den 
Vorzug vor den eingreifenden Prostatatomien, Prostatektomien, da gerade die Er- 


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226 


fahrungen bei letzteren ungünstig lauten. 6. Mit der operativen Behandlung ist die 
Behandlung noch nicht abgeschlossen, sondern sie muüs palliativ noch lange Zeit 
fortgesetzt werden, um die Aufsaugung der Drüsensubstanz zu fordern. (Die Be¬ 
sprechung der Borrnaschen Operation wird in der sonst so ausführlichen Arbeit 
vermifst. D. Ref.) Jessner-Königsberg i. Pr. 

K&theterleben und einige Bemerkungen über die Ätiologie der Prostata- 
hypertrophie, von Bolton Bangs. (Med. News, 12. Febr. 1898.) Nach Verfasser 
spielten in der Ätiologie der Prostatahypertrophie Masturbation wie überhaupt Excessein 
geschlechtlicher Beziehung eine grofte Rolle. Seine Ausführungen über „Katheter¬ 
leben“ gipfeln im allgemeinen in eifriger Befürwortung der Reinlichkeit und guter 
Katheter, um Cystitis zu verhindern. F. Hahn-Bremen. 

Die neuesten Erfahrungen über die Behandlung der Prost&ta&ffektionen, 
insbesondere der Prostatahypertrophie, von H. Lohnstein. (AUg. med. Centrahtg 
1898. No. 31.) Erwähnenswert aus diesem Referat erscheinen die Ausführungen Wnxi 
Mkyer8 über die BorriNische Operation (New York med. Record , B. März 1898.) In- 
diciert ist die Operation nur bei Prostatahypertrophie mit kompletter Retention, bezw. 
Ischurie. Sie ist keineswegs harmlos, andererseits nicht selten erfolglos. Bei schweren 
Komplikationen, wie doppelseitige Pyelitis, ist von der Operation abzuraten. — Im 
Gegensatz zu Meyeb hält v. Frisch (über Bottinis Operation, k. k. Gesellschaft der 
Ärzte in Wien, 1. April 1898) die Operation an sich für völlig gefahrlos. — Ober die 
Studien von Albabran und Motz in den AnnaXes des maladies des Organes gbito- 
urinaires wurde an anderer Stelle berichtet. — Tobin (Über senile Prostatahypertrophie, 
Lancet , 26. März 1898.) hat einen Fall von Hypertrophie mit kompletter Retention 
durch doppelseitige Resektion der Vasa deferentia zur Heilung gebracht. Bei der 
Operation fand er an beiden Samenleitern wallnufsgrofse Retentionscysten, von denen 
die eine lebende Spermatozoon enthielt. Auf Grund dieses Befundes nimmt Tobk 
an, dafs gewisse Zustände, wie sitzende Lebensweise, Hämorrhoidalleiden, Nachwehen 
von Blennorrhoe, Bedingungen schaffen, welche eine gründliche Entleerung der Vasa 
deferentia hindern ; die Folge davon sind Stauungen in denselben bis zur Prostata, 
die ihrerseits die Prostatahypertrophie herbeiführen. — Knowless Swinsbubne be¬ 
richtet über Vesiculitis und Prostatitis (Joum. of cut. and gen.-ur. diseases, März 1898), 
die in 46% aller Fälle von chronischer Blennorrhoe, aber auch nicht selten bei 
akuten Fällen Vorkommen. Epididymitis prädisponiert stets zu Vesiculitis. Die Be¬ 
handlung besteht in Massage der Prostata und der Samenblasen. 

Götz-München. 

Die operative Behandlung der Prostatahypertrophie, von D. M. Ewa*. 
(Wien. med. Presse. 1897. No. 24—27.) Verfasser bespricht zunächst die in der 
Litteratur veröffentlichten Operationsmethoden und unterzieht deren Resultate einer 
eingehenden Kritik: Er operierte selbst fünf Fälle, und zwar bei drei Fällen von Pro¬ 
statahypertrophie machte er die bilaterale Kastration und bei zwei Fällen die bila¬ 
terale Resektion des Vas deferens, deren ersteren Krankengeschichten mitgeteilt 
werden. Verfasser kommt auf Grundlage der in der Litteratur veröffentlichten und 
von seinen Fällen zum Schlüsse, dafs in einer Anzahl von Fällen eine Atrophie ge¬ 
wissen Grades der hypertrophierten Prostata durch die Operation erreicht werden 
kann. Bezüglich der Theorien, welche für die Kastration aufgestellt wurden, scheint 
für die Wirkung des ersten Augenblickes diejenige am plausibelsten zu sein, welche 
auf einer Abnahme des Blutzufiusses infolge reflektorischer Gefafsreaktion basiert. 
Allein die wirkliche Atrophie, welche erst später während des weiteren Verlaufes 


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227 


Pitts greift» wäre auf die zweifache Funktion der Hoden zurückzuführen, und zwar 
auf die Beeinflussung und Regelung der Charakteristika des männlichen Geschlechtes 
and suf die Bereitung der Spermatozoon. Bezüglich der ersten Funktion scheint 
ein physiologisches Produkt gebildet zu werden, welches ein Stimulans und Nutriens 
für den Organismus bildet. Abgesehen von dieser Funktion scheint es noch einen 
besonderen Einfluß auf die accessorischen Drüsen einschliefslich der Prostata zu 
haben und eine wesentliche Bedeutung für deren Ernährung und Wachstum zu be¬ 
sitzen; bei der Kastration scheint der Effekt nun auf dem Wegfall dieser Sekrete 
in beruhen. Eine andere Theorie, die ebenfalls zur Erkrankung der Prostata 
nach der Kastration angeführt wird, ist die Umwandlung durch nervöse Ein¬ 
flüsse. Seine Ausführungen konkludiert er in folgenden Schlufssätzen: 1. In einer 
ansehnlichen Zahl von Fällen bewirkt die Kastration eine gröfsere oder geringere 
Atrophie der vergrößerten Prostata; diese Atrophie ist vermutlich das Resultat des 
Ausfalles einer physiologischen Substanz, die von den Hoden geliefert wird und zur 
Ernährung der Drüse erforderlich ist 2. Die Atrophie stellt sich am leichtesten bei 
der weichen und elastischen Form der Hypertrophie ein, wird aber auch bei der 
harten gefunden, selbst wenn sie mit allgemeiner Arteriosklerose verbunden ist. 
8. Die besten Erfolge giebt die diffuse Vergrößerung der Drüse. Nicht erhabene 
Vergrößerungen des mittleren Lappens gestatten noch die Kastration, indes intra- 
vesikale Vorwölbungen mehr für die Prostatektomie geeignet sind. 4. Eine noch 
nicht zu weit vorgeschrittene Cystitis kann gebessert oder geheilt werdent 5. Hohe 
Grade von Cystitis in Verbindung mit septischer Infektion der Niere und schmerz¬ 
haften Blasensymptomen werden besser durch Drainage der Blase behandelt. 6. Die 
Kontraktilität der Blasenwand stellt sich auch nach jahrelangem Katheterleben wieder 
her. 7. Auch wenn die Fähigkeit der willkürlichen Entleerung nicht mehr zurück¬ 
kehrt, bringt die Operation dem Patienten eine Erleichterung dadurch, daß der Ka¬ 
theterismus seltener erforderlich, schmerzloser und leichter wird. 8. Abgesehen von 
der erwähnten Ausnahme ergiebt die Kastration gleich gute Resultate wie die Pro¬ 
statektomie, bei geringerer Mortalität. 9. Die Resektion der Vasa deferentia bewirkt 
eine langsamere Verkleinerung der hypertrophierten Prostata als die Kastration. 
10. 8ie ßt dagegen als Operation einfacher, wird vom Patienten leichter bewilligt 
and kann daher eher empfohlen werden. A. Alpdr (AschnerJ-Budapest 

Versuch einer Therapie der Prostatahypertrophie mit Prostata- und 
Samenblasenextrakt, von Oraison. (Annales de la Policlin. de Bordeaux . 1898. 
No. 45.) Verfasser hat in acht Fällen von Prostatahypertrophie mit Retention die 
Opotherapie angewendet und siebenmal einen günstigen Erfolg erzielt. Das Präparat 
wurde in Gestalt von Glycerinextrakt (10—16 ccm) oder als getrocknetes Pulver 
(4—5 Pillen ä 0,10 pro die) verabreicht. Die Schmerzen lassen rasch nach, die Pola- 
kiurie ebenfalls und die Prostata verkleinert sich. C. Müller* Genf. 

Erfahrungen mit BOTTnris galvanokaustischer Radikalbehandlung der 
Prostatahypertrophie, von Freudbnbbrg. (New York Med, Joum, 12. Febr. 1898.) 
Verfasser empfiehlt warm die BoTTiNische Methode, beschreibt eine von ihm an¬ 
gegebene Modifikation des Iocisors und den von ihm gebrauchten Akkumulator mit 
AmpAremesser. Er hat 18 Fälle operiert, von denen zwei gestorben sind, einer trotz 
der Operation an Pyelitis, einer infolge der Operation an embolßcher Pneumonie 
Bei den anderen elf Fällen ist der Erfolg ein guter. F. Hahn-Bremen, 

Über Prostatektomie, von PbAdal. (Nach Arm. d. mal. d, org. g6n.-ur. 1898, 
Heft 3.) Der Verfasser behandelt in seiner Arbeit die Indikationen der Operation, 


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das operative Verfahren und die Resultate. Die Prostatektomie ist indiciert bei Ver¬ 
größerung einzelner Prostatalappen, besonders des mittleren, gleichviel ob die Lappen 
gestielt sind oder nicht. Die Th&tigkeit der Blase bessert sich in solchen Fallen 
nach der Operation sofort. Die Vergrößerung isolierter Prostatalappen findet sich 
ziemlich häufig. Bei allgemeiner Prostatahypertrophie ist die Prostatektomie nicht 
anwendbar. Ist die Kontraktilität der Blase vollkommen verschwunden, so soll die 
Operation nur gemacht werden, wenn die Katheterisation sehr schwierig ist; die 
Kontraktilität stellt sich oft noch teilweise wieder ein. — Das operative Verfahren 
ist verschieden je nach der Anordnung der Lappen. Die Operation kann mit Messer 
und Schere oder mit dem Galvanokauter gemacht werden. — Bei 18 Fällen beob¬ 
achtete der Verfasser 13 Besserungen, zwei Todesfälle; drei Fälle blieben unbeein- 
flufst durch die Operation. Die Resultate anderer Autoren sind ebenso befriedigend. 
Der Verfasser urteilt daher über die Operation günstig. Göte-München. 

Bin Ventil-Harnfänger für Säuglinge beiderlei Geschlechts, von Rudoi# 
Hecker. (Münch, tned. Wochensehr. 1898. No. 18.) Verfasser giebt einen für Knaben 
und Mädchen brauchbaren Harnrecipienten an. Derselbe besteht aus dem eigentlichen 
Recipienten aus Glas mit einem offenen, kleinen Fortsatz am Halse, einem Ventil, 
das zwischen Flaschenhals und Glasröhre eingeschaltet wird, einem Ansatzstück für 
Knaben oder Mädchen und einer Bandage. Der in die Flasche entleerte Urin kann 
nicht mehr zurückfliefsen. Der Apparat ist leicht anzulegen und zu reinigen, er 
funktioniert gut (Metzeier & Co. in München.) Jessner-Königsberg i. Pr. 

Erfahrungen auf dem Gebiete der Harnuntersuchungen und Bericht über 
die Fortschritte der Harnanalyse im Jahre 1897, von Buchnbr. (Münch, med. 
Wochenschr. 1898. No. 24 u. 25.) Außer den Erfahrungen, die der Verfasser bei 
seinen Harnuntersuchungen in seinem Laboratorium gemacht hat, werden im vor¬ 
liegenden Aufsatze alle Arbeiten aufgezählt, die im Jahre 1897 über die Untersuchung 
des Harns und den Nachweis einzelner Stoffe in demselben veröffentlicht wurden. 
Der Aufsatz besteht daher aus sehr zahlreichen kurzen Einzelheiten; er ßt zum Re¬ 
ferate nicht geeignet. Gote-München. 

Heue Hamproben, von H. Lohnstein. (Allg. med. Centraletg. 1898. No. 29.) 
In dem Referat werden angeführt .die Arbeit Arnolds (Berl klin. Wochenschr n 
28. März 1898) über neue Thatsachen zur Kenntnis der bei der HELLERschen Blut¬ 
probe im Harn sich abspielenden Vorgänge, sowie über einige Modifikationen dieser 
Probe. Ferner die spektroskopische Untersuchung für den Nachweis eines Harn¬ 
pigments, das von Dbroide und Lecokpt im Harn von Bleikranken gefunden und 
Urohämatoporphyrin genannt wurde (L'icho mid. du nord f 3. April 1896). Dasselbe 
wurde als Urohämatin schon vorher von Mao-Mann bei Rheumatismus und Pericar- 
ditis beschrieben. Es findet sich zuweilen auch bei Lebercirrhose, Meningitis and 
Chlorose. — Neue Proben auf Gallenfarbstoffe wurden angegeben von Krokiewicz- 
Batko ( Wien. klin. Wochenschr. 1898. No. 8) und Rosin (Wien. klin. Wochenschr . 
17. März 1898). Jolles giebt neue Proben zum Nachweis von Brom (Wien. kUn. 
Rundschau, 20. März 1898) und Pyramydon (Wien. med. Club, 9. März 1898) im Harn 
an, Bang eine neue Methode zum Nachweise der Albumosen (. Dtsch. med. Wochenschr 
1898. No. 2). Gärtner endlich beschreibt ein neues Centrifugalfilter (Wien, med 
Wochenschr. 26. März 1898). Gote-München. 


Nachdruck ist ohne Genehmigung des Verlegers nicht erlaubt. 


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Psnats^ftr für ftraktifdir Prntatatogit. 


Band XXVIII. N2: 5. 1. März 1899. 


Aus Dr. Unnas dermatologischem Laboratorium zu Hamburg. 

Impetigo vulgaris. 

Von 

Dr. P. G. Unna und Frau Dr. Schwbntbr-Trachslbr. 

Geschichtliches über Impetigo im allgemeinen. 

Die alten Formen der Impetigo des WiLLANschen Systems, die Im¬ 
petigo sparsa, figurata und scabida wurden bekanntlich von dem im Laufe 
dieses Jahrhunderts immer mehr sich ausdehnenden Begriffe des Ekzems 
absorbiert und alle Dermatologen bis auf Hebra und seine Schüler er¬ 
klärten die Impetigo mit dem pustnlösen und krustösen Ekzem für identisch. 
Es ist das Verdienst von Tilbury Fox, dem gegenüber in unanfechtbarer 
Weise die Sonderexistenz einer „Impetigo“ als einer eigentümlichen 
Krankheit neben dem Ekzem nachgewiesen zu haben. In seinem Lehr¬ 
buch 1 widmet er der sogenannten Impetigo contagiosa ein eigenes Kapitel, 
nachdem er bereits 1862 dieselbe Krankheit beschrieben hatte. Dieses 
Verdienst bleibt ihm auch, trotzdem bereits Devergie in seinem Lehr¬ 
buche sich offen und unter Beibringung von Krankengeschichten für die 
Kontagiosität der Impetigo ausgesprochen hatte (S. 227); denn DEVBRGrB 
wie sein Zeitgenosse Bazin waren noch weit von einer so scharfen 
Trennung ihrer Impetigo vom Ekzem entfernt, wie sie von Tilbury Fox 
durchgeführt wurde. 

Die Impetigo contagiosa ist nach Tilbury Fox eine in hohem Grade 
autoinokulahle und in mäfsigem Grade auf andere Individuen sich über¬ 
tragende, „quasi-epidemische“ Hauterkrankung, von einem durchaus 
uniformen, vesikopustulösen Charakter, welche insbesondere die 
Kinder der unteren Klassen befällt. Sie findet sich mit Vorliebe auf dem 
Gesicht, den Händen, aber auch vom Scheitel bis zum Nacken auf dem 
behaarten Kopfe in Form kleiner Bläschen von Halberbsengröfse, die sich 
allmählich vergröfsern und dann zur Bildung von flachen, strohgelben, 

1 Dritte Auflage. 1873. 8* 227. 

Monatshefte. XXVHI. 17 


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280 


höckerigen, wie angeklebten Krusten führen. Sie jueken gar nickt oder 
wenig. Beim Abheben der Krusten ist der Grund erythematös und mit 
einem gummiähnlichen Sekret bedeokt. Sie vermehren sich durch In¬ 
okulation von Bläschen zu Bläschen, teils durch überfliefeendes Sekret, 
teils durch den Fingemägeltransport, aber meistens erscheint eine gröbere 
Gruppe von Bläschen ziemlich rasch im Laufe einer Woche. Tilbury 
Fox gelang sehr häufig die künstliche Inokulation derselben. Niemals 
traten aulser den Bläschen und Krusten Papeln auf. Nur durch eine 
Konfluenz vieler Bläschen und Krusten entsteht besonders im Gesicht 
eine Ähnlichkeit mit Ekzem; das letztere sowie Scabies kann sich als 
Komplikation der Impetigo contagiosa einfinden. Häufig tritt dieselbe 
als Familienerkrankung gleichzeitig bei mehreren Kindern auf. 

In Bezug auf die Differentialdiagnose ist von Wichtigkeit, dib 
Tilbury Fox, obwohl er (S. 166 1. c.) alle sonstigen Impetiginee als 
identisoh mit Eiterbläschen tragenden Ekzemen erxlärt, sehr genau di« 
Impetigo contagiosa von Willans Impetigo sparsa (S. 227) zu trennen 
sich bemüht. 

Er führt folgende als differentielle Momente an. Die Impetigo 
sparsa: 

1. entsteht nicht aus einem serösen Bläschen, sondern ist 

2. von Anfang an eiterig. Meist tritt eine Gruppe von Eiter¬ 
blasen auf. 

3. Sie bildet keine gröfseren Blasen, 

4. ist weder kontagiös, noch inokulabel, 

5. zeigt keinen bestimmten Verlauf, 

6. ist nicht auf das Kindesalter beschränkt und 

7. nicht so leicht heilbar wie die Impetigo oontagiosa. 

Aus dieser Differentialdiagnose geht hervor, daüs die Impetigo sparsa 
nach Tilbury Fox fast alle Charaktere unserer heutigen Impetigo 
staphylogenes (Impetigo Bockhart) besitzt. In dieser Beziehung ist 
besonders hervorzuheben: der primäre Eitergehalt des Bläschens, das 
häufige Vorkommen bei Erwachsenen, die schwerere Heilbarkeit. Dagegen 
ist natürlich die Impetigo staphylogenes inokulabel und autoinokulabel und 
dieser Umstand mag, ebenso wie der weitere Verlauf, nämlich die teil* 
weise Umwandlung in Furunkel, Tilbury Fox nur deshalb entgangen 
sein, weil er nur vereinzelte Fälle dieser Affektion sah und die ätiolo¬ 
gische, zuerst durch Bockhart erwiesene Einheit derselben mit den Furunkeln 
damals noch unbekannt war. 

Wie man sieht, kann die Schilderung der Impetigo contagiosa von 
Tilbury Fox, soweit sie soeben mitgeteilt ist, in allen Pnnkten ab eine 
solche der Impetigo vulgaris gelten, wie sie neuerdings von Unna in 
seiner Histopathologie (S. 189 ff.) niedergelegt wurde. Aber das Kapitel 


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231 


über Impetigo contagiosa von Tilbuby Fox enthält noch einige andere 
Symptome, welche der Impetigo vulgaris, wie wir dieselbe Jahr für Jahr 
in Hamburg beobachten, nicht entsprechen. 

Es sind die folgenden: 

Zunächst muis auffallen, dafs Tilbury Fox im stände war, die 
Bläschen 5—6 Tage lang als solche zu verfolgen und während dieser 
Zeit ihre Vergröfserung bis zum Umfange eines „Shillings* 1 und ihre Ab¬ 
flachung im Centrum zu beobachten. Wir dagegen sehen die Bläschen 
fast immer nur höchstens 3 Tage lang, dasselbe hat sich dann immer 
schon, meistens aber bereits früher, in eine kleine Kruste verwandelt, die 
nicht gröiser ist als pfefferkorn- bis höchstens erbsengroß; die weitere 
Vergrößerung tritt nicht an der Blase, sondern an der Kruste ein, be¬ 
sonders wenn diese abgerissen und durch eine umfangreichere ersetzt 
wird. Endlich haben wir auch keine centrale Depression der Blase beob¬ 
achtet; die centrale Abflachung unter peripherem Fortschritt ist ein 
8ymptom der Impetigo circinata, welche von der Impetigo vulgaris ätio¬ 
logisch und klinisch durchaus zu trennen ist. Ob in Bezug auf den 
längeren Bestand der Blase eine Londoner Eigentümlichkeit vorliegt oder 
ob wegen dieses klinischen Symptoms die Impetigo contagiosa Tilbury 
Fox vollständig von der Hamburger Impetigo vulgaris zu trennen sei, 
muß der weiteren Beobachtung und ätiologischen Nachuntersuchung in 
London Vorbehalten bleiben. Es kommt hier in Betracht, daß auch noch 
in anderer Beziehung Tilbury Fox von seinem Material einen wesentlich 
anderen Eindruck erhielt als wir von dem unsern. Nach Tilbury Fox 
iat die Impetigo contagiosa „dearly on affection of the System“, eine All¬ 
gemeinerkrankung, welche mit Fieber, Frost, allgemeinem Unbehagen 
beginnt und welcher die Eruption erst folgt, etwa wie ein Herpesbläschen 
dem vorangehenden Fieber. Die Kinder sollen dabei unwohl, bleich und 
leidend aussehen, während die unsrigen gesund, frisch, kräftig und fieber- 
los sind. Wieviel von dieser Differenz der Beobachtung auf Rechnung der 
damals und auch jetzt noch in England herrschenden Anschauung zu 
setzen ist, daß sehr viele Hautaffektionen konstitutionell begründet seien, 
bum auch nur eine erneute Nachprüfung in London erweisen. Immerhin 
muß betont werden, dafs Tilbury Fox gerade deshalb auf seine stark 
bervorgehobene Anschauung: „the Impetigo is certainly not a parasitic 
disease“ Wert legt, weil er im übrigen als einer der ersten in England 
die Parasiten als einen wichtigen Faktor in der Ätiologie der Haut- 
srkrankungen anerkannt hat. 

Alles in allem genommen stimmt die Schilderung, welche Tilbury 
Fox von seiner Impetigo contagiosa entwirft, in den meisten Punkten mit 
der von uns zu gebenden der Impetigo vulgaris von Hamburg überein 
Mi es ist uns so viel wie sicher, dafs wenigstens unter anderem auch die 

17“ 


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232 


Impetigo vulgaris dem englischen Autor bei seiner Schilderung Vorgelegen 
hat, wenn es auch sehr wahrscheinlich ist, dafs andere Formen der Impetigo, 
welche wir heute zu trennen vermögen, mit in seine Schilderung hinein- 
gespielt haben. 

Die Beobachtungen von Tilbtjry Fox erhielten zunächst volle Be¬ 
stätigung durch Kohn (Kaposi) 1871, welcher eine präcise Schilderung 
der Krankheit gab. Er sowohl wie Geber, 1876, fanden in dem tb- 
schilfernden Randsaum der Borken Fadenpilze mit „schotenförmigen 
Fruktifikationserregern“, weshalb Geber sich der Annahme zuneigte, dtfc 
Fox* Impetigo contagiosa eine eigentümliche Form des Herpes tonsursns 
vesiculosus (Trichophytia corporis) sei. Auch Pipfard (1872) wollte einen 
Fadenpilz (Leptothrix vaccinalis) als Ursache der Impetigo gefunden haben; 
auiser ihm schrieben noch Taylor und Peuguet (1872) über diese 
Krankheit. Diese Artikel setzten der grundlegenden Arbeit von TilbüII 
Fox nichts Neues und Wesentliches hinzu. Die ätiologischen Vermutungen 
der damaligen Zeit können wir heute auf sich beruhen lassen. Ob alle 
von diesen Nachfolgern beschriebenen Fälle zur Impetigo vulgaris im 
engeren Sinne gehören, ist mehr als zweifelhaft. Jedenfalls treten die 
Fälle von Geber ganz aus dem Rahmen dieser Kinderkrankheit heraus, 
wenn sie auch wahrscheinlich irgend eine andere Form von Impetigo 
darstellen und unter den heutigen erweiterten Gattungsbegriff der Impetigo 
sich wohl einreihen lassen. 

Wichtiger als diese klinischen Beiträge ist ein kurzer Artikel von 
Vidal über die Inokulabilität der Impetigo (Inoculabilitö de quelqu« 
affections cutanöes, Congres med . intern . de Geneve 1877), in welchem er 
im Anschlufs an Tilbury Fox zwei Arten von Impetigo unterscheidet, 
den kontagiösen Ausschlag der Kinder und eine andere oft „das Ekzem 
begleitende“ Impetigo. Von beiden macht Vidal viele erfolgreiche Auto¬ 
inokulationen, während er auf sich selbst und auf Hunde nicht mit Erfolg 
impfte. Die Impfungen verliefen folgendermafsen: Am ersten Tage trat 
ein wenig Brennen am Inokulationspunkte auf, am zweiten bildete sieb 
ein roter Hof um denselben, am dritten eine Vesikopustel, die inokulable 
Flüssigkeit lieferte. Bei der Impetigo contagiosa war das Bläschen grofi, 
der Inhalt klar oder bei rascherer Entwicklung getrübt, bei der „Imp&igo 
ordinaire“ (d. h. der mit Ekzem sich vergesellschaftenden) ist der Inhalt 
der spitzen Vesikopusteln opalin. Am vierten Tage trocknet die Pustel 
zu einer gelblichen oder bräunlichen Kruste ein, während die Ekthyma* 
pustel an diesem Tage erst ihre Höhe erreicht ; auch hinterlälst die Im¬ 
petigo nie Narben wie letztere. Vidal schliefst mit folgendem wichtigen 
Satze: La possibilitö de reproduire l’impStigo par l’inoculation en fait une 
lösion type* une affection genörique de la peau, comme l’enseigne M. Bazi* 
C’est un argument en mon sens irrefutable pour distinguer l’impefcigo & 


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l’ekzöma, bien qne ces deux formes se rencontrent si fr^quemment sur le 
mäme sujet, dans le möines rögions et combinäes en quelque Sorte l’une 
avee l’autre. 

So wichtig diese Inokulationsversuche von einem so ausgezeichneten 
Beobachter wie Vidal sind und so richtig der eben angeführte Schlufs 
erscheint, so muüs doch darauf aufmerksam gemacht werden, dafs Vidal, 
indem er von seiner Impdtigo ordinaire mit Erfolg impfte, wahrscheinlich 
unbewusst erfolgreiche Ekzemimpfungen ausgeführt hat, obwohl er 
an einer anderen Stelle das Ekzem für nicht okulabel erklärt. Keines« 
falls ist, nach dem Impfresultat zu schliefsen, seine „Impetigo ordinaire“ 
unsere jetzige, d. h. BocKHARTsche Impetigo staphylogeues, obwohl sie 
isoliert und im Zusammenhang mit Ekzem vorkommt. 

In den darauffolgenden Jahren ruhte die Impetigofrage, bis 1880 
Unnas Artikel über die Impetigo im AuspiTZschen Archiv erschien, über 
welchen an dieser Stelle etwas ausführlicher berichtet werden muf9, da der 
Autor die in demselben niedergelegten Anschauungen nicht alle mehr 
teilt, ünna stellt sich, was das Klinische betrifft, vollkommen auf den 
Standpunkt von Tilbury Fox, indem er die Eigenart der Krankheit, ihre 
Grundverschiedenheit vom Ekzem betont und für ihre Kontagiosität 
zweifellose Belege mitteilt. Auch die klinischen Symptome sah er im 
wesentlichen so an wie Tilbüry Fox; neu ist das Vorkommen der 
Bläschen auf der Mundschleimhaut und das häufige Vorhandensein auf 
dem Handrücken, was wahrscheinlich auf Traumen und Kratzeffekte zurück¬ 
zuführen ist, da die meist quer gestellten Blasen dieser Region auch sich 
durch eine papulöse Erhebung des Grundes von den Blasen des Gesichtes 
unterscheiden. Neu ist ferner die Beobachtung eines primären Vor- 
stadiums in Form grauer oder rötlichgrauer schilfernder Flecke. Soweit 
der Autor die damaligen Fälle in Erinnerung hat, waren es sämtlich 
Fälle von Impetigo vulgaris. Hierfür sprechen von den damaligen An¬ 
gaben vor allem: die Beschränkung auf Gesicht und Hände, 
dann auf alle blofs getragenen Körperstellen, endlich auf den 
Kopf und einzelne durch die kratzenden Finger zu erreichenden Haut¬ 
stellen, sodann das rasche Aufschiefsen und rasche Verborken 
der serösen Blasen, die rote, glänzende, schlüpfrige Beschaffen¬ 
heit des Blasengrundes, die Abheilung mit geröteten Stellen, 
ohne Narben, oder mit leicht papulösen Erhebungen an Hand und 
Fuls, das vorzugsweise Befallenwerden der kleinen Kinder aus der armen 
Bevölkerung in Form von Gruppen- oder Familienerkrankung, das hart¬ 
näckige Recidivieren unter schlechten hygienischen Verhältnissen. 
Gegenüber dieser ungemein grofsen Übereinstimmung scheint es mir von 
geringem Belang, dafs die Angaben über die Gröfse der Blasen nicht mit 
den heute genauer beobachteten Daten hierüber stimmen. Es muJs jedem 


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Beobachter auffalien f dab bei dieser Affektion kein rechtes Verhältnis 
besteht zwischen den groben, meist zirkelrunden Borken und den wenigen 
kleinen Bläschen, die man zn Gesicht bekommt. Wenn Unna damals 
Blasen yon der Gröfse eines silbernen Zwanzig- oder Fünfzigpfennig¬ 
stückes beschrieb, so hielt er sich wahrscheinlich dabei an die Gröbe der 
Borken und die Angaben der Mütter, dab den Borken Blasen vorher¬ 
gingen, da er aosdrücklich hervorhebt, dafs die Blasen rasch platzten oder 
zerstört wurden und der Beginn nur selten zur Beobachtung kam. In¬ 
zwischen ist die Art und Weise, wie kleine Bläschen zu gröberen Borken 
führen, durch unsere Unterscheidung von primären und sekundären Bläs¬ 
chen aufgeklärt worden (s. unter Klinik und Histologie). Die Borken 
wachsen übrigens konzentrisch noch weiter und zwar um so mehr, je öfter 
sie künstlich mechanisch entfernt werden, was unabsichtlich von den 
Kindern oder absichtlich zum Zwecke der Reinigung von den Müttern 
häufig besorgt wird. Die abgerissene Borke nimmt einen kleinen Rand 
säum intakter Hornschicht von der Umgebung mit und die auf diese Weise 
konzentrisch vergröberte Erosion läfst natürlich sofort eine um so viel 
gröbere seröse oder leukoseröse Borke entstehen. Auf diese Weise erklärt 
es sich denn auch leioht, dab die gröbten Borken den länger bestehenden, 
resp. länger unbehandelt gebliebenen Fällen zukommen, während bei den 
zweckmäbig zur Eintrocknung gebrachten nicht blob die Bläschen, sondern 
auch die Borken klein bleiben. 

Auch die damalige Beobachtung feinsohilfernder Flecke vor dem 
Aufschieben der Blase hat die neuere, genauere Beobachtung nicht veri¬ 
fiziert. Wahrscheinlich hat sich Unna damals durch Koincidenz sebor¬ 
rhoischer Flecke des Gesichtes (Pityriasis alba) täuschen lassen. Der 
Beginn des Bläschens ist spontan und nach künstlicher Einimpfung ein 
rotes Stippchen, nichts weiter. 

Wenn mithin die damalige Hamburger Epidemie, nach rein klinischen 
Gründen zu urteilen, wohl sicher eine solche von Impetigo vulgaris war, 
so liegt ein offenbarer Widerspruch hierin mit dem Endergebnis, zu 
welchem der Autor damals auf Grund seiner kritischen Erörterung kam, 
nämlich ein Widerspruch mit dem Schlüsse, dab gerade diese Affektion 
es ratsam erscheinen lasse, den Namen Impetigo überhaupt fallen zu 
lassen. Deshalb sei hier noch darüber eine kurze Bemerkung gestattet. 

Unna war nämlich im Jahre 1880 noch ganz in den Anschauungen 
der Wiener Schule befangen. F. Hebra hatte bekanntlich nur bei der 
Impetigo herpetiformis den Namen Impetigo gelassen, möglicherweise da 
hier die Eiterblasen primär aufschieben, ein Vorgang, den Hebra 
Erasmus Wilson gegenüber für die Eiterblasen im allgemeinen nicht 
zugab; im übrigen wurde Impetigo als gleichwertig mit Pustel oder Eiter¬ 
blase betrachtet, d. h. ab eine eiterige Form oder ein eiteriges Stadium 


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jeder beliebigen Dermatose. Die Impetigo contagiosa Tilbüry Fox findet 
in der HsBRAschen Lehre noch keine Stelle, nnd falls Hbbra sie, wie 
spater Kaposi, als Krankheit sni generis anerkannt hätte, würde er sie 
wohl konseqnenterweise nicht als eine Impetigo haben gelten lassen, da die¬ 
selbe nicht als primäre Eiterblase anftritt. Diesen Schritt that Unna in 
seiner Arbeit. Er mufste mit Tilbdry Fox die Impetigo contagiosa als 
eine eigenartige, vom Ekzem verschiedene Krankheit anerkennen, hielt aber 
den Namen Impetigo für dieselbe verfehlt, da er sich gerade zu zeigen 
bemühte, dafs dieselbe eine seröse oder serös-eiterige Affektion sei, jeden¬ 
falls nicht primäre Eiterblasen zeitige und daher mehr den Pemphigus¬ 
blasen * ähnlich sei. 

Auf dem damaligen Stande des Wissens war der Wunsch, den 
Namen Impetigo ganz zu streichen, da man an einer scharfen Definition 
▼erzweifelte, berechtigt. Ganz anders lagen die Dinge, als Bockhart 
später die künstliche Erzeugung einer Impetigo-Art durch Einimpfung 
yon Staphylokokken lehrte, und es war dann gerade Unna Vorbehalten, 
auf dieser Grundlage durch klinische und histologische Beobachtungen 
eine neue Definition von Impetigo aufzustellen, die neben Bockharts 
Impetigo eine ganze Reihe neuer, vom Ekzem verschiedener Dermatosen 
umfafste. 

Im Jahre 1881 machte R. Crocker (. Lancet , 21. Mai 1881) Unter¬ 
suchungen über das Contagium der Impetigo contagiosa. Er fand Kokken- 
ketten in der Flüssigkeit ungeborstener Bläschen, die Epithelzellen, aber 
nicht Leukocyten anhingen. 

Zwei Jahre später brachte Stelwagon auf der Jahresversammlung 
der American Dermatological Association (1883) die Impetigo contagiosa 
zur Sprache. Merkwürdigerweise erklärte auch er noch, wie Tilbüry Fox, 
dieselbe wohl für inokulabel, aber für eine nicht parasitäre, sondern 
eine konstitutionelle Hautkrankheit mit typischem Verlaufe. Die Lokali¬ 
sation wird so geschildert, dafs die Annahme nahe liegt, Stelwagon habe 
unsere Impetigo vulgaris dabei im Auge gehabt; die Prädilektionsstellen 
seien Gesicht und Hände von Kindern unter 10 Jahren, gelegentlich 
werde der behaarte Kopf und die Extremitäten, selten der Rumpf be¬ 
fallen. Auch stimmt es mit dieser Annahme überein, dais der Autor die 
EfQorescenzen als kleine Bläschen oder Pusteln beginnen und sich peri¬ 
pherisch vergröfsern lüfst. Dagegen widerspricht es dieser Auffassung, 
dais die Blasen eine Neigung zur Dellenbildung haben, dagegen keine 


* Unna betrachtete damals noch fälschlich, auf die spontane, rasche Überhornung 
der geplatzten Pein phigasblasen gestützt, die letzteren für oberflächlich sitzende Horn- 
sichtabbebnngen. Die späteren histologischen Untersuchungen haben gerade um¬ 
gekehrt gelehrt, dafs die Impetigines im allgemeinen oberflächlicher im Epithel sitzen 
als die fast das ganze Deckepithel abhebenden Pemphigusblasen. 


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Neigung zur Ruptur der Blasendecke zeigen, oder mit anderen Worten, 
pockenähnliche, dickschalige Blasen darstellen sollen. Auch findet Stbl- 
wagon, dafs sie dünne, körnige Krusten bilden, wahrend gerade die 
Dicke der Krusten ein auffallendes Symptom der Impetigo vulgaris ist 
Die letztgenannten STELWAGONschen Symptome würden weit eher auf die 
Impetigo circinata passen als aut die Impetigo vulgaris. 

Im selben Jahre erschien das Lehrbuch der Hautkrankheiten im 
Kindesalter von Bohn (Gebhardts Handbuch der Kinderkrankheiten, 
Tübingen 1883), welches der Impetigo ein kurzes Kapitel widmet, die¬ 
selbe aber als eine besondere klinische Gruppe dem Ekzem unterordnet, 
womit er der Wiener Schule (Kaposi) folgt. Charakteristisch für diese 
Denkart ist der Satz: „Die klinische Existenz dieser besonderen Gruppe 
läfet sich so wenig anfechten, wie ihre Zulässigkeit zum Ekzem vollauf 
gesichert ist.“ 

Die nun folgende Beschreibung stimmt in keiner Weise zu unserer 
Impetigo vulgaris und ebensowenig zu Tilbüry Fox’ Impetigo contagiosa. 
Die Effiorescenzen sollen sofort als grofse, gewölbte oder gedellte 
Eiterblasen entstehen, blitzartig rasch auffahren und sich dann nicht 
erheblich vergröfsern, tagelang unverändert bestehen, sich 
nach dem Entleeren wieder füllen und langsam zu Krusten ein* 
trocknen, am meisten auf den Extremitäten und zwischen dem 10. 
und 14. Lebensjahr auftreten. 

Kein einziges dieser Symptome pafst auf die Impetigo vulgaris, da¬ 
gegen unterliegt es keinem Zweifel, dafs Bohn bei dieser Beschreibung 
im guten Glauben, sich an Willan anzuschliefsen, die später von Bock¬ 
hart zuerst genau studierte Impetigo staphylogenes vor sich hatte, die 
viel weniger eine Kinderkrankheit genannt zu werden verdient als die 
Impetigo vulgaris, deren Besonderheit auffallenderweise Bohn entgangen 
zu sein scheint. 

Wiederum zwei Jahre später ereignete sich die bekannte Impetigo¬ 
epidemie auf Rügen, welche von Eichstedt in einem kurzen, aber vor¬ 
trefflichen Artikel beschrieben und als Impetigo contagiosa Fox gedeutet 
wurde. Es entstanden in den 76 Fällen von 79 geimpften Kindern die 
ersten Bläschen in der Nachbarschaft der Impfstelle, und wohl im Zu¬ 
sammenhänge damit sah Eichstedt auch mit auffallender Häufigkeit sich 
die Effiorescenzen an bedeckt getragenen Körperteilen, besonders Streck¬ 
seiten der Extremitäten und Rücken verbreiten. Aber es wird doch mit 
Entschiedenheit betont, dafs die weitere Ausbreitung sich mit Vorliebe 
auf das Gesicht, namentlich Kinn, Umgebung des Mundes, ferner 
auf Backen, Nase, hin und wieder Schläfe und Stirn, besonders häufig 
Nacken undOhren, auch nicht selten den behaarten Kopf erstreckte. 
Die Effiorescenzen wurden beschrieben als „kleine Bläschen, die sich 


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rasch vergrößerten zu erbsengrofsen Blasen 44 , deren seröser, später eiteriger 
Inhalt zu dünnen Borken eintrocknete. Bei ungestörtem Verlaufe fielen 
die Borken ab und hinterliefsen einen intensiv roten Fleck, der nicht 
abschuppte und nach einigen Wochen spurlos verschwand. Häufig 
war der Inhalt der Blasen mehr eiterig, die Borke dicker und der Grund 
etwas infiltriert. Der Verlauf ist im ganzen fieberlos, ohne Jucken und 
Schmerzen. »Bei irgend stärkerer Affektion des Gesichtes 
waren immer einige Lymphdrüsen in der Sublingualgegend 
angeschwollen. 44 Die Drüsenschwellung verschwand stets bald nach 
der Abheilung. Die Krankheit dauerte oft durch wiederholt auftretende 
Nachschübe 3 Monate lang. Die Krankheit stellte sich als sehr kon- 
tagiös heraus und ergriff in allen Familien vorzugsweise die Kinder; bei 
Erwachsenen war auch die Ausbreitung stets geringer als bei den Kindern. 
Enge der Wohnungen und Unreinliohkeit verschlimmerten das Krankheits¬ 
bild. Eichstbdt erklärte das Kontagium mit aller Bestimmtheit als ein 
fixes, da Übertragungen nur durch innigen Kontakt stattfanden. 

Wir finden hier die meisten Symptome der Impetigo vulgaris so deut¬ 
lich geschildert, dafs trotz des besonderen Ausgangspunktes von der Impf* 
stelle am Arm und der epidemischen Verbreitung in diesem Falle und anderer¬ 
seits trotz des mangelnden Nachweises eines und desselben Infektionsträgers, 
wir die Rügensche Massenerkrankung doch direkt neben die Impetigo 
vulgaris zu stellen alle Ursache haben. Man könnte sehr wohl daran 
denken, dafs der Coccus der Impetigo vulgaris bei seiner plötzlichen Über¬ 
impfung auf 76 Impflinge eine besonders grofse Virulenz entwickelt oder 
auf irgend eine Weise vorher gewonnen habe. Der gewifs seltene Umstand 
einer solchen Massen Übertragung des Impetigokeimes würde auch zwanglos 
die für eine Impetigo vulgaris aufsergewöhnlich rasche Ausbreitung der 
Erkrankung in so vielen Familien genügend erklären. Ein sicheres Urteil 
wird man über die Rügener Epidemie aber erst nach Entscheidung der 
anderen Frage gewinnen, ob die auch sonst sporadisch sich an Vaccination 
anschließenden Fälle von impetiginöser Erkrankung zu unserer Impetigo 
vulgaris gehören oder eine davon etwas verschiedene Impetigoform dar- 
ßtellen, und diese Frage wird wohl bald mit Sicherheit auf Grund von 
neuen Züchtungsversuchen zu beantworten sein. Solche sind, damals nur 
von Pogge in Stralsund (Zur Pathogenese der Wittower Hautkrankheit, 
Deutsche med . Wochenschr. 1885, S. 855) angestellt oder wenigstens publi¬ 
ziert. — Pogge fand in dem an sterilen Hölzchen angetrockneten Sekret 
von Bläscheninhalt lediglich eine Art von Kokken, welche auf der Gelatine¬ 
platte kreisrunde oder ovale, mit der Zeit bräunlich bis dunkelbraun er¬ 
scheinende Kolonien, auf der Kartoffel nach drei Tagen einen bräunlioh 
gefärbten Überzug erzeugten; im Gelatinestich gingen sie erst nach drei 
bis vier Tagen an und verflüssigten dann nur mäfsig, sodafs sich eine 


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etwa 1 em nach abwärts reichende, zuerst cylindrische. helle, später 
trichterförmig geschweifte, mit verflüssigter Gelatine gefüllte Vertiefung 
bildete, die Poggb mit einem Kelchglas ohne Fuis vergleicht. Im hän¬ 
genden Bouillontropfen fand er auch kurze Ketten. 

Nach dieser Schilderung hat Pogge keinesfalls den Staphylococcns 
aureus et albus vor sich gehabt, welcher die Gelatine viel energischer 
verflüssigt. Hierfür spricht auch, dafs er bei verschiedenen Impflingen 
mit den Kulturen per Schnitt auf dem Arm des Erwachsenen keine Eiter¬ 
blasen und Furunkel erzeugte, sondern strichförmige, später sich verbrei¬ 
tende Rötungen, auf denen am ersten Tage Bläschen aufschossen, die so¬ 
dann eintrockneten. 

Bald nach dem Erlöschen der Rügener Epidemie machte Gäronnb 
(Epidemie von Impetigo contagiosa in den Kreisen Cleve und Mühlheim 
am Rhein, Deutsche med. Wochenschr. 1886, S. 526) Mitteilung über eine 
gegen 1000 Fälle betreffende Epidemie. Den Ausschlag beschreibt er 
folgendermafsen: Zuerst entstand ein kupfer- oder braunrötlicher Fleck 
von verschiedener Form und Gröfse, auf demselben sodann in drei bis 
fünf Tagen Blasen mit wässerig-trübem, zuletzt eiterig werdendem Inhalt, 
die fünf bis acht Tage an dauerten. Wenn diese letzte Angabe nicht 
gerade dem Verhalten unserer früher verkrustenden Impetigo vulgaris 
entspricht, so erinnert an dieselbe doch unwillkürlich folgender Passus: 
„Bei einigen Kindern zeigte sich mehr eine Borken- als Blasenbildung.“ 
Nach dem Platzen oder Zerkratzen fand stets erneuerte Bildung von 
Borken statt, nach deren Abfall ein bläulich-roter Fleck noch lange den 
Sitz der Efflorescenz verriet. Auf diesen soll häufig eine austernschalen¬ 
artige Abschuppung platzgegriffen haben. Die Topographie, die gutartige 
Lymphdrtisenschwellung, das gute Allgemeinbefinden entsprechen sonst 
dem Verhalten der Impetigo vulgaris. Jene Abschuppung deutet vielleicht 
auf die Einstreuung von Impetigo circinata-Fällen hin. Ein abscbliebendes 
Urteil ist auch über diese Epidemie nicht abzugeben. 

Gleichzeitig machte Dewävre (Kontagion und parasitäre Natur der 
Impetigo, Archive de med . et pharm, milit. 1885, 16. Sept.) eine grobe 
Reihe von Impfversuchen mit dem Pustelinhalt, mit getrockneten, pulveri¬ 
sierten Krusten, dem Eiter unterhalb der Krusten, Material von abge¬ 
kratztem Blasengrund von Impetigoefflorescenzen, mitunter mit positivem 
Erfolge. Am sichersten schlug die Inokulation beim Verimpfen des Ma¬ 
terials vom Blasengrunde an. Es ist wahrscheinlich, aber nicht sicher 
erweisbar, dafs DewÄvre Fälle von unserer Impetigo vulgaris zu 
seinen Versuchen gebrauchte. Jedenfalls wird dieselbe in einem Teil 
seiner Fälle Vorgelegen haben; möglicherweise wurden aber auch Ekzem¬ 
krusten zu diesen Experimenten mitverwandt. Derselbe Autor publizierte 
dann noch acht Jahre später eine Mitteilung (Läuse und Impetigo, 


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Annales de denn . et syphil. 1893, S. 462), nach welcher es ihm gelang, 
durch Läuse von impetiginösen Kinderköpfen die Impetigo auf andere 
Kinder zu übertragen, weshalb er mutmafst, dafis sich die Läuse mit 
den Keimen der Impetigo beladen. 

Es folgt nun die in der ganzen Impetigofrage, wie überhaupt in der 
neueren Dermatologie Epoche machende Arbeit von Bockhart über die 
Ätiologie und Therapie der Impetigo, des Furunkels und der Sykosis. 
Bockhart steht auf den Schultern von B. Koch und dessen Nachfolgern 
Rosbnbach, Garre und Passet. Sein Verdienst ist nur die Anwendung 
der neu gewonnenen ätiologischen Hülfsmittel auf die spezielle derma¬ 
tologische Frage, aber dieses Verdienst kann nicht leicht überschätzt 
werden. Bis dahin hatte der Machtspruch von F. Hebra, Jahrzehnte 
fortwirkend, die Dermatologen geradezu verhindert, die von vorneherein 
rein eiterige, nie überhaupt in Ekzem übergehende, staphylogene Impetigo 
als eine besondere, von Ekzem verschiedene Krankheit zu erkennen. Selbst 
Erasmus Wilson, der auf dem besten Wege dazu war, ordnete diese 
Affektion später dem Ekzem unter; ebenso Bohn. wie wir oben gesehen. 
Aber nicht das ist das Wesentliche der neuen Auffassung, die wir Bock¬ 
hart verdanken; er hätte die staphylogene Impetigo beschreiben und 
klinisch ihren Übergang in Furunkel und gewisse Sykosisformen entdecken 
können, ohne dafs diese That aus dem Bahmen des bisherigen Fortschrittes 
herausgetreten wäre. Das befreiende, absolut neue und daher vorbildliche 
derselben war der Umstand, dafs zum ersten Male der blofs klinischen 
und leicht in die Irre führenden Betrachtungsweise gegenüber 
das naturwissenschaftliche Experiment auf diesem Felde 
einmal wieder in sein Becht gesetzt war. Diese Art der klinischen 
Arbeit war seit den Tagen, wo die Scabies vom Ekzem getrennt und die 
Fadenpilzerkrankungen der Haut entdeckt wurden, ziemlich in Vergessen¬ 
heit geraten. Mit Bockharts Arbeit beginnt die KocHsche Ära der 
Pathologie in die Dermatologie einzuziehen, um aus derselben nicht wieder 
zu verschwinden; von jetzt an hat sich jede klinische Behauptung auch 
vor dem Forum der Ätiologie und experimentellen Pathologie zu recht- 
fertigen. 

Mit unserer Impetigo vulgaris hat die BoCKHARTsche Impetigo staphy- 
logenes absolut nichts zu thun. In dem Aufsatze über die: „Impetigo 
Bockhart“, der durch Eiterkokken verursachte Oberhautabscefs [Berlin. 
Klinik. 1892. Heft 46), den wir, da er sich auch durchaus nicht mit der 
Impetigo vulgaris beschäftigt, hier gleich anmerkungsweise erledigen können, 
schliefst Unna seine Auseinandersetzungen bereits mit dem Hinweise, dafs 
voraussichtlich der Begriff der Impetigo, der erst durch Bockhart eine 
feste Gestalt gewonnen, zu einem Gattungsbegriff erweitert werden müsse, 
der alle Oberhautabscesse von derselben Art und Entstehungsweise umfasse. 


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Später hat dann in der That Unna den Begriff der Impetigo sogar auf 
alle durch dieselbe Struktur und Genesis ausgezeichneten und nicht blofs 
eiterigen Bläschenerkrankungen der Haut ausgedehnt. 

Auf die Arbeit von Bockhart konnte sich der nächste Autor über 
die Ätiologie der Impetigo, Bousquet (Gontribution ä Vitude de Vetiologiede 
Yimpetigo . Thöse. Bordeaux, 1889), ein Schüler Dubreuilhs, bereits stützeu. 
Da es ihm aber völlig entging, dafs Bockharts klinische Beschreibung 
sich auf die stapbylogene Impetigo (Bohn, Bockhart) bezieht, während 
er selbst im Anschlufs an die älteren englischen und französischen Autoren 
speziell Dbvergie, Tilbüry Fox und Vidal ein der Impetigo vulgaris 
entsprechendes klinisches Bild vor Augen hatte, so nahm er auch gar 
keinen Anstois, die BocKHARTsche Schilderung der histologischen Verhält¬ 
nisse aus Mangel an eigenem Schnittmaterial in sein Krankheitsbild der 
Impetigo einzufügen, und bewirkte auf diese Weise eine für die Zukunft 
unheilvolle Verwirrung. Seine an und für sich guten Beobachtungen an 
Fällen, welche fast durchweg dem Typus der Impetigo vulgaris entsprechen, 
führen durch diese falsche Annahme einer Übereinstimmung zwischen den 
eigenen und Bockharts Untersuchungen sämtlich zu verfehlten Schlu߬ 
folgerungen. So sieht er konstant eine Art von Kokken in den Bläschen 
seiner Impetigo, die häufig in kleinen Ketten Vorkommen, die Gelatine 
nicht verflüssigen, auf Agar wachsweifse, sich in Zonen ausbreitende, im 
Centrum deprimierte und am Rande erhabene Kolonien bilden und mithin 
grundverschieden von dem Staphylococcus aureus und albus sind; gerade 
diesen Kokken spricht Bousquet jede ätiologische Beziehung ab. Ja, in zwei 
Fällen, wo er diesen Coccus allein fand, ohne Beisein des Staphylococcus 
aureus et albus, fühlt er sich zur Aufstellung der etwas kühnen Hülfe* 
hypothese gedrungen, dafs die letzteren wohl vorhanden gewesen, aber 
durch Leukocyten zerstört worden seien. So sicher steht für Bousquet 
die Thatsache fest, dafs nur die Staphylococci aurei et albi es sind, welche 
seine Impetigo erzeugen, dafs selbst der Erfolg seiner eigenen Impfung 
mit dem letztgenannten Organismus ihn nicht stutzig macht, obwohl er 
dabei reine primäre Eiterpusteln gewann, die steil aus der Haut aufstiegen 
und erst nach vier Tagen ohne für Impetigo vulgaris charakteristische 
Krusten eintrockneten. So bleibt als das allein für unsere Frage wichtige 
Resultat von Bousquet, dafs die Impetigo der englischen und französischen 
Schule (Devergie, Tilbüry Fox, Vidal) in der That ansteckend, 
inokulabel und durch Kokken erzeugt ist, wonach die früheren An¬ 
gaben über Sporen und Mycelien bei dieser Krankheit, die von Kohn 
(Kaposi), Piffard, Lang und Geber in den Krusten, von Dewävrb in 
dem abgeschabten Grunde der Bläschen gefunden waren, zu berichtigen 
seien. 

Dubreuilh stützt sich in seiner sehr bemerkenswerten Arbeit: De 1» 


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nature de l’impötigo et de l’ekzöme impötigineux {Annal. de Dermatolog, 
1890. S. 289) auf die Ztichtungs- und Impfversuche seines Schülers 
BOUSQUET, und es herrscht daher hier dieselbe folgenschwere Verwechs¬ 
lung von der Impetigo: Devbrgie-Fox-Vidal mit der Impetigo Bock¬ 
hart. Aber dieser Irrtum haftet nur an den ätiologischen Schlufs- 
folgeruugen und die daraufhin gewählte Nomenklatur. Das Klinische in 
dieser Arbeit ist geradezu musterhaft und kann für sioh leicht aus der¬ 
selben isoliert werden. Dubreuilh bewährte sioh auch hier als ein viel 
zu guter Kliniker, um die fundamentalen Unterschiede beider Impetigo¬ 
arten nicht zu sehen; ja, er betont dieselben sogar, glaubt es aber seiner 
nun einmal gewonnenen ätiologischen Grundanschauung, dafs alle Impetigo¬ 
arten durch dieselben und zwar verschiedenartigen Eiterkokken erzeugt 
würden, schuldig zu sein, diese ihm wohlbekannten Differenzen durch 
Unterschiede des Terrains zu erklären. 

Dubreuilh findet seine Impetigo unter 65 Fällen im Gesicht 56 mal, 
viel seltener am Kumpfe und an den Extremitäten; sie besteht aus dünn¬ 
häutigen, rasch sich vergrößernden, gelb-grau gefärbten, 
zuerst serösen, später eiterigen oderauch gleich rein eiterigen 
Bläschen, mit oder ohne hyperämische Randzone, an deren Stelle 
dicke, rasch sioh vergröfsernde, ungleiche, honiggelbe, 
brüchige, wenig adhärente Krusten im Laufe von 3—4 Tagen 
treten, um nach 10 Tagen spontan abzufallen. Vom impetiginösen Ekzem 
unterscheidet sie sich durch das Zerstreutsein der Efflorescenzen, 
den akuten Verlauf derselben, das geringe oder fehlende 
Jucken, die geringe Hartnäckigkeit gegenüber der Behandlung 
und das Fehlen sonstiger Ekzemerscheinungen. Hierin erkennen 
wir die Hauptzüge der Impetigo Devergie-Fox-Vidal, respective unserer 
Impetigo vulgaris wieder, wenn auch für letztere einige minder wichtige 
Einzelheiten nicht ganz stimmen. Dahin rechne ich die Beschreibung 
der Dellenbildung nach Tilbury Fox, die Art, wie die Kruste — inmitten 
eines bläschenförmigen Randwalles — aus den Blächen entstehen soll. 
Sehr wichtig ist die Beobachtung DubrRuilhs, dafs die Bläschen am 
Körper meist eine stärkere Randröte und derbere Infiltration der Cutis 
zeigen und dafs zuweilen sich solche der Mundschleimhaut und Conjunotiva 
hinzugesellen (Fox, Dühring, Comby). 

Seinem klinischen Scharfblick entgeht es auch nicht, dafs die an Er¬ 
wachsenen mit Reinkulturen erzeugten Eiterbläschen (Bockhart, Bousquet) 
sich wesentlich von den spontanen Impetigines der Kinder unterscheiden: 
sie sind zahlreicher, klein, schiefsen rascher auf, zeigen keine 
solche Neigung zu sekundärer Vergröfserung, sind von vornherein 
rein eiterig und liefern dünnere, kleine Krusten. Aber diese Grunddifferenzen 
machen Dubreuilh nicht stutzig; er sucht die Abweichungen des Habitus 


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der bei Kindern vorkommenden Impetigines durch die Feinheit ihrer 
Haut, die Häufigkeit der Pediculi bei ihnen, die grössere Leichtigkeit der 
Übertragung durch Liebkosen, Spielen und Balgen zu erklären. Er ist 
fest überzeugt, daß Bockhart dieselbe Impetigo vor sich gehabt habe 
wie er selbst und Bousquet und kommt daher naturgemäß zu dem ur¬ 
tümlichen Schlüsse: „En rösume l’impötigo me parait §tre une entitd 
„morbide parfaitement döterminde au point de vue clinique par sa pustule 
„superficielle, contenant un pus visqueux, qui se dessöche en croutes dpaissos 
„et multiformes, ainsi par sa contagiositd; en revanche il n’a aucune 
„spdoificitd dtiologique, dtant du simplement & l’inoculation, dans 
„certaines conditions des miorobes pyogönes d*origine quelconque. 6 

Diese Schlußfolgerung einer klinischen, bedeutenden Divergenz an 
demselben Organ desselben Wesens (Oberhaut des Menschen) trotz ätio¬ 
logischer Identität klingt heute, acht Jahre später, in der Zeit einer ge- 
klärteren, parasitologisch-klinischen Anschauung unfaßlich und ich glaube 
auch, daß Dubreuilh, speziell nach den Studien eines Sabouraud über 
Trichophytie, heute noch kaum diesen Satz aufrecht zu erhalten geneigt ist 

Dübreüilh fehrt dann fort: „De plus il nya pas & distinguer l’impdtigo 
„contagiosa oomme forme spdciale; il ny a qu' une impdtigo, l* impdtigo 
„vulgaire qui est contagieuse.“ Er kommt mithin auf der Basis ganz ver¬ 
schiedener Prämissen zu einer ähnlichen Schlußfolgerung wie wir; er ver¬ 
wirft den Ausdruck Impetigo contagiosa, weil jede Impetigo kontagiös sei, 
und schlägt dafür den Namen Impdtigo vulgaire vor. So auch wir. Wir 
kennen aber eine große Anzahl durch verschiedene Organismen hervor¬ 
gerufener Arten von Impetigines und nennen daher nur die gewöhnlichste, 
in allen Großstädten endemisch vorkommende Form derselben: Impetigo 
vulgaris. 

Folgenschwerer noch aß diese irrtümliche Auffassung der Impetigo 
vulgaris aß einer durch alle möglichen Eiterorganßmen erzeugten Derma¬ 
tose ist die daraufhin gestützte Anschauung Dubreuilhs über die übrigen 
eiterigen Erkrankungen der Haut. Konsequenterweße nämlich nimmt er 
an, daß auch in den Krankheitsbildem des Ekthyma, der Scabies pustu¬ 
losa und des Furunkels ätiologßch immer derselbe Krankheitsprozeß sich 
abspiele. Er findet klinisch alle Übergänge zwischen der Impetigo der 
oberen Körperhälfte und dem Ekthyma der Unterextremitäten, wird damit 
aber wohl kaum die klinische Grunddifferenz zwischen einer Hautkrank¬ 
heit, die nie Narben, und einer solohen, die stets und überall Narben 
hinterläßt, überbrücken können. Bei der Scabies pustulosa findet er große, 
nicht schleimige, sondern rein eiterige, stets vorspringende Blasen ohne 
jede Neigung zur Vertrocknung — „en somme une ldsion trfes diffdrente 
de la pustule impdtigineuse.“ Trotzdem soll hier eine Impetigo vulgaris 
vorliegen, modifiziert durch eine dickere Oberhaut. Auch der Furunkel 


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soll — in mißverstandener Anlehnung an Bockhabt — auf dieselben 
Keime wie die Impetigo vulgaris zurückzuführen sein und durch tiefere 
Einimpfung derselben entstehen; dabei übersieht Dubrbuilh die funda¬ 
mentale Thatsache, dafs die Impetigo vulgaris der Kinder nie — wie die 
Impetigo Bockhabt fast stets — zu Furunkeln Anlafs giebt. Endlich ist 
für ihn das Ecoema impetiginosum ein Ekzem + Impetigo vulgaris. 
Diese Koincidenz ist ja a priori möglich, muß aber heutzutage durch den 
Nachweis beider typischen Bläschenarten mit ihren eigentümlichen Keimen 
ent im Einzelfalle nachgewiesen werden, da auch das Ekzem ähnliche 
Bläschen und Krusten hervorbringt wie die Impetigo vulgaris. 

Nach diesen Anschauungen ist auch selbstverständlich, dafs Dubbbuilh 
für seine Impetigo vulgaris in ätiologischer Beziehung dieselben fördernden, 
äußeren Umstände heranzieht, die für die durch den Staphylococous aureus 
et albus hervorgerufenen Erkrankungen durch viele Untersuchungen auf¬ 
gefunden sind, so die äufserst populäre, wenn auch durchaus nicht ein¬ 
wandsfrei bewiesene Ubiquität dieser Staphylokokken (im Nagelschmutz etc.) 
auf der Oberfläche der gesunden Haut. 

Lbloir in verschiedenen Aufsätzen über „Pyodermites“ (Journ. des mal. 
cut. et syph ., 1890, Monatshefte f.pr. Dermatol ., 1891, Bd. 13, S. 12) steht 
auf demselben Boden wie Bousquet und Dubbbuilh. Er hat seit 1884, 
wie so manche Autoren vor ihm, die Impetigoefflorescenzen auf den Träger 
und andere Individuen verimpft und gröfstenteils mit positivem Erfolge. 
Es ist jedoch durchaus nicht sicher, welche Arten von Impetigo zu diesen 
Infektionsversuchen dienten. Sicher werden wohl auch Fälle von Impetigo 
vulgaris darunter gewesen sein, wenn auch Lbloib behauptet, nur den 
Staphylococous aureus et albus aus denselben rein gezüchtet zu haben. In 
Summe geht aus seinen Versuchen nur wieder die sehr bekannte That¬ 
sache hervor, dafs alle Impetigoarten inokulabel sind. 

Dieselbe wurde für die Impetig^der Kinder, also wahrscheinlich auch 
for unsere Impetigo vulgaris noch einmal in zahlreichen Versuchen be¬ 
stätigt durch Lbboux (Impetigo der Kinder, eine kontagiöse, inokulable, 
mikrobiäre Affektion. Acad. de mid. de Paris. 25. Okt. 1892). Unter 120 
Impfungen fielen 79 positiv aus, und zwar waren die erzeugten Pusteln 
bis zur sechsten Serie fortimpfbar. Alte Pusteln gaben weniger gute Re¬ 
sultate als frische. Leboux fand den Staphylococous albus, aureus und 
citreus, selten Streptokokkon. Seine „Staphylokokken“ verflüssigten 
die Gelatine nicht. Seine „Streptokokken“, in Bouillon aufgeschwemmt, 
ergaben unter 15 Impfungen 4 mal Blasen und Krusten, welche dieselben 
Streptokokken enthielten. Leboux ist daher der Ansicht, dafs der spe¬ 
zifische Organismus der Impetigo der Kinder ein besonderer „Strepto¬ 
coccus der Impetigo“ sei. 

Wickham hinwiederum (Impetigo contagiosa, Union mSdic. 1892) 




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ebenso wie yor ihm Dupray (Consideration sur Timpetigo. Thöse. Paris 
1891) halten banale Staphylokokken für die Erreger der Impetigo der 
Kinder. Allerdings gelang es Wickham nicht, eine typische Impetigo 
vom Charakter der Impetigo vulgaris durch Einimpfung von Staphylo¬ 
kokken zu erhalten, aufser in einem Falle von Impetigo. Jedoch steht 
er nicht an, die Staphylokokken für die wahre Ursache dieser Erkrankung 
zu erklären, wobei er den dann allerdings gerechtfertigten Schlufs sieht, 
dafs dieselbe nicht als selbständige Krankheit anzusehen sei, sondern als 
eine der vielen Formen der „8taphylokokkie u . 

Diese französischen Arbeiten, durch welche wenigstens die parasitäre 
Natur und die klinische Selbständigkeit der Impetigines sicher gestellt 
war, finden ihren klassischen Ausdruck in dem Lehrbucbe von Brocq, 
dessen Definition von Impetigo wir deshalb hier ausführlich Wiedergaben 
wollen. Die Eruption beginnt nach ihm mit kleinen, erythematösen 
Flecken, welche sich rasch bis zur Erbsengröfse ausbreiten. Ihre Form 
ist unregelmäßig, oftmals erhaben und zu einem roten Fleck (nappe rouge) 
zusammenfliefsend. Fast gleichzeitig erscheinen bereits gelbliche Vesiko- 
pustein, die rasch die Größe eines Stecknadelkopfes oder einer Erbse er 
reichen, selten noch größer werden und häufig konfluieren. Die Dellen* 
bildung, die nach Tilbury Fox solche Blasen zeigen, welche Hanfkorn* 
größe erreichen, existiert nach Brocq in Wirklichkeit nicht; der Anschein 
entsteht durch eine centrale Krustenbildung. Meistens platzen die Blasen 
aber rasch, und das aussickernde Sekret vertrocknet zu dicken, gelblichen, 
oft etwas grüngelblichen, meist aber goldgelben, gerstenzuckerähnlichen, 
mehr oder weniger feuchten, mürben Borken. Durch nachsiokerndes Sekret 
vergrößern sich die Borken beständig, nach dem Abfall bilden sie sieh 
wieder. Zuweilen zeigen sie eine entzündliche Randröte, die Haut ist 
geschwollen, ebenso die Drüsen. Die ganze Affektion zieht sich durch 
Nachschübe 10—30 Tage hin. Es Verbleiben rote Flecke, die langsam 
abblassen. Brocq glaubt, daß auch die Impetigo contagiosa der eng¬ 
lischen Autoren mit seiner „impetigo vrai“ identisch sei, wenn auch die 
Blasen jener größer, weniger zerreißlich und mehr pemphigusähnlich be¬ 
schrieben werden. 

Im allgemeinen können wir die Beschreibung von Brocq aß eine ftr 
unsere Impetigo vulgaris passende bezeichnen. Wir halten es sogar für 
ein Verdienst von ihm, die sagenhafte Dellenbildung zurückgewiesen zu 
haben. Allerdings herrscht auch bei ihm in Betreff der schwierig zu 
beobachtenden Umbildung der Blase zur Kruste eine gewisse Dunkelheit, 
und das konstante Vorhergehen eines Erythems, wie es Brocq beschreibt, 
finden wir bei unserer Impetigo vulgaris nicht. Natürlich können wir 
keiner Impetigo, also auch der BROCQschen nicht, das Beiwort „vrai 1 
gönnen, da es eben sehr viele Arten von Impetigo giebt. 


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Bbocq ist der letzte hervorragende Kliniker, weloher sich neuerdings 
mit Impetigo der Eiinder beschäftigt hat. Es erübrigt nur nooh zwei 
bakteriologische Arbeiten zu besprechen, welche nur in unwesent¬ 
lichen Punkten auseinandergehen, in der Hauptsache aber darin überein¬ 
stimmen, dafs sie als Erreger der Impetigo einen Streptococcus mit grofser 
Sicherheit hinstellen, eine Idee, welcher Pogge und Leroux, wie wir 
gesehen haben, bereits Ausdruck verliehen haben. Eine sehr gewissen¬ 
hafte Arbeit stammt von H. Kurth aus dem Reichsgesundheitsamt: Über 
das Vorkommen von Streptokokken bei Impetigo contagiosa [Arbeiten aus 
dem Reichsgesundheitsamt , Bd. 8, S. 294, 1893). Wir müssen aber gleich 
von vornherein hervorheben, dais das Material zu der Arbeit von Kurth 
nicht unserer Impetigo vulgaris endemica entnommen wurde, sondern einer 
in Mecklenburg 1891 vorgekommenen ausgedehnten Impetigoepidemie. 
Kurth erhielt aus den Bläschen abgezogene Lymphe zur Untersuchung 
und hatte selbst nicht Gelegenheit, die Erkrankung an Ort und Stelle zu 
studieren. Demgemäfs fehlt in seiner Arbeit auch eine Charakteristik des 
Exanthems, das sich nicht wesentlich von dem in früheren Epidemien 
beobachteten unterschieden haben soll. Daher sind die Resultate von 
Kurth, selbst wenn dieselben als absolut unanfechtbar hingestellt werden 
sollten, in keiner Weise für unser scharfgezeichnetes Krankheitsbild Impe¬ 
tigo vulgaris ausschlaggebend. Es liegt sogar der Gedanke, den wir 
übrigens keineswegs vertreten wollen, nahe genug, dafs der Punkt, welcher 
die epidemische, stark kontagiöse Impetigo von der Impetigo vulgaris 
unterscheidet, gerade mit dem Vorkommen von Streptokokken in irgend 
einem Zusammenhänge stehe. Seinen Vorgängern gegenüber hatte Kurth 
den Vorteil, dafs er auiser Gelatine auch andere Nährböden und den 
Pl&ttengufs zur Isolierung der Bakterien verwenden konnte. In Bezug 
auf die von anderen Autoren beschuldigten gelben und weilsen Eiter¬ 
kokken bemerkt Kurth sehr richtig, dafs durch diese die BocKHARTsche 
Impetigo 3 mit ihren rasch aufschielsenden Eiterpusteln erzeugt würde, 
ein von der Impetigo der. Kinder zu trennendes Krankheitsbild. Dem¬ 
gemäfs konstatierte Kurth im untersuchten Inhalt von 19 Pusteln nur 
11 mal den Staphylococcus aureus neben einem Streptococcus, welch letz¬ 
terer in den übrigen 8 Pusteln in Reinkultur vorkam; den ersteren Coccus 
hält er daher für einen häufigen Begleiter der Affektion, den letzteren 
für den wahren Erreger. Übrigens gelang es Kurth, diesen Streptococcus 
von fast allen sonstigen Streptococcusarten durch sein Verhalten gegenüber 
weilsen Mäusen zu differenzieren. Die Injektion von etwa 1 cm Boden¬ 
satz einer eintägigen, schwach alkalischen Bouillonkultur tötete dieselben in 

1 Kurth schreibt Bockhart nach: Wilsons Impetigo. Dieses ist bekanntlich 
«in IiTtum. Die staphylogene Impetigo beschrieben zu haben, ist ganz allein das 
Verdienst Bockharts. 

Monatshefte. XXVIII. 18 


A 


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fünf (vier bis sechs) Tagen sicher unter Eiterung der Impfetelle, während 
Blut, Lymphdriisen und sonstige Gewebe von Kokken freiblieben. Die 
KüRTHschen Impetigo-Streptokokken gleichen im allgemeinen den Ery¬ 
sipelkokken, doch sind folgende Eigenschaften hervorzuheben. Die Ketten 
in der Bouillonkultur sind „auffallend wenig gliederig tt (10—40gliederig) 
und schweben teils in den ersten 48 Stunden in der Flüssigkeit, teils 
bilden sie einen reichlichen, flockigen Bodensatz, der sich bei stärkerem 
Umschütteln aufiöst, um sich wieder abzusetzen. Letzterer bleibt durch 
einzelne überlebende Kokken vier Monate übertragbar; eine Erhitzung auf 
60° tötet sie. Die Giftwirkung der Impetigo-Streptokokken nimmt im 
Gegensätze zu anderen Streptokokken in gewöhnlichen Bouillonkulturen 
ungemein rasch ab; dagegen gelang es Kurth, dieselben durch Züchtung 
auf einer Mischung von Vs Hammelserum -f- */s Bouillon so vollvirulent 
zu machen, dafe sie nun auch wie andere Streptokokken in allen Organen 
der Mäuse nachzu weisen waren und die Tiere in zwei bis drei Tagen töteten. 
Diese vollvirulenten Impetigo-Streptokokken unterschieden sich in Bouillon¬ 
kulturen von dem ebenso virulenten Streptoooocus conglomeratus und 
einem Streptococcus der Pferdebrustseuche durch das auch hier fehlend« 
feste Häutchen auf der Bouillonkultur. Der Verfasser läfet es dahin¬ 
gestellt sein, ob die gewöhnliche, „lokal wirkende“ Form des Impetigo- 
Streptococcus als eine „abgeschwächte“ bezeichnet werden kann, da sie 
ja von der kleinen Infektionsstelle aus den Tod der Mäuse ausnahmslos 
zur Folge hat. Endlioh fand Kurth noch, dals sein Impetigo-Strepto¬ 
coccus im Gegensatz zum Streptococcus conglomeratus auffallend viel Säure 
in Kulturen produziert. In der Hauptfrage, ob dieser Impetigo-Strepto¬ 
coccus die alleinige, wahre Ursache der epidemischen Impetigo sei, ent¬ 
scheidet sich Kurth nicht mit Bestimmtheit; er hält es für wahrschein¬ 
lich, läfet aber auch die Möglichkeit zu, dafe er nur ein konstanter und 
als solcher praktisch wichtiger Begleiter eines noch unbekannten Impetigo¬ 
erregers (z. B. eines Protozoon) sei. 

Brochbt (Contribution k l’gtude de la bactäriologie de l’impdtigo, 
Thöse de Genöve 1896) ist der letzte Autor, welcher über die verursachenden 
Organismen der Impetigo gearbeitet hat. In Bezug auf das Klinische 
schliefet er sich Brocq an und hat daher auch sicher wohl der Haupt¬ 
sache nach Impetigo vulgaris-Fälle für seine Studien gebraucht. In 
18 Fällen fand er 18 mal Streptokokken und diese sogar in 11 Fällen 
rein als allein vorherrschenden Organismus; viel seltener stiefe er auf 
Staphylokokken und Bacillen, welche er als Verunreinigungen betrachtet 
Er gewann die Kulturen vom Blasenboden nach Abhebung der Krusten. 
Auf Agar bildeten dieselben kleine, runde, opaline, später weifeliche 
Tropfen; auf der Kartoffel war makroskopisch nichts sichtbar, nur auf 
einer alkalisch gemachten fand sich eine weifeliche Kolonie. Die besten 


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Setten zeigten die Kokken in Bouillon mit 1% Milchzucker; dieselben 
enthielten 20—100 Kokken, durchschnittlich 30—60, waren also viel- 
gliederiger als die von Kubth gewonnenen. Der Streptococcus säuerte 
den Nährboden an, erwies sich als leicht forbb&r und mittelst Grams Me¬ 
thode darstellbar. Impfungen mit Kulturen von nicht über 24 ständigem 
Bestände waren für Mäuse virulent, in geringerem Grade auch für Ka¬ 
ninchen. Brochrt konnte aber im Gegensätze zu Kurth im Blute der 
Mäuse, welche zwischen dem 1. und 14. Tage starben, die Streptokokken 
wieder nach weisen. 

Diese merkwürdige Konstanz eines Organismus, die allen älteren 
Forschem aulser Lrrgux und Kurth entgangen war, erklärt Broohkt 
sum Teil daraus, dais diese nicht mit Bouillonkulturen gearbeitet hätten, 
in denen die Ketten allein eine gröfsere Länge annehmen, ln den 
Krusten finden sich allerdings die Kokken in Haufen, aber diese seien 
nur scheinbar ungeordnete Haufen, in Wirklichkeit dicht zusammen¬ 
gedrängte kettenförmige Reihen (s. seine Figur 3). Sehr wichtig für die 
Deutung des Streptococcus von Broohrt ist die Thatsache, dafs er sich 
bei seinen Infektionsversuchen mit Mäusen selbst am rechten Ringfinger 
infizierte und eine fieberhafte Affektion mit Lymphangitis davontrug, bei 
welcher er aus dem Eiter der Wunde den Streptococcus in Reinkultur 
wieder erhielt. Allerdings schliefst hieraus Broohrt etwas übereilt, dafs 
jede Impetigo (vulgaris) zur Blutinfektion und Sepsis führen könne, und 
es macht durchaus keinen Eindruck auf ihn, dais von solchen Allgemein¬ 
infektionen bei der gewöhnlichen Impetigo vulgaris der Kinder nie die 
Rede war, während dieses tiefere Eindringen der Kokken in den Orga¬ 
nismus bekanntlich die Prärogative der echten, pyophoren Staphylokokken 
und Streptokokken ist. Für Broohrt bleibt, um die unschuldige Natur 
der Impetigo vulgaris zu retten, nur der Ausweg, ad hoc die Hypothese 
aufzustellen, dais in dieser Affektion seine Streptokokken in abgeschwächter, 
weniger virulenter Form vorlägen. Für jeden, der — wie wir und 
andere — nur ausnahmsweise echte Streptokokken und nur in schon 
verunreinigten Krusten, besonders des behaarten Kopfes, gefunden 
bat, beweist sowohl die von ihm gefundene Virulenz für Mäuse, sowie 
die eigene Infektion nur, dais der BROOHRTsche Streptococcus mit der 
Impetigo vulgaris als solcher nichts zu thun habe. 

W er den Erreger dieser Krankheit sicher nach weisen will, muls uns einen 
Organismus aufweisen, der nur eine umschriebene Oberhauterkrankung und 
beim Menschen keine Sepsis erzeugen kann; denn wir dürfen uns nicht 
von solchen klinischen Thatsaohen emanzipieren wollen, welche für die 
betreffende Krankheit absolut charakteristisch sind. Brochrt glaubte der 
Mühe enthoben zu sein, mit seinem Impetigoerreger wieder das gesamte 
Krankheitsbild der Impetigo vulgaris zu erzeugen, da 1 . Lrroux diese 

18 * 


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Übertragung mit dessen Streptokokken mit positivem Erfolge gemacht habe 
und 2. die Übertragung immer die Gefahr der Allgemeininfektion mit 
sieh bringe. — Brochet stützt sich in diesem zweiten Punkte ganz allein 
auf den Fall von Hulot, der natürlich gegenüber der nach vielen Tau¬ 
senden rechnenden Erfahrung aller sonstigen Forscher und der Autoren, 
welche über die Epidemien von Impetigo contagiosa berichteten, nicht in 
Betracht kommt, zumal Hulot eine Scheidung zwischen staphylogener 
Impetigo und Impetigo vulgaris gar nicht vornahm. 

Im Gegensätze zu Leroux und Daumb einerseits und Kurth anderer¬ 
seits, welche ihre Streptokokken für verschieden vom Streptococcus pyo¬ 
genes erklärten, hält Brochbt seinen Streptococcus der Impetigo ftr 
identisch mit letzterem und nur für eine abgeschwächte Form desselben, 
aus welcher jeden Augenblick unter besonderen Bedingungen der voll¬ 
virulente Streptococcus pyogenes wieder hervorgehen könne. Angenommen 
einmal, eine solohe Variabilität der Virulenz käme vor und läge den so 
ganz verschiedenen Krankheitsbildem zu Grunde, so ist wieder nicht zu 
verstehen, wie Brochbt aufser der Konstanz und oftmaligen Reinheit, in 
weloher er seinen Streptococcus angetroffen hat, auch das als Beweis seiner 
ätiologischen Bedeutung für die Impetigo vulgaris ansehen kann, dals er 
diesen Streptococcus niemals bei anderen Hautkrankheiten gefunden habe. 
Denn die zufällige Verunreinigung von Krusten des Ekzems und der 
Impetigo vulgaris mit dem eohten Streptococcus pyogenes ist gar keine 
Seltenheit. Man sieht, wenn man solche Krusten schneidet, neben den 
andersartigen Kokkenhaufen (Staphylokokken, Morokokken, Kokken der 
Impetigo vulgaris) sehr gut in manchen Fällen die Streptokokken mit 
allen ihren typischen Eigenschaften auf einem und demselben Schnitte. 

Der Haupteinwand gegen das Resultat von Brochbt, daüs die Impe¬ 
tigo vulgaris durch den gewöhnlichen, bekannten Streptococcus pyogenes 
erzeugt sei, bleibt aber die Thatsache, dals er die unschuldige Impetigo 
vulgaris damit nicht hervorgebracht hat, dagegen — was vorauszusehen 
war — mit seinem Streptococcus durch eine Wunde der eigenen Haut 
Sepsis erzeugte. 

Die geschichtliche Betrachtung aller derjenigen Arbeiten, welche sich 
seit Anfang dieses Jahrhunderts mit den impetiginösen Erkrankungen der 
Haut beschäftigen, lehrt uns, dals diejenige Form, welche wir als ende¬ 
mische Kinderkrankheit genauer beobachtet haben und unter dem Namen 
Impetigo vulgaris in dieser Arbeit zu beschreiben gedenken, bisher 
von keinem Autor in genau derselben Weise geschildert worden ist, wie 
sie uns erscheint. Am nächsten unserer Auffassung der Impetigo vulgaris 
kommen verschiedene Beschreibungen der sogenannten Impetigo contagiosa; 
doch mischen sich in alle diese gewisse Züge hinein, die der endemischen 
Impetigo vulgaris nicht eigen sind. In diesem Thatbestande liegt die 


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Berechtigung, unsere „Impetigo vulgaris 4 ganz von neuem und ohne jede 
historische Befangenheit zu schildern, wie wir sie sehen. 

In Bezug auf die ätiologische Seite lehrt unser geschichtlicher Über¬ 
blick, daJs zur Zeit hauptsächlich zwei Richtungen bei den verschiedenen 
Forschern bestehen. Einmal soll, so wenig eine solche Auffassung dem 
heutigen Stande der Bakteriologie entspricht, das als einheitlich geltende 
Krankheitsbild der Impetigo durch die verschiedensten Eiterungen erzeugt 
werden können. Andererseits wird der Staphylococcus albus et aureus 
oder ein mehr oder weniger bestimmt charakterisierter Streptococcus für 
den alleinigen Urheber der Impetigo gehalten. Unsere Aufgabe wird es 
sein, diesen Ansichten gegenüber nachzuweisen, dafs die Impetigo vulgaris 
immer nur durch einen bestimmten Organismus erzeugt wird und dafs 
dieser nicht [unter den bekannten Kokken zu suchen ist, sondern eine 
neue, durchaus eigentümliche Species darstellt. 


Nachtrag. 

Während des Druckes der Arbeit sandte mir Prof. Corlbtt (Cleve¬ 
land, Ohio) seine Arbeit: „Impetigo: its clinical forma and present status, 
induding Ecthyma and the socalled Pemphigus contagiosus“ ( Cleveland 
Journal of Medicine , Dez. 98), welche eine interessante Schilderung einer 
grolsblasigen, seropurulenten, sehr ansteckenden tropischen Form von 
Impetigo enthält. Wie der Titel schon erkennen läfst, hält der Autor 
die verschiedenen Impetigoformen nicht blols, sondern auch das Ecthyma 
und Hebbas Impetigo herpetiformis für zeitlich und örtlich wechselnde 
Abwandlungen eines und desselben Leidens, welches stets durch die ge¬ 
wöhnlichen Eiterkokken verursacht wird. Ich bin dem Herrn Verfasser 
auch noch für den Hinweis auf mehrere hierher gehörige englische Ar¬ 
beiten und eine französische zu Dank verpflichtet, welche uns bei Ab¬ 
fassung unserer Arbeit (Sommer 98) entgangen sind und die ich wenigstens 
so kurz, wie sie in Corlbtts Arbeit angegeben sind, der Vollständigkeit 
wegen hier anführen möchte: Armstrong, Edirib. Med. Joum. 1898, 
S. 280. Payne, London. Lancet. 4. Juli 1896. Elliot, Journ. Cut and 
Genito-Ur. Dis. 1894, S. 194. Allen, Transactions Am. Derm. Assoc. 
1896. Crooker, London Lancet. 2. Nov. 1895, S. 1110. Balzbr et 
Griffon, Le Bulletin m£ä. 31. Okt. 1897. TJnna . 

(Fortsetzung folgt.) 




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An« bcr JJrarts. 

Gläserne Salben-Fülltuben. 

Von 

Dr. OSCAR Ehrmann, Spezialarzt, 

Mannheim-Heidelberg. 

Zum Einfähreü von Salben in die Harnröhre dienen sog. Salben¬ 
spritzen, Tripperpistolen ete., katheterartige Instrumente mit vorderer 
Öffnung, ans Metall oder elastischem Material. Das Einfällen der Salben¬ 
masse in diese Instrumente geschieht vom hinteren Ende aus durch Ein* 
spritzen aus Tripperspritzen, die man mit Salben fällt, oder aus salben¬ 
gefällten Zinntuben, wie sie für Malerölfarben und Kosmetika (Byrolin etc.) 
üblich sind. 

Demselben Zweck des Salbeneinfüllens in diese Harnröhren¬ 
instrumente dienen in vorteilhafterer Art gläserne Tuben (Salben* 
fülltuben, 8. Figur). 1 



Es sind farblose oder dunkle, kurze Glasoylinder, in deren Lichtung 
der Daumen bequem Platz hat. Der Band der einen Öffnung ist an der 
Gebläseflamme etwas eingebogen als Halt für einen Korkstopfen im 
Innern der Glastube. Dieser Kork ist durohbohrt und trägt ein kurzes 
spitzgezogenes Glasröhrohen. 

1 Einfache enge Glastuben ohne unten genannte Eigenheiten dienen als einfach* 
Farben- oder Salbenbehälter bisher schon. 


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Die Tube wird nach Einschieben dieses Korkes zum grö&ten Teile 
mit Salbe gefällt (wie ein Salbentöpfchen) nnd dann ein im Lnmen frei- 
beweglicher zweiter Korkstopfen hinten eingesetzt. Das Instrument wird 
wie in der Abbildung gefafst und bei Vorschieben des beweglichen Korkes 
durch den Daumen tritt vorne am spitzen Glasröhrchen die Salbe in 
wurstartiger Form aus. Ist die Tube leer geworden, schiebt man beide 
Korke in umgekehrter Richtung (nach hinten) durch einen Holz- oder 
Olasstab (Federhalter eto.) f nimmt den beweglichen Kork heraus, schiebt 
den vorderen Kork wieder bis an den eingebogenen Glasrand vor und 
Mt wieder Salbe ein (mit Löffelchen, Spatel etc.) resp. läfist sie in der 
Apotheke füllen. 

Diese Glastuben sind also gleichzeitig gegen Chemikalien indifferente 
Salbengefolse und Füllinstrumente, sie sind stets wieder zu füllen (Zinn¬ 
tuben nicht), auskochbar (sterilisierbar), durchsichtig und graduierbar 
(genauere Dosierung), kompendiös (da nicht, wie bei mit Salben gefüllten 
Spritzen, die Stempelstange vorsteht). Sie sind billig, auch selbst herzu¬ 
stellen und passen an jedes Instrument. Die Handhabung geschieht mit 
einer Hand (s. Bild), da der Daumen der haltenden Hand auoh als 
Stempelstange dient. 

Vor dem Gebrauch erwärmt man am besten die Tubenspitze über einer 
Flamme oder taucht sie in warmes Wasser, damit die weich gewordene 
Salbe gut fliefst. 


Derfammlnngen. 

Venerologisch-dermatologische Gesellschaft zu Moskau. 

Sitzung vom 22. Januar (2. Februar) 1899. 

Originalberioht von Abth. Jordan-Mob kau. 

1. Speranskj stellte einen Fall von Lepra maculo-tuberosa vor. Derselbe 
betraf eine 36 jährige Kolonistin aus dem Saratowschen Gouvernement. Ausgesprochene 
Facies leonina, Fehlen der Augenbrauen, charakteristische, teils anästhetische Flecke 
and Leprabacillen im Blut stellten die Diagnose aufser allen Zweifel. Die Schleim¬ 
häute, insbesondere die Nasenschleimhaut unverändert, sodafs die in letzter Zeit viel¬ 
fach betonte Infektion von dieser Partie auszuschliefsen ist. Dagegen giebt Patientin 
an, ihre Erkrankung zunächst am linken Ellenbogen bemerkt zu haben, wo sich noch 
jetzt eine Narbe findet 

Diskussion: Pospblow macht aufmerksam auf die Gefahr der Lepraverbreitung 
in Rufoland durch die Freizügigkeit der Patienten. Diese Patientin stammt aus Sara¬ 
tow; unlängst hatte P. Gelegenheit von einem Fall zu hören, der einen Arbeiter 
betrag welcher zusammen mit anderen Arbeitern aus Livland in das Moskausohe 
Gouvernement gekommen war und auf einer Fabrik hierselbst Anstellung gefunden 
hatte, bis man seine Lepra erkannte und ihn polizeilich in die Heimat zurücksohickte. 
Wie notwendig wäre für solche Fälle ein Leproeorium bei Moskau 1 


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2. Metschbbski als Gast demonstrierte einen Fall von einseitiger Sykosis 
barbae. Der betreffende Patient, ein 22jähriger, neurasthenischer Dorfschullehrer, 
weist auf der linken Hälfte des Kinns und der Oberlippe die Zeichen einer Terheilenden 
Sykosis anf. Die Behandlung dieses Falles bestand zuerst im Basieren und in der 
Anwendung von Salben und Kompressen, später in dem inneren Gebrauch von Brom¬ 
kalium und Sol. Fowleri. Unter der letzteren Behandlung trat die Besserung ein. 

Archangelsk erkundigt sich nach dem Ernährungszustand des Patienten während 
der Behandlung. — Metscherski erwidert, daß Patient in letzter Zeit abgenommen 
hat infolge der zufälligen Erkrankung an Influenza. — Posprlow hebt die Seltenheit 
der Einseitigkeit des Prozesses hervor und schliefst eine vielleicht denkbare günstige 
Beeinflussung der Sykosis durch die Influenza entschieden aus. Bei der Sykosis muh 
neben den eitererregenden Kokken der Zustand der Nerven eine Bolle spielen. 

3. Zechanski als Gast berichtet über die Methode und die Besultate der 
FnrSBNschen Lupusbehandlung, welche er ans eigener Anschauung bei Finsbk in 
Kopenhagen kennen gelernt hat. Z. spricht sich auf Grund des in Kopenhagen Ge¬ 
sehenen für diese Behandlung aus. 

Diskussion; Küsel findet die Apparate zu kostspielig. — Shiwult wird durch 
die herumgereichten Photographien von dem guten Erfolge nicht überzeugt. — 
Lichatscheff findet, dafs man in derselben langen Zeit durch die früheren Mittel 
dasselbe erreicht. — Kracht gefällt an der Methode die Schmerzlosigkeit. — Pospelow 
hält die FiNSENsche Behandlung für sehr verlockend, aber sie verlangt viel Zeit und 
verspricht nicht Außergewöhnliches. P. fordert Zechanski auf, selbst Versuche in der 
dermatologischen Klinik anzustellen. 

4. Tschlenow macht Mitteilung über eine neue Form von Hauttuberkulose. 
Auf Grund der Beobachtung zweier an Lepra anaesthetica erinnernder, aber bei der j 
mikroskopischen Untersuchung wie durch das Tierexperiment sich als Tuberkulose er- ! 
weisender Fälle stellt T. eine neue Form der Hauttuberkulose auf (cf. Befer&t der | 
Sitzung vom 18./30. Dez. 1898). Dieselbe kennzeichnet sich klinisch duroh Flecke, 
welche sich peripher ausbreiten und im Centrum verheilen. Mikroskopisch findet 
man Tuberkelbacillen, Biesenzellen und Infiltration in dem Stratum subpapillsre. 

T. bezeichnet diese in den Bahmen der übrigen Arten von Hauttuberkulose nicht j 
passende Form als Tuberculosis cutis discoides. Ob die bei den beiden Fällen beob¬ 
achtete Anästhesie auf die Tuberkulose zu beziehen ist oder unabhängig von derselben 
ist, mufs die weitere Beobachtung klar stellen. In beiden Fällen liefs sich keine 
Tuberkulose innerer Organe konstatieren. 

5. S akrepa als Gast demonstrierte mikroskopische Präparate eines Falles von j 

Bhinophyma. j 


Dermatologische Gesellschaft von Großbritannien und Irland. ! 

Sitzung vom 29. Juni 1898. 

{The British Journal of Dermatology. September 1898.) 

B. Crocker demonstriert 1) einen Fall von grofssporigem Ringw orm , 2. einen 
Fall von Lupus verrucosus. In symmetrischer Weise sind Ellenbogen und Knie¬ 
gelenke befallen. 

Eddowes stellt ein Mädchen vor mit einer grofsen Zahl von mehr oder weniger j 
symmetrisch angeordneten weißen Stellen auf dem Bücken, von denen viele bereiti 
seit einem Jahre bestehen. Die Zahl vergrößert sich immer nooh. Er bezeichne die 
Affektion in Ermangelung eines besseren, prägnanteren Namens mit Leukodermie. 

— Crocker sieht den Fall aß Morphoea an. 


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253 


Walsh stellt ein Mädohen mit einer Hautaffektion vor, welche derjenigen ähnlich 
sieht, die Hutchinson als Lupus lymphaticus bezeichnet hat. — Crocker möchte 
für diesen Namen besser „Lupus lymphangiectodes“ oder „Lymphangioms 
circumscriptum“ gesetzt sehen. 

F. R. Walters berichtet über einen abnormen Ausschlag bei zwei Kindern. 
Derselbe ist charakterisiert durch hier und da zerstreute, im Beginn kaum bemerkbare 
Papeln, die Jucken verursachen, und wenn sie gekratzt werden, das Entstehen von 
Quaddeln zur Folge haben. Viele der Papeln werden vesikulös, aber nicht pustulös, 
nassen nicht, bilden keine Krusten. Man wird wohl an Scabies erinnert, doch konnten 
trotz eifrigen Suchens keine Krätzmilben gefunden werden. Unter einer energischen 
Behandlung mit Schwefelsalbe verschwindet der Ausschlag. — Vortragender glaubt, 
dafs die Ursache der Affektion wahrscheinlich in einer Infektion von zwei irischen 
Foxterrieren zu suchen sei, mit welchen die Kinder zu spielen pflegten. Die Hunde 
wären wegen der Räude in Behandlung eines Veterinärarztes gewesen. Die Räude 
wird auf die Anwesenheit eines Demodex zurückgeführt, der in enger Beziehung oder 
vielleicht identisch mit dem menschlichen Demodex ist. — Walsh wie Crogker sind 
in der Lage, die Angaben des Vortragenden zu bestätigen. Crogker bezeichnete den 
Zustand der Hautreizung als „ Hundekrätze u . 

Sitzung vom 26. Oktober 1898. 

(The British Journal of Dermatology. Dezember 1898.) 

Eddowk8 stellt zwei Fälle von Alopecia areata vor, von denen der zweite 
einen anämisch aussehenden Knaben betrifft. Ungewöhnlich ist die auffallend dunkle 
Färbung der Kopfhaut an denjenigen Stellen, welche vom Haarausfall frei geblieben 
sind. An der Innenseite beider Kniegelenke genau über dem Tibiakopfe bemerkt 
man einen etwa markstückgrofsen Fleck, der ein weifses Centrum mit einem dunklen 
Bande hat. Fälle von Alopecia areata, die sich, wie in dem vorliegenden, mit 
Leukodermia kombinieren, sollen nach Thibierge und Crogker sich gegen die Be¬ 
handlung besonders hartnäckig erweisen. Auch der Patient des Vortragenden zeigte 
sich den angewandten Mitteln gegenüber aufserordentlich resistent. 

Crockbr demonstriert 1. einen Fall von Lepra tnberosa hauptsächlich lokali¬ 
siert im Gesicht und an den Extremitäten. Die Haut der Hände ist im Gegensatz zu 
anderen derartigen Fällen nicht verdickt, sondern zart, satinartig, leicht runzelig, wie 
die senile Haut und unelastisch; 2. einen Fall von Urticaria pigmentosa. Vor¬ 
tragender unterscheidet drei Typen der Affektion: 1. bei welchem zahlreiche, xanthom- 
ahnliche Knoten vorhanden sind; 2. bei welchem die Quaddeln zurückgehen und 
lediglich eine Pigmentation hinterlassen; 3. stellt einen intermediären Zustand dar, 
bei welchem in gewissem Grade Pigmentation und Bildung von persistierenden, aber 
nicht xanthomähnlichen Knoten stattfindet. Bei allen drei Typen ist in der Mehrzahl 
der Fälle Urticaria factitia vorhanden. Der Juckreiz fehlt meistens nicht, ist jedoch 
hinsichtlich seiner Intensität grofsen Schwankungen unterworfen. 

C. Berliner-Aachen. 


Londoner dermatologische Gesellschaft. 

Sitzung vom 13. Juli 1898. 

(The British Journal of Dermatology . September 1898.) 

A. Carlbss stellt eine 57jährige Frau mit Mykosis fnngoides vor. Die Patientin 
hat 11 Graviditäten durchgemacht. Während der ersten Schwangerschaft bekam sie 
einen ekzemartigen Ausschlag an den Labien, während der dritten eine ähnliche 


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Eruption am Abdomen und an den Armen. Mit jeder Schwangerschaft verschlimmerte 
sich der Zustand. Vor 14 Jahren bekam sie im AnschluTs an eine geistige 8törong 
infolge von Geldverlusten eine Art desquamativer Dermatitis. Vor 10 Jahren zeigten 
sich Knoten von verschiedener Gröfse an den unteren Extremitäten. Gegenwärtig 
sieht man an den Oberschenkeln, namentlich dem rechten, runde, warzige, papillomatose 
Tumoren, von denen einige beginnende Ulceration zeigen. Die Leistendrüsen sind 
vergröfsert. Die Behandlung ist eine mehr palliative. 

B. Crockbr und G. Pernet zeigen einen Fall von Tinea circinata der grofc- 
sporigen Ektothrixform bei einem 50jährigen Manne. Die Affektion ist auf den 
Rücken der linken Hand beschränkt. Ob die Übertragung vom Menschen oder Tiere 
stattgefunden hat, konnte nicht festgestellt werden. 

R. Cbocker: Fall xur Diagnose. Der Patient, ein Kapitän, der in China sieh 
aufgehalten hat, zeigt seit sechs Jahren erhabene, bräunlich gelbe Ringe hauptsächlich 
auf den behaarten Teilen des Gesichts, aufserdem einen Ring auf der behaarten Kopf¬ 
haut und einen auf dem linken Schulterblatte. In der Voraussetzung, dafs die 
Affektion auf einen vegetabilischen Parasiten zurückzuführen sei, war auch die Be¬ 
handlung eine vorwiegend antiparasitäre. Einige Ringe verschwanden, während drei 
andere trotz jahrelang fortgesetzter Behandlung bestehen blieben. Die Haare auf den 
Ringen lassen sich mit Leichtigkeit ‘ohne Wurzelscheide ausziehen, aber kein Pilz 
konnte bisher entdeckt werden. — Die allgemeine Ansicht der anwesenden Mitglieder 
geht dahin, dafs es sich um eine Affektion handle, die durch einen sehr tief sitzenden 
vegetabilischen Parasiten hervorgerufen sei. 

C. Fox demonstriert ein Mädchen, 2 1 /* Jahre alt, mit Lupus vulgaris von dem 
Typus, den Hutchinson Lupus-Psoriasis genannt hat. 

Galloway demonstriert einen Fall von Purpura in Verbindung mit Hämo¬ 
philie bei einem 11jährigen Mädchen. Man sieht zahlreiche kleine, purpurrote 
Punkte über Stamm und Extremitäten zerstreut. Die Schleimhäute sind noch nicht 
befallen. Doch bestanden gelegentlich der Extraktion eines Zahnes, an welche sich 
eine langdauemde Blutung anschlofs, blutige Flecke auf der Wangenschleimhaot 
Erbliche Belastung liegt nicht vor. 

St. Mackenzie stellt eine junge Frau mit Ulcus rodens auf dem Hinterkopfc 
vor. Das bereits seit längerer Zeit bestehende Geschwür nahm die Gegend des rechten 
Warzenfortsatzes ein. Ungewöhnlich sind in diesem Falle das jugendliche Alter der 
Patientin und die Lokalisation des Ulcus rodens. 

Sitzung vom 12. Oktober 1898. 

(The British Journal of Dermatology. November 1898.) 

Colcott Fox stellt einen Knaben mit Hydroa aestivale vor. Die Diagnose 
wurde gestellt auf Grund 1. des papulo-vesikulösen Charakters des Ausschlages; 2. der 
Narbenbildung; 8. seiner Verteilung auf den der Sonne exponierten Körperteilen; 
4. des stets im Sommer wiederkehrenden Ausbruches; 5. der augenscheinlichen Beein¬ 
flussung durch das Sonnenlicht. 

Im AnschluTs an diese „Sommereruption“ stellt C. Fox einen 14 jährigen Knaben 
mit einer recidivierenden, vesikulösen Wintereruption vor. In neun aufeinander¬ 
folgenden Wintern kam der Ausschlag zum Vorschein. Die Attacke im November 
1893 war sehr stark und dauerte sechs Wochen. Die Finger waren damals etwas 
geschwollen, die Dorsalflächen der Hände und Finger, Handgelenke waren spärlieh 
besät mit einzeln stehenden, rundlichen, hellen Bläschen oder kleinen Blasen, deutlich 
gröfser als die gewöhnlichen Ekzembläschen und ohne entzündlichen Hol Die Seiten 
der Finger sind schwach in Mitleidenschaft gezogen, die Handteller dagegen voll- 


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ständig frei. Das Jacken ist schwach. — Vortragender vermag diesen Fall, welcher 
nach seiner Erfahrung einzig dasteht, nicht leicht einer Klasse von Hautkrankheiten 
•mznreiben. 

C. Fox demonstriert ferner: 

Ein 7jähriges Mädchen mit multipler circuxnscripter Sklerodermie oder 
Morphoea. Die Affektion besteht seit neun Wochen und ist interessant a) weil die 
elfenbeinweifsen Flecke von einer dunkel pigmentierten Zone und diese wieder von 
einem mehr diffusen, schwächer pigmentierten Hofe umgeben sind. Die Ähnlichkeit 
mit Leukodermie ist frappant; b) wegen der Verteilung an Stamm und Höften; 
c) wegen der excentrischen Ausbreitung der einzelnen Flecke. 

Einen 18jährigen Knaben mit Urticaria pigmentosa von dreijähriger Dauer. 
Befallen sind Stamm, Gesicht, Hals, Beine. Die Efflorescenzen sind sehr dunkel und 
erinnern lebhaft an pigmentierte, syphilitische Papeln. Urticaria factitia ist in ge¬ 
ringem Grade vorhanden, doch hinterlassen künstlich hervorgerufene Urticariastreifen 
keine Spuren. Ober Jucken klagt der Patient fast gar nicht. Die Untersuchung 
einer excidierten Quaddel hat als Hauptbefund eine aufserordentlich grofse Menge 
▼on „Mastsellen“ in der Cutis bis in die Papillenschicht sich ausdehnend ergeben. 
Sie waren in regellosen Massen und Linien angehäuft. Eigentümlich waren vielen 
dieser Mastzellen ihre undeutlichen äufseren Konturen. Ein anderer Punkt von 
Interesse war die Anwesenheit von Melanin in vermehrter Quantität in der unteren 
fieteschicht. 

Eine 64jährige Frau mit Xanthoma multiplex. Die Patientin bietet ein klassi¬ 
sches Beispiel von einem intensiven, nahezu universellen Xanthomausschlag in Ver¬ 
bindung mit chronischer Gelbsucht. Die Leber ist stark vergröfsert. 

Turner stellt einen 37jährigen Mann mit Erythema multiforme vor. Im 
Anschlufs an den Genufs von Austern erkrankte der Patient mit intensiven Bauch¬ 
schmerzen und Diarrhoe. Gleichzeitig wurden Zahnfleisch und Lippen wund und 
seigten weifse Stellen. In der nächsten Zeit bildeten sich Blasen an beiden Händen 
und Handgelenken in ziemlich symmetrischer Weise, ferner unterhalb der Kniegelenke, 
auf der Mundschleimhaut, an den Fölsen vereinzelt; frei waren jedoch die Fufssohlen. 
Für die Diagnose kamen in Betracht: 1. Herpes iris, 2. Pemphigus, 3. vesikulöse oder 
impetiginÖ8e Stomatitis, 4. epizootische, vesikuläre Stomatitis. — Pringlb sieht die 
Affektion als ein bullöses Erythema multiforme an. 

8t. Mackenzie demonstriert 1. einen 9jährigen, zartgebauten, sorophulösen 
Knaben mit gelben Pigmentflecken hämorrhagischen Ursprunges. Die Affektion 
begann vor ca. neun Monaten mit einem roten Flecke von der Gröfse eines kleinen 
Zwanzigpfennigstückes. Der Fleck, der vorn am Schienbein safs, entfärbte sich und 
nahm eine gelbe Farbe an. In ähnlicher Weise entstanden im Laufe der nächsten 
Zeit tiefgelbe Flecken an den Beinen, Armen, am Stamm. Von Interesse ist, dafs diese 
im Anschlufs an Hämorrhagien auftretenden Flecke persistieren und während der neun 
Monate ihres Bestehens sich nur wenig verändert haben. Eine Ursache der Hämor¬ 
rhagien konnte nicht festgestellt werden. 

2. einen Fall von Teerausschlag bei einem 60jährigen Teerarbeiter. Vorder¬ 
arme, die Dorsalflächen der Hände und Finger haben die Mündungen der Haarfollikel 
mit einer Bchwarzen Kruste verstopft. An einigen Stellen sieht man erbsengrofse 
Erhabenheiten der Haut von warziger Beschaffenheit. An der rechten Sorotalhälfte 
befinden sich einige erbsen- bis haselnulsgrofse, ziemlich weiche mit einer hornigen 
Kruste bedeckte, papillomatöse Schwellungen. Auf Druck sind dieselben empfindlich. 
Sie gleichen den Tumoren, die man mit „Teermolluscum“ bezeichnet und welche 
die Neigung haben, epitheliomatös zu werden. 


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M. Morris stellt eine 55 jährige Frau mit ausgedehntem Ulcus roden» der 
Hase vor. 

J. J. Pringle demonstriert einen Fall von Molluscum contagiosum bei eine» 
58 Jahre alten Manne. C. Berliner-Aachen. 


Archiv für Dermatologie und Syphilis. 

Band 47, Heft 1. 1899. 

I. Über einen Fall von Porokeratosis mit Lokalisation im Munde und 
an der Glans, von Vittorio MiBELLi-Parma. Der 68jährige Patient erinnert sick 
genau, daft sowohl seine Mutter als auch seine Grofsmutter mütterlicherseits, ferner 
sein Bruder und drei Kinder des letzteren an derselben Hauterkrankung (Poroken- 
tosis) gelitten haben, beziehungsweise noch leiden, mit welcher er selbst seit nahen 
40 Jahren behaftet ist. Während seiner weiten Beisen als Seemann hat der Patient 
manche schwere fieberhafte Krankheit glücklich überstanden und erfreute sich in den 
letzten Jahren einer allgemeinen guten Gesundheit. Er führte ein mäfsiges Leben, 
war nie Trinker, war aber ein leidenschaftlicher Raucher und kaute Tabak. — Von 
der Affektion ist fast die ganze Körperhaut ergriffen, aufserdem noch die Schleim¬ 
haut des Mundes und der Glans. Der Verfasser giebt im folgenden eine sehr aus¬ 
führliche, klassische Beschreibung des Status praesens. Charakterisiert ist das Krank¬ 
heitsbild hauptsächlich durch die vom Verfasser wiederholt beschriebenen typischen 
keratotischen Efflorescenzen, welche aus einem keratotisehen Walle bestehen, der 
sich in Form einer in sich geschlossenen und unregelmäfsig ausgebuchteten Linie er 
hebt und in der Mitte ein Feld von verschiedenem Aussehen einschliefst. In den 
kleineren Herden zeigt dieser centrale Fleck ein keratotisches Aussehen, bildet jedoch 
im Verhältnisse zu dem ihn umgebenden Walle eine gleichmäfsige Depression; in 
den anderen ist er glänzend weifslich, von leicht atrophischem Aussehen, ohne Haare 
und frei von Follikel- und Drüsenöffnungen. — Der vom Verfasser beschriebene Fall 
bildet ein ganz typisches Beispiel der Porokeratosis, verdient aber aus folgenden 
Gründen ein besonderes Interesse: 1. wegen der langen Dauer der Krankheit, wegen 
der Schwere der Veränderungen, wegen der aufserordentlichen Ausbreitung derselben, 
wegen einiger Modifikationen, welche bei diesem Patienten infolge seines Alters and 
seiner Beschäftigung im Krankheitsbilde aufgetreten sind; 2. wegen der Gegenwart 
von Herden an der Schleimhaut des Mundes und des Genitales, welche denen des 
äufseren Integumentes ähnlich sind, und 3. wegen der erblichen Belastung durch vier 
Generationen hindurch. (Fortsetzung folgt.) 

II. Über die Beziehungen der Aortenaneurysmen zur Syphilis, von C. 
RASCH-Kopenhagen. Nach einem kurzen Rückblick auf die einschlägige, im ganzen 
sehr spärliche Litteratur teilt Verfasser einige statistische Daten über die Häufig» 
keit mit, mit welcher sich Syphilis bei den Patienten mit Aortaaneurysmen findet 
Die Angaben der einzelnen Autoren variieren zwischen 36% bis 85%. Verfasser 
hat fünf Jahre hindurch alle auf dem Kommunehospital in Kopenhagen obduzierten 
Leichen daraufhin untersucht. Unter 28 Fällen von Aortenaneurysma konnte bei 
16 (= 57%) vorhergegangene Syphilis mit Sicherheit nachgewiesen werden. In sieben 


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Fällen (= 26%) konnte Syphilis mit grofser Wahrscheinlichkeit vermutet werden, 
sodafs also im ganzen in 82% der Fälle neben dem Aortenaneurysma Syphilis mit 
Sicherheit oder mit grofser Wahrscheinlichkeit verzeichnet werden konnte. Noch 
höher ist der Procentsatz, wenn man die 13 sackförmigen Aneurysmen, welche sich 
unter den 28 Fällen fanden, in Betracht zieht. Von ihnen hatten acht sicher, vier 
wahrscheinlich Syphilis gehabt (= 92 %). — Zur Erklärung des Zusammenhanges der 
Aortenaneurysmen mit Syphilis nimmt Verfasser [auf Grund eigener Untersuchungen 
und in Übereinstimmung mit Hjalmar Heiberg, Heller, Döhle, Backhaus u. a. an, 
dafs der Aneurysmenbildung in der grofsen Mehrzahl der Fälle ein chronischer Ent- 
sündungszustand in der Arterienwand zu Grunde liegt, den er mit „fibröser 
Aortitis" bezeichnet. Diese Form fand sich bei allen sackförmigen Aneurysmen 
und bei zehn spindelförmigen vor. Makroskopisch ist die fibröse Aortitis charakteri¬ 
siert durch eine oft enorme Verdickung der Arterienwand. Diese Verdickung betrifft 
hauptsächlich die Media und die Adventitia. Mikroskopisch charakterisiert sich das 
Leiden durch Rundzelleninfiltration in der sehr verdickten Adventitia und Media. Die 
elastischen Lamellen werden bei dem Entzündungsprozesse zerstört, verschwinden in 
mehr oder weniger grofsem Umfange und werden durch ein fibröses oder ein an 
Rundzellen reiches Gewebe ersetzt. Neben dieser produktiven Mesarteriitis be¬ 
steht gleichzeitig Neigung zur Bindegewebsbildung und Schrumpfung. Wir haben es 
also hier mit Vorgängen zu thun, wie sie die Syphilis überall im Organismus hervor¬ 
ruft oder hervorrufen kann. — Die Überzeugung des Verfassers ist es, dafs alle Aneu¬ 
rysmen, bei denen die erwähnte produktive Mesarteriitis nachgewiesen werden kann, 
syphilitischen Ursprunges sind. 

Hl. Über die Radikalexstirpation des Lupus, von A. Buschke- Breslau. Im 
ganzen hat Verfasser in den Jahren 1895—1897 in der Breslauer dermatologischen 
Klinik 18 Fälle durch Radikalexstirpation behandelt. Die Krankengeschichten dieser 
18 Fälle werden im folgenden ausführlich mitgeteilt. — Die Schlüsse, welche Ver¬ 
fasser aus seinen Beobachtungen zieht, sind ungefähr folgende: Für die Anästhe¬ 
sierung wird man sich mit Vorteil der ScHLEiCHschen Infiltrationsmethode bedienen, 
jedoch in der Mehrzahl der Fälle mit dieser allein ohne Anwendung der Narkose 
nicht auskommen. Das Resultat der Plastik wird durch die ScHLKiOHSche Infiltration 
nicht beeinträchtigt. Die Entnahme von Hautlappen bei der Transplantation nach 
Thiersch wird durch die Infiltration des Gewebes aufserordentlich erleichtert. Bei 
der Infiltrationsanästhesie sowohl zur Excision eines erkrankten Hautgebietes als auch 
zur Entnahme gesunder Hautlappen verfährt Verfasser in der Weise, dafs er nur 
eine schmale, etwa 2 cm breite Randzone der Cutis, im übrigen aber das subcutane 
Gewebe infiltriert — Bei der Methode der Excision sind zwei Punkte zu be¬ 
rücksichtigen, 1. man mufs in gesunden Grenzen operieren; 2. man mufs vermeiden, dafs 
während oder nach der Operation das Terrain mit tuberkulösem Material in Berührung 
kommt. — Was den ersten Punkt betrifft, so ist die Grenzbestimmung nicht 
immer leicht. Am einfachsten ist die Aufgabe bei der Begrenzung in die Tiefe. 
Hier genügt es wohl immer, wenn man sich in den tiefsten Schichten des subcutanen 
Fettgewebes hält. Bei Herden, in denen früher Excochleationen, Ätzungen etc. aus¬ 
geführt worden sind, thut man gut, sich möglichst aufserhalb der alten Narben, die 
eventuell noch tuberkulöses Virus bergen, zu halten. — Schwieriger gestaltet sich die 
Feststellung der Exstirpationsgrenze in der Flächenausdehnung des 
Lupus, besonders schwierig ist sie bei der disseminierten Form. Man geht am 
sichersten, wenn man mindestens 1—2 cm entfernt vom äufsersten Erkrankungspunkt 
operiert. Als Hülfsmittel zur Bestimmung der Exstirpationsgrenze dienten dem Ver¬ 
fasser mit Vorteil, wenn auch nicht immer mit absoluter Zuverlässigkeit der Glas- 


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druck und das alte EocHsohe Tuberkulin. Die Annahme der durch Tuberkulininjek- 
tionen hervorgerufenen Reaktionssone als Exstirpationsgrenze erwies sich allerdings 
im weiteren Verlaufe als eine trügerische. — Hinsichtlich der Technik der Pla¬ 
stik wurden alle Methoden, welche die plastische Chirurgie kennt, benutzt Verfasser 
beschreibt dieselben und ihre Indikationen in den einzelnen Fallen näher und erörtert 
am Sohlusse die Indikationen der radikalen Beseitigung des Lupus überhaupt Br 
ist mit Nbisser und Lang der Ansicht, dafs man die anderen Behandlungsmethoden 
erst an zweiter Stelle in Erwägung ziehen soll, wenn die Radikalexstirpation ans ge¬ 
wissen Gründen, sei es wegen intensiverer Beteiligung der Schleimhäute, wegen 
weiter Ausbreitung und Dissemination des Lupus, wegen des Allgemeinbefindens 
des Patienten oder sonstiger von Fall zu Fall zu beachtender Kontraindikationen 
nicht stattfinden kann. 

IV. Zellkerne mit „homogener Substanz“. Ein Beitrag zur Histologie der 
Zelle, von Kuznitzky-KöId a. Rh. Verfasser erörtert mit Beziehung auf das obige 
Thema in der vorliegenden Arbeit drei Fragen: 1. Welches ist die chemische Zu¬ 
sammensetzung der „homogenen Substanz“? 2. Was wird aus ihr und aus den sie 
beherbergenden, resp. Zellkernen? 3. Was hat ihr Vorkommen zu bedeuten? — 
Eine positive Antwort läfst sich auf die beiden ersten Fragen nicht geben. Es scheint 
wahrscheinlich, dafs zwischen den roten Blutkörperchen, der serösen Flüssigkeit und 
der „homogenen Substanz" eine gewisse chemische Verwandtschaft besteht. — Das 
Vorkommen homogener Substanz in Zellkernen deutet Verfasser folgendermsLfsen: 
„Zellkerne mit „homogener Substanz“ sind ein normal-histologischer Hautbefund. In 
jugendlicher Haut kommen sie zahlreicher vor, in der Haut des Erwachsenen spir- 
licher. Besteht aber, durch irgend welche Dermatose veranlagt, [ein Reizzustand, so 
wird auch beim Erwachsenen die „homogene Substanz“ im Bereich dieses Reixungt- 
gebietes in einer gröfseren Anzahl von Zellkernen zur Ausscheidung gebracht. Es 
dürfte also die homogene Substanz, wenn man aufserdem in Betracht zieht, dafs sie 
auf die BscKsche Färbung (Pikrinsäure—Methylenblau) ähnlich reagiert wie ver¬ 
schiedene dem Serum verwandte Flüssigkeiten, als das Resultat eines endosmotischea 
Vorganges der Zelle aufzufassen sein, und den Schlufs auf besonders lebhafte Zirkn- 
lationsverhältnisse zulassen, wenn sie in einer gröfseren Anzahl von Zellkernen vor¬ 
kommt“ . 

V. Die Seborrhoea corporis (Duhbing) und ihr Verhältnis zur Psoriasis 
▼ulgaris und zum Ekzem, von Ludwig TöaöK-Budapest. Der Verfasser will in der 
vorliegenden Arbeit eine kurze klinische Beschreibung der von Duhbing mit Sebor¬ 
rhoea corporis bezeichneten Affektion geben und den Nachweis liefern, dafs die Se¬ 
borrhoea corporis-DüHRiNG eine in ihrer Lokalisation atypische, in Bezug auf Inten¬ 
sität äufserst schwache Form der Psoriasis vulgaris ist. Bei der nahen Beziehung der 
DuHRiNGSchen Krankheit zum Ekzem, insbesondere zum seborrhoischen Ekzem kann 
Verfasser nicht umhin, seine Ansichten über Unnas Eccema seborrhoicum hier anxo- 
schliefsen. Mit der Seborrhoea corporis haben sich viele Autoren befafst, was zur 
Folge gehabt hat, dafs die Affektion die verschiedensten Bezeichnungen erhalten bat 
Die sehr detaillierte Beschreibung, die Verfasser von der Seborrhoea Duhbing in ihrer 
typischen Lokalisation giebt, deckt sich im allgemeinen mit deijenigen der meisten 
Autoren. Als wesentlich hebt er jedoch hervor „das Vorhandensein einer Verhornungs¬ 
anomalie, welche sich in der Bildung einer feinen, kohärenten, trockenen, etwas 
spröden, nicht pulverformigen Schuppenschichte zu erkennen giebt, und die durch 
die klinische Beobachtung konstatierbare Verdünnung der suprapapillären Malpighi- 
schicht, welche durch das prompte und leichte Auftreten blutender Punkte nach Ab¬ 
heben der Schuppenschichte nachgewiesen werden kann.“ Da sowohl bei der Sebor- 


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rhoea corporis wie bei der Psoriasis vulgaris die klinisch hervorstechendsten Eigen¬ 
schaften der Hautläsionen auf eine Verhornungsanomalie mit der Begleiterscheinung 
der Hyperämie hindeuten, bei welcher es zu einer Verdünnung der suprapapillären 
Epithelsohichte kommt und da ferner auch das histologische Bild sich mit dem klini¬ 
schen deckt, so wird man an der Identität beider Prozesse nicht mehr zweifeln, zu¬ 
mal dieselbe noch durch andere klinische Thatsachen, die man ohne Konstatierung 
der anatomischen Identität vielleicht als einfache Koincidenz gedeutet hätte, gestützt 
werden kann. — Verfasser teilt im folgenden die Krankengeschichten einer Anzahl 
von Fällen mit, welohe geeignet sind, die Annahme der Identität der Seborrhoea 
oerporis und der Psoriasis vulgaris zu stützen und erörtert sodann die Gründe, welche 
gegen eine solche Annahme angeführt werden könnten. Einige Krankengeschichten 
illustrieren auch hier das Gesagte. (Fortsetzung folgt.) 

VI. Über die Häufigkeit von Bachen- und Kehlkopfaifektionen bei Sy¬ 
philis, von Abthüb Jobdan -Moskau. Das Ergebnis seiner Untersuchungen giebt der 
Verfasser in folgenden Schlufssätzen wieder: 1. In allen Stadien der Syphilis beob¬ 
achtet man sowohl im Bachen, als auch im Kehlkopf mehr oder weniger häufig die 
Erscheinungen eines Erythems, welches zwar einzig und allein auf Syphilis beruhen 
kann, aber sich von Rötungen aus anderen Gründen nicht unterscheiden läfst. Die 
Bestimmung der Häufigkeit seines Vorkommens ist daher von untergeordnetem Wert. 
2. Papeln des Rachens sieht mau in ungefähr Vs aller Fälle von sekundärer Syphilis- 
Papeln des Kehlkopfes sind dagegen viel seltener und wurden vom Verfasser nur in 
3,3°/o konstatiert. Hier wie dort sind sie während der Recidive häufiger, als zur 
Zeit des recenten Stadiums. 3. Tertiär-syphilitische Erscheinungen als solche oder 
in Gestalt von Defekten und Perforationen gab es im Rachen zu Vs, im Kehlkopf zu 
l /u der vom Verfasser beobachteten Fälle. 

VH. GABRIEL D’AYALA über die Syphilis, von Leopold GLücK-Serajevo. In 
Ayalas „Populana epigrammata medica“ finden sich zwei vom Verfasser im vor¬ 
liegenden Aufsatze lateinisch und in wortgetreuer deutscher Übersetzung wieder¬ 
gegebene auf die Syphilis bezügliche Gedichte, die den Forschern der Geschichte 
dieser Krankheit gänzlich entgangen zu sein scheinen. — In dem ersten Gedichte 
verwirft Ayala das ganze Heer der absonderlichen Bezeichnungen, welche die Eirank¬ 
heit von den Autoren erhalten hat, und accoptiert nur den Namen „Morbus gallicus“, 
den sie seit altersher haben soll. Wir citieren aus dem Gedichte, indem wir im 
übrigen auf das sehr originelle Original verweisen, die bezügliche Stelle: 

De lue Venerea. 

Tu quoque Gallice morbe, meo donabere versu: 

Sit dea si Nemesis non inimicia mihi. 

Pro titulo pugnentalii tristeniq Patursam, 

Syphilideniq vocent, Parthenope sive luem: 

Saturnive senis tormentum, Iramve Deorum: 

Sive Pudendagram, Cantabricumve probrum. 

Non moror: a Cybeles populo, mihi nomen habebis 

Gallicum: ab antiquo scilicet illud habes. 

_ C. Berliner-Aachen . 

Giomale Italiano delle malattie veneree e della pelle. 

1838. Heft 5. 

Bin Fall von Septico-Pyämie durch Infektion mit dem Staphylococcus 
pyogenes aureus nach einer periurethralen Phlegmone, von Dessy. Der 27jährige 
Patient hatte sich eine akute Blennorrhoe mittelst Einspritzung einer unbekannten 


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Lösung „coupiert“. Einige Tage später trat heftiges Fieber auf und es bildete sich 
eine Nephritis sowie eine ausgedehnte Phlegmone aus, die sich über Penis und Scrotum 
erstreckte. Naoh ca. acht Tagen starb der Patient. Aus dem Blute und verschiedenen 
inneren* Organen wurde der Staphylococcus pyogenes aureus kultiviert. 

Der Syphilismus, von Prof. Tommasoli. Erschien in extenso in dieser Zeit¬ 
schrift, Band XXVIII, No. 2. 

Über einige biologische und histochemische Untersuchungen über gesunde 
und syphilitische Nemaspermien in Bezug auf die syphilitische Heredität, 

von La Msnsa. Verfasser zieht aus dem Besultate seiner Experimente an Tieren 
folgende Schlüsse: 1. Das Blut syphilitischer Individuen übt auf die Nemaspermien 
keine toxischere Wirkung aus als das Blut gesunder. 2. Dem Sperma kommt keines¬ 
wegs die ihm von Boülbngier zugeschriebene phagocytische Wirkung zu. Die Lebens¬ 
fähigkeit der Nemaspermien von Individuen in irgend welcher Periode der Lues ist in 
keiner Weise vermindert, sie ist im Gegenteile ebenso unversehrt als bei gesunden 
Menschen. 4. Die gröbere anatomische Struktur der Zoospermien syphilitischer und 
gesunder Individuen ist absolut identisch. 5. Die Nemaspermien gesunder und syphi¬ 
litischer Individuen verhalten sich den sauren, neutralen und basischen Anilinfarben 
gegenüber gleich. 

Bemerkung über hereditäre und Laktationssyphilis, von Salvators Aizi. 
Verfasser fuhrt eine Beihe von Argumenten zur Unterstützung der Gesetze von Collis 
und Profeta an, denen er sich anschliefst. Bezüglich der Sängung unterscheidet er 
mit Ovard zwei Kategorien von Fällen : 1. Der Säugling zeigt syphilitische Erschei¬ 
nungen; in diesem Falle soll die Mutter, auch wenn sie frei von luetischen Mani¬ 
festationen ist, das Säugung8geschäft übernehmen, oder eine syphilitische Amme; 
ist beides nicht ausführbar, so soll das Kind künstlich ernährt werden. 2. Beim Kinde 
sind keine syphilitischen Erscheinungen bemerkbar; in diesem Falle ist Ernährung 
durch die Mutter, sei diese nun gesund oder syphilitisch, oder aber künstliche Er¬ 
nährung indiziert. 

Über die schützende Wirkung der Lymphdrüsen bei Syphilis, von J. Cao. 

Verfasser führt einen Fall an, der eine grofse Analogie mit einem anderen von Haas 
mitgeteilten hat, an. (Siehe diese Zeitschrift, Band XXVII, S. 411.) 

Ein seltener Fall von Herpes zoster, von Truffi. Die Dermatose betraf des 
gröfsten Teil der linken Wange mit Ausschlufs des vorderen Teils derselben, der 
Orbital- und Präaurikulargegend. Der befallene Bezirk entsprach also mehr dem 
Innervationsgebiete des Facialis als demjenigen des Trigeminus; aufserdem war der 
Dermatose eine spontan zwar geringe, aber auf Druck ziemlich bedeutende Schmerz* 
haftigkeit an einem Punkte voran gegangen, welcher 17—20 mm vor dem Tragus, dicht 
unter dem Processus zygomaticus lag, in der Nähe also des Proc. coron. des Unter* 
kiefers. Ferner entwickelte sich einige Tage vor dem Eintritte der Patientin ins 
Spital eine Parese des Facialis auf der Seite der Zostereruption. Verfasser nimmt 
deshalb an, dafs es sich um eine Läsion des Facialis gehandelt habe, der bekanntlich 
kein rein motorischer Nerv ist. 

Über die Behandlung des Hautepithelioms mit der Arsenikmischung von 
OZEBNT und TRUNECECK, von Mibelli. Der Erfolg in den drei mitgeteilten Fällen 
war ein vollständiger und empfiehlt daher Verfasser die Methode bestens. Statt aber 
die Lösung nur einfach aufzupinseln, legt er einen in die Lösung getauchten Watte¬ 
bausch auf die kranke Stelle auf und fixiert ihn mit einem Verbände. 

C. MÜUer-Genf. 


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Jttittcünit$(ft ans bet litteratnr. 

Traumatische Entzündungen. 

Zorn Kapitel Gewerbekrankheiten, von Max Sters. ( Münch* med. Wochenschr, 
1898. No. 33.) Bei fünf Näherinnen resp. Schneidern hat Verfasser folgende Haut¬ 
veränderungen bemerkt: An den Streckseiten der